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Full text of "Jahrbuch der Kèoniglich Preussischen Geologischen Landesanstalt und Bergakademie zu Berlin fèur das Jahr .."

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Landesanstalt und Bergakademie 


Berlin 


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1881. 


Berlin. 

Verlag der Simon ScHROPp’schen Hof- Landkartenhandlung 
(J. H. Neumann). 

1882. 



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Inhal t. 

I. Mittheilungen aus der Anstalt. 

Seite 

1. Bericht über die Thätigkeit der Königl. geologischen Landosanstalt im 

Jahre 1881 vii 

2. Arbeitsplan für die geologische Landesaufnahme im Jahre 1882 . . . xiv 

3. Personal -Nachrichten xix 

II. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

Abhandlungen von Mitarbeitern der Königl. geologischen 
Landesanstalt. 

Geologische und petrographische Beiträge zur Kenntniss des Harzes. Von 
Herrn K. A. Lossen in Berlin. II. Ueber den Zusammenhang zwischen 

Falten, Spalten und Eruptivgesteinen im Harz 1 

Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm am Nordrande des rheini- 
schen Schiefergebirges. Von Herrn E. Kayser. (Hierzu Tafel I — III.) 51 
Das ostthüringische Roth. Von Herrn E. E. Schmid in Jena. (Hierzu 

Tafel IV.) 1)2 

Terebratula Ecki nov. sp. und das Lager dieser Versteinerung bei Meiningen. 

Von Herrn W. Frantzen in Meiningen 157 

Beitrag zur geologischen Kenntniss der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe 

in Thüringen. Von Herrn II. Loretz in Frankfurt a. M 175 

Ueber Transversalschieferung und verwandte Erscheinungen im thüringischen 

Schiefergebirge. Von Demselben. (Hierzu Tafel VII.) 258 

Diabas im Culm bei Ebersdorf in Ostthüringen. Von Herrn E. Dathe 

in Berlin 307 

Gletschererscheinungen im Franken walde und vogtländischen Berglande. 

Von Demselben 317 

Ueber die geologischen Verhältnisse der Seeberge und des Galberges bei 
Gotha, mit besonderer Berücksichtigung der Lagerungsverhältnisse. 

Von Herrn Max Bauer in Königsberg i. Pr. (Mit Tafel VIII und IX.) 331 
Ueber die Bimssteine des Westerwaldes. Von Herrn Gustav Angelbis 
in Bonn 


a 


393 


Seite 


Lieber das Spaltensystem am SW.- Abfall des Broekenmassivs, insbesondere 
in der Gegend von St. Andreasberg'. Von Herrn E. Kayser in Berlin. 

(Hierzu Tafel X und XI.) 412 

Ueber das Ober-Rothliegende, die Trias, das Tertiär und Diluvium in der 

Trier’schen Gegend. Yon Herrn H. Grebe in Trier. (Hierzu Tafel XII.) 455 
Die Sande im norddeutschen Tieflande und die grosse diluviale Abschmelz- 
periode. Von Herrn G. Berendt in Berlin 482 

Ein Süsswasserbecken der Diluvialzeit bei Korbiskrug nahe Königs- Wuster- 
hausen. Von Herrn Ernst Läufer in Berlin 496 

Die Lagerungsverhältnisse des Diluvialthonmergels von Werder und Lehnin. 

Von Demselben. (Hierzu Tafel XIII, XIV u. XV.) 501 

Aufschlüsse in den Einschnitten der Stargard- Cüstriner Eisenbahn. Von 

Demselben. (Hierzu Tafel XVI.) 523 

Ueber das Vorkommen geschiebefreien Thones in den obersten Schichten 
des Unteren Diluviums der Umgegend von Berlin. Von Herrn Felix 

Wahnschaffe in Berlin 535 

Die Lagerung der diluvialen Nordseefauna bei Marienwerder. Von Herrn 

Alfred Jentzsch in Königsberg i. Ostpr. (Hierzu Tafel XVII.) . . . 546 

Ueber Kugelsandsteine als charakteristische Diluvialgeschiebe. Von Dem- 
selben. (Hierzu Tafel XVIII.) 571 

Ein Tiefbohrloch in Königsberg. Von Demselben 583 

Die Steinkohlen -führenden Schichten bei Ballenstedt am nördlichen Harz- 
rande. Von Herrn Ch. E. Weiss in Berlin 595 

Briefliche Mittheilung. Herr H. Bücking an Herrn W. Hauchecokne. Ueber 

basaltische Gesteine der nördlichen Rhön 604 

Abhandlungen von ausserhalb der Geologischen 
Landesanstalt stehenden Personen. 

Die Entwickelung des Plaeners im nordwestlichen Theile des Teutoburger 

Waldes bei Lengeri eh. Von Herrn R. Windmöller. (Hierzu Tafel XIX.) 3 
Die Löwenberger Kreidemulde , mit besonderer Berücksichtigung ihrer 
Fortsetzung in der preussischen Ober-Lausitz. Von Herrn G. Williger. 

(Hierzu Tafel XX u. XXL) 55 

Beschreibung des Strontianit- Vorkommens in der Gegend von Drensteinfurt, 
sowie des daselbst betriebenen Bergbaues. Von Herrn Paul Menzel 

in Bochum 125 

Fossile Hölzer aus der Sammlung der Königlichen geologischen Landesanstalt 

zu Berlin. Von Herrn Conwentz in Danzig 144 


I. 

Mittheilungen aus der Anstalt. 




















1 . 

Bericht über die Thätigkeit 
der Königlichen geologischen Landesanstalt 
im Jahre 1881. 


Wie in den Vorjahren waren der Harz, Thüringen, die Pro- 
vinz Hessen-Nassau, die Rheinprovinz und die Provinz Branden- 
burg auch im Jahre 1881 die Gebiete, welchen die Aufnalnne- 
thätigkeit der geologischen Landesanstalt fast ausschliesslich zu- 
gewendet wurde. Eine Erweiterung der Arbeitsgebiete fand nur 
durch die ersten Anfänge geologisch-agronomischer Aufnahmen in 
Ost- und Westpreussen statt. 

Im Mittelharz ist von dem Landesgeologen Professor Dr. 1 . Der Harz. 
Lossen die Untersuchung der Lagerungsververhältnisse der Elbin- 
geroder Devon-Mulde in den Sectionen Elbingerode und Blanken- 
burg und der dort auftretenden Eruptivgesteine fortgesetzt worden. 

Weiter hat derselbe einen Theil der Aufnahmezeit auf die Durch- 
forschung des Granit- und Gabbro - Gebietes der Gegend von 
Harzburg verwendet. 

Landesgeologe Professor Dr. Kayser hat innerhalb der im 
Vorjahre vollendeten Section Riefensbeek die Anschlüsse an die 
Section St. Andreasberg revidirt und den Verlauf der aus dem 
Oderthaie nach NW. über den Acker - Bruchberg setzenden 
neuaufgefundenen Hauptverwerfung verfolgt. Demnächst ist von 
demselben die Aufnahme der Section St. Andreasberg vollendet 
und sind insbesondere die innerhalb derselben aufsetzenden Gang- 
spaltennetze speciell untersucht und kartirt worden. 


VITT 


2. Das thürin- 
gische Becken. 


Im Westharze ist von Bergrath Dr. von Groddeck die 
Revision der früheren Aufnahmen behufs Uebertragung auf die 
neubearbeiteten Generalstabskarten fortgesetzt worden. Derselbe 
hat den Versuch einer Gliederung der Oberharzer Culm-Grauwacke 
durch Kartirung charakteristischer Conglomeratvorkommnisse in 
Angritf genommen. Sodann ist von demselben ein zuerst im 
Jahre 1877 bekannt gewordenes Vorkommen eines eruptiven Ge- 
steins in der Nähe von Lautenthal näher untersucht und als ein 
weithin aushaltender Gesteinsgang verfolgt worden. 

Sekretär Halfar hat die vielfach gestörten Lagerungsverhält- 
nisse der Devonbildungen in der Umgebung des Auerhahn in der 
Section Zellerfeld untersucht und kartirt. 

Am Nordrande des Harzes ist durch den Landesgeologen 
Professor Dr. Kayser die Untersuchung der jüngeren Gebirgs- 
schichten zwischen Blankenburg und Ilsenburg in Angritf ge- 
nommen worden. 

Südlich von Halle sind von Professor Dr. von Fritsch die 
Sectionen Halle, Gröbers, Merseburg, Kötschau, Weissenfels und 
Lützen in der Aufnahme soweit gefördert worden, dass sie nur 
noch einer Schlussrevision bedürfen. Auch innerhalb der Sectionen 
Kölsa, Schkeuditz und Mölsen sind von demselben Aufnahme- 
arbeiten ausgeführt worden. 

Landesgeologe Dr. Speyer hat die Bearbeitung der Sectionen 
Berlingerode und Dingelstedt westlich des Ohmgebirges in An- 
griff genommen. 

Von Professor Dr. Bauer ist in der Section Fröttstedt die 
Fortsetzung der an den Seebergen und dem Galgenberg bei Gotha 
auftretenden Verwerfungserscheinungen kartirt worden. Weiter 
hat derselbe die Bearbeitung der Section Ohrdruf südlich von 
Gotha mit einer ersten Orientirung in den Formationen des Roth- 
liegenden, des Zechsteins und des Buntsandsteins begonnen und 
das Blatt Langula druckfertig hergestellt. 

Im Thüringer Walde selbst setzte Landesgeologe Professor 
Dr. WEISS die Untersuchungen in der Section Brotterode fort. 
Dieselben erstreckten sich auf den südlichen Tlieil des Rothliegenden 
von Winterstein und die dortigen Eruptivgesteine, sowie auf das 


IX 


krystallinische Grundgebirge und die Zechsteinformation der Gegend 
von Liebenstein. 

Professor Dr. von Fritsch brachte die Sectionen Suhl und 
Schleusingen zum Abschluss. Ferner bearbeitete er die nord- 
östlichen Gebirgspartien von Section Schwarza, sowie in Section 
Themar das Zechsteinvorkommen von Eichenberg und Grub. 

Professor Dr. Bücking brachte in dem ehemaligen Aufnahme- 
gebiet des Directors Dr. Emmrich die Revision der Section Ober- 
katz zum Abschluss. Im Thüringer Walde bearbeitete er im 
Anschluss an die Aufnahmen des Landesgeologen Professor Dr. 
Weiss auf Section Brotterode den nordwestlichen Theil der Section 
Schmalkalden. 

Bergingenieur Frantzen vollendete die Neubearbeitung der 
Section Meiningen. 

Dr. Proesci-ioldt bearbeitete die Triasgebiete innerhalb der 
Sectionen Schwarza und Themar östlich von Meiningen , sowie 
den grössten Theil der Section Rentwertshausen. 

Geheimer Hofrath Professor Dr. Schmid brachte die Unter- 
suchung und Kartirung der Sectionen Arnstadt, Plaue, und Ilmenau 
zum Abschluss. 

Professor Dr. Liebe setzte die Aufnahmearbeiten im östlichen 
Thüringer Wald in den Sectionen Waltersdorf, Naitschau, Greiz, 
Schleiz und Hirschberg fort. 

Dr. Datiie kartirte die nördliche Hälfte der Section Loben- 
stein sowie innerhalb der Section Hirschberg den Weidmannsheiler 
Forst. 

Dr. Loretz revidirte und ergänzte seine Aufnahmen der 
Sectionen Eisfeld, Steinheide, Spechtsbrunn, Meeder, Neustadt und 
Sonneberg im südlichen Theil von Meiningen, welche nunmehr 
druckfertig vorliegen. Derselbe begann alsdann die Untersuchung 
der angrenzenden Sectionen Masserberg, Breitenbach, Coburg und 
Steinach. 

In der Provinz Hessen-Nassau setzte Landesgeologe Dr. Moesta 
seine Arbeiten für die Sectionen Melsungen, Altmorschen, Seifferts- 
hausen und Ludwigseck im nördlichen Theil des Regierungsbezirks 
Cassel fort. 


Hessen- 

Nassau. 


X 


Professor Dr. von Könen revidirte seine Aufnahmen der 
Sectionen Eiterfeld und Geisa nördlich der Rhön, welche nebst 
den Sectionen Hersfeld, Friedewald, Dorndorf und Lengsfeld 
druckfertig hergestellt worden sind. 

Landesgeologe Dr. Speyer begann die Untersuchung und 

o o o o 

Kartirung der Sectionen Salzschlirf und Hünfeld bei Fulda, von 
welchen die erstere innerhalb des Preussischen Antheils bis auf 
eine letzte Revision fertiggestellt wurde. Demnächst wurde von 
ihm ein Theil seiner früheren Aufnahmen in den Sectionen Grossen- 
lüder und Fulda revidirt. 

Im nördlichen Theil des Regierungsbezirks Wiesbaden hat 
Dr. Angelp.is die im Vorjahre begonnene Kartirung der Section 
Westerburg beendet, welche nebst den druckfertigen Sectionen 
Langenbach, Wildenstein, Marienberg, Rennerod und Mengers- 
kirchen den hohen Westerwald zur Darstellung bringt. Derselbe 
hat weiter die dem westlichen Abfall dieses Gebietes angehörende 
Section Selters druckfertig hergestellt. 

Im südlichen Theile des Regierungsbezirks Wiesbaden hat 
Landesgeologe Dr. Koch seine Thätigkeit der Vollendung der 

O O O O 

Sectionen Limburg, Eisenbach, Kettenbach, Idstein, Feldberg 
und Homburg gewidmet, welche er dem ' Abschluss nahe ge- 
führt hat. 

4. Die Kheiu- Im südlichen Theile der Rheinprovinz hat Landesgeologe 

provmz. Grebe an der Mosel und nördlich derselben die Sectionen Bitburg, 

Dreis, Wittlich und Bernkastel zum Abschluss gebracht und die 
Section Echternacher Brücke zum grössten Theil bearbeitet. 

5. Die Gegend In diesem Gebiete, innerhalb dessen bei der geologischen 

von Berlin und Aufnahme zugleich die agronomischen Verhältnisse untersucht und 

kartirt werden, führten südwestlich von Berlin Dr. Läufer und 
Dr. Wahnschaffe die letzte Revision der Sectionen Ketzin und 
Werder aus, so dass die Publikation der die weitere Umgebung 
von Potsdam umfassenden Sectionen Ketzin, Fahrland, Werder, 
Potsdam, Beelitz und Wildenbruch in Angriff genommen werden 
konnte. 

Die Sectionen Berlin und Friedrichsfelde sind von Professor 
Dr. Berendt unter Hülfeleistung des Dr. Keilhack druckfertig 
hergestellt worden. 


XI 


Südöstlich von Berlin hat Dr. Wahnschaffe den grösseren 
Theil der Section Rüdersdorf aufgenommen. 

Aus dem Gebiete nordöstlich von Berlin ist die Section 
Bernau durch Dr. Läufer vollständig, die Section Schönerlinde 
durch Dr. Keilhack etwa zur Hälfte kartirt worden. 

Behufs der Ergänzung der geologischen Uebersichtskarte der 
Umgegend Berlins in 1 : 100 000 ist ferner die Section Grünthal 
durch Dr. Läufer, die Section Werneuchen durch Dr. Wahn- 
schaffe untersucht worden. 

In dem Aufnahmegebiet westlich der Elbe bei Stendal be- 
endete Professor Dr. Scholz die Aufnahme der Section Klinke 
und begann diejenige der Section Gardelegen. 

Professor Dr. Grüner vollendete die Untersuchung der Section 
Lüderitz und ging demnächst zur Bearbeitung der Section Scherne- 
beck über. 

In der Provinz Westpreussen begann Dr. Jentzscfi die Auf- 
nahmen mit der Untersuchung der Section Marienwerder. Ein 
Theil der westlich angrenzenden Section Münsterwalde ist von 
Dr. Meyer bearbeitet worden. 

In der Provinz Ostpreussen wurden von Dr. Klebs die Auf- 
nahmen mit der Untersuchung der Section Süssenberg bei Ileils- 
berg eröffnet. 

Im Laufe des Jahres sind zur Publikation gelangt: 

1. Lieferung XVII, enthaltend die südthürin- 
gischen Blätter Roda, Gangloff, Pörmitz, 

Triptis, Neustadt und Zeulenroda .... 6 Blätter. 

2. Lieferung XIX, enthaltend die nordthürin- 
gischen Blätter der Gegend südwestlich von 
Halle: Riestädt, Schraplau, Teutschenthal, 

Ziegelroda, Querfurt , Schafstedt , Wiehe, 


Bibra und Freiburg 9 » 

zusammen 15 Blätter. 

Bisher waren publicirt 76 » 

Es sind mithin im Ganzen publicirt . . .91 Blätter. 


Weiter gelangten zur Ausgabe von Abhandlungen und sonstigen 
Arbeiten : 


6. West- 
preussen. 


7. Ostpreussen. 


Stand der 
Publikationen. 


XII 


Debit der 
Publikationen. 


1. Abhandlungen, Band III, Heft 2 : Untersuchung des Bodens 
der Umgegend von Berlin, bearbeitet von Dr. E. Läufer 
und Dr. F. Wahnschaffe, 283 S. 

2. Abhandlungen, Band III, Heft 3: Die Bodenverhältnisse 
der Provinz Schleswig-Holstein, von Dr. Ludwig Meyn, 
mit Anmerkungen sowie dem Schriftenverzeichnisse und 
Lebensabrisse des Verfassers von Dr. G. Berendt, 52 S. 
Nebst einer geologischen Uebersichtskarte der Provinz 
Schleswig - Holstein im Maassstabe 1:300 000 von Dr. 
L. Meyn und einem Bildniss desselben in Lichtdruck. 

3. Jahrbuch der Königlich Preussischen geologischen Landes- 
Anstalt und Bergakademie zu Berlin für das Jahr 1880. 
Gross 8°, CV und 350 S. Nebst X Tafeln. 

4. Aus der Flora der Steinkohlenformation von Dr. E. Weiss. 

Nach dem vorjährigen Berichte betrug die Zahl der debitirten 
Kartenblätter am Schlüsse des Jahres 1880 (S. CV) 8496 Blätter. 
Im Jahre 1881 wurden verkauft: 


von 

Lieferung I, Gegend von 

Nordhausen 

40 Bl. 

» 

» II, 

» » 

J ena .... 

38 

» 

» 

» III, 

» » 

Bleicherode 

19 

» 

» 

» IV, 

» » 

Erfurt .... 

21 

» 

» 

V, 

» » 

Halle .... 

10 

» 

» 

» VI, 

» » 

Saarbrücken 






I. Theil . . . 

69 

» 

» 

» VII, 

» » 

II. » ... 

63 

» 

» 

» VIII, 

» » 

Rieche! sdorf . 

39 

» 

» 

X, 

» » 

Saarburg 

40 

» 

» 

» XI, 

» » 

Berlin (Nauen etc.) 

4 

» 

» 

» XII, 

» » 

Naumburg a. S. . 

22 

» 

» 

» XIII, 

» » 

Gera 

50 

» 

» 

» XIV, 

y> » 

Berlin (Oranien- 






bürg) 

18 

y> 

» 

» XV, 

» » 

Wiesbaden 

111 

» 

» 

» XVII, 

» » 

Triptis, Neustadt 

456 

» 

» 

» XIX, 

» » 

Querfurt . . . 

585 

» 


so dass im Ganzen im Handel debitirt sind . . .10081 Blätter. 


/ 


XIII 


Von Abhandlungen wurden verkauft: 

Band I, Heft 1. (Eck, Rüdersdorf) 3 Exempl. 

» » » 2. (Schmid, Thüringischer Keuper) . 3 » 

» » » 3. (Laspeyres, Rothliegendes von Halle) 3 » 

» » » 4. (Meyn, Insel Sylt) 3 » 

Band II, » 1. (Weiss, Steinkohlen-Calamarien) . . 6 » 

» » »2. (Orth, Rüdersdorf) 2 » 

» » » 3. (Berendt, Umgegend Berlins, Nord- 
west) 2 » 

» » » 4. (Kayser, Devonfauna des Harzes) . 2 » 

Band III, » 1. (Weiss, Flora von W ünschendorf ) . 7 » 

» » »2. (Läufer und Wahnschaffe, Boden- 

untersuchung) 44 » 

» » » 3. (Meyn, Schleswig-Holstein) . . .131 » 

Von den sonstigen Publikationen wurden verkauft: 

Jahrbuch der Anstalt für das Jahr 1880 .... 26 Exempl. 

Weiss, Aus der Flora der Steinkohlenformation . .261 » 


XIV 


2 . 

Arbeitsplan 

für die geologische Landesaufnahme 
im Jahre 1882. 

I. Harz. 

Im Mittelharz wird der Landesgeologe Professor Dr. Lossen 
die Aufnahme der Elbingeroder Mulde in den Sectionen Blanken- 
burg und Elbingerode und demnächst die Untersuchung der kry- 
stallinischen Gresteine westlich des Brockens in der Section Harz- 
burg fortsetzen. 

Im Westharz wird Bergrath Dr. von Groddeck die Revision 
seiner früheren Aufnahmen auf der Grundlage der neuen topo- 
graphischen Generalstabskarte fortsetzen. 

Sekretär Halfar wird die Abgrenzung der Calceola-Schichten 
in der Section Zellerfeld vollenden und seine früheren Arbeiten 
im nördlichen Theil dieser Section in Zusammenhang und zum 
Abschluss bringen. 

Am Nordrande des Harzes wird Professor Dr. Dames die 
Section Quedlinburg fertigstellen und die Bearbeitung des nicht 
paläozoischen Theiles der Sectionen Blankenburg und Derenburg 
beginnen. 

Am Westrande des Harzes wird Professor Dr. von Könen 
die Bearbeitung der Section Gandersheim, deren Aufnahme bereits 
durch den Landesgeologen Dr. Speyer begonnen worden, weiter- 
führen. 


XV 


2. Im nördlichen Thüringen 

wird Professor Dr. von Fritsch die Aufnahmen in den Sectioneu 
Halle, Gröbers, Kölsa, Merseburg, Kötschau, Weissenfels und 
Lützen revidiren. 

Geheimer Hofrath Professor Dr. Schmid wird die Section 
Dietendorf bearbeiten. 

Professor Dr. Bauer wird die Aufnahme der Section Ohrdruf 
fortsetzen. 

Dr. Bornemann wird die Section Wutha zum Abschluss zu 
bringen suchen. 

Ingenieur Frantzen wird die Gliederung des unteren Muschel- 
kalks innerhalb eines Theiles der Section Berka in ihrer Beziehung 
zu der Entwickelung im Meiningen'schen durchzuführen versuchen. 


3. Im Thüringer Wald und südlich desselben 

wird der Landesgeologe Professor Dr. Weiss die Bearbeitung der 
Sectionen Brotterode und Friedrichsroda fortsetzen. Derselbe wird 
ferner in Gemeinschaft mit Herrn Professor Dr. von Fritsch 
eine vergleichende Untersuchung des Rothliegenden in der Um- 
gebung des Granits von Zella und Goldlauter ausführen. 

Professor Dr. von Fritsch wird die Aufnahmen der Sectionen 
Suhl und Schleusingen und des nordöstlichen Theiles der Section 
Schwarza revidiren. 

Derselbe wird auf Section Tambach das Gebiet untersuchen, 
welches südlich des von Herrn von Seebach bearbeiteten Theiles 
der Section liegt, jedoch unter Ausschluss des von der Strasse 
von Schnellbach nach Steinbach-Hallenberg gegen Südwesten be- 
legenen Flächenraumes, welchen Professor Dr. Bücking bear- 
beiten wird. 

Professor Dr. Bücking wird nächst der Aufnahme des er- 
wähnten Theiles der Section Tambach die Section Schmalkalden 
zum Abschluss bringen und, wenn die Zeit es gestattet, den 
nördlichen Theil des Gebietes westlich des Schwarza -Thaies auf 
Section Schwarza bearbeiten. 


XVI 


Ingenieur Frantzen wird den südlichen Theil dieses Gebietes 
in Section Schwarza untersuchen und die Aufnahme der Section 
Dingsleben in Angriff nehmen, wobei er von Norden her be- 
ginnen wird. 

Dr. Proesciioldt wird die Section Rentwertshausen revidiren 
und die Aufnahme der Section Themar zum Abschluss bringen. 

Weiter wird derselbe innerhalb der Section Schwarza das 
Triasgebiet östlich des Schwarza-Thaies fertig kartiren. 

Geheimer Hofrath Professor Dr. Schmid wird die Aufnahme 
der Sectionen Crawinkel und Stadt Ilm weiterführen. 

Dr. Loretz wird die Bearbeitung der Section Masserberg 

Ö Ö 

unter Berücksichtigung des Anschlusses an die Sectionen Schleu- 
singen und Ilmenau zum Abschluss bringen und demnächst die 
Revision der Section Gräfenthal weiterführen. Sofern die Zeit es 
gestattet, wird er die Aufnahme der Sectionen Steinach, Oeslau 
und Coburg fortsetzen. 

Professor Dr. Liebe wird die Aufnahme der Sectionen 
Naitschau und Greiz zum Abschluss zu bringen suchen und die 
der Sectionen Gefell, Schleiz, Hirschberg und Lobenstein weiter 
fördern. 


4. In der Provinz Hessen -Nassau 

wird Landesgeologe D» Moesta die Blätter Melsungen, Alt- 
morschen, Seiffertshausen und Ludwigseck zum Abschluss bringen. 
Sofern die Zeit es gestattet, wird er demnächst die Bearbeitung 
der Sectionen Cassel und Oberkaufungen in Angriff nehmen. 

Professor Dr. Bücking wird die Kartirung der Section Kella 
beginnen. 

Professor Dr. Bauer wird die Aufnahme der Section Tann 
weiterführen. 

. Professor Dr. Kayser wird im Taunus die noch erforderliche 
Revision einzelner Theile der Sectionen Feldberg und Homburg 
ausführen und die Aufnahme der Section Schaumburg im An- 
schluss an die Vorarbeiten des Landesgeologen Dr. Koch be- 
ginnen. 


XVI! 


I)r. Angelbis wird die Aufnahme der Sectionen Montabaur 
und Girod vollenden und, wenn die Zeit es gestattet, die Tertiär- 
und Basaltvorkomxnen in der Section Hadamar bearbeiten. 

5. In der Rheinprovinz 

wird Landesgeologe Gkebe die Sectionen St. Wendel und Freisen 
der bayerischen Grenze entlang revidiren und demnächst die Auf- 
nahmearbeiten in dem nördlich der Mosel liegenden Theile des 
Regierungsbezirks Trier weiterführen. 

6. In der Provinz Schlesien 

wird Dr. Dathe die Aufnahmearbeiten in den Sectionen Neurode, 
Wünscheiburg und Frankenstein beginnen. 

7. Im Aufnahmegebiet des Flachlandes 

a) westlich der Elbe 

werden Professor Dr. Scholz und Professor Dr. Grüner die 
Aufnahme der Sectionen Gardelegen und Schernebeck zum Ab- 
schluss bringen und demnächst die Bearbeitung der Sectionen 
Stendal, bezw. Tangermünde in Angriff nehmen. 

Dr. Klockmann wird die Aufnahme der Section Arneburg 
beginnen. 

b) in der Umgegend von Berlin 
wird Professor Dr. Berendt die im Maassstabe 1 : 100 000 be- 
reits ausgeführte Section Biesenthal im Specialkarten -Maassstabe 
1 : 25 000 fertigstellen. 

Dr. Läufer wird in gleicher Weise die bereits im Maass- 
stabe 1 : 100 000 aufgenommene Section Grünthal bearbeiten. 

Dr. Waiinschaffe wird die Section Rüdersdorf zum Abschluss 
bringen und die in 1 : 100 000 bereits vorliegenden Sectionen Alt- 
Landsberg und Werneuchen fertigstellen. 

o O 

Dr. Keilhack wird die begonnene Section Schönerlinde be- 
enden und die in 1 : 100 000 aufgenommene Section Wandlitz im 
Specialkartenmaassstab bearbeiten. 


XVTII 


c) in Westpreussen 

wird Dr. Jentzsch die im Vorjahre begonnene Aufnahme der 
Section Marienwerder abschliessen und alsdann die anstossende 
Section Rothhof fertig zu stellen suchen. 

d) in O s t p r e u s s e n 

wird Dr. Klees in gleicher Weise Section Süssenberg abschliessen 
und das anstossende Blatt Heilsberg bearbeiten. 

e) in der Gegend von Halle 
wird Dr. Läufer nach Abschluss der Aufnahmen in der Umgegend 
Berlins das Diluvial- und Alluvialgebiet im nördlichen Theil der 
Sectionen Gerbstädt , Gönnern und Gröbzig einer vergleichenden 
Untersuchung und Kartirung im Hinblick auf die bei Berlin aus- 
geführten Arbeiten unterziehen. 


XIX 


3 . 

Personal - Nachrichten. 


Die Bergakademie erlitt am 10. März 1881 durch den Tod 
des Professors Albert Rhodius, Docent der höheren Mathematik 
und der Markscheide- und Messkunst, einen schweren Verlust. 

Die von demselben vorgetragenen Lehrgegenstände sind auf 
zwei Lehrkräfte vertheilt worden. 

Die mathematischen Vorträge und Uebungen hat Professor 
Dr. A. W angerin von der Berliner Universität mit Beginn des 
Sommersemesters 1881 übernommen. 

Als Docent der Markscheide- und Messkunst ist der Ober- 
bergamts -Markscheider A. Schneider, bis dahin bei dem König- 
lichen Oberbergamte in Bonn, mit Beginn des Wintersemesters 
1881/82 berufen worden. 

Bei der geologischen Landesanstalt ist Dr. II. Bücking in 
Folge seiner Berufung als ausserordentlicher Professor bei der 
Universität Kiel am 1. October 1881 ausgeschieden. 

Die Stelle desselben ist dem Dr. E. Dathe von demselben 
Zeitpunkt ab verliehen worden. 

In der Flachlandsabtheilung sind die Geologen Dr. A. Jentzscii 
und Dr. R. Klebs in Königsberg vom 1. April und Dr. C. Iveilhack 
in Berlin vom 1. Juni 1881 ab als Hiilfsarbeiter einejetreten. 




II. 


Wissenschaftliche Mittheilungen. 







' 






























Abhandlungen 


von 


Mitarbeitern 

der König!, geologischen Landesanstalt. 
















I 



































Geologische und petrographische Beiträge 

zur 

Kenntniss des Harzes. 

Von Herrn K. A. Lossen in Berlin. 

II. lieber den Zusammenhang zwischen Falten, 
Spalten und Eruptivgesteinen im Harz l ). 

Spalten, gleichviel ob erfüllt als (fange oder leer als Klüfte, 
sind Ibisse, Sprünge, wie man wohl im gewöhnlichen Lebeh sagt, 
während der Bergmann und Geolog das letztere Wort nur da 
an wenden , wo zugleich längs der Zerreissung der Gebirgsglieder 
eine gleichzeitig oder nachträglich erfolgte Verschiebung des Aus- 
einandergerissenen — eine Verwerfung — stattgefunden hat. An 
die Erklärung der Entstehung solcher Risse wird man in einem 
gefalteten Gebii’ge erst dann herantreten dürfen, nachdem einiger- 
massen Klarheit gebracht ist in den gefalteten Schichtenaufbau; 
greifen aber in diesen letzteren überdies noch ungeschichtete 
Eruptivmassen ein, so wird auch das Verständniss der Art und 
Weise ihres Zusammenhanges mit dem geschichteten Gebirgskörper 
als Vorbedingung zur Erklärung der Spalten gelten müssen. 

Somit kann es nicht Wunder nehmen, dass trotz des früh- 
zeitigen Bergbaues im Harze und trotz der demzufolge frühzeitigen 

O O ö O 

') Nach einer Reihe von dem Autor vor der D. geol. Ges. gehaltenen Vor- 
trägen, ergänzt durch einige im Sommer 1881 gewonnene Resultate. Zur besseren 
Orientirung für den Leser diene des Autors geognostische U ebersich tskarte vom 
Harz (1:100 000) und die auf gleicher topographischer Grundlage (Auhagen’s 
Harzkarte) von der geologischen Landesanstalt herausgegebene Höhenschichtenkarte. 


1 


2 


K. A. Lossen, geologische und petrographische 


geologischen Würdigung des Gebirges Versuche zur Erklärung 
der Entstehung des Harzer Gangspaltennetzes relativ spät auf- 
treten. Zwar konnte man nicht wohl übersehen, dass die vorzüg- 
lichsten durch den Bergbau bekannt gewordenen Erz - Gänge im 
Oberharze und im Unterharze (Neudorf - Strassberger und Harz- 
geroder Gänge) im Allgemeinen im Sinne der Gebirgsaxe aus 
OSO. nach WNW. und somit quer gegen das in h. 3 angesetzte 
Generalstreichen, richtiger gegen die herrschendere südwestnord- 
östliche Streichrichtung der Schichten verlaufen. Dabei blieb 
aber auch die längste Zeit die Erkenntniss stehen, gleichviel ob 
man sich mit den ältesten Forschern die Schichtenmasse mit ge- 
meinsamem Streichen und südöstlichem Fallen als Ganzes oder 
aber lieber nach Hausmann ’s Anschauung als durch die Diabas- 
eruptionen schollenweise zerstückt gehoben vorstellte. Ein Fort- 
schritt war erst möglich , nachdem palaeontologische und bei dem 
notorischen Versteinerungsmangel in den allermeisten Harzschichten, 
namentlich, jenen voraufgehend und folgend, sehr mühsame petro- 
graphisch-stratographische Detailuntersuchungen ein reich geglieder- 
tes lebendiges Bild an Stelle jenes eintönigen Schiefergebirges mit 
der schematischen Generalstreichlinie hatten treten lassen. 

Viele haben an diesem Bilde gearbeitet. Lange Zeit be- 
schränkte sich die eingehendere Kenntniss der Gebirgsschichten 
fast ausschliesslich auf das nordwestliche Drittel des Gebirges, auf 
das natürliche Beobachtungsgebiet der Klausthaler Geologen und 
des Oberharzer Bergmanns. Zu isolirt lagen weiter östlich die 
Arbeitsfelder des bis in hohes Alter emsigen Jasche und des 
genialen thatkräftigen J. C. L. Zincken. Später gewann vorzüglich 
F. A. Roemer auch dem Unterharze scliätzenswerthe und in ge- 
wissem Sinne grundlegende Resultate ab, leider aber wesentlich nur 
palaeontologische, deren zu einer geologischen Uebersichtskarte 
des Gebirgs versuchte Verwerthung misslingen musste, weil sie 
der nur Hand in Hand mit der petrograpliisch - stratographischen 
Forschung zu gewinnenden Klarlegung der Schichtengliederung 
und des Schichtenaufbaues vorauseilte. 

Erst den frühesten Forschungen der geologischen Landesanstalt 
blieb, wie der Nachfolger auf E. A. Roemer’s Lehrstuhl ausdrücklich 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


3 


anerkannt hat, Vorbehalten vom Ostharze her den Faltenbau des 
Gebirges aufzuhellen 1 ). In einer ersten, zu Eude des Jahres 2 ) 
1867 von dem Verfasser gegebenen Zusammenfassung der durch 
die Arbeiten E. Beyrich’s, R. Stein ’s und die eigenen bis dahin 
gewonnenen Einzelerfahrungen zum Gesammtergebniss wurden be- 
reits nach Aufzählung der vielfach neu erkannten oder abweichend 
von F. A. Roemer geordneten Formationsglieder die Sattelaxe 
der Tauner (»liegenden«) Grauwacke im Unterharze und die 
drei Muldensysteme dieses Gebirgstheiles, die Süd mul de, die 
Ost- oder Selke- Mulde, und die Elbingeroder Mulde, 
hervorffehoben und zugleich die l>is dahin geläufige irrige Vor- 
Stellung von dem durch den ganzen Harz fast ausnahmslos herr- 
schenden südwestnordöstlichen Generalstreichen widerlegt. 

Derselbe Aufsatz wies auch bereits dein Di alias und Granit 
eine von der Auffassung Hausmann 's wesentlich verschiedene 
Rolle zu. Ersterer wurde im Einklang mit den trefflichen localen 
Beobachtungen Obebeck ’s 3 ) aus der Umgebung von Goslar und 
Wolfshagen, in seinen einzelnen Varietäten als niveaubeständig 
innerhalb der Schichtenreihe, als symmetrisch wiederkehrend in 
den einzelnen Sattel- und Muldenflügeln und somit als älter wie 
die Schichtenfaltungen und denselben nur passiv eingefügt er- 
kannt. Dagegen wurde dem Granit, welcher anfänglich der 
Werner sehen Schule als ältestes Formationsglied und Basis für 
das ganze Gebirgsgerüst, v. Raumer sodann als Einlagerung zwi- 
schen den Schichten, L. v. Buch, Hausmann, Fr. Hoffmann end- 
lich als eine dem Schichtenbaue fremde, störend von unten ein- 
gedrungene Masse gegolten hatte, damals schon eine activ bei 
dem Gebirgsbau mitwirkende Rolle zugewiesen, aber nicht in dem 
Sinne der Erhebungstheorie 4 ). Es wurde vielmehr ausgeführt, 
dass die Massive des Granits nach Lage und Umriss die deut- 
lichsten Beziehungen zum Verlaufe der Schichten erkennen lassen, 


') v. Gp.oddeck, Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten- und Salinenwesen im preuss. 
Staat, 1873, Bd. 21, S. 1. 

2 ) Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. XX, S. 216 ff., vergl. auch Bd. XXI, S. 283. 

3 ) Maja, 1856, S. 50 ff. 

4 ) Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. XX, S. 224 bis 225, Bd. XXI, S. 328. 

1 * 


4 


K. A. Lossen, geologische und petrographische 


dergestalt, dass sein Eindringen zwischen die Sedimente in den 
bereits im Zug begriffenen Faltungs- und Gebirgsbildungsprocess 
formgebend eingegriffen haben müsse. 

O o o 

Die weitere Entwicklung dieses Gedankens an der Iland der 
eigenen Beobachtungen und derjenigen sämmtlicher Vorgänger und 
Mitarbeiter führte dann zu dem als Schlüssel für den Bau des 
H arzes aufgestellten Satze, dass die einseitig (heteroklin) 
zusammengeschobene Falte bei gesteigertem Drucke 
in eine dem Streichen nach durchrissene Falte mit auf- 
wärts geschobenem Hangenden und diese bei abermali- 
ger fortgesetzter Steigerung des Drucks in eine Zer- 
spaltung mit aufgepressten Eruptivgesteinen übergehen 
könne. Damit war die Grundlage für jene einheitliche 
Auffassung von dem inneren Baue des Gebirgs gegeben, 
welche zugleich mit diesem Satze ausgesprochen wurde und welche 
die Berechtigung gab, nunmehr zur Publication der geognostischen 
Uebersichtskarte des Harzes, verbunden mit einer Irlöhenschichten- 
karte auf derselben topographischen Grundlage (Auhagen s Harz- 
karte 1 : 100 000), vorzuschreiten. 

Diese der Deutschen geologischen Gesellschaft zuerst im Früh- 
jahre 1876 und wiederholt 1877 auf der Generalversammlung in 
Wien von dem Verfasser vorgetragene Theorie x ) erklärt: Der 
Harz, dieser »eine Berg« des Lasius, das » unzer stückte 
Massengebirge« Fr. Hoffmann’s, ist getreu seiner orographi- 
schen Gestaltung und seiner geographischen Lage zwischen dem 
Rheinisch - Westfälischen Schiefergebirge im Westen und den 
Hercynisch - Sudetischen Gebirgen im Süden und Osten, so wie 
äusserlich, so auch innerlich ein Gebirgsknoten, in 
welchem sich die beiden einseitig von SO. und von SW. her 

*) Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. XXVIII, S. 168. Vergl. auch Sitzungsberichte 
der Ges. naturforschend. Freunde z. Berlin, 1881, S. 24 ff., wo der Zusammen- 
hang mit den Lothablenkungszahlen erörtert wurde. Zur Orientirung sei dabei 
bemerkt, dass die dort mitgetheilten Lothablenkungswerthe seither durch das 
geodätische Institut eine kleine Correctur erfahren haben, darum nicht genau mit 
den richtigeren Zahlen der Uebersichtskarte stimmen; diese Correctur, die von 
der Messungsgrundlage (Seeberg bei Gotha) ausgeht, betrifft die Zahlen in gleichem 
Sinne, ändert daher an dem Resultat nichts. 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


5 


zusammengeschobenen Faltensysteme jener Nachbargebirge kreuzen, 
durchdringen und hemmen. In den rechtwinklig aufeinander stehen- 
den Hauptdurchmessern 1 ) der Granit -Massive des Brockens und 
des Rammbergs kehren die Streichrichtungen der beiden sich 
kreuzenden Faltensysteme wieder. Lage und Umriss dieser zwei 
Haupt - Granitmassive und ihrer Contacthöfe, verglichen mit dem 
Schichtenbaue, weisen 2 ) deutlich darauf hin, dass Brocken und 
Rammberg einseitig südost- und südwestwärts geneigt in den 
dynamischen Brennpunkten des kreuzweise durcheinander gefalteten 
Gebirgsbaues stehen, als in den Maximaldruckregionen einseitig 
geneigt in magmatischem Zustande aufgepresste Eruptivmassen. Es 
tragen sonach die Granitstöcke auf den einander zugekehrten weniger 
steilen Seiten in ihrem Hangenden die durch Druck und Gegen- 
druck stark ineinander gepressten, dem Fallen und Streichen nach 
gestauten, verbogenen, schliesslich tief aufgeborstenen und dem- 
zufolge von Eruptivgängen durchsetzten älteren Schichtgruppen, 
umgekehrt sind auf den von einander abgekehrten Steilseiten im 
Liegenden jüngere Schichtgruppen niedergedrückt 3 ). 

Aus dem Verständnisse der beiden sich kreuzenden Falten- 
systeme und der darin eingezwängten in ihren Druckwirkungen 
auf den Schichtenbau sich Widerpart haltenden Granitkerne er- 
wuchs wie von selbst die Auffassung, dass die das Gebirge durch- 
setzenden Gangspalten als F o 1 g e w i r k un g gehe m m t e r F a 1 1 ung, 
beziehungsweise einer dabei bis zur Schichtenzerreissung gesteiger- 
ten Spannung zu betrachten sind. Schon 1870 war in den Erläute- 
rungen zu der die Südmulde darstellenden ersten Lieferung der 
Detailkarten des Harzes 4 ) darauf hingewiesen worden, dass die 


] ) II auptdurclimesser, weil im Brockenmassiv deutlich ein zweiter kürzerer 
Durchmesser zwischen Hasserode und Harzburg hervortritt, welcher in seiner 
kercynischen Richtung dem Rammberge entspricht. 

2 ) Unter Berücksichtigung cles weiter unten näher zu besprechenden Um- 
stands, dass in der Nordhälfte des Brockenmassivs ein dem Rammberg ver- 
gleichbarer hercynischer Antheil sich geltend macht. 

3 ) So ist es wenigstens im Grossen und Ganzen, auf die Zugwirkungen, die 
neben den Druckwirkungen nicht fehlen, ist weiter unten hingewiesen. 

4 ) Geol. Specialkarte v. Preussen u. d. Thüring. Staaten. 1. Lief., Text zu 
Bl. Benneckenstein, S. 7 ; Bl. Hasselfelde, S. 8. 


6 


K. A. Lossen, geologische und petrograpbische 


ungleiche physikalische Beschaffenheit der in Faltung begriffenen 
Massen eine ungleiche Widerstandsfähigkeit und zufolge dessen 
eine trotz ursprünglicher gleichartiger Lagerung im Endresultat 
bis zur Discordanz gesteigerte ungleiche Art der Fortpflanzung des 
Faltungsdruckes verursache. Speciell war die grössere Beweglich- 
keit des in sich verschiebbaren und dadurch faltungs- und pres- 
sungsfähigeren Schiefersediments gegenüber der grösseren Sprödig- 
keit und Steifheit des Grauwacken- und z. Th. auch des Kiesel- 
schiefersediments betont worden. Zahlreiche seitliche und geneigte 
Ausquetschungen, oder aber Verdrückungen der Schiefer zwischen 
den mehr als Ganzes bewegten, gestauten, örtlich über die Schiefer 
hinweg geschobenen oder dieselben zusammendrückenden spröden 
Massen führten zu dieser Erklärung. 

Die fortgesetzte Detailaufnahme gab häufig Veranlassung zur 
Anwendung dieser Grundsätze auf bestimmte Theile des Gebirgs. 
Insbesondere aber war die in Verdrückung, Ueberschiebung und 
Querfaltung bis zur Schichtenzerreissung und -Verwerfung ausge- 
drückte Deformirung der SW. — NO. eingesenkten Selkemulde durch 
das Auszwängen des NW. — SO. gerichteten Rammberg- Massivs, 
sowie überhaupt das Verhält n iss der dieses Massiv umgebenden 
Schichten zum Granitkerne Gegenstand der Betrachtung des Ver- 
fassers Q. Dabei ergab sich von selbst, dass die jener lediglich 
aus dem Schichtenbaue nachgewiesenen grossen Querverwerfung l 2 3 ) 
im Selkethal parallel laufenden altbekannten Unterharzer Erzgänge, 
besonders der weithin fortsetzende Neudorf-Strassberger Gangzug, 
auf die gleiche Ursache zurückzuführen seien. Als dann die Detail- 
untersuchungen des Verfassers in die nordöstliche Umgebung des 
Brocken-Massivs vor und damit dem Oberharze näher rückten, damals 
galt es die dort von A. v. Groddeck und A. Halfar und die weiter 
gegen Harzburg und südöstlich bis Andreasberg und bis über Elend 
hinaus durch E. Kayser gewonnenen Resultate mit den Ergebnissen 

l ) Vergl. Zeitschr. d. D. geol. Ges. 1872 — 1874, Bd. XXIY, S. 177; Bd. 

XXVI, S. 376 (wo Z. 17 von oben der Bindestrich zwischen >NW.« und »Ueber- 
schiebungen« als sinnstörender Druckfehler zu tilgen ist), Bd. XXVII, S. 448 ff. 

3 ) Siehe die am meisten thalabwärts das Selkethal kreuzende goldene Ver- 
werfungslinie in der Uebersichtskarte. 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


7 


älterer Forscher und den eigenen, vor Allem aber mit den aus dem 
Unterharze geschöpften Grundzügen vom Baue und der Gliederung 
des Gebirges zu jenem Gesammtbilde zusammenzufassen. Diese 
durch freundliches Entgegenkommen seitens der genannten Herren 
Mitarbeiter unterstützte Arbeit ist, soweit sie den Zusammenhang- 
der Oberharzer mit den Unterharzer Schichten betrifft, ausser in 
der seit 1867 begonnenen, jetzt vollendeten Uebersichtskarte in 
einem in der Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft 
Bd. XXIX, S. 612 — 624 veröffentlichten Artikel dargestellt. 

Es lag nahe die am Rammberge gewonnene Anschauung von 
der Entstehung der Gang- und Verwerfungsspalten durch die Ein- 
wirkung der hercyni sehen Granitaufpressung auf das bereits gefaltete 
Schichtgebirge mutatis mutandis auch für eine Erklärung des Ober- 
harzer Gangspaltensystems zu verwerthen. Denn es konnte der 
Beobachtung nicht entgehen, dass in der grossen als Brockenmassiv 
zusammengefassten Eruptivmasse, wie schon Jasche nach seiner 
Auffassungsart erkannt hatte und die Entdeckung der dem Bode- 
gange entgegenstrebenden Hasseröder granophyrischen Granitapo- 
physen bestätigte 1 ), neben dem nordostwärts gegen den Unterharz 
streichenden Granitsystem zugleich auch ein hercynisch gerichtetes 
gegen Unter- und Oberharz gekehrtes vorhanden ist. So hat sich 
denn auch der Verfasser in einem Pfingsten 1876 auf Wunsch des 
Herrn Berghauptmanns Ottiliae vor dem Oberbergamtscollegium 
in Klausthal gehaltenen und später vor der Deutschen geolo- 
gischen Gesellschaft noch eingehender ausgeführten 2 ), ungedruckt 
gebliebenen Vortrage kurz dahin ausgesprochen, das einseitige An- 
drängen des Granits in der hercynischen Richtung lediglich gegen 
die nördliche Hälfte des Oberharzes, wie es sich in der auffälligen 
Breite und intensiven Wirkung der Contacterscheinungen abspiegelt 
und im Ockerthaler Granit durch die Erosion blosgelegt ist, habe 
jene Spannung im Schichtenbaue erzeugt, als deren Ausgleichung 
das Oberharzer Gangspaltennetz aufzufassen sei. Wohl auch wurde 
im Einzelnen dabei auf die umgebogenen, gebrochenen und längs 


0 Zeitschr, d. D. geol. Ges. Bd. XXVIII, S. 405 ff. 

2 ) Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. XXIX, S. 206. 


8 


K. A. Lossen, geologische und petrographische 


reciproker Spalten verrückten Streichlinien der Schichten in den 
beiden Parallelprofilen Ober - Schulenberg - Ocker und Gosethal- 
Rammelsberg, auf die Aufstauung und Heraushebung der Unter- 
devonschichten bei Ocker, auf das Absinken der Schichten südlich 
des Lautenthal - Festenburger Gangzuges zufolge dieses Heraus- 
hebens u. a. hingewiesen als Deformirungserscheinungen an dem 
ursprünglich in gerader ungebrochener Linie SW. — NO. streichen- 
den Devonsattel zwischen dem Innerste- und Ockerthale, hervor- 
gerufen durch den quer dagegen andrängenden Granit. Auch 
wurde dieses Andrängen nie nach dem durch die Erosion bloss- 
gelegten oberen Querschnitte des Gebirges allein beurtheilt, viel- 
mehr stets ein unterirdischer Zusammenhang aller Granitmassen 
des West-Harzes und speciell des Ockergranits mit dem abweichend 
von der Hauptmasse des Brockengranits im Sinne des Rammberg- 
Massivs hercynisch erstreckten Granite zwischen Hasserode und 
Harzburg vorausgesetzt und das nachweislich relativ jüngere Alter 
der hercynischen Faltung gegenüber der nordost- südwest gerich- 
teten niederländischen betont. Im klebrigen wurde von einer 
detaillirteren Auseinandersetzung Abstand genommen bis dahin, dass 
die Fortschritte der Detailkartirung der Gegend zwischen Ilse und 
Ocker ein klareres Yerständniss des Verhältnisses des Granits zum 
Gabbro und beider zu dem Schichtgebirge mit seinen eingelagerten 
alten Eruptivgesteinen gebracht haben würden. 

Unterdessen hat v. Groddeck im Spätjahre 1876 (Bd. XXIX 
der Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft, S. 442 ft'.), 
anknüpfend an seine wichtige Entdeckung der die Schichten ver- 
werfenden Keilwasserspalte, eine detaillirtere Theorie von der Ent- 
stehung der Oberharzer Gangspalten gegeben. Indem er den durch 
sein auffällig gegen NNW. gerichtetes Streichen von den nam- 
hafteren Oberharzer Gangspalten abweichenden Gang in die 
BoRCHERs’sche Gangkarte eintrug, fiel ihm auf, »dass alle Gänge 
des Oberharzes, im grossen Ganzen, strahlenförmig vom oberen Kell- 
wasserthal auslaufen. Es tx-eten deutlich 3 Hauptgangstrahlen 
hervor. Der südliche Strahl mit einem Generalstreichen in h. 7, 
wird von dem Silbernaaler Gang, vereinigter Burgstädter und 
Rosenhöfer Zug und dem Schulthaler Zug gebildet. Der östliche 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


9 


Strahl ist der neue in h. 12 streichende Gang. Den mittleren 
Gang bilden der Lautenthaler Hahnenkleer und der Bockswieser 
Festenburger Schulenberger Zug, die einem Generalstreichen in 
h. 9 folgen. Der südliche und östliche Strahl laufen von der 
Steilen Wand im oberen Kellwasserthale aus, wo Bruchbergquarzit 
und Brockengranit zusammenstossen. « 

Diese formalen Verhältnisse, zusammengehalten mit dem Um- 
stande, dass die Schichten an der Steilen Wand und im Fort- 
streichen so auf der ganzen Flucht » an den nordwestlichen Ab- 
hängen des Bruchbergs und Brockens« stark zusammengefaltet 
sind und unter steilen Winkeln südostwärts fallen, während sich 
je mehr gegen NW. von diesen Abhängen, um so mehr eine all- 
mäliffe Verflachung der Schichtenfalten einstellt, führten v.Groddeck 
zu der Annahme, »dass bei der Hebung des Gebirges der Bruch- 
bergquarzit und der Brockengranit sich in der Richtung von SO. 
nach NW. bewegten und dabei die vor ihnen liegenden Schichten 
zusammenschoben.« Aus der ferneren Annahme, »dass diese Ge- 
steinsmassen mit verschiedener Intensität auf die in der Be- 
wegungsrichtung vor ihnen liegenden Schichten einwirkten«, wird 
alsdann das sternförmige Zerreissen der also zusammengeschobenen 
Schichten, »das Ausstrahlen der oberharzer Gangspalten vom oberen 
Kellwasserthale aus, wo Bruchbergquarzit und Brockengranit zu- 
A b sammenstossen« , nach nebenstehen- 

dem Schema hergeleitet. Mein sehr 

^ CK ^ t t 

verehrter Freund sehliesst seinen Auf- 

< — ** 

£' ß satz mit der Bemerkung, es könne 

, ^ meine Ansicht, dass am Harze ein 

<_/? und dieselbe Kraft die Schichten über- 

einander geschoben und die Granit- 
massen emporgepresst habe und dass durch die bei der Granit- 
eruption eingetretene Spannung in den Gesteinsschichten die Harzer 
Gangspalten aufgerissen seien, mit seiner Theorie anscheinend in 
besten Einklang gebracht werden. 

In der That ist diese Uebereinstimmung bis zu einem ge- 
wissen Grade , aber auch nur bis zu einem gewissen Grade , vor- 
handen. Sie besteht darin, dass wir beide für die von meinem 



10 


K. A. Lossen, geologische und petrograpliische 


Freunde so vortrefflich geschilderte einseitig von SO. her zu- 
sammengeschobene, in anderen Theilen des Harzes ähnlich wieder- 
kehrende Faltung des Oberharzes, eine aus dieser Richtung her 
wirkende Kraft annehmen, dass wir beide dem Granit eine Rolle 
bei der Faltung zuweisen und dass wir aus den Beobachtungen 
auf eine ungleiche Einwirkung auf die nordöstliche und die süd- 
östliche Schichtenhälfte des Oberharzes schliessen. Der Unter- 
schied in der beiderseits entwickelten Anschauung liegt, sowie mir 
scheint, vorzugsweise an der Verschiedenheit des Standpunktes bei 
dem Ueberblick über den ganzen Gebirgsbau. Mein um die 
Kenntniss des Oberharzes und speciell um die geologische Rolle 
seiner Gangspalten als Verwerfer der Schichtenfalten so hoch ver- 
dienter Freund, dem seine mannichfaltigen Berufsgeschäfte nicht 
gestatten in erster Linie Harzgeologe zu sein, schaut meiner 
Meinung: nach die Frage etwas einseitig von dem allzusehr be- 
schränkten und scheinbar relativ einfach gebauten Gebirgs- 
fragmente des Oberharzes an. Nur so wird es verständlich, dass 
seine Theorie ganz absieht von dem einen der beiden Falten- 
systeme, die den Gebirgsbau des Harzes beherrschen und von deren 
gegenseitigem Altersverhältnisse *), wie ich es z. B. in der Defor- 
mirung der mit dem Oberharzer Schichtensysteme gleichgerichteten 
Selkemulde durch das jüngere hercynische Rammbergmassiv aus- 
gedrückt fand. Nur so kann man ferner die Unbestimmtheit in 
der Rolle, die er dem Granit anweist * 2 ), gerecht beurtheilen. Es 

: ) Wenn ick 1867 in jener allerersten Mittheilung über die in den Faltenbau 
des Harzes umformend eingreifende Graniteindrängung dieses Eindringen der 
Granitstöcke als »wesentlich gleichzeitig« bezeichnet habe, so trifft dies ja für die 
Eruptionszeit in der Zeit der productiven Steinkohlenformation wesentlich zu. 
Den relativen Unterschied ergaben erst spätere Untersuchungen. 

2 ) Das im Frühjahr 1876, allerdings nur sehr summarisch zusammengefasst, 
in den Sitzungsberichten der Deutschen geologischen Gesellschaft mitgetheilte 
Haupt -Erg ebniss meiner Studien über den Bau des Harzes, in dem das jüngere 
Alter des hercynischen Systems, wie es sich schon aus der Deformirung der 
Selkemulde und aus dem Bodegange ableiten liess, nicht ausdrücklich erwähnt 
und von dem hercynischen Antheil des Brocken-Granitmassivs nicht speciell die 
Rede ist, war meinem Pfingsten 1876 überdies von Klausthal abwesenden Freunde 
vor der ersten Aufstellung seiner Theorie wohl entgangen und so hat er meine 
ihm über die Entstehung der Oberharzer Gangspalten und des Rammeisbergs 
zufolge der Einwirkung des Ockerthaler Granits auf den Devonsattel angedeuteten 
Mittheilungen missverstanden (vergl. v. Groddeck a. a. 0. S. 447). 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


11 


galt ihm eben nur den mechanischen Effect ungleichen Drucks 
hervorzuheben, darum wird geradezu gesagt, man könne sich an 
Stelle des Brockengranits ebensogut eine gleich grosse Dolomit- 
masse denken ; ob der Granit fest oder flüssig 1 gewesen sei , das 
wird mit vollem Bewusstsein unentschieden gelassen. So wenig 
man nun aber den Oberharz als für sich entstanden von dem 
übrigen Gebirgsbaue des Harzes getrennt denken kann, so wenig 
ist eine solche Selbstbescheidung consequent durchführbar. Denn 
obwohl v. Groddeck weder feststellt, ob der Bruchbergquarzit 
oder der Granit grösseren Druck ausgeübt habe, noch auch, ob 
beide gleichzeitig oder einer nach dem anderen und welcher von 
beiden zuletzt gedrückt habe, deutet er doch ausser der lediglich 
auf die Faltungsweise der nordwestlich angrenzenden Schichten 
basirten schlichten Aussage, der Granit sei bei der Hebung des 
Gebirges in der Richtung von SO. nach NW. bewegt worden, 
als gewissenhafter Beobachter das Grenzverhältuiss zwischen Quarzit 
und Granit an der Ausstrahlungsstelle an. Dabei zeigt sich nun, 
dass die Schichtenverwerfung, welche zu der schönen Entdeckung 
der auch örtlich durch Aufschürfung als Gang erkannten Kell- 
wasserspalte führte, den Quarzit selber verwirft, so dass der Granit 
nicht nur, wie v. Groddeck hervorhebt, beiderseits der Spalte 
hinter dem Quarzit folgt, sondern auch längs der Bruchlinie öst- 
lich der Steilen Wand netten den diese Wand zusammen- 
setzenden, quer gegen das Streichen durchbrochenen 
Quarzitschichten steht. Damit wird aber der Strahlungspunkt 
für diese h. 12 streichende Spalte um die Breite der Steilen 
W and gegen S. gerückt und hört, da nach v. Groddeck’s eigner 
Angabe der ideal verlängerte Schulenberger Zug überhaupt nicht 
in das obere Kellwasserthal hineinläuft, für alle drei Strahlen auf 
Strahlungspunkt zu sein. Der südliche und der mittlere Gangzug 
v. Groddeck’s laufen vielmehr, wie ein Blick auf die Karte lehrt, 
unter etwas verschiedenem Winkel spiesseckig auf die Keil wasser- 
spalte zu, ganz wie der Gemkenthaler Zug weiter nördlich: das 
Ausstrahlen von einem Punkte ist für mich nicht bewiesen. 

Es fordert die Theorie streng' genommen auch gar keine 

ö O O 

Strahlung, vielmehr wird ein einfacher Querriss EF nach um- 
stehendem Schema unter sonst gleichen Umständen stets die ein- 


12 


K. A. Losskn, geologische und petrographische 


fachste Folge des rechtwinklig un- 
gleich stark wirkenden Faltungs- 
drucks sein , falls sich letzterer 
überhaupt im Beissen und nicht 
vielmehr im höheren Anschwellen 
und convexen Vorbiegen der Falte 
gegenüber dem stärkeren Drucke 
äussert. Zugleich aber drängt sich 
unwillkürlich die der Auffassunarsweise v. Groddeck’s fernliee;ende 
Frage auf: hat der Granit als Eruptivgestein längs der Steilen 
Wand den Quarzit durchrissen und seitwärts verdrängt oder ist 
auch er, wie der Quarzit, verworfen? 

Diese Frage, die bei der Zusammenstellung der Harzüber- 
sichtskarte Ende 1876 an mich herantrat, weist freilich auf die 
Unterliarz-Seite des Brockengranits nach St. Andreasberg hinüber. 
Gerade hierbei aber sollte sich die Zugehörigkeit der altehrwürdigen 
Bergstadt und ihres Beviers zum Oberharz, beziehungsweise der 
untrennbare Zusammenhang zwischen Unter- und Oberharz in 
einer ganz überraschenden, für die Weiterentwicklung der Kennt- 
niss vom geologischen Bau des Harzes folgenreichen Art erweisen. 
Für St. Andreasberg lag damals ausser Hermann Credner's vor- 
trefflicher, auf den langjährigen Erfahrungen des Bergraths Strauch 
fassender Abhandlung aus den sechziger Jahren Q eine vorläufige, 
von Gängen und Büscheln zunächst abstrahirendeKartirung(l : 25000) 
voiiE.Kay.ser auf einer nur unvollkommenen topographischen Grund- 
lage 2 ) aus dem Sommer 1874 vor, also aus einer Zeit, in der uns die 
Kenntniss von der Kellwasserspalte noch fehlte und in der mein 
Freund noch viel weniger über meine Vorstellung von dem Verhältnisse 
des Granits zu den Schichtfalten näher unterrichtet sein konnte, 
als v. Groddec.k zur Zeit der Aufstellung seiner Strahlungstheorie. 
Abstossen der Schichten gegen den Granit galt ihm sonach als 
ein Durchgreifen des Eruptivgesteins und die Frage nach der 
Verwerfung des Granits mitsammt den Schichtgesteinen, welche 
sich auch mir hier zum erstenmal im Harze aufdrängte, lag ihm fern. 

r ) Zeitschr. d. D. geol. Ges. 1865, Bd. XVII, S. 163 ff. 

2 ) Die metrische Aufnahme des Generalstabs fehlte damals noch, 



Beiträge zur Kermtniss des Harzes. 


13 


Als ich nun bei Zusammenstellung der v. GRODDECK’schen 
und KAYSER’schen Kartirungsresultate wahrnahm, dass unten im 
Oderthaie unter den Hahnen kl eer Klippen die Grauwacken- und 
Schiefer-Hornfelsschichten ebenso gegen den gegenüber unter den 
Rehberger Klippen hoch aufragenden Granit abstossen, wie jenseits 
des Oderteiches der Granit gegen den Quarzit der Steilen Wand, 
dass also eine gleichsinnige Verschiebung längs der gerade in s 
Oderthal hineinfallenden Verlängerung der Keil wasser-Spalte statt- 
habe, da stand das Bild einer grossartigen Spaltenverwerfung 
mit einmal klar vor mir. Ich erinnerte mich, dass schon den 
Alten das obere Oderthal in seinem geradgestreckten, dem oberen 
Kellwassertlial entgegengesetzten Laufe als Spaltenthal gegolten 
hat; ich sah die überraschende Harmonie zwischen dem Gebirgs- 
relief und der Verwerfung., indem ich die das Hahnenkleer Plateau 
um 300 Fuss J ) überragende Rehbergswand gleich der Steilen 
Wand als den höher stehenden Gebimstheil im Lienenden der 
nach der Aufschürfung steil ostwärts einsenkenden Verwerfungs- 
spalte erwog; ich maass die Höhendifferenz der unteren Grenze 
der beiden dem Granit des Rehbergs, wie des Hahnenklees auf- 
ruhenden Grauwackenhornfelsdecken im Betrag von rund 400 Fuss 1 ) 
und ich zeichnete die Verwerfungslinie vorläufig in die Karte ein. 

Dabei aber fiel mir zugleich sehr auf, dass wenig südlich von 
der Stelle, wo die Seitenverschiebungen längs der aus dem Keil- 
wasser ins Oderthal in idealer Linie quer durch den Granit ge- 
zogenen Spalte auf hören, die Ruschein von St. Andreasberg an- 
heben. 

Ich zeichnete mir dieselben aus Strauch -Credner’s Grund- 
riss 2 ) in das geologische Bild der Gegend ein und fand, dass sie 
sehr spiesseckig gegen die Schichten und circa 00° gegen die 
Oder-Spalte 3 ) streichen. Es traf also die bisher geläufige Ansicht, 

0 Decimalfuss = 0,37662 Meter. 

2 ) Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. XVII, Taf. HI. 

3 ) Der Kürze halber werde ich fortab die meiner Ueberzeugung nach aus 
dem Keilwasser ins Oderthal übersetzende Spalte die Oderspalte nennen. Es 
sprechen hierfür aber auch sachliche Gründe. Einmal kann man nirgends im 
Harz den Effect der Spialten-Verwerfung mit einem Blick so sichtlich wahrnehmen 
als im Oderthaie; sodann giebt es nur einen Oderfluss im Harz, während die 


14 


K. A. Lossen, geologische and petrographische 


dass Ruschein und Schichten parallel streichen, nicht zu; überdies 
erinnerte ich mich der meiner Erfahrung nach meiner Haupt-Quarzit- 
Zone angehörigen von F. A. Roemer bekannt gegebenen Unter- 
Devon -Fauna von dem Dreijungferngraben und ich kam zum 
Schluss, dass Schichten eines relativ so hohen Niveaus der Tauner 
Grauwacke des Sagemühlenbergs nur zufolge einer Verwerfung 
so nahe kommen könnten. Fs befestigte sich in mir die Vorstellung, 
die Ruschein möchten einen längs der nördlichen Neufanger Ruschei 
normal eingesunkenen und längs der südlichen Fdelleuter Ruschei 
durch eine Ueberschiebung begrenzten Gebirgskeil einschliessen, und 
ich war sehr befriedigt, aus Urei »neu s sorgfältigen Aufzeichnungen 
der langjährigen Erfahrungen Strauch s zu ersehen, dass der Treff- 
punkt der den Keil einschliessenden Ruscheln gegen W. wohl be- 
kannt, gegen O. dagegen mindestens fraglich sei * 2 ); ich schloss 
daraus, die Ruscheln möchten gegen O., d. h. gegen die Oder- 
spalte, sich überhaupt nicht vereinigen. 

Im Herbste 1879 ging ich auf einige Tage nach St. Andreas- 
berg, um selbst an Ort und Stelle die bei der Ausarbeitung der 
Harzübersichtskarte gewonnene und in Vorträgen vor der Deutschen 
geologischen Gesellschaft vertretene Auffassung zu prüfen. Eei 
der Begehung des zum nicht geringsten Tlieile aus Schiefer- und 
Kalkhornfelsen bestehenden Gebietes kam mir die Erfahrung vom 
Rammberge her trefflich zu statten. Sofort am ersten Tage konnte 
ich an zwei Stellen die Verwerfung der Schichten längs der Neu- 
fanger Ruschei feststellen: einmal in den Feldern nördlich des 
Schachtes der Grube Katharina Neufang, wo der Hauptquarzit 
südlich der Ruschei bis auf ganz geringen Abstand an die Tauner 
Grauwacke nördlich der Ruschei herantritt; sodann im Sperren- 
thale, wo die Schichten oberhalb und unterhalb der hier das Thal 
durchquerenden und im Lettenstollen abgebauten Ruschei im Bach- 
bette und in den Thalgehängen deutlich anstehen, so dass sich 

Bezeichnung Kellwasser nur allzu häufig wiederkehrt, wie denn z. B. gerade in 
der Nähe der südlichen Endigung der von Norden her aus dem Kellwasser ins 
Oderthal herüberstreichenden Verwerfungsspalte ein zweites Kellwasser in die 
Oder einmündet; ein drittes tliesst vom Schneeloch her in die Ilse. 

J ) Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. XX1N, S. 614 — 615. 

2 ) a. a. 0. S. 185. 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


15 


das Abstossen der beiderseits abweichend (in h. 2 ' ä /^ nnd h. 4 1 / 2 ) 
orientirten Streichlinien an der Ruschei direct beobachten lässt. 
Mit Freund Kayser, der nun von Sieber herüberkam und alsbald 
meiner Auffassung beitrat, konnte ich westwärts bis zum Treff- 
punkte der Grenzruscheln noch eine ganze Reihe bestätigender Beob- 
achtungen machen. Ostwärts dagegen verloren wir bald die Spur 
der Neufanger Ruschei und konnten uns ebensowenig von der 
idealen Ergänzung Strauch ’s bis zu einem Treffpunkte im Oder- 
thaie überzeugen. Dagegen richtete ich die Aufmerksamkeit auf 
den Wenn sglückter (Gideoner) Gang, der nach der Mittheilung 
Credner’s 1 ) durch Mächtigkeit, Nebengesteins-Füllung nnd Hohl- 
räume ein so ganz abweichendes Verhalten von allen dortigen 
Silbererzgängen zeigt und als östlichster Gang nach heutiger 
Erfahrung eher als Ostgrenze der reichen Edelgänge gelten darf, als 
jene ideale, wie mir scheint, der Symmetrie halber in der Fortsetzung 
der nachgewiesenen Neufanger Ruschei ersonnenen Bogenlinie bis 
zum Oderthaie, der immerhin einzelne verruschelte Stellen im 
Gebirge als hypothetische Anhaltspunkte gedient haben mögen. 

Damit war eine neue Grundlage gegeben für eine eingehen- 
dere geologische Untersuchung des St. Andreasberger Gangreviers 
im Zusammenhänge mit der Kartirung der ganzen Gegend. War 
die von Hrm. Credner vertretene Auffassung 2 ) von der Entstehung 
der Ruschein im Gefolge der Diabas - Eruption von dem Augen- 
blicke an hinfällig, da der Diabas von dem Verfasser als all- 
gemein vor der Faltung des Gebirges in bestimmten Horizonten 
zwischen den Schichten desselben eingeschaltet uachgewieseu 
war, so trat mit dem Nachweise der Verschiebungen auch der 
Di ab asmassen längs der Ruscheispalten das Bildungsgesetz der 
letzteren in den Rahmen des Entstehungsgesetzes der Harzer 
Ueberschiebungen oder Verwerfungen schlechthin ein. Ruschein 

o o 

sind wohl niemals offene Spalten gewesen, welche, wie Credner 
annahm, durch einfallende Gesteinswände gefüllt wurden, sie sind 
vielmehr eine Verrusehelung d. h. Zerdrückung der Schichten längs 
parallel oder sehr spiesseckig zu den Falten verlaufenden Gleit- 


J ) a. a. 0. S. 197. 

2 ) a. a. 0. S. 230. 


16 


K. A. Lossen, geologische und petrographische 


flächen, liervorgegangen aus reinen Falten Verwerfungen oder ans 
einem windschiefen Verbiegen, beziehungweise Ueberbiegen schief 
gedrückter oder gedrehter Falten. Also gilt es nunmehr aus dem 
Faltungsprocesse und dem Eingreifen des Granits in denselben 
die Bildung der Kuscheln darzuthun. 

Auch in den Profilen des Oderthaies und längs des Rehberger 
Grabens, die ich im verflossenen Frühjahre noch ein zweitesmal 
auf anderthalb Tage besucht habe, konnte ich den ersten Beob- 
achtungen Kaysers manches hinzufügen, was meine Deutung der- 
selben im Sinne der aus dem Keilwasser ins Oderthal fortsetzen- 
den Spaltenverwerfung bekräftigte. Dreierlei sei daraus angeführt: 
Geht man vom Grabenhause am Graben entlang nach dem Oder- 
teiche hin zu, so gelangt man bald aus den Hornfelsen der Tauner 
Grauwacke in den Granit, doch so, dass man bis jenseits der be- 
rühmten Rehberger Klippen die Unterkante der Grauwackendecke 
nicht allzu hoch, höchstens 100 Fuss, meist aber in geringerem Ab- 
stande zur Linken über sich hat. Untersucht man das Gestein ge- 
nauer, so bemerkt man bald, dass es auf diese ganze Erstreckung 
zur porphyrartigen Structur hinneigt, einmal wurden sogar Stücke 
mit der für abnorm erstarrten Granit oft so charakteristischen 
Granophyrstructur gefunden. Erst in weiterer Entfernung gegen 
N., wo die untere Grenze der Grauwacke mehr in die Höhe rückt, 
folgt am Graben ein gleichmässig körniger Normalgranit: es ist 
also jene abweichende der Porphyrstruetur angenäherte Ausbildung 
an die ursprüngliche, durch die Grauwacke vor der Erosion hier 
bewahrte Erstarrungsrinde des Granits gebunden, ln dem Steil- 
absturze der Rehbergswand zwischen dem Graben und dem Oder- 
thaie steht der normale Granit an, jenseits des Flusses und der 
unter dem Thalschutte herstreichenden Verwerfungslinie dagegen 
kehrt da, wo sich in der Tiefe der Granit neben der Fahrstrasse 
unter dem Grauwackenhornfels hervorhebt, die porphyrartige Structur 
des Gesteins wieder und so kann man die Verwerfung des Granits 
direct aus der Verrückung seiner Erstarrungsrinde nachweisen. 

Auch die kleinen von unten in die Grauwackenhornfeldsdecke 
verzweigten Granitapophysen, denen seit F. Hoffmann's meister- 
hafter Beschreibung der Rehberger Graben seine Anziehungskraft 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


17 


verdankt, so sehr, dass das Auge von der viel grossartigeren Er- 
scheinung der Spaltenverwerfung abgelenkt worden ist, finden sich 
in der Tiefe des Oderthaies wieder. Es giebt daselbst unmittel- 
bar nördlich der zweiten oberhalb des Andreasberger Rinderstall’s 
gelegenen Oderbrücke eine mir durch Kayser’s Kartirung be- 
kannt gewordene Stelle, welche besondere Aufmerksamkeit ver- 
dient, weil auf kurze Erstreckung die Grauwacken vom Hahnen- 
klee herüber auf das andei’e Oderufer übertreten, so dass hier der 
Fuss der Rehbergswand eine niedrige Vorlage von Grauwacke be- 
sitzt. Hier fand ich im Bette der Oder selbst, da wo der Fluss über 
die Grauwackenklippen rauscht , 400 Fuss Q unter den Rehberger 
Klippen, die kleinen Granitgänge in der Grauwacke wieder. 

Der Zweck, der mich an diese Stelle geführt, war indessen 
ein anderer. Ich hoffte hier, wo die Verwerfungsspalte nicht unter 
dem Thalschutte liegen kann, sondern zwischen jener Grauwacken- 
vorlage und der Granitwand des Rehbergs hindurchstreichen muss, 
Ganggestein als directen Beweis für ihr Vorhandensein zu finden. 
Das Resultat war indessen trotz zweier sehr mühsamer Klettertouren 
an den steilen, mit Granitblockwerk überrollten und mit dichtem Un- 
terholze bewachsenen Gehängen leider ein ungünstiges. Nur einen 
Brocken quarzigen Ganggesteins fand ich an der übrigens durch 
Wasserreichthum ausgezeichneten unteren Contactstelle von Granit 
und Grauwacke. Günstigere Resultate erzielte ich in der Auf- 
suchung von Ganggestein in der Umgebung des Oderteiches. 
Hier konnte ich Freund Kayser alsbald eine Anzahl durch Quarz- 
blöcke, z. Th. mit Manganerzeinwachsungen, ausgezeichnete Stellen 
namhaft machen, die zur näheren Festlegung des Verlaufs der 
Gangspalte, da wo sie beiderseits von Granit begrenzt wird, dienen 
konnten. Die auffälligste dieser Stellen, welche Niemand über- 
sehen kann, ist in der Serpentine, mit der die Oderthalstrasse vom 
Oderteiche zum Thal niedersteigt. Ebenso leicht zu finden ist eine 
zweite, ausser durch manganerzführende Gangquarze durch Nässe 
und Eisenocherbildung ausgezeichnete Stelle nahe der SO. -Ecke 
des Teiches in dem nach Oderbrück führenden Fusswege. Ganz 


Decimalfuss = 0,37662 Meter. 


2 


K. A. Lossen, geologische und petrographische 


dieselben Gangquarze fand ich bei dem Grabenhause aufgestapelt 
und erfuhr durch Nachfragen von dem Grabensteiger Hipperling, 
dass sie 1866 bei dem Ablassen des Oderteiches in grosser An- 
zahl aus dem Teichgrunde gewonnen worden seien. So forschte 
ich denn auch nicht vergebens auf der Westseite der Nordhälfte 
des Teiches nach solchen Blöcken zwischen dem z. Th. auch hier 
in porphyrartiger Structur ausgebildeten Granitblock werk. Wenn 
man weithin im anstehenden Granit, wie z. B. im Profile längs 
des Rehberger Grabens, keine Spur von einem Quarzgange gefunden 
hat und dann mit einmal auf so auffällige Blockanhäufungen stösst, 
kann man nicht daran zweifeln, dass sie einem durchsetzenden Gange 
ihr Dasein verdanken. Die Füllung der Gänge ist dabei für den 
Geologen, der zunächst die Entstehung des Spaltennetzes im 
Zusammenhänge mit der Gebirgsfaltung und Hervorpressung der 
Eruptivgesteine verfolgt, erst von secundärer Bedeutung; dass aber 
auch Bergbau umging in der Nachbarschaft der Oderspalte, dafür habe 
ich in 3 alten, im östlichen Ufer der Oder im Forstorte Dietrichs- 
thal zwischen dem Hahnenklee und dem Rinderstalle angesetzten 
Stölln und zugehörigen Pingen Belege gefunden. Die meines 
Wissens bisher nirgends in der Harzliteratur oder auf mir zugäng- 
lichen Karten und Rissen erwähnten Baue dienten zur Auf- 
schliessung von vorzugsweise Quarz, Eisenglanz, Kalkspath und 
Kupferkies führenden, von der Endigung der Hauptspalte seitwärts 
ablaufenden Gangtrümern, welche ich in h. 8 gegen OSO. bis 
zu den Dreekthälern hinüber verfolgen konnte, also bis in die 
Nähe des zwischen dem Rinderstalle und dem Ostende der Edel- 
leuter Ruschei beiderseits der Oder bekannten Gangsystems. 

Damit schloss ich meine durch die Ausarbeitung der Harz- 
übersichtskarte bedingte Recognoscirung des Oderthaies und des 
St. Andreasberger Gangreviers ab, indem die weitere Aufhellung 
des geologischen Zusammenhanges der Oderspalte und der südlich 
davon folgenden Gänge mit den Ruschein selbstverständlich nur 
von der meinem Collegen Kayser anvertrauten geologischen 
Detailaufnahme der ganzen Gegend erwartet werden durfte ’). 


J ) Vergl. E. Kayser’s Abhandlung in diesem Bande dieses Jahrbuches. 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


19 


Welches aber auch das Resultat dieser eingehenderen Unter- 
suchungen sein wird, wie immer dieselben mit den vom Oberharze 
her gegen den Bruchberg hin fortgesetzten sich die Hand reichen 
mögen zur Vervollständigung und zum besseren Verständnisse der 
Entstehung des Gangspaltennetzes im Westharze, stets wird die 
nur durch die vereinigte Forschung der Harzgeologen nach Richtung 
und Wirkung ermittelte mindestens 14 Kilom. lange Oder- Spalte 
eine normgebende Linie ersten Ranges im Spalten- und Falten- 
systeme des Harzes bleiben müssen und darum mag es meinem 
Freunde v. Groddeck, der mit der Entdeckung des Nord- 
endes »die sei' Verwerfüngsspalte mir den Hebel zur Bewältigung 
des Problems darreichte, immerhin zur aufrichtigen Freude ge- 
reichen, dass ich ihm seinen Strahlungspunkt von der Steilen Wand 
südwärts bis zu den Andreasberger Ruschein gerückt habe. Denn 
es wird wohl allseitig gern zugestanden werden, dass der Kraft, 
welche den Granit und das ihm aufruhende Schichtgebirge ein- 
schliesslich der obersten Culmschichten durchgespalten hat, eine 
Hauptrolle im Gebirgsbildungsprocesse zufallen müsse. 

Wie aber lässt sich diese Kraftäusserung mit dem Satze, dass 
im Harze ein und dieselbe Kraft die Schichten übereinandergeschoben 
und die Granitmassen emporgepresst habe und dass durch die bei 
der Graniteruption eingetretene Spannung die Harzer Gangspalten 
aufgerissen seien, in Einklang bringen? Ich glaube nicht im Sinne 
des durch v. Groddeck für die Ausstrahlung; der Gänge von einem 
Punkte geltend gemachten, meines Erachtens allzuscharf formulirten 
Satzes 1 ): »Hängt die Spaltenbildung mit der Faltung genetisch zu- 
sammen, so lässt sich das nur durch einen bei der Faltung senkrecht 
gegen die Streichungsrichtung, nicht überall gleich stark wirkenden 
Druck erklären.« Denn, wenn wir uns nun den Ausstrahlungspunkt 
bis zu den Ruschein von St. Andreasberg nach S. gerückt vorstellen, 
so giebt der Verlauf der südostwärts noch weiter zurückliegenden 
Massen, der Diabase und der Tauner Grauwacke in der Gegend 
von Oderhaus u. s. w., uns gar keinen Anhaltspunkt für einen 
solchen von SO. her rechtwinklig aber ungleich wirksam gewesenen 
F altungsdruck. 

Die Lehre von den Lagerstätten der Erze, 1879, S. 316. 


2 


20 


K. A. Lossen, geologische und petrographisclie 


Die Gangspalten im Harze verlaufen überhaupt, vielleicht mit 
ganz geringfügigen Ausnahmen, sammt und sonders nicht quer- 
s cli 1 ägig, sondern spiess eckig zu den Streichen der Schichten; 
solche spiesseckigen Brüche hängen aber nicht so sehr von einem 
»bei der Faltung« senkrecht, aber ungleich gegen das 
Streichen der Schichten wirkenden Drucke, als vielmehr von einem 
solchen ab, der schief gegen schon mehr weniger gefaltete 
Schichten wirkt; sie sind meist die Ausgleichungen einer Span- 
nung, hervorgerufen durch Druck oder Zug, welcher die gefalteten 
Schichten ihrer Streichlinie nach umzubiegen oder zu knicken und 
zu falten bestrebt ist. . 

In der meinerseits schon 1867 (vergl. oben) ganz bestimmt 
formulirten Auffassung, dass die Graniteruption in das bereits in 
Faltung begriffene Gebirge, die Faltung vollendend, umformend 
und unterbrechend eingegriffen habe, liegt ebenso, wie in der 
eingangs erwähnten, 1870 in den Texten zu der ersten Lieferung 
der Specialkarte des Gebirges gegebenen Darlegung von der ver- 
schiedenen Nachgiebigkeit der Gesteine gegen den Faltungsdruck 
je nach ihrer grösseren Steifigkeit oder aber Faltungs- und Pressungs- 
fähigkeit, ein leicht verständlicher Hinweis auf die Herkunft eines 
solchen schief zu der ursprünglichen Faltungswirkung wirkenden 
Druckes oder Zuges. In der aus der deformirten, quer gegen die 
ursprüngliche Muldenlinie gefalteten, rückwärts gestauten und durch- 
rissenen Selkemulde vorzüglich abgeleiteten und auch sonst vom 
Harze und anderwärts her best beglaubigten Theorie von dem jün- 
geren Alter der liercynischen Faltung gegenüber dem im Harze 
herrschenden niederländischen Faltensysteme ist aber ein noch viel 
ausgesprochenerer Hinweis darauf gegeben. Am Unterharze kann 
man sehr deutlich allerwärts den Zusammenhang zwischen 
dem Streichen und dem Fallen nach windschief gebo- 
genen Falten und spiesseckigen Spalten nachweisen. 

Wenn der Nachweis eines solchen Zusammenhanges vom 
Oberharze her trotz der dort die Forschung begünstigenden unter- 
irdischen Aufschlüsse noch nicht versucht worden zii sein scheint 
— ich finde in v. Groddeck’s vortrefflicher Lagerstättenlehre zum 
wenigsten darüber nichts — , so mag das z. Th. an der Monotonie 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


21 


des Culms, z. Th. aber daran liegen, dass man dort die Theorie 
vom Gebirgsbaue mit Vorliebe nach dem Baue der Alpen be- 
misst 1 ). Es ist ja nur zu begreiflich, dass die grossartige 
Heim’ sehe Leistung, die übrigens nach dem Satze »viel Feind, 
viel Ehr« auch in manchem Punkte lebhaft bekämpft wird, die 
wohlverdiente Beachtung findet, und gern spreche ich hier dankbar 
aus, dass dies Buch, wie Suess’ Meisterwerk über die Alpen und 
auch die Discussion mit den Klausthaler Freunden in mancher 
Hinsicht klärend auf meine von Haus aus mir eigene Theorie 
über den Bau des Harzes eingewirkt hat. Aber »eines schickt 
sich nicht für alle« : der Harz ist nun einmal kein Kettengebirge, 
sondern ein als Gebirgsknoten nachgewiesenes wind- 
schiefes, elliptisches Massengebirge mit ausgepresstem 
Eruptivmagma in den dynamischen Brennpunkten, 
eine Gebirgsform , die in Heim s Eintheilung der Gebirge nicht 
vorkommt 2 ); Ueberschiebungen von verschiedenen Seiten her, von 
Heim kaum gefunden 3 ), sind im Harze recht häufig; in ihm herrschen 
Schiefer und Grauwacken, Diabas und Granit, nicht aber Kalksteine 
vor; da, wo diese letzteren aber einmal local herrschen, wie in der 
Gegend von Elbingerode, ist zufolge ihres spröden Materials die 
ungleichförmige Lagerung, d. h. wie ich letzten Sommer nachge- 
wiesen habe, spiesseckige Schichtenverwerfung 4 ) ganz allgemein. 
Wenn in dem von Heim bearbeiteten Antheile der Alpen thatsächlich 
wesentlich nur Falten, Spalten aber nur höchstens ganz untergeordnet 


*) Yergl. die Citate aus Heim in v. Groddecis’s Lagerstättenlehre, S. 24 und 
315, sowie in G. Köhler’ s u. F. Wunderlich’s neueren lehrreichen Schriften. 

2 ) Untersuchungen über den Mechanismus der Gebirgsbildung, Bd. II, S. 220 
erklärt A. Heim »die sogenannten Gebirgsknoten« gradezu als »nur durch die 
Erosion modellirte Gestalten, die nicht in der Faltung der Erde begründet sind«; 
den Harz speciell kennt Heim so wenig, dass er denselben (a. a. 0. S. 208) mit 
dem Wesergebirge in ein gegen NW. abgeschwächt gefaltetes Kettengebirge 
zusammenzieht. 

3 ) a. a. 0. S. 221. 

4 ) In die Ueber sichtskarte konnten diese Discordanzen noch nicht als Ver- 
werfungslinien eingetragen werden, wie denn deren auch in der ersten Lieferung 
des detaillirten Harzkartenwerkes manche fehlen und es überhaupt misslich ist, 
dass wir in unseren geologischen Karten bislang vorzugsweise nur die Spalten, 
nicht aber die Falten Verwerfungslinien deutlich hervortreten lassen. 


22 


K. A. Lossen, geologische und petrographische 


zu finden sind, was Angesichts der Grossartigkeit der Dislocat-ionen 
und Presslings Wirkungen vielleicht doch noch der Bestätigung be- 
darf, so passt er zum Vergleich mit dem Harze jedenfalls nur in 
beschränkter Weise. Wenn man daher am Oberharze bereits dahin 
gelangt ist, Diabase als bis zu einem gewissen Grade plastisch 
gemacht J ) anzusehen und selbst der Bammelsberger Erzcoloss als 
im festen Zustande gefältelt und bis zum Lettenbesteg im Mittel- 
schenkel verquetscht * 2 ) erachtet wird, so will ich jetzt und an dieser 
Stelle die Berechtigung zu solchen Vorstellungen, so wenig wie 
die ganze HEiM’sche Theorie discutiren. Die Theorie vom Baue 
des Harzes ist auf Harzer Boden seit 1867, also vor der erst 1878 


x ) F. Wunderlich, Beitrag zur Kenntniss der Kieselschiefer u. s. w. , S. 9. 
Wenn ich mich hier abgeneigt zeige, eine solche einfach theoretisch gefolgerte 
Plasticität alter Eruptivgesteine entgegenzunehmen, so geschieht dies mit dem 
Hinweise darauf, dass gerade die genaue Untersuchung solcher nach primärer 
Structur und primärem Mineralbestande wohlbekannter Massen uns einen Grad- 
messer für die Richtigkeit der Theorie giebt; in welcher Weise die Diabase im 
Harz unter Ausbildung secundärer Mineralien als metamorphische Eruptivgesteine 
Druckschieferung angenommen haben, habe ich mehrfach gezeigt (vergl. Zeitschr. 
d. D. geol. Ges. 1872, Bd. XXIV, S. 706 — 707 in Anm. *) und S. 763; Sitzungsber. 
d. Ges. naturf. Freunde in Berlin, März 1878); vergl. auch den Text zu BlattWippra. 

2 ) Erfreut, dass die von mir 1876 auf Grund eigener Untersuchungen unter 
und über Tag den bisherigen Anschauungen entgegengestellte Auffassung über 
Stellung der Erzlagerstätte im Gebirgsplan und Genesis derselben eine so rege 
Betheiligung der Fachgenossen (vergl. A. Stelzner’s Brief an K. A. Lossen in 
Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. XXXII, S. 809 und G. Köhler, die Störungen des 
Rammeisberger Erzlagers bei Goslar in Zeitschr. f. Berg-, Hütten- u. Salinen- 
Wesen XXX, Heft 1) an der Untersuchung des Rammeisberges hervorgerufen 
hat, kann ich doch an dieser Stelle nicht in die Discussion der complicirten Frage 
eintreten. Es sei daher hier nur constatirt, dass Stelzner wie Köhler der von 
mir gegebenen Deutung der sogenannten WiMMER’schen Leitschicht im Liegenden 
der Lagerstätte als Ruschei beitreten und dass auch der Zusammenhang zwischen 
flacher Lagerung und steilstehender Transversalschieferung jenseits der Ruschei 
mit der steilstehenden, der Schieferung wesentlich confonnen Schichtung diesseits 
von Köhler ganz in meinem Sinne aufgefasst wird. Auch die von mir nach den 
Schichtenbiegungen über Tag und den Rissen Wimmer ’s angedeutete Verbindung 
des alten und des neuen Lagers im Sinne einer Falte im Streichen kehrt (a. a. 0. 
Texttafel b, Fig. 3) bei Köhler wieder. Kurz, die Grundlinien für die durch 
Wimmer’s Deutung des sogen, hangenden Trums angeregte Auffassung der Lager- 
stättenform sind, wie mir scheint, nahezu die gleichen, nur in der genetischen 
Deutung liegt die Differenz (vergl. unten). 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


23 


gegebenen theoretischen Darlegung Heim ’s, langsam aber stetig 
gewachsen. Dass sie sich in dem einen ihrer Grundprincipien, 
dem Uebergange einseitig zusammengeschobener Falten in Falten- 
verwerfungen (Wechsel) mit aufgepresstem Hangenden, mit Heim’s 
Theorie begegnet, kann für mich nur einen Grund mehr abgeben, 
auf dem Boden der eigenen Beobachtungen zu bleiben, wie denn 
ja auch mein hochverehrter Freund v. Groddeck seine Gangtheorie 
(1876) vor der Publication I I ei m s und vom Harze, allerdings ein- 
seitig vom Oberharze her, entwickelt hat. 

Um gerecht zu sein, muss ich nun anerkennen, dass der Ober- 
harz im Bruchberge und Acker ein kleines Kettengebirge für sich 
ganz allein besitzt. Dass die Gangtheorie v. Groddeck ’s unter 
Vorzugs weiser Berücksichtigung dieser Kette entstanden ist, hat 
ihr das Gepräge des nur aus einer Himmelsrichtung her recht- 
winklig, aber ungleich stark wirkenden Massenschubs aufgedrückt. 
Wäre mein Freund von seiner Auseinandersetzung über das Ver- 
halten der Ganglinien zu dem Kalkmassiv des Ibergs in erster 
Linie ausgegangen, er wäre vielleicht zu einem ganz anderen End- 
resultate gelangt. Hier ist das Gangnetz so zersplittert, dass das 
»Generalstreichen«, der Fluch aller darauf basirten geologischen 
und besonders aller Gangtheorieen, ganz verloren geht. Aber auch 
sonst ist im ganzen Oberharze lange nicht soviel Generalstreichen 
vorhanden, wie es auf den ersten flüchtigen Blick scheint. Die starke 
Zusammenpressung der Schichten im SO. bedingt ja allerdings im 
Allgemeinen eine viel grössere Geradlinigkeit der Streichen, als in 
den meisten Tlieilen des Unterharzes, das erleichtert aber nicht 
sowohl die klare Erkenntniss des Schichtenbaues, im Gegentheil 
erschwert es dieselbe. Bei seiner seit 1876 sehr vorgeschrittenen, 
ebenso mühevollen, als verdienstlichen Detailgliederung und -Kar- 
tirung der Oberharzer Culmformation wird das meinem Freunde 
so wenig entgangen sein, als der Umstand, dass auch in der Fall- 
linie durch Faltenverwerfungen bedingte complicirtere Verhältnisse, 
als die in seinem Profile durch den Oberharzer Grünsteinzug ge- 
zeichneten ] ) vorhanden sind. Auch der Bruchberg, an welchem 


) Zeitsehr. d. D. geol. Ges. 1876, Bd. XXVIII, S. 366. 


24 


K. A. Lossen, geologische und petrographische 


ich solche »Wechsel«, d. h. in der Streichlinie oder nahezu in 
derselben verlaufende Störungen mit Aufschiebung des Hangenden, 
als an dem grossartigsten Beispiele unseres Gebirges, für den Ober- 
harz zuerst zu erläutern suchte x ), ist nicht so nach der Schnur ge- 
richtet, wie man den Worten v. Groddeck’s »das parallele Streichen 
(h. 3 — 5) und gleichgerichtete steile Einfallen (ca. 60 — 70° SO.) 
sämmtlicher Schichten zwischen Osterode und Harzburg, welches 
auch durch die Ockerthaler Granitpartie nicht wesentlich geändert 
wird« * 2 ) entnehmen könnte. Gerade ihn haben die älteren Harz- 
geologen, die doch gewiss dem Generalstreichen huldigten, wegen 
seiner »in h. 2 streichenden«, in »mehrerer Rücksicht als ein be- 
sonderes Lagerungsganze« zu betrachtenden, »z. Th. diagonal gegen 
die umgebenden Schieferschichten gerichteten und nur theilweise 
der Schichtung des Grauwacken-Thonschiefergebirges conformen« 3 ) 
Massen besonders hervorgehoben. In der That ist der mehr nord- 
wärts gerichtete Stauungsknick in der Axe der Quarzitkette zwischen 
Acker und Bruchberg auffällig genug, um so auffälliger, als eine 
Depression der Höhe damit verbunden ist und der fast h. 12 strei- 
chende Schatzkammerzug bei Altenau verlängert darauf trifft. 
E. Kayser, dessen Aufmerksamkeit ich auf diese Unregelmässigkeit 
im Baue des Bruchberges lenkte, hat durch seine überraschenden 
Resultate gezeigt 4 ), wie lohnend es sein kann, Knickungen in der 
Streichlinie zu beachten. 

Viel auffälliger noch sind indessen im nördlichen Oberharze die 
oben schon (S. 7 u. 8) theilweise als Deformirung des Devonsattels 
daselbst bezeiehneten , aber auch in den Culmschichten bemerk- 
lichen Abweichungen der Streichlinien: am Tillyberge bei Riechen- 
berg zwischen Langelsheim und Goslar und vom Rammeisberge 
bis in’s Eckerthal oberhalb der Rabenklippe misst man auf Schritt 
und Tritt Streichen in Stunde 2, 1, 12, 11, 10, 9, 8, 7, 6 oder 

B Zeitschr. d. D. geol. Ges., Bd. XXIX, S. 620 ff, vergl. auch v. Groddeck, 
ibid. S. 444 und A. Halfar, ibid. Bd. XXXIII, S. 350. 

2 ) Zeitschr. d. D. geol. Ges., Bd. XXIX, S. 440. 

3 ) Zimmermann, Harzgebirge, S. 81 u. 117. 

4 ) Vergl. Zeitschr. d. D. geol. Ges. 1881, Protocoll der April- und der 
November -Sitzung, über die »Ackerspalte«, sowie den Aufsatz des genannten 
Autors in diesem Bande des Jahrbuchs. 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


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eine in solchen Stunden gerichtete, die Streichlinien schneidende 
Transversstructur , d. h. Pressungsstructur. Was ich gegenüber 
dein trügerischen Generalstreichen seit 1867 für den Unterharz 
geltend gemacht habe, gilt auch hier. Dieselbe Tendenz einer 
gegen 0. convexen Umstauung des herrschenden nieder- 
ländischen Falten Systems in das her cyni sehe, welche in 
der Selkemulde, in der Elbingeroder Mulde bei Hüttenrode wie 
auf der Ostseite des Brockens, kurz überall gegen den Nordrand 
des Gebirges hinzu sich geltend macht, kehrt auch hier mit 
charakteristischen Schichtbrüchen verknüpft deutlich wieder. 

Am reinsten aber tritt diese gegen Ost gespannte Bogenlinie 
als Ausdruck der aus der älteren Richtung in die jüngere über- 
gegangenen Druckwirkung im Ostrande des Brockenmassivs aus 
dem Grundplane des Gebirges hervor. Die tektonische Bedeu- 
tung der Oder-Spalte spricht sich nun darin deutlich 
aus, dass ihre von allen weithin fortsetzenden 1 ) Gängen 
des Oberharzes abweichende nordnordwestliche Rich- 
tung der Sehne oder Drehungsaxe zu diesem Bogen 
entspricht und ebenso ihre östliche Fallrichtung der 
Spannung dieses Bogens: Die Zerspaltung des im Sinne 
des niederländischen Faltungssyste m s aufgepressten 
Granits von St. Andreasberg ist sonach als Folge des 
Wechsels der Faltungsrichtung im Sinne des hereyni- 
schen Systems aufzufassen, wobei sich das östliche Einfallen 
der Spalte als Resultirende aus der nordwestlichen Druckrichtung des 
niederländischen Systems und der südwestlich gekehrten Rückstau- 
richtung des im oberen Querschnitt durch die Erdkruste grossen theils 
entgegengesetzt wirkenden hercynischen Systems erklärt. Auf der 
Ostseite des Brockens kehren in der Elbingeroder Mulde solche 
Verwerfungslinien mehrfach wieder. Am grossartigsten aber tritt 
uns die Zerspaltung des ganzen Gebirges nach der Streich- und 


0 Als Gänge von kürzerer Erstreckung in der Streichrichtung der Oder- 
spalte sind zu verzeichnen: der Schatzkammerzug bei Altenau, der Segen des 
Herrn westlich von Ober- Schulenberg und die Schwerspathgänge südlich des 
Jägersblecker Teichs, letztere beide sind bei der Eintragung in die Uebersichts- 
karte übersehen worden. 


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K. A. Lossen, geologische und petrographische 


der Fallrichtung der Oderspalte in dem durch die Porphyre und 
Melaphyre von unten auf erfüllten Gangsysteme im Zwischen- 
gebiete zwischen Brocken und Rammberg entereffen. 

Ich habe die Bedeutung dieser Gänge gerade in dem am 
meisten gestörten Gebirgsbaue zwischen den einander zugekehrten 
Seiten der Granitstöcke schon mehrfach hervorgehoben und dabei 
auch ihren Verlauf in der Richtung einer Sehne der gegen Ost 
convexen Schichtenbögen oder einer Mittellinie (Drehungsaxe, ver- 
gleiche weiter unten) der Z-förmig zusammengezogenen Stauungs- 
falten jenes Zwischengebietes betont 1 ). Aber erst, nachdem ich die 
petrographische Beschaffenheit der einzelnen Spaltengesteine näher 
untersucht hatte, gelang mir dann im Frühjahr 1880 der bündige 
Nachweis des, wie ich darthun zu können glaube , für den Bau 
des ganzen Gebirges wichtigen Spaltenbildungsgesetzes. Die Klar- 
legung desselben kann zugleich als Maassstab für unsere einstige 
und jetzige Kenntniss vom Harze dienen. 

Der vortreffliche Beobachter Zimmermann hatte schon in 
seinem Harzgebirge eine für das in Rede stehende Gesetz bedeut- 
same Mittheilung gemacht. Er giebt (S. 489) gelegentlich der 
Beschreibung des Tanner Bergreviers von einem im Hasselhäu 
zwischen Trautenstein und Tanne beobachteten Porphyrgange an: 
»hier zeigt es sich, dass der Porphyr das ältere Gestein ist, denn 
während derselbe bis an den Grünstein (sc. Diabas) heransetzt, 
wird er von diesem abgeschnitten, findet sich aber auf der anderen 
Seite desselben in den Heiligenstöcken und nach Königshof hin 
wieder.« Als ich diese Stelle las, fand ich in ihr eine evidente 
Bestätigung meines Gesetzes, obwohl ich das Alter der beiden 
einander kreuzenden Eruptivgesteine gerade umgekehrt dahin dar- 
gethan habe, dass der pr aegr an i tische Diabas schon vor dem 
Hauptfaltungs- und Gebirgsbildungsprocesse zwischen die Schichten 
eingeschaltet wai^ der postgraniti sehe Porphyr dagegen Spalten- 
räume erfüllt, deren Entstehung nur zufolge der Gegenwirkung 
der beiden sich in ihrer Richtung kreuzenden Faltungs- und Granit- 
auspressungsprocesse verstanden werden kann. Es setzt offenbar, 

!) Zeitsehr. d. D. geol. Ges., Bd. XX, S. 453; Bd. XXVIII, S. 406; Bd. XXIX, 
8. 201; auch E. Kayser an der zuletzt angezogenen Stelle. 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


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und darin liegt ein Theil jener erkannten Gesetzmässigkeit, der 
zufolge gehemmter Faltung in dem ganz in einander 
gepressten Gebirgstheile aufgerissene und zugleich 1 ) 
mit Porphyr erfüllte B erstungsriss an der ein Hemmniss 
bildenden Diabasmasse ab und erleidet eine (bis zu 
einem gewissen Grade der Auslenk u n g d e r S p a 1 1 e n v e r- 
gleichbare) seitliche Verschiebung. Was hier an einer 
Stelle und für eine Spalte beobachtet worden ist, das lässt sich 
an den nahezu parallelen 1 1 Hauptgangspalten , welche zwischen 
Königshof und Neuwerck die Bode kreuzen, und auch an den 
Spalten des Auerbergsystems in häufiger Wiederholung nachweisen. 
Bis auf ganz vereinzelte Ausnahmefälle findet die z. Th. unter der 
Mitwirkung meines Freundes Kayser in nahezu 100 Fällen kar- 
tirte Spaltenverschiebung durch den ganzen Harz, vom Poppenberge 
bei Ilfeld bis nach Wernigerode und vom Auerberge bis in die 
Nähe von Benzingerode stets in dem Sinne statt, dass das nörd- 
lichere Stück des abgelenkten Ganges nach Osten ge- 
rückt ist. Dieses staffelförmig aus Südwest gegen Nordost ge- 
ordnete Vorrücken der einzelnen dem Streichen nach zwischen 
Stunde 1 1 und 1 durchschnittlich schwankenden ein und dem- 
selben Zuge angehörigen Gangstücke entspricht den in dieser 
SW. — NO.- Richtung und nicht umgekehrt zusammengedrückten 
Z-förmigen Stauungsknicken. Man sieht leicht ein, wie durch den 
Verschiebungsprocess zufolge des Parallelismus der 11 Gänge 
Gangstücke ganz verschiedener Gangzüge und darum von ganz 
abweichendem Gesteinscharakter in ein und dieselbe Flucht des 
geraden, wenn auch unterbrochenen Fortstreichens gelangen müssen. 
An anderer Stelle soll der petrographische Charakter der Einzel- 
spalten, dessen Verständniss erst die Lösung des Problems ermög- 
lichte, gemeinsam mit einer topographisch geologischen Beschreibung 
des Gangspaltennetzes erläutert werden. 


1 ) Dass die Ausfüllung dieser Berstungsrisse mit der Entstehung der Spalten 
zusammenfallen muss, was ich früher Angesichts der Abhängigkeit ihrer Richtung 
vom Faltungsprocesse für nicht noth wendig erachtet habe, folgt zweifelsohne aus 
der Ausfüllung der gleichsinnig abgelenkten Einzelrisse ein und desselben Spalten- 
zuges durch dasselbe Eruptivmaterial. 


28 


K. A. Lossen, geologische und petrograpkische 


Nur einiger für den Gebirgsbau nicht unwesentlicher Umstände 
sei hier noch gedacht : 

Ich habe diese Eruptivgesteine als postgranitisch bezeichnet, 
weil ich das Entstehen solcher Berstrisse, die alle Falten schneiden 
und an den gefalteten Gesteinen zersplittern und abgelenkt werden, 
mir nur nach dem unter Auszwängung der Granitmassen erfolgten 
Maximum des Faltenwerfens vorstellen kann. Dafür spricht ausser 
der mittleren Streichrichtung aber auch die Gesammtform des 
Spaltensystems, das in der Richtung einer Linie vom Ende 
des Bodegangs auf die Hasseröder Granophyr- Apophysen hinzu 
bei Elbingerode sichtlich eingeschnürt ist, nördlich und südlich 
dieser Linie aber divergirt, und zwar in dem nördlichen, dem 
Brockenmassiv näher liegenden und darum nach der Ostgrenze 
desselben orientirten Theile am wenigsten, in dem südlichen, der 
Rammbergaxe mehr parallelen Theile innerhalb weniger intensiv 
ineinandergepresster Schichten am meisten. Verwerfungen längs 
dieser Gesteinsgänge sind recht selten, sonst müssten sie in der 
Elbingeroder Mulde, wo der Wechsel mächtiger Kalk-, Grauwacken-, 
Diabas- oder Schalsteinbildungen die Controle sehr erleichtert, 
ausserordentlich oft zu beobachten sein; das eben charakterisirt diese 
Spalten als relativ junge Berstrisse in einem durch die Faltung ganz 
versteiften Gebiete, wie denn ja auch der dem rheinischen Schiefer- 
gebirge zugekehrten steilen Westseite des Gebirges ein gleichge- 
richteter junger Hauptbruch zu Grunde zu liegen scheint. Doch 
fehlen Verwerfungen nicht ganz, wie ein sehr schönes Beispiel 
an dem von der Marmormühle unterhalb Rübeland nach dem 
Garkenholze übersetzenden Alelaphyrgange zeigt, auf dessen Ost- 
seite im Hangenden ein normaler Sattel gegen N. abgesunken ist, 
während westlich im Liegenden eine krummlinige westsüdwestlich 
weithin fortsetzende spiesseckige Hauptverwerfung mit geringeren 
Nebenstörungen angrenzt. Hier deckt sich also wohl der Berstriss 
mit einer älteren gleichsinnigen Spaltlinie. Andererseits kommen 
solche nahezu westöstlich gerichteten spiesseckigen, z. Th. deutlich 
mit Ueberschiebung der angrenzenden liegenden Schichten auf die 
jüngeren Kalk- und Diabasmassen verbundenen Störungen, welche 
den Andreasberger Ruschein am besten verglichen werden können, 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


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in der Elbingeroder Mulde oft vor und werden daher oft von den 
Eruptivgängen gekreuzt. Dabei nimmt man, abgesehen von dem 
soeben besprochenen Falle, in dem die spiesseckige Störung an dem 
Gesteinsgange endet, meistens ein ungehindertes Hindurchsetzen des 
Ganges durch die Störungslinie wahr, zuweilen aber wird auch der 
Gang an der Verwerfung abgelenkt. Es zeigt sich hier also ganz 
deutlich das jüngere Alter der die Berstungsrisse erfüllenden Gesteins- 
gänge und, sieht man einmal von dieser ihrer besonderen Natur ab, 
aus dem Vergleiche der beiden letzteren Fälle mit dem ersterwähnten, 
dass die nahezu nordsüdlich gerichteten Spalten zwar meistens jünger, 
als die fast ostwestlich gerichteten sind, dass dies jedoch nicht all- 
gemein im Harze gilt. Es wiederholen sich hierin Verhältnisse 
im Grossen, wie man sie im Kleinen durch den St. Andreasberger 
Bergbau seit längerer Zeit kennt. Dort sind die nahezu südwärts 
fällenden Ruschein älter als die nordostwärts fällenden Gänge inner- 
halb der Ruschein , die in ihrer Streichlinie sich der Oderspalte 
nähern, dagegen lenken der Gnade Gottes’er und der Berginanns- 
troster Gang bei fast nördlichem Einfallen und einem den Ruschein 
nahezu parallelen Streichen wieder an diesen ersteren Gängen aus. 
Alles in Allem mahnen derartige Erfahrungen zu grosser Vorsicht 
gegenüber einem Versuche, lediglich aus der Streichrichtung der 
Gänge eine Eintheilung oder einen Altersnachweis herzuleiten. 

Am Oberharze habe ich im Laufe des vergangenen Sommers 
unter Anwendung' der Unterharzer Erfahrungen in Begleitung meines 
Freundes v. Groddeck, durch welchen ich die erste Kunde von dem 
Vorkommen erhielt, nördlich vom Gegenthaler Gangzuge im linken 
Gehänge des Innerstethaies einen Quarz, Glimmer und Feldspat h 
führenden, z. Th. stark zersetzten porpliyrischen Eruptivgang ver- 
folgt, der offenbar in die Gruppe der postgranitischen Eruptiv- 
gesteine gehört 1 ). Derselbe streicht den Eruptivgängen zwischen 

1 ) Die local längs der Gangspalte bemerkliche Umwandlung der oberdevo- 
nisclien Schiefer und Kalke in Hornfels und Kalkhornfels, welche vor der Kennt- 
niss der Streichrichtung des Ganges eine dem Bodegang - Porphyr analoge 
Porphyrfacies des Granits voraussetzen liess, steht doch in vortrefflichem Ein- 
klänge mit den Contactinetamorphosen, welche die postgranitischen Porphyre und 
Melaphyre in den durchsetzten Devonkalken von Elbingerode und Rübeland her- 
vorgerufen haben. 


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K. A. Lossen, geologische und petrographische 


Brocken und Rammberg und der Oder -Spalte parallel und darf 
nach dem Voraufgehenden sonach als weiterer Beweis für die 
Wirkung der hercynischen Kraft im Oberharze gelten. 

Was nun die übrigen Oberharzer Gangspalten betrifft, so 
können dieselben, wie das v. Groddeck ja auch annimmt, nur im 
Zusammenhänge mit seiner Kellwasser-Spalte oder jetzt der Oder- 
Spalte erklärt werden. Die Ausgleichung der durch Einwirkung 
des hercynisch gerichteten Granits auf den ursprünglich rein nieder- 
ländischen Faltenbau des Oberharzes hervorgerufenen Spannungen 
wird also auch hier den Erklärungsgrund abgeben müssen. Im 
Einzelnen wird ein Erklärungsversuch ausser der Streich - und 
Fallrichtung und dem Verwerfungseffecte der Gangspalten die Ein- 
senkungsrichtungen der Sattel- und Muldenlinien des Faltenbaues, 
die örtliche Häufung der Falten und Faltenverwerfungen, ihre aus 
der steigenden oder abnehmenden Aufrichtung ein und derselben 
Schicht im geraden Fortstreichen und aus dem einseitigen Aus- 
bleiben eines Theils der normalen Schichtfolge ersichtliche Ver- 
biegung, die aus solchen Verbiegungen hervorgehenden Stauungs- 
knicke und Kuschelbildungen, schliesslich die Discordanz zwischen 
dem Streichen und Fallen der Schichtung und demjenigen der 
Transversal-, d. h. Pressungsstructur in Rechnung ziehen müssen. 

Ehe die Vollendung der Detailkartirung eine eingehende Ver- 
gleichung und Abwägung dieser zahlreichen Einzelerscheinungen 

O o O O O 

des Gebirgsbaues ermöglicht haben wird, lässt sich eine allseitig 
befriedigende, jedenfalls aber nicht auf einseitige Druck- 
wirkung, sondern auf die beiden im Harz nachgewie- 
senen Faltungssysteme unter Berücksichtigung von 
Zug und Druck zu basirende Theorie selbstverständlich nicht 
geben. Grade die der grossartigen Ueberschiebnng des Bruch- und 
Ackerherges zugekehrte Seite des Oberharzes, welche v. G roddeck, 
E. Kayser und A. Halfar neuerdings so beachtenswerthe For- 
schungsergebnisse geliefert hat, dürfte auch der fortgesetzten sorg- 
fältigen Untersuchung den Lohn nicht versagen, zu geschweigen 
von der erst theilweise in Angriff genommenen Detailkartirung der 
Gegend beiderseits des Kahleberg-Rammelsberger Sattels von Lan- 
gelsheim bis zur Ecker. 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


31 


Immerhin ladet das in der Uebersiclitskarte dargestellte Bild 
des Oberharzes, für welches ich vorwiegend auf die Resultate 
meiner drei Herren Mitarbeiter angewiesen war, zu einem prüfenden 
Erklärungsversuche ein. Dabei tritt zunächst der Umstand hervor, 
dass auf der ganzen SO.- Seite des Oberharzes, von der Gegend 
des Austrittes der Söse aus dem Gebirge an bis zur Kattenäse 
östlich Harzburg, Mittel- und Oberdevon Q zwischen dem unter- 
devonischen Bruchbergquarzite oder dem Granite und der Südost- 
grenze der Culmformation fehlen, weiter nordwestwärts dagegen 
auf der ganzen Flucht von Osterode bis Harzburg , die kurze 
Strecke zwischen dem Polsterthaler Teiche und dem Kellwasser 
beiderseits Altenau ausgenommen, aus dieser Formation auftauchen 
in einem langgestreckten Zuge von Sattelfalten, richtiger in einer 
der auf die Culmschichten übergeschobenen Bruchbergkette paralle- 
len Reihe von Faltenverwerfungen. Darf man darin den Ausdruck 
einer anfänglich gleich mässig von SO. nach NW. fortschrei- 
tenden Zusammenschiebung des ganzen Oberharzer Schichten- 

O O 

Systems erblicken, wobei die, wie aus dem Ausbleiben des Mittel- 
und Oberdevons zwischen Quarzit und Culm ersichtlich, ungleich- 
mässigen Gleitbewegungen wesentlich nur in der Ebene der Fall- 
richtung stattfanden, so fällt nun um so mehr auf, dass die Bruch- 
bergkette selbst keineswegs eine so gleichmässige Ausdehnung 
durch das ganze Gebirge besitzt, vielmehr an den Radauquellen 
rasch abbricht und erst jenseits des in der hereynischen Richtung 
gegen den Oberharz vortretenden Granits zwischen der Ecker und 
Radau wieder fortsetzt in jener 1877 von mir näher beschriebenen * 2 ) 
gegen den Unterharz muldenförmig aushebenden und dabei theil- 
weise diesem Granitantheile parallel gerichteten Erstreckung. Es 
fällt dies bei Betrachtung des Grundplanes des Gebirges doppelt 
auf, weil weiter in NW. gegenüber dieser Lücke in der Quarzit- 
kette im SO., sich der ansehnliche, gegen NW., bezw. SW., ilber- 

: ) Oberdevon , welches von diesem oder jenem als muthmaasslich vorhanden 
betrachtet ist, wäre doch erst sicher nachzuweisen, immerhin würde das Fehlen 
des Mitteldevons auch dann noch obige Darstellung gerechtfertigt erscheinen 
lassen. 

2 ) Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. XXIX, S. 620 ff. 


32 


K. A. Lossen, geologische und petrographische 


schobene Kalileberg-Rammelsberger Unterdevonsattel aufthürmt, in 
dessen dem Hügellande zugekehrter breiter Stirn der Nordrand 
des Gebirges culminirt. 

Untersucht man dann die Grenze des Brockengranits gegen 
den Oberharz, so bemerkt man, dass von SW. nach NO. fort- 
schreitend immer jüngere Schichtgruppen an dieselbe herantreten: 
unterhalb Schlaft die Tauner Grauwacke, oberhalb Schlaft bis zur 
Steilen Wand der Untere Wieder Schiefer, an der Steilen Wand 
und den Lerchenköpfen der Bruchbergquarzit, jenseits der Lerchen- 
köpfe Culmschichten. Dieselbe Erscheinung kehrt auf der Nord- 
westseite des Bruchberges wieder, unter der Schusterklippe und 
noch bis über das Schneedwasser grenzen Culmschiefer und Culrn- 
kieselschiefer an den Quarzit, unter der Wolfsklippe bis zum 
Radauthal dagegen Culingrauwacke ; auch diese Culmkieselschiefer 
selbst sind im SW. in normaler Ordnung auf Culmschiefer (Aequi- 
valente der Posidonienschiefer) aufgeschoben, weiter nordöstlich 
dagegen auf Culingrauwacke. Aehnliche Ungleichheiten in der 
Begrenzung lassen sich auch an der zerrissenen und gegen NW. 
überschobenen Sattelfalte des Osteroder Grünsteinzugs und an den 
zahlreichen kleinen zwischen ihm und dem Bruchberge naclige- 
wiesenen analogen Auffaltungen des Culms erkennen. Sie alle ge- 
hören in die Kategorie der spiess eckigen Faltenverwerfungen 1 ). 

Da, wo die Faltenverwerfung im Liegenden des überge- 
schobenen Formationsglieds gleichsinnig nach einer Richtung, wie 


x ) Seit der Auffindung von Homalonoten in dem Wissenbaclier (Goslarer) 
Schiefer auf der NW. -Seite des Osteröder Diabaszugs- (vgl. A. Halfar und 
E. Beyrich in Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. XXXIII, S. 502 und 518) können 
diese auf der Uebersichtskarte mit den über den Calceolaschiefern lagernden echten 
mitteldevonischen Goslarer Schiefern zusammengefassten Schichten nicht mehr als 
mitteldevonisch gelten , sie treten vielmehr in Beziehung zu den echten unter- 
devonischen Wissenbacher Schiefern am Rhein und zu den Zorger Schiefern mit 
nautilinen Goniatiten am Herzoglichen Wege bei Hüttenrode im Unterharz (vgl. 
Lossen in ds. Jahrb. Bd. I, S. 44). Zur Erkehntniss des Diabaszugs als eines 
mit Faltenverwerfung verbundenen, nicht aber normalen, einseitig zusammen- 
geschobenen Sattels bedurfte es gleichwohl dieses wichtigen Fundes nicht; das 
einseitig nordwestliche Auftreten der genannten Schiefer und das Angrenzen 
sehr verschiedener Glieder der Culmformation auf beiden Seiten genügten 
sattsam dazu. 


Beiträge zur Kermtniss des Harzes. 


33 


längs der nordwestlichen Brockengranitgrenze gegen NO., zuuimmt, 
kann wohl kein Zweifel obwalten, dass ein von SW. nach NO. 
wachsender Druck aus SO. oder aber Zug immer jüngere 
Schichten untergestaut hat unter die aufwärts geschobenen Massen. 
Es ist also a priori, keineswegs ausgemacht, dass ein Druck constant 
im Sinne der niederländischen Faltung rechtwinklich aus SO. 
gegen die gefalteten Schichten des Oberharzes fortwirkend gedacht 
werden dürfe, wie das von meinem Freunde entworfene Schema 
zu seiner Ausstrahlungstheorie voraussetzt. Wenden wir hier, wo 
wir es mit dem Bruch- und Ackerberge, der einzigen deutlichen 
Bergkette, welche im Harz auftritt, zu thun haben, einmal die von 
Herrn Heim vertretenen Anschauungen an x ), so müsste man unter 
der Voraussetzung: der Fortdauer des Faltungsdruckes aus SO. und 
einer von SW. gegen NO. wachsenden Steigerung desselben eine 

O O O O 

gegen den Oberharz gerichtete Convexität in der Faltenbildung 

O ö O O 

ausgedrückt finden. Eine solche ist indessen nicht oder doch so 
gut wie nicht vorhanden; wohl biegen die Schichten in der De- 
pression zwischen Bruchberg und Acker in Stunde 2 um und auf 
der SO. -Seite der Steilen Wand ist eine ähnliche Stelle vorhan- 
den, indessen gerade hier durchsetzen und verrücken die Acker- 
spalte * 2 ) und die Oderspalte die Kette, die jenseits der letzteren 
rasch versinkt, so dass den gewaltigen Massen des Brockens gegen- 
über nur mehr das im Verhältniss zur Kette viel niedrigere Culm- 
Plateau längs der concaven Granitgrenze erscheint. 

Die Convexität und der Steilabfall des Brocken- 
massivs liegen vielmehr sehr deutlich auf der Unter- 
harz -Seite, das lehrt nicht nur die von der Erosion doch nicht 
ganz ins Gegentheil des ursprünglichen Reliefs verkehrte Ver- 
theilung der Haupterhebungen, vielmehr noch der Bogen der 
Granitgrenze selbst und der sich ihm ansclnniegende Verlauf der 
nordnordöstlich bis Stunde D /2 umwendenden und hier allerwärts 

») a. a. 0. Bd. 2, S. 222 ff. 

2 ) Ueber die von E. Kayser entdeckte Ackerspalte, die, wie so manche 
anderen schönen neueren Beobachtungen meines Freundes nicht mehr in die 
Ueber sichtskarte eingetragen werden konnte, vergleiche dessen Abhandlung in 
diesem Jahrbuche. 


3 


34 


K. A. Lossen, geologische und petrographische 


vom Granit Q abfallenden Schichten in der unmittelbaren Nach- 
barschaft dieser Grenze. Doch nur schmal ist diese Anschmie- 
gungszone, bald folgt das vom Nordostrande des hercynischen 
Brockengranitantheils auslaufende, der Oderspalte nahezu parallele 
Hasseroder Quarz- und Erzgangspaltensystem, dessen gegen S. 
durch das Drengethal u. s. w. bis mindestens zum Spitzenholze zu 
verlängerende Verwerfungslinie die Westgrenze des stark gefalteten 
Senkungsgebiets der Elbingeroder Devonmulde und des ganzen 
unter jenen hercynischen Granit gedrückten Gebirgstheils bildet. 
In diesem Senkungsgebiete, namentlich aber in der von N. her 
auf die jüngeren Devonschichten aufgeschobenen Randzone des 
Gebirges ist der Kampf der beiden den Gebirgsbau bedingenden 
Faltensysteme so augenscheinlich, dass das an jener Anschmie- 
gungszone leicht irregeführte Urtheil sich alsbald Orient irt und 
dieselbe nunmehr im Zusammenhänge mit den früheren Dar- 
legungen (vergl. S. 25) als eine bis zur Zerreissung gespannte 
Aufbiegungszone bereits gefalteter Schichten erkennt; als Maass- 
stal) für die Aufbiegung möge die Mittheilung dienen, dass z. II. 
die am Hahnenklee bei St. Andreasberg in 1900 Decimalfuss 
Höhe anstehenden Kalkhornfelsschichten auf dem Hohnekopfe 
2275 Fuss hoch lagern. Sattelfalten als östliche Vorlagen vor 
dieser Aufbiegungszone erkennt man leicht in der Elbingeroder 

O o O 

Mulde, so s. B. in den Kieselschiefer -Massen des Schäbenholzes 

u. s. w. 

Also Concavität des Brocken -Granitmassivs gegen den Ober- 
harz, Convexität gegen den Unterharz, Biegung, Brechung und 
Unterstauung der Bruchbergkette von SW. gegen NO. dort. Auf- 
biegung der Schichten in gleicher Richtung hier, westlich jener 
Niederziehung das Auftauchen des gegen NO. immer straffer ge- 
spannten Kahleberg-Rammelsberger Devonsattels, östlich dieser Auf- 
biegung die überaus stark gefaltete, tief eingesenkte Elbingeroder 
Devonmulde ; das sind offenbar in Wechselwirkung 
stehende tektonische Ve r h ä 1 1 n i s s e ! Sieht man unter diese m 
Gesichtspunkte die langgedehnten Faltenlinien der dem Brocken 


Syenit- Granit und Diorit etc. mit eingerechnet. 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


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zugekehrten Oberharzregion an, so erkennt man deutlich, wie Anzahl 
und Breite der Falten oder Faltenverwerf ungen «re^eu SW. hin 
sich steigert, wie die Falten dagegen gegen den Concavitäts- 
winkel der Granitgrenze hinzu immer schmaler und spärlicher 
werden, gleichsam wie Wellen, die in ein Strudelloch laufen. Demi 
jeue breiten Heraushebungen der mittel- und oberdevonischen Erup- 
tivgesteine des Schmalen- und Breitenbergs bei Harzburg, die man 
wohl als das Wiederauftauchen des Osteroder Diabaszugs be- 
zeichnet hat, sind mit nichten dessen directe streichende 
Fortsetzung. Dieselbe ist vielmehr in der ganz schmalen 
Diabas- und Magneteisenerzmasse des Spitzenberges zu finden, 
welche neben der breiten Diabasmasse des hinteren Schmalen- 
bergs herstreicht und dann gegen ONO. unter den Culmschichten 
untertaucht. Zwischen ihr und den beiden in unregelmässiger ein- 
seitiger Aufschiebung hervorgestossenen breiten Massen *), die ich 
als die Vorläufer des in der Verschiebung seiner Süd- und Nord- 
hälfte ganz analogen Bammelsberg-Kahleberger Sattels ansehe, muss 
eine namhafte Ruschelkluft vorhanden sein, an der die Oderspalte 
abzusetzen scheint, und die nach Westen z. Th. in den Gemken- 
thaler Gangzug übergehen mag, der nach ihr umbiegt, ähnlich, wie 
sich der Burgstädter Zug an das rusclielartige Gangstück zwischen 
dem Rosenhöfer und dem Schulthaler Gangzuge anschliesst und 
diese letzteren beiden Gänge desgleichen. 

Obwohl keine Karte und kein Riss meines Wissens diese 
Ruschelkluft angiebt, muss sie vorhanden sein, denn sie ist die 
Grenze zweier Gebirgstheile , die ganz verschiedene Bewegungen 
gemacht haben, des einen, dessen Sattellinien gegen NO. in den 


D Erst die Gliederung dieser Massen in Eruptivgesteine verschiedener Art 
und verschiedenen Alters lässt einigermaassen auch deren tektonische Rolle er- 
kennen. Dieser Gliederung standen und stehen noch grosse Schwierigkeiten ent- 
gegen zufolge der ausserordentlich intensiven Contactmetamorphosen, welche diese 
Eruptivgesteine erlitten haben. Im Allgemeinen sind aber die Orthoklas-Gesteine 
die ältesten, die Granat-reichen Diabas- Gesteine die mittleren Alters ( Blatterstein- 
Aecpuivalente) und die häufig variolitähnlich ausgebildeten körnigen Diabas-Gesteine 
die jüngsten. Letztere setzen ausser der in der Ueber sichtskarte bereits ange- 
gebenen Partie am Schmalenberge auch die nordnordwestliche Hälfte des Breiten- 
bergs zusammen, so dass die einseitige Heraushebung der Massen sehr deutlich ist. 

3 * 


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K. A. Lossen, geologische und petrographische 


einspringenden Winkel der Granitgrenze hinein einsenken, und 
des anderen, dessen Sattellinien sich in der gleichen Richtung heraus- 
heben. Solche Ruschein oder spiesseckige Falten Verwerfungen, 
längs derer also seitlich gleitende neben den in der Fallrichtung 
gehenden Bewegungen stattgehabt haben, die zum Verquetschen 
ganzer Schichtengruppen führen können, sind für den Zusammen- 
hang zwischen Falte und Spalte sehr bedeutsam. Sie sind offen- 
bar älter, als die echten Spalten, welche an ihnen absetzen oder in 
weniger spiesseckiger Richtung von ihnen ablaufen. Die Oder- 
spalte und die Oberharzer Gänge sind also etwas jüngeren Alters 
als dieselben. 

Auch die Granitgrenze gegen den Oberharz stellt, wie wir 

O o O J 

oben gesehen, auf lange Erstreckung eine solche spiesseckige Linie 
dar, längs welcher zwei Gebirgsstücke ganz verschiedene auf- und 
niedergehende Bewegungen vollzogen haben. Wie aber ist das oben 
geschilderte Verhalten des Granits zu erklären? Wie kommt es, 
dass die Bruchbergkette von SO. her gegen den Oberharz ge- 
schoben ist, längs der in der Fortsetzung der Kette folgenden Granit- 
grenze aber die Wirkungen eines Zugs gegen den Unterharz 
hin sich bemerklich machen? Ich kann darauf nur erwidern, 
dass ich den für den Harz durchweg erkannten Umschlag der 
ursprünglich niederländischen Faltungsrichtung in die jüngere her- 
cynische als zureichenden Grund ansehe. Vergegenwärtigen wir 
uns den Effect eines solchen Wechsels aus der Vorstellung des 
Vorgangs selbst. Es sollen aus SO. einseitig zusammengeschobene 
Falten in solche umgestellt werden, die aus SW. her einseitig 
zusammengeschoben sind, es sollen also die Streichlinien der Falten 
um einen rechten Winkel etwa gedreht werden; nun streichen 
aber die älteren niederländischen Falten nicht nur aus SW. gegen 
NO. , sondern sie stehen zugleich so zu sagen auf einer schiefen 
gegen NW. einsinkenden Treppe und haben überdies eine Fall- 
richtung der Sattellinie, die wir nach dem breiten Faltenwürfe 
zwischen Osterode und Lauterberg für die zerrissene Sattelfalte 
der Tanner Grauwacke von Andreasberg, wie für die Faltenver- 
werfung der Bruchbergkette nur als gegen NO. gerichtet ansetzen 
können; ebenso stehen die hercynischen Falten auf einer NO.-wärts 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


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niederfülirenden Treppe und auch sie haben eine Senkung der 
Sattellinie, die deutlich gegen NW. neigt. Daraus erhellt doch 
soviel, dass Drehungsbewegungen oder, wo sie gehemmt sind, 
D rehungsspannung und zwar nicht nur im horizontalen, 
sondern auch im vertikalen Sinne, also Spiraldrehungen 1 ) 
stattfinden müssen. Auch das lässt sich sagen, dass diese spi- 
ralen Verbiegungen rechts gewunden sein müssen, 
denn da im NW. sich der Treppenfuss des vorhandenen nieder- 
ländischen Faltenbaues mit dem Tiefpunkte der Sattellinie des 
angestrebten hercynischen begegnet, so findet dort unter Zug- 
wirkung von O. her eine abwärtsgehende Bewegung jüngerer 
Schichten statt, und da im SO. der Treppenkopf des ersteren mit 
dem Höhenpunkt der Sattellinie des letzteren zusammentrifft, nach 
dieser Richtung' unter Faltenwerfen ein Aufsteigen relativ älterer 
Schichten. In SW. , wo der Höhenpunkt der Sattellinie der 
niederländischen Falten liegt und der Treppenkopf der hercynischen 
entstehen soll, wird naturgemäss am meisten Ruhe sein und nur 
der Beginn der steigenden Bewegung sich zeigen, die andererseits 
schliesslich gegen NO. mehr und mehr in eine absteigende über- 
geht, weil hier der Tiefpunkt der Sattellinie des älteren Falten- 
systems und das Absteigen der Treppe des in Bildung begriffenen 
Zusammentreffen. 

Das Endresultat wird nun sein, dass die von Haus aus ein- 
seitig, also mit steilerem NW. - Flügel gebaute und in der Sattel- 
linie gegen NO. geneigte Falte sich gegen O. immer convexer 
krümmt und aufstaut, während gegenüber auf der Westseite jener 
einspringende Winkel sich mehr und mehr ausbildet, wo starker 
Zug die südwestnordöstlich streichenden Falten -Wellen so zu 
sagen ins Strudelloch reisst. Die Sattellinie aber wird, je tiefer 
sie liegt, umsomehr gegen NW. umgestaut und niedergezogen, 

B Schon 1872 habe ich die im Fallen und im Streichen hin- und her-, auf- 
und niedergebogenen »Korkzieherfalten« der Tanner Grauwacke in der Umgebung 
des Rammbergs hervorgehoben (vergl. Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. XXIV, 
S. 177) und schon 1867 der »durch die Verdrückung der Schichten zwischen 
Brocken und Rammberg in Folge der Gegenwirkung der beiden Eruptivmassen 
entstandenen Z- Knicke« Erwähnung gethan (vergl. dieselbe Zeitschr. Bd. XX, 
S. 223 — 224. Danach E. Suess, d. Entstehung d. Alpen, S. 76). 


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K. A. Lossen, geologische und petrographische 


wobei die Falte nothwendigerweise im oberen Querschnitt durch 
die Erdkruste der hercynischen Druckrichtung entgegen nach SW. 
übergebosren und aufgeschoben wird. Sie wird also in den ein- 
springenden Winkel hineingedrückt, so dass da, wo zu Beginn 
des Umstauungsprocesses starker Zug aus OSO. und O. herrschte, 
nunmehr starker Druck aus O. und ONO. wirkt. Am entgegenge- 
setzten südwestlichen Ende des Sattels macht sich das Bestreben eines 
Ausweichens der hier herrschenden Specialfalten gegen W. geltend. 

Das ist der Vorgang der Deformirung solcher niederländisch 
streichenden Sättel des Harzes im Sinne des jüngeren hercynischen 
Faltensystems, das ist zugleich der Schlüssel für das Verhalten des 
Brockengranits zu den ihn umgebenden Schichten. 

Diese Auffassung, zu der ich bei aufmerksamer Betrachtung 
der geognosti sehen Uebersichtskarte gelangt bin, führt zu der 
Erkenntniss von dem windschiefen Baue des ganzen Gebirges, 
welcher sich auch in der Richtung, in welcher der Diluvial-Lehm 
von aussen in den Harz eindringt, und, wie der Vergleich der 
Höhenschichtenkarte lehrt, auch im Gebirgsrelief und in dem Thal- 
verlaufe deutlich ausgedrückt findet. 

Die Harzer Gangspalten und auch die allermeisten 
Ruschein oder spiesseckigen Faltenverwerfungen er- 
kennt man nunmehr deutlich als Torsionsspalten. Ihre Streich-, 
F all- und V erwerfungsrichtung ist leicht verständlich im Sinne des 
Ausgleiches der bei der Schichtenverbiegung entste- 
henden Spannungen. Die Ruschein wurden oben im Allge- 
meinen als die älteren Störungen bezeichnet, denn die in der 
Streich- und Fallebene gleitenden Bewegungen, welchen sie ihre 
Entstehung verdanken, schaffen ja erst die Hauptspannung; eine 
absolute Giltigkeit ist diesem höheren Alter aber nicht beizumessen. 
Die Oderspalte verläuft in der Sehne der Verbiegungsbögen oder 
wie wir jetzt richtiger sagen in der Axrichtung der Spiral- 
drehung, sie scheint von keiner anderen Spalte gekreuzt; ihre, 
wie der Ackerspalte und der Andreasberger Ruschein Entstehung 
hängt deutlich zusammen mit dem convexen Vorstauen der Granit- 
massen gegen den Unterharz, mit dem Auf biegen der Schichten 
daselbst und mit dem Biegen, Brechen und Unterdrücken der 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


39 


Bruchbergkette auf der Concavseite. Deutlich kann man meines 
Erachtens z. B. in den von Kayser so trefflich dararestellten 

O 

Verbiegungen der Sättel und Mulden in der Region zwischen 
Lauterberg und dem Westende der Andreasberger Ruschein jenes 
Hinstreben der Massen nach der Unterdrückungsstelle auf der 
Westseite des Granitmassivs erkennen. 

Andere Spalten, diejenigen der altbekannten Oberharzer Gänge, 
hängen ebenso deutlich mit dem Andrängen des Granits gegen den 
Rammelsberg-Kahleberger Sattel zusammen. Nach dem Unterbiegen 
der Bruchbergkette muss das Eruptivmagma in breiter Masse nord- 
westwärts gedrungen sein, so dass dadurch die scheinbar so unge- 
störten, aber in grosser Ausdehnung bis westwärts der Oderspalte 
metamorphosirten Culmschicliten etc. unten abgehoben sind. Der 
uns in seinen Verzerrungsverhältnissen jetzt besser verständliche 
Devonsattel, dessen nordwestwärts gekehrte Sattelspitze unter dem 
Flötzgebirge ruht, zeigt den charakteristischen einspringenden Winkel 
auf der Westseite. Dorthin strebt sichtlich die bis zum Hessenkopfe 
vorgeschobene, schwerlich ungestörte, Muldung des Oberdevons, 
der andererseits von dorther die Ruscheizone (sogenannte Leit- 
schicht) des Rammeisbergs entgegen läuft. Flach wellig liegen 
die transversal gepressten Schichten auf der Nordseite dieser 
Störungszone, auch sind hier, wie so oft im Harz, die Diabaslager 
einseitig allein vorhanden ; auf der Südseite dagegen finden wir 
wieder langgezogene, über den Glockenberg und Thomasmartins- 
berg u. s. w. hinziehende Falten und Faltenverwerfungen, die gegen 
den einspringenden Winkel hinzu sich verlieren, während jenseits im 
Ockerthale an der convexen Ostseite des Hauptsattels sich die steil 
aufgerichteten Falten gegen NO. drängen. An Stelle einer scharf 
ausgeprägten Convexität tritt hier ein die Bogenspannung durch- 
reissender Quersprung 1 ), der Birkenthal er Gang, drüben auf der 
Concavseite ist mehr Biegung vorhanden, doch setzt auch hier ein 
reciproker Sprung durch den südlichen Schenkel des einspringen- 

J ) Dass auch Zerspaltung im Sinne der Oderspalte nicht ganz fehlt, scheinen 
mir die zahlreichen kleinen Erzgänge im Steinbruche über dem Bremsberge am 
Rammeisberg und die gleichsinnigen in dem weiter nordöstlich gelegenen Noth- 
durft 1 sehen Bruche zu beAveisen. 


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K. A. Lossen, geologische und. petrographische 


den Winkels. Diese beiden Sprünge, welche die Nord- und 
die Südhälfte des Sattels in der Torsionsrichtung gegen 
einander verschieben, lehren, dass hier die Schichten schon 
recht steif waren, so dass sie der Verbiegung nur schwierig 
folgten. Um so grossartiger ist das Oberharzer Gangspaltennetz 
südlich des Sattels, vor allem der vereinigte Lautenthal -Hahnen- 
kleeer und Bockswiese-Festenburg-Schulenberger Zug, neben der 
Bruchberg-Ueberschiebung und der Oderspalte die wichtigste tekto- 
nische Linie des Oberharzes und gleich diesen beiden noch deut- 
lich im Relief des Gebirges kenntlich. Auch hier und in den 
weiter südlich folgenden gleichsinnigen Sprüngen hat die Ver- 
werfung im Sinne der Drehung stattgefunden. Es steht aber die 
Grossartigkeit dieses Gangspalten Systems im umge- 
kehrten Verhältnisse zu der relativ geringen, wenn auch 
immerhin sehr kenntlichen, Deform irung des Devonsattels: 
begreiflicherweise, denn je weniger der hercynische Faltungsdruck 
zur Umgestaltung der älteren niederländischen, schon zu sehr ver- 
steiften Falten fähig war, um so mehr musste er sie brechen. 

Leicht auch versteht man, dass jene grossen Verwerfungs- 
linien nicht auf der Nordwest-, Nord- oder Ostumgrenzung des 
Sattels gegenüber oder in der Nähe des Ockergranits aufsetzen; 
hier sind die Massen zu sehr ineinandergezwängt , Verwerfungen 
aber bedingen, wie H. v. Dechen (Ueber grosse Dislocationen 
S. 10) treffend ausführt, ein Auseinanderziehen der Schichten, im 
Gegensatz zur Faltung und Pressung; dazu gehört aber die Mög- 
lichkeit des Auseinanderweichens und diese kann bei derart recht- 
sinnig verdrehten SW. — NO. -Sätteln vorzüglich gegen SW., wo 
während des ganzen Faltenumstauungsprocesses in den hangenden 
Schichten nothwendig am wenigsten Störung eintrat, gesucht werden. 
Ein Blick auf den Rammberg, die deformirte Selkemidde mit dem 
gegen SO. vorliegenden diabasreichen Sattel der Unteren Wieder 
Schiefer und das dem grösseren Viaass der Faltung dort ent- 
sprechend schwächer ausgebildete Unterharzer Gangspaltensystem 
zeigt ein ganz analoges Verhältniss. 

Was nun das Divergiren der Spalten nach W. hin anlangt, 
welches in der Strahlungstheorie v. Groddeck's eine gewisse Rolle 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


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spielt, so erklärt sich die Gesammtheit des Spaltenverlaufs wohl 
am einfachsten aus dem Gesammtverlaufe der Falten und Falten- 
verwerfungen. Hier hat ja mein sehr verehrter Freund 1 ) schon in 
sehr ansprechender Weise die Wechselwirkung der Masse des 
Ibergs und des Bruchbergs hervorgehoben 2 ). Die zahlreichen 
neuen Spalten, welche E. Kayser 3 ) in der Umgebung von Andreas- 
berg kennen gelehrt hat, werden nebst den von A. Halfar und 
vor Allem den in Klausthal selbst gesammelten Erfahrungen, wenn 
man Gänge und Ruschein auseinander hält, sicherlich gestatten, 
dereinst ein auch in den Detailzügen klares Bild des Ganzen zu 
geben. 

Da die Oder- und Ackerspalte, wie auch die Andreasberger 
Ruschein in Anbetracht des südlich von einer Ueberschiebung be- 
grenzten tiefliegenden keilförmigen Stückes, welches sie ein- 
schliessen, gegen O., NO. und NON., also im Sinne der Nieder- 
drückung der Bruchbergkette die Schichten gesenkt haben und da 
wir uns dieses Unterdrücken in Beziehung gedacht haben mit dem 
Herausheben des Rannnelsberg -Ivahleberger Unterdevonsattels, so 
wird man sich auch n o th w e 1 1 d Ger w eise die von St. Andreasberg aus- 

O o 

strahlenden Spalten in gleicher Wechselbeziehung zu den Oberharzer 


x ) a. a. 0. S. 446. 

2 ) v. Groddeck hält das NW. — SO. erstreckte Massiv des Ibergs und Winter- 
bergs für einen ungeschichteten Kalkstock (Korallenstock), der »bei der Faltung 
des Gebirges seine Lage nicht wesentlich geändert hat«, er schliesst dies aus 
dem Verhalten der meist, aber doch, wie die nach den Aufnahmen meines 
Freundes eingetragenen Fallen und Streichen lehren, nicht durchaus SW. — NO. 
streichenden Falten der Culmgrauwacken , welche ȟber und an den Kalk ge- 
lagert« sind (a. a. 0. und daselbst Bd. XXX, S. 540). Ich gestehe offen, dass 
ich nach meinen Erfahrungen aus der Gegend von Elbingerode und Rübeland 
hier meinem Freunde nicht ganz zu folgen vermag und dass ich, gestützt auf 
die einseitige Verbreitung von unteren Culmschichten , welche er selbst auf der 
Nord- und Nordostseite des Kalkstocks nachgewiesen hat, in demselben eher eine 
einseitig im Sinne des hercynischen Systems aufwärts gestossene ältere Masse 
erblicken möchte. Immer aber salvo judicio meliore , gern lasse ich mich durch 
die in Aussicht gestellte Detailbeschreibung eines Besseren belehren. Ohnedies 
wird durch diese meine abweichende Auffassung an der Rolle der Kalkmasse als 
Hemmniss für das Spaltenwerfen und somit Ursache für die Zersplitterung des 
Spaltennetzes mit Annäherung an dieses Hemmniss nichts geändert. 

3 ) Siehe dessen Abhandlung in diesem Jahrgange des Jahrbuchs. 


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K. A. Lossen, geologische und petrographische 


Gängen denken müssen; wenn wir also oben die Entstehung der 
einen Spaltengänge mit dem ersteren, die der zweiten mit dem 
letzteren Faltungsvorgange in engere Beziehung gebracht haben, 
so darf doch nicht vergessen werden, dass ein und dieselbe 
Ursache, der Wechsel in der Faltungsrichtung und 
demzufolge die Spiraldrehung der Schichten, alle diese 
Erschein un ge n b e h e r r s c h t. 

Denkt man an eine Altersfolge der Spalten, so wird nach 
dem Vorstehenden naturgemäss die Andreasberger Gruppe für 
etwas älter gelten müssen als die Oberharzer; innerhalb der beiden 
Gruppen aber wird man dem Effecte der treppenförmigen Ab- 
stufung der Sprünge folgend das Alter in der ersteren für die 
Ruschein als das älteste und für die Oderspalte als das jüngste 
anzusetzen, in der Oberharzer Gruppe dagegen umgekehrt von 
NO. gegen SW. vorschreitend immer jüngere Sprünge anzunehmen 
haben, soweit es sich um echte Gänge und nicht um spiesseckige 
F altenverwerfungen handelt. 

Wir haben oben von absteigenden Treppen gesprochen, auf 
welchen die Falten des Harzer Schichten Systems stehen. 
Was sind diese Treppen? Ich antworte im Sinne meiner Theorie 
vom Baue des Harzes: der staffelförmig abgestufte Granit. Längst 
kannten wir aus Friedrich TIoffmann’s Mittheilungen der v. Velt- 
HElM’schen und der eigenen Beobachtungen das steile staffel- 
förmige Aufsteigen des die Schichten über sich »abhebenden« Ross- 
trappe-Granits auf der dem Aussenrande des Harzes zugekehrten 
Seite, als ich zeigte, dies sei die liegende Seite * 2 ) des Stockes und 
je tiefer die Stufe, um so jünger die darauf stehende Schicht. Ich 
werde daher nicht unverständlich sein, wenn ich meine Theorie 
bildlich dahin erläutere, dass ich sage, es steigen im Hangenden über 
dem Granit die älteren Schichtensysteme auf der flacheren Granit- 
treppe aufwärts, im Liegenden so zu sagen unter dem Granit die 


L Uebersickt d. orograph. u. geognost. Verhältn. d. nordwestl. Deutschlands, 
S. 387 ff. 

2 ) Ueber das Verhalten des Granits auf der entgegengesetzten, hangenden 
Seite vergl. Zincken’s Aufsätze in Karsten und v. Dechen’ s Arch, und Brandes 
in Zeitschr, f. d. Gesammt-Naturw. 1869, S. 7, 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


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jüngeren Schichten die steilere Treppe abwärts. Die Treppen sind 
die Wellenberge des Granit ischeu Magmas, welche die Bewegungen 
des Faltungsprocesses der festen Kinde mitmachen. Wie auch immer 
das Verhältnis des in der Kruste eingeschlossenen Magmas zu den 
Schrumpfungsbewegungen gedacht werden mag, aus den räum- 
lichen Beziehungen von Granit und Schichtgebirge im Harze folgt 
deutlich, dass die Bewegungen des Granits und der Schichten im 
Grossen und Ganzen gleichsinnige gewesen sein müssen. Den- 
noch wird man nie den Unterschied ausser Acht lassen dürfen, der 
darin liegt, dass flüssige Massen den Druck anders fortpflanzen als 
feste J ), wenn auch noch so sehr biegsam gedachte, und dass sie für 
Ebl )e - und Fluthwirkungen empfänglicher sind. Wir kennen zur 
Stunde die Ursache nicht, welche die Richtung des Faltungsdrucks 
bestimmt, oder den Umschlag einer solchen Richtung in eine andere 
bewirkt, wir wissen daher auch nicht, welche Rolle bei einem solchen 
Richtungswechsel etwa diese Differenzen spielen können. Das aber 
dürfen wir wohl voraussetzen, dass sich ein solcher Richtungs- 
wechsel im Magma leichter und rascher vollzieht, als in der darauf 
ruhenden Kruste, sowie dass das Magma an allen jenen Eigen- 
schaften Tlieil hat, welche wir an den unter hohem Druck ein- 


U Da ich in allen meinen Arbeiten über clen Harz der Diagenesis Guembel's 
gegenüber stets consequent den Dislocationsmetamorphismus vertreten 
und bereits 1867 in meiner Arbeit über die linksrheinische Fortsetzung des 
Taunus (vergl. E. Sukss, die Entstehung d. Alpen, S. 13) die Beziehungen des 
Metamorphismus zum gebirgsbilclenden Processe erörtert habe , da ich ferner ge- 
zeigt habe, wie sich Contact- und Regionalmetamorphismus dynamisch gestörter 
Gebiete auch auf die passiv dem Gebirgsbaue eingeschalteten alten Eruptivge- 
steine erstreckt, da ich überdies zahlreiche Beispiele windschief gedrehter und ver- 
worfener Plagioklaslamellen und dergl. unter dem Mikroskope im polarisirten Lichte 
beobachtet habe, so ist die physikalische und chemische Umformung fester 
Massen für mich kein fremder Gedanke, dennoch liebe ich es nicht, einseitig 
die Festigkeit der Gesteine bei der Gebirgsbildung zu betonen; das Gestein, wie 
es jetzt fertig vor uns liegt, ist mir vielmehr der Ausdruck für die seit seiner 
ersten Sedimentirung oder Erstarrung durchgemachte geologische Geschichte, gleich- 
viel, ob lose oder mehr oder weniger fest; es ist aber vielleicht verzeihlich, wenn 
wir nach dem Sprachgebrauchs des gewöhnlichen Lebens das Wort fest statt fertig 
unwillkürlich gebrauchen und dieser Ungenauigkeit des Ausdrucks habe auch ich 
mich schon schuldig gemacht (vergl. jedoch Zeitschr. d. D. geol. Ges. 1872, 
Bd. XXI Y, S. 741). 


44 


K. A. Lossen, geologische und petrographische 


geschlossenen Laven voraussetzen dürfen und die sich aus den zahl- 
reichen Flüssigkeits-Einschlüssen und den Einschlüssen von liquider 
Kohlensäure im Granit, sowie aus seinen Contactwirkungen einiger- 
maassen herauslesen lassen. Man darf sich also die in gewissem Sinne 
unter dem Bilde einer hydraulischen Presse verständliche Druck- 
wirkung des Granitmagmas gegen die Schichten nicht allzu sche- 
matisch nach der Schablone des Faltenbildungsgesetzes vorstellen. 

Dessen muss man sich erinnern, wenn man daran geht die 
bisher nicht in Betracht gezogenen Beziehungen der Harzburger 
Gabbrostöcke zum Brockengranit zu erörtern. Dieselben 
liegen im einspringenden Winkel auf der Concavseite 
der Granit masse, also da, wo die Quarzitkette des Bruchbergs 
mit dem Richtungswechsel des Faltendrucks untergedrückt wurde, 
wo Zug nach dem Unterharze hin und demzufolge Spannung sich 
einstellte. Ich glaube nicht fehlzugehen, wenn ich mir die Gabbro- 
stöcke in Berstungsrissen in diesem gespannten Rindentheile auf- 
gepresst vorstelle, die sich zufolge des Unterdrückens der gewal- 
tigen Quarzitkette bildeten, wie ja auch nach Seckendorff’s und 
Hausmann s Mittheilungen Quarzitstücke mit Unterdevonversteine- 
rungen, denen des Kahlebergs analog, im Gabbro gefunden sind. 
Der nach E. Iva yser's Darstellung in die Karte eingetragene Yer- 
lauf der durch Anorthit, Bronzit (Bastit) und Serpentin (Olivin) 
ausgezeichneten Zonen im Gabbro streicht Stunde 2 oder — im 
obersten fiscalischen Steinbruche bei dem Radau -Wasserfalle — 
Stunde 1 1 ; zwischen beiden Stunden schwanken auch die meiner- 
seits gemessenen Streichrichtungen zahlreicher feinkörniger, durch 
Wechsel feldspathreicher und feldspatharmer Zonen gebänderter 
Schlierenstreifen, welche ich in den weiter thalabwärts gelegenen 
Brüchen prächtig aufgeschlossen fand. Dabei ist das Einfallen stets 
sehr steil gegen W. gerichtet. Das sind also die Streichstunden 
der Eruptivspalten des Mittelharzes, die wir oben bereits als Berst- 
risse bezeichnet haben. Dass aber Gabbro und nicht Granit darin 
aufgestiegen ist, lässt sich unter der Annahme verstehen, dass die 
zu oberst unter der festen Kruste lagernde sauere Magmenzone zu 
der Zeit, da der Richtungswechsel des Faltendruckes die Granit- 
massen gegen den Unterharz hin am höchsten aufgepresst hatte, 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


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unter dieser Region des Harzes vorübergehend durch die Aufpres- 
sung erschöpft war, so dass die tiefer lagernde basische in der 
Aufpressung nachrückte. Dass aber eine solche Erschöpfung that- 
sächlich sich einstellte, dafür darf auch das Vorhandensein eines 
schmalen Saumes basischerer körniger Eruptivgesteine, Quarz- 
diorite, Augitquarzdiorite u. s. w., am Ostrande des Massivs, 
also da, wo die tiefgelegensten Massen durch den Faltendruck auf- 
wärts geschoben wurden, angeführt werden. Als dann das Cfranit- 
magma allmälig wieder aus den nachbarlichen Regionen sich ergänzt 
hatte, fand bei seinem Nachschub die eigenthümliche Verquickung 
beider Magmen, welche sich auf beiden Seiten und local in der 
Mitte des Massivs (Meinekenberg, Grube) nach weisen lässt, und 
das gangförmige Eindringen des hercynischen Granits in die bereits 
mehr oder weniger festen Gabbromassen statt. 

Im ein springenden Winkel des durch die hercy- 
nische Faltungsrichtung deformirten Rammelsbero-- 
Kahleberger Sattels liegt die Erzlagerstätte des Ram- 
me lsb er ge s. Diese ihre geologische Stellung im Ge- 

sammtbaue des Harzes ist die Grundlage meiner übrigens auf 
die W immer 1 sehe Auffassung des hangenden Trums als einer Falte 
und überdies auf achttägige eigene Beobachtungen unter und über 
Tag zwischen der Hohekehl und der Bleiche basirten Anschauung 
über ihre Entstehung, wie ich dieselbe in einem bislang ungedruckt 
gebliebenen Berichte an die Vorgesetzte Behörde aus dem Früh- 
jahre 1877 darzulegen versucht habe. Heute würde ich mich selbst- 
verständlich im Einzelnen bestimmter und mich selbst berichtigend 
aussprechen, bestimmter auch als in den 1880 Freund Stelzner 
mündlich gemachten Mittheilungen. Nur ein Punkt sei hier hervor- 
gehoben: Wenn im einspringenden Winkel auf der Nordwestseite 
des Brockenmassivs Berstrisse Gabbro ausquellen Hessen, so ist 
meiner Ansicht nach in jenem einspringenden Winkel bei Goslar 
eine Gabbro - Therme zur Zeit, als dort Zug vorherrschte, in die 
zufolge der Zugwirkung entstandenen Erzräume aufgestiegen; dass 
die Absätze dieser Therme dann später, als bei fortgesetzter Ver- 
biegung des Sattels dessen Nordende über die Massen im einsprin- 
genden Winkel aufgeschoben wurde, durch den Druck im Detail 


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K. A. Lossen, geologische und petrographische 


gefaltet und schliesslich, worauf Stelzner Werth legt, noch etwas 
transversal gepresst und zerklüftet worden sind, scheint mir ganz ein- 
leuchtend. Auch hier gilt es also die be iden Faltungsrichtungen 
des Harzes, Druck und Zug, Biegungen und Quetschungen in 
der Fall- und in der Streichrichtung, Faltung, Drehung, 
Spannung, Zerreissung, Pressung in richtiger Aufeinander- 
folge in Betracht zu ziehen. Wenn ich erwäge, ein wie so 
rascher Umschwung in der Auffassung der noch vor wenigen 
Jahren nach Art der Nierenkalkstructur beurtheilten Lagerstätten- 
form sich vollzogen hat, seit Wimmer s Darlegung des hangenden 
Trums als einer Falte und meiner Darlegung der »Leitschicht« 
als einer Büschel zwischen dem flach wellig gelagerten gepressten 
Dachschiefergebiete und der steilstehenden, überschobenen, in ge- 
neigte und streichende Stauungsfalten gezwängten Lagerstätten- 
region, so giebt mir das einige Zuversicht auch auf einen weiteren 
Umschwung der Auffassung. Einstweilen befriedigt es mich nicht 
wenig, in dem gründlichen Kenner des dem Harze so verwandten 
norwegischen Gebiets, in Altmeister Kjerulf, dem Vertreter »der 
Erzlineale« 1 ), einen erprobten Kampfgenossen zu besitzen. Die 
ausgezeichneten Beobachtungen Köhler s, welche bereits anfangen 
neben den Faltungen in der Fallebene, auch den Falten im Streichen 
am Kammeisberge gerecht zu werden, geben mir Hoffnung, dass 
wir der richtigen Auffassung der Lagerstätte immer näher rücken. 
Welches nun auch das Endergebniss sein möge, soviel erhellt doch 
auch aus dieser Controverse , dass nur die Kenntniss von dem 
geologischen Baue des ganzen Gebirges die richtige Grundlage für 
das tiefere Verständniss auch der Erzlagerstätten abgeben kann. 

Als Beleg dafür sei noch kurz angemerkt: Sind wir im Recht 
mit unserer Vorstellung von dem räumlichen Verhältnisse des 
Granits und der ihm vergesellschafteten Eruptivgesteine zu dem 
Faltenbaue, so folgt daraus unmittelbar der Satz, dass ein und 
dieselbe mehr weniger querschlägig, bezw. spiesseckig 
zu den Falten verlaufende Gangspalte in der heutigen 


*) Siehe dessen Geologie des südlichen und mittleren Norwegens. Gurlt’s 
Uebersetzung S. 293 ff. Taf. XVIII und XIX. 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


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Gebirgsob erfläche in sehr verschiedenem Niveau über 
der welligen Granitoberfläche in der Tiefe herstreicht. 
Das wird man zu beachten haben, wenn man daran geht, die Aus- 
füllung unserer Gangspalten in Beziehung zum geologischen 
Baue verstehen zu lernen. Dass dies Verständniss für die aller- 
meisten und namentlich die grossen Gänge des Harzes nicht im 
Sinne einer reinen Lateralsecretion zu suchen sei, darüber wird 
der Harzer Bergmann kaum jemals im Zweifel gewesen sein, heute 
aber liegt das klar zu Tage. Es ist doch unverkennbar, wie die 
Rothgiltigerze 1 ) und andere edle Silbererze, die Antimon- und Arsen- 
erze, die Kobalt-, Nickel- und Wismutherze und der Magnetkies 
von St. Andreasberg über Braunlage bis nach Hasserode eine 
z u s a m m e n g e h ö r i g e E r z f o r m a t i o n im Hangenden des 
Brockengranitmassivs darstellen, die ihren grössten 'Reichthum 
in dem gegen die Granitoberfläche eingesunkenen Keile zwischen 
den Ruschein entwickelt, wo ihr, um auch aus der beibrechenden 
Gangmasse und dem Nebengesteine etwas Charakteristisches zu er- 
wähnen, der Flussspath und Kalkspath neben dem Quarze und 
zufolge der Einwirkung auf die Diabase die Zeolithe 2 ), der Axinit, 
der Epidot und der Granat nicht fehlen. Wie so ganz anders ist 
die viel höher über der Granitoberfläche stehende Erz- 
führung und Füllung im Ober harze jenseits auf der Concav- 
seife oder der liegenden Seite des B r o c k e n g r a n i t s ! 
Zwischen beiden Gangsystemen liegt die 0 d e r s p a 1 1 e als reineres 
Quarzgang syst ein, das doch ausser den Eisen- und Mangan- 
oxyden hie und da arme Kupfererze und etwas Kalkspath 

x ) Nach Zuckert (Zincken, östl. Harz, S. 134) auch auf dem Ludwig Rudolf 
auf dem Steinfelde bei Braunlage. 

2 ) Nach des um die Diabase des Harzes so wohl verdienten 0. Schilling’s 
Nachrichten auch zu Braunlage. Auch den Kalkspathreicbthum der Andreasberger 
Gänge darf man wohl ungezwungen auf die Berührung der Thermalwasser mit den 
von unten her in die hängenderen Schichten des Ruschelellipsoids sattel-, nicht 
gangförmig, hereinragenden Diabasmassen beziehen; dass die Diabase zur Zeit der 
productiven Steinkohlenformation, der Gebirgskernbildungszeit des Harzes, schon 
kalkspäthige Zersetzungsprodukte führten, geht zweifellos daraus hervor, dass in 
den Granitcontacthöfen jedes Kalkspathmändelchen des metamorphosirten passiven 
Eruptivgesteins zu einem kleinen Predazzo wird (Spitzenberg, Riefenbachthal und 
Schmalenberg bei Harzburg, Braunlage an der warmen Bode u. s. w.). 


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K. A. Lossen, geologische und petrographische 


(vgl. oben S. 18) zu führen scheint und sich hierin den Trese- 
burger Gängen und denjenigen in der näheren Umgebung des Ranun- 
bergs 1 ) und in dem Granit des Rammbergs selbst analog zeigt. 
Gerade die Oderspalte, aus deren Fortsetzung auf dem Ochsenberge 
(vgl. v. Groddeck a. a. O. S. 443) man Gangletten, Gangthon- 
schiefer, Gangkalkspath mit Schwefelkiesconcretionen erschürft hat, 
streicht oberflächlich durch sehr verschiedene Schichten, doch darf 
man nicht das Abheben der Schichten durch den Granit von unten 
vergessen, denn die Oderspalte läuft auf ihre ganze Erstreckung 
durch Granit und metamorphische Schichten, im letzteren Falle 
nach aller Erfahrung im Harz, wie mir scheinen will, zu nah über 
der alten Granitoberfläche, als dass sie reiche Anbrüche erhoffen 
lassen dürfte. Am Unterharze setzt bei der Erichsburg ein Gang 
im Granit auf, der Quarz, Flussspath und etwas Kupferkies führt, 
das ist also ein Repräsentant dieser quarzreichen, er z armen 
Formation, der uns nach Lage und Füllung hinüberleitet 2 ) zu 
der Unter harzer Gangformation. Es giebt für einen geo- 
logisch geschulten Bergmann wohl kaum ein dankbareres Thema, 
als ein Vergleich der Anhaltinisch - Stoibergischen mit den Ober- 
harzer Gängen unter Berücksichtigung der durch die geognostische 
Uebersichtskarte und ihr Verständniss gegebenen Gesichtspunkte! 
von einer erschöpfenden Behandlung dieses Themas kann selbst- 
verständlich nicht die Rede sein, nur das sei für eine solche 
Zukunftsarbeit bemerkt: Die Gangform des Unter harzer 

Spaltennetzes nähert sich, namentlich in dem mäch- 
tigen und weithin fort setz enden Neudorf-Stras sb erg er 
Gangzuge der Form der Oberharzer Gänge, trotzdem 
nähert sich die Füllung durchweg unter Bewahrung ihrer 

■ o o ö 

V Daraus führt Zincken (Acta Acad. Caes. Leop. Carol. Nat. Cur. Yol. XXI, 
P. II. S. 708) auch Schwefel- und Arsenikkies an; zu Treseburg und Altenbrak 
neben dem Kalkspath auch Flussspath, unter den Kiesen aucli Magnetkies. 

2 ) Bergrath Kegei. in Goslar, dem wir so scharfsinnige Beobachtungen über 
die Anhaitinischen Gänge verdanken (vergl. Berg- u. Hüttenmänn. Zeit. 1877, 
S. 397 ff.), theilt mir mit, dass von Neudorf gegen Harzgerode und Mägdesprung 
hinzu, also gegen den Granit hinzu, wie ich es auffasse, der Quarz als Ganggestein 
mehr und mehr zunimmt, und dass dasselbe Verhalten in den Oberharzer Spalten 
gegen N. und 0., also gegen den Ockergranit hinzu, statthat. 


Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


49 


Eigenart viel mehr der des St. Andreasberg-Hasseroder 
(rang Systems, das rührt offenbar daher: die Gänge durchsetzen 
das Hangende des Rammberg-Granits, nicht das Liegende 
des Granits, wie die Oberharzer Gänge, aber in weiteren 
Abständen von dem Contacthofe als bei St. Andreas- 
berg. Daher die gemischte Natur ihrer Füllung. So finden wir 
denn hier den bei St. Andreasberg wenig hervortretenden Flussspath 
z. Th. in ausserordentlich grossen Massen (Suderliolz, Flussschacht, 
Louise) und von grosser Verbreitung neben Spatheisenstein, Quarz, 
Kalkspath und -selbst etwas Schwerspath (Stollngang) 1 ) , ferner 
Bleiglanz, Schwefelkies, Kupferkies, Blende, Bournonit, Zundererz, 
Federerz, Fahlerz wie am Oberharze, wo jedoch die Rolle der 
4 letztgenannten Andreasberger Mineralien meines Wissens viel 
mehr zurücktritt, schliesslich aber Nickelglanz, Antimonnickelglanz, 
Arsenik- und Magnetkies, Wolfram und Scheel kalk. Die 
beiden letztgenannten Mineralien allein genügten den Zusammen- 

ö O ö 

hang der Gangbildung mit der Granitaufpressung augenfällig zu 
machen , wenn man auch nicht auf der Grube Birnbaum 2 ) mit 
dem Gange den Porphyr (Facies des Granits?) seiner Zeit an- 
gefahren hätte. Rechnet man noch den Antimonreichthum und 
Arsengehalt der in Quarz brechenden Erze des Wolfsberger 
Gangsystems 3 ) hinzu, so tritt die stoffliche Verwandtschaft mit 

') Zincken, a. a. 0. Acta Leopold, cet. S. 706. 

2 ) Bübert, Karst. Arch. Bd. XVI, S. 204 ff. 

3 ) Wohl ist mir bekannt, dass Zincken und nach ihm wohl andere (Schönichen 
z. B.) dieses System, sowie die Gänge in der Krummschlacht und bei Stolberg 
überhaupt auf die Porphyreruption des Auerbergs beziehen. Es würde zu weit 
führen, hier die Beziehungen von Rammberg und Auerberg zu besprechen, es 
genüge die Mittheilung, dass ich das Auerbergsystem, welches nach seinem Spalten- 
verlauf und seiner Spaltenverschiebung gegen SW. (vgl. oben S. 27) den post- 
granitischen Massen angehört, gleichwohl als eine sehr frühzeitig erfolgte Wieder- 
holung des Ausbruchs der saueren Massen der Rammbergregion aufzufassen mich 
genöthigt sehe. Der sehr krystallreiche Porphyr führt Turmalin in mikroskopischen 
Krystallgruppen und nähert sich dadurch wie durch andere Eigenschaften dem 
Bodegange (Porphyr-Facies des Rammbergs). Auch fällt auf, dass diese ansehn- 
liche granitverwandte Porphyrmasse als Ganzes ebenso jenem Verschiebungsgesetze 
gegen SW. zu gehorchen scheint, wenn man ihre Ausbruchstelle mit der Lage des 
Rammbergs vergleicht, und zwar fällt dies um so mehr auf, als auch zwischen dem 
östlichsten, Glimmer führenden Melaphyrgange im Harz und der glimmerführenden 


4 


50 K. A. Lossen, geolog. und petrograph. Beiträge zur Kenntniss des Harzes. 


den Gängen auf der hangenden Seite des Brockens noch mehr 
hervor 1 ). 

Und sind sie denn alle versiecht diese erzspendenden Granit-, 
Gabbro- oder Porphyr-Thermen? Hat der der Basalteruption, der 
Säuerlinge und der eigentlichen Heilquellen ledige Harz ausser 
seinen schwachen Salzsoolen, die aus dein unter seinen Nordrand 
untergequetschten salzführenden Flötzgebirge aufsteigen, kein ein- 
ziges thätiges Zeugniss mehr aus der unter der Mitwirkung der 
Granit- und Gabbro-Aufpressung zur oberen Carbonzeit erfolgten 
Gebirgskernbildung ? Wer freute sich nicht mit mir, hier zum 
Schlüsse auf die dem Bodegange entquellende Salz- und 
Schwefelquelle bei Ludwigs hütte hindeuten zu dürfen! Wo 
der Schöpfer Gesetze gegeben hat, versagt er dem in treuer Hingabe 
an die Aufgabe Forschenden den Hinweis darauf nicht. Diese 
Quelle, die schon Zincken 2 ) in seiner systematischen Uebersiclit 
der Gänge und Lager des Harzes, welche metallführend sind, ganz 
folgerichtig mit einreiht in die Spaltenausfüllungen, riecht und 
schmeckt intensiv nach Schwefelwasserstoff, scheidet Schwefel auf 
der Oberfläche des Quellspiegels ab und führt Kochsalz, Chlor- 
calcium, Chlormagnesium, kohlensaure Kalk- und Talkerde. 

Melaphyrdecke bei Neustadt, zwischen den Melaphyrgängen überhaupt und der 
llfelder Melaphyrdecke , zwischen den Granitporphyren und der Decke des nahe 
verwandten, nur etwas plagioklasreicheren llfelder Porphyrits, schliesslich zwischen 
dem Brocken und dem Porphyr des Rabensbergs, und vielleicht auch zwischen Ocker- 
granit und Knollen-Porphyr, dasselbe Verschiebungsgesetz zu herrschen scheint. 

x ) Die Schwerspath und Anhydrit führende Gangformation bei Lauterberg 
zu besprechen liegt fern, so lange E. Kaysek’s Bericht darüber fehlt; dauerte die 
Schwerspathbildung am Oberharze, wie v. Groddeck auf Grund des Rösteberger 
Vorkommens annimmt, bis in die Zechsteinzeit fort, so sind die Verhältnisse solcher 
Gangfüllung, da zwischen der Ablagerung des Rothliegenden und der des discordant 
dazu liegenden Zechsteins der Harz als Ganzes bereits eine Schwankung ausgeführt 
haben muss, nicht mehr so einfach; es ist auffällig, dass Schwerspath von den 
Gängen im Grünen Schiefer zu Mohrungen an . und im llfelder Porphyrit bis zu 
denen unter dem Zeclisteine des Röstebergs, bezw. zu den Oberharzer Gängen, 
vorzüglich der Süd- und Westseite des Harzes angehört. 

2 ) a. a. 0. Act. Leop. cet. S. 704, sowie ausführlich im Braunschw. Magazin, 
47. Stück, Sonnabends, d. 22. Nov. 1817, S. 737 — 746. 

Berlin, Mitte März 1882. 


K. A. Lossen. 


Beiträge zur Kenntniss von Oberdevoii und 
Culm am Nordrande des rheinischen Schiefer- 
gebirges. 

Von Herrn E. Kayser. 

(Hierzu Tafel I— III.) 


Y o r b e m e r k n n g e n. 

Im Winter 1880/81 lag mir eine Examenarbeit des damaligen 
Bergreferendars, jetzigen Bergassessors, Herrn MatthiaSS über die 
Schichten zwischen dem Elberfelder- oder Stringocephalenkalk und 
dem Flötzleeren Sandstein in der Gegend von Velbert uördl. 
Elberfeld zur Beurtlieiluug vor. Unter den Belegstücken zu dieser 
Arbeit fielen mir besonders ein paar bis 2 Zoll lange, grobrip- 
pige Exemplare von Productus aus dem dunklen Schiefer der 
(auf Bleiglanz und Blende bauenden) Grube Prinz Wilhelm bei 
Velbert auf, weil solche Formen, so gewöhnlich sie auch im 
Kohlengebirge sind, für das Devon (dem sie gemäss ihres Fund- 
ortes nach der DEOHBN’schen Karte unbedingt angehören mussten) 
eine völlig neue Erscheinung waren. 

Diese grossen Producten, wie auch die bemerkenswerthen sie 
begleitenden Formen — darunter mehrere deutliche Reste von 
Phacops — riefen in mir den Wunsch hervor, die Fundstätte der 
interessanten Fauna durch eigene Anschauung kennen zu lernen. 
Im vergangenen Sommer (1881) habe ich alsdann in Folge eines 
meinem Wunsche entgegenkommenden Auftrages der Direction 
der geologischen Landesanstalt acht Tage auf eine Begehung der 


4 


52 


E. Kayser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


Grenzbildungen zwischen Devon lind Kohlengebirge verwenden 
können. Besondere Aufmerksamkeit widmete ich bei dieser Be- 
gehung dem Aufsammeln von Versteinerungen, und es ist mir 
denn auch gelungen, sowohl in den oberdevonischen Schichten 
der Prinz Wilhelmgrube und der Umgebung von Velbert überhaupt 
als auch im Culm von Aprath (zwischen Elberfeld und Wülfrath) 
eine reiche Ausbeute an interessanten, für diese Gegend zum 
grossen Theil neuen Formen zu machen, die zu beschreiben der 
Zweck dieses Aufsatzes ist. 

Zur allgemeinen Orientirung über die geognostischen Ver- 
hältnisse der fraglichen Gegend verweise ich auf Blatt Düsseldorf 
der grossen DECHENsclien Karte von Rheinland -Westfalen (Maass- 
stab 1 : 80,000). Man ersieht aus derselben , dass die Schichten 
des Oberdevon, die in der Gegend von Iserlohn, Hagen und El- 
berfeld ein verhaltnissmässig nur schmales Band zwischen Stringo- 
cephalenkalk und Culm bilden, im NW. von Elberfeld, in der 
Gegend von Wülfrath, Neviges und Velbert in Folge einer breiten, 
sich hier ausbildenden, im Einzelnen wieder aus zahlreichen Special- 
falten zusammengesetzten Schichtenaufsattelung eine sehr bedeu- 
tende räumliche Ausdehnung erlangen. 

Am S.O.-rande dieser Oberdevonausbreitung erscheinen über 
den obersten Devonschichten — wie überall weiter östlich — als 
tiefstes Glied des Kohlengebirges Culmscliichten, ein schmales 
Band zwischen Oberdevon und Flötzleerem bildend. Weiter nach 
N. und W. aber (schon bei der ehemaligen Kopfstation Neviges) 
schiebt sich als ein weiteres Glied des Kohlengebirges unter dem 
Culm noch Kohlen kalk ein, als eine zuerst nur wenige Fuss 
starke, weiter gegen W. aber immer mächtiger werdende Bildung, 
die schon nördl. Velbert über 100' und bei Ratingen unweit Düssei- 
dorf mehrere 100' Dicke erlangt. In demselben Grade aber, als 
der Kohlenkalk an Mächtigkeit allmälig zunimmt, nimmt der Culm 
ab, bis er endlich auf der linken Rheinseite (bei Aachen und im 
Belgischen) gänzlich verschwunden ist. 

w as die Zusammensetzung der Schichtenfolge zwischen Mittel- 
devon und Flötzleerem in der fraglichen Gegend betrifft, so ist 
dieselbe aus mehreren älteren und neueren Arbeiten des Herrn 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


53 


von Deciien bekannt 1 ). Nach diesen Arbeiten, denen meine 
eigenen Begehungen kaum etwas Neues zuzufügen vermochten, 
gliedert sich jene Schichtenfolge von oben nach unten in fol- 
gender Weise: 

Hangendes : Flötzleerer Sandstein. 

Alaunschiefer, Posidonienscliiefer, Kieselschiefer und 
Kalksteine. 

Obere Dolomitzone (Ratingen). 

Hellfarb., dickbäuk., lialbkrystall. Kalkstein. 

. Blaulichgraue bis grünliche Schiefer und Sandsteine 
mit schwachen Kalkeinlagerungen. 

An der Basis : schwärzliche sandige Schiefer (Aequi- 
valente des Flinz?). 

Liegendes : Stringocephalenkalk. 

Am schwankendsten ist in dieser Schichtenfolge die Aus- 
bildung des Culm. Zwar liegt — soweit ich mich überzeugen 
konnte, allenthalben — an seiner obersten Grenze eine Zone von 
Alaunschiefer; dagegen weisen die unter diesem liegenden Schichten 
fast in jedem Profile kleine Unterschiede auf, die besonders durch 
die sehr verschiedene Mächtigkeit und Reinheit der Kieselschiefer 
und Kalksteine bedingt werden. Die Verknüpfung des Culm und 
Kohlenkalks ist eine weit engere, als man bei der grossen petro- 
graphischen Verschiedenheit beider Bildungen anzunehmen geneigt 
sein könnte. Die Zusammengehörigkeit beider spricht sich nicht 
nur in der oben erwähnten Reciprocität der Mächtigkeitsverhältnisse 
aus, sondern auch in einer innigen petrographischen Verknüpfung, 
die dadurch entsteht , dass nicht blos inmitten des reinen Kohlen- 
kalks mitunter mehr oder minder mächtige Einlagerungen von 
Kieselschiefer oder schwarzem alaunschieferartigen Schiefer 2 ) auf- 

x ) Ueber die Schichten im Liegenden des Steinkohlengebirges an der Ruhr 
(Verhandl. des naturhistor. Yer. f. Rheinl.-Westf., Bd. VII, 1850). Geognostiscke 
Uebersicht des Regierungsbezirks Arnsberg (Ebendas. Bd. XII, 1855). Geogn. 
Beschaffenheit des Regierungsbez. Düsseldorf (in v. Mülmann’s Statistik des Reg.- 
Bez. Düsseldorf, Bd. I, 1864). 

2 ) In den gewaltigen Steinbrüchen im Kohlenkalk bei Hefel nördl. Velbert 
erreicht eine solche Schiefereinlagerung 1 1 / 2 Met. Mächtigkeit. 


Oberdevon : 


Culm : 
Kohlenkalk : 


54 


E. Kayser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


treten, sondern dass sogar mitunter an der Grenze beider Bildungen 
ein förmliches Alterniren von hellfarbigen, kohlenkalkähnlichen 
Kalkbänken und Kieselschieferlagen stattfindet (zwischen der Prinz 
Wilhelmgrube und der Gemeinde Richrath). 

Was die Ausbildung des Ober de von betrifft, so fällt be- 
sonders die grosse Entwickelung der oberen Abtheilung desselben, 
des sog. Kramenzel auf, während die untere, anderweitig aus 
schwarzen, mehr oder weniger reinen Schiefern bestehende Stufe des 
Oberdevon, der bei Elberfeld noch deutlich hervortretende 1 ) Flinz, 
schon wetiig weiter westlich, bei Wülfrath, nicht mehr mit Sicherheit 
zu erkennen ist. Es wäre indess möglich, dass gewisse, daselbst un- 
mittelbar über dem Stringocephalenkalke liegende, nach oben ganz 
allmälig in die Kramenzelschichten übergehende, schwärzliche, san- 
dige Schiefer jene Stufe repräsentiren. Was den Kramenzel selbst 
betrifft, so ist seine obere Grenze gegen das Kohlengebirge, mag 
dasselbe nun mit Culm oder Kohlenkalk beginnen, überall scharf 
und leicht aufzufassen. Im Allgemeinen ist für den Kramenzel 
in der Gegend zwischen Elberfeld und Düsseldorf das fast voll- 
ständige Zurücktreten der weiter östlich so häufigen rothen und 
grünen Schiefer, sowie der Kalknieren-führenden Schiefer oder der 
reineren Knollenkalkbänke charakteristisch. Statt ihrer herrschen 
sandige Schiefer und Sandsteine von im frischen Zustande blau- 
bis grünlich - grauer , bei beginnender Verwittenmg aber gelblich 
oder bräunlich werdender Färbung vor, in denen nur hie und da 
bis ein paar Zoll starke Einlagerungen von unreinem , plattigem 
Kalkstein auftreten. Sehr verbreitet ist sowohl in den sandigen 
als auch in den schieferigen Gesteinen ein Gehalt an weissem 
Glimmer in kleinen Blättchen und Schüppchen — übrigens eine 
Eigentümlichkeit fast aller sandigen Oberdevongesteine im Gebiete 
des rheinisch-belgischen Schiefergebirges. Etwas auffallend ist auf 
den ersten Blick die dunkelblauschwarze Farbe des kalkigen 
Schiefergesteins, welches den grössten Theil der Halden der Prinz 

1 ) In der Sammlung des Herrn Pastor Heinersdorff in Elberfeld sah ich mit 
Cardiolci retrostriata und Tentaculiten erfüllte Linsen von dunklem, bituminösen 
Kalkstein, die aus den Flinzschichten der nächsten Umgebung stammend, den 
ähnlichen Vorkommen von Altenau und Bicken täuschend ähnlich sind. 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


55 


Wilhelmgrube zusammensetzt. Sieht man aber von der dunkelen 
Färbung ab, welche offenbar mit der frischen Beschaffenheit zu- 
sammenhängt, welche die an der Oberfläche stets gebleichten Ge- 
steine in grösserer Tiefe besitzen, so weist auch hier sowohl der 
Glimmergehalt als auch das nicht seltene Sandigwerden des Gesteins 
auf dessen Zugehörigkeit zum Oberdevon hin. 

Es sollen nun zunächst die im Oberdevon von Velbert, dann 
die im Culm von Aprath gesammelten Arten beschrieben werden. 


Beschreibung der Arten. 

Arten aus dem Oberdevon von Velbert. 

Die in der Gegend von Velbert gesammelten Arten stammen 
theils aus den eben erwähnten dunkelen Schiefern der Prinz 
Wilhelm grübe (aus dem Liegenden der ca. horall streichenden 
Erzgänge), theils aus den stark zersetzten, gelblichen, mürben, 
grauwackenartigen Sandsteinen im O., S. und N. der Stadt, be- 
sonders im Osten der Chaussee nach Werden, auf dem Wege 
nach Hefel, unweit der Kohlenkalkgrenze. 

In Betreff des Erhaltungszustandes der Versteinerungen ist 
zu bemerken, dass die aus dem schwärzlichen, kalkigen Schiefer 
der Prinz Wilhelmgrube stammenden Reste zum grossen Theil 
noch mit der ursprünglichen Kalkschale versehen sind, z. Th. aber 
in Steinkernen vorliegen. Leider sind die hier vorkommenden 
Versteinerungen in der Regel mehr oder weniger verdrückt. Was 
weiter die in den sandigen Gesteinen von Hefel gefundenen Fos- 
silien betrifft, so kommen dieselben nur in Steinkernen und Ab- 
drücken vor, welche letztere aber oft von ausgezeichneter Feinheit 
sind. Giesst man sie mit Kautschuk aus, so erhält man das Bild 
der ursprünglichen Schale, und wenn man ausserdem noch den 
Steinkern besitzt, so kann man sowohl die äusseren als auch die 
inneren Charaktere des Fossils auf das Vollständigste ermitteln. 


56 


E. Kayser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


Phacops granulatns Münst. 

Taf. I, Fig. 1, 2. 

— — Salter, Monogr. Brit. Trilob. p. 18, tb. 1, f. 1 — 4. 

— — Gümbel, Fichtelgebirge, p. 494, tb. A, f. 15. 

Von diesem Trilobiten liegt das abgebildete und ein zweites, 
weniger gut erhaltenes Kopfschild sowie eine Anzahl Pygidien vor. 

Nach Gümbel, der die Art zuletzt beschrieben und der Ge- 
legenheit hatte, Graf Münster’ s Originalexemplare zu vergleichen, 
unterscheidet sich dieselbe von dem verwandten Ph. latifrons durch 
ihre starke Granulation , durch die nach der Stirn zu ausseror- 
dentlich breit werdende, sich beträchtlich über den Randsaum er- 
hebende Glabella, das Fehlen stärkerer Höcker (sowohl des mitt- 
leren als auch der seitlichen) auf dem sog. Zwischenring, sowie 
endlich durch die grosse Breite des Randsaums, namentlich an 
den Hinterecken, in der Richtung nach vorn. 

Besonders das letztgenannte Merkmal tritt bei unseren rhei- 
nischen Stücken in auffälliger Weise hervor. Aber auch die starke 
Granulation und die ausserordentliche Verbreitung der Glabella 
an der Stirn sprechen dafür, dass nicht Phacops latifrons, sondern 
die MÜNSTER’sche Art vorliegt. Die mit den beschriebenen Kopf- 
schildern zusammen gefundenen Schwänze unterscheiden sich von 
denen von Phacops latifrons nur durch ihre stark entwickelte Gra- 
nulation. 

Ph. granulatus ist, wie es scheint, ganz auf das Oberdevon 
beschränkt. Graf Münster beschrieb ihn aus dem Fichtelgebirge, 
Salter aus England. Aus dem rheinischen Gebirge ist er, soviel 
ich weiss, bisher nur ein einziges Mal angegeben worden (Zeitschr. 
d. Deutsch, geol. Ges. 1873, p. 659), während er aus Belgien un- 
bekannt ist. Es wird indess zu untersuchen sein, ob der in Belgien 
nach Angabe der dortigen Geologen im Oberdevon nicht seltene, 
bis an die Basis des Kohlengebirges hinaufgehende, als latifrons 
aufgeführte Phacops wirklich dieser oder vielleicht ebenfalls der 
MÜNSTER’schen Art angehört !). 


*) Ich benutze diese Gelegenheit zu der Bemerkung, dass sich unter dem 
Namen Ph acops latifrons , soweit er auf Trilobiten aus dem Eifeier Mitteldevon 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


57 


Gyroceras cnf. cancellatum F. Röm. 

Taf. 1, Fig. 7. 

Gyrtoceratites cancellatus F. Römer, Rhein. Uebergangsgeb. p. 80, tb. 6, f. 4. 
Ein flachgedrücktes, gegen 25 Millimeter langes und etwa 
10 Millimeter breites Bruchstück einer Windung, welches in Ab- 
ständen von 3 Millimetern starke, leistenförmige Querrippen zeigt, 
die von feinen, gedrängten, weniger als */2 Millimeter von einander 

angewandt wird, zwei specifisch wohl unterschiedene Arten verstecken. Die eine 
ist in F. Römer’ s Letlmea palaeozoica tb. 31, f. 2 a und 2 b abgebildet. Diese 
weitaus häufigere, kleinere Art zeichnet sich durch ein stark gewölbtes, 
namentlich nach den Seiten rasch abfallendes Kopfschild aus. Die Glabella ist 
verhältnissmässig schmal, breit gewölbt und erhebt sich mit parabolischer 
Contour beträchtlich über den Stirnsaum. Die zweite Art ist in dem 
genannten RöMER’schen Atlas auf derselben Tafel in Fig. 2 c abgebildet. Sie wird 
erheblich grösser und lässt sich sofort durch das breitere, flachere Kopfschild, 
sowie besonders durch die breitere, flachere Glabella unterscheiden, die an der 
Stirn mit flachbogiger Linie endigt und sich nicht oder nur sehr 
wenig über dem Randsaum erhebt. Auch sonst sind noch Unterschiede 
vorhanden, wie dass der sog. Palpebralhöcker und der Zwischenring bei der grösseren 
Form im Allgemeinen stärker entwickelt sind, als bei der kleineren ; und da beide 
Formen auch eine verschiedene vertikale Verbreitung zu besitzen scheinen, — ich 
habe die grössere immer nur im Stringocephalenkalk gefunden — so dürfte eine 
specifische Trennung beider durchaus erforderlich sein. 

Weniger einfach ist die Entscheidung der Frage, mit welchen Namen die 
beiden Arten bezeichnet werden sollen. Bronn hat (Leonhard’s Zeitschr. f. Mineral. 
1825, p. 317, tb. 2) für die Eifel 2 Arten, Ph. latifrons und Schlotheimi, Steininger 
(Mem. de la Soc. Geol. de France, I, p. 350 und Geogn. Besehr. d. Eifel p. 87) 
noch eine dritte, Ph. Latreillii unterschieden; aber die späteren Autoren, wie 
F. Römer und die Brüder Sandberger haben diese vermeintlichen Species wieder 
zusammengezogen und seitdem werden alle mittel devonischen Phacopsformen der 
Eifel als latifrons bezeichnet. Ich habe mich nun festzustellen bemüht, ob sich 
vielleicht eine der Bronn ’schen oder Steininger ’schen Arten mit einer der von 
mir oben unterschiedenen Arten deckt. Die Abbildungen und Beschreibungen 
der genannten Autoren sind indess so ungenügend, dass mir dies trotz aller Mühe 
nicht gelungen ist. Es wäre möglich, dass der Bp.oNN’sche Name Schlotheimi sich 
auf die oben beschriebene, häufigere kleinere, sein latifrons aber auf die grössere 
Art beziehen soll. Wenn ich aber schon darüber zu keinem sicheren Resultate 
gelangen konnte, so gilt dies noch mehr von den Steinin ger’ sch en Namen, über 
deren Bedeutung man wohl kaum jemals ganz in’s Klare kommen dürfte. Unter 
diesen Umständen möchte ich mir den Vorschlag erlauben, den alten Namen 
latifrons , der wohl zu den in der Literatur am meisten eingebürgerten gehört und 
daher mit möglichster Schonung zu behandeln ist, auf die nicht nur in der Eifel 


58 


E. Kayser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


abstehenden Längsrippchen durchkreuzt werden. Möglicherweise 
könnte die Art auf F. Römer’ s Gyr. cancellatum zu beziehen 
sein, eine Form ans dem, dem obersten Mitteldevon angehörigen 
Rotheisenstein der Gegend von Brilon. Prinz Wilhelmgrube. 


Loxonema aiiglicum d’ORB. 

Taf. I, Fig. 3. 

— — de Köninck, Foss. Paleoz. Nouv. Galles du Sud, p. 124, tb. 4, f. 9. 

Diese Art zeichnet sich durch ein sehr lang-conisches, aus 
sehr zahlreichen (im erwachsenen Zustande gegen 20) Windungen 
bestehendes Gehäuse aus. Dieselben nehmen langsam und gleich- 
mässig an Höhe und Breite zu und tragen 12 — 14 starke, etwas 
gebogene, rippenförmige Tuberkel, welche fast die ganze Höhe 
der Windung einnehmen, indess nicht ganz bis an die obere Sutur 
heranreichen, unter welcher letzteren in Folge dessen ein schmales, 
glattes Band frei bleibt. Spiralwinkel 12°, Mündung oval. 

Von dieser schönen Art liegt mir ein von Herrn Matthiass 
in einem Steinbruche nördlich und ganz nahe von Velbert in un- 
reinen, kalkigen Sandsteinen gefundener Hohldruck vor, nach dessen 
Ausguss die Abbildung Fig. 3 hergestellt worden ist. Der untere 
Tlieil des Gehäuses mit der Mündung ist nicht mehr vorhanden, 
dagegen die 6 ältesten Windungen noch recht gut erhalten, und 
diese stimmen in jeder Beziehung, namentlich in der äusseren 
Sculptur, mit der Abbildung und Beschreibung de Könincks 
überein. 

Die Muschel wurde zuerst von Piiillipps aus dem Oberdevon 
von Brushford (Palaeoz. foss. tb. 38, f. 188) abgebildet, aber auf 
eine ähnliche carbonische Art, nämlich L. rugiferum desselben 
Autors bezogen, welche sich durch grösseren Spiralwinkel (18- — 20°) 
und fast die ganze Breite der Umgänge einnehmende Rippen 
unterscheidet (vergl. de Köninck, 1. c. und Faune du Calc. Car- 
bonif. de la Belgique, 3. part., Gasterop. 1881, p. 60). d’Orbigny 

weitaus häufigste, sondern auch anderwärts, wie in Belgien, England und Nord- 
Amerika (Ph. bufo Green) verbreitetste Art zu beschränken, die oben unterschiedene 
grössere, dem Stringocephalenniveau angehörige Form aber neu zu benennen und 
hinfort als Phacops Eifeliensis aufzuführen. 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


59 


schlug später (Prodrome I, p. 62) für die devonische Schnecke 
den Namen L. anglicum vor. Dieselbe besitzt eine grosse Ver- 
breitung, da sie sich nicht nur am Ilmensee (Eichwald, Leth. 
rossica, I, p. 1116), sondern auch in Neusüdwales (de Köninck, 1. c.) 
wiederfindet. Ihr Wiedervorkommen in den obersten Devonschichten 
des rheinischen Gebirges ist sehr interessant. Wahrscheinlich gehört 
auch die von Trenkner (Paläontolog. Novitäten I [Abhandl. d. 
Naturf. Gesellsch. zu Halle, Bd. X] tb. 1, f. 19) aus dem ober- 
devonischen Kalk des Iberges im Harz als L. rugifera abgebildete 
Form hierher. 

Euomphalus aff. Schnurii Arch. Vern. 

Taf. I, Fig. 10. 

- — — Archiac & Vernkuil, Transact. Geol. Soc. Lond., 2. ser., p. 364, tb. 34, f. 7. 
— acuticosta Sandbercer, Rhein. Sch. Nass. p. 210, tb. 25, f. 2. 

Ein in den Schiefern der Prinz Wilhelmgrube gefundener 
Abdruck , nach dessen Ausguss die obige Abbildung angefertigt 
worden ist. Nur der äussere Umgang ist noch leidlich erhalten, 
die inneren dagegen kaum mehr zu erkennen. Jener äussere Elm- 
gang ist in der Mitte zu einem hohen, markirten Längskiel erhoben 
und mit zahlreichen feinen aber scharfen Querstreifchen bedeckt. 

Eine nähere Bestimmung ist bei der ungenügenden Erhaltung 
nicht ausführbar ; die Art könnte indess mit der oben genannten, 
im rheinischen Stringocephalenkalk nicht seltenen, nach Angabe 
der Gebrüder Sandberger (1. c.) auch im oberdevonischen Eisen- 
stein von Oberscheld vorkommenden Art verwandt sein. 


Cucullaea? Hardingii Phill.? 

— — Phillips, Palaeoz. foss. p. 40, tb. 18, f. 67. 

Zu dieser in den sandigen Ablagerungen des englischen und 
belgischen Oberdevon sehr verbreiteten, auch im gleichalterigen, 
den Kohlenkalk unterlagernden Verneuili - Sandstein der Gegend 
von Aachen sich findenden Art gehört wahrscheinlich eine oval- 
geformte, gegen 30 Millimeter breite, etwa halb so lange Muschel 
aus den dunkelen Schiefern der Prinz Wilhelmgrube. Der nicht 


60 


E. Kayser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


erhaltene Wirbel lag offenbar zwischen Mitte und Vorderseite. 
Die äussere Oberfläche ist glatt, mit zahlreichen starken, aber 
ungleichmässigen Rippen bedeckt. 


Cypricardiiiia? sp. 

Tat. I, Fig. 9. 

Ein ebenfalls auf“ der Halde der Prinz Wilhelmgrube gefun- 
dener Zweischaler von schräg - ovalem Umriss mit ganz nach 
vorn gerücktem Wirbel und zahlreichen, etwas wulstig vortretenden 
Anwachsringen, die — ähnlich wie bei Cypr. elongata Arch. Vern. — 
von gedrängten, fadenförmigen Radialrippchen durchkreuzt werden. 

Spirifer Verneuili Murcii. 

Tat. II, Fig. 12-14. 

disjunctus Davidson, Mon. Brit. Devon. Brachiop. p. 28, tb. 5, 6. 

Es liegen mehrere Exemplare dieser bekannten und wichtigen 
oberdevonischen Leitform vor, sowohl aus den Schiefern der Prinz 
Wilhelmgrube (Fig. 13), als auch aus den Sandsteinen der Um- 
gebung von Velbert, besonders von Hefel (Fig. 12 u. 14). Die 
hier vorkommende Abänderung besitzt eine hohe Area und flügel- 
förmig vei’längerte Seiten. 


Spiriferina laminosa MUoy? 

Tat'. I, Fig. 8. 

Spirifera — Davidson, Brit. Carbon. Brach, p. 36, tb. 7, f. 17 — 22. 

Spiriferina — » » » » Suppl. p. 277. 

Ein in den Sandsteinen bei Hefel gefundener Hohldruck, 
nach dessen Ausguss die obige Abbildung angefertigt worden 
ist, zeigt eine stark cpier ausgedehnte, an den Schlossecken flügel- 
förmig ausgezogene Ventralklappe. Der Sinus wird mässig breit, 
aber nicht tief. Auf beiden Seiten desselben zählt man etwa 12 
starke, schmale Radialrippen, die von sehr zahlreichen und mar- 
kirten concentrischen Anwachsstreifen durchschnitten werden. 

Es ist namentlich das letztgenannte Merkmal, welches es 
mir wahrscheinlich macht, dass die beschriebene Klappe auf die 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


61 


M’Coy'sche Art zu beziehen ist, die zwar vorwiegend carbonisch 
ist, aber gelegentlich in England wie auch in Belgien schon im 
allerobersten Devon auftritt. 

Ich muss übrigens noch hervorheben, dass so stark geflügelte 
Formen, wie die unsere, im Carbon noch nicht beobachtet zu 
sein scheinen. 


Athyris concentrica v. Buch. 

Taf. I, Fig. 4. 

Eine lose Y entralklappe von typischer Gestalt und Sculptur. 
Grube Prinz Wilhelm. 


Rhynclionella pleurotlon Piiill. 

Taf. I, Fig. 5. 

— — Davidson, Brit. Carbon. Brach, pl. 23. 

» Brit. Devon. Brach, pl. 13, f. 11 — 13. 

Zu dieser besonders im Kohlengebirge sehr verbreiteten, aber 
in England und in Belgien auch im Ober- und mitunter schon 
im Mitteldevon auftretenden Art gehört wohl unzweifelhaft das 
abgebildete Exemplar aus den sandigen Schichten von Hefel, 
sowie ein zweites aus den Schiefern der Prinz Wilhelmgrube. 
Die kleine Muschel hat einen gerundet vierseitigen, quer aus- 
gedehnten Umriss. Beide Klappen sind ziemlich stark gewölbt, 
Sinus und Sattel wohl entwickelt. Auf denselben liegen 3 — -4, 
auf jeder Seite gegen 7 einfache, starke, schon an den Buckeln 
deutlich vortretende Kippen. 

Orthis bergica n. sp. 

Taf. II, Fig. 6 — 11. 

Orthis tioga Hadl var. ? 

Von gerundet vierseitigem Umriss, erheblich breiter als lang. 
Grosse Klappe ziemlich schwach, die kleine etwas stärker gewölbt. 
Schlossrand stets erheblich kürzer, als die grösste, in der Mitte 
liegende Breite der Muschel, die Schlossecken gerundet. Schnabel 
der grossen Klappe nicht merklich vorragend, die Areen beider 
Klappen sehr schmal. Das auszeichnende Merkmal der Art liegt 


62 


E. Kaiser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


in einer mehr oder weniger starken kielförmigen Erhebung auf 
der Mitte der Ventralklappe und einer entsprechenden sinusför- 
migen Einsenkung der Dorsalklappe. Oberflächlich sind beide 
Klappen mit zahlreichen, starken, sich durch häufige Spaltung 
vermehrenden und zuweilen etwas gebündelten Radialrippchen, 
sowie mit einigen ziemlich markirten, concentrischen Anwachs- 
streifen versehen. 

Das Innere der Ventralklappe zeigt einen stark vertieften, 
verlängert fünfseitigen Muskeleindruck, der am unteren Ende von 
einer flachen, breit-leistenförmigen mittleren Erhebung halbirt wird. 
Im Innern der Dorsalklappe beobachtet man ausser zwei kräftigen 
divergirenden Zahnplatten einen einfachen, sich nach unten in eine 
kurze Meridianleiste fortsetzenden Schlossfortsatz. Unter demselben 
liegt ein vierlappiger Muskeleindruck, von welchem vier sich nach 
dem Rande zu verästelnde Gefässstämme aus laufen. 

Die beschriebene Art stellt das häufigste in den oberdevoni- 
schen Schichten von Velbert vorkommende Fossil dar und findet 
sich sowohl in den schwarzen Schiefern der Prinz Wilhelmgrube 
als auch in den glimmerigen Sandsteinen bei Hefel. 

Unter den mir bekannten europäischen Devonarten kann 
Orthis interlineata Sow. (Davidson, Brit. Devon. Brach, p. 91, 
tb. 17, f. 18 — 23) aus dem englischen Oberdevon zum Vergleich 
herangezogen werden. Diese Art ist der unserigen durch ihre 
gerundet vierseitige, stark quer ausgedehnte Gestalt, den überaus 
kurzen Schnabel und die geringe Wölbung des Gehäuses ähnlich. 
Sie unterscheidet sich aber von der rheinischen Form durch noch 
grössere Flachheit, besonders der Dorsalklappe, sowie durch das 
Fehlen des mittleren Sinus und Sattels. 

Wenn demnach eine Verwechselung mit der genannten engli- 
schen Oberdevonart nicht möglich ist, so könnte eine solche sehr 
leicht mit einer Form des nordamerikanischen Oberdevon, nämlich 
Orthis tioga , aus den schieferigen Sandsteinen der Chemung- 
gruppe (J. Hall, PalaeontoL, N.-York, vol. IV, pl. 8) stattfinden. 
Denn sowohl im äusseren Umriss wie auch in dem Grade der 
Convexität beider Klappen, der geringen Länge und Krümmung 
des Ventralbuckels, dem Vorhandensein eines mittleren Sinus und 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


63 


Sattels auf der Dorsal- resp. Ventralklappe , sowie endlich auch 
in der Beschaffenheit der äusseren Rippchen , die Hall als öfters 
gebündelt beschreibt und von denen in der oberen Hälfte des 
Gehäuses jede zweite, in der unteren aber jede dritte bis vierte 
stärker als die benachbarten sein soll — in allen diesen Merk- 
malen findet eine Uebereinstimmung mit unserer bergica statt. 
Ich würde diese letztere daher ohne Bedenken als Varietät zu 
tioga gezogen haben, wenn nicht Hall den Schlossfortsatz seiner 
Art als zweitheilig beschriebe, während derselbe bei der rheini- 
schen Form ungetheilt ist. Auch sonst scheint das Innere der 
kleinen Klappe (vergl. Halls Abbildungen, Fig. 25 u. 32) etwas 
von dem der rheinischen Muschel abzuweichen, so dass ich es 
für besser halte, die letztere mit dem neuen Namen 0. bergica zu 
belegen. Auf alle Fälle aber bleibt ihre grosse äussere Aehu- 
lichkeit mit der gleichalterigen amerikanischen Form sehr interessant. 


Streptorliynclms iiinbraculum Schloth. 

Taf. I, Fig. 10 u. 11. 

— — Davidson, Brit. Devon. Brach, p. 76, tb. 16, 18. 

Zu dieser bekannten, weit verbreiteten Devonart möchte ich 
ein sowohl in den Schiefern der Prinz Wilhelmgrube (Fig. 11) als 
auch in den Sandsteinen bei Hefel nicht selten vorkommendes, recht 
beträchtliche Dimensionen erreichendes Fossil rechnen. Denn in 
zwei Merkmalen, die M Coy für umbraculum (im Gegensatz zum 
carbonisclien crenistria Phill.) als charakteristisch anführt, nämlich 
in der grösseren Convexität der Dorsalklappe und im Vorhandensein 
eines (in Fig. 12 deutlich hervortretenden) Sinus auf jener Klappe 
findet eine offenbare Uebereinstimmung mit dem devonischen Typus 
statt. Nur in der äusseren Schalensculptur spricht sich eine Hin- 
neigung zum carbonisclien crenistria aus. Denn während nach 
M’Coy die Zwischenräume der Rippen bei umbraculum glatt oder 
nur mit schwachen und gleichmässigen Querstreifen erfüllt sind, 
sollen dieselben bei crenistria von starken, unregelmässigeren, eine 
starke Kerbung der Radialrippen erzeugenden Querrunzeln einge- 
nommen werden (vergl. Davidson ’s Abbildungen 1. c. tb. 19, f. 1 


E. Kayser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


64 

und 2). Dies aber ist endlich auch die Beschaffenheit der Quer- 
sculptur bei der in Rede stehenden rheinischen Form, so dass 
diese mit der äusseren Gestalt der devonischen Form eine Sculptur 
verbindet, die derjenigen der carbonischen Art nahe steht. 

Es ist übrigens hervorzuheben, dass Davidson, der an der 
specifischen Selbständigkeit von umbraculum und crenistria noch 
starke Zweifel hegt, gewisse Steinkerne und Abdrücke aus dem 
englischen Oberdevon (1. c. p. 81, tb. 18, f. 4) nicht zu umbraculum, 
sondern zu Str. crenistria zieht. 

Clionetes sp. 

Ein schlecht erhaltenes Exemplar eines kleinen, stark quer 
ausgedehnten Clionetes aus den Schiefern der Prinz Wilhelmgrube 
sowie ein Abdruck einer ähnlichen Form aus dem Sandstein von 
Hefel. Die Längsrippen vermehren sich hie und da durch Dicho- 
tomie (oder auch durch Einschaltung?) und sind durch etwa ebenso 
breite Zwischenräume getrennt. Sie werden von zarten, gedrängten 
Querstreifen durchschnitten, ähnlich wie bei Ch. elegans de Kon. 
(Monogr. Product. Chonet. pl. 20, f. 13) und Ch. setigera Hall und 
Logani, Nop.w. & Pratt. (Hall, Pal. N.-York IV, tb. 22). Eine 
nähere Bestimmung der vorliegenden Reste ist nicht möglich. 


Stroplialosia prodnctoides Murch. 

Tat. II, Fig. 3 u. 4. 

— ■ — Davidson, Br. Devon. Brach, p. 97, tb. 19. 

Eine im Devon und zwar besonders in dessen jüngeren Niveaus 
häufige, ausserordentlich weit verbreitete Art. Sie kommt bei Vfelbert 
sowohl im Haldengestein der Grube Prinz Wilhelm als auch in den 
sandigen Schichten bei Hefel vor, woher die beiden abgebildeten 
Stücke stammen. Ein unvollständiges Stück von der Prinz Wil- 
helmgrube zeigt dieselbe feine, wellig- runzelige Q.uersculptur, wie 
sie Davidson (1. c. Fig. 20) bei Exemplaren bei Phillips" Str. 
( Productus ) membranacea abbildet. 


am Norctrande des rheinischen Schiefergebirges. 


65 


Productus praelongus Sow. 

Taf. II, Fig. 1 u. 2. 

— — Davidson, Mon. Brit. Devon. Brach, p. 102, tb. 19, f. 22 — 25. 

Eine ziemlich erhebliche Dimensionen erreichende Muschel 
von 4 seifigem, überwiegend längsausgedehntem Umriss mit kräf- 
tigem, stark gekrümmtem Schnabel. Ohren rechteckig, nieder- 
gedrückt. Der mittlere Tlieil der grossen Klappe wird von einer 
flachen, ziemlich breiten, longitudinalen Einsenkung eingenommen, 
in deren Mitte sich eine starke, mitunter (Fig. 1) durch eine seichte 
mittlere Furche getheilte, gerundete Falte erhebt. Auf dieser Falte 
erheben sich hinter einander einige Stachelröhren. Die seitlichen 
Theile der Muschel sind mit ziemlich starken, aber etwas ungleich- 
mässigen Radialrippen bedeckt. 

Von dieser interessanten Muschel liegt mir ein halbes Dutzend 
mehr oder minder gut erhaltener Steinkerne aus dem dunkelen 
Schiefergrestein der Prinz Wilhelmgrube vor. Sie stellt weitaus 

O O 

die grösste, mir bis jetzt aus devonischen Ablagerungen bekannt 
gewordene Procluctus- Art dar. 

Die rheinische Form stimmt sehr gut mit den Abbildungen 
(namentlich mit Fig. 24 u. 25) überein, welche Davidson (1. c.) 
von einer häufigen, aber ebenfalls nur in Steinkernen vorkommenden 
Muschel aus den schieferig-sandig oberdevonischen Marwood- und 
Piltonbeds von North Devon und West Somerset gegeben hat, nur 
dass die englische Form kaum halb so gross ist, als die deutsche. 
Beiden Formen gemein ist die vierseitige, verlängerte Gestalt, der 
stark gebogene Ventralbuckel, die mittlere Einsenkung der Ventral- 
klappe, die sich darin erhebende, mit Stacheln besetzte Längsfalte 
und die Radialrippen auf den Seiten. 

Wenn ich demnach die rheinische Form mit gutem Recht mit 
dem Sowerby 'sehen Productus praelongus identificiren zu dürfen 
glaube, so kann ich doch andererseits meine Bedenken in Betreff 
der specifischen Selbständigkeit dieser Art nicht ganz unterdrücken. 
Sie besitzt nämlich so grosse Aehnlichkeit mit Phillips carbo- 
nischem mesolobus (vergl. Davidson, Brit. Carbonif. Brach, tb. 31, 
f. 6 — 9), dass es mir fraglich erscheint, ob beide Formen mit 
Recht getrennt werden. Nach M’Coy und Davidson soll der 


66 


E. Kayser, Beitrage zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


Hauptunterschied beider Formen darin liegen, dass die seitlichen 
Theile bei mesolobus glatt, bei praelongus dagegen gerippt sind. 
Stücke, wie das von Davidson 1. c. Fig. 6 abgebildete, zeigen 
indess, dass Rippen auch der carbonischen Art wenigstens nicht 
gänzlich fehlen. Es scheint mir daher noch etwas fraglich, ob 
man beide Formen auf die Dauer wird getrennt halten können. 
Will man indess an der Selbständigkeit der devonischen Form 
festhalten, so müsste man den Hauptnachdruck legen: 1) auf die 
stärkere Entwickelung der seitlichen Rippen und 2) auf das Be- 
schränktsein der Stachelröhren der Ventralklappe auf die Mittel- 
rippe , während bei mesolobus die Stacheln über die ganze Schale 
zerstreut sind. 


Productus sp. 

Tat. II, Fig. 5. 

In den glimmerigen Sandsteinen von Hefel hat sich noch ein 
anderer Productus gefunden, von dem aber leider nur der einzige 
abgebildete Abdruck der Dorsalschale vorliegt. Die stark concave, 
ungemein stark in die Quere ausgedehnte Klappe hat eine glatte, 
nur mit schwachen, etwas welligen Querstreifen bedeckte Oberfläche. 
Dieselbe war mit sehr zahlreichen dünnen, über die ganze Schale 
zerstreuten Stachelröhrchen bedeckt, die im Abdruck natürlich als 
vertiefte, Nadelstich -ähnliche Punkte erscheinen müssen. 


Crania trigonalis M’Coy. 

Tat. I, Fig. 6. 

— — Davidson, Brit. Carbon. Brach, p. 196, tb. 48, f. 14. 

Nach der von Davidson gegebenen Abbildung zeichnet sich 
die freie Klappe dieser Art durch flach konische Gestalt, einen 
gerundet vierseitigen, trapezförmigen Umriss, nahe an die kürzeste 
Seite des Trapezes herangerückten Scheitel und von demselben 
auslaufende gedrängte, markirte, nach dem Rande zu durch 
Spaltung vermehrte Rippen aus. 

Mit dieser dem irischen Kohlenkalk angehörigen Form stimmt 
ein von mir in den glimmerigen Sandsteinen bei Hefel gefundener 

o o O 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


67 


Abdruck der kegelförmigen Oberschale in allen Stücken gut 

o O O 

überein. M’Coy hatte die Art ursprünglich zu Orbicula gerechnet, 
Davidson stellte sie zu Crania , jedoch mit Zweifel, da auch 
ihm das Innere unbekannt war. Der von mir abgebildete Abdruck 
der Innenseite der Oberschale zeigt, dass Davidson’ s Classification 
die richtige war. 

Die beschriebene Art ist die einzige in unserer Fauna, welche 
bisher nur aus dem Kohlengebirge bekannt war. 


Cyathophylliun ? sp. 

Sowohl in den schwarzen Schiefern der Prinz Wilhelmgrube 
als auch im Sandstein von Hefe! finden sich nicht selten bis ein 
paar Zoll lang werdende, hornförmig gestaltete Einzelkelche einer 
rugosen Koralle, die vielleicht zu dieser Gattung gehören. 


Arten aus dem Culm von Aprath. 

Die Versteinerungen der Culmscliiefer von Aprath sind bereits 
im Jahre 1857 Gegenstand einer Dissertation Seitens des seitdem 
verstorbenen J. H. Sarres gewesen. ( De petref actis quae in schisto 
posiclonico prope Elberfeldam urbern inveniuntur. Dissert. inauguralis. 
Berolini 1857.) Trotzdem dieselbe manches Neue enthält — der 
Verfasser beschreibt unter Anderem 3 neue Producten, sowie ein 
Pleurodictyum — so ist die Arbeit doch first ganz unbekannt ge- 
blieben. Nicht einmal Herr von Dechen in seiner sonst so voll- 
ständigen Uebersicht der mineralog. und geolog. Literatur der 
Provinzen Rheinland -Westfalen (Bonn, 1872) erwähnt dieselbe. 
Schon dieser Umstand liess es mir nützlich erscheinen, neue Mit- 
theilungen über die Aprather Fauna zu geben und die 3 Producten, 
die Sarres beschrieben, aber nicht bildlich dargestellt hat, ab- 
bilden zu lassen. Herr Geheimrath Beyrich stellte mir zu diesem 
Zweck die im hiesigen Universitätsmuseum aufbewahrten Origi- 
nalien des Herrn Sarres gütigst zur Verfügung. 

O O o o 


5 * 


G8 


E. Kays er, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


Ich selbst hatte den Vortheil, bei Aprath unter der local- 
kundigen Führung des Herrn Pastor Heinersdorff aus Elberfeld 
sammeln zu können und in Folge dessen in kurzer Zeit eine 
sehr gute Ausbeute zu machen. Unter den von mir gefundenen 
Fossilien lege ich einen besonderen Werth auf vollständige Exem- 
plare zweier wichtigen Phillipsia - Arten. Ich habe dieselben auf 
Tafel III abbilden lassen und freue mich darüber umsomehr, als 
in der Literatur bis jetzt noch keine einzige Abbildung eines 
vollständigen rheinischen Culmtri lobiten existirt und des- 
halb die Frage, welche der sich so häutig findenden isolirten Köpfe 
und Schwänze als zusammengehörig zu betrachten seien, noch 
keineswegs entschieden war. 

In Betreff des Erhaltungszustandes der Aprather Culmver- 
steinerungen bemerke ich, dass dieselben fast ausnahmslos in 
Steinkernen und Abdrücken Vorkommen, welche letztere indess 
in den dünnschichtigen, meist etwas kieseligen bis wetzschiefer- 
ähnlichen Schiefern mitunter von grosser Schönheit sind. 


Phillipsia aequalis H. v. Meyer. 

Tat. III, Fig. 7 u. 8. 

Calymene (?) aequalis v. Meyer, N. Acta Aead. Leopold. Carol. XV, 2, p. 100, 
tb. 36, f. 13, 1831. 

Cylindraspis latispinosa Sandberger, Rhein.Schicht.Nass.,p.33,tb.3,f.4,4a(excl.caet.) 
Proetus laevi-cauda Sarres, Dissert. p. 28 (ex parte?) 

Die Autoren, welche nach H. v. Meyer den Namen aequalis 
gebraucht haben, Burmeister, Emmricii, Sändberger, Sarres, 
F. Römer, v. Könen, haben darunter sehr Verschiedenes ver- 
standen. Ein Blick auf die betreffenden Abbildungen und Be- 
schreibungen zeigt, dass der mit jenem Namen belegte Trilobit 
bald ein längliches, spitz zulaufendes, bald ein kui’zes, breites 
Kopfschild besitzen, bald mit längeren, bald mit kürzeren Hörnern 
an den Hinterecken ausgestattet sein, bald eine breite, fast cylin- 
drische, bald eine spitz zulaufende, spindelförmige Glabella haben 
soll. Das sind so grosse Unterschiede, dass die fraglichen Tri- 
lobiten unmöglich alle derselben Art angehören können. 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


G 9 


Zur Feststellung der Charaktere der Speeles muss man auf 
die alte, aber gar nicht so üble Abbildung H. v. Meyer’s zurück- 
gehen, welche sich auf Reste eines Trilobiten von Herborn be- 
zieht. Das von Meyer abgebildete Kopfschild besitzt einen hoch- 
parabolischen, an der Stirn etwas spitzbogig gebrochenen Umriss 
und eine schlanke, spindelförmige Glabella , deren Breite hinter 
derjenigen der Seitentheile etwas zurückbleibt. Seitenfurchen sind 
auf ihr nicht wahrzunehmen. Die Hinterecken des Kopfschildes 
sind zwar etwas zugespitzt, aber nicht in Hörner verlängert. 

Die Sammlung unserer Landesanstalt besitzt nun ein Kopfschild 
mit noch erhaltener Kalkschale von Herborn, welches im Umriss 
wie auch in der Form der (übrigens ungefurchten) Glabella sehr 
gut mit H. v. Meyer’s Abbildung; übereinstimmt. Es unterscheidet 
sich von der letzteren lediglich durch das Vorhandensein von 
Hörnern, die indess kaum die halbe Länge des Kopfes erreichen. 
Dieser scheinbare Unterschied erklärt sich indess daraus, dass 
unser Stück zu den seltenen bei Herborn zu machenden Funden 
mit noch erhaltener Schale gehört, während das von Meyer ab- 
gebildete Stück offenbar nur Steinkern war. Ich glaube daher 
nicht fehl zu gehen, wenn ich annehme, dass die Art stets mit 
Hörnern versehen war, wenn dieselben auch erheblich kürzer 
blieben, wie bei der folgenden Species. 

Was nun den Taf. III, Fig. 7 in natürlicher Grösse abgebil- 
deten Trilobiten von Aprath betrifft, so stimmt das Kopfschild 
vollständig mit dem oben beschriebenen Herborner sowie mit 
H. v. Meyer’s Abbildung überein und ich zweifle daher nicht, 
dass die Aprather Form wirklich dessen aequalis entspricht. 

Ich gehe nun zu einer kurzen Beschreibung meines Aprather 
Steinkerns über. 

Kopfschild von hoch -parabolischem, vorn etwas spitzbogig 
gebrochenem Umriss, wenig breiter als lang. Um dasselbe läuft 
ein verhältnissmässig breiter, flacher, (auch auf der äusseren 
Schale) parallelgestreifter Randsaum [der ursprünglich an den 
Hinterecken in nicht sehr lange Hörner ausgezogen war]. Die 
ziemlich stark gewölbte, scharf begränzte Glabella ist hinten 
etwa so breit, als die Seiten, verjüngt sich nach vorn allmälig und 


70 


E. Kaysek, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


endigt unweit des Randsaums mit gerundeter Spitze. Seitenfurchen 
[auch auf dem Herborner Exemplar] nicht mit Bestimmtheit er- 
kennbar. Nackenfurche tief, Nackenring breit, mit einem kleinen, 
mittleren Tuberkel (Fig. 8 und mein Herborner Kopf). Verlauf 
der Gesichtsnähte aus Fig. 7 u. 8 ersichtlich. Augen schmal, 
halbmondförmig, reticulirt, etwa in der Mitte zwischen Stirn- und 
Hinterrand liegend und nahe an die Glabella herangerückt. Das 
ganze Kopfschild, besonders die Glabella, ist fein granulirt. 

Der Rumpf zählt an meinem Aprather Stücke nur 8 Ringe. 
Dies hängt indess offenbar mit dem noch unausgewachsenen 
Zustande des fraglichen Exemplars zusammen, da ältere Indi- 
viduen wahrscheinlich mindestens 9 Rumpfringe besitzen. Die Axe 
ist ziemlich breit, die Pleuren schwach umgebogen und durch eine 
starke, wenn auch nicht lange Furche getheilt. 

Py gidium von halb - elliptischem Umriss, etwas kürzer als 
das Kopfschild, von einem ziemlich breiten, glatten, ebenfalls 
parallel gestreiften Randsaum umgeben. Axe bis an den Rand- 
saum reichend und ziemlich spitz endigend. Sie ist sehr schwach 
gegliedert, ihr Abdruck sogar fast glatt. Auch die Seiten sind 
nur undeutlich gegliedert. 

Um nun zum Schluss noch einige Mittheilungen über die von 
verschiedenen Autoren unter dem Namen aequalis gegebenen Ab- 
bildungen zu machen, bemerke ich, dass der von Burmeister 
(Organisat. d. Trilobiten, tb. 5, f. 3) als Arcliegonus aequalis nach 
einem Original des hiesigen Universitätsmuseums abgebildete Tri- 
lobit von Altwasser in Schlesien mit einer nach der Stirn zu 
nicht verschmälerten, sondern erweiterten Glabella unmöglich zu 
H. v. Meyer’ s Art gehören kann, wie dies denn auch schon von 
den Brüdern Sandberger (Rhein. Schichtens. Nassau p. 33) her- 
vorgehoben worden ist. Aber auch die von F. Römer aus den 
Culm-Schiefern von Bautsch in Mähren (Geologie von Oberschlesien, 
tb. 6, f. 6) abgebildete und fraglich auf Phillipsia latispinosa Sandb. 
— aequalis H. v. Meyer bezogene Form mit breitem, flachbogig 
begränzten Kopfschild und sehr breiter, nach vorn zu nicht ver- 
jüngter Glabella muss ich für eine ganz verschiedene Art halten. 
Was weiter den von Emmricii (Schulprogramm 1844, f. 6) als 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


71 


Phillipsia aequalis abgebildeten Kopf von Herborn betrifft, so 
möchte ich denselben mit Herrn von Könen (Neues Jahrb. f. 
Mineralogie etc. 1879, p. 312) für wenig glücklich restaurirt halten. 
Die kurzen Hörner scheinen auf die Zugehörigkeit zu H. v. Meyers 
Art hinzuweisen und auch die Gestalt der Glabella würde nicht 
gerade dagegen sprechen. Das von den Gebrüdern Sandberger 
(1. c. tb. 3, f. 4) abgebildete Kopfschild endlich möchte ich, auch 
wenn es nach vorn nicht ganz so spitz zuläuft, wie bei meinem 
Herborner und Aprather Exemplar, dennoch auf aequalis beziehen. 
Die Naht verläuft nach den nassauischen Autoren vor dem Aug-e 
etwas stärker nach auswärts, als bei der Aprather Form. Die 
von denselben Gelehrten mit dem erwähnten Kopfe zu einer Art 
verbundenen Rumpf- und Schwanzreste dagegen gehören sicherlich 
einer anderen Art an. Denn jene Schwänze sind nicht blos breiter 
und kürzer, sondern auch ohne Randsaum und — was das wich- 
tigste ist — auf der Axe wie auf den Seiten deutlich gegliedert, 
während der Schwanz der Aprather Form im Gegentheil nur sehr 
schwach gegliedert ist. 

Phillipsia longicornis n. sp. 

Taf. III, Fig. 9, 10. 

Der zweite von mir bei Aprath gefundene vollständige Trilobit, 
der in Fig. 9 in natürlicher Grösse, in 9 a in 3facher Vergrösserung 
abgebildet ist, dürfte wohl ohne Zweifel eine von Ph. aequalis ver- 
schiedene Art darstellen. 

Das Kopfschild ist breiter, als bei H. v. Meyer ’s Art und 
läuft nach der Stirn nicht spitz zu, sondern endigt hier vielmehr 
mit flachbogiger Contour. Es wird von einem ganz ähnlichen 
Randsaum umgeben, wie aequalis, nur dass derselbe an den Hinter- 
ecken zu langen , der Gesammtlänge des Kopfschildes gleichkom- 
menden Hörnern ausgezogen ist — ein Unterschied, der schon 
allein zur specifischen Unterscheidung der in Rede stehenden Form 
hinreichen würde. — Die Glabella ist verhältnissmässig schmäler, 
als bei aequalis, aber nach vorn etwas schwächer verjüngt. Sie 
reicht bis in die Nähe des Randsaums und endigt liier mit ziemlich 


72 


E. Kaiser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


breiter Rundung. Von einer Furchung derselben ist Nichts wahr- 
zunehmen. Der Nackenring meines Stückes ist schlecht erhalten, 
ich kann daher über seine Form nichts Genaueres aussagen. Die 
Form und Lage der Augen sowie der Verlauf der Gesichtsnähte 
bei der fraglichen Art stimmen wesentlich mit Ph. aequalis überein. 

Der Rumpf zeigt auch bei dem in Rede stehenden Stücke 
nicht die volle Zahl von Ringen, sondern nur 7, was ebenfalls mit 
dem jugendlichen Zustande, ausserdem aber auch mit einer geringen 
Aufschiebung des Kopfes auf den Rumpf zusammenhängt, durch 
die der Nackenring fast ganz zerstört worden ist. Axe ziemlich 
stark gewölbt, erheblich schmäler als die Seiten. Pleuren durch 
starke, weiter als bei aequalis zurückreichende Furchen getheilt. 

Schwanzs c h i 1 d in Umriss und Beschaffenheit des Randsaums 
nicht erheblich von aequalis verschieden. Dagegen ist die ziemlich 
stark gewölbte Axe vergleichsweise schmäler und, ebenso wie die 
Seiten, deutlich gegliedert. Auf der Axe zähle ich etwa 14, auf 
den Seiten 8 Ringe. Die Seitenringe sind, ähnlich wie die Pleuren, 
durch starke, schon in der Mitte der Ringe beginnende Rand- 
furchen gespalten. 

Das Fig. 10 abgebildete isolirte Randschild eines Kopfes möchte 
wohl ebenfalls unserer neuen Art angehören. 

Zu dieser Art gehört sehr wahrscheinlich auch ein vollständiges 
sich im Besitz unserer Sammlung befindliches Exemplar eines 
kleinen Trilobiten von Pierborn. Derselbe besitzt bei ähnlich con- 
tourirtem Kopfschilde noch längere, der ganzen Körperlänge gleich- 
kommende Hörner. Die ganze Körperaxe sammt der Glabella ist 
verhältnissmässig breiter, als bei der Aprather Form, aber der 
Abdruck des Schwanzes zeigt dieselbe kräftige Gliederung und 
die Pleuren dieselbe Spaltung durch tiefe, lange Furchen. Da es 
bekannt ist, dass bei vielen Trilobiten bei sonst wesentlich gleich- 
bleibenden Merkmalen breite kurze und schmale lange Formen 
nebeneinander Vorkommen (Unterschiede, die von manchen Forschern, 
wie Salter, vielleicht nicht mit Unrecht als sexuell gedeutet werden), 
so würde auch das fragliche Herborn er Exemplar als breite Form 
des Fig. 9 abgebildeten Aprather longicornis angesehen werden 
können. 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


73 


Eine andere, ebenfalls breite Form unserer Art stellt vielleicht 
auch Richters langhörn iger Proetus posthumnus (Zeitschr. d. Deutsch, 
geol. Ges. XYI, tb. 3, f. 1) aus dem thüringischen Cuhn dar. 

Es ist möglich, dass die Brüder Sandberger zu ihrer Cylin- 
draspis latispinosa (= C. aequalis H. v. Meyer) auch zu longicornis 
gehörigen Reste gezogen haben; allein thatsächliche Anhaltspunkte 
habe ich für diese Annahme nicht. Die Beschreibung und Ab- 
bildung, welche die genannten Forscher vom Kopfschild von lati- 
spinosa geben, passt ganz gut auf aequalis, und was die von ihnen 
zu latispinosa gerechneten Schwänze betrifft, so können dieselben 
bei dem völligen Mangel eines Randsaums weder zu aequalis ge- 
hören — wie Herr von Ivönen (1. c. p. 312 u. 315) annimmt — 
noch auch zu longicornis. Es würde daher auch ganz ungerecht- 
fertigt sein, wenn ich etwa den Sandberger sehen Namen lati- 
spinosa für meine langhörnige Art beibehalten wollte. 


Phillipsia cnf. Eichwaldi Fisch. 

Taf. III, Fig. 6. 

Es liegt mir von Aprath ein Kern eines ungewöhnlich grossen 
Schwanzschildes vor. Dasselbe ist von kurz-halbelliptischem Um- 
riss und besitzt einen breiten, parallel-gestreiften, schwach concaven 
Randsaum, der ein paar Millim. tiefer liegt, als das übrige Pygi- 
dium. Die deutlich begränzte Axe ist schwach gewölbt und sehr 
breit und endigt schon in einiger Entfernung vom Randsaum mit 
stumpf gerundeter, noch immer sehr breiter Spitze. Sie besteht 
aus 10 — 12 deutlichen Ringen. Die Seiten sind sehr schwach 
gewölbt und lassen 8 — 9 massig starke, nach dem Randsaum zu 
verschwindende Ringe erkennen, die (wenigstens auf dem vor- 
liegenden Steinkerne) nicht durch Furchen getheilt sind. 

Das beschriebene Pygidium erinnert durch seine kurz-elliptische 
Gestalt und breite Axe an Fischer' s Ph. Brongniarti (de Köninck, 
Anim. foss. calc. carb. etc. pl. 53, f. 7) aus dem belgischen Kohlen- 
kalk, mit dem de Iyoninck auch den ähnlichen von Phillips 
(Geol. Yorkshire II, p. 239, tb. 22, f. 4) unter der Bezeichnung 
Asaphus obsoletus abgebildeten Schwanz vereinigt. Beide Arten 


74 


E. Kayser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


erklärt v. Möller (Trilob. d. russ. Steinkoblenformation, Separatabz. 
aus Bull. Soc. Imp. Natural. Moscou 1867, p. 14, 74) für synonym 
mit Phillipsia ( Asaphus ) Eichwaldi Fisch. Indess endigt die Axe des 
Apratlier Schwanzes noch etwas stumpfer, als bei dem oben an- 
gezogenen, von de Köninck abgebildeten und gleicht in dieser 
Hinsicht mehr dem von Phillips abgebildeten Pygidium. Noch 
spitzer endigt die Axe bei der Abbildung, die Herr v. Möller 
(1. c. Fig. 3) von dem Schwänze des russischen Eichwaldi giebt. 

Phillipsia sp. 

Tat. III, Fig. 11. 

Ein anderes Apratlier Pygidium zeichnet sich bei massiger 
Grösse durch kurzelliptischen Umriss und flach gewölbte Axe und 
Seiten aus. Die Axe ist in der Mitte schwach kielförmig erhoben, 
erheblich schmäler als die Seiten, verjüngt sich nach hinten rasch 
und läuft in einiger Entfernung vom Rande in eine schmale, dolch- 
förmige Spitze aus. Man zählt auf der Axe 13 deutliche Ringe. 
Auf den Seiten liegen 9 markirte, flach -bogige Rippen, die 
schon in geringer Entfernung von der Axe durch eine nach dem 
Rande zu ziemlich breit werdende Mittelfurche getheilt werden. 
In der Nähe des Randes verschwinden die Rippen und es entsteht 
dadurch eine Art glatter Randsaum. 

Die auszeichnenden Merkmale des beschriebenen Schwanzes 
liegen in seiner kurzen, breiten Gestalt, seiner Flachheit, der deut- 
lichen Gliederung von Axe und Seiten sowie in der langen, dolch- 
förmigen Endigung der in der Mitte etwas kielförmig erhobenen 
Axe. Auch bei der bekannten Ph. mucronata M Coy läuft die 
Axe in eine lange Spitze aus, aber hier ist das ganze Hinterende 
des Pygidiums iu eine Spitze ausgezogen. 

Ich kenne keine ähnliche Art. 

Sarres beschreibt (1. c. p. 30) noch eine 

Phillipsia emarginata n. sp. 

Die Glabella dieser Form soll nach der Stirn zu erweitert 
sein, so dass hier ein Griffithides vorliegen würde. Sie soll ein 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


75 


Paar Seiten-Furchen besitzen, welche jederseits an der Basis einen 
3 eckigen Lappen abscheiden. 9 Rumpfringe. 

Das Schwanzschild wird als lang und zugespitzt ( subacumi - 
natum') und von einem glatten Randsaum umgeben beschrieben. 
Axe mit 15, Seiten mit 8 Ringen. 

Ich kenne diese Form nicht aus eigener Anschauung, da das 
Original in der Universitätssammlung nicht vorhanden ist, 

Cypritlina subglobulosa Sandb. 

Sandberger, 1. c. p. 6, tb. 1, f. 4. 

Diese Art ist bei Aprath nicht selten, aber wenig gut erhalten. 
Goniatites crenistria Phill. 

Sandberger, tb. 5, f. 1. 

Sarres, p. 27. 

Goniatites mixolobus Phill. 

Sandberger, tb. 3, f. 13; tb. 5, f. 1. 

Sarres, p. 27. 

Orthoceras scalare Goldf. 

Sandberger, tb. 19, f. 5. 

Sarres, p. 28. 

Orthoceras striolatum PI. v. Meyer. 

Sandberger, tb. 19, f. 3. 

Sarres, p. 28. 

Pleurotomaria sp. 

Sarres (Dissert. p. 26) beobachtete Fragmente von Pleuroto- 
marien, die wahrscheinlich mehr als einer Art angehören. 

Posidonia Becheri Bronn. 

— acuticosta Sandberger, tb. 30, f. 9. 

Sarres, p. 26. 

Alle diese 5, im rheinischen Culm so häufige Arten sind 
auch bei Aprath vertreten. 


76 


E. Kayser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


Pecteii densistria Sande. 

— — Sandberger, p. 296, tb. 30, f. 12. 

— — Sarres, p. 24. 

— — v. Könen, Neues Jahrb. f. Min. 1879, p. 327, tb. 6, f. 2 

Es liegt ein guter Abdruck der rechten Klappen vor, der mit 
der von Herrn von Könen gegebenen Abbildung gut überein- 
stimmt, nur dass das Byssusohr etwas stärker vorspringt. Mit der 
Abbildung der Brüder Sandberger stimmt mein Stück weniger 
gut überein. 

Sarres beschreibt (p. 24) noch einen Pecten plicatus n. sp., 
den er mit densistria vergleicht , von dem sich seine Art indess 
durch ungleich grosse Ohren unterscheiden soll. Da aber auch 
die Ohren von densistria nicht gleich gross sind, so kann Herr 
v. Könen mit seiner Vermuthung, dass die SARREs’sche Art mit 
densistria ident sei, Recht haben. 

Pecten cnf. grandaevus Golde. 

Sarres , p. 26. 

Sarres beschreibt (1. c. p. 22) unter dem Namen P. margi- 
natus eine Art, die er mit dem bekannten GoLDFüSs’schen gran- 
daevus (= subspinulosus Sandb. 1. c. tb. 80, f. 11) vergleicht, die 
sich aber durch Ungleichseitigkeit [dieselbe kommt auch gran- 
daevus zu], stärkere Breitenausdehnung, schwächere bis fehlende 
Längsfalten auf den Ohren, Fehlen der für grandaevus charakte- 
ristischen knotenförmigen Höcker auf den Radialfalten, sowie end- 
lich durch dichter stehende Anwachsstreifen unterscheiden soll. 

Die Prüfung des im hiesigen Museum aufbewahrten Originals 
hat meine Zweifel, ob nicht doch nur ein schlecht erhaltener Ab- 
druck von P. grandaevus vorliegt, nicht zu zerstreuen vermocht. 

Pecten Lossen i v. Könen? 

Neues Jahrb. f. Min. p. 328, tb. 6, f. 1. 

Zu dieser neuen Art ist Herr von Könen geneigt, den durch 
Sarres (p. 24) als linteatus Goldf. (Petref. Germ. II, tb. 114, f. 9) 
beschriebenen Pecten zu rechnen. Das Original befindet sich nicht 
im hiesigen Museum, 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


77 


Rhynchonella? papyracea A. Röm. 

Terebratula — A. Röm., Beitr. z. Kennte, d. n. w. Harzgeb., I, p.4S, tb. 8, f. 3 (1850). 
Rhynchonella — Sarres, 1. c. p. 15. 

Streptorhynclms crenistria Phill. 

Taf. III, f. 12. 

— — Davidson, Monogr. Brit. Carbonif. Brach, tb. 26, 27. 

Diese bekannte, weitverbreitete Leitform des Kohlengebirges 
kommt in sehr kleinen Individuen auch bei Aprath vor. Ich habe 
dort einige sehr deutliche Exemplare gesammelt. Der kaum ge- 
krümmte Schnabel, die verhältnissmässig hohe, rechtwinkelig zur 
Längsaxe der Muschel stehende, in der Mitte von einer dreieckigen 
Oeffnung durchbrochene Area und die starken , sich nach dem 
Rande zu durch Einschiebung vermehrenden Radialstreifen lassen 
an der Zugehörigkeit der nur wenige Mill. lang und breit werden- 
den Form zur PHiLLiPs'schen Art keinen Zweifel. 

Strophomeiia analoga Phill. 

— — Davidson, 1. c. tb. 28. 

Von dieser Art liegt ein deutlicher Steinkern vor. 

Chonetes Laguessiana de Kon. 

Taf. III, f. 17 — 18. 

— — de Köninck, Monogr. Product. Chonet. p. 198, tb. 20, f. 6. 

— Hardrensis Phile., Davidson, Mon. Br. Carbon. Brach, p. 186, tb. 47, f. 12 — 25. 

— tuberculata M’Coy, Sarres, 1. c. p. 18 (ex parte). 

Eine kleine, kaum über 8 Mi 11 im. lang und 16 Millim. breit 
werdende, halbkreisförmige, stets stark quer ausgedehnte, convex- 
concave Muschel. Die grösste Breite liegt im Schlossrand oder 
zwischen diesem und der Mitte. Der Ventralbuckel ist klein und 
hängt nicht über den Schlossrand über, die Area ist massig gross, 
und in der Mitte von einer dreieckigen, durch ein Pseudodeltidium 
überdeckten Oeffnung durchbrochen. Auf jeder Seite des Buckels 
treten auf der Ventralklappe in der Nähe des Schlossrandes 2 — 3 
schräg nach aussen gerichtete Stachelröhren auf. Die Oberfläche 
der Schale ist mit zahlreichen fadenförmigen Radialrippchen be- 


78 


E. Kayser, Beiträge zur Kenntnis® von Oberdevon und Culm 


deckt, die sich durch häufig wiederholte, in verschiedener Ent- 
fernung zwischen Buckeln und Rand stattfindende Spaltung ver- 
mehren und deren man am Rande zwischen 50 und 70 zählt. 

Diese Art ist bei Aprath häufig. Sie stimmt gut mit den 
Beschreibungen und Abbildungen überein, die de Köninck und 
Davidson von der Muschel des belgischen und englischen Kohlen- 
kalks gegeben haben. 

Sarres hat die Art auf M Coy's Ch. tuberculata bezogen, 
eine Art des irischen Kohlenkalks, die sich nach de Köninck (Mon. 
Prod. Chon. 222, pl. 19, f. 4) von der ihr ähnlichen Laguessiana, 
durch die eigentümliche Sculptur ihrer Rippen unterscheiden soll, 
welche in der ersten Hälfte glatt, in der zweiten aber mit einer 
Anzahl kleiner Tuberkel versehen sind 1 ). Die in der hiesigen 
Universitätssammlung aufbewahrten Originalexemplare von Sarres 
lassen indess nichts von einer derartigen Sculptur erkennen. Da- 
gegen kommt bei Aprath eine andere Art (67t. rectispina ) vor, 
welche granulirte Rippen besitzt. Sie ist es wahrscheinlich, bei 
der Sarres die Granulation beobachtet hat, die er, da er bei 
Aprath nur eine Chonetes-Art annahm, allen dort vorkommenden 
Choneten zugeschrieben hat. 


Chonetes rectispina v. Könen? 

Tat. III, Fig. 13, 14. 

Chonetes rectispina v. Könen, Neues Jahrb. f. Min. 1879, p. 327, tb. 7, f. 4. 

? Chonetes longispina A. Rom., Beitr. n. w. Harzgeb. I, p. 47, tb. 8, f. 2, 1850. 

Eine bei Aprath ziemlich häufige, bis 8 Millim. lang und 
12 Milim. breit werdende Art von halbkreisförmigem, stets in die 
Quere ausgedehntem Umriss. Die grosse Klappe mässig stark 
convex, die kleine entsprechend concav. Die Oberfläche ist mit 
zahlreichen feinen, oft dichotomirenden Rippchen bedeckt, deren 
am Rande 80 oder mehr liegen. Unter der Lupe zeigen sie bei 


! ) Davidson (1. c. p. 191) scheint die Selbständigkeit der M’Cov’schen Art 
nicht anerkennen zu wollen, da er sie als »very doubtfull so termed species« 
anführt. 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


79 


erhaltener Schale oder im Abdruck eine ziemlich starke Granu- 
lation. Das auszeichnendste Merkmal der Art aber liegt in dem 
Vorhandensein von 2 (oder vielleicht auch 3) langen, nahezu recht- 
winkelig zum Schlossrande stehenden Stachelröhren auf jeder Seite 
des Ventralbuckels. 

Die Art, die Herr von Könen unlängst aus dem Culm 
von Herborn beschrieben, ist mit der Aprather wahrscheinlich 
ident, v. Könen zählte am Rande gegen 100 Rippen, über deren 
etwaige Granulation indess keine Angaben gemacht werden. Viel- 
leicht gehört hierher auch A. Römer’s Chon, longispina aus dem 
Culm von Lautenthal, die 2 lange, ähnlich stehende Stacheln auf 
jeder Seite des Ventralbuckels und am Rande 80 Rippchen besitzt. 
Sie weicht nur durch stärkere Querausdehnung und etwas flügel- 
förmig vortretende Seitenecken ab 1 ). 

Möglicherweise könnte sich unsere Art auch mit der schon 
vor langer Zeit durch M Cov aus dem irischen Kohlenkalk be- 
schriebenen (Carbon, foss. Ireland, tb. 21, f. 9; de Köninck, Mon. 
Product. Chonet. tb. 20, f. 11) Chon, perlata decken, einer kleinen, 
ebenfalls stark quer ausgedehnten, fein gerippten Form mit vier 
rechtwinkelig stehenden Stachelröhren auf jeder Seite des Wirbels. 
Die Beschreibung M’Cov’s ist indess zu unvollständig, um hierüber 
in’s Klare zu kommen 2 ). 

Auch in den jüngsten Devonbildungen des Staates N.-York, 
in den Chemung - Schichten , kommt eine verwandte Art vor, 
Ch. setigera Hall (Palaeont. N.-York IV, p. 129, tb. 21, 22). Die- 
selbe stimmt in ihrer halbkreisförmigen, quer ausgedehnten Gestalt 
und den 2 — 3 nahezu rechtwinkeligen, sich auf jeder Seite des 
Schlossrandes erhebenden Stacheln ganz mit der oben beschriebenen 
Muschel überein und unterscheidet sich von derselben nur durch 
die geringere Zahl der Rippen (36 — 50). 


') Ist die Römer’ sehe Muschel wirklich ident, so würde der Name longispina 
die Priorität haben. 

2 ) Davidson (Mon. Brit. Carbon. Brach, p. 189) will der fraglichen Form 
die specifische Selbständigkeit absprechen und betrachtet sie als Varietät seiner 
Ilardrensis (== Languessiana). 


80 


E. Kayser, Beitrüge zur Kenntniss von Oberdeyon und Culm 


Chonetes Buchiana de Kon. 

Taf. III, Fig. 16. 

— — de Köninck, Mon. Product. Chonet. p. 218, tb. 20, f. 17. 

— — Davidson, Mon. Br. Carbon. Brach, p. 184, tb. 47, f. 1 — 7. 

Von dieser leicht erkennbaren, bereits aus dem Carbon Eng- 
lands, Belgiens und der Alpen (Bleiberg) bekannt gewordenen 
Art liegt nur ein Steinkern einer sehr kleinen, in Fig. 16 dreifach 
vergrösserten Ventralschale vor. Dieselbe ist halbkreisförmig, stark 
in die Breite ausgedehnt und von massig starker Wölbung. Area 
massig hoch, mit mittlerer Oeffnung und Pseudodeltidium ver- 
sehen. Die im Vergleich zu den beiden -vorigen Arten sehr 
kräftigen Rippen sind durch nahezu ebenso breite Zwischenräume 
getrennt. Die mittleren Rippen sind alle einfach, die seitlichen 
aber hie und da gespalten. Man zählt ihrer am Rande im Ganzen 
gegen 30. Von der Quersculptur, die Davidson (1. e. tb. 55, f. 12) 
abgebildet hat, ist an meinem Steinkerne nichts wahrzunehmen. 


Chonetes polita M’Coy. 

Taf. III, Fig. 15. 

— — Davidson, Br. Carb. Brach, p. 190, tb. 47, f. 8 — 11. 

Die einzige bekannte völlig glatte, nur mit schwachen concen- 
trischeu Anwachsstreifen bedeckte Art. In diesem Merkmal, sowie 
in der sehr starken Querausdehnung und der beträchtlichen, na- 
mentlich am Buckel und in der Mittellinie starken Convexität der 
Ventralklappe stimmt die Aprather Form gut mit Davidson s 
Abbildungen überein. 

Es liegen mir zwei Steinkerne der Ventralklappe vor. 
Productus laevipuuctatus Sarres. 

Taf. III, Fig. 5. 

— — Sarres, dissertat. p. 21. 

Eine kleine Form aus der nächsten Verwandtschaft des be- 
kannten carbonischen Prod. sublaevis de Köninck (Monogr. Pro- 
duct. Chonet. p. 75, pl. 7, f. 1 ; Davidson, Brit. Carbon. Brach. 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


81 


p. 177, tb. 31, f. 1 — 2) = humerosus Sow. 1 ), die mit demselben 
in der vierseitigen, längs ausgedehnten Gestalt, dem langen, stark 
gekrümmten Wirbel und dem Vorhandensein eines schmalen, 
furchenförmigen Sinus auf der Mitte der Ventralklappe überein- 
stimmt, die sich aber von jener Art durch die Glätte der Schale 
und eine eigenthümliche , aus kleinen knotenförmigen Tuberkeln 
bestehende Sculptur der Epidermis auszeiclmet (Fig. 5 a). 

Vou dieser Form liegt mir das Originalstück von Sarres vor, 
ein vortrefflicher Abdruck der Ventralklappe, nach deren Abguss 
meine Abbildung Fig. 5 angefertigt worden ist, und ausserdem 
noch ein kleinerer Steinkern. Ich war längere Zeit ungewiss, 
ob die Form nicht doch mit humerosus zu vereinigen sei, da 
bekanntlich die Radialstreifung dieser Art durch Abreibung leicht 
verloren geht. Allein bei der vortrefflichen Erhaltung der Ober- 
fläche (wenn auch nur im Abdrucke) würde eine solche Annahme 
wenig Wahrscheinlichkeit haben; ausserdem aber ist eine ähnliche 
Sculptur der Epidermis, wie sie oben beschrieben wurde, bei 
humerosus meines Wissens noch nie beobachtet worden. Es scheint 
daher geboten, die Sarres’ sehe Art bis auf Weiteres als selb- 
ständige Species anzusehen. 

Prod. humerosus ( sublaevis ) selbst glaubt Herr von Koenen 
im Culm von Herborn beobachtet zu haben (Neues Jahrb. f. 
Mineral. 1879, p. 326). 

Productus plicatus Sarres. 

Taf. III, Fig. 1 u. 2. 

— — Saures, Dissertat. p. 20. 

? Productus Carringtonianus Davidson, Brit. Carb. Brach, p. 274, tb. 55, f. 5. 

Sarres beschreibt diese Art als deprimirt, von halbkreisförmiger, 
quer ausgedehnter Gestalt (Breite : Länge = 13 : 8), mit schwach 
gewölbter Ventralklappe und niedrigem, schwach gekrümmtem 
Schnabel. Die äussere Oberfläche soll mit ca. 16 etwas unregel- 

x ) Davidson hat neuerdings die interessante Beobachtung gemacht, dass die 
mit dem Namen Pr. humerosus belegten Kerne nichts weiter als Steinkerne des 
Inneren von sublaevis darstellen (Supplement Carbonif. Brach, p. 306, 1880). Da 
der SowERBY’sche Namen älter ist, als der de Konincic’ sehe, so muss die Species 
fortan als humerosus bezeichnet werden. 


6 


82 


E. Kayser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


massigen, flachen, concentrischen Querringen, sowie mit ca. 30, in 
concentrischen Reihen über die ganze Oberfläche vertheilten 
Stachelröhren bedeckt sein. Die Unterschiede von Prod. punctatus 
Mart, findet der Autor in weniger zahlreichen, unregelmässiger 
angeordneten Querringen und im Fehlen eines Sinus, durch welches 
letztere Merkmal die Aprather Form auch von plicatilis Sow. und 
anderen verwandten Formen unterschieden sein soll. Während 
Herrn Sarres nur ein paar schlecht erhaltene Stücke zu Gebote 
standen, hatte ich das Glück, einige ausgezeichnet gut erhaltene 
Exemplare (Fig. 1 u. 2) aufzufinden. Die auszeichnenden Merk- 
male der Muschel liegen in ihrem halbkreisförmigen, quer ver- 
längerten Umriss, der grossen Flachheit und Sinuslosigkeit der 
Ventralklappe, dem kleinen, sich kaum über den Schlossrand er- 
hebenden Wirbel und der aus ziemlich gedrängt stehenden, wenig 
erhobenen Querringen bestehenden Oberflächensculptur. In dei 
Vertheilung der sehr lang werdenden, schlanken Stachelröhren 
finde ich keine Gesetzmässigkeit. 

Alle diese Merkmale sind so eigenthümlich, dass die SARRES’sche 
Art nicht leicht mit einer anderen, bis jetzt beschriebenen zu 
verwechseln ist. Nur aus England hat Davidson eine Species, 
Pr. C ar ring tonianus bekannt gemacht, die nach Abbildung und 
Beschreibung mit der rheinischen grosse Aehnlichkeit besitzen 
muss. Denn auch die englische Form zeichnet sich durch halb- 
kreisförmigen, quer ausgedehnten Umriss, schwach gewölbte Ven- 
tralklappe, sehr niedrigen Ventralbuckel und mässig regelmässige, 
die ganze Oberfläche bedeckende, concentrische Querrunzeln aus. 
Es wäre daher sehr möglich, dass beide fragliche Formen der- 
selben Art angehören x ). 

1 ) In Begleitung von Productus Carringtonianus findet sieb (bei Narrowdale 
in Staffordshire) noch eine eigenthümliche Rhynclionella , Rh. Wettonensis Davids. 
(1. c. p. 274, pl. 55, f. 1 — 3). Auch diese Form scheint mit einer Art des deutschen 
Culm ident zu sein, nämlich mit der von A. Römer (Beitr. z. Kenntn. d. nord- 
westl. Harzgeb. I, 1850, p. 31, tb. 4, f. 25) aus den Culmkalken von Grund 
beschriebenen, durch einen Sinus auf der kleinen und einen Sattel auf der grossen 
Klappe ausgezeichneten Rhynclionella ( Terehratula ) contraria. Die Ver- 
gleichung von Originalexemplaren der harzer Art mit Davidson’s Abbildungen 
der englischen Muschel hat mir kaum einen Zweifel an der Identität beider 
Formen übrig gelassen. 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


83 


Productus concentricus Sarres. 

Taf. III, Fig. 3 u. 4. 

— — Sarres, Dissertat. p. 21. 

Sarres beschreibt von Aprath noch eine dritte Productus- 
art, die ebenfalls eine flach gewölbte, stark quer ausgedehnte 
(Breite : Länge = 8 : 4) Ventralklappe besitzen, sich aber von dem 
vorhin beschriebenen plicatus durch nur 10, weiter von einander 
abstehende Querringe und einige wenige, unregelmässig ver- 
theilte Stachelröhren auszeichnen soll. Ausserdem giebt Sarres 
noch an, dass der Stirnrand etwas eingebuchtet und die Schloss- 
ecken rechteckig seien. 

Das einzige, im Besitz der Universitätssammlung befindliche 
Originalexemplar — der Abdruck einer Ventralklappe, nach deren 
Abguss die Abbildung Fig. 4 angefertigt worden ist — lässt in Be- 
zug auf Erhaltung viel zu wünschen übrig. Besser erhalten sind 
ein paar andere, von mir selbst gesammelte Steinkerne und Ab- 
drücke, deren grösster in Fig. 3 abgebildet worden ist. 

Durch die gelänge Wölbung der Ventralklappe, den kaum 
über den Schlossrand vorragenden Wirbel und die concentrische 
Quersculptur ist die Form offenbar mit Sarres plicatus verwandt. 
Die Hauptunterschiede von dieser Art würden in der noch stär- 
keren Querausdehnung, der geringen Zahl und Stärke der con- 
centrischen Querringe, der schwachen Einbuchtung des Stirnrandes 
und den — wie es in der That scheint — weniger zahlreichen 
Stachelröhren zu suchen sein. Ich bin indess nicht ganz sicher, 
ob concentricus wirklich eine selbständige Art oder nur eine Ab- 
änderung von plicatus darstellt. Durch weiteres, besseres Material 
wird diese Frage entschieden werden können. 

Die Fig. 3 abgebildete Ventralklappe gleicht den zwei 
Fig. 1 und 2 dargestellten Ventralklappen von plicatus auch in 
der grossen Länge der Stachelröhren. Dieselben beschränken sich 
aber bei dem fraglichen Exemplar auf den Schlossrand und sind 
auf beiden Seiten des Wirbels schräg nach aussen gerichtet. 


6 


84 


E. Kayser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


Discina sp. 

Discina marginata Sarres, Dissertat. p. 22. 

Diese von den Brüdern Sandberger (rhein. Sch. Nassau, 
p. 372) aus den Schiefern von Wissenbach beschriebene Art 
soll nach Sarres auch bei Aprath Vorkommen. Bei der grossen 
Verschiedenheit des geognostischen Niveaus scheint diese Angabe 
wenig glaubhaft. 

Pleurodictynm Decheniaimm is. sp. 

Tat. III, Fig. 20, 21. 

v. Dechen, Verhandl. Naturhist. Ver. f. Rkeinl.-Westf. VII (1850), p. 201. 

Pleurodictynm sp. indet. Sarres, Dissertat. p. 12. 

Herr von Dechen hat zuerst das Vorkommen eines Pleuro- 
dictyum in den Kieselschiefern der Culmformation in der Gegend 
von Elberfeld (Peters-Katernsberg im NW. der Stadt) bekannt ge- 
macht. Er präcisirt die Unterschiede der fraglichen Form vom 
unterdevonischen Pleurodictynm problematicum dahin, dass die 
Polypiten derselben fast drehrund (bei probl. prismatisch), die 
reihenweise geordneten Tuberkeln auf den letzteren [die Ausfüllun- 
gen der die Wände der Polypiten durchbohrenden Verbindungs- 
poren] zahlreicher, die Form des Stockes mehr kugelig (bei probl. 
mehr scheibenförmig) und der serpelähnliche , in der Mitte von 
problematicum zu beobachtende Körper nicht vorhanden sei. 

Auch Sarres findet die Hauptunterschiede der carbonischen 
Form in der stärkeren Wölbung des Stockes und der gerundeten 
Gestalt der Polypiten, welche er als kurzkonisch beschreibt. 

Ich habe bei Aprath mehrere Exemplare des fraglichen Fossils 
gesammelt und kann mich der Ansicht der beiden Autoren , dass 
eine von problematicum verschiedene Species vorliegt, nur an- 
schliessen. 

Die Culmform ist viel kleiner, stärker gewölbt bis halbkuge- 
lig und von rundem (bei probl. meist von ovalem) Umriss. Die 
meist nicht sehr zahlreichen Polypiten sind kürzer und ge- 
drungener, als bei der Unterdevon - Art, indess — ebenso wie bei 
dieser — von mehr oder weniger unregelmässig polygonaler Ge- 
stalt. Die benachbarten Polypiten sind durch zahlreiche, ver- 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


85 


hältnissmässig starke, in geraden Reihen geordnete Querstäbchen 
verbunden. Die bei problematicum ausser diesen letzteren noch 
vorhandenen (von Dörnchen auf der Innenseite der Kelchwandungen 
herrührenden) vertieften Punkte habe ich an meinen Aprather 
Stücken ebensowenig wahrnehmen können, als die bei der Devon- 
form nicht selten zu beobachtende (von Radiallamellen herrührende) 
Längsstreifung der Polypitenkerne. 

Pleurodictyum Sei canum Giebel (Kayser, älteste Devonfauna 
des Harzes, Abhandl. z. geol. Specialkarte von Preussen etc. 
Bd. II, Heft 4, tb. 33, f. 8) scheint der Culmform näher zu stehen, 
als problematicum. Dasselbe hat mit Dechenianum die geringe Grösse, 
stärkere Wölbung und rundlichen Umriss des Stockes gemein 
und unterscheidet sich vielleicht nur durch verhältnissmässig län- 
gere und schlankere, sehr regelmässig prismatische Polypiten. 

Eine andere Art des Harzer Unterdevon, PL Zorgense Kayser 
(1. c. f. 9, 10) unterscheidet sich von der Aprather auf den ersten 
Blick durch die sehr unregelmässige, sich von der polygonal- 
prismatischen sehr entfernende Gestalt der Polypiten. 

Cladochonus Michelini M. Edw. & IIaime. 

Taf. III, Fig. 19. 

Pyrgia — M. Edw. H., Polyp, foss. terr. paleoz. 1851, p. 310, tb. 17, f. 8. 

Cladochonus — de Köninck, Nouv. rech. Anim. foss. etc. 1872, p. 153, tb. 15, f. 6. 

— — F. Römer, Letlmea, palaeozoica 1867, tb. 39, f. 8. 

— — Nicholson, Geolog. Magazin 1879, p. 289. 

Eine ausgezeichnete kleine Form, deren Stöcke ans Polypiten 
bestehen, die von den Autoren treffend mit einem Tabakspfeifchen 
verglichen worden sind. Die kleinen trichterförmigen Kelche, in 
denen Edwards & IIaime sowie de Köninck Andeutungen von 
etwa 20 Radiallamellen beobachtet haben, setzen sich nämlich nach 
unten mit schwacher Krümmung in einen langen schlanken Stiel 
fort, dessen dicke Epithek eine schwache Querstreifung zeigt. 
Besonders charakteristisch ist die Vermehrungsweise der Polypiten, 
die in der Weise erfolgt, dass an der Aussenseite eines älteren 
Kelches, dicht unter dessen Mündung, ein oder meist zwei neue 
Polypiten hervorsprossen, die sich von dem älteren unter grossem 


86 


E. Kaysee, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


Winkel divergent nach aussen entfernen, um sich an ihren Enden 
unter Umständen wieder in gleicher Weise zu vermehren. 

Bei Aprath ist die interessante kleine Koralle nicht selten. 
Ich sammelte sie in mehreren Exemplaren, welche die schwache 
Runzelung der starken Epithek und die Pseudosepten im Innern 
der Kelchmftndungen gut erkennen lassen. Das Fossil stimmt 
sehr gut mit dem des Tournaier Kohlenkalks, aus dem die Art 
zuerst bekannt wurde. Später hat Nicholson sie auch in den 
unteren Carbonbildungen von Schottland nachgewiesen. 

o O 


Zaphrentis? sp. 

Kleine, bei Aprath sich nicht selten findende hornförmige 
Einzelkelche einer rugosen Koralle könnten dieser Gattung an- 
gehören. 

Pflanzenreste 

sind bei Aprath sehr häufig. Sie gehören besonders Algen an, 
befinden sich aber gewöhnlich in einem Erhaltungszustände, 
der nach dem Urtheile meines Collegen E. WEISS keine nähere 
B estimmung erlaubt. 

Sarres beschrieb aus dem Aprather Culm von Pflanzen 
Drepanophycus distans n. sp. und Noeggerathia tenuistria Goepp. 
(Dissert. p. 11, 12). 


Sch ln ssbem erklingen. 

Im Vorstehenden wurden beschrieben: 
a) aus dem Oberdevon: 

1. Phacops granulatus Mst. 

2. Gyroceras cnf. cancellatum F. Röm. 

3. Loxonema anglicum d'Orb. 

4. Euomphalus aff. Schnurii Arch. Vern. 

5. Cuctdlaea? Hardingii Phill.? 

6. Cypricardinia ? sp. 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


87 


7. Spirifer Verneuili Murch. 

8. Spiriferina laminosa M’Coy? 

9. Athyris concentrica v. Buch. 

10. Rhynchonella pleurodon Phill. 

11. Orthis bergica n. sp. 

12. Streptorhynchus umbraculum Schl. 

1 3. Chonetes sp. 

14. Strophalosia productoides Murch. 

15. Productus praelongus Sow. 

16. Productus sp. 

17. Crania trigonalis M’Coy. 

18. Cyaihophyllum sp. 

b) aus dem Culm: 

1. Phillipsia aequalis v. Meyer. 

2. Phillipsia longicornis n. sp. 

3. Phillipsia cnf. Eichwaldi FlSCH. 

4. Phillipsia sp. 

5. Phillipsia emarginata Sarres. 

6. Cypridina subglobulosa Sandb. 

7. Goniatites crenistria Phill. 

8. Goniatites mixolobus Phill. 

9. Orthoceras scalare Gdf. 

10. Orthoceras striolatum v. Meyer. 

1 1 . Pleurotomaria sp>. 

12. Posidonia Becheri Bronn. 

13. Pecten densistria Sandb. 

14. Pecten cnf. grandaevus Gdf. 

15 Pecten Losseni v. Koenen? 

16. Rhynchonella ? papyracea A. Rom. 

17. Streptorhynchus crenistria Phill. 

18. Strophomena analog a Piiill. 

19. Chonetes Laguessiana de Kon. 

20. Chonetes rectispina v. Koen.? 

21. Chonetes Buchiana de Kon. 

22. Chonetes polita M’Coy. 


88 


E. Kayser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


23. Productus laevipunctatus Sarres. 

24. Productus plicatus Sarres. 

25. Productus concentricus Sarres. 

26. Piscina sp. 

27. Pleurodictyum Dechenianum n. sp. 

28. Cladochonus Michelini Edw. & H. 

29. Zaphrentis ? sp. 

Was zunächst die oberdevonische Fauna betrifft, so liegt 
ihr Hauptinteresse darin, dass wir hier zum ersten Male aus der 
oberen Abtheilung des rheinischen Oberdevon, der Clymenienstnfe, 
eine reichere Brachiopodenfanna kennen lernen. Ueber- 
all, wo sich jene Stufe im rheinischen Gebirge versteinerungs- 
führend zeigte, hatte man bisher ausser Cephalopoden, die sowohl 
an Arten als auch besonders an Individuenzahl sehr zu über- 
wiegen pflegen, in einiger Häufigkeit nur Lamellibranchiaten 
und Gastropoden angetroffen, während andere Thierordnungen, 
namentlich Brachiopoden, so gut wie gänzlich unbekannt ge- 
blieben waren. Ueberhaupt sind solche meines Wissens in einiger 
Häufigkeit nur in der Gegend von Aachen angetroffen worden, 
in den mächtigen gelblichen Sandsteinen, die dort als Unter- 
lage des Kohlenkalkes auftreten (vgl. Zeitschr. d. Deutsch, geol. 
Ges. XXVII, 1879, p. 852). Während aber auch bei Aachen das 
Vorkommen von Brachiopoden sich auf einige wenige Arten 
(. Spirifer Verneuili , Rhynchonella cnf. pleurodon und Streptorhyn- 
chus umbraculum') beschränkt, so sind im Obigen aus der Gegend 
von Velbert 11 Bracliiopodenarten beschrieben worden und allem 
Anschein nach würde sich diese Zahl durch längeres Sammeln 
noch sehr vermehren lassen. 

Durch diesen Reichthum an Brachiopoden neben Zweischalern 
und Gastropoden, aber fast ganz zurücktretenden Cephalopoden 
steht die Fauna von Velbert der Fauna der jüngeren Oberdevon- 
schichten des südlichen Belgiens und der angrenzenden Ge- 
genden von Nord -Frankreich nahe. Denn auch hier kommen 
trotz der weiten Verbreitung, die im genannten Gebiete gerade 
das Oberdevon hat, die bezeichnenden Clymenien vielleicht nur 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


an einem Punkte, in der Gegend von Etroeungt vor 1 ), während 
Brachiopoden durch die ganze Schichtenfolge des Famennien Gos- 
selet ’s hindurchgehen und überall so häufig sind, dass dieser 
Autor auf sie seine Zoneneintheilung basirt (Yergl. Gosselet, 
Esquisse geol. du Nord de la France etc. I, p. 852. Lille 1880). 

Zu den wichtigsten Brachiopoden des Famennien gehören 
nach Gosselet Spirifer Verneuili , Cyrtia Murchisoniana , mehrere 
z. Th. neue Rhyn choneilen, Atrypa reticularis , Athyris Royssii, Spi- 
riferina laminosa, Spirifer mosquensis, Streptorhynchus crenistria etc. 
Ausserdem führt Mourlon aus den sandigen Gliedern der Schichten- 
folge, den sog. Psammiten des Condroz, noch Productus praelongus, 
Strophalosia productoid.es , Rhynchonella pleurodon und pugnus und 
einige andere Arten an (Bull. Acad. R. Belgique, 2. s. Bd. 39, 
No. 8, p. 52. 1875). Es ist bemerkenswerth, dass ganz ähnlich, 
wie bei Velbert neben überwiegenden devonischen Formen auch 
ein paar Carbonarten ( Spiriferina laminosa und Crania trigonalis ) 
erscheinen, auch in den obersten Devonschichten Belgiens Arten 
wie Spiriferina laminosa, Spirifer mosquensis, Athyris Royssii und 
Streptorhynchus crenistria auftreten, Formen die gewöhnlich nur im 
Carbon Vorkommen. Bei der Lagerung; der betreffenden Schichten 
an der unmittelbaren Basis des Kohlengebirges kann diese Er- 
scheinung indess nicht befremden; und dass, die fraglichen Ablage- 
rungen trotz dieser Beimengung vereinzelter carbonischer Typen 
doch noch der Devonformation angehören, das geht schon aus dein 
Vorkommen der Gattung Phacops (in Belgien latifrons, bei Velbert 
granulatus ) selbst in den allerobersten Schichten, dicht unter dem 
Kohlengebirge hervor. 

Eine ganz ähnliche, brachiopodenreiche Fauna wie bei Velbert 
und in Belgien findet man endlich auch in den allerobersten De- 
vonbildungen des nördlichen Devonshire, den Pilton- und 
Marwood- Schichten wieder. In diesen wesentlich sandig ausge- 
bildeten Ablagerungen, die Salter als in seichterem Meere sedi- 

Sie wurden hier schon vor langer Zeit durch Hebert angegeben (Bull. Soc. 
geol. de France 2. s. VII, p. 1165). Ihr Vorkommen scheint indess nicht ganz 
zweifellos zu sein, da dasselbe weder von Gosselet noch von einem anderen 
neueren französischen oder belgischen Autor erwähnt wird, 


90 


E. Kayser, Beiträge zur Kenntniss von Oberdevon und Culm 


mentirte Aequivalente der bekannten Clymenienkalke von Pether- 
win ansieht, tritt eine ziemlich reiche Fauna auf, die aber eben- 
falls fast gar keine Cephalopoden, dagegen sehr zahlreiche Brachio- 
poden und daneben Lamellibranchiaten und Gastropoden enthält 
(Yergl. Salter, Q,u. J. Geol. Soc. Lond. 1863, p. 474). Aus 
deu an der Basis des Carbon liegenden Piltonbeds nennt Salter 
Spirifer Verneuili, Athyris concentrica , Productus praelongus, Stro- 
phalosia productoides, Orthis interlineata, Streptorhynchus crenistria , 
Phacops latifrons etc.; aus den darunter liegenden Marwoodbeds 
dagegen Spirifer Verneuili , Spiriferina laminosa , Rhynchonella pleu- 
rodon und viele Zweischaler, wie Cucullaea Hardingii, Avicula 
Damnoniensis etc. Auch hier treffen wir demnach zum grossen Theil 
ganz dieselben Brachiopodenarten wieder, wie in Belgien und bei 
Velbert. Auch hier ist die Gattung Phacops noch vorhanden, 
daneben aber treten schon vereinzelte carbonische Typen auf. 


Was nun die oben beschriebene C ulmfauna betrifft, so 
haben wir über diese nur wenig zu sagen. 

Die Culmbildungen werden jetzt wohl allgemein als Flach- 
meeräquivalente des in tieferem und offenerem Meere abgelagerten 
Kohlenkalks angesehen. Diese Auffassung wird durch die Fauna 
beider Bildungen durchaus unterstützt. Denn während der Kohlen- 
kalk eine reiche, sehr mannigfaltig aus Cephalopoden, Gastropoden, 
Zweischalern , Korallen etc. zusammengesetzte Fauna besitzt, so 
hat die Culmfauna eine sehr eintönige und gleichartige Zusammen- 
setzung aus einigen wenigen Cephalopoden ( Goniatiten und Or- 
thoceren) und Pelecypoden, während Brachiopoden sehr zurück- 
treten und Gastropoden und Korallen ganz zu fehlen pflegen. 
Dass indess die Culmfauna unter Umständen eine mannigfaltigere 
und damit derjenigen des Kohlenkalks ähnlichere Zusammen- 
setzung erlangen kann, beweisen die Culmkalke des Iberges bei 
Grund im Harz, welche eine Reihe für den Culm ungewöhnlicher 
Cephalopoden und Brachiopoden ( Nautilus , Bactrites , Productus, 
Spirifer ) und Gastropoden enthalten (Vergl. A. Römer, Beitr. z. 
Kenntn. des n. westl. Harzgeb. V, 1866, p. 32, ff.). Für das 


am Nordrande des rheinischen Schiefergebirges. 


91 


rheinische Schiefergebirge hat uns eine solche grössere Formen- 
Mannigfaltigkeit erst die unlängst erschienene Arbeit von Könen’ s 
über die Culmfauna von Herborn kennen gelehrt (Neues Jahrbuch 
f. Mineralog. etc. 1879). Unter 44 von dem genannten Autor 
im Ganzen aufgeführten Arten treffen wir nicht nur ein Gyroceras 
und zwei (nicht bestimmte) Nautilusarten, sondern auch mehrere 
Brachiopoden, unter denen zwei, Terebratula hastata und Procluctus 
humerosus (= sublaevis') zugleich Haupt leit formen des Kohlen- 
kalks sind, sowie ein Cyathophyllum. Etwas ganz Aehnliches finden 
wir nun auch bei Aprath wieder. Denn auch hier treten in Be- 
gleitung der gewöhnlichen Culmfossilien mehrere Korallen, ver- 
schiedene Arten von Productus und Chonetes, eine Strophomena , 
ein Streptorhynchus und Pleurotomarien auf. Es ist bemerkens- 
werth, dass etwa die Hälfte dieser für das Culm ungewohnten 
Formen bekannte Kohlenkalkarten darstellen, wie Cladochonus 
Michelini, Chonetes Buchiana , polita und Laguessiana, Strophomena 
analoga und Streptorhynchus crenistria 1 ). 

! ) Es sei hier noch erwähnt, dass von Dechen (Verhandl. Naturhistor. Ver. 
f. Rheinl. - Westf. VII, p. 200) aus dem Plattenkalk von Iserlohn zwei andere 
typische Kohlenkalkarten, Productus latissimus und semistriatus (= antiquatus) 
anführt. 


Das osttliiirin gische Rötli. 

Von 

Herrn E. E. Schmid in Jena. 

(Hierzu Tafel TV.) 


E i n 1 e i t u n g. 

Nach dem Abschlüsse der geologischen Kartographirung Thü- 
ringens durch B. v. Cotta und Heinr. Credner kannte man nur 
zwei scharf und durchgreifend geschiedene, allerdings sehr ungleich 
mächtige Abtheilungen der Formation des Buntsandsteins, von 
denen man nach den darin vorwaltenden Gesteinen die obere, 
minder mächtige, als diejenige der bunten Mergel oder des 
Röths, die untere, weitaus mächtigere, als diejenige der bunten 
Sandsteine im engeren Sinne bezeichnete. Diese letztere nahm 
auf den Karten einen so breiten Raum ein, dass durch ihre 
Abgrenzung die Lagerungsverhältnisse nur unvollkommen veran- 
schaulicht wurden. Aus diesem Grunde war ein wesentlicher 
Fortschritt darin anzuerkennen, dass Beyrich die unteren Sand- 
steine am Südrande des Harzes nochmals in zwei Abtheilungen 
sonderte je nach dem Vorwalten starker Sandsteinbänke, oder 
sandig-thoniger Schiefer (Letten) und diese Sonderung schon auf 
den ersten Lieferungen der geologischen Specialkarte des König- 
reichs Preussen und der thüringischen Staaten, kartographisch 
durchgeführt, vorlegte. Die weitere Durchführung namentlich 
nach dem Ostrande des Thüringer Beckens zwischen der Saale 
und Elster bot jedoch erhebliche Schwierigkeiten, weil gerade die 


E. E. Schmid, das ostthüringische Röth. 


93 


untersten Schichten des bunten Sandsteins, welche neben der 
Elsteraue unterhalb Gera anstehen, recht dickbänkig sind und den 
Abhängen das Aussehen der mittleren Buntsandsteine verleihen. 
Nach vielfacher Begehung des weder sonst interessanten, noch 

wegen des ausgebreiteten Waldbestandes gut aufgeschlossenen 
Sandsteingebietes fasste ich ein Niveau mitten im Buntsandstein 

auf, unter welchem der Abhang vielorts scharf, fast überall deut- 

lich steiler einfällt und unzweifelhaft auf einen verschiedenen 
Widerstand gegen die Erosion zu Folge verschiedener Reichlich- 

o o o 

keit der thonigen Beimengungen hinweist. Nachdem ich dieses 

o o o 

Niveau im östlichen Thüringen als ein beständiges erkannt hatte, 
wurde mir durch Beyrich die günstige Gelegenheit dargeboten, 
es in seiner Begleitung mit demjenigen zu vergleichen, welches 
im nördlichen Thüringen und am Fusse des Harzes, speciell längs 
der Unstrutaue bei Wiehe als Grenze zwischen mittleren und 
unteren Buntsandstein angenommen worden war und mich 
von ihrer Uebereinstimmung zu überzeugen. Dieses Niveau ist 
es, welches sich auf den von mir bearbeiteten Blättern Bürgel, 
Roda, Stössen, Eisenberg, St. Gangloff u. a. der geologischen 
Specialkarte des Königreichs Preussen und der thüringischen Staaten 
als Grenzlinie eingezeichnet findet. Freilich ist es nicht in Ab- 
rede zu stellen, dass dasselbe nicht an allen Stellen gleich deut- 
lich hervortritt, an manchen sogar zweifelhaft ist in Folge des 
Uebergangs der untersten Glieder des mittleren Buntsandsteins aus 
festem Sandstein in losen Quarzsand und Quarzstaub, der zwar 
au den meisten, aber doch nicht an allen Stellen stetig im Fort- 
streichen nachweisbar ist. Diese losen Sande habe ich zum mitt- 
leren Buntsandstein stellen zu müssen geglaubt, indem ich nicht 
sowohl die Gebundenheit der Gesteine, als vielmehr ihren Thon- 
gehalt als entscheidend ansehe. Freilich ist ferner anzuerkennen, 
dass den unteren Buntsandsteinen Ostthüringens zwischen Saale 
und Elster eine Einlagerung fast gänzlich fehlt, die für diejenigen 
des Harzrandes charakteristisch ist, nämlich die der sogenannten 
Rogensteine. Aber eine wenn auch wenig mächtige und ausge- 

o o o o 

dehnte, so doch ganz typisch entwickelte Einlagerung davon fand 
ich jenseits der Elster, am Wege von Crossen nach Cosweda 


94 


E. E. Sch.mil) , das osttliüringische Rötk. 


(s. Blatt Langenberg) auf, und später wurde noch eine andere 
durch Liebe aufgefunden. 

Von dem Elstergrunde bei Gera aus bilden mittlerer und 
unterer Buntsandstein den Rand der Thüringer Mulde über die 
Hochflächen um Münchenbernsdorf hinweg; nach dem Orlagrunde 
oberhalb Neustadt und begleiten denselben bis Blankenburg a. d. 
Schwarza. Weiter nordwestlich durchschneidet eine Spaltung, zu 
deren beiden Seiten zufolge einer Verwerfung Dyas und mittlerer 
Buntsandstein in gleiches Niveau gerückt , und der untere Bunt- 
sandstein von der Oberfläche verdrängt ist, den Fuss des Thüringer 
Waldgebirges. Die westlichen Ränder der Thüringer Mulde fallen 
in längster Erstreckung mit den Höhen des Eichsfeldes zusammen, 
welche wenig unterbrochen von höheren Abtheilungen der Trias 
eingenommen werden. 

Im Innern der Thüringer Mulde wird Buntsandstein in dem 
Faltungsgebiete von Blankenhein, Kranichfeld und Berka an die 
Oberfläche gepresst, und zwar nur mit seiner oberen und mittleren 
Abtheilung. 

Theilt man die ganze Formation des Buntsandsteins in oberen, 
mittleren und unteren, so wird die vorstehende Betrachtung ge- 
nügen , diese Eintheilung als eine gut durchführbare zu erweisen. 
Aber für den Maassstab der neuen geologischen Specialkarte des 
Königreichs Preussen und der thüringischen Staaten macht sich 
das Bedürfniss nach weiterer Gliederung geltend. Für den unteren 
Buntsandstein längs dem Fusse des Harzes sind zu diesem Zwecke 
die bereits erwähnten mehrfachen Rogensteinbänke mit bestem 
Erfolge benutzt worden. Aber diese Bänke fehlen im Osten und 
Süden Thüringens. Für den mittleren Buntsandstein könnte man 
an die zugleich technisch so bedeutsamen kaolinischen Einlage- 
rungen denken, aber deren kartographische Benutzung würde eine 
nicht geringe Zahl für diesen Zweck ausgeführter Anschürfungen 
erfordern. Die conglomeratischen Bänke sind weder so mächtig, 
noch so ausgebreitet, noch so beständig, um für diesen Zweck ins 
Auge gefasst werden zu können. 

Der obere Buntsandstein scheint einer speciellen Gliederung 
am zugänglichsten zu sein, da er eine Mannichfaltigkeit durchaus 


E. E. Schmid, das ostthiiringisclie Roth. 


95 


verschiedenartiger Gesteine in sich scliliesst, und eine Mehrzahl 
wohlerhaltener Versteinerungen darbietet, während die beiden 
unteren Abtheilungen ausser den Chirotherien- Fährten, den Schalen- 
abdrücken der Gervillia Murchisoni , kaum nennenswerthe organische 
Ueberreste enthalten. 

Zu untersuchen, wie weit dieser Schein der Wahrheit ent- 
spreche, war mir besonders nahe gelegt, weil mir ein ansehnlicher 
Theil desjenigen Gebietes zur Aufnahme anvertraut war, welches 
die besten und desshalb die entscheidenden Aufschlüsse darbietet; 
ich nenne besonders die Blätter Jena, Bürgel, Cahla und 
Blankenhain. 

Diese Untersuchung erhielt unwillkürlich eine grössere Breite 
und ein ferneres Ziel, indem sie sich auf die Gesammtheit der 
Gesteine des ostthüringischen Röth , auf die Verwandschaft der- 
selben unter sich und zu denjenigen des übrigen Buntsandsteins 
ausdehnte. Sie gehörte geraume Zeit zu den stehenden Aufgaben 
des hiesigen mineralogischen Institutes und wurde namentlich von 

o o 

zweien meiner älteren Schüler, Dr. Popp und Dr. Prausnitz mit 
Eifer und Erfolg betrieben. Namentlich verdanke ich diesen 
Beiden die chemischen Analysen einer Anzahl von Röthgesteinen, 
welche im hiesigen agricultur - chemischen Laboratorium unter 

o o 

Leitung von Professor Reiciiardt ausgeführt wurden. 

O o 


GemeogtSieife der Gesteine des ostthüringischen Röth. 

Die grosse Mannichfaltigkeit und Buntscheckigkeit der Ge- 
steine des ostthüringischen Röth beruht nicht sowohl auf einer 
grossen Anzahl verschiedenartiger Gemengtheile, als vielmehr 
auf einer grossen Verschiedenheit der Mengungsverhältnisse von 
wenigen wesentlichen Gemengtheilen , nämlich von thonigen 
Silicaten, dolomitischen Carbonaten, Ferrit, Quarz und Gyps 
mit noch einigen anderen mehr als accessorisch anzusehenden 
Mineralien. 


96 


E. E. Schmid, das ostthüringische Röth. 


I. Silicate. 

Die Silicate sind theils mechanische Trümmer älterer Gesteine, 
theils chemische Zersetzungen und Umwandlungen derselben, theils 
endlich beides zugleich. 

1. Glimmer und seine Abkömmlinge. 

Unter den mechanischen Trümmern sind Glimmerblätter 
die auffälligsten und häufigsten. Viele von ihnen sind von ma- 
kroskopischer Grösse, die meisten jedoch nur von mikroskopischer. 
Die Blattflächen, entsprechend der vollkommenen Spaltungsrichtung 
des Glimmers, sind gewöhnlich glatt und eben, sehr selten gebogen, 
noch seltener, und zwar nur im Falle sehr fester Cämentation des 
Gesteins, flach gefaltet (s. Fig. 8). Der Band zeigt zwar hin 
und wieder, aber nie ringsum geradkantige , d. h. unzweifelhaft 
krystallinische Begrenzung, zumeist jedoch trägt er die Kenn- 
zeichen von Abreibung: und Abbruch an sich. Die abgeriebenen 
Ränder sind uneben und lassen Auflockerung nach der Haupt- 
spaltungsrichtung an mehrfachen, nicht gleichlaufenden Umrissen 
erkennen. Die Abbrüche lassen sich sehr treffend mit Scherben 
dünnen Fensterglases vergleichen, besonders wegen ihrer Schärfe 
und Glätte. Wenn sich Querschnitte darbieten, zeigen sie häufig 
eine Aufblätterung nach der Spaltungsrichtung. Bei Weitem 
die meisten Glimmer sind farblos, aber auch gelbe, braune und 
grüne, jedoch immer blasse Farben treten auf. Bei einiger Inten- 
sität der Färbung fehlt Dichroismus in der dem Glimmer eigen- 
thümlichen Weise nicht. Krystallinische Einschlüsse, gegen deren 
Ursprünglichkeit Nichts einzuwenden ist, sind ebenso selten, als 
eigenthümlich. Bei schwacher Vergrösserung erscheinen sie als 
feine, schwarze, gerade Linien, bei starker erhalten sie deutlich 
doppelte, breite und dunkle Umrisse, innerhalb deren auch im 
polarisirten Lichte und zwischen verdrehbaren Nikols dieselbe Hel- 
ligkeit und Färbung hervortritt, wie ausserhalb. Es liegt daher 
durchaus kein Grund vor, einen Unterschied zwischen Einschluss 
und Umschluss anzunehmen. Sieht man aber demnach die spies- 
sigen Leisten für denselben Glimmer an, wie den Umschluss und 


E. E. Schmid , das ostthüringiscke Röth. 


97 


die breiten Seiten der Leisten ebenso wie diejenigen der sie ein- 
schliessenden Blätter für die Richtung der Hauptspaltbarkeit, so 
passt dazu die Form der ersten nicht. Diese lässt sich wohl noch 
bei dem farblosen Glimmerblatt von Fig. 1 auf bisher bekannt ge- 
wordene Glimmerleisten beziehen, aber nicht mehr bei dem grünen 
Glimmer von Fig. 2. Die Leisten dieses Glimmers verschmälern 
sich stetig und laufen in nadelförmige Spitzen aus. Jedenfalls 
liegt in diesen Vorkommnissen eine Verwachsung von Glimmer 
mit Glimmer vor, aber doch nicht eine gleichartige mit den von 
G. Rose 1 ) beschriebenen. Rose hebt es nachdrücklich hervor, 
dass wenn verschiedenartige Glimmer mit einander verwachsen 
sind, ihre Lage zu einander und zu dem Umschluss eine krystal- 
lographisch bestimmte ist. Beides trifft in den vorliegenden Fällen 
nicht zu, namentlich in dem in Fig. 2 dargestellten unbestimmt 
büschelförmiger Aneinanderlagerung der Einschlüsse. Mitunter 
krystallinisch , gewöhnlich amorph, machen sich gelbbraune, roth- 
braune und opake Ferritumhüllungen und Einlagerungen bemerk- 
bar (s. Fig. 8). Sie zeigen ganz das Verhalten von Eindring- 
lingen, die mit der Wasserführung des ganzen Gesteins Zusammen- 
hängen und von Ausscheidungen, die mit der Zersetzung des 
Glimmers selbst in ursächlichem Zusammenhänge stehen. 

Die Zersetzung der Glimmer kann allerdings deren chemische 
Zusammensetzung durchgreifend verändert und zur Bildung kaolin- 
artiger Substanzen, d. h. wasserhaltiger Thonerde-Silikate geführt 
haben, ohne dass äussere Form und optisches Verhalten es erkennen 
lassen, wie ich 2 ) am Beispiele der kaolinischen Beimengungen zu 
dem mittleren und unteren Buntsandsteine des östlichen Thüringen 
nachgewiesen habe. Dieselbe ist aber auch mit sehr augenfälligen 
Formveränderungen verbunden, welche in der Zusammenziehung 
zu nierförmigen oder traubigen bis oolithischen Massen an der Ober- 
fläche und zwischen den Blätterdurchgängen und im Zerfällen zu 
einzelnen sphärischen Linsen besteht. Die Substanz dieser Um- 


1 ) S. Pogg. Ann. 138, 177 ff. 1869. 

2 ) S. E. E. Schmid, die Kaoline des thüringischen Bundsandsteins in Zeitschr. 
der Deutsch, geol. Ges. Bd. 28, S. 87 ff. 1876. 


7 


98 


E. E. Schmid , das ostthüringische Röth. 


wandlungsformen ist farblos, homogen und einfach brechend 
bis auf eine mitunter eben wahrnehmbare Spur von Aggregat- 
Polarisation. Sie sind scharf- Umrissen und schmal - umsäumt, 
obgleich sie, wie Fig. 6 und 7 zeigen, nicht eben sehr flach -ge- 
wölbte oder in grösserer Breite ebene Oberflächen besitzen. Nicht 
nur nach ihrer Grösse, sondern auch nach ihrem übrigen Habitus 
lassen sie sich in drei Abtheilungen bringen, zwischen denen ein 
stetiger Uebergang nicht stattfinden dürfte. Die erste Abtheilung 
umfasst die nierförmigen Aggregate mit den längsten Krümmungs- 
halbmessern, aber ohne allseitig scharfe Sonderung der einzelnen 
Knollen (s. Fig. 3), die zweite die traubigen Aggregate mit deut- 
licher Sonderung der einzelnen Knollen (s. Fig. 4), die dritte die 
oolithischen Aggregate einzelner sphärisch umgrenzter Linsen 
(s. Fig. 5). 

Die nierförmigen Aggregate lassen sich treffend als Miniatur- 
bilder von Haufwolken ( Cumuli ), wie sie vom aufsteigenden Luft- 
strom unserer heissen Sommertage erzeugt werden, bezeichnen. 
Sie ragen nicht selten, wie es Fig. 3 zeigt, über den Bruchrand 
des Glimmerblättchens hinaus; ob sie schon gebildet waren bevor 
das Blättchen zerbrach, oder ob sie sich auf dem schon abge- 
brochenen Blättchen fortentwickelten über die Grundlagen desselben 
hinaus, muss dahingestellt bleiben. 

Die traubigen Aggregate sind meist dicht geschlossen, indem 
die einzelnen Knöllchen so eng aneinander stossen, dass die wegen 
seitlichen Reflexes unter dem Mikroskope düster erscheinenden 
Fugen zwischen ihnen auf der Grundlage der Glimmerspaltungs- 
fläche, auf der sie auf liegen, ein stumpf polygonales Netz bilden 
und sich erst weiter nach aufwärts selbständig abrunden; dieselben 
haben aber auch häufig theilweise oder ganz — d. h. ringsum — 
freie Ränder; ihr Durchmesser beträgt 0,03 bis 0,015 Millim. 

Die oolithischen Aggregate sind Miniaturbilder der Kalk- und 
Eisen-Oolithe namentlich der letzteren, deren Knöllchen mit den vor- 
liegenden Strukturlosigkeit gemein haben. Der Rand der Knöllchen 
erscheint vollkommen kreisförmig; ihr Durchmesser beträgt 0,005 
bis 0,003 Millimeter. Gewöhnlich liegen auf demselben Glimmer- 
blatt nur einerlei Aggregate nebeneinander wie bei Fig. 4 und 5, 

oo © Ö 7 


E. E. Schmid , das ostthiiringische Roth. 


99 


mitunter auch alle drei Arten derselben bald bis zur Berührung 
zusammengedrängt, bald durch freie Glimmerflächen von einander 
getrennt, wie in Fig. 3. Sie erscheinen auch einzeln von der 
Glimmerunterlage abgelöst. Jedoch machen gerade diese letzteren 
keinen beträchtlichen Theil der lockeren und durch Schlämmen 
nach der Feinheit der Theilchen scheidbaren Silicatgesteine aus. 

Es ist mir aus der Literatur nicht bekannt, dass der eben 
geschilderte Process der Form Veränderung des Glimmers schon 
beachtet worden wäre. Ich kann daher über die Weite seiner 
Bedeutung keine Vermutlmng aussprechen; nur zu der Behauptung 
berechtigen mich meine eigenen Beobachtungen, dass dieselben 
Umsetzungsformen der Glimmer auch im mittleren und unteren 
Buntsandstein Ostthüringens sehr gewöhnliche Erscheinungen sind. 

Das Urtheil über die Stellung, welche die vorliegenden Glimmer 
innerhalb der Glimmergruppe einnehmen, entbehrt einer genügenden 
erfahrungsmässigen Grundlage. Die Glimmerblättchen treten in 
keinem der von mir eingehend geprüften Rö tilgest ei ne für sich 
auf, sondern im Gemenge mit anderen gleich leicht aufschlämm- 
baren Silicaten; dieselben sind so klein, dass ihre optischen 
Charaktere bezüglich der Lage der optischen Axen nicht festge- 
stellt werden können. Die später anzuführenden chemischen Unter- 
suchungen ergeben, dass der eine Theil von ihnen zu den leicht 
aufscliliesslichen Magnesium reichen Glimmern gehört, der andere 
zu den Magnesium armen, schwer oder nicht aufscliliesslichen ; 
keinesfalls sind sie fluorreich, wahrscheinlich fluorfrei. Die Kao- 
linisirung derselben ist nicht soweit vorgeschritten, wie derjenigen 
des mittleren Buntsandsteins, welche bei nahezu gleicher Klarheit 
und Grösse der Blättchen fast ganz in wasserhaltige Thonerde- 
Silicate, also in kaolinische Substanzen übergegangen und technisch 
als solche verwendbar sind. 

Wenn überhaupt die nierförmigen, traubigen und oolithischen 
Aggregate Umwandlungsprodukte des Glimmers sind, an den sie 
sich so innig anschliessen, so liegt die Vermuthung nahe, die 
Umwandlung sei eine kaolinische, d. li. sie bestehe vornehmlich 
in Wegführung von Alkalien und alkalischen Erden mit einem 
Theile der Kieselsäure und Zuführung von Wasser, wenn sie auch 

7 * 


100 


E. E. Schmid , das osttküringische Roth. 


nicht immer zu einem reinen wasserhaltigen Thonerde-Silicate ge- 
führt hat. Diese Vermuthung begründet sich auf die schon mehr- 
fach betonte Analogie mit den Kaolinen des mittleren Buntsand- 
steins und mit ihr stehen die Resultate der chemischen Analyse 
im Einklang. Dieselben Aggregate fielen mir bei der Unter- 
suchung der kaolinischen Gemengtheile und Gesteine des mittleren 
Buntsandsteins allerdings weniger auf, weil sie weniger massenhaft 
und scharf hervortreten, sind jedoch auch in ihnen so weit ver- 
breitet, dass man annehmen darf, sie theilen die Zusammensetzung 
derselben als wasserhaltiger Thonerde-Silicate. Sie gehören aber 
zu den leichter zersetzbaren Modificationen derselben, da sie unter 
dem Rückstand der Digestion eines mergeligen Dolomites mit 
Chlorwasserstoffsäure zwar noch reichlich und wasserhaltend ge- 
funden wurden, dagegen aus dem Rückstände einiger daran reicher 
dolomitischer Mergel nach anhaltender Digestion und wiederholter 
Eindampfung mit Chlorwasserstoffsäure, Aufnahme der gelösten 
Theile durch Wasser und der frei gewordenen Kieselsäure durch 
Sodalösung spurlos verschwunden, während die Glimmerblätter 
selbst nicht eben auffällig vermindert waren. 

Glaukonitische, d. h. wasserhaltige, eisenschüssige, amorphe 
Silicate sind als Verwitterungs-, oder, allgemeiner gesagt, Um- 
setzungsprodukte der Glimmer recht selten zu beobachten. 

Die Glimmer und ihre Abkömmlinge sind durch die Röth- 
Gesteine wohl am weitesten verbreitet und nehmen an ihrer Bildung 
einen ebenso massenhaften als wesentlichen Antheil. 

2. Feldspath und seine Abkömmlinge. 

Gemengtheile, an denen sich nicht nur die krystallographischen 
und physiographischen , sondern auch die chemischen Charaktere 
des Feldspath es nachweisen lassen, kommen im mittleren Bunt- 
sandstein, namentlich in seinen conglomeratischen Entwickelungen 
noch von recht leicht fassbarer Grösse vor, im oberen Buntsand- 
stein erreichen sie nicht mehr makroskopische Grösse. Selbst 
solche rhombisch- oder oblong-tafelförmige oder prismatische Körner, 
wie sie in Figur 10, 11 und 12 dargestellt sind, gehören zu den 
Seltenheiten. Die krystallinische Umgrenzung derselben ist seltener 


E. E. Schmid, das ostthüringische Röth. 


101 


einfach, als durch Vor- und Rücksprünge abgesetzt; ihre Spaltbar- 
keit ist durch Haarspalten oder langgezogene Cav erneu angezeigt; 
ihre bräunliche Farbe löst sich bei stärkster Vergrösseruna: weder 
immer, noch vollständig in Durchstäubung auf; chromatische 
Polarisation ist vorhanden, aber nicht lebhaft und nie in der den 
Viellingen eigenen bandartigen Streifung; auch tritt nicht immer 
zwischen gekreuzten Nikols vollständige Verdunkelung ein. Das 
Verhalten dieser Feldspathkörner ist also ganz dasjenige der 
Ortholdas-Feldspathe alter, mannichfaltigen Umwandlungsprocessen 
ausgesetzter Gesteine. Selbst solche Feldspathkörner, die mit bald 
scharfkantigen, bald weniger oder mehr abgeriebenen Spaltungs- 
stücken Übereinkommen, machen einen beträchtlichen Gemengtheil 
nur weniger Röthgesteine aus. Unregelmässig abgerundete, wohl 
abgeriebene, sehr trübe und nicht deutlich spaltbare Brocken, 
welche sich mindestens sehr wahrscheinlich aufFeldspath beziehen 
lassen, sind häufiger. 

Daran schliessen sich mit ebenfalls sehr grosser Wahrschein- 
lichkeit als Feldspathabkömmlinge dunkle, von vielfach sich 
kreuzenden, unebenen Sprüngen durchzogene, in krümeligem Zer- 
falle begriffene Brocken an, die allmälig in Aggregate sehr kleiner, 
sich von einander lösender Knöllchen übergehen. Sie sind nur an 
ihren äuss ersten , dünnsten Rändern gelblich durchsichtig. Die 
einzelnen Knöllchen (s. Fig. 13) sind sehr klein; ihr Durch- 
messer beträgt nur 0,010 — 0,017 Millimeter; sie sind alle abge- 
rundet, aber ebensowenig sphärisch, als einheitlich; sie haben viel- 
mehr meist deutlich traubige Gestalten und lassen zwischen den 
einzelnen Trauben auch wohl opake Einklemmungen erkennen, 
welche mitunter Aehnliclikeit mit Kernen erhalten. Das V orkommen 
der Kerne ist aber durchaus kein wesentliches und die dadurch 
erzeugte Aehnlichkeit der Knöllchen mit Aggregaten von orga- 
nischen Elementartheilen oder Zellen dürfte eine rein zufällige sein. 
Die Knöllchen brechen das Licht nicht einfach, jedoch so, dass 
sie nicht nur im Ganzen, sondern auch in ihren einzelnen Trauben 
aus optisch verschiedenartig orientirten Theilen bestehen. Die eben 
beschriebenen Aggregate sowohl, als auch die Knöllchen, in welche 
sie zerfallen, sind sehr verbreitet und nehmen einen beträchtlichen 


102 


E. E. Schmid, das ostthüringisclie Roth. 


Antheil an der Bildung: der thonigen Gesteine oder der Letten. 
Aehnliche Formen von Abkömmlingen der Feldspathe, namentlich 
kaolinartiger, sind mehrfach gegeben worden; ohne mich auf eine 
specielle Vergleichung einlassen zu wollen, schliesse ich mit der 
Bemerkung, dass ich mir Mühe gegeben habe, ihre Beschreibung 
und Abbildung naturgetreu zu geben mit Fernhaltung krystallo- 
graphischer oder organologischer Vorurtheile. 

In einem, allerdings günstigen, Falle (Hornstein vom Jenzig 
bei Jena) ergeben die oben beschriebenen Spaltungsstücke noch 
sehr nahe die Zusammensetzung eines trisilicatischen Kali-Natron- 
Feldspathes, in einem anderen sehr analogen Falle dagegen (Horn- 
stein vom Kugelberg bei Calda) fehlten Alkalien gänzlich, war 
aber nur wenig Wasser dafür eingetreten. Die durch Chlor- 
wasserstoffsäure unlöslichen und unaufschliesslichen Theile von 
Letten, Mergeln und Dolomiten bieten häufig Zusammensetzungen, 
die auf Gemenge von Kali- Natron -Feldspath mit Glimmer und 
Kaolin hinweisen, wenn auch der erste wegen sehr feiner Ver- 
theilung mikroskopisch nicht exact nachweisbar ist. 

Ueber die chemischen Verhältnisse der Knöllchenaggregate 
lässt sich nur so viel sagen, dass die Lösungsrückstände, in denen 
sie vorwalten, im Vergleich zu dem gewöhnlichen Kaolin wasserarm 
sind, ihr Wassergehalt schwankt bei fünf Proben zwischen 0,5 °/o 
und 7 %, und dass sie zugleich 7 — 8 °/o Alkalien enthalten, dem- 
nach ihre Stellung zu den Kaolinen schlechthin bedenklich er- 
scheint, vielmehr als ein Zwischenstadium zwischen Feldspath und 
Kaolin zu bezeichnen ist. Im Rückstände einiger mergeliger Letten 
nach anhaltender Digestion mit Chlorwasserstoffsäure und nachher 
Sodalösung erscheinen sie gemengt mit Glimmerblättchen und 
wenigen Feldspath ähnlichen Brocken sehr reichlich und ebensogross 
wie unter den aufgeschlämmten Theilen des Lettens, aber fast ganz 
frei von gelblicher oder bräunlicher Färbung oder Bestäubung und 
zugleich nahe wasserklar. Jedenfalls gehören sie zu den sehr schwer 
zersetzbaren Umwandlungsprodukten des Feldspathes. 

Die Feldspathe und ihre Abkömmlinge stehen hinsichtlich ihrer 
Verbreitung durch die Gesteine des Rothes den Glimmern und 
Quarzen nur wenig nach, treten jedoch viel weniger selbständig auf. 


E. E. Schmid, das ostthüringische Röth. 


103 


3. Mikroschörlit. 4. Mikrozirkon. 5. Mikrolithen. 

Kleine Krystalle, wie sie hin und wieder im mittleren Bunt- 
sandstein Vorkommen, fehlen auch dem oberen nicht. Beispielsweise 
mögen die folgenden Erwähnung finden. 

In dem nach Digestion mit Chlorwasserstoffsäure zurückge- 
bliebenen Rückstände eines thonigen Dolomits vom östlichen Ab- 
hange des Jenzig bei Jena fand ich ein Krystallfragment von 
hexagonalem Habitus und derjenigen Aehnlichkeit mit Turmalin 
(s. Fig. 14), welche mir 1 ) bereits bei Untersuchung der Kaoline 
des mittleren Buntsandstein aufgefallen und von mir als Mikro- 
schörlit benannt worden war, ohne dass damit mehr als die 
Form- Aehnlichkeit behauptet sein sollte. Einige dieser Vorkomm- 
nisse haben später WiCHMANN 2 ) voi’gelegen; dieselben sind von 
ihm als wirkliche Turmaline anerkannt und als authigene Sand- 
gemengtheile in Anspruch genommen worden. 

In demselben Rückstände lagen noch zwei offenbar abgeriebene, 
aber sehr glatte, durch sehr lebhafte chromatische Polarisation 
ausgezeichnete Krystalle von tetragonal - prismatischem Habitus 
(s. Fig. 15), die ich vorläufig wegen ihrer Formenähnlichkeit mit 
Zirkon als Mikrozirkon bezeichne, ohne damit mehr als die 
Möglichkeit, oder auch Wahrscheinlichkeit der Zugehörigkeit zur 
Species Zirkon behaupten zu wollen. 

Demselben Rückstände waren ausserdem noch Bröckchen aus 
gelben, braunen bis opaken Theilen zusammengesetzt, beigemengt, 
die deutliche Doppelbrechung besitzen und gelbe, einfachbrechende 
Kry Stallkörnchen. Die specifische Stellung beider lasse ich dahin 
gestellt sein. 

Die Dünnschliffe der Hornsteine lassen namentlich in der 
Umgebung grösserer Quarzkrystalle und Krystallbrocken , gelbe 
Stäbchen und gelbliche Körnchen erkennen. Die Stäbchen liegen 
oft parallel zu einander und rechtwinklig gegen die Quarzflächen. Ich 
wage nicht, sie mit einer besonderen Mineralspecies zu vergleichen, 
muss sie daher, wie die vorigen, bei den Mikrolithen belassen. 

! ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 28, S. 94, 95, 1876. 

3 ) Neues Jahrb. für Min. 1880, Bd. 2. Briefwechsel S. 2. 


104 


E. E. Schmid, das osttMringisclie Roth. 


II. .Freie Kieselsäure. 

6. Quarz und Chalcedon. 

Die den Gesteinen des Rötli beigemengten Quarze erreichen 
nur selten makroskopische Grösse; sie stellen sich selten als ganze 
Krystalle dar oder auch nur als Bruckstücke von Krystallen, die 
wenigstens zum grösseren Theile ihres Umfangs geradkantig be- 
grenzt sind, sondern in der Mehrzahl der Fälle als lediglich von 
unebenen Bruchflächen umschlossene Brocken. Diese Quarze sind 
von Cavernen durchschwärmt, von denen bei schwacher Ver- 
grösserung die wenigsten sich deutlich öffnen, bei starker Ver- 
grösserung hingegen alle unvollkommen abgerundete Umrisse erhal- 
ten, innerhalb deren Libellen eingeschlossen sind. Die Cavernen 
sind theils scharf- und schmal-, theils breit -umsäumt. Glas ei er, 
sowie vom Bande aus eingestülpte Glasschläuche bieten sich 
häufig genug dar, um die Herkunft der Quarze aus porphyrischen 
Gesteinen wahrscheinlich zu machen. Auch kleine Apatitprismen 
und Mikrolithe fehlen als Einschlüsse in ihnen nicht. 

Neben den Körnern und Brocken ächten d. h. optisch ein- 
heitlich orientirten Quarzes finden sich auch Ausfüllungsmassen 
von optisch confus orientirten, fest miteinander verbundenen Quarz- 
keilen und Flasern oder Chalcedonen, innerhalb deren übrigens 
ebenfalls Cavernen, Apatite und Mikrolithe anftreten. 

Der Umstand, dass die Quarzkörner und Brocken nie quar- 
zitiscli überkrustet sind, erscheint deshalb bemerkens werth, weil 
solche Ueberkrustungen im mittleren Buntsandstein sehr gewöhn- 
lich sind. 

Quarzitische Einstreuungen fehlen nur sehr wenigen Köth- 
gesteinen, namentlich den lettigen ; viele derselben sind reich daran, 
werden dann sandig und gehen in eigentliche Sandsteine über. 

III. Carbonate. 

7. Dolomite. 

Die carbonatisclien Gemengtheile, als Ganzes zusammenge- 
nommen, enthalten stets Calcium und Magnesium zugleich, und 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


105 


zwar oft in so nahe gleichen Aequivalenten, dass man sie danach 
als echte Dolomite zn bezeichnen hätte. Allein sie lösen sich 
bereits in verdünnter und kalter Chlorwasserstoffsäure so rasch auf, 
dass sie wahrscheinlicher mechanische Gemenge, als isomorphe 
Mischungen sind. Gewöhnlich tritt auch Eisencarbonat hinzu, 
welches jedoch meist unter Verfärbung der Gesteine in das Gelbe 
und Braune in Eisenoxydhydrat übergegangen ist. Von Mangan- 
Carbonat sind nur Spuren nachweisbar. Obgleich die carbonati- 
schen Gemengtheile sowohl makroskopisch als auch mikroskopisch 
nur selten krystallographisch bestimmbar sind, so liegt doch kein 
Grund vor, sie einem anderen Krystallsystem , als dem rhomboe- 
drischen unterzuordnen, wofür ja auch der meist hohe Magnesium- 
gehalt spricht, der den rhombischen Carbonaten fern bleibt. Die 
Carbonate walten nicht selten bis zur Selbständigkeit vor; sie 
treten ebenso häutig; bis zum vollständigen Verschwinden zurück. 

8. Malachit. 

Kleine, aber doch makroskopisch deutliche Malachitkörn- 
chen, Rothkupfererzkerne umschli essend, sind seltene Accessorien, 
namentlich der Hornsteine. 

IV. Sulpliate. 

Von Sulphaten nimmt Gyps einen sehr wesentlichen Antheil 
an der Bildung des Röth, Bittersalz und Cölestin einen sehr un- 
bedeutenden. Das erstere stets als secundärer, der zweite nur als 
accessorischer Gemengtheil. 

9. Gyps. 

Der Gyps ist stets krystallinisch, häufig polysynthetisch ent- 
wickelt. Er erscheint jedoch gewöhnlich nur kurz- und schmal- 
späthig, schuppig, oder faserig, seltener breitspäthig, am seltensten 
feinkörnig bis makroskopisch dicht. 

Sein Vorkommen ist ein sehr verbreitetes, theils selbständiges, 
theils an andere Mineralien, namentlich dolomitische Carbonate, 
thonige Silicate und Quarzite gebundenes. 


106 


E. E. Schmid, das ostthüringische Röth. 


10. Bittersalz. 

Die Ausblühung des Bittersalzes an den Gypsfelsen der 
Teufelslöcher bei Jena ist bereits von dem ebenso scharfsinnig 
beobachtenden, als genau beschreibenden Bätsch 1 ) bemerkt und 
festgestellt worden. Wackenroder 2 ) hat dieselbe aus der Ein- 
wirkung des Wassers auf ein Gemenge von Calcium-Sulphat und 
Magnesium - Carbonat erklärt. Enthielte der Gyps das Bittersalz 
als eine ursprüngliche Beimengung, so würde es sich an jeder 
feuchten Gypswand zeigen; das ist aber nicht der Fall, vielmehr 
ist es gerade an den Teufelslöchern mit feinst vertheiltem Dolomit 
gemengt. Das Bittersalz ist ein secundäres Mineral, welches sich 
an der Aussenseite und zwischen den klaffenden Schichtenfugen 
derjenigen Gypswände reichlich ansammeln kann, die gegen Wind 
und Regen einigermaassen geschützt sind. Die Ausblühung ist 
während trockener Sommer und Herbste mitunter so reichlich, 
dass sie den Gypswänden ein schneeweiss - bestäubtes Aussehen 
giebt. Sie besteht übrigens nicht ausschliesslich aus Bittersalz, 
sondern aus einem Gemenge desselben mit Gyps, Dolomit und 
Letten. Eine technische Bedeutung hat sie nicht, wohl aber übt 
der Bittersalzgehalt des Wassers, welches durch dolomitführende 
Gypsfelsen hindurch gegangen ist, gelegentlich einen Einfluss auf 
den Gesundheitszustand der Wohnstätten aus, welche sich solchen 
Wassers für ökonomische Zwecke bedienen müssen. Eine Bitter- 
salzhaltige Quelle, welche aus den Gypsfelsen der Teufelslöcher 
entspringt, hat man zwar als einen Gesundbrunnen gerühmt; die 
Quellen, auf deren Benutzung J ena-Priessnitz bei J ena angewiesen 
ist, wirken dagegen während anhaltend trockner Sommer und 
Herbste entschieden gesundheitswidrig. 

11. Cölestin. 

Von Cölestin finden sich im Röth blos Spuren und zwar 
nur im mittleren Rhizocoralliumdolomit und im Hornstein, welche 

!) Bätsch, Taschenbuch für mineralogische Excursionen in die umliegende 
Gegend von Jena. Weimar 1802. S. 303. 

2 ) Wackenroder, Beiträge zur Kenntniss der Formation des Muschelkalkes 
und des bunten Sandsteins bei Jena. Jena 1830. S. 22 ff. 


E. E. Schmid, das ostthöringisclie Roth. 


107 


am Abhange des Hausberges ziemlich breit, ausstreichen. Diese 
Spuren sind deutlich krystallinisch, namentlich spaltbar, aber doch 
nicht krystallographisch definirbar, blass- bis dunkel fleischroth. 
Im lüiyzocoralliumdolomit treten sie häufiger auf, als im Horn- 
stein. Der erste ist cavernös von resorbirten Muschelschalen, 

und an der Innenseite solcher Cavernen sitzen die Cölestine gruppen- 
weise häufiger auf, als sie in einzelnen Körnchen von der Gesteins- 
masse eingeschlossen sind, wie in den Hornsteinen. Vor dem Lötli- 
rohre decrepitiren sie so heftig, dass es schwer hält, eine Probe 
davon so lange in der Flamme zu erhalten, bis sie ge- 
schmolzen ist und carminroth.es Glühlicht giebt. Mit Natrium- 
carbonat schmelzen sie zu einem weissen hepatischen Email 
zusammen ; in Salpetersäure lösen sie sich sehr langsam und 
schwer auf. Die rothe Färbung ist allerdings den Cölestinen 
nicht gewöhnlich, ist aber von mir Q gerade bei einem aus- 
gezeichneten Cölestinvorkommen in der Trias beobachtet worden, 
nämlich bei dem der untersten Keuperschichten im Salzschachte 
bei Erfurt. 


V. Phosphate. 

12. Apatit. 

Die Beimengung des Apatits ist eine zwar sehr sparsame, 
aber zugleich allgemein verbreitete. Sie ist eine theils selbstän- 
dige, d. h. gleichwerthige mit den übrigen Gemengtheilen und 
dann von wenigstens mikroskopisch ansehnlicher Grösse (s. Fig. 12), 
theils eine den Quarzkörnchen untergeordnete, dann sehr minutiöse. 
Der Apatit erscheint stets iu deutlich hexagonalen, wenn auch 
krystallographisch nicht ins Einzelne definirbaren Krystallen von 
meist gelber bis gelbbrauner, düsterer Farbe, herrührend von fer- 
ritischen Beimengungen; parallel der Hauptaxe sind längliche, die 
äusseren Umrisse mehr oder weniger genau wiederholenden Hohl- 
räume oder Einschlüsse nicht eben selten. 


!) Pogg. Ann. 120, 637 ff. (1863). 


108 


E. E. Schmid, das ostthüringische Röth. 


Der Gehalt an Apatit beträgt nach Maassgabe der später auf- 
zufülirenden chemischen Analysen in den Hornsteinen zwischen 
0,19 °/o und 0,4 °/ 0 , in den Mergeln 0,29% bis 1,187%, in den 
Dolomiten etwa 1,58%. 

VI. Chloride. 

13. Steinsalz. 

Wie den mittleren, so darf man auch den oberen Buntsand- 
stein Ostthüringens nicht zu den Salz führenden Formationsgliedern 
der Triasgruppe zählen, die man im Uebrigen als das Salzgebirge 
zu bezeichnen für gut befunden hat. 

Steinsalz selbst ist im thüringischen Röth noch nicht auf- 
gefunden worden, auch wird sein Vorkommen durch einen mehr 
als gewönlichen Salzgehalt der aus ihm entspringenden Quellen 
nicht angezeigt, sondern nur durch verzogene cubische Hervor- 
ragungen über die Schichtflächen gypsführender Sandsteine, welche 
die charakteristischen Eigentümlichkeiten der Chlornatrium -Kry- 
stalle an sich tragen, in welchen man 1 ) desshalb Afterkrystalle von 
Steinsalz anerkennt. Ich habe ausser der einen schon vor langer 
Zeit von mir 2 ) beschriebenen Fundstätte dieser sogenannten kry- 
stallisirten Sandsteine am Hausberge, da wo sich der Oberweg 
von Jena nach Ziegenhain mit einer breiten Regenfurche kreuzt, 
einen weiteren aus der Umgebung von Jena nicht namhaft zu 
machen. Wohl aber hat Speyer 3 ) schwache Sandsteinschichten 
mit der gleichen Steinsalz - Pseudomorphosen den Röthmergeln 
zwischen Freiburg a. U. , Donndorf und Querfurt eingelagert ge- 
funden. 

VII. Oxyde und Oxydhydrate. 

14. Ferrit. 

Obgleich die sehr oft tiefrothe Farbe des Röth lediglich von 
beigemengten Eisenoxyd und Eisenoxydhydraten, mitunter wohl 

J ) S. Zenker, Historisch- topographisches Taschenbuch v. Jena. 

2 ) S. Schmid und Schleiden, die geognostischen Verhältnisse des Saalthaies 
bei Jena. 3, 12. 

3 ) Zeitschr. d. Deutsch, gool. Ges. Bd. 29, S. 205. (1877). 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


109 


auch etwas Eisenoxydoxydul, also Roth-, Brauu- und Magnet- 
eisenstein, die unter dem Namen Ferrit zusammengefasst werden 
sollen, herrührt, so zeigt sie doch nicht sowohl einen hohen Gehalt, 
als vielmehr eine sehr feine Vertheilung an. 

Grössere Anhäufungen von reinem Ferrit fehlen gauz; die- 
selben erreichen nicht einmal makroskopische Grösse und stellen 
sich unter dem Mikroskop vorzugsweise als Durchstäubung und 
Trübung, oft von kaum körnig-auflösbarer Feinheit dar. Roth- 
eisenstein erweist sich überall als primärer Gemengtheil; Braun- 
eisenstein dürfte meist als ein Verwitterungsprodukt eisenschüssiger 
Carbonate anzusehen sein; auf Magneteisenstein werden wohl die 
opaken Ein- und Umlagerungen des Glimmers zu beziehen sein. 

15. Rothkupfererz. 

Die dunkeln Kerne der Malachiteinschlüsse in den Horn- 
steinen sind so klein und selten, dass nur wenige Versuche mit 
ihnen angestellt werden konnten. Vor dem Löthrohr lassen sie 
sich zu Kupfer reduciren; sie geben nur schwache, ja nicht ein- 
mal deutliche Schwefel -Reactioneu; sie sind weder milde noch 
glänzend; ihr Strich ist rothbraun. Ihr Verhalten stimmt demnach 
mit dem des Rothkupfererzes überein, dem mitunter etwas Kupfer- 
glanz beigemengt ist. 


VIII. Smlpliide. 

16. Schwefelkies. 17. Kupferkies. 18. Kupferglanz. 

19. Bleiglanz. 

Wie die Erzführung für die thüringischen Trias überhaupt, 
so ist sie im Besouderen für das Röth und namentlich in Bezug 
auf die Sulphide ohne allen Belang. 

In den dolomitischen und quarzitischen Gesteinen des Röth, 
auch im Gyps 1 ) finden sich mitunter Körnchen von Schwefel- 
kies, Kupferkies, Bleiglanz, wohl auch Kupferglanz, als 
Grundlage der Rothkupfererz- und Malachiteinschlüsse. 

x ) Siehe Bätsch, Taschenbuch für mineralogische Excursionen in die um- 
liegende Gegend von Jena. S. 289. 1802. 


110 


E. E. Schmid, das ostthüringisehe Rötli. 


IX. Schwefel. 

20 . 

Der scharf beobachtende und durchaus zuverlässige Bätsch 1 ) 
beschreibt ein von befreundeter Hand an der vorderen Seite des 
Hausberges bei Jena gefundenes Gyps - Rollstück , an welchem 
Schwefel in einer etwa 2 / 3 Zoll breiten und Vs Zoll dicken Masse 
theils an-, theils auflas: und Oebt von ihm eine völlig; exacte Be- 

J 00 O 

Stimmung. Dieser Fund geht jedoch bis auf den Anfang dieses 
Jahrhunderts zurück und hat sich seitdem nicht wiederholt. Ich 
halte ihn für authentisch, um so mehr, als er keine neue Mineral- 
aggregation betrifft. 


X. Bituminöse Kohle. 

21. Gagat. 

Zu derjenigen Modification von bituminöser Kohle, welche 
man Gagat nennt, stellt Bätsch 2 ) einen von ihm selbst im Thon 
zwischen den Gypsschichten an den Teufelslöchern bei Jena ge- 
fundenen, nicht über 2 Linien langen und 1 Linie dicken Brocken 
einer schwarzen, etwas milden, auf frischem Bruche harzglänzenden, 
mit bituminösem Geruch verbrennlichen Substanz. Obgleich sich 
dieses Vorkommen seit dem Jahre 1796 nicht wiederholt hat, so 
liegt durchaus kein Grund vor, ihn anzuzweifeln. Nach Batsch’s 
Beschreibung war er demjenigen sehr ähnlich, den ich 3 ) zu Anfang 
der 40 er Jahre wiederholt aus dem untersten Muschelkalke der 
Cölestingruben von Wogau bei Jena erhielt, und in dessen Rück- 
stände nach andauernder Auslaugung mit Ammoniak Schleiden 4 ) 
eine Mannichfaltigkeit von wohlerhaltenen gymnospermen und 


*) Bätsch, Taschenbuch, für mineralogische Excursionen in die umliegende 
Gegend von Jena. S. 298 (1802). 

2 ) Bätsch, Taschenbuch für mineralogische Excursionen in die umliegende 
Gegend von Jena. S. 299 — 301 (1802). 

3 ) E. E. Schmid und Schleiden , die geognostischen Verhältnisse des Saal- 
thales bei Jena. S. 19 (1846). 

4 ) E. E. Schmid und Schleiden, die geognostischen Verhältnisse des Saal- 
thales bei Jena. S. 67, Taf. V, Fig. 1 — 17. 


E. E. Schmid , das ostthüringische Roth. 


111 


dikötyledonisclien Pflanzenresten entdeckte. Auch diese Fundgrube 
schien erschöpft zu sein, hat aber in neuester Zeit wieder etwas 
ergeben, zufolge des Aufschwungs, den die Cölestingräberei während 
des letztvergangenen Jahres genommen hat. 

22. Bitumen. 

Die dunkele Farbe mancher, namentlich lettiger Röthgesteine 
rührt von bituminösen Beimengungen her, die sich jedoch nicht, 
weder in makroskopisch, noch in mikroskopisch selbständigen 
F ormen darbieten . 

Schluss. 

Von den Gemengtheilen des Röthes ist mit Ausnahme der 
Sulphate keiner dem mittleren und unteren Buntsandstein fremd. 
Zugleich fehlt dem Röth keiner der Gemengtheile des mittleren 
und und unteren Buntsandsteins, wenn man von den Conglomeraten 
absieht, die aber auch im letzteren zu den Seltenheiten gehören. 
Aber das Menguugsverhältniss ist ein wesentlich anderes. 


Die Gesteine des ostthüringischen Röthes. 

Das ostthüringische Röth ist im Wesentlichen ein Mergel- 
gebilde mit untergeordnetem Gyps. Die Mergel aber sind sehr 
mannichfaltige und wechselnde Gemenge von thonigen Silicaten 
und dolomitischen Carbouaten mit Quarz und gehen durch Vor- 
walten und Zurücktreten der einzelnen Gemengtheile in schieferige 
Thone — Letten — , Dolomite, Quarzsandsteine und 
Ho rn st eine über. Die Gypse stellen sich zwar auch ganz rein 
dar, gewöhnlich aber im Gemenge mit thonigen Silicaten und 
dolomitischen Carbouaten. 


[. Mergel. 

Die Mergel sind weich, d. h. der Zusammenhalt ihrer Ge- 
mengtheile ist so schwach, dass er meist schon durch Reiben mit 


112 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


dem Fingernagel aufgehoben wird; dieselben sind im trocknen 
Zustande bröcklich, im feuchten zäh bis plastisch. Ihr Bruch ist 
glatt bis erdig, eben bis flachmuschelig ins Unebene. Sie fühlen 
sich seltener rauh, häufiger fettig an und werden, mit einem 
harten Gegenstände gerieben, seltener matt, häufiger glänzend. 
Ihre Fai’be ist vorwaltend ziegelroth, geht aber durch fast alle 
Zwischenstufen in licht- grau, -bläulich oder -grünlich über; sie 
wechselt vielfach, bald mit scharfen, bald mit verwaschenen Grenzen, 
sowohl Schicht- als Fleckenweise; die Flecken entwickeln sich 
sowohl innerhalb einzelner Schichten, als auch stärkerer Schicht- 
complexe. 

Ihre Schieferung' ist meist sehr dünn und erzeugt verbunden 
mit ihrer Schwindung beim Austrocknen einen hohen Grad von 
Bröcklichkeit. 

Wasser saugen sie meist sehr begierig auf, werden damit zu- 
erst schlüpferig , quellen dann auf und zerweichen oft von selbst, 
stets unter Nachhülfe sehr mässigen Druckes zu plastischem Teige, 
der sich in Wasser, besonders heissem zum grössten Theil bis 
vollständig aufschwämmen lässt, aber nach tagelanger Ruhe wieder 
vollkommen absetzt. Der wieder abgesetzte Teig zieht sich wäh- 
rend des Austrocknens wieder stark zusammen und zerreisst. da- 
bei in polygonale Stücke. Dem entspricht das Verhalten der 
Mergel beim Wetterwechsel im Freien. Nach anhaltender Nässe 
bilden sie einen weichen, glitschigen Boden, nach anhaltender 
Trockenheit einen harten, von vielen Rissen , in welche der Stock 
oft fusstief einsinkt, durchzogenen oder mit leicht beweglichen 
Bröckchen überschütteten Boden. 

Wasser nimmt zugleich aus den Mergeln eine bald grössere, 
bald geringere Menge von Calciumsulphat und eine stets schwache 
Spur von Chlornatrium auf. 

Unter Chlorwasserstoffsäure entwickeln die Mergel, auch ohne 
vorherige Erwärmung, Kohlensäure. Aber dabei werden nicht nur 
die Carbonate, sondern auch ein Theil der Silicate zersetzt, Ferrite 
und Apatite gelöst. 

Wendet man concentrirte Chlorwasserstoffsäure an, dampft 
langsam und wiederholt bis zur Trockniss ein, und nimmt wiederum 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


113 


mit verdünnter Salzsäure auf, so enthält die Lösung ausser Kalk- 
und Talkerde mit etwas Eisenoxydul auch reichlich Eisenoxyd mit 
etwas Manganoxyd und Thonerde mit etwas Kali und Natron. 
Der ungelöste Rückstand ist stets sehr licht -grünlich, -bläulich 
oder -grau. Er enthält neben unzersetzten Silicaten und Quarz 
auch freie Kieselsäure, die von Sodalösung aufgenommen wird. 
Diese letztere gehört selbstverständlich den durch Chlorwasser- 
stoffsäure aufschliesslichen Silicaten an. 

Als Beispiele von dolomitischer bis lettiger Beschaffenheit der 
Mergel wurden drei makroskopisch homogene, glatt, flachmuschelig 
bis eben brechende Proben ins Einzelne untersucht, nämlich : 

1) eine lichtgrünlich graue, kaum fettig anzufühlende, beim 
Reiben mit einem Polirstahl mattwerdende ; sie stammt vom west- 
lichen Abhange des Jenzigs bei Jena; 

2) eine dunkelziegelrothe , nicht fettig anzufühlende, beim 
Reiben mit dem Polirstahl mattwerdende, ebenfalls vom west- 
lichen Abhange des Jenzigs bei Jena; 

3) eine grünlichgraue, fettig anzufühlende, beim Reiben mit 
einem Polirstahl glänzend werdende, vom Abhange des Kugelberges 
über Gumperda bei Cahla. 

Alle drei Proben enthalten lufttrocken einige (2 — 5) Procente 
Wasser, die sie bei Erwärmung bis 100° C. verlieren. Wasser 
saugen sie gleich schnell und gleich reichlich auf und zerweiclien 
bei gewöhnlicher Temperatur langsam, bei Siedehitze schneller, 
jedoch nicht ohne Nachhülfe eines leichten Druckes,' etwa zuletzt 
mittels eines hölzernen Pistills, zu einem gleichförmigen Teige, 
der weder unaufschlämmbare, noch schwebende Theile enthält, 
d. h. sich mit den massig bewegten Wasser ohne Rückstand hebt, 
aus ihm aber nach etwa 24 stündiger Ruhe wieder vollständig 
absetzt. 

Was sich zuerst absetzt, besteht aus einem Gemenge der 
oben beschriebenen Knöllchenafferreffate und Knöllchen mit 
G 1 i m m e r b lättchen und den ihnen anhaftenden nierförmigen, 
traubigen und oolithis chen Aggregaten, so zwar, dass die 
ersteren vor den zweiten sehr vorwalten. Bröckchen, die man mit 
einiger Sicherheit als Felds pathtr (immer deuten könnte, sind 


114 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


Seltenheiten; Spuren von Quarz konnten nur in der ersten Probe 
erkannt werden. Apatitprismen finden sich sehr wenige. Gelb- 
braune, rothbraune, bis opake Ferrite in selbständigen Formen 
machen sich nicht bemerklich; ihr Vorkommen ist auf Körnchen, 
Flöckchen und griesige bis staubige Einlagerung und nahe’ gleich- 
massige Durchstäubung beschränkt; in der ersten Pi’obe und über- 
haupt in den lichten Gesteinen fehlen sie fast gänzlich, in der 
dritten Probe und überhaupt in den dunkelrothen Gesteinen sind 
sie auffällig. Welchen Antheil die Carbo nate an dem Gemenge 
auch der gröbsten Tlieile nehmen, bleibt auch bei mikroskopischer 
Betrachtung unentschieden. Lässt man Chlorwasserstoffsäure unter 
dem Mikroskope einwirken, so stellen sich, scheinbar plötzlich, 
sogleich grössere Gasblasen ein, ohne dass man erkennen könnte, 
von welchen Theilen sie ausgehen. Der Rückstand nach Digestion 
des Aufgeschlämmten mit verdünnter Chlorwasserstoffsäure bis zur 
Austreibung der Kohlensäure unterscheidet sich mikroskopisch 
nicht wesentlich von dem Aufgeschlämmten selbst. Hat man das 
Aufgeschlämmte wiederholt mit concentrirter Chlorwasserstoffsäure 
eingedampft, das gelöste mit Wasser aufgenommen und die frei 
gewordene Kieselsäure durch Digestion mit Sodalösung entfernt, 
so besteht der Rückstand aus Glimmerblättchen, Knöllchen- 
aggregaten und Knöllchen, die jedoch völlig farblos und klar 
geworden sind. Die Glimmerblätter sind jedoch entschieden ver- 
kleinert und die nierförmigen, traubigen und oolithischen, ihnen vor 
der Digestion anhaftenden Aggregate fast spurlos verschwunden. 

Die später sinkenden, feineren Theile des Aufgeschlämmten 
unterscheiden sich von den zuerst sinkenden, gröberen Theilen 
nicht durch andere Formen, sondern nur durch weitere Verthei- 
lung und Verkleinerung der Glimmerblätter, durch Abtrennung 

O O j o 

der nierförmigen u. s. w. Aggregate von ihnen, sowie durch Ver- 
einzelung der Knöllchen. 

Die Resultate der Gesammtanalysen der bezeichneten drei 
Mergelproben sind unter No. 3, 4 und 5 der nach der Be- 
schreibung der Hornsteine eingeschalteten Tabelle I zusammen- 
gestellt. Sie stimmen unter sich ziemlich nahe überein, begründen 
ein günstiges Urtheil über den Werth der Rötlnnergel bei der 


E. E. Schmid , das osttliüringiscbe Röth. 


115 


Bodenbildung, stehen aber zu den Resultaten der mikroskopischen 
Analysen noch nicht in einer bestimmten Beziehung. Eine solche 
wird erst durch Hinzunahme der Partialanalysen mittels Chlor- 
wasserstoffsäure vermittelt, wie es dieselben Nummern der Tabelle II 
zeigen. Aus derselben ersieht man zuerst, dass von einer durch 
die ganze Reihe der Mergel übereinstimmend hindurchgehenden 
isomorphen Mischung von Calcium- und Magnesium - Carbonat 
nicht die Rede sein kann, und findet in Uebereinstimmuug mit 
der leichten Zersetzbarkeit durch Chlorwasserstoffsäure, die An- 
nahme einer bloss mechanischen Mischung zwischen beiden Carbo- 
naten als die wahrscheinlichere begründet. Auf die in Chlor- 
wasserstoffsäure aufschliesslichen Silicate entfällt ein nicht unbe- 
trächtlicher Theil der Talkerde, ein ansehnlicher Theil der Alkalien 
und des Wassers. Qualität und Quantität der dazu gehörigen 
Elemente gestatten sehr wohl, diese Silicate als ein Gemenge von 
Glimmern wahrscheinlich der Biotit reihe mit Kaolin - 
artigen Abkömmlingen derselben aufzufassen. Zu den 
letzten würden namentlich die nierförmigen , traubigen und ooli- 
thischen Aggregate zu stellen sein, welche demnach als Glimmer- 
kaoline zu bezeichnen sein würden. Die in Chlorwasserstoff- 
säure nicht aufschliesslichen Silicate enthalten sehr wenig Kalkerde, 
wenig Talkerde , aber mehr als drei Viertheile des Alkaligehaltes 
und einen ansehnlichen Theil des Eisenoxydes. Qualität und 
Quantität der zugehörigen Elemente weisen auf ein Gemenge von 
trisili catisclien Feldspath, mit einem minder Kieselsäure- 
reichen Silicate, etwa einem Gliede der Glimmerreihe und mit Kaolin- 
artigen Abkömmlingen derselben namentlich der Feldspathe hin. 
Auf diese Letzten sind wohl die Knöllchen und Knöllchenaggre- 
gate zu beziehen, deren gegen die Kaoline der aufschliesslichen 
Silicate scharf contrastirende Form einen anderen Ursprung be- 
dingt; — und welcher wäre dann wahrscheinlicher, als der aus 
Feldspath? Bezeichnet man die Knöllchen und ihre Aggregate 
als Felds pathkaoline, so hat man mindestens einen hohen 
Grad von Wahrscheinlichkeit für sich. 

Als selbständig auftretendes Eisenoxyd ist das in der Chlor- 
wasserstoffsäurelösung enthaltene Eisen genommen. Diese An- 

8 * 


116 


E. E. Schmid , das ostthüringisclie Roth. 


nähme ist eher zu hoch, als zu niedrig, da etwas davon auch 
dem leicht aufschliesslichen Glimmer angehören kann. Indem ich 
bisher stets von Ferrit gesprochen habe, meine ich damit, dass 
neben Eisenoxyd, wohl auch Eisenoxydhydrat auftreten 
mag, wie sich aus der oft braunen Färbung der Ferritein- 
lagerungen ergiebt. 

Das vorkommende Eisenoxydul kann ebensowohl den Carbo- 
naten, wie den leicht aufschliesslichen Silicaten angehören. Ohne 
darüber entscheiden zu können und zu wollen, habe ich der Ein- 
fachheit wegen zur Sättigung der Kohlensäure nur Kalk- und 
Talkerde verrechnet. 

Die Angabe der Procentzahlen für Apatit und Gyps beruht auf 
der Bestimmung des Phosphorsäure- und Schwefelsäuregehaltes unter 
Zutheilung der erforderlichen Menge von Kalkerde und Wasser. 

Die Carbonatreichen Mergel enthalten sehr selten, die Thon- 
reichen nie organische Ueberreste. 


II. Letten. 

Zwischen Mergel und Letten ist eine scharfe Grenze nicht 
zu ziehen. Die Mergel gehen mit allmäliger Abnahme des 
Carbonatgehaltes fast stetig in die Letten über. Diese Letzten 
sind recht weich, brechen fein erdig bis glatt, eben bis flach- 
muschelig, werden beim Reiben mit einem harten glatten Körper 
glänzend und fühlen sich fettig an. Schon im trocknen Zustande 
sind sie zähe, im nassen plastisch, plastischer als die Mergel. 
Ihre Farbe ist vorwaltend grau ins Grüne, Blaue und Rothe, 
seltener ziegelroth, verhält sich aber übrigens wie diejenige der 
Mergel. 

Ihre Schieferung ist dünner, als diejenige der Mergel, und 
nicht in gleichem Grade mit Bröcklichkeit verbunden. 

Die Letten saugen Wasser noch begieriger auf, als die Mergel, 
werden noch schlüpfriger und quellen stärker auf, zerweichen aber 
doch nicht so leicht, und zergehen auch nach längerer Erwärmung 
bis zum Sieden ohne nachhelfenden Druck nicht zu einem gleich- 
förmigen Teig. Beim Schlämmen und beim Witterungswechsel im 
Freien verhalten sie sich fast ebenso, wie die Mergel. 


E. E. Schmid , das ostthüringische Roth. 


117 


Wasser entzieht den Letten nach anhaltender Digestion nur 
Spuren von Calciumsulphat und Chlornatrium. 

Unter Chlorwasserstoffsäure entwickeln sie wenig bis keine 
Kohlensäure; im Uebrigen verhalten sie sich wie die Mergel. 

Als ein typisches Beispiel wurde ein dunkelröthlich grauer 
Letten vom Abhange des Kugelberges über Gumperda bei Cahla 
untersucht. 

Durch anhaltende Digestion mit Wasser und Zerdrücken 
mittels eines hölzernen Pistills wird er in einen zähen Teig über- 
geführt, welcher sich vollständig aufschlämmen lässt und aus dem 
Wasser nach eintägiger Ruhe wieder vollständig absetzt. 

Die mikroskopische Analyse des Aufgeschlämmten führt, wie 
es nicht anders zu erwarten ist, zu denselben Resultaten, welche 
die Mergel ergeben haben; der Unterschied zwischen den Mergeln 
und den Letten liegt eben allein im Carbonatgehalte der ersten, 
und die Carbonate sind mikroskopisch nicht bemerkbar; Quarz- 
körnchen sind nicht nachweisbar. 

Die chemischen Gesammt- und Partialanalysen dieses Lettens 
sind unter No. 6 der nach der Beschreibung der Hornsteine ein- 
geschalteten Tabellen aufgeführt. Der durch Chlorwasserstoffsäure 
aufschliessliche Tlieil der Silicate bietet die Bestandteile eines 
Magnesiaglimmers dar mit einem Ueberschusse von Eisenoxyd, 
könnte also als ein Gemenge von Glimmer und Ferrit aufge- 
fasst werden; ein kaolinischer Gemengt heil ist jedoch da- 
durch nicht ausgeschlossen. Der durch Chlorwasserstoffsäure nicht 
aufschliessliche Theil der Silicate kann auf ein Gemenge von tri- 
si 1 i catischem Kalifeldspath, Kaliglimmer und Kaolin 
berechnet werden. Die Berechnung beider Theile kann jedoch 
ohne willkürlich eingeschobene Hypothesen nicht ausgeführt werden. 

Der Gehalt an Apatit und Gyps ist ebenso berechnet wie 
bei den Mergeln. 

Von organischen Ueberresten sind die Letten frei. 


III. Tlionige Dolomite. 

Wie die Mergel bei abnehmendem Carbonatgehalt in die 
Letten übergehen, so bei zunehmenden in die Dolomite. Manche 


118 


E. E. Schmid , das ostthüringische Roth. 


Mengungsverhältnisse zwischen Carbonat und Silicat nehmen jedoch 
desshalb eine gewisse Selbständigkeit in Anspruch, weil sie 
nicht mehr mit dem Vermögen der mechanischen Aufsaugung: des 
Wassers und des Erweichens im Wasser verbunden sind, sondern 
bei makroskopischer Homogene'ität einen höheren Härtegrad be- 
dingen und noch keine Spur von krystallinischer Körnigkeit er- 
kennen lassen, vielmehr völlig dicht sind. Ich bezeichne sie als 
thonige Dolomite, ohne mich ausführlich darüber zu recht- 
fertigen, wesshalb ich die z. B. von Kenngott *) aufgeführten 
Namen »verhärtete Mergel, Steinmergel, Mergelsteine«, die ohne 
Zweifel darauf angewendet werden dürften, zur Seite schiebe; in- 
sonderheit den auch neuerdings von fränkischen Geologen mehr- 
fach auf Keupergesteine bezogenen Namen Steinmergel halte ich 
eben für sprachwidrig. Mögen die Resultate der Untersuchung 
von zwei solcher thonigen Dolomite hier eine Stelle finden. 

Die eine Probe entstammt dem oberen Röth am östlichen 
Abhange des Jenzigs bei Jena und zeichnet sich nicht nur durch 
feine, oft mehr als 0,2 Meter betragende Mächtigkeit aus, sondern 
auch durch seinen Reichthum an organischen Ueberresten, nament- 
lich dicht an einander gedrängten Abdrücken einer kleinen Corbula- 
art und sparsam dazwischen vertheilten der Myophoria costata Zenk, 
Fischschuppen und Zähnen, meist zerbrochenen, auch Pflanzen- 
abdrücken. 

Das Gestein ist grau mit grünen von Malachit herrührenden 
Flecken, sehr cavernös von resorbirten Muschelschalen. Von 
Chlorwasserstoffsäure wird es schon in der Kälte angegriffen, bei 
Erwärmung rasch gelöst bis auf einen mässigen Rest. In der 
Lösung sind ausser 

Kalkerde 30,3 °/o 
Talkerde 22,6 °/o 

durch welche die vorhandene Kohlensäure gerade zu: 

Calcium - Carbonat 47,8 °/o 

Magnesium -Carbonat 39,1 °/o — 


B Kenngott, Elemente der Petrographie 1868, S. 215. 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


119 


gesättigt wird, viel Thonerde, wenig Eisenoxyd u. A. übergangen. 
Der ungelöste Rest beträgt 9,9 °/o ; im nassen Zustande schlüpfrig 
bis schleimig, trocknet er zu einem staubigen Pulver ein, welches 
unter dem Mikroskope als ein Gemenge von Glimmerblättchen 
und Quarz körne hen mit wenigen anderen Krystallbrocken 
besteht. Der Glimmer ist theils breit-, theils schmalblätterig, mit 
schuppig abgeriebenen oder scharf abgebrochenen Rändern, farb- 
los bis blassgrün ; zwischen den Blätterdurchgängen sind mit- 
unter schmale Leisten, häufig nierförmige, traubige und oolithische 
Aggregate eingelagert. Die schmalen Leisten (s. Fig. 1) erscheinen 
bei schwacher und mittlerer Vergrösserung als feine schwarze 
Linien und Nadeln und zeigen erst bei starker Vergrösserung 
zwischen scharfen dunkeln Umrissen klare Zwischenräume, die 
sich optisch ganz gleich verhalten, mit dem umgebenden Glimmer. 
Die nierförmigen, traubigen und oolithischen Aggregate 
(s. Fig. 6 und 7) gleichen in Allem den bereits besprochenen 
Glimmerkaolinen. Der Quarz ist kleinbröckelig; er umschliesst 
zahlreiche aber sehr kleine Cavernen. Die Krystallbrocken sind 
theils doppelbrechende farblose, gelbe, braune bis opake Aggregate, 
theils einfachbrechende Körnchen, zwischen denen als Seltenheiten 
die oben beschriebenen Mikros chörlite (Fig. 14) und Mikro- 
zirkone (Fig. 15) Vorkommen. 

Eine andere Probe stand am Gehänge über der Unstrutaue 
zwischen Nebra und Metzendorf an. Ich nahm sie in Begleitung 
mehrerer geologischer Fachgenossen auf, von denen sie bestimmt 
als Thonquarz, von dem nachher die Rede sein soll, in Anspruch 
genommen wurde. Dieselbe bricht splitterig; die Bruchfläche ist 
feinkörnig und schimmert schwach. Ihre Dichte beträgt 2,82. 
Sie ist makroskopisch homogen und schwerer ritzbar, als die ge- 
wöhnlichen Kalksteine. Unter verdünnter kalter Chlorwasserstofl- 
säure braust sie stark und anhaltend auf und löst sich bis auf 
einen geringen Rest. Die Auflösung enthält neben Thonerde, 
Eisenoxyd und Alkalien 30,3 °/o Kalkerde und 22,6 °/o Talkerde, 
das Gestein also muthmaasslich : 

Calcium- Carbonate 64,1 °/o 
Magnesium -Carbonate 24,9 °/o — 


120 


E. E. Schm td , das ostthüringische Roth. 


kann also nach diesem Mischungsverhältniss bereits als ein Dolo- 
mit und zwar als ein dichter Dolomit angesehen werden. Der 
unlösliche Rest beträgt 1,1 °/o, ist schmutzig weiss, schlämmt sich 
leicht und vollständig auf und erhält sich lange schwebend. Unter 
dem Mikroskope zeigt er erst bei mittlerer Vergrösserung deut- 
liche Einzelformen, nämlich abgerundete, klare, dunkele, aber scharf 
umsäumte Blättchen, die auf zerfallenen Glimmer hinweisen. 

Das Gestein umschliesst nur undeutliche Spuren von organi- 
schen Ueberresten. 


IV. Dolomite. 

Die Carbonate des Röth treten nicht in gleichem Maasse 
selbständig auf, wie die thonigen Silicate, vielmehr sind sie in 
qualitativ, wie quantitativ mannichfaltiger Weise mit thonigen 
Silicaten, Ferriten, Quarz und Chalcedon, auch Gyps gemengt. 
Sie enthalten stets Calcium und Magnesium nach nahe gleichem 
Aequivalentverhältnissen neben einander, während das Eisen nur 
untergeordnet auftritt, auch häufig unter Bildung von Eisenoxyd- 
hydrat aus dem Carbonat ausgeschieden ist; sie sind auch meist 
krystallinischkörnig , wenn auch äusserst feinkörnig entwickelt; 
insofern bezeichnet man sie mit Fug und Recht als Dolomite. 
Allein sie lösen sich, worauf schon wiedei'holt aufmerksam ge- 
macht wurde, bereits bei gewöhnlicher Temperatur in massig con- 
centrirter Chlorwasserstoffsäure so leicht und vollständig auf, dass 
man geneigt wird, sie eher für mechanische Gemenge, als für 
isomorphe Mischungen zu halten. 

Diese Dolomite haben vorwaltend graue, in das Gelbliche, 
Röthliche und Bräunliche übergehende Farben; sie sind schwer 
zersprengbar und brechen in feinkörnigen, rauhen bis unebenen 
Flächen. Makroskopisch erscheinen sie homogen mit Einschlüssen 
von Gypslamellen , Cölestin- und Bleiglanzkörnchen , seltener 
Quarzbröckchen und Glimmerblättchen. Cavernen sind häufig; 
sie rühren gewöhnlich von resorbirten Muschelschalen her. 

In Chlorwasserstoffsäure löst sich ihr carbonatischer Antheil 
— wie bereits bemerkt — leicht auf, der silicatische wird durch 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


121 


Eindampfen mit concentrirter Chlorwasserstoffsäure wenig ange- 
griffen. 

Zur detaillirten Untersuchung wurden zwei homogene ver- 
steinerungsreiche, namentlich das Relief von Rhizocorallium jenense 
tragende Gesteine, das eine vom Abhange des Kugelberges, über 
Gumperda bei Cahla, das andere vom westlichen Abhange des 
Jenzigs bei Jena ausgesucht. Die Resultate der chemishen Ana- 
lyse sind in den der Beschreibung der Hornsteine nachfolgenden 
Tabellen I und II aufgeführt, jedoch vollständig nur für das Vor- 
kommen vom Jenzig. Die Partialanalyse deutet auf Glimmer 
und kaolinische Glimmerabkömmlinge als die in Chlor- 
wasserstoffsäure aufschliessliehen Silicate, auf Quarz, Feldspat h 
und kaolinische Fe 1 dsp athabkömmlinge, als die in 
Chlorwasserstoffsäure nicht aufschliessliehen Silicate. Damit steht 
die mikroskopische Analyse der in Chlorwasserstoffsäure unlös- 
lichen Reste im Einklang; sie lässt keine anderen, als die in den 
Mergeln vorkommenden Formelemente wahrnehmen. 

Die Dolomite sind dem Röth in einzelnen Schichten bis zu 
10 Centimeter Mächtigkeit untergeordnet, die häufig sehr weit, 
aber nie beständig fortstreichen. Sie zeigen deutlich concorclante 
Schieferung, werden aber rechtwinkelig gegen die Schichtung noch 
deutlicher von Klüften durchsetzt, und dadurch bei der Verwitterung 
häufig in oblonge Tafeln und Prismen abgetheilt. Durch Anschlägen 
lassen sie sich weit leichter nach der Klüftung, als nach der 
Schieferung trennen. Parallel der Klüftung, aber nicht ausschliess- 
lich in Richtung derselben ziehen sich namentlich am Hausberge 
bei Jena späthige Gypsaggregate durch das Gestein. 

Die Dolomite bergen einen Reichthum von organischen Ueber- 
resten, namentlich von Muscheln, deren resorbirte Schalen das 
Gestein cavernös machen; aber auch — so am westlichen Ab- 
hange des Hausberges bei Jena — der umgekehrte Fall tritt ein, 
nämlich der der Erhaltung der Muschelschalen ohne dazwischen 
eingelagertes Gestein. Dann entsteht aus dem Dolomit eine dolo- 
mitische Aluschell »reccie; denn das Carbonat der Muschelschalen 
ist nicht minder Magnesium reich, wie dasjenige des dolomitischen 
Gesteins; die Mehrzahl der Muschelschalen ist zerbrochen, aber 


122 


E. E. Schmid, das ostthüringische Rötk. 


die Bruchstücke sind wenig abgerieben. Der wichtigste organische 
Ueberrest ist Rhizocorallium jenense Zenk., dessen zierliches Relief 
oft über die Breite mehrerer Kilometer die untere Schichtfläche 
einnimmt. Rechtfertigt sich damit der von Zenker 1 ) eingeführte 
Name Rhizocorallium-Dolomit, so sind doch keineswegs alle Do- 
lomiteinlagerungen und alle Stellen ein und derselben Einlagerung 
mit diesem Relief versehen. 

V. Oolithisclier Dolomit mit Quarz. 

In derjenigen Region des Rothes, innerhalb deren sich die 
mächtigsten Rhizocorallium-Dolomite vorfinden, soweit es die wenig 
ausgiebigen Aufschlüsse zu entscheiden gestatteten, als ein Aequi- 
valent des Rhizocorallium- Dolomites erscheint nördlich neben der 
Chaussee von Jena nach Eisenberg zwischen Droschka und dem 
Gehöfte »Trotz«, und zwar nur an dieser einen Stelle ein sehr 
eigenthümliehes Gestein, zusammengesetzt aus Dolomit und Quarz, 
mit einem durch Chlorwasserstoffsäure aufschliesslichen Thonerde- 
reichen Silicat. Der Dolomit ist tlieils dicht, theils schalig; die 
Schalen umschliessen meist runde Kerne und bilden Kügelchen 
von 1 /4 — 1 / / 2 Millimeter Durchmesser, seltener breitgedrückte Linsen 
oder gestreckte Cylinder. Mit organischen Bildungen haben sie 
auch nicht eine entfernte Aehnlichkeit. Der Dolomit löst sich 
leicht in Chlorwasserstoffsäure auf, der Quarz bleibt als Lösungs- 
rückstand in makroskopischen Bröckelten mit rauher, nirgends 
krystallinischer Oberfläche. 


VI. Sandige Dolomite. 

Im Fortstreichen einzelner Schichten entwickeln sich durch 
Ueberhandnalime der Quarzeinstreuung Uebergänge aus Dolomit 
in Sandsteine, die eine abgesonderte Stellung nicht bedingen und 
einer speciellen Beschreibung nicht bedürfen. Wohl aber treten 
ähnliche Gemenge hin und wieder in untergeordneten Gesteins- 


) Zenker, Taschenbuch von Jena. 1836. S. 202. 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


123 


schichten auf, die man als eigenthümliche Gesteinsarten aufgefasst 
hat. Dieselben erscheinen makroskopisch homogen, lassen sich 
nicht viel leichter ritzen, als Feldspath, und halten sehr stark zu- 
sammen. Einige der Fachgenossen, welche an der neuen geolo- 
gischen Aufnahme des Königsreichs Preussen und der thüringischen 
Staaten mitarbeiten, erkennen in ihnen dieselben Gesteine, die im 
oberen Keuper Norddeutschlands nicht eben selten sind und schon 
von Eieinr. Credner 1 ) unter dem Namen »Thonquarze« aufgeführt 
wurden. Dieser Name rührt von Hausmann 2 ) her und bezieht 
sich auf die Vorkommnisse des oberen Keupers der Lippe’schen 
Fürstenthümer, die H offmann 3 ) sachgemässer als Thonsteine 4 ) 
oder kieselreiche Thonmergel bezeichnete. Sieht man indess die 
chemische Analyse dieser Gesteine durch Brandes 5 ) als maass- 
gebend an, so gehören diese Lippe’schen Keupergesteine mit den 
in Rede stehenden Ostthüringischen Röthgesteinen gar nicht zu- 
sammen, da sie wenig, bis keine Carbonate enthalten, und darin 
nur Spuren von Magnesium, auch keine Alkalien in ihnen Vor- 
kommen. 

Ich untersuchte eine Probe solchen sandigen Dolomites, welche 
von der Kniebreche, einem steilen Anstieg von der Unstrutaue 
bei Carsdorf zu der Hochebene bei Steigra stammt 5 , und welche 
ebenfalls, wie die oben erwähnte Probe von thonigen Dolomiten 
in Begleitung einiger geologischer Fachgenossen als Thonquarz 
aufgenommen worden war. 

Sie erscheint makroskopisch homogen, zeigt unebene fein- 
körnige, schimmernde, rauh anzufühlende Bruchflächen, hat die 
Härte des Feldspathes, und ist blassgrünlich. Unter verdünnter, 
kalter Chlorwasserstoffsäure braust sie lebhaft auf und löst sich 


: ) Siehe Credner, Uebersicht der geognostischen Verhältnisse Thüringens 
und des Harzes. 1843. S. 88. 

2 ) Hausmann, Uebersicht der Flötzgebilde im Flussgebiete der Weser, in: 
Studien des Vereins bergmännischer Freunde. 

3 ) Pogg. Ann. 3, 17 (1825). 

4 ) Hoffmann, Uebersicht der orographischen und geognostischen Verhältnisse 
vom nordwestlichen Deutschland. Leipzig. S. 445 (1830). 

5 ) Pogg. Ann. 25, 318 (1825). 


124 E. E. Schmid, das ostthüringische Röth. 

bis auf einen ansehnlichen Rest. In die Lösung' sind iibcrge- 

o o 

gangen 

Kalkerde 1 5,8 °/ 0 

Talkerde 7,9 °/ 0 

der ungelöste Rest beträgt 58,1 °/o; er ist nach dem Trocknen fein 
pulverig, aber doch schwer aufsclilämmbar. Unter dem Mikroskope 
erweist er sich als ein Gemenge von viel Quarzkörnchen, theils 
rauh abgeriebenen, theils uneben abgebrochenen mit wenig Glirn- 
m e r blättchen, welche im Zerfall zu kleinen Linsen begriffen sind, 
sehr ähnlich denjenigen, welche unter den Gemengtheilen der Mergel 
als oolithisch aggregirte Glimmerkaoline bezeichnet wurden. 


VII. Sandsteine. 

Gesteine deren Hauptgemengtheil Quai’z in kleinen Körnchen 
ist, die man deshalb den Sandsteinen zuzuzählen hat, sind 
nicht eben Seltenheiten im Röth, nehmen aber an der Bildung 
desselben doch nur einen untergeordneten Antheil. Mit den eigent- 
liehen Buntsandsteinen haben sie keine grosse Aehnlichkeit, sie 
sind weder so quarzreich, noch so einfach und gleichförmig zu- 
sammengesetzt. 

Sie sind bald mürbe und schieferig, bald hart und dicht, bald 
cavernös, oder vielmehr nach Art der Schaumkalke des oberen 
Wellenkalkes blasig. Neben den Quarzkörnchen erkennt man 
schon makroskopisch Gl immer blättchen eingebettet in ein car- 
bonatisches Bindemittel. Die Bruchflächen dieser Gesteine 
sind uneben, fühlen sich sehr rauh an und schimmern des Glimmer- 
reichthums wegen stark. Ihre Farbe ist vorherrschend grau in 
das Grüne und Gelbe. 

In Chlorwasserstoffsäure brausen diese Sandsteine stark auf 
und verlieren den Zusammenhang. Die Lösung enthält Kalk- 
und Talkerde gleich reichlich, ausserdem Thonerde und Eisenoxyd, 
wohl auch Alkalien. Das ungelöste besteht aus Quarzbrocken 
und Quarzstaub und aus Glimmerblättchen und Glimmer- 
flittern. 


E. E. Schmid , das osttküringiscke Rotk. 


125 


Nimmt, wie am Jenzig bei Jena, der Glimmer überhand und 
tritt dann als Bindemittel neben oder anstatt des Carbonates Kiesel- 
säure ein, so entstehen mürbe bis feste Gesteine vom Aussehen 
carbonatischer bis quarzitisclier Glimmerschiefer. 

Die Sandsteine sind zwar nicht so versteinerungsreich, wie 
die Dolomite, enthalten aber doch die Mehrzahl der organischen 
Formen des Rothes. 


VIII. Hornstein ■ Dolomit. 

Wie in den oben erwähnten Sandsteinen, so auch in anderen 
Rötligesteinen , tritt die Kieselsäure nicht ausschliesslich in der 
secundären Form von Quarzbrocken als Gemengtheil auf, sondern, 
obgleich seltener, auch in der primären Form von Chalcedon 
als Ausfüllungs- oder Grundmasse, wohl richtiger ausgedrückt, als 
Cäment oder Umschluss. Als solche erzeugt sie mit Dolomit 
eine mannichfaltige, wenn auch wenig verbreitete Reihe von Ueber- 
gängen aus Dolomit zu Hornstein. Diese Uebergänge sind bereits 
recht hart und fest, meist sehr licht. 

Als Beispiel dazu wurde ein Vorkommen des oberen Rothes 
vom westlichen Abhange des Jenzigs bei Jena in Untersuchung 
genommen. Dasselbe braust mit Chlorwasserstoffsäure lebhaft auf, 
löst sich aber zum kleineren Theile und zerfällt dabei nicht in 
feinen Gruss. In der Auflösung findet sich ausser Kalk- und 
Talkerde auch Thonerde und andere Bestandtheile aufschliesslicher 
Silicate. Da sich das Gestein leicht dünn schleifen lässt, so giebt 
die mikroskopische Analyse über die Natur der Gemengtheile und 
ihrer Verbindungsweise ausreichende Aufschlüsse. Wie schon in 
den Mergeln, so auch hier macht sich der Dolomit nicht durch 
krystallographisch und optisch ausgezeichnete Charaktere geltend, 
sondern erscheint als eine griesige graubraune Masse. Daneben 
liegt der Quarz als ein Aggregat durchaus nicht krystallinisch be- 
grenzter, eng zusammenschliessender, keilförmig in einander ver- 
zinkter Stücke, entsprechend dem Chalcedon. Ausser Dolomit 
und Quarz sind mikroskopisch Feldspathformen zu erkennen, 
und als Seltenheiten Apatitprismen. 


126 


E. E. Schjiid, das ostthüringische Röth. 


IX. Hornsteine. 

Dem Rötli sind mehrorts Schichten eines quarzharten Gesteins 
eingelagert, dessen Dichte von 2,6 nicht weit abweicht, und welches 
von Chlorwasserstoffsäure nur wenig angegriffen wird, demnach als 
II ornstein bezeichnet worden ist. 

Dieses Gestein steht selbständig entwickelt an, namentlich 
am Jenzig und Hausberge bei Jena und am Kugelberge zwischen 
Gumperda und Eichendorf bei Cahla, mit einer Stärke gewöhn- 
lich nur von 2 Centimeter, die jedoch mitunter bis auf 10 Centi- 
meter steigt. An den genannten Orten beschränkt sich das Vor- 
kommen auf eine einzige Schicht, deren Brocken sich aber weit 
über die Flächen und Abhänge ausbreiten, weil sie sich wegen 
ihrer Härte und Unverwitterbarkeit sehr langsam zertrümmern und 
abreiben, während die Mergel, denen sie untergeordnet sind, den 
mechanischen und chemischen Angriffen schwachen Widerstand 
leisten und leicht fortgeführt werden. Aus dieser weiten Verbrei- 
tung der Trümmer hat man auf ein häutigeres und mächtigeres 
Anstehen dieser Gesteine, wie auch der Rhizocorallium-Dolomite 
geschlossen, als es nach Maassgabe guter Aufschlüsse in der That 
ist. Ihre Schichtungsflächen sind wellig gebogen und überdies 
häufig mit netzförmig zusammenstossenden wulstigen Hervor- 
ragungen versehen. Diese Gesteine 'sind leicht zersprengbar, so- 
wohl parallel der Schichtung, also concordant schieferig, als 
auch quer dagegen. Die Schieferungsflächen sind ziemlich glatt, 
häufig mit Glimmerblättchen bedeckt, die Querbrüche uneben bis 
splitterig, glatt bis feinkörnig, mitunter von dünnen Gypsblättern 
überzogen. Cavernen von geringem Umfang, meist breitgedrückt 
nach der Schieferung, kommen häufig vor. Die Farbe dieser 
Hornsteine ist lichtgrau in das Grüne, Blaue, Rothe, Violette 
und Gelbe ; auf dem Querbruche wechseln verschiedenfarbige, 
oder helle und dunkele Streifen ; in Richtung sehr dunkeier 
und dann sehr schmaler Streifung ist die Schieferung besonders 
vollkommen. Makroskopische Einschlüsse von Glimmer sind 
häufig, von Quarz, Cölestin, Malachit und Rothkupfererz 
seltener. 


E. E. Schmid , das ostthüringisclie Roth. 


127 


Im Gläskölbchen geben diese Gesteine schwach bituminös 
riechendes Wasser aus. 

Vor dem Löthrohr schmelzen sie nicht sowohl schwer, sondern 
vielmehr sie überziehen sich mit einer dünnen, blasigen Schmelz- 
kruste und geben ein gelbrothes Glühlicht. 

Wasser zieht aus ihrem feinen Pulver gewöhnlich etwas Calcium- 
sulphat und eine Spur von Chlorid ans. 

Chlorwasserstoffsäure erzeugt damit eine bis zur Unbemerk- 
barkeit schwache und kurze Gasentwickelung, färbt sich aber nach 
längerer Digestion gelb und hat dann Eisenoxyd, Thonerde, etwas 
Kalk- und Talkerde, gewöhnlich auch Alkalien, Phosphorsäure, 
mitunter auch Kupferoxyd aufgenommen. 

Auch unfühlbar feines Pulver giebt an erwärmte Kalilauge 
keine Spur von Kieselsäure ab. 

Als Beispiele recht verschiedenartiger Entwickelung wurden 
zwei Hornsteinproben, die eine vom westlichen Abhange des 
Jenzigs bei Jena, die andere vom ostnordöstlichen Abhänge des 
Kugelberges zwischen Gumperda und Eichenberg bei Cahla 
untersucht. 

Die Grundmasse des Hornsteins vom Jenzig ist feinkörnig 
bis makroskopisch homogen, grünlichgrau; sie umschliesst kleine 
Cavernen, späthigen Gyps in Nestern und Lamellen, lebhaft grüne 
Malachitnesterchen mit Kernen von Rothkupfererz , fleischrothe 
Cölestinkörnchen, Glimmerblättchen, Ferritflittern und kaum ma- 
kroskopisch wahrnehmbare Quarzkörnchen. Parallel der concor- 
danten Schieferungsflächen liegen Ferritflittern, auch Glimmer- 
blättchen dicht nebeneinander und erzeugen ebensowohl leichte 
Spaltbarkeit in bis zu 1 Millimeter dünne Schieferblätter parallel 
der Schichtung, als scharfe, dunkele Streifung der Querbrüche. 
Die letzten erfolgen besonders leicht in Richtung der lamellaren 
Gypseinlagerungen. 

Die Grundmasse des Hornsteins vom Kuuelberge ist graup-elb; 

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sie umschliesst zahlreichere und grössere Cavernen, Glimmer- und 
Ferritschuppen, ist aber sehr arm an Gyps und frei von Malachit 
und Cölestin. Die Cavernen sind linsenförmig oder wenigstens 
breitgedrückt und in nahe übereinander streichenden Lagen parallel 


128 


E. E. Schmid, das ostthürio gische Roth. 


der Schichtung eng zusammengedrängt. Dadurch wird zugleich 
leichte Spaltbarkeit parallel der Schichtung — concordante Schie- 
ferung — und grobe Streifung der Querbrüche bedingt. 

Dünnschliffe lassen sich sehr vollkommen herstellen, ebenso- 
wohl parallel, als rechtwinkelig gegen die Schichtung und Schie- 
ferung. Der Unterschied zwischen diesen beiden Arten von 
Schliffen zeigt sich hei schwacher Vergrösserung noch deutlich, 
verschwindet aber hei mehr als lOOfacher Vergrösserung voll- 
ständig. Derselbe beruht hauptsächlich auf der dichteren Zu- 
sammendrängung des dunkelbraunen Ferrites, nebensächlich auf 
der Lage der Glimmerblättchen, die im Parallelschliff häufiger als 
Tafeln, im Querschliff häufiger als gestreifte Leisten erscheinen. 

Von den makroskopischen Einschlüssen erscheint der Gyps 
in recht auffälliger Weise als Ausfüllung unregelmässig vieleckiger 
Räume, mit deutlicher Spaltbarkeit, häufiger Polysynthese und 
Neigung zu faseriger Aggregation. Er ist farblos und klar, mit 
lebhaft chromatischer Polarisation begabt. Seine Blätter und 
Fasern sind häufig gebogen, wie gestaucht. 

Viel weniger auffällig stellt sich der Malachit dar, zwar mit 
Doppelbrechung begabt und tief grün gefärbt, aber ohne kry- 
stallinische Struktur oder Andeutung derselben durch faserige 
Aggregation. Die Rothkupfererzsterne erhalten wohl zackige, aber 
nicht krystallinische Umgrenzung und bleiben opak. 

Ein Cölestinkorn hat zufällig keiner meiner Dünnschliffe 
dargehoten. 

Im Uebrigen und namentlich im Bezug auf die mikroskopi- 
schen Gemengtheile unterscheiden sich die beiden Hornsteinvor- 
kommnisse nicht wesentlich von einander. Umschlossen von 
Chalcedon bieten sie ein Gemenge von Feldspath und, wie die 
chemische Analyse heraussteilen wird, Pseudomorphosen nach 
Feldspath, mit Quarz, Glimmer, Ferrit, wenig Apatit und einigen 
Mikrolithen. 

Die Feldspathe oder Pseudomorphosen nach Feld- 
spath erscheinen in rhombisch tafelförmigen oder oblong pris- 
matischen Stücken (s. Fig. 10 und 11) bei deren Bildung regel- 
mässige Spaltung viel wirksamer war, als zufälliger Bruch. Die 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


129 


Spaltbarkeit ist durch dunkele Linien und durch röhrenartig in 
Richtung der sich schneidenden Blätterdurchgänge langgestreckte 
Cavernen angezeigt. Bei schwacher Vergrösserung haben die 
Feldspathe braune, bald weniger, bald mehr dunkele Farbe, die 
sich bei stärkerer Vergrösserung theilweise, aber auch bei stärk- 
ster nicht vollständig in Durchstäubung auflöst. Ihre Doppel- 
brechung hat die den Feldspathen alter Gesteine gewöhnliche 
Störung erlitten, welche zwischen gekreuzten Nikols bei keiner 
Stellung vollständige Verdunkelung eintreten lässt. Trotzdem ist 
schwache chromatische Polarisation noch vorhanden, zeigt aber 
nie Polysynthese an. 

Quarz als Einschluss ist viel seltener, als Feldspath. Sein 
Umfang ist selten ganz, mitunter theilweise, gewöhnlich an keiner 
Stelle geradlinig. Grössere Cavernen, theils dunkel- und breit- 
umsäumt und dann nach innen verwaschen, theils fein-, aber scharf- 
umrissen, dann gewöhnlich mit Libellen, sind in ihm sparsam ver- 
theilt. Kleinste Cavernen, die sich bei schwacher Vergrösserung 
nur als schwarze Punkte darstellen, in Richtung gewundener 
Flächen neben einander angeordnet, sind sehr häutig. Mitunter 
werden die Quarzkörner von nahe rechtwinklig gegen ihren Um- 
fang gerichteten, desshalb häufig concentriscli - aggregirten Stäb- 
chen, oder auch dicht zusammengedrängten Körnchen um- 
geben bis umschlossen; Stäbchen und Körnchen sind blassgelb 
gefärbt. 

Die Glimmer zeigen abgesehen von der Hauptspaltungs- 
fläche keine krystallinische Begrenzung, sondern glatte, selten ab- 
geriebene Abbrüche, wie diejenigen, welche durch Abschlämmen 
aus den Mergeln erhalten werden und bereits beschrieben wurden. 
Auch hier tritt die Aelmlichkeit mit Scherben dünner Glastafeln 
sehr entschieden hervor. Die Abbrüche können mitunter erst 
während der Bildung oder Erstarrung des Gesteins eingetreten 
sein, wie daraus hervorgeht, dass man die Bruchstücke nur wenig 
aus einander gerückt übersieht, wie es der in Fig. 9 dargestellte, 
allerdings nur einmal beobachtete Fall zeigt. Die Glimmerblätter 
sind nicht immer eben, sondern mitunter auch so gebogen, wie 
es die in Fig. 8 dargestellten, quer gegen die Hauptspaltungs- 


9 


130 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


richtung durchschnittenen Blätter zeigen, d. h. wie gestaucht. 
Mit der Biegung verbindet sich häufig Aufblätterung, noch auf- 
fallender, als die in Fig. 8 dargestellte. Parallel der Haupt- 
spaltungsrichtung finden sich mitunter — jedoch selten — Ein- 
lagerungen, die bei schwacher Vergrösserung als feine, schwarze 
Linien erscheinen, sich aber bei starker Vergrösserung als schwarz - 
umrissene Leisten darstellen (Fig. 2). Diese legen sich büschelig, 
ohne bestimmte Richtung zusammen. Ihre Farbe und ihr optisches 
Verhalten stimmt, abgesehen von unwesentlichen Brechungs- und 
Spiegelungserscheinungen , die von den Seitenrändern ausgehen, 
mit der umgebenden Glimmersubstanz überein. Die Glimmer 
sind farblos und farbig, gelb bis braun, zeisiggrau bis grasgrün; 
die farbigen Glimmer sind mit dem gewöhnlichen Dichroismus 
begabt. Die Glimmer , namentlich die farbigen sind häufig 
von Ferrit uriilagert und imprägnirt, bis zur vollständigen Er- 
setzung. 

Gelbbrauner, rothbrauner, schwarzbrauner bis opaker Ferrit 
in feinem Staubtheileken bis zu groben Flocken, Fetzen und 
Körnern ist durch das Gestein ziemlich gleichmässig verbreitet. 
Nur selten nimmt er Stabform an und neigt sich zu margariti- 

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schein Zerfall. 

Apatit in seinen gewöhnlichen kurzprismatischen rundlich 
endenden Formen ist zwar im Ganzen selten, im Einzelnen aber, 
d. h. an besonderen, wie an der in Fig. 12 dargestellten, Stellen 
liegen mehrere grössere und kleinere, tlieils zwischen den Feld- 
spathen, theils im Umschluss; auch die Quarzbrocken scliliessen 
ihn häufig ein. 

Ausser den Mikrolithen, von deren strahligen und körnigen 
Aggregaten die Quarze umschlossen sind, finden sich noch andere 
durch die Gesteinsmasse verstreut, ohne gerade zu ihren Eigen- 
thümlichkeiten zu gehören. 

Das Cäment, oder der Umschluss dieser Gemeintheile besteht 
aus einer zwischen Nikols buntscheckig gefärbten Quarzmasse, 
dereu krystallinische , einheitlich orientirte Theilclien jedoch recht 
klein sind und sowohl unter sich, als mit den Einschlüssen in 
innigster Berührung stehen. Man kann sich nicht wohl denken, 


E. E. Schmid, das osttlnmngisclie Roth. 


131 


dass eine solche durch mechanische Zusammendrückung bewirkt 
worden sei; wohl aber erklärt sich dieselbe leicht durch die 
Annahme der Ausscheidung aus einer Flüssigkeit, die alle 
Zwischenräume erfüllt hatte. Die gegenseitige Abgrenzung der 
einzelnen Individuen ist so viel gestaltig und ordnungslos, wie bei 
der Mehrzahl der Chalcedone. Auch die traubigen bis Gallert- 
und Gummiähnlichen, für den Chalcedon, als selbständiges 
Mineral , charakteristischen Formen stellen sich häufig ein, als 
Auskleidungen der kleineren und grösseren Cavernen. 

Die chemischen Analysen der Hornsteinproben vom Jenzig 
bei Jena und vom Kugelberg bei Cahla hat zu den in nachstehenden 
Tabellen unter No. 7 und 8 angegebenen Resultaten geführt. Zur 
Vereinfachung der Berechnung waren die Pulver vorher mit 
Wasser ausgelaugt worden. Dabei hatte die Probe vom Jenzig 
4,27 % an Gyps mit einer Spur Chlorid verloren, diejenige vom 
Kugelberge nur eine Spur Gyps. Ein geringer Gehalt (0,22 °/o) 
an Malachit in der ersten Probe, eine Spur Carbonate in der 
zweiten blieb unberücksichtigt. Auch eine kleine Menge von 

Eisenoxydul — 0,34 °/o — die sich in dem chlorwasserstoff- 
sauren Auszug der Kugelbergprobe vorfand, ist ausser Acht 
gelassen. 

Schon die Gesammtanalysen erlauben nicht mehr, diese Horn- 
steine als amorphe Formen der Kieselsäure allein zu betrachten, 
da sie nur zu vier Fünftheilen daraus bestehen, noch weniger 
erlauben es die Partialanalysen in vollkommenster Ueberein- 
stimmung mit den mikroskopischen Analysen. Allerdings beträgt 
der in Chlorwasserstoffsäure aufschliessliche Theil sehr wenig, 
gestattet aber doch eine gut abschliessende Berechnung. Hat man 
nämlich Phosphorsäure auf Apatit berechnet und zu ihr die er- 
forderliche Menge von Kalkerde hinzugefügt, so bleibt nur noch 
so wenig von der letzteren übrig, dass man es vernachlässigen kann. 
Scheidet man ferner das Eisenoxyd als Ferrit ab, so stehen die 
noch übrigen Bestandtheile in Verhältnissen, welche Gemengen 
von Glimmer und Kaolin entsprechen. Berechnet man die Alkalien 
des in Chlorwasserstoffsäure nicht aufschliessli dien Theiles von 
Hornstein des Jenzigs auf trisilicatische Feldspathe, so betragen 

9 * 


132 


E. E. Schmid , das osttliiiringisclie Roth. 


diese 26,8 °/o und bleiben ausser geringen Mengen von Talkerde, 
Thonerde und Wasser, noch 56,4 °/o Kieselsäure; die ersten hat 
man sich füglich mit etwas von der letzten zu Kaolin und Glimmer 
vereinigt zu denken, die zweite zumeist als freie Quarz-Kieselsäure 
in Anspruch zu nehmen. Der nicht aufschliessliche Theil des 
Hornsteins vom Kugelberge ist nach sorgfältiger und wiederholter 
Prüfung Alkali -frei; von Feldspath als Gemengtheil kann nicht 
die Rede sein, wohl aber von Kaolin und daneben von einer 
ansehnlichen Menge Quarz; das Mengungsverhältniss lässt sich 
jedoch bei der Unbestimmtheit der Zusammensetzung des Kaolins 
kaum annäherungsweise auf Zahlen bringen. Die schwächere 
Trübung der Feldspathformen im Hornstein des Jenzigs, die 
stärkere derselben im Hornsteine des Kugelberges ist dennoch von 
nicht geringem Belange. Die ersten sind echte Krystalle, die 
zweite Pseudomorphosen. 

Es ist nicht zu verkennen, dass beide Hornsteine ebenso viele 
Analogien zu Phorphyrtufien darbieten, als zu gewöhnlichen Sedi- 
menten. 

Der Hornstein vom Hausberge bei Jena steht dem soeben 
eingehend betrachteten vom Jenzig so nahe, dass er nicht mehr 
von ihm verschieden ist, als verschiedene Proben derselben Fund- 
stätte von einander. Beide Fundstätten gehören entschieden dem- 
selben geologischen Horizonte und höchst wahrscheinlich einer 
ursprünglich zusammenhängenden , erst durch die Erosion des 
zwischen Jenzig und Hausberg gelegenen Geinbde- Thaies von 

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einander getrennten Einlagerung an. 


Tabelle I. 

G esammtanalysen. 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


133 


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Ausgeführt von: Dr. Prauss- Dr. Popp Dr. Prauss- Dr.Popp Dr. Popp Dr. Prauss- Dr. Popp Dr. Prauss- 

nitz nitz nitz nitz 


E. E. Schmid , das osttlniringische Rötli. 


135 


Gyps. 

Gypsgesteine nehmen sehr massenhaft Theil an der Bildung 
des Rothes. Sie bestehen theils aus Gyps für sich ganz allein, 
oder doch nur mit accessorischen Spuren anderer Gemengtheile — 
reine Gypse — theils aus Gemengen von Gyps mit thonigen 
Silicaten und dolomitischen Carbonaten oder Mergel , zu denen 
Ferrite und Quarz accessorisch hinzutreten — Gyps m ergeh — 
Sie treten ebensowohl in mächtigen Schichtenfolgen, als auch in 
untergeordneten einzelnen Schichten und als Ausfüllungsmassen 
von Klüften auf. 


X. Reiner Gyps. 

Die reinen Gypse sind theils kurz- und schmalspäthig, 
schuppig bis grobkörnig entwickelt, theils faserig, theils bestehen 
sie aus einem weissen bis grauen, feinkörnigen, bis makroskopisch 
dichten Umschlusse, und grauen bis braunen, breitspäthigen, zwar 
nicht krystallinisch umgrenzten, aber krystallinisch einheitlichen 
bis rosettenförmig aggregirten Einschlüssen. Diese letzten Gesteine 
sind für das thüringische Röth besonders charakteristisch. Sie 
gewinnen häufig ein porphyrartiges Aussehen, welches durch 
Schliff' und Politur sehr gehoben wird; man hat sie desslialb vor- 
dem zur architektonischen Ornamentik im Innern der Gebäude be- 
nutzt. Die schuppigen, grobkörnigen und porphyrartigen Gypse 
sind meist dickbänkig und stets compact d. h. ohne jede Spur von 
sedimentärer Struktur und concordantschieferigem Gefüge. Auch 
Cavernen gehören zu den Seltenheiten; wenn sie gelegentlich in 
Gypsbrüchen, z. B. denen unterhalb Ziegenhain bei Jena Vor- 
kommen, sind sie mit drüsig aggregirten linsenförmigen Gyps- 
krystallen ausgekleidet. 

Den grobkörnigen Gypsen ist mitunter Dolomit oder auch 
dolomitischer Mergel in feinster Vertheilung eingestreut, welche 
beim Einlegen in Chlorwasserstoffsäure schwache, aber sehr lang 
andauernde Gasentwickelung und bei der Verwitterung die Bildung 
von Bittersalz und dessen Ausblühung an freien Felsenwänden 
veranlassen (s. oben unter Bittersalz). 


136 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


Durch stärkere Einstreuung von dolomitischen Carbonaten und 
thonigen Silicaten und Ferriten entsteht eine Mannichfaltigkeit 
verschieden harter, verschieden farbiger und verschiedenartig der 
Verwitterung und Erosion widerstehender Gesteine, durch welche 
ein Uebergang aus dem reinen in den Gypsmergel vermittelt wird. 

In den Gypsflötzen herrscht porphyrartiger, grobkörniger 
und schuppiger Gyps vor. 

Den Mergeln untergeordnete, einzelne Gypsschichten sind 
theils schuppig, theils faserig. Jedoch springen die faserigen Gyps- 
schichten nicht selten aus einem niederen in einen höheren Hori- 
zont über und bekunden dadurch eine spätere Einführung in die 
schon abgesetzten Röthgesteine. 

Dadurch werden die einzelnen, untergeordneten Gypsschichten 
mit den Ausfüllungsmassen der Schwindungsklüfte, die das Röth 
durchsetzen, in Verbindung gebracht. Diese bestehen fast aus- 
schliesslich aus faserigem Gyps, der ganz frei ist von Accessorien, 
jedoch mitunter Röthbrocken umschliesst. 

In den reinen Gypsen sind keine organischen Ueberreste ge- 
funden worden, mit Ausnahme eines von Zenker Q wohl litholo- 
gisch und paläontologisch genan beschrieben, aber nicht ebenso 
topographisch genau bezeichneten, wahrscheinlich in der Umgehung 
der Teufelslöcher hei Jena aufgefundenen Falles der Erfüllung 
späthigen Gypses mit calcinirten Schalen von Myophoria costata 
und Mytilus arenararius Zenker — welcher letzte Name auf Mo- 
cliola triquetra v. Seeb. zu beziehen sein dürfte — und von kleinen 
Schnecken, die wahrscheinlich zu Natica gehören, auch wohl Oolith- 
körnchen. »Das Aussehen des Gesteins«, sagt Zenker, »lässt sich 
mit einem Zuckerguss vergleichen.« 

XI. Gypsmergel. 

Durch reichlichere Beimengung von dolomitischem Carbonat 
und thonigem Silicat, häufig auch Ferrit und Quarzkörnchen zu 
Gyps entstehen Gypsmergel. Obgleich manche von ihnen noch 
deutlich spaltbar sind nach den Blätterdurchgängen des Gypses, 


*) Zenker, Hist.-topograph. Taschenbuch v. Jena, S. 199. 


E. E. Schmid, das ostthiiringische Roth. 


137 


so tragen doch die meisten die Kennzeichen des sedimentären Ab- 
satzes kleinster Theilchen an sich und werden locker. 

Die Gypsmergel sind in meist dünnen und concordant schief- 
rigen Schichten den übrigen Röthgesteinen und auch den Gyps- 
flötzen untergeordnet. 

Organische Reste aus ihnen liegen nicht vor. 

Schluss. 

Die Gesteine, welche das Röth zusammensetzen, sind mit Aus- 
nahme der Gypse dieselben, welche den mittleren und unteren 
Buntsandstein bilden; sie stehen aber in einem durchaus anderen 
Verhältnisse zu einander. Im ersten walten die Mergel vor, in 
den letzten die Sandsteine, im ersten treten Dolomite ganz selb- 
ständig auf, in den letzten ganz untergeordnet. 


Die organischen Ueberreste des ostihüringischen Röth. 

Die organischen Ueberreste im Röth sind nicht zahlreich, aber 
doch mannichfaltig und deshalb interessant, weil sie, als unmittel- 
bare Vorgänger, zur Entwickelung der Muschelkalk -Fauna und 
-Flora wesentliche Beiträge in Erwartung stellen. 

Nicht alle Gesteine des Röth enthalten Versteinerungen; die 
grosse Mehrzahl der letzteren findet sich in den Dolomiten, einige 
werden von den Sandsteinen eingeschlossen, sehr wenige von den 
Gypsen. 

1) Ueber die Saurierreste hat Zenker 1 ) in seinen 1836 
erschienenen Beiträgen zur Naturgeschichte der Urwelt Einiges 
berichtet. Das Material zu diesem Berichte hatte er einem Sand- 
steinbruche am westlichen Abhänge des Jenzigs bei Jena entnom- 
men, der jedenfalls nur kurze Zeit betrieben worden und dessen 
Stelle schon im Jahre 1844 nicht mehr aufzufinden war. Ich habe 


x ) Zenker, Historisch-topographisches Taschenbuch von Jena, S. 205, 237. 


138 


E. E. Schmid , das ostthürin gische Röth. 


dasselbe in Zenker’ s Nachlass, der leider sehr zerstreut worden 
ist, noch gesehen und mich von der grossen Aehnlichkeit des- 
selben und demjenigen, welches ich 1 ) aus den den untersten ebenen 
Kalkschiefern, dem untersten Gliede des Muschelkalks, zugehörigen 
Cölöstingruben von Wogau bei Jena bezogen hatte, überzeugen 
können. 

Ich habe noch für die Ueberführung desselben in die Samm- 
lung des Grafen Münster in Bayreuth Sorge getragen, mit welcher 
es wahrscheinlich nach München gekommen sein wird. Die Zahl 
der Stücke war nicht gering und ihr Erhaltungszustand ausge- 
zeichnet. Auf mehreren Sandsteinplatten lagen sie dicht neben 
einander. Ihre Grösse stand unter dei’jenigen der Wogauer Vor- 
kommnisse. Mir ist kein derartiger Fund wieder vorgekommen, 
obgleich die Sandsteinbank, auf welche sich kaum zweifelhaft 
der Steinbruch bezogen hat, breit ansteht und von mir häutig und 
sorgfältig durchsucht worden ist. Der Zenker sehe Name 2 ) Saurier- 
sandstein gehört demnach zu den Reminiscenzen. 

2) Fischreste sind weiter verbreitet als Saurierreste, nament- 
lich auch über die Dolomite. Die meisten sind Schuppen mit 
glänzender, brauner, wulstig gestreifter Emailfläche, wie sie 
Agassiz zu der Gattung Gyrolepis stellt; Knöchelchen, gewöhnlich 
zerbrochene, sind nicht viel seltener; Zähnchen treten dagegen 
zurück und bieten weniger sicher bestimmbare Erhaltungszustände. 
So erklärt es sich, warum diese Fischreste eine zusammenfassende 
Beschreibung noch nicht gefunden haben. 

Der einzige Cephalopodenrest des ostthüringischen Röth ist: 

3) Goniatites tenuis v. Seeb. Er wurde nach einem Bruchstücke 
charakterisirt, welches v. Seebach 3 ) selbst bei Gross -Kochberg, 
nahe Rudolstadt, nach seiner Angabe, in einem auf Röth auf- 
liegenden, aber nicht anstehenden, sondern von einer höher aus- 
streiclienden, aber wohl immer noch dem Röth zugehörigen Car- 
bonatbank abgebrochenen »Kalkblock« zugleich mit » Myophoria 

1 ) Schmid und Schleiden, die geognostischen Verhältnisse des Saalthaies 
bei Jena, 5, 20 und 35. 

2 ) Zenker, Historisch-topographisches Taschenbuch von Jena, S. 205. 

3 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 13, S. 24, Jahrg. 1861. 


E. E. Schmid, das osttliiirin gisclie Rötli. 


139 


Goldfussi « gefunden. Ist das nicht zu bezweifeln, so ist wohl 
zunächst der Name M. Goldfussi v. Alb. durch M. fallax v. Seeb. 
zu ersetzen und vor diesem letzten hat, wie sogleich gezeigt werden 
wird, der Name M. costata Zenk. sp. den Vorzug der Priorität 
voraus, und dürfte zugleich der Gerölleblock nicht sowohl ein 
Kalkblock, als vielmehr ein Dolomitblock gewesen sein. Eine 
Abbildung dieses Fundes gab v. Seebach in seiner Abhandlung 
über die Conchylienfauna der Weim arischen Trias 1 2 ). Später wurde 
dieselbe Form von Speyer 3 ) als ein Vorkommniss der Röthdolomite 
vom Katzenbergre bei Nebra a. d. U. aufareführt. 

Die Gasteropoden sind durch drei Arten des Geschlechtes 
Natica vertreten, nämlich: 

4) Natica gregaria v. Schl. sp. und 

5) Natica Gaillardoh v. Schl. sp. 

Beide Arten fand Speyer 3 ) im Dolomite des Katzenberges 
bei Nebra. 

6) Natica sp. Eine dritte Art, kaum von der Grösse einer ge- 
wöhnlichen Farnkrautkapsel, fand Zenker 4 ) sehr zahlreich in der 
Conchylienbreccie des Gypses, wahrscheinlich der Teufelslöcher 
bei Jena (s. oben). Die von Zenker gegebene Beschreibung 
könnte jedoch auch auf Oolithkörnchen bezogen werden. 

Zahlreicher sind die Pelecypoden vertreten: 

7) Corbula sp. Eine thonige Dolomitbank, welche dem 
oberen Rötli am westlichen Abhange des Jenzigs untergeordnet 
ist, wimmelt von Abdrücken einer kleinen Muschel von 6—7 Milli- 
meter Länge und 5 — 6 Millimeter Höhe; der Wirbel derselben 
ist der Vorderseite genähert, ihr Umfang ist abgerundet-dreieckig. 
Das Schloss hat nach vorne und nach hinten je eine scharf ausge- 
prägte Leiste und dazwischen einen stumpfen Zahn; Muskel- und 
Manteleindrücke sind nicht wahrnehmbar, Zuwachsstreifung sehr 
deutlich. Die Schale ist stets resorbirt, war aber sehr dünn. 


x ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bel. 13, S. 650, Taf. XV, Fig. 11 (1861). 

2 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 29, S. 205 (1877). 

3 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 29, S. 205 (1877). 

4 ) Zenker, Historisch-topographisches Taschenbuch von Jena, S. 200. 


140 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


Diese Muschel ist jedenfalls neu, aber nicht exact bestimmbar. 
Ihre Unterordnung unter Corbula dürfte wahrscheinlich sein. 

8) Myophoria costata Zenk sp. Diese wichtige Art wurde 
zuerst von Zenker *■) als Donax costata beschrieben und abge- 
bildet und etwas später 1 2 ) als der den Grenzdolomiten des Keupers 
eigenthümlichen Trigonia Goldfussi v. Ziet für sehr ähnlich be- 
zeichnet. v. Seebach 3 ) irrt, indem er den Namen Donax costata 
als den von Zenker ursprünglich auf das Keupervorkommniss 
bezogenen ansah und deshalb der ähnlichen Röthmyophorie den 
neuen Namen Myophoria fallax beilegen zu müssen glaubte. Diese 
Art ist bekanntlich nicht nur die eigentliche Leitform für das 
thüringische Röth , sondern für den oberen Bnntsandstein der 
europäischen Trias überhaupt. In den Dolomiten des thüringischen 
Röth ist sie überall häufig, aber auch in den Sandsteinen desselben 
findet sie sich und selbst den Gypsen fehlt sie nicht ganz. 

9) Myophoria elongata Gieb. sp. Auf diese von Giebel 4 ) 
an der oberen Grenze des unteren Muschelkalkes (Schaumkalk) 
bei Lieskau nahe Halle a. S. aufgefundene, beschriebene und abge- 
bildete Form bezog v. Seebach 5 ) Vorkommnisse ans dem Röth 
der Umgebung von Weimar. Dieselbe findet sich sehr häufig 
und wohlerhalten in einer Conchylienbreccie, welche sich an den 
oberen Rhizocorallium - Dolomit (s. weiter unten) des westlichen 
Abhanges vom Hausberge bei Jena anschliesst. 

10) Myophoria laevigata v. Sciil. sp. fand Speyer 6 ) in einer 
mächtigen Dolomitbank des Röth am Katzenberge bei Nebra. 

11) Myophoria vulgaris v. Schl. sp. fand v. Seebach 7 ) 
im Röth der Umgebung Weimars, Speyer 8 ) in schon unter 


1 ) Zenker, Beiträge zur Naturgeschichte der Urwelt, S. 55, Taf. VI, Fig. A 
(1836). 

2 ) Zenker, Hist.-topogr. Taschenbuch v. Jena, S. 226 ( 1836). 

3 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 13, S. 600, Taf. XIV, Fig. 10 (1861). 

4 ) Giebel, die Versteinerungen im Muschelkalk von Lieskau bei Halle, S. 42, 
Taf. 5, Fig. 3. 

5 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 13, S. 616, Taf. XIV, Fig. 13 (1861). 

6 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 29, S. 205. 

7 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 13, S. 613. 

8 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 29, S. 205. 


E. E. Schmid, das osttliüringische Roth. 141 

10) erwähnten Dolomitbank des Rötlis am Katzenberge bei 
Nebra. 

1 2) Myophoria orbicularis Br. fand Speyer *) mit der vorigen 
zusammen. 

13) Cucullaea nuculiformis Zenk. begleitet häufig die Myo- 
phoria costata in den Dolomiten namentlich am westlichen Ab- 
hange des Hausberges bei Jena. Zenker * 2 ) gab nur eine kurze 
Beschreibung von ihr, ich 3 ) eine Abbildung davon. Nach einer 
brieflichen Mittheilung: v. Seebach’s ist sie zu Protocardium zu 
stellen. 

14) Modiola triquetra v. Seeb. Diese durch v. Seebacii 4 ) 
aus dem Röth der Umgebung Weimars bekannt gewordene Form, 
findet sich von recht verschiedener Grösse und nicht immer ganz 
gleichem Habitus in den Dolomitbänken des Röth an den west- 
lichen Abhängen des Hausberges und des Jenzigs bei Jena, ferner 
recht zahlreich, eine Dolomitbank fast erfüllend, in kleinen dicht 
an einander gedrängten, fest mit Gesteinsmasse verbundenen 
Exemplaren bei Pölitz nahe Stössen. 

15) Gervillia socialis v. Schl. sp. Diese horizontal, wie 
vertical weit durch die Trias verbreitete Form ist von mir, v. See- 
bach 5 ) und Speyer 6 ) auch im Röth reichlich aufgefunden worden. 
Namentlich ist es eine ungewöhnlich grosse, aber sehr dünnschalige 
Varietät, deren Abdrücke — die Schale ist ohne Ausnahme 
resorbirt — in einer der unteren Grenze des Röth sehr nahe an- 
genälirten Dolomitbank bei Gross- und Klein -Bockedra zwischen 
Jena und Calila gesellig auftreten. 

16) Gervillia costata v. Schl, sp., welche bereits von v. See- 
bach 7 ) als ein Vorkonnnniss des Röths bei Weimar aufgeführt 


*) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 29, S. 205. 

2 ) Zenker, Hist.-topogr. Taschenbuch v. Jena, S. 227. 

3 ) Schmid und Schleiden, die geologisch. Verhältnisse des Saalthaies bei Jena. 
Taf. IV, Fig. 3. 

4 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 13, S. 599. 

5 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 13, S. 589. 

6 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 29, S. 205. 

7 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 13, S. 591. 


142 


E. E. Schmid, das ostthüringisehe Rötli. 


wurde, findet sich auch, obwohl seltener in den Dolomitbänken 
des Röths vom Jenzig und Hausberge bei Jena. 

17) Pecten Älbertii Goldf. ist nicht nur in den Dolomiten, 
sondern auch in den Sandsteinen des Rötli bei Jena, Weimar 1 ) 
und Nebra 2 ), zwar nicht häufig, aber doch sehr wohl erhalten 
gefunden worden. Will man Giebel’s 3 ), von v. Seebach aufge- 
nommene Unterscheidung zwischen P. Älbertii und P. tenuistriatus 
aufrecht erhalten, so dürften die Schalen des ostthüringischen 
Röths alle zu P. inaequistriatus gehören. Von einer Gabelung 
der Radialrippen sieht man nämlich nichts, wohl aber schalten 
sich neue , zuerst schmale , niedrige Rippen zwischen die alten 
breiteren, stärkeren ein; eine gewisse Unregelmässigkeit lässt sich 
ebenfalls nicht verkennen. 

Die Brachiopoden sind sehr spärlich vertreten. 

18) Discina sp. Nahe kreisrunde Schalen von 7- — 10 Milli- 
meter Durchmesser mit einer excentrisch erhabenen Spitze, um 
welche herum scharf hervorragende Zuwachsstreifen ziehen, gelb- 
lich weiss, schwach hornartig glänzend, gehören ebenso bestimmt 
zu dem Formenkreis der Orbicula discoides v. Schl. , wie so 
Manches von dem was Quenstedt 4 ) dazu stellt; dieselben sind 
deutlich niedergedrückt, verbogen oder gebrochen, sie fanden sich 
nur einmal im Dolomit einer knapp über der unteren Grenze dem 
Rötli eingelagerten Dolomitbank bei Gross- und Klein -Bockedra, 
zwischen Jena und Calila. 

19) Lingula sp. Eine ovale Schale von ellipsoidischem Um- 
riss, 16 Millimeter im längsten, 7 Millimeter im kürzesten Durch- 
messer haltend, mit deutlichen Zuwachsstreifen, bräunlichgelb, 
hornartig glänzend, fand sich in derselben untersten Dolomitbank 
des Röths bei Gross- und Klein - Bockedra , wie die vorige. Sie 
steht jedenfalls der Lingula tenuissima Br. sehr nahe, wohl ebenso 


x ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 13, S. 573. 

2 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 29, S. 205. 

3 ) Giebel, die Versteinerungen im Muschelkalk von Lieskau bei Halle, p. 21. 

4 ) Quenstedt, Brachiopoden, S. 644, Taf. 60, Fig. 117. 


E. E. Sciimid , das ostthüringische Roth. 


143 


nahe, wie L. calcarea Zenk. * 2 3 4 ) und L. kenperea Zenk. 2 ), welche 
von Bronn 3 ) wieder mit L. tenuissima vereinigt wurden. 

20) Rhizocorallium jenense Zenk. wurde kurz aber treffend 
von Zenker 4 ) beschrieben und von mir 5 ) abgebildet. »Es er- 
leidet keinen Zweifel« — äusserte sich Zenker — »dass dies 
problematische Fossil einen organischen Ursprung hat. Wahr- 
scheinlich gehört es zu den Spongien , oder vielmehr zu den 
eigentlichen Corallen, vielleicht zu den Rindencorallen.« Bronn 6 ) 
wies ihm bestimmt seine Stelle unter den Seeschwämmen an, 
Zittel 7 ) noch bestimmter unter den Geraospongien. Zu den ge- 
wöhnlichen Schlingen- und Walzenformen treten mitunter auch 
gerade und flache hinzu. Struktur habe ich weder durch Aetzung 
mit Säuren, noch durch Dünnschliff wahrnehmbar machen gekonnt. 
Uebrigens ist dieses eigenartige Gebilde auf der unteren Schicht- 
fläche nicht nur eines, sondern mehrerer, aber nicht aller Röth- 
dolomite zu finden. Dasselbe breitet sich zunächst über den 
weiten Kaum der Umgebung Jena’s zwischen Freiburg a. U., 
Bürgel und Rudolstadt aus; seine Ausbreitung ist aber durch die 
Bearbeiter der neuen geologischen Specialkarte des Königreichs 
Preussen und der thüringischen Staaten bereits über einen noch 
viel weiteren Raum nachgewiesen; namentlich wird sein Vor- 
kommen erwähnt von Giebelhausen in den Erläuterungen zu dem 
Blatte Gross -Keula, von Laspeyres zu dem Blatte Peters- 
berg, von v. Seebacii zu den Blättern Bleicheroda und Nieder- 
Orsclila. 

21) Pflanzliche Ueberreste fehlten dem Röth bis vor 
Kurzem ganz und beschränken sich auch jetzt noch auf einen 


J ) Leonhard v. Bronn, Jahrb. f. Min. 1834, S. 394. 

2 ) Ebend. S. 390. 

3 ) Bronn, Letliaea geognostica , dritte Aufl., Bd. II, S. 51. 

4 ) Zenker, Hist.-topogr. Taschenbuch v. Jena, S. 202 und 219. 

5 ) Schmid und Schleiden, die geognost. Yerhältn. des Saalthaies bei Jena, 
S. 45, Taf. N., Fig. 9. 

6 ) Bronn, Lethaea geognostica , dritte Aufl., Bd. III, S. 44. 

7 ) Zittel, Handbuch der Palaeontologie, Bd. I., S. 143. 


144 


E. E. Schmid, das ostthüringische Röth. 


einzigen Fund in demjenigen tlionigen Dolomit, der nach der von 
ihm eingeschlossenen Corbula sp. (s. oben) als Corbuladolomit 
bezeichnet werden kann. Dieser Fund besteht in einem flach- 
gedrückten Stengelstück von 2 Centimeter Breite und 10 Centi- 
meter Länge ; in den Hohlräumen zwischen der inneren Ausfüllung 
und der äusseren Umhüllung ist eine Spur kohliger Substanz ein- 
gestreut ; das Relief der Umhüllung, sowie der Ausfüllung ist zu 
unbestimmt, um über den vegetabilischen Ursprung hinaus, etwas 
kundzugeben. 


Schluss. 

Uebersieht man das vorstehende Verzeichniss der organischen 
Ueberreste des Röth, so bietet dasselbe keine Reminiscenzen an 
die obere Dyas, die freilich von ihm durch die mächtige Schichten- 
folge des mittleren und unteren Buntsandsteins, die so überaus 
wenige und seltene organische Ueberreste enthalten, dass sie über 
die Entwickelung weder der Faima noch der Flora genügende 
Aufschlüsse geben können, getrennt ist. Um so näher stehen 
dieselben denjenigen des Muschelkalkes und Keupers, und zwar in 
jeder Beziehung. 

Die Saurierreste, soweit ich sie aus eigener Anschauung 
kenne und mir ein Urthe.il darüber erlauben darf, tragen den 
Nothosaurus-Typus, der bekanntlich im ostthüringischen Muschel- 
kalk zu eiuer holieu Entwickelung kommt. 

Die dürftigen Fischreste gehören zu den Ganoiden mit rhoin- 
bischen, knochigen, Schmelz bedeckten, randlich an einander 
stossenden Schuppen, welche Agassiz unter dem Genus Gyrolepis 
zusammenfasste; sie sind durch alle Glieder des Muschelkalkes 
und Keupers verbreitet. 

Der einzige Cephalopodenrest des Röth nimmt allerdings 
eine Sonderstellung ein, beruht aber auf zu wenigen und zu frag- 
mentarischen Funden, um maassgebend zu sein. Von Gasteropoden 
ist nur Natica in Rede zu stellen mit solchen Arten, die auch im 
Muschelkalke Vorkommen oder wenigstens den da vorkommenden 
sehr nahe stehen. 


E. E. Schmid , das osttliüringisehe Roth. 


145 


Unter den Pelecypoden sind Myophoria costata Zenk. und 
Cucullaea nuculiformis Zenk. dem Röth eigentliümlich. Aber 
Myophoria costata, die eigentliche, wenn auch nicht die einzige Leit- 
form des Röth, steht der Myophoria Goldfussi v. Ziel, der Leit- 
fonn des Grenzdolomites, so nahe, dass ein so sachkundiger und 
sorgfältiger Beobachter wie Zenker, allerdings nach etwas ab- 
geriebenen Exemplaren der letzteren — wie ich mich sehr wohl 
erinnern kann — , beide für identisch halten konnte. Cucullaea 
nuculiformis ist ein zu wenig besagender Steinkern, als dass man 
weit greifende Schlüsse aus ihm ziehen könnte. Alle übrigen 
Formen, namentlich Germllia socialis , Myophoria vulgaris, M. laevi- 
gata und Pecten Albertii halten durch den ganzen Muschelkalk 
bis über den unteren Keuper aus. 

Die wenigen Brach iopodenreste setzen sich in denselben oder 
nahe verwandten Arten durch den Muschelkalk fort. 

Rhizocorallium jenense ist neben Myophoria costata die zweite 
Leitform des Röth und in seiner vollkommenen Entwickelung 
darauf beschränkt. Allein nahe Verwandte dazu, oder vielmehr 
ähnliche Erhaltungszustände finden sich unter den zahlreichen 
sogenannten wurmförmigen Concretionen des Muschelkalks ; nament- 
lich im Schaumkalke, dem obersten Gliede des unteren Muschel- 
kalks, beobachtet man sehr ähnliche Schlingen und Wülste mit 
netzförmigem Relief, wenn auch in viel grösserem Maassstabe, und 
daran scliliessen sich noch massenhafter entwickelt, nicht immer 
gewunden, viele andere an und zeugen für eine stetige Fortbil- 
dung der Ceraospongien während des Absatzes der Muschelkalk- 
schichten. 

Pflanzenreste sind ebenso wie im Muschelkalk, auch im Röth 
zu wenig bedeutsam, um hier in Rede gestellt zu werden. 

In wenige Worte zusammengefasst lautet das Schlussresultat: 
das Röth ist paläontologisch dem Muschel kalke ebenso nahe ver- 
wandt, wie lithologisch dem mittleren und unteren Buntsandstein. 


10 


146 


E. E. Schmid , das ostthüringische Röth. 


Gliederung des ostthüringischen Röth. 

Der allgemeinen Schilderung der Gliederung des ostthürin- 
gischen Röth mag die Einzelbeschreibung örtlicher, besonders aus- 
giebiger Aufschlüsse als Grundlage dienen. 

Die erste Stelle mag der westliche Abhang des Hausberges 
bei Jena einnehmen. Soweit die Saale den Fuss desselben be- 
spült, steht mittlerer Buntsandstein an. In diesen schneidet ein 
Hohlweg zwischen Jena und Ziegenhain ein, der sogenannte Burg- 
weg, dessen Einschnitt sich mittels eiuer tiefeu und breiten Regen- 
furclie bis in ein 90 uucl einige Meter höheres Niveau aufwärts 
zieht und die Schichten zusammenhängend entblösst. Nahe der 
höchsten Stelle des Burgwegs wird der Sandstein unmittelbar von 
Gyps überlagert, der dünnschieferig bis dickbänkig, späthig, schup- 
pig, faserig, feinkörnig, auch porphyrartig, rein oder gemengt mit 
Dolomit und Letten, die ihm auch in dünnen Zwischenschichten 
untergeordnet sind, ein 56 Meter mächtiges Flötz bildet. Die 
Schichten sind an den meisten Stellen stark wellenförmig gebogen 
und werden von den höheren Schichten des Röth durch eine Kluft 


abgeschnitten, an welchen eine Abrutschung derselben stattgefunden 
hat, um einen zwar nicht genau angebbaren, aber keinesfalls über 
5 Meter hinausgehenden Betrag. Die neben und über dem Gypse 
anstehenden Schichten siud der Reihe nach: 

hellgraugrüne Mergel, bald mehr lettig, bald mehr 


Meter 

0,50 

0,80 


0,70 


sandig ; 

^ lockere, glimmerreiche graue Sandsteine; wenige or- 
^ ganische Reste, unter denen nur Myophoria costata 
v bestimmbar, einschliessend ; 
lichte Mergel; 

Dolomit mit Mergel wechsellagernd, die reinen Do- 
l lomitschicliten bis 10 Centimeter stark und darüber 
] hinaus, reich an organischen Ueberresten, besonders 
resorbirten Muschelschalen, namentlich von Myo- 
J phoria costata , auf der unteren Schichtfläche gewöhu- 
f lieh das Relief von Rhizocorallium jenense tragend 
(mittlerer Rhizocorallium-Dolomit) ; 
lichte Mergel; 


0,80—1,50 


E. E. Schmid, das ostthüringische Roth. 


147 


Meter 

0,50—0,60 


150,60 


Dolomit, Mergel, Letten und Gyps; Dolomit nimmt 
häufig die ganze Bank ein, ist reich an resorbirten 
Muschelschalen und desshalb sehr cavernös; seine 
auf Mergel aufliegende Unterseite ist reichlich mit 
[ Rhizocorallium jenense besetzt; er geht mitunter in 
I ein Haufwerk von weniger oder mehr abgeriebenen 

1 O o 

1 und zerbrochenen Muschelschalen über, die bald 
[ ziemlich locker zusammenhaftend, eine Muschelbreccie 
bilden, bald durch Gyps verkittet ein Muschelcon- 
/ glomcrat — das Carbonat der Muschelschalen ist 
übrigens in gleicher Weise dolomitisch, wie dasjenige 
des Gesteins, aus dem sich ihre Haufwerke ent- 
i wickeln. Durch Aufnahme von Thon und Sand, auch 
I Gyps entstehen mannichfaltig gemengte unreine Do- 
I lomite, Mergel, Sandsteine und Letten, die theils 
I mit dem reineren Dolomit wechsellagern, theils breit- 
klüftige Zwischenräume in ihm erfüllen, ihn bald in 
einzelne Stücke spalten, bald auch völlig ersetzen 
und an seine Stelle Mergel und Gyps treten lassen 
' (Oberer Rhizocorallium - Dolomit). 

I Fast unmittelbar darüber, an einer Stelle, wo sich 

I die Wasserfurche verflacht und von dem sogenannten 
Oberwege von Jena nach Ziegenhain gekreuzt wird, 
lagert das Sandstein ähnliche Gemenge von Mergel 

o O o 

mit Quarz und Gyps, auf dessen Oberfläche die oben 
beschriebenen Afterkrystalle nach Steinsalz Vorkommen. 

I Die höheren Schichten sind vorwaltend mergelig mit 
/ untergeordneten Einschaltungen von sandigen und 
\ thonigen Dolomiten und Gyps. Eine Hornstein- 

I Schicht findet sich erst über dem äussersten Aus- 
läufern der Regenfurche; über ihr nimmt das Gestein 
allmälig hellgraue Färbung an, wird Carbonatreicher 
und geht in Muschelkalk über, den man von da an 
abgegrenzt sein lassen kann, wo die Schichten dicker 
werden und im frischen Zustande nicht mehr schiefe- 
\ rig sind. 


10 


148 


E. E. Schmid, das ostthiiringische Rötk. 


Als zweites Beispiel mag der westliche Abhang des Jenzigs 
seine Stelle finden. Die Schichtenfolge ist hier durch keinerlei 
Verwerfung gestört, aber obgleich man auch hier einer Regen- 
furche folgen kann, bei weitem weniger entblösst. Zwischen Haus- 
berg und Jenzig ist das weite und tiefe Gembdethal bis in den 
mittleren Buntsandstein hinein erodirt. Die Entfernung beider 
Profile beträgt in der Luftlinie ziemlich genau eine Viertelmeile. 

Der Fuss des Jenzigs berührt unmittelbar die Saale; der 
steile Uferabhang, die sogenannte hohe Saale entblösste vordem — 
jetzt ist diese Entblössung in Folge eines Ufer- und Wege-Baues 
verschüttet — bis auf 4 Meter über den mittleren Saalspiegel die 
obersten Schichten des mittleren Buntsandsteins. Dieselben be- 
standen aus dickplattigen Sandsteinen, welche wegen einer Mehr- 
zahl von Fährtenabdrücken, deren Beschreibung Koch und ich 
schon im Jahre 1841 gaben *), das wissenschaftliche Interesse 
schon einmal auf sich zogen. 

Unmittelbar diesem Sandstein aufffelagert folgt ein 
mächtiges Gypsflötz von derselben Beschaffenheit, wie 
am Hausberge. Dann: 

Lichte Mergel; 

Dolomit, reich an organischen Resten, namentlich an 
Myophoria costata und Rliizocorallium jenense. — Un- 
terer Rhizocorallium - Dolomit; Mergel; 

Sandstein, glimmerreich, versteinerungsführend, na- 
mentlich Myophoria costata und Pecten Albertii , mit- 
unter in glimmerreichen Quarzitschiefer übergehend; 

22 ( Mergel; 

j Dolomit, reich an organischen Resten, namentlich an 
I Myophoria costata mit Rhizocorallium jenense. — Mittler 
I Rhizocorallium-Dolomit ; 

I Mergel; 

! Dolomit, reich an Versteinerungen, namentlich an 
\ Myophoria costata mit Rhizocorallium jenense. — 
Oberer Rhizocorallium - Dolomit. 

*) S. Koch und Schmid, die Fährtenabdrücke im bunten Sandstein bei 
Jena. S. 3—6. 


Meter 

31, Va 


E. E. Schmid, das osttlmringische Röth. 


149 


Meter 

47 


97a 


/ Bunte Mergel, dolomitisch, thonig, sandig, thonige 
^ Dolomite, Hornsteindolomite, bei einem grösseren 
\ Gehalt an dolomitischen Carbonatschalen von Myo- 
I phoria costata einschliessend , Gyps in Zwischen- 
' schichten und Kluftausfüllungen; 

/ Hornschicht; 

] Mergel hell und carbonatreich werdend, immer noch 
j dünnschieferig, aber seiner Mengung nach, dem unter- 
l sten Muschelkalk sehr nahe stehend. 


Nicht unwesentlich anders gestalten sich die Verhältnisse am 
östlichen Abhange des Jenzigs, oder entlang dem Fahrwege zwi- 
schen Gross - Löbichau und Jenalöbnitz bis auf die höchste Stelle 
desselben und von da aus nach der Höhe des Jenzigs. 

I Auch bei Gross-Löbichau ist ein Gypsflötz unmittel- 
\ bar auf den mittleren Buntsandstein aufgelagert, hat 
Meter ; nahe dieselbe Mächtigkeit wie am westlichen Abhange; 

30 ) seine litholoerische Entwickelung ist wohl im Ganzen 

( o o 

die gewöhnliche, jedoch so, dass die porphyrartigen 
Gypse besonders dickbänkig und breitblättrig sind. 

Ueber dem Gypsflötze folgen sehr vorwaltend helle, nicht 
bunte, durchaus nicht rothe Mergel, dann treten an einem steilen 
Absturz hervor: 


Meter 

0,40 


, Dolomit, zuckerkörnig, wenige Versteinerungen ein- 
i schliessend, von denen nur Myophoria costata be- 
| stimmbar ist; auf der Unterseite ist ein Relief be- 
^ merkbar, welches allerdings dem Rhizocorallium jenense 
j nicht vollkommen gleicht , sondern aus gestreckteren 
I und flacheren Hälften zusammengesetzt ist, aber doch 
ein ähnliches Netzwerk darstellt; 


0,90 Mergel; 

q | Dolomit von gleicher Beschaffenheit, wie der vorige, 

( aber ohne netzförmiges Relief auf der Unterseite; 
3,00 Mergel; 

0,36 Dolomit. 


E. E. Schmid, das ostthiiringische Roth. 

Die höheren Schichten werden bunt besonders in 
Folge der Wechsellagerung rother Mergel und licht 
graulichgrüner , thoniger und sandiger Dolomite. 
Zwischen den obersten dieser Mergel stellt sich eine 
schwache Hornsteinplatte mit welligen Schichtungs- 
flächen ein. 

Darüber folgt eine Bank thonigen Dolomites, recht 
reich an resorbirten Muschelschalen und deshalb 
0,20 — 0,30 ! cavernös ; die meisten Schalenabdrücke gehören zu 
I der oben angeführten Corbula nov. sp. , verhältniss- 
\ massig wenige zu Myophoria costata. 

^ Die Mergel zwischen diesem Corbula - Dolomit und 

28 ■ der Grenze des unteren Muschelkalkes sind je weiter 

aufwärts, um so gleichfarbiger und lichter. 

Die directe Entfernung zwischen dem westlichen Fusse des 
Jenzig an der Saale und dem östlichen am Fahrwege von Gross- 
Löbichau nach Jenalöbnitz beträgt drei Viertel Meilen. Wie sich 
die beiden Profile am westlichen und östlichen Abhange mit ein- 
ander verknüpfen, ist nicht in das Einzelne zu verfolgen, weil 
längs des, allerdings sehr geraden und steilen Südabhanges vom 
Jenzig gegen das Gembdethal zu das Röth meist stark überrollt ist. 

Als viertes Beispiel wähle ich den Kugelberg zwischen Gum- 
perda und Eichenberg bei Cahla; er bietet eine Mehrzahl von 
Rhizocorallium-Dolomiten, erlaubt aber wegen wechselnden Fallens 
und Streichens keine durchaus exacten Angaben der Mächtigkeit. 

Auch hier ist ein starkes Gypsflötz vorhanden; zwischen ihm 
aber und dem Buntsandstein ist lichter Viergel und Letten ein- 
geschaltet. Ueber ihm folgen bunte Viergel und diesen sind nicht 
weniger als sechs Dolomitbänke untergeordnet, deren Unterseite 
in bald grösserer, bald geringerer Breite das Relief von Rhizoco- 
rallium jene7ise trägt. 

Ein steiler, lö 1 /^ Meter hoher Absturz innerhalb einer Regen- 
furche, die sich nach Eichenberg hinabzieht, entblösst die sechs 
Dolomitbänke, der Reihe nach von unten nach oben durchschnitt- 
lich 0,20, 0,16, 0,70, 0,52, 0,11 und 0,60 Vleter stark, also zu- 


150 


Meter 

24 1 / 2 


E. E. Schmid, das ostthüringische Röth. 


151 


sammen 1,10 Meter, während auf die mergeligen Zwischenmittel 
14,40 Meter entfallen. Die zwischen liegenden Dolomitbänke 
machen also nur 7°/o von der Mächtigkeit der ganzen Schichten- 
folge aus. So wenig würde man nicht erwartet haben mit allei- 
niger Rücksicht auf die Masse der über den Boden verstreuten 
Dolomitbrocken ; wie aber schon in dem Abschnitte über die 
Gesteine des Röth hervorgehoben wurde, bleibt der Dolomit in 
grossen Brocken liegen, während die Mergel rasch zerkrümelt und 
fortgeführt werden; deshalb schützt auch eine schwache Dolomit- 
bank den Boden gegen rasche Erosion. Gerade die oberen flach- 
geneigten Abhänge des Kugelberges bieten Gelegenheit zu beob- 
achten, dass solche Dolomitbänke breite Stufen bilden, die wie 
gepflastert anssehen, indem die einzelnen durch Querklüfte ge- 
trennten Dolomitplatten gegen ihr Ausgehen zu auseinanderweichend 
und in den zeitweise erreichten Untergrund einsinkend, wohl weiter 
ausgebreitet, aber nicht ganz fortgeführt werden. Dieser Umstand 
ist in praktischer Beziehung beachtenswerth ; da nämlich das Aus- 
streichen der Dolomitbänke des Röth meist nach zerstreuten 
Brocken benrtheilt werden muss, so erklärt sich aus ihm, dass die 
Mächtigkeit desselben häufig zu hoch geschätzt worden ist. Die 
in der Regenfurche über Eichenberg anstehenden Rhizocoralliuin- 
Dolomitbänke lassen sich um die Abhänge des Kugelberges herum 
ziemlich zusammenhängend verfolgen, namentlich auf der Südseite. 
Jedoch hat man sich nicht weit zu entfernen, um ihre Mächtigkeit 
nicht nur, sondern auch ihre Zahl sich verändern, auch gerade 
südlich von Gumperda, zwischen der dritten und vierten Dolomit- 
bank eine bis 0,30 Meter starke, aber nicht weit fortstreichende 
Gypslinse sich einlagern zu sehen. 

Knapp über dem obersten Rhizocorallium - Dolomit bildet die 
ausgezeichnete Hornsteinschicht, welche im vorigen Abschnitt 
ausführlich beschrieben wurde, den Boden einer Stufe, über welche 
der Fahrweg von Gumperda nach Eichenberg führt. 

Darüber reicht das Röth noch 56 ^ Meter hoch hinauf. Diese 
oberen Schichten sind besonders bunt in Folge häufiger Einschal- 
tung thoniger und sandiger Dolomite; sie schliessen auch noch 
ein nirgends über 3 Meter starkes und kaum 1 / 8 Meile weit fort- 


152 


E. E. Schmid, das ostthüringisclie Roth. 


streichendes linsenförmiges, dünnschieferiges Gypsflötz ein, dem 
Dolomit, Mergel und Sandstein reichlich untergeordnet ist. 

Die beschriebenen, vier vollständigen Profile lassen noch nicht 
die volle Mannichfaltigke.it der Entwickelung des ostthüringischen 
Röth übersehen, namentlich nicht in Bezug auf die Einlagerungen 
von Gyps und von Dolomit. 

Ausser dem Hauptgypsflötz an oder nahe über der unteren 
Grenze des Röth finden sich starke Flötze auch in der Mitte und 
an der oberen Grenze des Röth. 

Entlang der Unstrut bei Nebra ziehen sich etwa 45 Meter 
über dem Hauptflötz noch zwei höhere Gypsflötze in einem Ab- 
stand von etwa 8 1 /-2 Meter durch die Mitte des Röth. 

Nördlich über Tiefengruben bei Berka a. d. J. schliesst ein, 
allerdings aus reinem und mergelreichen Gyps zusammengesetztes, 
meist dünnschieferiges, nur auf eine Erstreckung von etwa 600 
Schritt ausdauerndes Flötz das Röth gegen den Muschelkalk ab. 

Wiederum an anderen Stellen ist das Röth im Gegensatz zu 
den bisher beschriebenen ganz frei von Gyps; so am östlichen 
Abhange des Riechheimer Berges nahe Kranichfeld, und am west- 
lichen Abhange des Lohmaer Berges nahe Blankenhain. 

Eine über 0,3 Meter starke Dolomitbank, ebenfalls reich an 
organischen Ueberresten, namentlich an Schalen von Myophoria 
costata , Gervillia socialis , G. costata , Pecten Albertii u. A. , aber 
ohne das Relief Rhizocorallium jenense auf der unteren Schicht- 
fläche ist bei Gross- und Klein -Bockedra am Wege von da nach 
Oelknitz a. S. zwischen Jena und Cahla den lichten Letten und 
Mergeln zwischen dem mittleren Buntsandstein und dem Haupt- 
gypsflötz eingeschaltet. 

Sehr starke Dolomitbänke bietet das Röth zu beiden Seiten 
der Saale unterhalb Naumburg, zur linken Seite bei Eulau gegen 
das Gerodig zu, zur rechten Seite bei Pölitz nahe Stössen; an 
beiden Orten sind die Aufschlüsse unvollkommen. 

Allein auch diese Vorkommnisse werden überboten durch 
dasjenige am Katzenberge bei Nebra, welches durch einen weiten 
Steinbruch auf mehr als 3 Meter aufgeschlossen ist. Dasselbe ist 


E. E. Schmid , das ostthiiringisclie Roth. 


153 


zugleich sehr reich an organischen Ueberresten, die Speyer 1 ) auf- 
geführt hat. 

Fasst man die vorstehenden Darstellungen einzelner Locali- 
täten zusammen, so erhält man die nachfolgenden allgemeinen 
Resultate. 

Die Mächtigkeit des ostthüringischen Röth sinkt selten unter 
60 Meter und steigt selten über 1 50 Meter. Mächtigkeiten unter 
60 Meter beobachtet man nur da, wo die Röthschichten steil auf- 
gerichtet und gebogen sind zufolge starker Faltungen der Erdrinde; 
sie kommen vielorts auf Verquetsclnmg hinaus. Mächtigkeiten 
über 150 Meter beobachtet man eigrenthümlicher Weise gerade am 
östlichen Rand der Ausbreitung des Röth zwischen Jena und 
Bürgel, z. B. bei Löberschütz 163 Meter. 

Die Gypseinlagerungen im ostthüringischen Röth sind ebenso 
massenhaft, als unbeständig. Sie nehmen mitunter mehr als den 
dritten Theil der gesammten Mächtigkeit ein, mitunter fehlen sie 
ganz. Mächtige Röthentwickelungen sind gewöhnlich, aber doch 
nicht immer, mit starken Gypseinlagerungen verbunden. Eigent- 
liche Gypsflötze sind vorzugsweise dem unteren Röth eigen, fehlen 
aber auch dem oberen nicht ganz; Gypsführung in untergeordneten 
Schichten und Kluftausfüllungen ist durch das ganze Röth ver- 
breitet. Starke Bänke reinen und besonders porphyr artigen Gypses 
linden sich fast nur im unteren Röth; die Gypse des oberen Röth 
sind vorwaltend mergelig, dünnschieferig und faserig. Die Scheidung 
in ein unteres gypsführendes und in ein oberes gypsfreies Röth 
ist für Ostthüringen unthunlich. 

Die Dolomitbänke nehmen einen nur selten mehrere Procente 
betragenden Theil von der Mächtigkeit des Röthes in Anspruch, 
einen so kleinen Theil , dass ihre kartographische Darstellung im 
Maassstabe von 1 : 25 000 ohne willkürliche Hinzunahme der han- 
genden und liegenden Mergel mit Ausnahme einiger Stellen tech- 
nisch gar nicht ausführbar ist. Selbständige und zugleich ver- 
steinerungsreiche Dolomitbänke erscheinen besonders in den Pro- 
filen, in denen sich das Hauptgypsflötz , dasjenige des unteren 


*) Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. 29, S. 205; Jahrg. 1877. 


154 


E. E. Schmid, das ostthüringisclie Roth. 


Röth geltend macht. Sie drängen sich über ihm am dichtesten 
zusammen, ohne auf eine bestimmte Zahl und auf eine bestimmte 
Höhenzone beschränkt zu sein. Sie fehlen auch unter dem Haupt- 
gypsflötz nicht; sie sind auch dem oberen Röth nicht fremd. Von 
den Versteinerungen ist Myophoria costata allen Dolomiten gemein- 
schaftlich , während sich Rhizocorallium jenense auf die mittleren 
beschränkt und sehr ungleichmässig vertheilt ist. 

Die einzige Sandsteinbank, welche mit einer gewissen Selb- 
ständigkeit auftritt — Zenker's Saurier-Sandstein — , liegt zwischen 
den unteren Rhizocorallium-Dolomitbänken. Es dürfte der Mühe 
werth sein, sie weiter aufzusuchen und sorgfältiger zu untersuchen, 
namentlich auf ihren organischen Inhalt. 

Die Hornsteine sind bis jetzt nur aus dem oberen Röth be- 
kannt geworden, nehmen aber entschieden am Hausberge und 
Jenzig bei Jena einen höheren Horizont ein, als am Kugelberge 
bei Cahla. 

Endlich die Hauptmasse des Röth, die Mergel werden gewöhn- 
lich nach unten fett und licht, d. h. thonreich und ferritarm, gehen 
auch wohl in lichte Letten oder schieferige Thone über und zwar 
namentlich da, wo die Gypsc sich ausgekeilt haben, als Aequi va- 
lente derselben. Die Mergel werden gewöhnlich nach oben mager 
und licht, d. h. thonarm, ferritarm und carbonatreich. Das ist 
aber doch nicht immer der Fall; die Mergel verdienen vielmehr 
den Namen der bunten im vollsten Sinne, nicht blos mit Rück- 
sicht auf die Farbe, sondern auch auf den mineralogischen Bestand. 

Aus alledem dürfte mit genügender Sicherheit hervorgehen, 
dass eine, auch nur durch das östliche Thüringen durchgreifende 
Gliederung des Röth weder auf lithologischer, noch auf paläou- 
tologischer Grundlage möglich ist. Sollen die verschiedenen 
Farben und Signaturen geologischer Karten nicht sowohl litholo- 
gische Uebereinstimmung — wie das bezüglich der Gypse nun 
einmal angenommen worden ist — , sondern vielmehr gleichzeitige 
Bildung bezeichnen, so wird man das Röth mit Ausschluss der 
Gypse als ein Ganzes zusammenfassen müssen. 

Gegenüber der grossartigen Gleichförmigkeit und Einförmig- 
keit des mittlern Buntsandsteins und des unteren Muschelkalks 


E. E. Schmid , das ostthüringische Roth. 


155 


hat man wechselvolle Mannichfaltigkeit als die Regel der Gesteins- 
folge des Roth anzuerkennen. 

Das Röth vermittelt eben den Uebergang zweier Absatz- 
perioden in einander, die unter scharf contrastirenden Bedingungen 
standen. Das Meer des Röths war bald von klarem, bald von 
trübem Wasser eingenommen, seine Absätze waren vorwaltend 
bald chemische, bald mechanische Bildungen. Die chemischen 
Bildungen beruhen auf der Ausscheidung bald von Carbonat — 
bald von Kieselsäure, bald von Sulphat, die mechanischen Bildungen 
auf dem Sinken bald von mehr thonigem, bald von mehr sandigem 
Schlamm. In dem klaren, oder doch nur wenig getrübten Meer- 
wasser, aus dem chemische Absätze carbonatischer und kieseliger 
Natur erfolgten, gedieh organisches Leben, namentlich überzog 
sich der Meeresboden mit Schwämmen, der Absatz des Gypses 
erfolgte aus einem wahrscheinlich so salzreichen Meere , dass in 
demselben keine Organismen bestehen konnten. Das trübe Meer- 
wasser des Röth war so schlammig wie dasjenige des mittleren 
Buntsandsteins und liess desshalb organisches Leben nicht auf- 
kommen. Aus der Seltenheit pflanzlicher Ueberreste hat man auf 
das Fehlen eines nahe gelegenen, vollkommen entwickelten, d. h. 
von Vegetation eingenommenen Festlandes zu schliessen. 


E rkl ä r n n g cl e r A b bil d u n gen. 

Fig. 1. Farltose'r Glimmer mit farblosen, feinumrissenen Einlagerungen ; 

aus dem in Chlorwasserstoffsäure unlöslichen Theile eines mer- 
geligen Dolomites vom östlichen Abhang des Jenzigs bei Jena; 
Vergrösserung 350 fach. 

Fig. 2. Grüner Glimmer mit gleichfarbigen Einlagerungen, scharf und 
dunkel Umrissen; aus dem Hornstein vom östlichen Abhänge des 
Jenzigs bei Jena; Vergrösserung 350faeh. 

Fig. 3. Glimmerblatt, farblos glatt abgebrochen mit nierförmigen , trau- 
bigen und oolithischen Einlagerungen; aus dem schwerer auf- 
schlämmbaren Theile eines grünlichgrauen Mergels vom Abhange 
des Kugelberges über Gumperda bei Cabla; Vergrösserung 
1 15 fach. 


156 


E. E. Schmid , das ostthüringische Rötli. 


Fig. 4. 
Fig. 5. 
Fig. 6. 

Fig. 7. 

Fig. 8. 

Fig. 9. 
Fig. 10. 


Fig. 1 1. 


Fig. 12. 


Fig. 13. 
Fig. 14. 


Fig. 15. 


Glimmerblatt, farblos, glatt abgebrochen mit traubigen Einlage- 
rungen; aus den schwerer aufschlämmbaren Theilen eines grün- 
lichgrauen Mergels vom Abhange des Kugelberges über Gum- 
perda bei Cahla; Vergrösserung 115 fach. 

Glimmerblatt, farblos mit oolithischen Einlagerungen; aus dem 
schwerer aufschlämmbaren Theile eines grünlichgrauen Mergels 
vom Abhange des Kugelberges über Gumperda bei Cahla; Ver- 
grösserung 115 fach. 

Traubiges Aggregat, aufgelagert auf einem Glimmerblatt, quer 
gegen die Blattfläche des Glimmers gerichtet; aus dem in Chlor- 
wasserstoffsäure unlöslichen Rückstände eines mergeligen Dolo- 
mites vom östlichen Abhange des Jenzigs bei Jena; Vergrösse- 
rung 225 fach. 

Oolithisches Aggregat, aufgelagert auf einem Glimmerblatt, quer 
gegen die Blattfläche des Glimmers gerichtet; aus dem in Chlor- 
wasserstoffsäure unlöslichen Rückstände eines mergeligen Dolo- 
mites vom östlichen Abhänge des Jenzigs bei Jena; Vergrösse- 
rung 225 fach. 

Glimmer grün; quer durch den Blätterdurchgang durchschnitten, 
gebogen, aufgeblättert; von opakem Ferrit umhüllt; aus Hornstein 
vom Jenzig bei Jena; Vergrösserung 115 fach. 

Glimmer fast farblos, gebrochen; aus dem Dünnschliffe eines 
Hornsteines vom Jenzig bei Jena; Vergrösserung 115 fach. 
Feldspathbroclcen oder -Reste; aus dem Dünnschliffe eines Horn- 
steins vom Hausberge bei Jena; Vergrösserung 125 fach. 
Feldspathbrocken oder -Reste; aus dem Dünnschliffe eines Horn- 
steins vom östlichen Abhange des Jenzigs bei Jena; Vergrösse- 
rung 115 fach. 

Feldspathbrocken oder -Reste, Chalcedon, Apatit, brauner bis 
opaker Ferrit; aus dem Dünnschliffe eines Hornsteins vom 
Kugelberge über Gumperda bei Cahla, parallel zur Schieferung; 
Vergrösserung 125 fach. 

Knüll chenaggregate ; aus aufgeschlämmtem Mergel vom Kugel- 
berge über Gumperda bei Cahla; Vergrösserung 350 fach. 
Mikroschörlit ; aus dem in Chlorwasserstoffsäure unlöslichen 
Rückstände eines mergeligen Dolomites vom östlichen Abhange 
des Zenzigs bei Jena; Vergrösserung 125 fach. 

Mikrozirkon; aus dem in Chlorwasserstoffsäure unlöslichen Rück- 
stände eines mergeligen Dolomites vom östlichen Abhange des 
Jenzigs bei Jena; Vergrösserung 225 fach. 


Terebratula Ecki nov. sp. 
und das Lager dieser Versteinerung bei Meiningen. 
Von Herrn W. Frantzen in Meiningen. 


Schon seit längerer Zeit sind in der hiesigen Gegend auch 
unter den durch ihren Reichthum an Terebrateln ausgezeichneten 
und nach ihnen benannten Terebratelnbänken im unteren Wellen- 
kalk Terebrateln aufgefunden worden, welche nach den bisher 
veröffentlichten Beobachtungen in demselben zerstreut und nur in 
seltenen Exemplaren vorzukommen schienen. 

So machte H. Pröscholdt ] ) einen solchen Fund in einer 
nach seiner Messung 5,5 Meter unter dem Oolith liegenden Schicht 
in der Weissbach bei Meiningen. Eine zweite Terebratel fand er 
in seiner angeblichen »Bank mit Myophoria curvirostris « bei Wel- 
kershausen, deren Höhe über den Modiolaschichten er zu 13 bis 
15 Meter angiebt. Ich bin nach diesen Angaben nicht zweifelhaft, 
dass der Fund in der Weissbach aus der Oolithbank a stammt, 
und vermuthe dasselbe auch bei der Terebratel von Welkershausen, 
obwohl mit dieser Ansicht die angegebene Höhe der Fundstelle 
über der unteren Wellenkalkgrenze allerdings nicht gut überein- 
stimmt, will jedoch die Möglichkeit, dass die Versteinerung auch 
in einem tieferen Horizonte gelegen haben könne, nicht als ganz 
und gar ausgeschlossen bezeichnen. 

Wenn dagegen II. Emmrioh 1 2 ) im Jahre 1868 seine Oolith- 
bank zur Terebratelzone rechnete, so scheint dies mir in Folge 

1 ) Programm der Realschule zu Meiningen vom Jahre 1879. 

2 ) Desgleichen vom Jahre 1868. 


158 


W. Frantzen, Terebratula Ecki nov. sp. 


eines Irrthums geschehen zu sein; denn im Jahre 1873 trennte er 
sie wieder davon ab *) und sagte seihst, dass er die Oolithbank 
bei Abfassung des Programmes von 1868 noch mit den Terebratel- 
bänken »zusammengeworfen« habe, und erst durch Einträgen ihrer 
Verbreitungslinien in die Specialkarte im Maassstabe von 1 : 25 000 
auf ihre scharfe Sonderung' geführt worden sei. Von Terebrateln 
im unteren Weilenkalk erwähnt er selbst in seinen Schriften nichts. 

Ebenso wie von H. PröSCHOLDT waren auch von mir in den 
letzten Jahren hie und da Terebrateln in den Wellenkalkschichten 
unter den Terebratelbänken beobachtet worden. Selten und nur 
in wenigen, leicht aufzuzählenden Exemplaren fand ich sie in 
Emmrich's Oolithbank, und zwar ein solches Exemplar in einem 
Steinbruche der Gemeinde Melkers, ein Paar andere südwestlich 
von Rohr, ferner bei demselben Orte am Lambertsberge eine Platte 
aus dem unmittelbaren Hangenden der Oolithbank ß mit vier 
Exemplaren auf ihrer Oberfläche, und endlich einige Terebrateln 
südlich von Kühndorf, auch bei diesem Orte in einem dünnen 
Kalkplättchen gleich über der eigentlichen Oolithbank. Viel häufiger, 
als in diesem Horizonte, wurden sie an verschiedenen Punkten in 
der Umgegend von Meiningen auch in einer harten, blauen Kalk- 
bank, an anderen Orten in einer Bank von mehr oder weniger 
oolithischer Beschaffenheit, stets in einem Niveau, nicht besonders 
tief unter der Oolithbank Emmrich's von mir angetroffen. 

Alle diese Funde gewannen an Bedeutung, als durch H. Eck's 
Arbeiten * 2 ) im schwäbischen unteren Muschelkalk die Existenz 
zweier Schichten mit Terebrateln in grossem Abstande von einander 
und ferner eine Verschiedenheit der Form der letzteren je nach 
ihrem Lager nachgewiesen worden war. Es lag die Vermuthung 
nahe, dass die Verhältnisse bei Meiningen ähnliche sein möchten. 
Meine Untersuchungen über diesen Gegenstand führten zu dem 
Resultate, dass alle mir früher bekannt gewordenen Fundstellen 
unter der Oolithbank ß sämmtlieh einer und derselben Bank, 
nämlich der Oolithbank a angehören, und dass Terebrateln hier 


x ) Programm der Realschule zu Meiningen vom Jahre 1873. 

2 ) H. Eck, Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. XXXII, Heft II. 


und das Lager dieser Versteinerung bei Meiningen. 


159 


gar nicht selten sind, vielmehr überall darin Vorkommen, an ein- 
zelnen Stellen selbst in recht grosser Zahl, so' dass man die Oolith- 
bank a. in der That geradezu als das untere Hauptlager von Tere- 
brateln, aus welchem sie, wie oben schon angegeben wurde, nur 
in wenigen Exemplaren auch in die Oolithbank ß hinaufgehen, 
bezeichnen kann. Ferner konnte ich constatiren, dass die er- 
wähnten Petrefacten in ihrer Beschaffenheit mit den gleichen Ver- 
steinerungen aus dem unteren schwäbischen Terebratelhorizonte 
Eck’s genau übereinstimmen. 

Obwohl bereits durch den eben genannten Forscher auf die 
Verschiedenheit der Form der Terebrateln in verschiedenen Ho- 
rizonten des Muschelkalks hingewiesen worden ist, so möchten 
doch weitere Mittheilungen über diese Verhältnisse in der hiesigen 
Gegend nicht ganz ohne Interesse sein. 

Alle bis jetzt von mir untersuchten Terebrateln aus den 
hiesigen Oolithbänken a und ß zeigen ebenso wie die Terebrateln 
aus der unteren Terebratelschicht Eck’s im schwäbischen unteren 
Muschelkalk keine Spur von Rinne unter dem Wirbel der Rücken- 
schale, während dieselbe auch bei Meiningen den Terebrateln der 
oberen Abtheilung des unteren Muschelkalks niemals fehlt, weder 
den jungen noch den alten. Ueber die Beschaffenheit der Tere- 
brateln im oberen Muschelkalk in Bezug auf die Rinnenbildung 
hat H. Eck in seiner bereits citirten Arbeit hervorgehoben, dass 
sich hier die Rinne gewöhnlich ebenfalls vorfindet und nur bei 
alten Exemplaren zuweilen blos in Spuren oder kaum vorhanden 
ist. Es existirt also nach TI. Eck zwischen den Terebrateln des 
oberen Muschelkalks und den Terebrateln seiner unteren Terebratel- 
schicht im württembergischen unteren Muschelkalk in Bezug auf 
die Rinne der Unterschied, dass, während dieselbe bei den Exem- 
plaren aus dem oberen Muschelkalk wenigstens in der Jugend 
immer ausgebildet ist, sie bei den Terebrateln des unteren Tere- 
bratelhorizontes überhaupt in keinem Stadium der Lebensdauer 
vorkommt. Dieselben Verhältnisse zeigen auch die Terebrateln 
der hiesigen Gegend. Sehr ausgezeichnet finde ich die Rinne 
auch an der Meinen Terebratula vulgaris var. cycloides aus den 
Nodosenschichten. 


160 


W. Frantzen, Terebratula Ecki nov. sp. 


In gleicher Weise, wie in Württemberg im unteren Muschel- 
kalk die Terebrateln der unteren Terebratelschicht sich durch ihre 
geringe Grösse von den Exemplaren aus der oberen Terebratel- 
schicht unterscheiden, ist dies auch bei Meiningen bei den Tere- 
brateln aus den Oolithbänken und den gleichen Versteinerungen 
aus der oberen Abtheilung des Wellenkalks der Fall. Die letzteren 
sind mit den Terebrateln aus der oberen Terebratelschicht Württem- 
bergs vollständig identisch. 

Indem ich umstehend in einer Tabelle die Maasse verschie- 
dener Terebrateln aus dem unteren Terebratelhorizonte bei Mei- 
ningen und aus Württemberg beifüge, bemerke ich über die Grösse 
dieser Versteinerungen weiter, dass das grösste Exemplar, welches 
ich hier in der Oolithbank « aufgefunden habe, nur 19 Millimeter 
Länge hat, während bei den Terebrateln des oberen Wellenkalks 
in hiesiger Gegend Längen von 30 Millimeter keine Seltenheiten 
sind. Gewöhnlich erlangen die Terebrateln der Oolithbänke nur 
eine Grösse von 15 bis 17 Millimeter. 

Das Verkältniss der Länge des Gehäuses zur Breite ist bei 
diesen Versteinerungen sehr variabel. Man findet bei einem grossen 
Theile derselben Formen, welche viel länger als breit, einen ovalen 
oder seltener auch wohl einen abgerundet - pentagonalen Umriss 
zeigen, so besonders Lei den Terebrateln mit Wülsten auf der 
Rückenschale. Zu solchen Typen gehören die Exemplare unter 
der No. 1 und 2 der Tabelle. Ein anderer Theil hat breite Ge- 
häuse, wie das Exemplar unter No. 4. Die Breite wird bei ihnen 
der Länge fast gleich. Der Unterschied zwischen breiten und 
schlanken Formen ist jedoch kein durchgreifender; vielmehr gehen 
sie in einander über. Die Terebratel unter No. 3 der Tabelle 
gehört zu solchen Uebergangsformen. 

Aus der mitgetheilten Tabelle ist zu ersehen, dass mit der 
verhältnissmässig grösseren Breite im Allgemeinen auch der Schnabel- 
winkel wächst. Während er bei einem meiner schlankesten Gehäuse 
aus hiesiger Gegend bis auf 61 Grad herabsinkt, wird er bei den 
breiten Terebrateln zu einem rechten. 

Eine ganz extreme Gestalt zeigen die Exemplare, deren Maasse 
unter No. 6 und 7 angegeben sind; die beiden Stücke stammen 


und das Lager dieser Versteinerung bei Meiningen, 


161 



11 


Bemerkungen. Die Exenrplare unter No. 1 bis 5 incl. stammen aus der Oolithbank a bei Meiningen, die unter No. 6 
und 7 aufgeführten aus der unteren Terebratelschicht des unteren Muschelkalks bei Aach unweit Freudenstadt in Württemberg. 

Die ersten 6 Ziffern bei jeder No. geben in der oberen Horizontalreihe die Maasse in Millimeter, in der unteren die 
Verhältnisszahlen der übrigen Dimensionen zur Länge der Bauchschale, diese gleich 100 gesetzt. 


162 


W. Fkantzen, Terebratula Ecki nov. sp. 


allerdings nicht aus dem hiesigen, sondern aus dem süddeutschen 
unteren Muschelkalk bei Aach. Bei einem massig grossen Schnabel- 
winkel werden sie in den äusseren Umrissen einem an den Ecken 
abgerundeten gleichseitigen Dreieck ähnlich. Die Breite übert rillt 
bei dem Exemplare unter No. 7 sogar die Länge des Gehäuses, 
wenn auch nur wenig. Auch darin weichen die erwähnten beiden 
Stücke von dem gewöhnlichen Habitus der in Rede stehenden Te- 
rebrateln ab, dass bei ihnen die grösste Dicke ungewöhnlich weit 
vom Wirbel ab gegen den Stirnrand hin gerückt erscheint. Bei 
den meisten Exemplaren liegt dieselbe nicht in der Mitte des Ge- 
häuses, sondern etwas näher zum Schnabel hin. Hierdurch unter- 
scheiden sich diese Terebrateln von der Terebratula vulgaris des 
oberen Wellenkalks, bei welcher die grösste Dicke in der Mitte 
des Gehäuses liegt. 

Die grösste Breite desselben befindet sich an den bisher von 
mir in den Oolithbänken aufgefundenen Terebrateln zuweilen in 
der Mitte, gewöhnlich aber etwas davon entfernt nach dem Stirn- 
rande hin. 

Ueber den bei manchen Terebrateln an der Rückenschale aus- 
gebildeten Wulst bemerkt H. Eck in seiner bereits citirten Ab- 
handlung, dass bei den meisten Terebrateln des unteren Horizontes 
davon nichts zu finden sei. Auch in dieser Hinsicht gleichen die 
Terebrateln der hiesigen Oolithbänke den schwäbischen vollkommen; 
sie sind aussergewöhnlich ganz glatt. Von allen meinen aus hiesiger 
Gegend stammenden Exemplaren hat nur ein einziges von 1 5 1 / 2 Milli- 
meter Länge einen gut ausgebildeten Wulst. Man kann ihn vom 
Stirnrande ab auf 6 Millimeter Länge nach dem Schnabel hin ver- 
folgen. Die Bauchschale zeigt dagegen keine Spur einer der Auf- 
wulstung der Rückenschale entsprechenden Depression; sie bleibt 
völlig glatt. 

Auch im unteren Terebratelhorizonte des württembergischen 
unteren Muschelkalks sind Exemplare mit einem Widste an der 
Rückenschale nicht häufig. Unter 293 Stück, welche ich in der 
Umgegend von Aach und Rohrdorf in Württemberg sammelte, 
befinden sich nur 6, welche einen deutlichen Wulst haben und 


und das Lager dieser Versteinerung bei Meiningen. 


163 


nur ein Paar andere, an denen noch schwache Andeutungen von 
Kanten zu sehen sind. 

Das Vorhandensein des Wulstes ist unabhängig von der äusse- 
ren Form; ich finde ihn an schmalen und breiten, an grösseren 
oder kleineren Exemplaren. Die Kanten, welche in Folge der 
Aufwulstung auf der Rückenschale entstehen, lassen sich zuweilen 
vom Stirnrande bis hart an den Wirbel verfolgen. Bei einer Te- 
rebratel von 17,2 Millimeter Länge sieht man sie vom Stirnrande 
convereirend nach dem Wirbel hin laufen und bei etwa 11,8 Milli- 

<D ' 

meter Abstand verschwinden. Alan darf aus diesen Verhältnissen 
scliliessen, dass die Ausbildung des Wulstes zuweilen schon in 
ganz früher Jugend begann, bei anderen Individuen erst viel später, 
bei den meisten aber gar nicht. 

Der Winkel, unter welchem die Seitenkanten des Wulstes 
convergiren, ist verschieden; bei den breiten Exemplaren ist er 
breiter, bei den schlanken schmäler. So zeigt z. B. ein schmales 
Gehäuse einen Winkel der Wulstkanten von 18, ein ganz breites 
aber einen solchen von 34 Grad. 

Ich habe bereits oben erwähnt , dass das einzige in hiesiger 
Gegend von mir im unteren Terebratelhorizonte aufgefundene Exem- 
plar mit Wulst keine demselben entsprechende Depression der 
Bauchschale zeigt. Bei meinen in Württemberg gesammelten 
Terebrateln ist es gewöhnlich ebenso. Nur ein einziges grosses 
Exemplar von 20 Millimeter Länge, an welchem die Kanten des 
Wulstes bis auf 6 Millimeter Entfernung vom Deltidium besonders 
scharf ausgebildet sind, hat auf der Bauchschale 2 mit den Kanten 
des Wulstes correspondirende, ziemlich tief eingeschnittene Furchen, 
innerhalb welcher die Schale sich jedoch nicht senkt. Ich be- 
merke dazu, dass eine Terebratula vulgaris aus dem Trochitenkalke 
bei Rohr (Section Aleiningen) bei ungewöhnlich starker Ausbildung 
des Wulstes an der Rückenschale ebenfalls tiefe Furchen auf der 
Bauchschale besitzt. 

Den verschiedenen äusseren Formen der Klappen entspricht 
auch ein verschiedener Verlauf des äusseren Randes derselben. 
Die schlanken Exemplare zeigen gewöhnlich eine sanfte Aufbiegung 
des Stirnrandes der Rücken klapp e , an deren Seiten sich da, wo 

11 * 


164 


W. Frantzen, Terebratula Ecki nov. sp. 


bei den Terebrateln mit Wulst die Seitenkanten desselben auf 
den Stirnrand treffen, eine geringe Depression des Randes der 
Rückenklappe vorfindet. Die eben erwähnte und bei den meisten 
Exemplaren vorhandene Aufbiegung des Stirnrandes der Rücken- 
klappe nimmt bei anderen sehr ab, verschwindet bei einzelnen 
auch wohl ganz und gar, so dass der Stirnrand dann mit den 
Seitenwänden in einer Ebene liegt. 

Die bereits wegen ihrer ungewöhnlichen Gestalt und grossen 
Breite erwähnte, unter No. 7 der Tabelle aufgeführte Terebratel 
von Aach ist auch durch eine ungewöhnlich grosse Breite und 
Höhe der Aufbiegung des vorderen Stirnrandes ausgezeichnet. 

Der Bau des Gerüstes im Innern der Schale lässt sich zwar 
nicht genau untersuchen, möchte aber von demjenigen der gewöhn- 
lichen Terebratula vulgaris schwerlich verschieden sein. H. Eck 
sali an württembergischen Stücken hie und da das Septum durch- 
schimmern; bei den hiesigen kann man es ebenfalls zuweilen be- 
obachten, daneben die kurzen Zahngrubenwände. Bei dem Exem- 
plar No. 1 der Tabelle sieht man die letzteren in einer Länge 
von 2, das erstere in einer Länge von 6,3 Millimeter sehr deutlich. 

Wird die Schale der Klappen abgesprengt , wie dies beim 
Zerschlagen des harten Gesteines der Oolithbank a sehr oft ge- 
schieht, so bemerkt man zuweilen an einzelnen dieser Steinkerne 
in der Medianebene der Rückenklappe eine äusserst schwache Ein- 
senkung an derselben Stelle, wo die Terebrateln des oberen Wellen- 
kalks aussen die Rinne unter dem Wirbel zeigen. Sie hat jedoch 
mit der letzteren nichts zu thun und ist lediglich eine Folge der 
Verdeckung der Schale in der Nähe des Septums. 

Von den Gefässen des Tliicres herrührende Eindrücke finde 
ich an den meisten Exemplaren aus der Oolithbank « nicht; nur 
ein einziger Steinkern, von welchem jedoch blos die obere Hälfte 
erhalten ist, zeigt in der Medianebene der Bauchschale eine 
schmale Rinne, welche sich von der abgebrochenen Stelle bis halb- 
wegs zum Wirbel verfolgen lässt. Die württembergischen Tere- 
brateln eignen sich zu solchen Beobachtungen wenig, weil ihre 
Schale gewöhnlich erhalten ist und sich auch nicht leicht entfernen 
lässt. — 


und das Lager dieser Versteinerung bei Meiningen. 


165 


Es ist bemerkenswerth, dass, an der Terebratula vulgaris aus 
dem oberen Terebratelhorizonte des Wellenkalks mehr oder weniger 
deutlich solche Rinnen sehr häufig, vielleicht immer Vorkommen. 
Schlecht erhalten finde ich sie an einem solchen Exemplare von 
Aach; sehr deutlich und oft vom Wirbel bis zum Stirnrande laufend 
an einer ganzen Reihe von Steinkernen aus der hiesigen Gegend. 
Neben der Rinne in der Medianebene liegt an jeder Seite vom 
Wirbel der Bauchschale noch eine kurze, so dass beide gegen 
den Wirbel hin etwas convergiren. Diese Seitenrinnen sind eben- 
falls schmal, nicht tief und erreichen vom Wirbel nur etwa ^4 der 
Schalenlänge. 

Es ist bereits von H. Eck darauf hingewiesen worden, dass, 
falls die dort von ihm erörterten Verhältnisse sich auch für andere 
Gegenden bestätigen sollten, er eine Auszeichnung der Terebratel 
des unteren Terebratelhorizontes im unteren Muschelkalk als Va- 
rietät der Terebratula vulgaris für erlaubt halte. Nachdem von mir 
hier in so weiter Entfernung von den württembergischen Fund- 
stellen dieselbe Versteinerung in grosser Zahl, in besonderem Lager 
und unter ähnlichen Verhältnissen aufgefunden worden ist, möchte 
es sich empfehlen, der von Herrn Eck zuerst unterschiedenen und 
beschriebenen kleinen Terebratel aus dem unteren Muschelkalk 
einen besonderen Namen zu geben. Ich erlaube mir daher den 
Vorschlag, dieselbe zu Ehren des um die Kenntniss des Muschel- 
kalks so hoch verdienten Forschers Terebratula Ecki zu nennen. 

Ob man die Terebratula Ecki nur als Varietät der Terebratula 
vulgaris , wie es anfangs von Herrn Eck selbst geschah, aufzufassen 
habe, oder ob man bei unserer erweiterten Kenntniss der Verhält- 
nisse nicht noch einen Schritt weiter gehen und sie als besondere 
Species auffassen müsse, hierüber äussert sich Herr Eck in einer 
an mich gerichteten brieflichen Mittheilung , aus welcher ich den 
betreffenden Passus zum Abdruck bringe, sehr treffend in folgender 
W eise : 

»Was die Frage: Varietät oder Art? betrifft, so bin ich heute 
durchaus nicht mehr zweifelhaft darüber, dass man es mit einer 
selbstständigen Form zu thun hat. Als ich dieselbe beschrieb, 
kannte man sie mit Sicherheit nur von liier, und wenn sie sich 


166 


W. Fp.antzbn, Terebratula Ecki nov. sp. 


auch hier dem Lager nach von . der Terebratula vulgaris getrennt 
hielt, wäre es doch möglich gewesen, dass sie sich anderswo mit 
der letzteren zusammen gefunden hätte; deshalb bezeichnete ich 
sie vorsichtigerweise vorläufig mit Terebratula vulgaris var. Nach- 
dem sie sich jedoch mit den nämlichen Charakteren und in ähn- 
lichem Lager anderswo gleichfalls getrennt von Terebratula vulgaris 
gefunden hat, kann man sie wohl nicht mehr als Varietät, d. h. 
als gleichzeitig lebende Abänderung, sondern (die Gleichheit des 
innereren Gerüstes vorausgesetzt) höchstens die Terebratula vul- 
garis als Mutation jener, d. h. als verschiedenartige Abänderung 
auffassen, und in solchem Falle hat man bis jetzt und mit Recht 
immer eine selbstständige Bezeichnung gewählt « . 

Um das Lager der Terebratula Ecki mit dem gleichen Hori- 
zonte an anderen Orten vergleichen zu können, erscheint es zweck- 
mässig, zunächst auch über die Beschaffenheit der beiden Oolith- 
bänke a und ß und ihre Lage im Schichtenverbande einige Mit- 
theilungen zu machen. 

Die Oolithbank ß, der »Oolith« Emmrich’s ist eine von zahl- 
reichen kleinen Oolithkörnern angefüllte mächtige Kalkbank. Die 
einzelnen Oolithkörner zeichnen sich ebenso wie die Oolithkörner 
der unteren Schaumkalkbank im oberen Wellenkalk durch ihre 
Kleinheit und durch die grosse Gleichmässigkeit der gewöhnlich 
runden oder doch der Kreisform sich nähernden Körner aus. Sie 
unterscheiden sich dadurch auffällig von den Oolithen der Tere- 
bratelbänke , die sehr gewöhnlich neben mehr oder weniger runden 
Körnern in grosser Zahl auch solche enthalten, welche sehr viel 
mal länger als breit sind, und zuweilen nur wenig durch Wellen- 
schlag abgerundeten Gesteinsfragmenten gleichen. Die Farbe des 
Gesteins ist in Folge der Umwandlung des kohlensauren Eisen- 
oxyduls in Eisenoxydhydrat über Tage überall ockergelb. 

Wie alle Oolithe des unteren Muschelkalks zeigen auch die 
einzelnen Oolithkörner dieser beiden Bänke keine radialfaserige 
Zusammensetzung, während sie auffallender Weise bei den Oolithen 
in der Oolithzone des Trochitenkalks im oberen Muschelkalk Regel 
ist und weit verbreitet zu sein scheint. Ich beobachtete die radial- 
faserige Structur der Oolithkörner in dieser Zone nicht blos hier, 


und das Lager dieser Versteinerung bei Meiningen. 


167 


sondern auch in der Rhön, ebenso nördlich vom Thüringer Walde, 
z. B. am Horstberge bei Mihla (Section Berka). 

Jedes Oolithkorn der Oolithbank ß besteht aus einem oder 
mehreren Krystalloiden mit verschiedener Lage der Krystallaxen. 
Die Kryställchen der Oolithkörner sind sehr oft erheblich grösser, 
als diejenigen, welche die Grundmasse bilden. Die Grösse der 
Oolithkörner beträgt gewöhnlich 0,18 bis 0,24 Millimeter im Durch- 
messer. 

Die Oolithbank ß gehört zu den mächtigsten Bänken des 
Wellenkalks in hiesiger Gegend und wird in dieser Hinsicht nur 
durch die untere Terebratelbank und durch die untere Schaum- 
kalkbank im oberen Wellenkalk übertroffen. Das Liegende der 
eigentlichen Oolithbank besteht gewöhnlich aus einer oder mehreren 
festen, harten, blauen Kalkbänken von bedeutender Mächtigkeit. 
Sie eignen sich daher zu Bausteinen und werden zu diesem Zwecke 
mit dem Gesteine der oolithischen Schichten zuweilen gebrochen, 
so bei Melkers und Helba. Aehnliche feste, blaue, ebenflächige 
Kalkbänke bilden bei Meiningen gewöhnlich auch das Liegende 
der übrigen oolithischen oder schaumigen Schichten des Wellenkalks. 
Wo die Oolithbank verdrückt erscheint , oder wie dies auch wohl 
vorkommt, einmal ganz verschwindet, wie es hie und da am rechten 
Ufer der Werra zwischen Grinnnenthal und Meiningen der Fall 
ist, sind gewöhnlich die liegenden blauen Bänke vorhanden und 
können dann bei der Aufsuchung der Bank leiten. Nur an wenigen 
Stellen, so an den Thonköpfen bei Meiningen scheinen auch diese 
zu fehlen. Als ein Beispiel ihrer gewöhnlichen Mächtigkeit gebe 
ich eine Messung: der Bank in dem Steinbruche der Gemeinde 
Melkers an dem zwischen Eutel und den Melkerser Felsen von 
der Hassfurt nach Melkers führenden Wege. Die eigentliche, 
zahlreiche Oolithkörner enthaltende gelbe Oolithbank besteht hier 
aus 2 Packen; der obere 0,34, der untere 0,55 bis 0,65 Meter 
stark, beide getrennt durch eine 0,015 Meter dicke Thonlage. 
Darunter folgt, durch ein Lösen oder einen Thonstreifen von der 
Oolithbank geschieden, eine Bank von 0,48 Meter aus hartem, eben- 
flächigem, blauem Kalk bestehend ; darunter noch eine zweite von 
derselben Beschaffenheit und von 0,40 Meter Dicke. 


168 


W. Frantzen, Terebratula Ecki nov. sp. 


An Petrefacten ist die Oolithbank ß nicht besonders reich, 
weder an Arten noch an Individuen. Neben der sehr seltenen 
Terebratula Ecki bildet sich der Pecten Albertii öfters darin; ausser- 
dem sind besonders noch die Myophoria elegans, deren schöne Er- 
haltung in dieser Bank schon Emmrich rühmt, und in gleicher 
Beziehung auch Myophoria laevigata als häufiger vorkommende 
Petrefacten zu nennen. Encrinitenstiele sind in der Bank gewöhn- 
lich nicht vorhanden; doch kommen sie an anderen Orten zuweilen 
sparsam darin vor und nur an wenigen Stellen auch in grösserer 
Zahl, wie z. B. südlich von Kühndorf (Section Wasungen). 

Eine Messung in der Weissbach bei Meiningen ergab eine 
Höhe der Unterkaute der Oolithbank ß über den gelben Kalken 
an der Basis des Wellenkalks von 119 preussischen Decimalfuss 
oder von 44,80 Meter. 

Die Oolithbank 7 liegt bei Meiningen gewöhnlich 20 Dec.- 
Fuss — 7,53 Meter unter der Unterkante der Oolithkante der 
Oolithbank ß. Emmrich erwähnt sie auf pag. 6 des Programmes 
der Realschule zu Meiningen vom Jahre 1873 lediglich als eine 
feste, blaue Kalkbank. In solcher Gestalt erscheint sie bei Meiningen 
an vielen Stellen; an anderen wird wenigstens, und zwar sehr 
häufig, ihr oberster Theil oolithisch, so am Eschberg bei Walldorf, 
am Schneeberg bei Metzels und an zahlreichen Punkten der Hass- 
furt. In der ganzen Mächtigkeit von Oolithkörnern angefüllt, findet 
man sie nur selten, so in den Bergen bei Neubrunn, an mehreren 
Punkten der Section Helmershausen und besonders ausgezeichnet 
an dem bereits oben erwähnten Fusswege durch die Hassfurt nach 
Melkers. An letzterer Stelle lagert 10 Meter unter der Oolith- 
bank ß, tiefer als ich sie sonst hier irgendwo traf, auf einer festen 
blauen Kalkbank, von gelben Oolithkörnern ganz angefüllt die 
Oolithbank 7 in einer Mächtigkeit von 0,62 Meter; darüber folgen 
Wulstkalke, ebenfalls etwas oolithisch, wechselnd mit thonigen 
Mergelstreifen, 0,32 Meter mächtig; noch höher 0,42 Meter feste 
ebenflächige Sandbänkchen. Eine so grosse Mächtigkeit erreicht 
die Bank gewöhnlich aber nicht ; gewöhnlich ist sie nicht viel über 
Fuss dick. Am Eschberg (Section Wasungen) besteht sie z. B. 
aus einer 0,38 Meter starken, blauen, oben in Oolith übergehenden 


und das Lager dieser Versteinerung bei Meiningen. 


169 


Kalkbank. Darüber liegen 0,17 Meter dicke, gelbliche, mürbere 
Kalkschiefer, welche, wie an vielen anderen Orten von festen blauen, 
geradschiefrigen Kalkbänkchen, hier von 0,45 Meter Gesammt- 
mächtigkeit bedeckt werden. 

Die eben erwähnten gelblichen, oft festeren, oft aber auch 
ziemlich mürben, wenig mächtigen Schichten unmittelbar im Han- 
genden der Oolithbank a sind dadurch ausgezeichnet, dass in ihnen 
die Terebratula Ecki ebenso vorkommt , wie auch in der Oolith- 
bank 7. selbst; man findet an ihnen diese Versteinerung zuweilen 
sogar in viel grösserer Zahl, als in der letzteren, und kann sie da, 
wo die gelben Schichten mürber werden, leichter in unbeschädig- 
tem Zustande daraus sammeln. 

Die Oolithkörner der Oolithbank a sind ebenfalls gewöhnlich 
ockerfarbig, wie diejenigen der oberen Bank; nur an wenigen 
Stellen werden sie etwas lichter. Zuweilen findet man unter einer 
gelben oolithischen Verwitterungsrinde auch wohl noch den unver- 
witterten blauen Kern. Die Grösse der einzelnen Körner mag 
etwa 0,20 Millimeter betragen; sie sind gewöhnlich rund und 
gleichinässig , wie in der oberen Oolithbank. An anderen Orten 
jedoch, wie z. B. am Eschberge, sind neben den runden zuweilen 
auch solche Körner in mehr oder weniger grosser Zahl vorhanden, 
welche erheblich, sogar 4 oder 5 mal länger als breit sind. 

An Petrefacten ist neben der Terebratula Ecki besonders das 
häutige Vorkommen von Limen, in den beiden Formen der Lima 
Uneata und radiata , in breiten oder schmäleren Exemplaren zu er- 
wähnen. Ausserdem findet man darin öfters den Turbo gregorius , 
sparsamer Tellinites anceps , Chemnitzia obsoleta und andere im 
Wellenkalk weit verbreitete und darum auch ziemlich gleichgültige 
Dinge. Encrinitenstiele kommen oft darin vor; einzelne Platten 
sind auf ihrer Oberfläche zuweilen ganz davon bedeckt. Von 
solchen Fundpunkten, wo ich in dieser Bank die Terebratida Ecki 
in grösserer Zahl traf, erwähne ich beispielsweise die Stelle bei 
Grenzstein No. 37 in den »Diemar’schen Schlägen« in der Hass- 
furt, eine andere Stelle bei Stein No. 72 in der Streitleite, die Um- 
gebung des Walldorfer Kopfes und besonders auch die Berge bei 
Neubrunn. An anderen Orten ist die Versteinerung jedoch zu- 


170 


W. Frantzejj, Terebratula Ecki nov. sp. 


weilen nur spärlich vorhanden, so z. B. in den Bergen zwischen 
Walldorf und Metzels (Sect. Wasungen); doch habe ich noch 
nirgends vergeblich nach ihr gesucht. Allerdings macht es bei 
Meiningen mehr Mühe, wie in Württemberg, sich eine grössere 
Anzahl guter Exemplare zu verschaffen; denn einmal ist das Bänk- 
chen nur dünn und daher nur an nackten Felsen gut aufgeschlossen; 
dann aber ist das Gestein gewöhnlich auch sehr hart, so dass die 
herausgeklopften Terebrateln gewöhnlich nur Bruchstücke bilden 
oder auch nur als Steinkerne aus dem festen Materiale heraus- 
springen. Ausgewitterte, ganz unbeschädigte Exemplare habe ich 
nur in wenigen Stücken finden können. Wären die Verhältnisse 
hier wie in Württemberg und zerfiele die Oolithbank a hier eben- 
so in mergelige Erde, wie dies bei der unteren Terebratelschicht 
bei Aach und Rohrdorf der Fall ist, so würde man die in Rede 
stehende Versteinerung hier gewiss in eben so grosser Anzahl wie 
dort sammeln können; auch wäre in diesem Falle ihr Lager sicher- 
lich nicht so lange verborgen geblieben. 

o O O 

Das Zwischenmittel zwischen den Oolithbänken v. und ß ist 
bei Meiningen gewöhnlicher blauer Wellenkalk. Nur die gelb- 
lichen, zuweilen etwas mürben und mergeligen Kalke im unmittel- 
baren Hangenden der Oolithbank a, welche sich etwas höher hie 
und da in Spuren wiederholen, erinnern an die durch Eisenoxyd- 
hydrat gefärbten Schichten, welche diesen Horizont nördlich vom 
Thüringer Walde kennzeichnen 1 ). 

D ie Bezeichnung der beiden Oolithbänke mit den Buchstaben 
o. und ß habe ich den von der Königl. Preussiselien geologischen 
Landesanstalt herausgegebenen geologischen Karten, auf welchen 
nördlich vom Thüringer Walde 2 ) die untersten beiden Schaum- 
kalkbänke mit den gleichen Buchstaben bezeichnet sind, entnommen. 
Ueber die Identität der genannten Schichten kann bei dem gleich- 
förmigen Aufbau aller oder doch fast aller mächtigeren Bänke im 
unteren Muschelkalk, überall mit gleichen Eigenschaften und Pe- 
trefacten, kein Zweifel sein. Die Oolithbank a liegt bei Meiningen 


x ) Fr. Moesta, Erläuterungen zu Blatt Netra. 

2 ) Blatt Netra. 


und das Lager dieser Versteinerung bei Meiningen. 


171 


in demselben Abstande von der Oolithbank ß , in welchem auch 
nördlich vom Thüringer Walde die Schaumkalkbank ß über die. 
Schaumkalkbank a vorkommt. So liegt z. B. bei Kreuzburg an 
der Werra die letztere nach meiner Messung 20,6 Dec. -Fuss = 
7,7 Meter unter der ersteren. Die ganze Differenz in der Ent- 
wickelung der Oolithbank a hier und dort ist nur die, dass die 
Bank hier gewöhnlich etwas dünner ist, und meistens weniger 
Oolithkörner enthält, wie nördlich vom Thüringer Walde. 

Wenn Id. Proscholdt 1 ) dagegen die Behauptung aufstellt, 
dass die »im Werrathale, in der dihön, in Hessen und bei Arnstadt 
vorkommende Oolithbank« sich im westlichen Nordthüringen durch 
Einlagerung von Wellenkalk in 2 oolithische Bänke spalte und auf 
diese Weise »ein 25 Fuss breites Band« entstehe, so muss ich 
dieselbe als thatsächlich unbegründet und irrig bezeichnen. 

Wenn auch mit gleicher Bestimmtheit die Identität der un- 
teren Terebratelschicht im unteren Muschelkalk Württembergs mit 
der Oolithbank a nicht bewiesen werden kann, weil die Terebratula 
Ecki bei Meiningen nicht blos in einer einzigen Schicht gefunden 
wird, sondern auch, wenn auch nur in wenigen Exemplaren, nach 
oben hin in die Oolithbank ß hinaufreicht, und ihr Horizont auch 
nach unten hin vielleicht noch erweitert werden müsste, wenn die 
von H. Loretz 2 ) bei Schalkau am südlichen Thüringer Walde 
8 bis 10 Meter über der unteren Wellenkalkgrenze aufgefundenen 
Terebrateln mit Terebratula Ecki identisch sein, und ihr Lager 
noch unter der Oolithbank a liegen sollte, so ist sie doch sehr 
wahrscheinlich. Dafür spricht neben der Häufigkeit der erwähnten 
Versteinerung in der Oolithbank a und in der unteren württem- 
bergischen Terebratelschicht auch die Lage der beiden Bänke im 
Schichtenverbande. In Württemberg liegt nach II. Eck die untere 
Terebratelschicht fast genau in der Mitte zwischen der unteren 
Grenze des Muschelkalks und der Schicht mit Terebratula vulgaris 
in der oberen Abtheilung desselben. Hier in Meiningen ist dies 


B Programm der Realschule zu Meiningen 1879, pag. 9 ff. 

2 ) H. Loretz, Notizen über Buntsandstein und Muschelkalk in Südthüringen, 
abgedruckt im Jahrbuche der Königl. preuss. geol. Landesanstalt pro 1880. 


172 


W. F rantzen , Terebratala Ecki noy. sp. 


ebenso; denn die Oolithbank a. liegt 99 Dec.-Fuss = 37,27 Meter 
über der unteren Wellenkalkgrenze und 91 Dec.-Fuss = 34,26 Meter 
unter der unteren Terebratelbank. 

Für die Untersuchung der vorliegenden Frage ist ferner das 
Vorkommen des Ammonites Buchi in dem Mittel zwischen den 
beiden Oolithbänken nicht ohne Bedeutung. In diesem Niveau 
fand ich den erwähnten Ammoniten in 4 3 /4 Meter Höhe unter der 
Oolithbank ß, allerdings nur ein einziges Exemplar. Wenn nun 
diese Versteinerung, immer einzeln und selten hier auch in den 
Schichten des unteren Wellenkalks unter der Oolithbank a und 
von II. I jORETZ *) am südlichen Thüringer Walde sogar schon in 
den Rötlikalken beobachtet worden ist, so hat der Fund bei Wel- 
kershausen doch aus dem Grunde einige Wichtigkeit, weil auch 
an anderen Orten der Ammonites Buchi über der untersten Schaum- 
kalkbank vorkommt. So ist er nach II. Eck * 2 ) bei Rüdersdorf nur 
wenige Fuss über der untersten Schaumkalkbank beobachtet worden. 
Die letztere liegt dort 246 Fuss über der unteren Muschelkalk- 
grenze und 170 Fuss 4 Zoll unter den Schichten mit Terebratula 
vulgaris , also auch nicht übermässig weit von der Mitte zwischen 
beiden Horizonten entfernt. In Württemberg liegt die Schicht mit 
Ammonites Buchi nach demselben Forscher 3 ) nur wenige Fuss über 
der Schicht mit Terebratula Ecki. 

Aus diesen Untersuchungen über die Petrefacten, über die 
stratigraphischen und petrographischen Verhältnisse der betreffen- 
den Bänke geht hei'vor, dass man mit genügender Sicherheit die 
hiesige Oolithbank a, welches die unterste der sogenannten Schaum- 
kalkbänke im hiesigen Wellenkalk ist, die unterste Schaumkalk- 
bank im unteren Muschelkalk bei Rüdersdorf und in Norddeutsch- 
land überhaupt und endlich die untere Terebratelschicht im unteren 
Muschelkalk Württembergs als gleichzeitige Ablagerungen betrach- 
ten darf. 

Mit diesem Horizonte fällt in Norddeutschland die zur Glie- 
derung des unteren Muschelkalks in eine obere und untere Ab- 


x ) H. Loretz, a. a. 0. S. 144. 

H. Eck, Rüdersdorf und Umgegend S. 62. 

3 ) H. Eck, a. a. 0. S. 42. 


und das Lager dieser Versteinerung bei Meiningen. 


173 


theiluns: gezogene Grenze zusammen, während sie für die geolo- 
gische Kartimng an der Ostseite des Thüringer Waldes bei Jena, 
und an seiner Westseite bei Meiningen erst bei der ersten Bank 
mit Terebratula vulgaris in viel höherem Niveau angenommen 
wird. Wenn auch bei einer geologischen Landesuntersuchung? 
welche speciellere Zwecke, wie rein wissenschaftliche Untersuchun- 
gen zu verfolgen hat, es unthunlich sein mag, überall denselben 
Horizont zur Gliederung eines Schichtensystems zu benutzen, schon 
aus dem Grunde, weil nur mächtigere Bänke und leicht in die 
Augen fallende Schichten - Complexe mit genügender Sicherheit 
verfolgt werden können, so wäre es zur Vermeidung von Miss- 
verständnissen doch sehr wünschenswerth, wenn wenigstens in der 
Literatur eine gleichförmigere Theilung des unteren Muschelkalks, 
als bisher angenommen und die Grenze überall, wo es angeht, bei 
der untersten schaumigen oder oolitliischen Bank gezogen würde. 
Seitdem der gleiche Horizont auch in Süddeutschland mit ge- 
nügender Sicherheit feststeht, würde durch Verlegung der übrigens 
auch durch Herrn Eck nur als provisorisch bezeichneten Grenze 
zwischen der oberen und unteren Abtheilung des unteren Muschel- 
kalks in Süddeutschland nach der Schicht mit Terebratula Ecki 
eine, wenn auch vielleicht nicht ganz genaue, aber doch genügende 
Uebereinstimmung in der Gliederung; des Wellenkalks in den ver- 
schiedenen Gegenden erzielt werden können. 


Erklärung der Tafel 5. 

Fig. 1. Terebratula Ecki sp. n. (schmaler Typus) aus der Oolith- 
bank u von der Streitleite bei Meiningen in natürlicher Grösse. 
Original in der Sammlung der Königlichen Bergakademie zu 
Berlin. 

a) Ansicht gegen die Rückenklappe. 

b) Ansicht gegen die Bauchklappe. 

c) Ansicht von der Seite. 

d) Ansicht gegen den Stirnrand. 


174 


W. Fisantzen 


Terebratula Ecki nov. sp. und das Lager etc. 


Fig. 2. Terebratula Ecki sp. n. (breiter Typus) aus der Oolithbank « 
von der Streitleite bei Meiningen in natürlicher Grösse. Original 
ebendaselbst. 

a) Ansicht gegen die Rückenklappe. 

b) Ansicht gegen die Bauchklappe. 

c) Ansicht von der Seite. 

d) Ansicht gegen den Stirnrand. 

Fig. 3. Terebratula Ecki sp. n. aus der unteren Terebratelschicht des 
Muschelkalks von Aach in Württemberg in natürlicher Grösse. 
Original ebendaselbst. 

Das Exemplar hat einen Wulst auf der Rückenschale und 
correspondirende Furchen auf der Bauchschale. 

a) Ansicht gegen die Rückenklappe. 

b) Ansicht gegen die Bauchklappe. 

c) Ansicht von der Seite. 

d) Ansicht gegen den Stirnrand. 

Fig. 4. Terebratula vulgaris Schl. Ausgewachsenes Exemplar aus der 
oberen Terebratelschicht des unteren Muschelkalks von Aach in 
Württemberg. Original ebenda. 

a) Ansicht gegen die Rückenklappe. 

b) Ansicht gegen die Bauchklappe. 

c) Ansicht von der Seite. 

d) Ansicht gegen den Stirnrand. 


Beitrag’ zur geologischen Kenntniss 
der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe 
in Thüringen. 

Von Herrn H. Loretz in Frankfurt a. M. 


Einleitendes. 

Wie in anderen Ländern, so hat sich auch in Thüringen das 
alte Schiefergebirge, oder das Grauwacken- und Uebergangsge- 
birge der altern Geologen in die uns nunmehr geläufigen Systeme 
des Cambrium, Silur, Devon etc. aufgelöst, nachdem solche zuerst 
in England durch die bahnbrechenden Arbeiten hervorragender 
Geologen als klar gesonderte Einheiten aus dem Dunkel hervor- 
getreten waren, das bis dahin allenthalben über der Gesammtheit 
der alten Schieferschichten gelegen hatte; und wie anderswo, sind 
auch in Thüringen und den geognostisch gleich beschaffenen Nach- 
bargebirgen in der schärfern Trennung und Unter abtheilung der 
alten Schicht en Systeme durch die fortgesetzten Untersuchungen 
hochverdienter Forscher gar manche Fortschritte zu verzeichnen 
gewesen. 

Es kann liier, wo wir uns ein enger begrenztes Thema gesetzt 
haben, nicht unsere Absicht sein, die Entwickelung der gesammten 
alten Formationen im thüringischen Gebirge vorzuführen, wie sie 
sich uns aüf Grund der genannten Forschungen nun als eine Reihe 
sichergewonnener Resultate darstellt; auch müssen wir darauf ver- 
zichten, eine geschichtliche Darlegung der sich nach und nach 
erweiternden und vertiefenden Kenntniss unseres Schiefergebirges 


176 


H. Lohetz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


zu geben und den Wechsel der Auffassungen vorzuführen, welche 
hierbei geltend gemacht wurden. Wir können von dieser Dar- 
legung um so eher absehen, als schon Gümbel in der »geogno- 
stischen Beschreibung des Fichtelgebirges« S. 417 ff. (in den 
einleitenden Worten zur Silurformation) die Arbeiten und An- 
schauungen der Geologen kurz vorführt, welche in den letzten 
Jahrzehnten bis zur Gegenwart die geologische Erkenntniss des 
Thüringischen Schiefergebirges, wie der benachbarten, bildungs- 
verwandten Gebirge gefördert haben x ). — Was die Darstellung 
der einzelnen Formationen selbst betrifft, so enthält das genannte 
Werk auch in dieser Beziehung die reichhaltigste Belehrung. 

Unserem Thema näher tretend, möchten wir vorher aus der 
ganzen Reihe stratigraphisch und paläontologiscli bedeutsamer Ho- 
rizonte unseres Schiefergebirges nur einige wenige kurz hervorheben, 
welche in der unzweifelhaftesten Weise das Vorhandensein ächter 
Silur bil düngen in demselben haben erkennen lassen; wir denken 
hier zunächst an die dunkelen, kohlereichen, theils als Kieselschiefer, 
tlieils als erdige Schiefer ausgebildeten Graptolithenschiefer, 
welche nach Gestein wie nach ihren organischen Resten ganz so 
im Silur anderer Länder wiederkehren; wir erwähnen dann ferner 
die merkwürdigen, verzerrten, zu Ogygia oder Asaphus gehörigen 
Trilobiten eines tieferen Horizontes, des Steinadler Griffel- 
schiefers; und jene eigenthümliche, den Griffelschiefer unter- 
lagernde Eisensteinbildung, den Thurin git- Horizont, welcher 
wenn auch nicht in Thüringen, so doch weiter östlich, wohin er 
deutlich zu verfolgen ist, zahlreiche Exemplare einer kleinen 
Orthis enthält, deren nächststehende Verwandten in den schwe- 
dischen Paradoxidesscliichten liegen. Ein Horizont mit einer 
eigentlichen Primordialfauna hat sich bisher in Thüringen etc. nicht 
nachweisen lassen ; aber wir sind durch die letztgenannten Hori- 
zonte schon in die tieferen Regionen des Silur verwiesen. 

Wenden wir uns nun von diesem Standpunkte abwärts zu 
dem älteren Schiefer, so treten wir in ein Gebiet ein, wo uns 


1 ) Vergl. auch Richter, Das thüringische Schiefergebirge, Zeitschr. d. D. geol. 
Ges. 1869, im Eingang. 


der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


177 


sichere paläontologische Kennzeichen verlassen 1 ); noch eine äusserst 
mächtige Schichtenreihe, Thonschiefer mit anderweitigen Einlage- 
rangen, haben wir hier zu durchschreiten, bis jenseits in den ersten, 
deutlicher krystallinischen Schiefern wieder eine Orientirungsmarke 
erscheint, welche das Reich der eigentlich archäischen oder kry- 
stallinischen Schiefer Systeme ankündigt. 

Wenn eine grosse Mächtigkeit und eine grosse räumliche 
Verbreitung im Verein mit gewissen gemeinsamen, durch das Ganze 
gehenden lithologischen Charakteren Grund sein können, eine ge- 
wisse Schichtenfolge als »Formation«, oder »System« im neuern 
Sinne gelten zu lassen, zumal in Regionen des Gesammtschichten- 
gebäudes, wo Versteinerungen fehlen, oder zu fehlen beginnen: 
so trifft ein solcher Grund gewiss für die bezeichnete Schichtenfolge 
zwischen Silur und Archäisch in Thüringen, dem Fichtelgebirge 
und Vogtlande zu. Und wie in England ein ähnlicher Sachverhalt 
wesentlich mit bestimmend war zur Aufstellung der c am bri sehen 
Formation, unter der sibirischen, so liegen die Verhältnisse in unserem 
Gebirge ganz so, dass, nachdem einmal die sibirische Formation 
in dasselbe eingeführt war, die der cambrischen uns als noth- 
wendige Folge erscheint. 

Solche Erwägungen sind es, auf Grund deren bereits in einer 
Anzahl neuerer Publicationen über die genannten Gebirgsländer 
seitens verschiedener, um die geologische Kenntniss derselben hoch- 
verdienter F orscher, das cambrische System als solches in Be- 
schreibung und Kartendarstellung erscheint; und wir können uns 
in dieser Beziehung nur dieser Festsetzung anschliessen 2 ). 


x ) Auf die wenigen auch hier noch vorhandenen organischen Reste kommen 
wir später zu sprechen. 

2 ) S. besonders: 

Richter, das thüringische Schiefergebirge, Zeitschr. d. D. geol. Ges. 1869, Bd. XXI. 
Liebe, Lieferung 13 der geolog. Specialkarte von Preussen und den thüringischen 
Staaten, Karten und Erläuterungen, 1878. 

Gümbel, Geognostische Beschreibung des Fichtelgebirges (3. Abth. der geog. 

Beschreibg. d. Königr. Bayern) nebst Atlas, Gotha 1879. 

Liebe, Erläuterung zu Blatt Zeulenroda der geologischen Specialkarte von 
Preussen etc. 1881. 

Schon Murchison hat sich auf Grund eigener Anschauung für die Selbstän- 

12 


178 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


Dürfen wir somit die Selbständigkeit einer cambrischen For- 
mation in unserem und dem benachbarten Scliieferg’ebirg'e als eine 
wohl begründete anseben, so ist es andererseits, wie in so vielen 
ähnlichen Fällen nicht leicht, deren obere und untere Grenze an- 
zugeben. Am besten gelingt dies noch mit der obern Grenze, 
obgleich auch liier über die Zutheilung einiger Grenzschichten nach 
oben oder unten Zweifel entstehen können; schwieriger aber ist 
es anzugeben, wo das cambrische Gebiet abwärts aufhört und das 
eigentlich archäische Gebiet der Phyllite beginnt; hier ist der 
Uebergang, wenigstens in gewissen Gebirgspartieen so allmählich, 
dass es nicht Wunder nehmen kann, wenn die Auffassungen zweier 
in verschiedenen Gebieten arbeitenden Geologen sich nicht decken, 
und der Eine, indem er von den archäischen Systemen sich aufwärts 
begiebt, Vieles zum Pliyllit zieht, was der Andre, abwärts schreitend, 
noch cambriscli nennt. Indess kann man diese unvermeidliche 
Unsicherheit nicht als Grund für das Nichtvorhandensein einer 
der beiden Formationen (Systeme) vorführen wollen; wiederholt 
sich doch dieser allmähliche Uebergang so oft zwischen zwei 
geologischen Systemen und namentlich auch in diesen tiefem 
Regionen des Schichtengebäudes. 

Besonders hervorheben müssen wir aber an dieser Stelle, dass 
wir neben dem cambrischen System ein solches der ph yl li- 
tis chen Schiefer im Thüringischen Gebirge als selbständig an- 
nehmen, was später näher zu begründen sein wird; diese Trennung 
ist in den bisherigen Beschreibungen und Kartendarstellungen des 
Thüringischen Schiefergebirges noch nicht durchgeführt worden. 

W enn wir unser cambrisclies System, wie es sich in Thüringen, 
dem Fichtelgebirge und Vogtlande darstellt, mit den cambrischen 


digkeit einer cambrischen Formation in Thüringen ausgesprochen. (Gümbel, 
1. c. S. 105.) 

Schon ehe das Vorhandensein der uns jetzt geläufigen Formationen oder 
Systeme im Schiefergebirge Thüringens und der Nachbargebiete erkannt war, 
musste den älteren Geologen das die eigentliche cambrische Partie hauptsächlich 
ausmachende Schiefergestein, die »grüne oder graugrüne Grauwacke«, als ein 
durch Mächtigkeit, Verbreitung und gemeinsame lithologische Charaktere hervor- 
ragendes Gebirgsglied des gesammten »Grauwackengebirges« erscheinen. 


der cambrisch-phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


179 


Systemen anderer Länder vergleichen, so werden wir kaum er- 
warten dürfen, ganz analoge Bildungen wiederzufinden. Macht 
sich doch auch bei den paläolithischen Systemen die verschieden- 
artige Entwickelung in getrennten Bildungsräumen bemerklieh; 
und zudem sind die organischen Reste dieser ältesten der Ver- 
steinerungen führenden Schichtenfolgen so dürftig und z. Th. auch 
zweifelhafter Natur, dass auch in dieser Hinsicht eine Parallelisirung 
auf Grund einer Anzahl identischer Species nicht verlangt werden 
kann. Was speciell die organischen Reste unseres Cambriums 
betrifft, so wird sich weiter unten Gelegenheit finden, Einiges 
über dieselben anzuführen; bemerkt sei hier nur, dass bis jetzt 
vegetabilische Reste, sowie gewisse Brachiopoden und Bivalven 
gefunden worden sind, während Trilobiten noch fehlen. Abgesehen 
von diesen organischen Resten und unbeschadet der hieraus sich 
etwa ergebenden Analogien, muss immerhin das Hauptgewicht auf 
die Stellung dieser mächtigen Schieferreihe zwischen Repräsen- 
tanten der obersten archäischen Bildungen und Untersilurbildungen 
gelegt werden 1 ). 

D Eine nähere Vergleichung des eambrischen Systemes in Thüringen mit den 
cambrischen Bildungen des Auslandes ist besonders auch deswegen erschwert, 
weil, wie bemerkt, Schichten mit der Primordialfauna in Thüringen u. s. w. nicht 
vorhanden sind, wenigstens noch nicht gefunden sind. Die tiefste der Versteine- 
rungen führenden Schichtengruppen von Süd -Wales, die Longmynd oder Harlech 
Group, welche hier zum Vergleich herangezogen werden könnte, und welche von 
H. Hicks, der in neuerer Zeit die stratigraphisch-paläontologische Erforschung der 
alten Schiefersysteme jener Gegenden sich ganz besonders hat angelegen sein 
lassen, zusammen mit der überlagernden Menevian Group zum Lower Cambrian 
gestellt wird, enthält immerhin schon ca. 16 Gattungen aus dem Thierreich, da- 
runter 6 von Trilobiten. 

Auch in Schweden, wo Schichten mit der Primordialfauna (Paradoxides- 
Schichten) vorhanden sind, und die Decke des cambrischen Systemes (Fucoiden- 
Sandstein, Eophyton- Sandstein) bilden, enthält das letztere nach den Angaben 
von Tokell und Linnarsson eine grössere und mannichfaltigere Reihe von z. Th. 
allerdings schwer zu deutenden, organischen Resten als in Thüringen; während 
wenigstens darin eine Aehnlichkeit besteht, dass, wie in Thüringen, noch keine 
Trilobiten Vorkommen. 

Richter (Zeitschr. d. D. geol. Ges. 1869, Bd. XXI, S. 359) erwähnt allerdings, 
es haben sich im cambrischen Schiefer Thüringens einige Pleurenfragmente eines 
Trilobiten (? Paradoxides) gefunden; dies dürfte aber bis jetzt die einzige derartige 
Spur geblieben sein. 


12 


180 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


[lebersicht der Schieferreihe nebst Einlagerungen und ihrer 
Lagerung. Phyllitisches und cambrisches System. 

Die im Folgenden niedergelegten Beobachtungen beruhen auf 
den im Auftrag der Direction der Königl. geologischen Landes- 
anstalt vorgenommenen Specialaufnahmen im Bereich der Sectionen 
1. Masserberg, 2. Breitenbach, 3. Gräfeuthal, 4. Eisfeld, 5. Stein- 
heid, 6. Spechtsbrunn; von welchen 1 und 3 bis jetzt nur theil- 
weise aufgenommen worden sind. Wiewohl dieses Gebiet nur 
einen Theil (allerdings den grösseren) des Gesammtgebietes umfasst, 
welcher in Thüringen vom phyllitisch - cambrischen Schiefersystem 
eingenommen wird, glauben wir doch, dass für die meisten nach 
Gestein und Lagerung im Gesammtgebiet möglichen Beobachtungen 
das nöthige Material auch schon in dem bezeichneten Theilgebiete 
vorliege und die folgenden Mittheilungen rechtfertige. Dieselben 
beruhen grösstentheils auf den Studien in der Natur selbst; petro- 
graphisches Detail , soweit solches nur durch Mikroskop und 
chemische Analyse zu gewinnen ist, umfassen sie nicht. 

In der langen Schichtenfolge von Schiefern, welche älter sind 
als das Silur, haben wir folgende Gruppen oder Zonen unter- 
schieden und kartographisch dargestellt: 

1) eine Zone, deren Schiefer starken pliyl litis dien Glanz 
besitzen, dabei vielfach mit Quarz in dünn interponirten Lamellen 
oder in Linsen und Knauern verwachsen sind, und durchweg enge 
Faltung bis Fältelung der Strafen aufweisen, keinen oder nur 
wenig Thonschiefer von der Art, wie er die Hauptmasse des 
weiter östlich liegenden Gebirges constituirt, als Zwischenschichten 
enthalten. Wir finden diese phyllitischen Schiefer, wenn wir im 
SW. beginnen, in der Gegend des Biberthaies, N. von Waffenrod 
bei Eisfeld, und von da hinüber zum Schleusethal bei Ernstthal 
und Unterneubrunn; sie zieht NÖ.-wärts, unter dem Bothliegend- 
Porphyrit von Neustadt a. B. und Masserberg, nach dem Oelzetlial, 
und über Breitenbach und Böhlen weiter nach NO. 

2) eine Zone ganz eigentümlicher , anscheinend feldspath- 
haltiger Schiefer, nämlich solcher, deren, einem gewöhnlichen 


der cambrisch -politischen Schieferreihe in Thüringen. 


181 


dunkeln Thonschiefer am nächsten stehende Hauptmasse mit Par- 
tikeln, Flasern und Schmitzen feldspathiger, z. Th. vielleicht mehr 
felsitischer Substanz verwachsen ist; neben welcher sich aber auch 
sehr gewöhnlich Quarzkörner und auch wohl Schmitzen und Fla- 
sern etwas differenter thonschieferiger bis quarzitischer Masse gel- 
tend machen: Schiefer, welche in dieser ihrer Zusammensetzung 
einen ganz eigentümlichen Habitus erlangen, der sehr oft, be- 
sonders wenn neben zahlreichen eine rauhe Beschaffenheit des 
Gesteins bedingenden Quarzkörnern auch noch weisse Glimmer- 
schüppchen auftreten, oder die Schiefermasse wenig homogen er- 
scheint, dem Habitus gewisser klastischer Gesteine, etwa aus der 
Grauwackengruppe ähnelt, ohne dass man darin eine innere Ver- 
wandtschaft finden könnte; denn andrerseits können diese Schiefer 
durch stärker pliyl litis che Entwickelung ihrer Schiefermasse sich 
auch den Gesteinen der phyllitischen Gruppe nähern, und ausser- 
dem wird ihre nächste Verwandtschaft und eigentliche Bedeutung 
dann erst klarer, wenn man gewisse schieferige Abänderungen jener 
bemerkenswerten , als » Schieferporphyroide « bezeichxieten 
Gesteine kennen gelernt hat, welche in nicht unbeträchtlicher 
Verbreitung als Einlagerungen der verschiedenen Schiefersysteme 
unseres Gebirges Vorkommen. Ferner ist hier besonders noch her- 
vorzuheben, dass diese eigentümlichen Schiefer der in Rede 
stehenden Zone in regelmässiger Weise mit ganz gewöhnlichem 
dunkelem Thonschiefer, wie er auch in der nächstfolgenden, jün- 
geren Schichtengruppe vertreten ist, wechsellagern, so dass auch 
solcher Thonschiefer wesentlich mit zur Zusammensetzung der 
Zone gehört. — Sie schliesst sich beiderseits an die phyllitische 
Zone an. 

3) eine Zone, deren überwiegende Hauptmasse von eigent- 
lichem Thonschiefer gebildet wird; seine Färbung ist gewöhn- 
lich grau, graugrün, wird aber strichweise auch dunkler bis blau- 
schwarz; sehr gewöhnlich ist der Thonschiefer aus Lagen von 
etwas wechselnder Beschaffenheit nach Färbung und Härte zu- 
sammengesetzt, was auf den in der Richtung der secundären 
Schieferung liegenden Spaltflächen ein streifiges Ansehen bewirkt ; 
und es macht sich dies Verhalten besonders auch bei dem vor- 


182 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


herrschenden Schiefergestein dieser Zone geltend, dem grauen oder 
graugrünen Thonschiefer, der so recht eigentlich die Hauptgebirgs- 
masse des » cambrischen « Systems des Thüringischen Schiefer- 
gebirges ausmacht. — Es hat nicht gelingen wollen, hier noch 
weitere Unterabtheilungen oder Zonen deutlich zu erkennen und 
zu verfolgen; nur Einlagerungen besonderer Gesteine oder Schiefer- 
varietäten lassen sich unterscheiden und abgrenzen und unter 
diesen sind in erster Linie die Quarzite so entwickelt und ver- 
breitet, dass sie fast als wesentliche Glieder des Systems erscheinen. 
Es schliesst sich diese Zone nach O. und SO. an die vorigen 
an und ist bei weitem breiter und mächtiger als die älteren. 
Andererseits kommt sie weniger entwickelt ganz im NW. zum 
Vorschein. 

Während nun eigentliche Quarzite auf den Bereich der unter 
3) angeführten Zone beschränkt bleiben, sind innerhalb der ge- 
nannten drei Zonen noch anderweitige Gesteine als Einlagerungen 
vorhanden, deren Lagerung und Verband mit den umgebenden 
Hauptschieferschichten sie als normale, schichtige Zwischenlagen 
oder Lagerkörper erkennen lässt, welche sich also dem Streichen 
und Fallen der sie einschliessenden Schichten anpassen und auch 
bezüglich ihrer Entstehung mit letzteren nach Stoff und Zeit in 
Verbindung zu stehen scheinen. Es sind dies: 

Einlagerungen von Kieselschiefer und mit solchem ver- 

o o 

wandten, weicheren, schwarzen und abfärbenden Schiefern (Alaun - 
schiefer). Sie machen sich besonders innerhalb der phyllitischen 
Zone geltend, können aber auch in den folgenden Zonen Vor- 
kommen : 

Einlagerungen von gneiss- und granitartigen Gesteinen, 
sowie solche von amphibolischen Gesteinen, von theils mehr 
schieferiger, theils mehr krystallinisch massiger Struktur; diese 
Zwischenschichten sind besonders in den beiden erstgenannten 
Zonen zu finden, der dritten indess auch nicht ganz fremd; so- 
dann noch Einlagerungen von porphyroidis chen Gesteinen 
(Porpliyroiden, Schieferporphyroi den) von ebenfalls theils 
massigem , theils schieferigem Habitus ; sie sind sehr verbreitet, 
wiederholen sich in den verschiedenen Zonen in ganz gleicher 


der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


183 


Weise und umfassen eine ganze Reihe bemerkenswerther und 
eigenthümlicher Gesteinsvarietäteu. 

Betrachtet man die Folge und Ordnung jener Zonen, wie sie 
sich aus der geologischen Detailaufnahme des Gebietes ergiebt, 
so stellen sich die Zonen als die ohne irgend welche scharfe 
Grenze aneinandergereihten und in continuirlich fortschreitender 
Gesteinsbildung auf einander geschichteten grösseren, unterscheid- 
baren Theile einer sehr langen Reihe von Schieferschichten dar; 
und diese Reihe endigt oben, in ihren jüngsten Lagen, an der 
Grenze zum Untersilur, und verliert sich, abwärts gesehen, in 
Schichten von durchaus pliyllitischem Habitus. Dieser untere, 
phyllitisehe Theil nun bietet so viel Analogien mit jenen Schiefern, 
welche man anderwärts, in benachbarten Gebirgen, als der Phyllit- 
formation angehörig betrachtet, dass wir nicht anstehen auch 
unsere phyllitisehe Zone als der Phyllitformation , dem jüngsten 
Gliede der archäischen Formationen angehörig zu betrachten; 
wenn auch in unserer Zone nur ein Theil der gesammten Phyllit- 
formation repräsentirt sein mag. Was ausserhalb des Bereichs 
derselben liegt, würde dann schon dem camb rischen Systeme 
zuzurechnen sein, und unsere zweite Zone, wie wir sie in der 
Partie des Schwarzathaies, und andererseits NW. über Breitenbach 
hinaus finden, würde eine eigenthümliehe , anderswo in dieser 
Weise vielleicht nicht noth wendig wiederkehrende Entwickelung 
der untersten, azoischen, z. Th. schon halb phyllitischen, cambri- 
schen Schieferreihe darstellen 1 ). 

Die phyllitisehe Zone würde nach unserer gegenwärtigen Auf- 
fassung einen Sattel bilden, dem sich beiderseits die Schiefer der 
zweiten Zone anschliessen ; auf diese folgen die eigentlichen Thon- 

!) Wenn wir irgend einen Theii des cambrischen Systemes als speciell 
»untercambrisch« bezeichnen sollten, so wäre es eben diese unter 2) ange- 
führte, auch als halb phyllitisch anzuführende Zone. Wir bemerken indess 
ausdrücklich hier, dass wir in der Folge im cambrischen System kein ober- 
cambrisch und untercambrisch unterscheiden wollen, sondern als cambrisch 
die ganze Schieferreihe bis zu den deutlich phyllitischen Gesteinen annehmen 
wollen (also Zone 2 und 3). — In der »geognostischen Beschreibung des Fichtel- 
gebirges« hat Gümbel die Unterscheidung in ober- und untercambrisch in etwas 
anderem Sinne gebraucht, 1. c. p. 114, 37D. 


184 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


schiefer mit ihren Quarziten. In der That erscheinen ganz in 
NW., in der Gegend von Gillersdorf etc. wieder ächte Thonschiefer 
von ganz demselben Habitus wie wir ihn SO.-wärts gegen die 
höhere cambrische Partie zu finden, nebst Quarziten, welche am 
Langen Berge eine, auch anderswo wiederkehrende eigenthümlich 
grobklastische Beschaffenheit haben. Dass bei dieser Wiederholung 

O o 

der Schichtenfolge beiderseits der Sattelbildung im Einzelnen Ab- 
weichungen oder Nicht-Correspondenzen bezüglich der Mächtigkeit, 
und der Natur und Anordnung der Einlagerungen Vorkommen, 
kann nicht befremden, und ebenso wenig liegt etwas Wider- 
sprechendes darin, dass das Einfallen nicht etwa beiderseits vom 
Sattel abfallend sich zeigt, sondern über grössere Strecken con- 
stant bleibt und nur local oder strichweise wechselt. 

Wir behandeln nun zunächst die einzelnen Zonen von unten 
aufwärts , nach ihrem hauptsächlichen Schiefergestein und ihren 
besondern Eigentümlichkeiten Q ; alsdann die Einlagerungen be- 
sonderer Natur, welche in den verschiedenen Zonen wiederkehren. 
Hieran hat sich eine Besprechung der Lagerungsverhältnisse zu 
schliessen; welcher sich einige Worte in Betreff der Bildungsvor- 
ffänge dieser Sedimente, sowie über die äussere Erscheinung; des 
Schiefergebirges zum Schlüsse anreihen würden. 


Schiefer der pfoylütischen Zone. 

Die Gesteine unserer phyllitischen Schieferreihe sind zunächst 
Phyllit an sich, und sodann verschiedene Modificationen, welche 
hervorgehen aus einer schichtigen Verwachsung von Phyllit mit 
Quarz und Quarzit; Schiefergesteine, welche wir als Quarz- 

*) Bezüglich der vielen Analogien, welche hierbei mit den entsprechenden 
Schieferzonen des Fichtelgebirges, des Vogtland es und Sachsens hervor- 
treten, können wir ganz im Allgemeinen auf die geognostische Beschreibung cles 
Fichtelgebirges von Gümbee und die Erläuterungen zu den betreffenden Sectionen 
der neuen Specialkarte von Preussen mit den thüringischen Staaten, und vom 
Königreich Sachsen verweisen. 


der cambrisch- phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


185 


Phyll it, Pliyll i t-Quarzit und Pliyllit-Quarzitsch iefer be- 
zeichnen wollen. Diese kieselreichen Phyllite überwiegen in 
unserem Schiefergebirge vor dem einfachen Phyllit, mit dem sie 
übrigens in engem Wechsel verbunden und verwachsen Vorkommen 
können. Die meisten hierhergehörigen Schiefer sind enggefaltet 
und gefaltet und erlangen hierdurch, wie durch ihren phyllitischen 
Glanz und ihre sonstigen petrographischen Eigenthümlichkeiten 
einen Habitus, der sie im Handstück und Fragment, wie im an- 
stehenden Fels von den jüngeren cambrischen Thonschiefern unter- 
scheiden lässt. 

Wir gebrauchen die Bezeichnung Phyllit- Quarzit und bei 
stärker vortretender schieferiger Structur Phyllit-Quarzitschiefer 
für jene kieselreichen phyllitischen Schiefer, bei welchen fettglänzen- 
der oder weisser Quarz als solcher nicht deutlich hervortritt, und 
deren Zusammensetzung also auf Phyllit und Quarzit in äusserst 
feinem Wechsel herauskommt 1 ); die Bezeichnung Quarz-Phyllit 
dagegen für jene sehr verbreitet auftretenden Varietäten, welche 
fettglänzenden oder weissen Quarz kenntlich enthält. Hier bildet 
der Quarz dickere und dünnere Platten und Lagen, und solche 
dem Phyllit schichtig eingeschaltete Quarzitzwischenmassen haben 
gewöhnlich die Tendenz anzuschwellen und seitwärts abzunehmen 
und sich zu verlieren, wodurch sie die Form flacher bis sehr 
flacher Sphäroide oder Linsen annehmen, die auf dem Querbruch 
als Adern, Schnüre, Knoten, Flammen etc. erscheinen, und wie 
die einschliesseuden Phyllitstraten mannichfach gebogen und ge- 
knickt sind. Ausserdem noch findet sich der Quarzgehalt auch 
vielfach in dickem bis sehr dicken Linsen und Knauern ange- 
häuft; sie sind meist flaust- bis kopfgross, können aber noch 


Q Derartige Phyllit - Quarzite oder -Quarzitschiefer stehen z. B. wiederholt 
an- der S. -Seite des ßiberthales an, so besonders an dem Wege von der Crocker 
Schneidmühle nach der Höhe W. vor Waffenrod; sie sind hier eben- und dünn- 
schieferig. Je nach der mehr oder minder enge sich wiederholenden Interposition 
der immer dünnen Phyllitlagen zwischen den Quarzitlagen giebt sich auf dem 
Querbruch eine wechselnde Bänderung oder Streifung zu erkennen. — Aus dem 
Umstande, dass gerade diese Strecke sich durch sehr guten Waldbestand aus- 
zeichnet, möchte man fast auf die Beimengung fein vertheilter feldspathiger Sub- 
stanz schliessen. 


186 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


bedeirtendere Dimensionen, etwa bis 1 Meter Durchmesser er- 
reichen. 

Die genannten phyllitischen Varietäten gehen indess sehr in 
einander über. 

Die Quarzmasse der dicken Linsen und Knauer ist fest 
mit Phyllitschalen umwachsen und vielfach auch von Phyllit flaserig 
durchzogen (reiner Phyllit oder kieselreicher Phyllit, je nach der 
Umgebung). Sehr gewöhnlich ist die Vergesellschaftung dieses 
Linsenquarzes mit mehr oder minder reichlich vorhandenem Feld- 
spath von noch zu untersuchender Natur; der Quarz ist dabei in 
trum - oder breccienartiger Weise vom Feldspath durchwachsen, 
auch dringt der letztere wohl in die anhaftenden phyllitischen Scha- 
len ein; auch kommt es vor, dass Quarz und Feldspath mehr 
schichtweise oder in unregelmässig in einander verschwimmenden 
Lagen wechseln, wodurch ein Ansehen entsteht, welches dem 
mancher Porphyroide sich nähert. Chlorit, wohl secundärer Ent- 
stehung ist ebenfalls ein fest constanter Begleiter der genannten 
Mineralien; man bemerkt, dass er besonders an der Grenze von 
Quarz mit dem einschliessenden oder in Flasern durchziehenden 
Phyllit angehäuft ist. Wiederholt wurde auch in diesen Quarz- 
knauern das Vorkommen von weissem Glimmer beobachtet, der 
zum Theil individualisirt, zum Theil in zusammenhängende Häute 
verwoben erschien; da letztere sich auf unregelmässig verlaufenden 
Fugen der Quarzknauer vorfanden, an denen Ablösung stattfand, 
so kann an secundäre Entstehung dieses Glimmers gedacht werden. 
Im eigentlichen Phyllitgestein jedoch scheinen weisse Glimmer- 
blättchen, die mit blossem Auge sichtbar wären, zu fehlen Q. 

x ) Bei ganz frischem Zustand des Gesteins ist der Quarz dieser Linsen und 
Knauer des Phyllits stark fettglänzend, rauchgrau und durchscheinend. Vielleicht 
nur durch Vermehrung der ihn durchsetzenden Sprünge erscheint er beim ab- 
gewitterten Gestein mehr weiss. Auch der Phyllit selbst erscheint in ganz fri- 
schem Zustand um mehrere Nuancen dunkeier als nach Einwirkung der Atmo- 
sphärilien. Unter den primären Bestandtheilen dieser Quarzeinschlüsse des 
Quarz-Phyllites ist auch der Schwefelkies zu nennen ; auf ihn sind die Eisenrost- 
flecken und -putzen zurückzuführen, welche sich alsbald einstellen, wenn frisch 
gebrochenes Gestein eine Zeit lang an der Luft gelegen hat. ■ — Die Quarzknauer 
und sonstigen Quarzeinschlüsse des Phyllits bilden einen ansehnlichen Theil 
seiner Residuen im Verwitterungsboden. 


der cambrisch- phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


187 


Gute Aufschlüsse in den Schichten der phyllitischen Zone, 
besonders des Quarz - Phyllits bieten: das Oelzethal vom Ausgang 
des Bocksbaches aufwärts, an der Landstrasse (Sectionen Masser- 
berg und Breitenbach); die Landstrasse von Oelze nach Breiten- 
bach, die Strasse an der Mühlleite von Schwarzmühl nach Böhlen 
(beide auf S. Breitenbach); das Biberthal, im Thalgrund an der 
Landstrasse und aufwärts an den Gehängen der N. -Seite, nach 
Schnett und Heubach zu (Section Eisfeld); ausgezeichnet und 
typisch stehen auch diese Gesteine an bei Ernstthal im Schleuse- 
thal, besonders am Bach selbst (Section Masserberg). — Das Ge- 
stein ist in seiner quarzreichen Ausbildung zu Felsbildungen ge- 
neigt-, wie z. B. an mehreren Stellen des Biberthaies. 

Bis jetzt nur an einigen wenigen Stellen dicht bei Ernstthal 
(Bl. Masserberg) wurde eine ganz besondere phyllitische Gesteins- 
modification beobachtet, die darin besteht, dass in enggefälteltem, 
quarzfreiem Phyllit krystallinisch aussehende Calcitkörnchen ent- 
halten sind; durch Verwitterung verschwinden sie und hinterlassen 
dunkel rostbraune Poren; also eine Art Kalk -Phyllit (entspre- 
chend einem Kalk - Glimmerschiefer) Q. 

x ) Anmerkungsweise seien liier noch die bis jetzt nur vom Kirchberg bei 
Böhlen (Bl. Breitenbach) bekannten Kupfererz haltigen Einlagerungen des 
Quarz - Phyllites erwähnt. Soviel sich an den wenigen noch zugänglichen Auf- 
schlüssen erkennen lässt, besteht das Vorkommen in grossen Knauern oder un- 
regelmässig linsenförmig gestalteten Massen von Quarz und einem Carbonat in 
inniger Verwachsung, welche Kupferkies und vielleicht noch anderes Kupfererz 
eingesprengt enthalten, daneben auch von Flasern und Häuten eines seric.itischen 
Minerals durchzogen sind. Nach aussen sind sie mit phyllitischen Schalen ver- 
wachsen und durch diese mit dem sie einschliessenden Phyllit und Quarz -Phyllit 
verbunden. Solcher Knauer und Linsen scheinen sich in derselben Schichtfläche 
oft viele gedrängt aneinander zu schliessen und in einander zu verschmelzen ; 
doch ist das ganze Vorkommen auf eine nur einige hundert Schritt breite Zone 
an der Südseite des genannten Berges beschränkt, innerhalb deren eine gewisse 
Anzahl solcher Kupfer führenden Schichten enthalten sind. Das erwähnte Car- 
bonat bewirkt beim Verwittern eine ockerfarbige Rinde, hiernach und nach dem 
Verhalten zu Säure scheint es eisenhaltiger Dolomit zu sein, wenigstens zum 
Theil. Das Kupfererz findet sich meist in Malachit verwandelt. Ausserdem 
kommt, ebenfalls wohl secundär aus der Zersetzung des Kupferkieses entstanden, 
Rotheisen und Eisenglanz, vielfach als Anflug, Rinden etc. vor. Wiederholt sind 
auf dieses Kupfervorkommen ohne lohnenden Erfolg bergmännische Unternehmun- 
gen gegründet worden. 


188 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


Wir ergänzen unsere Mittheilnngen über die Schiefergesteine 
der phyllitischen Zone noch durch die Bemerkung, dass sich auch 
innerhalb dieser Zone an manchen Orten solche Schiefer vorfinden, 
welche mehr denen der nächstfolgenden Zone (der halbphylliti- 
schen und zum Tlieil feldspathhaltigen Schiefer) gleichen, als den 
normalen phyllitischen; und dass an der südöstlichen wie nordwest- 
lichen Grenze der Phyllitzone ein sehr allmählicher U ebergang zur 
folgenden Zone und Wechsellagerung der beiderseitigen Schiefer 
auf längere Erstreckung stattfinden kann (so in der Gegend von 
Waffenrod u. s. f. bei Eisfeld; ebenso bei Altenfeld und Breitenbach). 

Engfaltung der phyllitischen Schiefer. In weit höhe- 
rem Grade als dies bei den cambrischen Thonschiefern der Fall, 
erscheinen die Strafen der phyllitischen Zone unseres Gebirges 
zusammengebogen und gefaltet, und zwar prävalirt im Ansehen 
des Gesteins meisthin Engfaltung und Kleinfaltung in auffälliger 
Weise, während weiter ausholende Falten fast weniger als bei dem 
Thonschiefer zu Gesicht kommen. Die Faltung stellt sich öfters 
so dar, dass man verschiedene Grade oder Ordnungen unter- 
scheiden kann, von den grösseren Biegungen derart abwärts bis zu 
kleinsten Fältchen und feiner Fältelung: auf eine grössere Falte 
kommen mehrere kleinere und so fort. Besonders tritt diese Aus- 
bildung da in ausgeprägtester Weise hervor, wo die Falten im 
Allgemeinen flach verlaufen; der Gesammteindruck , den solche 
phyllitische Strafen machen, ist der eines fortgesetzten Wellen- 
verlaufes, einer Wellung, Kräuselung und Runzelung bis in 
die kleinsten Theile. 

Hierbei kann sich auch noch das Verhalten geltend machen, 
dass die flach verlaufenden Falten fast durchweg einer gewissen 
Einfallebene folgen (resp. mit einem grösseren Theile ihrer Fläche 
eine solche tangiren, so dass sich, wenn man letztere substituirt, 
für diese Schiefer trotz der fortgesetzten Faltung doch ein be- 
stimmtes Einfallen angeben lässt x ). Sehr schön sind phyllitische 

x ) Man kann bei diesen Schiefern bei der hundertfältig wiederholten Faltung 
und Fältelung eigentlich nicht mehr von einem Streichen und Fallen der Straten, 
sondern nur von einem Streichen der Faltenrichtungen und einem Streichen und 
Fallen der Axenebenen der Falten reden. 


cler cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


189 


Schiefer, welche sich in erwähnter Weise verhalten, aufgeschlossen 
im Oelzethal, abwärts von Altenfeld (Section Masserberg). Das 
Einfallen, in angegebener Weise zu verstehen, ist hier, wie in der 
ganzen umgebenden Gebirgspartie, steil nordwestlich. Man beob- 
achtet hier ferner, dass Falten und Fältchen verschiedener Ord- 
nung, besonders die feineren einen ziemlich parallelen Verlauf ein- 
halten, der gewöhnlich nach der einen oder andern Seite, doch 
nicht viel,- von der Horizontalen ab weicht. Die feinsten Falten, 
oder diejenigen letzter Ordnung sind zugleich das, was meistens 
als Fältelung bezeichnet wird. 

Am vollkommensten zeigt sich diese bis in’s Feinste ausge- 
bildete Faltung bei den rein phyllitischen, weichen Schiefern, 
denen sich die aus wechselnden Phyllit - und äusserst dünnen 
Quarzlagen zusammengesetzten Quarz-Phyllite und Phyllit-Quarzite 
anschliessen ; auch diese können zum Theil noch sehr eng gefaltet 
sein, wie z. B. an der oben bezeichneten Localität und sehr schön 
auch bei Unterneubaum und Ernstthal im Schleusethal. Ueber- 
haupt pflegt bei den Quarz - Phylliten die Zusammenfaltung schon 
recht eng zu werden, wie dies namentlich bei jener Gesteins- 
modification so häufig zu sehen ist, wo der in Form von dickem 
und dünnem, vielfach sich auskeilenden Platten und flachen Linsen 
vorhandene Quarz auf dem Querbruch als hin und her gebogene 
und gestauchte, anschwellende und abnehmende Adern, Schnüre 
und Flammen, hell zwischen der dunkeln phyllitischen Masse her- 
vortritt, deren mannichfaclie Biegungen und Faltungen mitmachend. 

Ein und dieselbe Faltenbieguna: lässt sich bei den dünn- 
schichtigen Modificationen der phyllitischen Schiefer oft durch eine 
ganze Reihe von S traten hindurch mit dem Auge verfolgen. — 
Uebrigens sind die Strafen der phyllitischen Schiefer sehr gewöhn- 
lich, wie auch die Thonschiefer, doppelt gekrümmt, so dass nicht 
nur in senkrechten, sondern auch in horizontalen Durchschnitten 
F altenbiegungen erscheinen. 

Wenn auch Transversalschieferung in dem Complex 
dieser phyllitischen Schiefer nicht gänzlich abwesend ist, so tritt 
sie doch im Allgemeinen sehr wenig hervor und fehlt oft ganz; 
und es bedingt gerade dieses Verhalten neben den petrograplii- 


190 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


sehen Eigentümlichkeiten und der engen Zusammenfaltung einen 
nicht unwichtigen und unwesentlichen Unterschied dieser Schiefer- 
zone von den höhern cambrischen Thonschiefern. Es bezeichnet 
in der That ein völliges Fehlen transversaler Schieferung, wenn 
sich, wie es mitunter beim Phyllit und Quarz - Phyllit möglich 
ist, wellenförmig gebogene Schalen und Scherben ganz aus dem 
Gesteinsverbande herauslösen lassen. 

Dennoch findet sich gar nicht selten eine unverkennbare An- 
deutung, ein Beginn von Transversalschieferung bei den Phylliten 
und Quarz -Phylliten in der Erscheinung, dass die geraden Stücke 
oder Schenkel enger, gewöhnlich einer ganzen Anzahl aufeinander 
folgender Strafen ungehöriger Falten und Fältchen von einer oder 
mehreren kleinen Verwerfungen und Verschiebungen betroffen sind, 
welche in der Richtung der Faltenaxen liegen und somit ein ge- 
wisses Verlängern und Ausziehen der Falte in dieser Richtung 
bedingen. (Kleine Faltenverwerfungen.) Es ist diese Erschei- 
nung offenbar der Ausdruck eines seitlichen Ausweichens vor dem- 
jenigen Drucke, welcher zunächst die Faltung und Engfaltung 
bewirkte und in letzter Instanz bei fortgesetzter Wirksamkeit, als 
keine weitere Zusammenfaltung mehr möglich war, ein ausweichen- 
des Gleiten der Gesteinsmasse zuwege brachte; gerade wie bei 
der eigentlichen Transversalschieferung, nur dass bei dieser das 
Gleiten in unendlich nahe gelegenen Parallelebenen stattfand, 
dort aber nur in einer geringeren Zahl von Parallelflächen. An 
abgewitterten Wänden derartiger phyllitischer Schiefer wird er- 
wähnte Erscheinung manchmal noch besonders deutlich dadurch, 
dass ein Ablösen der Gesteinsmasse längs solcher Verschiebungs- 
flächen stattgefunden hat. 

o 


Schiefer der älteren cambrischen (halbphyllstischen) Zone. 

Allgemeine Andeutungen über diese Zone, die sich zwischen 
der deutlich phyllitisclien Reihe einerseits und den cambrischen 
Thonschiefern und Quarziten andererseits hinzieht, sind schon oben 


der cambriscli - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


191 


gegeben, und ist auch bereits bemerkt worden, dass von den 
eigentlmmlichen Schiefergebilden derselben viele am meisten Ver- 
wandtschaft zu besitzen scheinen mit gewissen extremen Modi- 
ticationen der schieferigen Porphyroide. Letztere Anschauung hat 
sich erst allmählich, nach länger fortgesetzten Specialaufnahmen 
befestigt. Sie gilt zunächst für gewisse grobgemischte Varietäten 
der in Rede stehenden Schiefer, deren Bestandtheile leicht zu er- 
kennen sind; aber die Uebergänge von den groben zu den feinem 
und feinsten Mischungen sind so zahlreiche und allmähliche, dass 
auch letztere unter denselben Gesichtspunkt fallen dürften. 

Ein gewisses, klastisch erscheinendes Ansehen ist sehr vielen 
dieser Schiefer eigen; manche feiner gemischte erinnern an Grau- 
wacke und Grauwackenschiefer Q ; und wenn nun auch, wie bereits 
angedeutet, chemischen Einwirkungen oder Umwandlungen auf 
diagenetischem (oder wenn man vorziehen sollte metamorphischem 
Wege) bei der endlichen Ausbildung dieser Gesteine ein noch so 
grosser Spielraum vergönnt wird, so möchten wir doch nach näherer 
Prüfung einer Reihe von Proben einen klastischen Zustand für 
viele ihrer Bestandtheile annehmen, in welchem sie in die Gesteins- 
mischung eingetreten sind; eben dies wiederholt sich auch bei 
manchen, halb felsitischen, halb schieferigen porphyroidischen Bil- 
dungen, worauf wir weiter unten zurückkommen werden. 

In grob gemischten hierhergehörigen Schiefern lassen sich er- 
kennen: Quarz, zum Theil in Körnern von anscheinend mehr oder 
minder abgerollter Form, zum Theil aber auch in etwa flach linsen- 
förmigen Partieen und Schmitzen; Trümmer von Quarzit und von 
quarzitischem und phyllitischem, gelegentlich auch wetzsteinartigem 
Schiefergestein, denen sich hie und da wohl ein Fragment eines 
deutlich feldspathführenden Gesteins (? Porphyroid) beimengt; alles 
Elemente, welche, soweit sie wirklich das Wesen von Trümmern 

Einige könnten auch, besonders im angewitterten Zustand, an gewisse 
Tuffe, Tuffseliiefer, erinnern. — 

Richter »Thüringische Porphyroide« Programm der Realschule zu Saalfeld 
1871, p. 7 gedenkt ebenfalls dieser Schiefer und ihres anscheinend klastischen 
Habitus ; auch er deutet auf eine Verwandtschaft derselben mit porphyroidischen 
Gesteinen hin. 


192 


H. Louetz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


besitzen, und nicht etwa linsen- oder schmitzenförmig gestaltete, 
oder undeutlich flaserig angeordnete Theile des Schiefers sind, 
aus nicht weit zurückliegenden altern Schichten abgeleitet werden 
können. Nach ihrer Grösse und Form, Mischung und Vertheilung 
besteht selbst bei einzelnen Vorkommnissen, ja Handstücken, eine 
grosse Maunichfaltigkeit. Sehr gewöhnlich sind diese, wie gesagt 
klastisches Ansehen besitzenden Theile durch dunkele, fast schwarze 
Thonschiefermasse gebunden, welche sich einigermaassen flaserig 
anlegt 1 ). 

Fundpunkte solcher grobgemischten hierhergehörigen Schiefer- 
gesteine sind u. a. : Der Eggersberg und der Grendel , auch der 
Heuberg (Blatt Eisfeld); Kalte Herberge (besonders gegen den 
Ivieslerstein zu) und einige andere Punkte der Umgegend von 
Katzhütte im Schwarzathal (Blatt Breitenbach), u. s. f. — In den 
Seitenflächen des Gr. Langenbachgrundes (Blatt Eisfeld) wurden 
grobflaserig struirte Varietäten als Bachgeschiebe gefunden, die 
schon mehr an gewisse Schieferporphyroide erinnern. 

Wie gesagt, ist indess bei vielen, hierhergehörigen Schiefern 
die Mischung so fein, dass sie sich mit blossem Auge schwer 
erkennen lässt. Sie dürfte ihrer Natur nach keine andere sein, 
als da, wo sie leichter zu erkennen ist. 

Soweit nun wirklich klastische Bestandtheile vorhanden sind, 
muss in Betreff der Bildung dieser Gesteine doch wohl an Zer- 
störung älterer oder Wiederaufbrechen frisch abgelagerter Schich- 
ten gedacht werden, deren Trümmer in den neuen Verband ein- 
gingen; dieselbe Frage wirft sich bei einigen breccieuartig struir- 
ten porphyroidischen Vorkommnissen auf; überhaupt kann, wie 
gesagt, unseres Erachtens die Frage nach der Entstehung gewisser 
Schieferporphyroide von der nach der Entstehung obiger Gesteine 
nicht getrennt werden. 

Im Vorstehenden ist indess nur die eine Seite des eigenthüm- 
liehen petrographischen Charakters der Schiefer der in Bede 

J ) Die heterogenen schieferigen Theile liegen meist flach in der Schieferungs- 
richtung im dunkeln Thonschiefer; möglich, dass durch secundäre Schieferung 
diese Lagerung noch befördert resp. noch etwas modificirt worden ist, besonders 
an solchen Stellen, wo beiderlei Substanzen etwas in einander einzugreiien scheinen. 


der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 193 

stehenden Zone berührt worden. Die andere liegt, wie bereits 
eingangs bemerkt, darin, dass sich sozusagen das phyl litis che 
Element, welches in der eigentlich phyllitischen Zone erst zum 
vollen Ausdruck gelangt, schon hier in grösserem oder geringerem 
Grade geltend macht. Dadurch gestaltet die Zone sich wahrhaft 
zu einer Uebera-anus- oder Vermittelungszone , von der der cam- 
krischen Thonschiefer zu jener der Phyllite und Quarzphyllite ; 
der eigenthümliche Habitus der oben erwähnten, feiner gemischten 
Schiefer wird eben vielfach noch durch die Interposition dünner 
phyllitischer Lagen oder Flasern modificirt, so dass sich dem, wie 
gesagt, öfters fast klastisch erscheinenden Ansehen im Gegensatz 
dazu ein halb phyllitisches Ansehen zugesellen kann. Dazu kommt 
dann noch der vielfache Wechsel mit duukelem Thonschiefer; denn 
es muss wiederholt werden, dass solcher, von ganz gewöhnlicher 
Beschaffenheit, normale Zwischenschichten jener andern Schiefer 
bis weit nach unten bildet , wie dies an zahlreichen Stellen im 
Verlauf der Zone deutlich zu sehen ist. 

Im Gebiet des oberen Schwarzathaies (Gegend von Goldis- 
thal, Katzhütte etc.) grenzt sich die Zone nach oben und unten 
besser ab, als dies im Gebirge nächst Eisfeld der Fall ist; hier 
ist es in der That nicht möglich, das was zwischen den unzweifel- 
haft noch als achter Thonschiefer mit Quarzitzwisehenlagen zu 
bezeichnenden Schieferpartien des Werragrundes und den Quarz- 
phylliten des Bibergrundes liegt, durch irgendwie sichere Grenz- 
linien abzuscheiden 1 ). 

Wenn wir die Quarzphyllite und Phyllite unserer phyllitischen 
Zone dem jüngsten der krystallinischen Schiefersysteme einreihen, 
so dürfen wir vielleicht für die in Rede stehende Zone, respective 
für manche Schichten derselben — wie sie z. B. im Grossenbacli- 
thal, im Grossen und Kleinen Lauterbachgrund, auf den Höhen 
bei Waffenrod u. s. w. in der Eisfelder Gegend vorliegen — den 
Ausdruck » halbkr ystal linisch « oder » semikrystallinisch « 
brauchen, den man schon öfters für solche, eine Zwischenstellung 

x ) Auch im NW., in der Gegend von Breitenbach und Altenfeld ist die 
Grenze zwischen vorliegender und der phyllitischen Zone nur ganz approximativ 
anzugeben. 


13 


194 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


einnehmende Schiefergebilde gebraucht hat. Man könnte für 
manchen derselben in der That sagen, dass sie »in ihrem petro- 
graphischen Habitus zwischen Glimmerschiefer und Grauwacken- 
schiefer, zwischen krystallinischem und klastischem Wesen schwan- 
ken,« wie sich Naumann bei der Besprechung der ältesten Sediment- 
formationen ausdrückt, oder dass sie etwas vom Ansehen eines 
Phyllitcjuarzitschiefers und von dem eines Grauwackeschiefers be- 
sitzen 1 ). 

Mit Zunahme des phyllitischen Antheils in der Zusammen- 
setzung: der Schiefer dieser Zone kann sich auch im äussern An- 
sehen der Schichtung und der Felsbildung eine Annäherung an 

1 ) Lehrbuch der Geognosie, II. Aufl. Bd. II, p. 44. — Der Ausdruck »halb- 
krystallinisch« erscheint um so mehr statthaft, als ja auch die Gegenüberstellung 
der »krystallinischen« (archäischen) und der nicht krystallinischen, paläozoischen 
Schiefer auf keinen ganz durchgreifenden Unterschied gegründet ist, und letztere 
thatsächlich kr y stallin ische Elemente besitzen. » Halbkrystallinisch « bezeichnet 
eben, dass der krystallinische Habitus für das Auge, ohne Zuhülfenahme weiterer 
Untersuchungen schon zugenommen hat. 

Der phyllitische Antheil, welcher diese Zunahme bei unseren Schiefern be- 
dingt, ist meist in sehr dünnen, zusammenhängenden Lamellen vorhanden, welche 
sich etwas flaserig um die vorwiegend durch Quarz gebildeten und durch kry- 
stallinisch kieseliges Bindemittel verbundenen körnigen Gemengtheile herumlegen; 
manchmal ist sie auch nur in schwächerer Entwickelung zwischen durch vorhan- 
den. Mitunter mengen sich auch feine Flasern dunkelen Thonschiefers ein (ab- 
gesehen von den in Wechsellagerung zwischengeschichteten Thonschieferlagen), 
so dass dieses nebeneinander Erscheinen von Phyllit und Thonschiefer 
für diese Zone sehr bezeichnend wird. So erscheinen denn auch innerhalb dunkeier 
Thonschieferlagen hier manchmal phyllitisch aussehende Zwischenhäute. — Feine 
weisse Glimmerblättchen, wohl zu unterscheiden von der phyllitischen Zwischen- 
masse sind bald nur sparsam, bald etwas reichlicher ebenfalls vorhanden, ganz 
wie in den höheren cambrischen Thonschiefern und Quarziten; vielleicht gehören 
sie zu den ursprünglich klastischen Bestandtheilen , ebenso wie die öfters sich 
beimengenden, anscheinend abgerollten, meist etwas grösseren und anders gefärb- 
ten Quarzkörner. (Vorkommnisse der Gegend von Waffenrod und Einsiedel, z. B. 
am Blassenberg.) Deutlichere Beimengung feldspathiger Partikel bewirkt einen 
Uebergang zu gneissartigem Gestein (z. B. der Schiefer der Höhe W. beim 
trigonom. Signal, bei Hinterod, welcher sich etwa als »dünnschieferiger Phyllit- 
gneiss« bezeichnen lässt). — 

Vielleicht, dass sich in den von Gümbel 1. c. p. 878 aus der untersten cam- 
brischen, respective Uebergangszone zum Phyllit, im Fichtelgebirge, erwähnten 
Schiefergesteinen Analogien zu den eigenthümlichen Schiefern unserer Ueborgangs- 
zone wiederlinden. 


der cambrisch - phyllitischen Schiefer reihe in Thüringen. 


195 


die Zone der Phyllite und Quarzphyllite anbahnen, wie sich dies 
in dem Gebirge nächst Eisfeld geltend macht. Die Schichtung 
nimmt daselbst mehr und mehr das enggefaltete, zusammengestauchte 
Wesen an, welches in der rein phyllitischen Zone erst völlig zur 
Geltung kommt; und wie dort fehlt Transversalschieferung oder 
ist in ihrer Unabhängigkeit vom Schichtenverlauf nur unter be- 
sonders günstigen Umständen zu beachten. 

In der Partie des oberen Schwarzathaies zeigen die Schiefer 
dieser Zone durchweg mehr ebenen als gewundenen Schichten- 
verlauf und scheinen nicht von Transversalschieferung afficirt. In 
dem schichtigen Wechsel mit dunkelem, öfters etwas stärker glän- 
zenden Thonschiefer tritt mitunter eine gewölbt sclialige, grosse 
und sehr flach flaserige Anordnung hervor. Schichtignormale 
Einschlüsse von weissem Quarz sind in dieser Gegend sehr ver- 
breitet; sie haben die Gestalt grosser, flacher Linsen oder an den 
Rändern sich ausspitzender unregelmässiger Scheiben, welche con- 
fonn der Schichtung zwischen dem Schiefer liegen und fest mit 
demselben, d. h. zunächst mit dunkelen, glänzenden Thonschiefer- 
schalen verwachsen sind. Sie werden 1 und mehrere Meter lang 
und sind im Verhältniss zum Durchmesser immer sehr dünn, 
können aber abwechselnde Anschwellungen und Zusammenziehun- 
gen zeigen. Sie sind eine analoge Erscheinung wie die Quarz- 
knauer etc. des Quarzphyllits und die gleichfalls als schichtige 
Zwischenlagen auch im höheren cambrischen Thonschiefer wieder- 
kehrenden Quarzmassen. Im Gegensatz zu den Quarzknauern des 
Quarzphyllits wurde bei diesen grossen flachen Quarzeinschlüssen 
kaum einmal die Anwesenheit von Feldspatli neben dem Quarz 
beobachtet. 

Im Vergleich zu den höheren cambrischen Thonschiefern sind 
die Schiefer dieser Zone meistens fester und leisten der Verwitte- 
rung grösseren Widerstand. Wo, wie in der Gegend von Katz- 
liütte beiderlei Zonen ziemlich gut auseinanderzuhalten sind, macht 
sich dies Verhalten im Bereich des Kulturbodens sehr bemerklich, 
durch die grosse Menge von Feldsteinen und Lesesteinhaufen, 
welche die halbkrystallinischen Schiefer im Vergleich zum weichen 
cambrischen Thonschiefer liefern. 


13 


196 


H. Lorutz , Beitrag zur geologischen Kenntniss 


Es muss schliesslich betont werden, dass das Vorkommen der 
oben kurz beschriebenen ei o-enthümli chen Schieferefebilde keines- 
wegs ausschliesslich auf die in Rede stehende Zone beschränkt 
ist; sie reichen im Gregentheil als vereinzelte Zwischenschichten, 
z. Th. sogar in stärkeren Folgen einerseits in den Bereich der cam- 
brischen Thonschiefer hinauf, andererseits in den der pliyllitischen 
Zone hinab 1 ). 


Cambrischer Thonschiefer. 

Wie bereits angedeutet sind die Wechsel in Färbung und 
sonstiger Beschaffenheit, welche sich in verschiedenen Strichen des 
Gesammtbereiches der cambrischen Thonschiefer geltend machen, 
immerhin so wenig; durchgreifend und constant, und noch weniger 
in durchlaufenden Zonen der Streichrichtung nach anhaltend, dass 
es nicht möglich war, bestimmte Unterabtheilungen darauf hin zu 
unterscheiden. 

So z. B. stellt sich im südlichen Theil unseres Gebietes, in 
der Gebirgspartie, die zwischen dem obersten, in OW.- Richtung 
verlaufenden Schwarzathal und dem südwestlichen Schiefergebirgs- 

o o 

rande gelegen ist, vom Saargrund oder schon vom Blessberg bis 
zum Werragrund und darüber hinaus vorherrschend dunkeiere bis 

O 

ganz dunkele Färbung des Thonschiefers und z. Th. auch seiner 


x ) So finden sich in einigen Seitentliälern des oberen Schwarzatlials, zwischen 
Scheibe und Langenbach, z. Th. schon vereinzelt ganz dieselben grobgemischten 
Schiefermodificationen wie an den oben genannten Bergen bei Eisfeld ( Grendel, 
Eggersberg etc.) zwischen grauem Thonschiefer. Für das Auftreten als verein- 
zelte Zwischenschichten spricht hier der Umstand, dass man solche Gesteine kaum 
einmal anstehend, gewöhnlich als Bachgeschiebe oder im Gehängeschutt findet, 
was übrigens z. Th. auch noch im Bereich der älteren Zone zutrifft. (Bachge- 
schiebe der Seitenbäche im Gr. Langebachgrund z. B.) 

An der Kohlleite und bei Rauenstein, sowie noch an anderen Stellen des 
südwestlichen Schiefergebirgsrandes, besonders an ersterer Localität (Section 
Steinheid), finden sich feiner gemischte hierhergehörige Varietäten im Bereich der 
graugrünen cambrischen Thonschiefer. 


der cambrisck - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


197 


Quarzitzwischenschichten ein 1 ) ; daneben aber findet sich im 
ganzen Habitus des Gesteins und in vielen Einzelheiten (Art des 
Zerfallens, Beschaffenheit der Schichtflächen etc.) soviel Verwandt- 
schaft mit dem mehr verbreiteten graugrünen Schiefer, dass schliess- 
lich eben nur die dunkele Färbung als unterscheidendes Merkmal 
übrig bleibt, und selbst diese kann local wieder fehlen; so dass 
der Versuch, aus dieser Partie eine besondere Zone zu construiren, 
zu keinem Resultate führt. Schreiten wir in NO. -Richtung, im 
Streichen weiter, so kommen wir ans genannter Partie wieder in 
Regionen, wo der gewöhnlichere, hellere Schiefer herrscht (Wurzel- 
herg 2 ), Lindig), und dies bleibt so auch weiterhin nach NO. So 
wenig wie die genannte und andere noch geringere Farbennüancen, 
kann auch ein stellenweise stärker hervortretender phyllitischer 
Glanz des Thonschiefers zn irgend einer Unterscheidung bestimmter 
Untergruppen verwerthet werden. 

Die weitaus vorherrschende Schieferart des cambrischen Ge- 
bietes ist, wie gesagt, der graugrüne — theils mehr grau, theils 
mehr grün erscheinende — Thonschiefer, mit seiner so gewöhnlich 
etwas streifigen Beschaffenheit und hie und da hervortretender 
Tendenz etwas rauh oder quarzitisch zu werden. In grosser Con- 
stanz ist derselbe z. B. im südlichen Theil des Gebietes von der 
oberen Grenze des Systems bei Augustenthal , Steinach, Lauscha 
abwärts bis zu einer Linie vom Blessberg über Siegmundsburg 
entwickelt, in einer Breite von 3 /4 bis 1 Meile 3 ). Nicht anders 


*) Besonders dunkeier Thonschiefer steht an : am Rennsteig zwischen Friedrichs- 
höhe und der sog. Ausspanne, im Werragrund unterhalb Sophienau und weiter 
aufwärts (Frohnberg und Pechleite), am Weissberg, im Langenbachgrund und am 
Teichskopf etc. An den letztgenannten Stellen wird der dunkele Thonschiefer 
z. Th. ein wenig dachschieferartig ; wirklicher, hierhergehöriger Dachschiefer 
von jedoch unbedeutender Ausdehnung befindet sich am Grossenbach, zunächst 
W. vom Werragrund, nahe dem Thalausgang, unweit Eisfeld. — Vergl. Gümbel, 
1. c. p. 378. 

2 ) Graugrüner Thonschiefer, ganz von der Art, wie er in der obersten cam- 
brischen Schichtenfolge, den Phycodenschiefern, entwickelt ist, kommt auch noch 
an verschiedenen Stellen des Wurzelberges vor, zum Theil nahe der Grenze zur 
älteren Schieferzone. 

3 ) Doch kann auch hier local die Färbung mehr graublau, ja viel dunkeier 
werden, wie im Steinbachgrund, einem östlichen Seitenthal des Theuerner Grundes. 


198 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


verhält es sich weiter nordöstlich, wo sich sein Gebiet von der 
oberen Grenze, östlich von Lauscha, Ernstthal, Piesan nach NW. 
erstreckt, über Igelshieb und die Partie des Cnrsdorfer Forstes bis 
zur Grenze der nächst älteren Schieferzone, etwa h/j Meilen breit. 
Derselbe Schiefer reicht dann weiter NO.-wärts und ist in den 
Gebirgspartien bei Weisbach, im Lichtethal und dem unteren 
Schwarzathal entwickelt 1 ). Zwischendurch machen sich nur gering- 
fügige Aenderungen geltend: so ist in der Partie des Neuhauser 
Forstes, zwischen dem Rennsteig und Mittelbachsheide die Färbung 
mehr lichtblaugrau, ähnlich wie an vielen Stellen der Wurzelberg- 
partie , und auch sonst mehrfach wiederkehrend. Wo, wie am 
Findig, im Frauenbach- und Katzethal, viel Quarzitlagen schichtig 
mit Thonschiefer wechseln, nimmt die Färbung des letzteren meist 
einen noch dunkeieren Ton an 2 ). 

Die beim cambrischen Thonschiefer so gewöhnliche Streifung 
oder Bänderung (sie liegt natürlich in der Schichtrichtung und 
tritt auf den transversal spaltenden Schieferplatten deutlich hervor) 
wird dadurch bewirkt, dass weichere Thonschiefermasse mit härterer 
etwas mehr quarzitischer Masse lagenweise wechselt; erstere bildet 
die meist dunkeieren, breiten, letztere die helleren, schmalen Streifen. 

Diese härtere und meist lichter gefärbte quarzreichere Zwischen- 
masse des eigentlichen Thonschiefers erscheint nun nicht immer 
in parallelen Bändern, sondern auch in knoten- und wulstartigen 

— Ganz fremd ist ferner dieser Partie auch nickt die Zwischenschichtung von 
Quarzitbänken zwischen Thonsckiefer , so gegen den SW. -Rand, in der Strecke 
von Rauenstein nach Melchersberg. 

Q Auch der Schiefer der weiter östlich liegenden, halbinselartig zwischen 
jüngeren Schiefern auftretenden cambrischen Partie von Gräfentlial und Lauen- 
stein gehört hierher. 

3 ) Die grünliche Färbung des Schiefers dürfte chloritischer Natur sein; mit- 
unter enthält das Gestein kleine grüne Pünktchen und Knötchen, wohl stärkere 
Anhäufungen dieser Substanz. Weisse, leicht sichtbare Glimmerschüppchen sind 
in allen hierhergehörigen Schiefermodificationen eine gewöhnliche Erscheinung. 
Sie liegen nicht nur auf den Schichtflächen, sondern auch im Innern der Gesteins- 
masse. Namentlich sind sie auch in den quarzitischen Abänderungen verbreitet. 

— Verschieden von diesen Glimmerschüppchen sind die hautartigen Ueberzüge 
eines Glimmerminerals auf Dislocationsflächen, an denen Ablösung stattfindet; 
dieser Glimmer scheint secundärer Entstehung zu sein. 


der cambrisch-phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


109 


Formen, welche seitlich in Thonschiefer übergehen können, in 
anderen Fällen sich scharf von jenem unterscheiden und loslösen 
lassen; solch eigenthümlich knotige und wulstige Beschaffenheit 
besonders der Schichtoberflächen ist für viele Lagen, namentlich 
des oberen und obersten cambrischen Schiefers recht charakte- 
ristisch und tritt besonders beim Zerfallen des Gesteins hervor; 
sie wiederholt sich indess auch noch öfters weit ins Liegende 
hinein 1 ). 

Schichtflächen der obersten cambrischen Thonschiefer, der 
Phycodenschiefer, wie sie nicht selten in Steinbrüchen entblösst 
werden, zeigen oft die Erscheinung der durch Wellenwirkung zu 
Stande gekommenen parallelen Kippen oder Wülste in ausgezeich- 
neter Weise; meist sind es zwei unter spitzem Winkel sich schnei- 
dende Systeme; auf den grösseren Wülsten sind meist noch klei- 
nere Fältchen oder Rippchen und unregelmässige Knötchen zu be- 
merken 2 ). 

Mitunter ist auch discordante Paral lelstructur (diago- 
nale Schichtung) in den einzelnen Lagen und Bänken an der An- 
ordnung der verschiedenfarbigen Streifen in mehreren, gegenseitig 
sich abschneidenden Parallelsystemen deutlich zu erkennen, eine 
Structur, die übrigens auch sonst wiederholt in sehr alten Schichten- 


*) Dass die härtere, quarzreiche Zwischenmasse des Thonschiefers bald in 
Streifen, bald in Knoten erscheint, liegt z. Th. wohl nur in geringen Modificationen 
in der Art der Sedimentirung ; vielleicht, dass die letzteren aus der Umgestaltung 
von gleichmässiger ausgebreiteten Sedimentlagen unter Vermittelung von Wellen- 
bewegung hervorgingen; es dürfte dies insbesondere von den auf der Oberfläche 
der Bänke vortretenden derartigen Körpern gelten. — Wie aber in vielen Fällen 
ähnliche Körper, besonders von linsenförmiger Gestalt, rein nur auf mechanischem 
Wege, durch Druck von zwei Seiten her zu Stande gekommen sind, zeigt Liebe 
sehr klar in der »Erläuterung zu Blatt Zeulenroda« der geol. Specialkarte von 
Preussen u. d. Thüring. Staaten, Berlin 1881, p. 4. 

3 ) Der Vergleich mit ripple mcirks erscheint hier durchaus zutreffend. Diese 
welligen Schichtoberflächen setzen jedenfalls eine gewisse Unterbrechung in der 
Sedimentirung voraus. Sie sind insofern von den genannten härteren resp. mehr 
quarzitischen Wülsten und Knoten verschieden, als sie aus derselben Thonschiefer- 
masse bestehen können , wie die übrige Masse der Schicht oder Bank. Durch 
den Einfluss der Transversalschieferung kann die holperige und geriffelte Be- 
schaffenheit der Schichtoberfläche noch vergrössert worden sein. 


200 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


complexen verschiedener Gegenden beobachtet worden ist 1 ). Diese 
und die übrigen erwähnten Erscheinungen dürften für die in Rede 
stehenden obercambrischen Schichten wohl auf Ablagerung in wenig 
tiefem, massig bewegtem Wasser gedeutet werden. 

Die Phycoden — Phy codes circinnatum Richter — jener 
für die oberste cambrische Schichtenpartie Thüringens, und der 
Gebirge weiter ostwärts, so besonders wichtige Einschluss, dem 
organischer Ursprung zugeschrieben wird, finden sich als stein- 
kernartige, aus derselben Masse wie der umgebende Schiefer be- 
stehende Körper, welche sich nicht vollständig aus dem Gestein 
herauslösen, sondern reliefartig, als erhabene Gebilde in Form sich 
verzweigender Stämmchen zum Vorschein honunen. Sie erinnern 
sehr an verwandte Formen, die z.Th. unter ähnlichen Namen aus ver- 
schieden alterigen paläozoischen Schichtensystemen verschiedener 
Länder beschrieben worden sind. Uebrigens sind die Phycoden 
im Ganzen selten; wahrscheinlich kommen sie nur auf bestimmten 
Schichtflächen vor, was man daraus schliessen möchte, dass sie 
sich an gewissen Localitäten häufiger wiederholen, an vielen anderen 
bei allem Suchen nicht zu finden sind; und überdies sind sie bis 
jetzt nur in der obersten cambrischen Thonschiefer- und Quarzit- 
zone aufgefunden worden. Phycodensehiefer, resp. typische oberste 
cambrische Schiefer stehen beispielsweise an: im Thalgrund ober- 
halb Augustenthal , im Steinachthal und Göritzgrund zwischen 
Steinach und Lauscha, und weiter NO. in der Gegend von Ernst- 
thal und Piesau 2 ). 

x ) Naumann, Lehrb. cl. Geognosie, II. AufL, Bd. I, S. 474. — K. v. Fritsch 
beobachtete sie am Gneiss der Gegend des Piz Lucendro. (Beiträge z. geol. Karte 
d. Schweiz, 15. Lief. 1873, S. 50.) 

2 ) Wenn auch den Phycoden, als Ganzes betrachtet, eine durchaus selb- 
ständige und leicht zu erkennende Gestalt zukommt, so kann man bei manchen 
Vorkommnissen im Zweifel bleiben, ob man es mit einem isolirten Zweig oder 
Fragment eines Phycoden oder einer jener oben genannten wulstförmigen Ein- 
lagerungen des Schiefers zu thun hat. 

Weiteres über den Phycodes circinnatum Richter, und seine Verglei- 
chung mit ähnlichen Vorkommnissen aus cambrischen und sibirischen Schichten 
anderer Länder, s. besonders Gümbel, 1. c. p. 380. Die thüringische Form wird 
für vielleicht identisch gehalten mit Brongniart’s und Hisinger’s Fucoides circin- 
natus, der neben anderen vegetabilischen Resten im schwedischen Cambrium 


der cambriscli-phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


201 


Das cambrische Thonschiefersystem ist durchgehends trans- 
versal gesch iefert, und wenn auch diese Schieferung meist 
nicht sehr vollkommen ist, lässt sich doch behaupten, dass sie das 
System geradezu beherrscht und gewöhnlich viel deutlicher hervor- 
tritt als die Lage der ursprünglichen Schichtung; so dass stets 
natürliche oder künstliche ebenflächige Spaltstücke in der Schiefe- 
rungsrichtung liegen und das erwähnte streifige Ansehen besitzen. 
Selbst bis in die Quarzitlager hinein macht sich der Einfluss der 
Schieferung deutlich geltend ; und nicht minder kommen zwischen- 
gelagerte porphyroidische Lagen transversal geschmiert vor, soweit 
solche überhaupt für Transversalschieferung zugänglich und nicht 
ganz massig krystallinisch sind. 

Die Transversalschieferung zeigt in diesem gesammten Gebiete 
fast durchgängig ein steiles bis sehr steiles Einfolien nach NNW. ; 
locale Ausnahmen kommen vor. Neben der Schieferung macht 
sich Parallelklüftung geltend, öfters nach zwei bis drei Rich- 
tungen hin, die auf eine gewisse Erstreckung constant bleiben 
können 1 ). Das Zusammentreffen von Schichtung, Schieferung und 
Klüftung im Verein mit der oben erwähnten, eigentliümlichen, 
wulstigen Beschaffenheit des Gesteins in der ersten Richtung be- 
dingt bei den Phycodenscliiefern und diesen im Habitus sich nähern- 
den älteren Schiefern öfters ein charakteristisches Zerfällen in un- 
regelmässig stengelige Fragmente. Gewöhnlicher als das steil- 
gelige oder scheitartige Zerfällen ist das platten förmige, 
welches durch etwas gleichartigere Gesteinsbeschaffenheit im Ver- 

(Eophyton-Sancl, stein) vorkommt. Vergl. Richter, Zeitsclir. d. D. geol. Ges. 1869, 
S. 359. Doch sind auch die sibirischen Analoga z. Th. recht ähnlich, z. B. der 
IJcrophycus Otawaensis Bii.ling’s aus dem Trentonkalk. — Feine Querstreifung, 
wie sie Richter, Zeitsclir. d. D. geol. Ges. Bd. 11, 1850, p. 206 von Phycocles 
circinnatum erwähnt, und die zu Gunsten seiner organischen Herkunft gedeutet 
werden kann, habe ich an einem der aufgefundenen Exemplare ebenfalls bemerkt. 
— Abbildungen des P/rycodes circinnatum s. Richter i. c. Taf. IX; Gümbel 1. c. 
p. 376. 

') Beispielsweise zu sehen in der Gegend des Steinachthals, Göritzgrundes 
und Göritzberges zwischen Steinach und Lauscha. 

Die drei Lagen der Schichtung, Transversalschieferung und Hauptklüftung 
bedingen öfters die Grundform oder Kerngestalt der Felsbildungen; z. B. bei 
Schwarzburg (Trippstein). 


202 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


ein mit genügend starker Schieferung bewirkt wird. — In der 
untern Schwarzagegend, von Weisbach ab, ist die transversale 
Schieferung des grünlichen Schiefers local so ausgebildet, dass er 
als Dachschiefer gewonnen wird. 

Die Ve r wittern 11g bringt an den cambrischen Thonschiefern, 
besonders den graugrünen, bräunlichgelbe und rothe Farbentöne 
hervor. Die weichem Schiefer derart können endlich eine fast 
ockergelbe Erde als Residuum hinterlassen. Die quarzitischen 
Abänderungen verwittern meist mehr röthlich. In ansgedehnten 
Strichen werden besonders unter Mitwirkung genügender Feuchtig- 
keit oder von Quellwasser die weicheren cambrischen Schiefer zu 
völlig lehmigem, weichem Boden zersetzt, z. B. vielfach im Bereich 
das Cursdorfer Forstes. 

An einigen Stellen enthält der cambrisehe Thonschiefer 
Zwischenschichten von Wetzschiefer, die indess nicht gerade 
häufig und gewöhnlich auch in geringer Mächtigkeit, lagenweise, 
auftreten. Das bekannteste Vorkommen derart ist das vom Hiften- 
berg bei Siegmundsburg, welches besonders in früherer Zeit Steine 
von vorzüglicher Qualität lieferte 1 ). Aehnliche Schiefer sind im 
Als! lachgrund (S. von Scheibe) und an der S.- Seite des Göritz- 
berges vorgekommen. In grösserer Menge finden sich die Wetz- 

O O O o 

schiefer- Zwischenlagen auf der Höhe des Gehegberges zwischen 
Gräfenthal und Lauenstein, etwas östlich von unserem Gebiete. 
Am Wurzelberg (Höhe östlich von Goldisthal) findet sich Wetz- 
schiefer als Zwischenschicht eines Quarzitlagers, oder bildet viel- 
mehr einzelne Lagen eines stärkeren thonschieferigen Zwischen- 
mittels des Quarzitlagers. 

Ueber locale Wiederholungen zwischen cambrischem Thon- 
schiefer, jener eigenthümlichen Schiefer von z. Th. klastischem 
Habitus, wie sie besonders der älteren Schieferzone angehören, ist 
weiter oben schon berichtet worden ; und auf die porphyroidischen 
Zwischenschichten kommen wir später zu sprechen. 

!) Vergl. Richter, das thüringische Schiefergebirge, Zeitschi', d. D. geol. Ges. 
1S69, S. 353. 


der cambriscli-phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


203 


Cambrischer Quarzit. 

Von den Einlagerungen der cambrischen Thonschieferzone 
sind die an Masse und Verbreitung weitaus bedeutendsten die 
Quarzite. Sie treten entweder in deutlich abzugrenzenden Lagern, 
oder auch als durchgehender Schichtenzug auf, oder aber sie 
gehen, in anderen Strichen des Gebirges, dergestalt mit Thon- 
schiefer durcheinander, dass dies Verhalten nur ungefähr kar- 
tographisch ausgedrückt werden kann. In letzterem Fall erscheinen 
sie eigentlich nicht mehr als Einlagerungen, sondern als mit Thon- 
schiefer alternirende wesentliche Schichtenelemente des Systems. 
Uebrigens sind auch selbst manche geschlossene, resp. gut abzu- 
grenzende Quarzitlager, wie die am Wurzelberg, oder vielleicht 
alle, nicht frei von Thonschiefer, sondern es findet sich solcher 
bald mehr bald weniger in Verwachsung und Wechsellagerung mit 
den Quarzitbänken. 

Der cand irische Quarzit ist meist feinkörnig; mitunter er- 
scheint er fast dicht 1 ). Die Färbung ist in der Regel licht, weiss, 
grau, gelblich, röthlich; etwas dunkeier wird sie in gewissen Partieen 
der tieferen cambrischen Gebirgspartie (Gegend des Werragrundes, 
Saargrundes u. s. w., gegen den SW.- Rand des Gebirges zu), wo 
auch die Thonschiefer dunkeier sind und meist ein enger Wechsel 
zwischen letzteren und Quarzit stattfindet. — Ausscheidungen von 
Quarz, Eisenglanz und Rotheisen (Eisenrahm) auf Klüften sind, 
wie in den meisten Quarziten, auch hier sehr verbreitet 2 ). 

Das Quarzitgestein erscheint entweder homogen, oder seltener 
ist auch eine die Schichtung andeutende heterogene Beschaffen- 
heit wechselnder Lagen zu erkennen, welche bis zu schieferiger 
Ablösung in dünneren Platten gehen kann. Weisse Glimmer- 
schüppchen sind nicht selten der Gesteinsmasse beigemengt oder 
auf Ablösungsflächen angehäuft. Die so häufig vorkommenden 

') In den Quarzitlagern des Wurzelberges z. B. kommen hie und da sehr 
dichte, fast porcell an artig aussehende, muschelig brechende Quarzitlagen und 
-Platten vor. 

2 ) Nur einmal (Thal der Weissen Schwarze) bei Katzhütte wurde etwas Schwer- 
spath als Kluftmineral beobachtet. 


204 


H. Lobetz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


Eisenoxydpünktchen sind z. Th. wohl auf Magneteisen, z. Th. aber 
auch auf Schwefelkiespartikel oder -Kryställchen zurückzuführen; 
letztere können aber auch rostgelbe Pünktchen oder Flecke ver- 
ursachen, wie sie in manchen Quarzitvarietäten, z. B. am Wurzel- 
berg in grosser Menge Vorkommen, und durch Auswittern den 
Quarzit porös machen können 1 ). Weitere Vertheilung und Ver- 
breitung des Eisengehaltes durch die Gesteinsmasse in Folge Ein- 
Wirkung der Atmosphärilien kann dieselbe völlig röthen. 

Die Schichtung des Quarzites kann in bereits angegebener 
Weise sehr deutlich werden; in anderen Fällen wird sie dies durch 
Zwischenschichtung ' von Thonschiefer, oder schon durch die 
Schichtungsfugen zwischen den Bänken. Sind letztere nicht scharf 
angedeutet und ist zugleich die Zerklüftung sehr vorgeschritten, 
so kann allerdings die Lage der Schichtung völlig verwischt sein; 
es kommt dies bei massigen, schieferiger Zwischenlagen fast ent- 
behrenden Quarzitlagern in der That vor, wie bei denen der Stein- 
heicler Gegend. In anderen Fällen sind zwar die Quarzitbänke 
äusserst mächtig, so dass sie als Felsmassen vortreten, deuten aber 
ihre Lage durch dünne schieferige Zwischenlagen an. (Z. B. im 
Thal der Weissen Schwarze, unweit Katzhütte.) 

Weitgehende Zerklüftung 2 ) im Verein mit der Unzerstör- 
barkeit dieses Gesteins an sich bringen es mit sich, dass im Aus- 
strich mancher Quarzitlager Gehänge und z. Th. auch die Kuppen 

B Der Quarzit des Lagers am Frohnberg, bei dem Werragrund (Blatt Eis- 
feld) enthält eine Menge kleiner krystallinischer Partikel und Concretionen von 
Schwefelkies, welche bis zu äusserst dünnen, in der Schichtungsrichtung liegenden 
Häuten oder Anflügen herabgehen; sie verwittern leicht und haben rothe Flecke 
von Eisenoxyd im Gefolge. — Mitunter kommen grössere Pyritwürfel oder -Con- 
cretionen zu Brauneisen verwittert vor; auch solche, die in Roth eisen übergegangen 
sind; und zwar nicht nur in den Quarziten, sondern manchmal auch in den 
Schiefern. 

2 ) Jener Theil der allgemeinen Zerklüftung, welcher das schliessliche Zerfallen 
in Trümmer herbeiführte, mag zunächst nur in der Anlage vorhanden gewesen 
sein, sozusagen latent, oder als Spannungszustand in Folge der verschiedenen 
Kraftwirkungen, denen das Gebirge ausgesetzt gewesen ist, und erst durch äussere 
Einflüsse, besonders Temperaturwechsel und Frost in den durch die Denudation 
der Oberfläche genäherten Theilen zur völligen Ausbildung gelangt sein. Es gilt 
dies übrigens auch von anderen Gesteinen, 


der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


205 


von förmlichen Quarzit-Trümmerhalden mit Ausschluss jedes 
anderen Gesteins bedeckt sind; die Erscheinung wird um so auf- 
fälliger, als an solchen Stellen Waldwuchs und sonstige Vegetation 
auf das dürftigste Maass herabsinken, ja ganz ausbleiben. Durch 
solche Quarzit-Trümmerhalden zeichnet sich besonders der Theuer- 
ner Grund und die Umgebung; von Steinheid und Dimbach am 
Rennsteig und Ober-Lauscha aus. Diese Quarzitlager enthalten 
kaum oder nur wenig Thonschiefer als Zwischenschichten der 
Quarzitbänke. Weniger kommt es zur Bildung von Trümmer- 
halden, wo mehr Thonschiefer zwischen dem Quarzit ist, indem 
jener einen Verwitterungsboden liefert; so am Wurzelberg, und 
auch im ganzen Verlauf des Quarzitzuges an der oberen Grenze 
des cambrischen Systems. 

Wie gesagt finden wir den Quarzit einmal in geschlossenen 
resp. ringsum gut abzugrenzenden Lagern, wie dies die zahlreichen 
derartigen Vorkommnisse am Theuerner Grund, bei Steinheid, 
Lauscha, Limbach, im obersten Schwarzathal, am Werragrund und 
am Wurzelberg darthun 1 ). Ferner aber bildet Quarzit einen gleicli- 
mässig durchgehenden Zug an der oberen Grenze des cambrischen 
Systems; wir finden ihn hier in starken Bänken, welche mit grau- 
grünem Thonschiefer wechsellagern; im Thonschiefer und auch in 
ziemlich cjuarzitischem Gesteine dieser Zone, wie in dem zunächst 
im Liegenden folgenden Thonschiefer, sind die oben genannten 
Phycoden vorgekommen. 

*) Ueber clie äussere Gestalt eines solchen Lagerkörpers lässt sich nur auf 
Grund der Umrisse eine beiläufige Vorstellung gewinnen. — Oefters verlieren sie 
sich nach einer oder mehreren Richtungen mehr und mehr in Thonschiefer, wie 
in der Gegend des Katzethals und des Lindig (Blatt Breitenbach). Möglich, dass 
einzelne benachbarte Quarzitlager, wie am Theuerner Grund, einen durch Denu- 
dation zerstörten Zusammenhang hatten; möglich ferner, dass die ausgedehnte 
Quarzitpartie der Gegend von Steinheit ein und dasselbe hin- und hergebogene 
Lager darstellt, auf dessen Mächtigkeit aus der vorliegenden Verbreitung gar kein 
directer Schluss zu ziehen ist; gewisses lässt sich hierüber nicht aussagen. Mit 
grösserer Sicherheit lässt sich behaupten, dass der unvermittelte, ziemlich gerad- 
linige Abschluss dieser Quarzitin assen nach NO. mit jenen Verwerfungserscheinungen 
im Zusammenhang stehe, welche auch das Auftreten und die Lagerungsverhältnisse 
der Zechstein- und Buntsandsteinpartieen bedingen, die hier ganz unvermittelt 
inmitten des Schiefergebirges erscheinen. 


206 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


Noch etwas anders gestaltet sich das Yerhältniss von Quarzit 
und Thonschiefer in gewissen Gebirgspartieen , nämlich in der 
Gegend des Illessberges, Saargrundes und Werragrundes, in der 
Nähe des SW. -Randes des Schiefergebirges und von da NO.-wärts 
weiter über den Rennsteig, bei Siegmundsburg und Friedrichshöhe 
und das oberste Schwarzathal, nach der Gegend des Frauenbachs 
(östlich vom Wurzelberg), des Lindigs und Katzethals. Hier hat 
man es, wie oben schon angedeutet, weder mit geschlossenen 
Quarzitlagern, noch mit gleichmässig durchlaufenden Quarzitzügen 
zu thun, sondern mit einem ganz unbeständigen Wechsel 
von Quarzit und Thonschiefer, wo gewöhnlich der letztere vor- 
waltet und der Quarzit in Bänken und Lagen zwischengeschichtet 
ist, auch in engem, dünnschichtigem Wechsel mit Thonschiefer 
verwächst. Man kann dies Verhalten nur schwierig auf der Karte 
wiedergeben. In der Gegend des Katzethals entwickelt sich hie 
und da aus diesem unbeständigen Wechsel ein massigeres Quarzit- 
lager, so dass beide Arten des Auftretens des Quarzits in einander 
übergehen. — Die genannten Gebirgsstrecken sind zugleich die, 
wo Thonschiefer und Quarzit öfters den dunkelen Farbenton be- 
sitzen 1 ); und die wo die Wirkungen der Transversalschieferung 
sich sehr deutlich bis in den engen Thonschiefer- Quarzitwechsel, 
und selbst bis in geschlossene Quarzitlager hinein wahrnehmen 
lassen; denn in ihrer Richtung spaltet stets der Thonschiefer, und 
wo er mit Quarzitlagen verwachsen ist, schneidet die Spaltung quer 
durch letztere hindurch 2 ). 

Mitunter stellen sich im Quarzit dünne Häute und Flasern 
eines sericitisch eil Minerals in grösserer oder geringerer Menge 
ein ; so kann der Quarzit in einen schieferigen oder schieferig flase- 
rigen Sericit- Quarzitschiefer übergehen. Man beobachtet diese 

Q Starke Bänke eines dunkelen Quarzits werden z. B. im Saargrund, ober- 
halb der kleinen Ortschaft gleichen Namens zur Strassenbeschotterung gebrochen. 
— Wie im nächsten Abschnitt näher angeführt wird, nimmt der Quarzit in dieser 
Gegend öfters einen grauwackeähnlichen Habitus an. 

2 ) Es kommen selbst Quarzitstücke ohne Thonschieferverwachsung vor, 
welche eine allerdings sehr unvollkommen entwickelte secundäre Schieferung be- 
sitzen, neben welcher sich die anders liegende Schichtung durch geringe Niian- 
cirungen der Färbung etc. zu erkennen giebt. 


der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


207 


Varietät sehr häufig in der Gegend des Wurzelbergs, des Katzethals 
u. s. w. An anderen Stellen ist sericitisehe Zwischenmasse mehr 
nur auf den Schichtungsfugen zwischen den Bänken abgelagert 1 ). 
Beim Quarzit des Frolmbergs, am Werragrund, haben die schiefe- 
rigen Lamellen und Flasern zum Theil mehr das Ansehen eines 
dunkelen Phyllits. 

Merkwürdig sind fast conglomera tische Abänderungen des 
Quarzits, wie sie z. B. am Steinbiel bei Neuhaus am Rennstieg 
Vorkommen: abgerundete Trümmer von Quarz, Schiefer und, wie 
es scheint auch Quarzit, sind durch quarzitische Masse verbunden, 
der auch die sericitisehe Zwischenflaser nicht fehlt. Aehnlicher 
Quarzit kommt ganz im NW. des Schiefergebirges, am Langen 
Berge vor 2 ). 

An der westlichen Seite des Wurzelberges findet sich auch 
eine anders aussehende Modification, bei welcher die Quarzitmasse 
einzelne kleine, flache, abgerundete Stücke anscheinend ganz des- 
selben Quarzits einschliesst. Nicht selten findet sich auch Breccien- 
structur des Quarzits. Obwohl dieselbe in der Regel nur an isolirten 
Trümmern zu sehen ist, möchten wir annehmen, dass sie normalen 
Zwischenschichten angehöre und ursprünglicher Bildung sei, in 
der Art wie auch bei manchen Kalksteincomplexen Schichten mit 
Breccienstructur , andere von dichter etc. Structur regelmässig 
zwischengelagert Vorkommen. 

Sehr verbreitet ist die Durchtrümerung des Quarzites mit 
Quarz, der, wie er einerseits feinste Adern erfüllt, so auch anderer- 
seits zu bedeutenden Massen anschwellen kann; so dass nach dem 
endlichen Zerfall seine unverwüstlichen Trümmer als Felsen und 
Blöcke von allen Dimensionen übrig bleiben; die grossem derselben 
wurden besonders früher zu Mahlsteinen für die vielen Masse- 
mühlen der thüringischen Porcellanfabriken zugerichtet. Von diesem 
Quarz ist jedenfalls ein grosser Theil als Secretionsmasse anzu- 
sehen, welcher die im Quarzit so besonders zahlreichen secundär 
entstandenen Klüfte erfüllte. — Von wissenschaftlichem und histo- 

x ) Von petrograpliiselien Uebergangsstufen zu gewissen porphyroidisehen 
Schiefern wird weiter unten, bei letzteren die Rede sein. 

2 ) Vergl. Richter 1. c. p. 349, 


208 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


rischem Interesse ist die zwar sehr minimale Goldführung des 
cambrischen Quarzits resp. seines Quarzes, welche in alten Zeiten 
Anlass zur Goldgewinnung gegeben hat; am bekanntesten ist diese 
von den Steinheider Quarzitlagern; aber auch an andern Stellen 
wurde Gold gewaschen, so an der westlichen Seite des Wurzel- 
herges, wo noch jetzt die Namen Raspis-, Ronn- und Rothseifen- 
bach, und Goldisthal an diese alte Industrie erinnern. Noch in 
neuerer Zeit ist aus der Schwarza, mehr versuchsweise, Gold ge- 
waschen worden. 

Dass die cambrischen Thonschiefer öfters etwas rauh und 
quarzitisch werden, wurde schon erwähnt; es können förmliche 
Mittelgesteine von Thonschiefer und Quarzit vorliegen, welche 
ebenfalls, wie der reine Quarzit, als strichweise vertheilte Partieen 
oder als abgrenzbare Einlagerungen im Thonschiefer erscheinen; 
solche wurden bei der Detailaufnahme besonders auf Section Stein- 
heid als » quarzitische Schiefer« angegeben, und zwar in der 
Gegend von Steinheid und Lauscha. Diese Modificationen ver- 
halten sich z. Th. mehr wie ein Quarzit , der mit grosser Fein- 
körnigkeit einen schichtigen Wechsel und ein stärkeres Hervor- 
treten schieferigen Gefüges, ob ursprünglich oder transversal, ver- 
bindet; z. Th. verhalten sie sich als Quarzit, der mit Flasern 
rauher Thonschiefermasse verwachsen ist; z. Th. auch scheint ein 
Thonschiefer, der nicht viel von seiner Spaltbarkeit eingebüsst hat, 
doch einen starkem Quarzgehalt durch die ganze Masse hindurch 
besitzt, vorzuliegen. 


Das Vorkommen von Versteinerungen im Quarzit 
von Siegmundsburg. 

Der Verfasser kann sich hier zunächst auf die Mittheilung 
beziehen, welche er bereits an einer anderen Stelle 1 ) über dieses 
interessante Vorkommen gegeben hat; die ersten dieser Ver- 
steinerungen sah derselbe bei einem Einwohner von Friedrichs- 


*) Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. XXXII, 1880, p. 682 ff. 


der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


209 


liölie am Rennsteig, in der Nähe der Fundstelle, und fand in der 
Folge eine grössere Zahl von Exemplaren, die sich jetzt in der 
Sammlung der geologischen Landesanstalt in Berlin befinden ; seit- 
dem sind dieselben Formen noch mehrfach, aber nicht in besseren 
Exemplaren und auch keine neuen Formen vorgekommen. 

In unserer früheren Mittheilung hatten wir noch die Unter- 
scheidung in ober- und untercambrisch festgehalten, indem wir 
ersteren alle die von den obersten cambrischen Schiefern, nämlich 
den eigentlichen Phycodenschiefern nicht zu unterscheidenden 
Schiefer zuzurechnen geneigt waren ; da wir aber in vorliegendem 
Artikel diese Unterscheidung aus weiter oben angegebenen Gründen 
aufgegeben haben, wollen wir hier nur constatiren, dass die petre- 
factenführende Schicht bei Siegmundsburg weit im Liegenden von 
jener obersten Phycodenzone erscheint, und dass uns die gesammten 
Lagerungsverhältnisse keine Interpretation zu gestatten scheinen, 
welche ihr ein jüngeres Alter zuweisen würde. 

Das betreffende Gestein ist ein Quarzit von klastischem, an 
Grauwacke erinnernden Habitus; theilweise ist es mehr als quarzi- 
tischer oder grauwackeartiger Schiefer zu bezeichnen 1 ). Der be- 
treffende Steinbruch liegt einige hundert Schritt vom Westende 
von Siegmundsburg bei Steinheid, und ebenso weit von der Post- 
strasse nach Norden im Walde, fast auf der Wasserscheide zwischen 
Weser und Main. Die Bänke fallen mit 40° nach NW. ein; die 
mit diesen Bänken vorkommenden Thonschieferzwischenlagen sind 
grünlich und unterscheiden sich nicht von den sonstigen cam- 
brischen derartigen Schiefern. 

Obwohl an verschiedenen Stellen der Umgebung ähnliches 
Gestein ansteht 2 ), ist das Vorkommen von Petrefacten bis jetzt 
auf die. eine Stelle beschränkt geblieben. 

Q Farbe dunkelgraugrün, Verwitterung bewirkt Röthung. Das blosse Auge 
erkennt Quarzkörner , verbunden durch ein kieseligthoniges , zurücktretendes 
Carnent; daneben weisse Glimmerschüppchen, nicht sehr zahlreich, sowie Magnet- 
eisenpartikel, an welchen öfters dreieckige Flächen zu sehen; da nicht alle, trotz 
äusserer Gleichheit, vom Magnet angezogen werden, dürfte auch Titaneisen dabei 
sein. Hie und da auch Schwefelkiespartikel. 

2 ) In derselben Streichrichtung wiederholt sich an der Landstrasse im Saar- 
grund noch 1 bis 2 mal ganz dasselbe Gestein; besonders ähnlich steht es an 

14 


210 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


In meiner früheren Mittheilung über diesen Gegenstand wurde 
ausgesprochen, dass die meisten der vorgekommenen Formen wohl 
auf eine Lingula, die durch Streckung meistens verzerrt sei, sich 
zurückführen lassen dürften. Etwas zu spät, war ich auf ein 
Exemplar aufmerksam geworden, dessen sehr zum dreiseitigen 
neigender Umriss sich wohl nicht mehr mit dieser Vorstellung vertrug. 

o o o 

Bei weiterer Verfolgung der einschlägigen Literatur schien mir die 
genannte Form sich am besten der Davidia vergleichen zu lassen, 
welche Hicks 1 ) aus der Tremadoc Group (an der oberen Grenze des 
Upper Cambrian, Hicks) unweit St. Davids beschreibt und abbildet. 

Wenn daher Herr E. Ivayser in einem Referat 2 ) die in 
meiner früheren Mittheilung abgebildeten Formen, wenigstens zum 
Theil, als Lamellibranchiaten ansieht, so muss ich ihm wohl Recht 
geben; glaube indess doch noch, dass neben diesen auch Lingula 
vorhanden und manches sich auf diese wird zurückführen lassen. 
Welche der bis jetzt schon aus den alten Schichten bekannten 
Lingulaformen indess zum Vergleich herangezogen werden können, 
will ich nicht entscheiden, sondern muss dies den Paläontologen 
von Fach überlassen 3 ). 

Bei allem Interesse, welches die bei Siegmundsburg ge- 
fundenen Versteinerungen bieten, reichen dieselben doch wohl, wie 
mir scheint, noch nicht aus, um die Vergleichung unseres Cam- 

genannter Strasse in der Höhe 2025 Dec.-Fuss an, es erinnert hier sehr an Grau- 
wacke und enthält kleine Schiefersplitter. Aehnliches Gestein wiederholt sich an 
der S.- Seite des Saargrundes. Auch in der entgegengesetzten Richtung, nach 
NO. in der Gegend der Alsbach berge und weiter gegen Scheibe ist ähnliches Gestein. 
Nicht sehr viel verschieden ist auch der Quarzit in NW. -Richtung vom Fundort. 
Oefters kehrt in den genannten Partieen der an Grauwacke erinnernde Habitus wieder. 

Q Quarterly Journal u. s. w. 1873, p. 39 ff. — Wie ich etwas später bei 
einem Besuch der Sammlungen der geolog. Landesanstalt in Berlin sah, ist auch 
von Herrn E. Katser eines oder einige der von mir eingesandten Exemplare als 
fragliche Davidia bezeichnet worden. 

2 ) Neues Jahrbuch etc. 1881, Bd. I, Ref. p. 431. 

3 ) Bei Durchsicht der einschlägigen Literatur schienen mir einige Lingula- 
Arten, Quebecensis und Cobourgensis , die Billings, geolog. Survey, Canada, 
Paläozoic fossils. I, 1865 abbildet, äussere Aehnlickkeit zu besitzen. 

Mit der von Geinitz (Sitzungsber. naturwiss. Ges. Isis 1872, p. 127) abge- 
bildeten und mit Lingula Rouaulti Salter verglichenen Form aus der Oberlausitzer 
Grauwacke haben unsere Exemplare keine Aeknlichkeit. 


der cambrisch- phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


211 


briums mit auswärtigen paläozoischen Bildungen viel weiter zu 
fördern, und am wenigsten werden sie der Hinzuziehung des 
ganzen betreffenden Schichtensystems zu den cambrischen Bil- 
dungen Eintrao' thun. Ist doch Linffula als Gattung; in den un- 
bezweifelt cambrischen Ablagerungen Schwedens und Englands 
vorhanden, und könnte es wohl nicht befremden, wenn aus einer 
Formengruppe von Eingula, welche im Silur Vertreter hat, 
schon im Cambrium ein Vorläufer erschiene; und sind doch 
Lamellibranchiaten in Schichten vorhanden, welche in England 
wenigstens von vielen Seiten als cambrisch angesehen werden. 

o o 


Oberste cambrisclie Zone und Grenze zum Silur; 
Thuringithorizont. 

Wir erwähnten bereits, dass das cambrische System in unserem 
Gebiete oben mit einem durchgehenden Zug von Quarzitbänken ab- 
schliesst, welchem graugrüne Thonschiefer (Phycodenschiefer) 
zwischengeschichtet sind; dieser Complex ist ziemlich mächtig. 
Aufwärts nehmen nun diese Tlionschieferzwischenlagen eine etwas 
andere Beschaffenheit an, enthalten keine Phycoden mehr und 
nähern sich schon mehr den Untersilurgriffelschiefern. Sie sehen 
blaugrau oder grau aus, röthen sich leicht durch Verwitterung, 
sind z. Th. sogar stark eisenschüssig, roth abfärbend; Eisenoxyd 
verbreitet sich auf mechanischem und wohl auch chemischem Wege 
allenthalben durch die Masse, auch auf Klüften und Fugen des 
zwischengelagerten Quarzits. Stellenweise ist in dieser Zone der 
Eisengehalt so sehr angereichert, dass förmliche Zwischenlager von 
derbem Rotheisenstein vorliegen, wie namentlich in der Gegend 
von Hämmern, wo in früherer Zeit auf solchen Eisenstein am 
Reckberg und Saukopf Bergbau getrieben wurde 1 ). Bei den 
Schiefern dieser Zone kommen manchmal auch sehr klastische 

*) Solche, mehr vereinzelt vorkommende Eisensteinlager bilden sozusagen 
die Vorläufer des bald zu erwähnenden, durchgehenden, wichtigen Thuringit- 
Eisenstein - Horizonts. 


14 


212 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


Modificationen vor, welche abgerollte Fragmente ähnlicher Schiefer, 
in eisenschüssiger Schiefermasse eingebacken, enthalten. 

Gewöhnlich gehen solche weiche, rothe oder blaugraue durch 
Verwitterung sich röthende oder marmorirt aussehende Thonschiefer 
über die obersten, stärkeren Quarzitbänke hinaus und bilden dann 
noch einen wenig mächtigen Complex für sich, welchem höchstens 
quarzitische, glimmerreiche Lagen, doch keine stärkeren Quarzit- 
bänke mehr eingeschaltet sind, und welcher Complex aufwärts in 
die dunkelblauschwarzen Untersilurschiefer, welche in unserer 
Gegend fast immer als Griffelschiefer entwickelt sind, ohne 
scharfe Grenze übergeht; in der That nähern sich jene obersten 
cambrischen Schiefer petrographisch den Griffelschiefern schon 
sehr und zeigen oft dieselbe parallel faserige, auf Streckungsvor- 
gänge zurückzuführende Structur, wie letztere 1 ). 

Bei diesen allmählichen Uebergängen ist die Grenzlinie zwischen 
dem cambrischen und sibirischen Theil etwas unsicher zu ziehen. 
Das Bemerkenswertheste nun in dieser Grenzpartie ist, dass sie 
den Horizont für die weithin zu verfolgende, ganz eigenthümliche 
Eisensteinbildung des Thuringits abgiebt, welche, wenn 
auch nicht in ununterbrochen durchgehendem Zug, doch von Strecke 
zu Strecke in Form von normal den Schichten eingeschalteten 
Lagermassen stets in diesem stratigraphischen Niveau, an der 
Basis des Silur erscheint 2 ). 

Diese Eisensteinbildung nun ist auf das Innigste dem Material 
wie der Lagerung: nach mit den sie einschliessenden , ohnehin 
eisenschüssigen Schiefern verbunden; sie erscheint sozusagen als 
eine local aus ihnen hervorgehende Anreicherung des Eisengehal- 
tes. Der Eisenstein ist vielfach oolithiscli; kleine Oolithe von 
flacher, ellipsoidischer Form, anscheinend ohne innere Structur, von 
der umgebenden Masse schalig sich ablösend, mehr oder minder 

!) Recht verbreitet sind auch bei diesen eisenschüssigen Zwischenschichten 
phaneroklastische Modificationen; meist sind hier kleine, abgerundete Schiefer- 
geschiebe, dem Ansehen nach von wenig älteren Schichten herrührend, in der 
rothen eisenschüssigen Schiefermasse eingebacken; in anderen Fällen ist die 
Structur mehr breccienartig. 

3 ) Auf dem Kärtchen ist diese Zone wegen ihrer geringen Mächtigkeit nicht 
besonders ausgedrückt worden. 


der cambrisch-phyllitischen Scliieferreihe in Thüringen. 


213 


dicht gedrängt, sind durch eine, wie es scheint, aus demselben 
Stoff’ bestehende, weiche, schieferige Masse verbunden, welche sich 
auch lagenweise für sich, ohne Oolithe hindurchzieht; das Ganze 
stellt so einen ziemlich eisenreichen Rotheisenoolith dar, dessen 
Farbe aber in frischem Zustand ein dunkeles Grün oder schwarz- 
grün ist. Die Bindemasse der Oolithe kann nun aber weiterhin 
übergehen in den gewöhnlichen, etwas eisenschüssigen Thonschiefer 
dieser Zone, wodurch sich eisenärmere halboolithische Varietäten 
ergeben ; auch klastische und breccienartige Structur spielt hinein 
und so ergeben sich eine ganze Anzahl Modificationen, die nach 
petrographischer Beschaffenheit , wie durch Verwachsung und 
Wechsellagerung untereinander und mit dem umgebenden Schiefer 
verbunden sein können. In einer etwas anderen Modification er- 
scheint der Eisenstein als chloritgrüne Masse, die ebenfalls ooli- 
thisch oder auch breccienartig wird, nicht roth, sondern braun 
verwittert (Brauneisenoolith) und wie angegeben, mit dem gewöhn- 
lichen, thonigeren Schiefer verbunden sein kann. 

Unter »Thuringit« sind eben jene reinsten, mineralisch homo- 
genen und dem Chlorit verwandten, in frischem Zustande grünen 
und vielfach oolithischen Partieen zu verstehen. 

Dieser eigenthümliche und für das Thüringisch-Fichtelgebir- 
gische Schiefergebiet so wichtige Horizont des Thuringits bezeich- 
net die Grenze von Cambrium und Silur 1 ). 

1 ) Wir bemerken, dass in unserem thüringischen Gebiet über den unter- 
silurischen Griffelschiefern nochmals ganz ähnliche Eisensteinzwischenschichten sich 
hie und da wiederholen. 

Bei der Kartirung wird man die Thuringitschichten schon zum Silur ziehen, 
mit Rücksicht auf die in denselben gefundene organische Form. 

In der Thuringitschicht des Fichtelgebirges nämlich kommt im Leuchtholz 
bei Joditz unfern Hof in einer besondere magneteisenreichen und quarzführenden 
Abänderung des Thuringitgesteins eine Orthis in zahlreichen, doch schlecht er- 
haltenen Exemplaren vor, welche Gümbee (1. c. p. 415 und 420) nach Geinitz als 
Orthis aff. Lindströmi Linnarss. anführt. 

Orthis Lindströmi Linnarss. gehört der Primordialzone an; sie gehört zu den 
Brachiopoden, welche Linnarsson aus den schwedischen Paradoxidesschichten be- 
schrieben hat. Eine jener Orthis aff. Lindste, einigermaassen ähnliche Orthis 
{bavarica Barr.) kommt in der Fauna der Schichten von Leimitz bei Hof im 
Fichtelgebirge vor, welche Fauna an der Grenze der ersten oder Primordial- zur 
zweiten silurischen Fauna steht, — TJebrigens ist eine eigentliche Primordialzone 


214 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


Einlagerungen von Kieselschiefer und Alaunschiefer. 

Kieselschiefer , Alaunschiefer und diesen verwandte, in höhe- 
rem Grade mit Kohle imprägnirte und daneben wohl auch schwefel- 
kiesreiche Schiefer kommen als Zwischenschichten oder Zwischen- 
lager vornehmlich im Bereich unserer phyllitischen Zone vor, fehlen 
aber auch der folgenden Zone nicht ganz und wiederholen sich 
hie und da bis in die cambrische Thonschieferzone hinein. 

Kieselschiefer und Alaunschiefer der phyllitischen 
Zone. Sie können wohl als kohlereiche Modificationen der quar- 
zigen hierhergehörigen Schiefer angesehen werden. Sie stellen 
sich besonders nach NW. ein, genauer in dem nordwestlichen Theil 
des Sattels, den nach unserer Auffassung die phyllitischen Schiefer 
zwischen cambrischen bilden; obwohl auch nach der entgegenge- 
setzten Seite und wie gesagt bis in die angrenzenden Zonen hinein 
solche dunkele Kiesel- und Alaunschiefer, resp. ihnen höchst ähn- 
liche nicht fehlen. Zu bedeutenden Schichtenfolgen erheben sich 
diese in stärkerem Grade kohlehaltigen Schiefer nicht ; wo sie etwas 
stärker entwickelt auftreten, wie in der Gegend von Breitenbach, 
sind sie ehedem als Alaunschiefer technisch benutzt worden. 

Wie die Aufschlüsse in dieser Gegend, besonders bei der 
sog. »Schwefelhütte« oder »Wallbrücke« zeigen, bestehen diese 
stets durch voll schwarze Färbung ausgezeichneten und meist ab- 
färbenden Schiefer aus Kieselmasse in Verwachsung mit schwar- 
zem, nämlich kohlereichem, weichem, phyllitisch gefälteltem, ab- 
färbendem Schiefer; wobei sich denn nach Mengenverhältniss und 
Vertheilung dieser Substanzen entweder ergiebt, ein sehr dünn- 
schichtiger Wechsel von Kiesel mit schwarzem, abfärbendem Schiefer, 
bei welchem ersterer vielfach nur in papierdünnen, lichtfarbigen 
Zwischenlagen erscheint und letzterer vorwaltend werden kann — 
oder ein dünn- bis dickplattiger Kieselschiefer, der meist etwas 

und -Fauna so wenig im Fichtelgebirge wie im Thüring. Sckiefergebirge bis jetzt 
bekannt. In letzterem sind die ersten Versteinerungen über den Phycoden bis 
jetzt die Trilobiten der Steinadler Griffelschiefer, welche als der Gattung Asaphus 
oder Ogygia und der zweiten sibirischen Fauna angehörig erkannt worden sind. 
Näheres s. Gümbel 1. c. p. 414 und 428. 


der cambrisch - phyllitisehen Schieferreihe in Thüringen. 


215 


quarzitisch erscheint, resp. in feinkörnigen Quarzitschiefer über- 
geht, mehr oder weniger mit Kohlenstoff imprägnirt und mit an- 
thracitisch glänzenden, abfärbenden Schieferhäuten überzogen ist. 
Durch einen hinlänglichen Gehalt an Schwefelkies werden diese 
Schiefer zu Al au ns chief er. Die Verwitterung solcher Schiefer 
bewirkt öfters nässende Stellen. Mit dem Schwefelkiesgehalt 
hängt auch die öfters sich wiederholende rostfarbige Färbung 
grösserer, der Atmosphäre ausgesetzter Partie en zusammen 1 ). 

Das Vorkommen von Kieselschiefer innerhalb unserer phylli- 
tischen Schichtenreihe ist indess nicht speciell an die genannten, 
besonders kohlereichen und abfärbenden Schiefer, die Alaunschiefer, 
gebunden, sondern besitzt eine grössere Verbreitung als letztere 
Varietät. Während letztere namentlich in der Streichrichtung von 
Gross-Breitenbach entwickelt sind, verbreiten sich die Kieselschiefer 
auch weiter südöstlich, besonders in der Partie zwischen Bocks- 
bach- und Oelzethal. Diese Kieselschieferzwischenschichten der 
phyllitisehen Zone machen sich ganz besonders durch die grosse 
Menge von hierhergehörigen Blöcken und Felsen bemerklich, 
welche im Verwitterungsboden im erwähnten District und weiter- 
hin umherliegen. 

Bei näherer Untersuchung zeigen sich diese Kieselschiefer- 
blöcke meist sehr wenig homogen : ihr Körper ist theilweise massig 
und dicht, an anderen Stellen wohl etwas drüsig, theilweise aber 
mehr schieferig und in kieseligen Thonschiefer übergehend, welch 
letzterer durch Verwitterung ausbleicht und mehlig wird, während 
die dichten, massigen Theile nur oberflächlich oder von Klüften 
aus ausbleichen; dabei pflegen diese Blöcke und Felsen nach allen 
Richtungen von weissen Quarzschnüren in unregelmässigster Weise 

*-) Solche schwarze Alaunschiefer im Bereich der phyllitisehen Schichtenreihe 
sind in früheren Zeiten namentlich bei Gross-Breitenbach durch bergmännischen 
Betrieb in nicht unbeträchtlicher Masse gewonnen und verarbeitet worden. Das 
Material wurde geröstet und ansgelaugt; noch späterhin ist ein zur Wasserab- 
führung im nächsten Thalgrund angesetzter Stollen der Ockergewinnung dienlich 
gewesen, indem das auf demselben abfliessende Grubenwasser Ocker absetzt. 
Von Gross - Breitenbach lässt sich der Zug dieser Alaunschiefer einerseits nach 
SW. in die Gegend der Alaunhütte und Altenfeld, andererseits nach Friedersdorf 
und weiter verfolgen. 


216 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


durchzogen zu sein, A T on denen wenigstens viele gewiss so wenig 
secundärer Entstehung sein mögen, wie bei manchen massigen 
Porphyroiden ; diese verschieden struirten und auch sonst differiren- 
den Partieen sind nun eng verbunden und wie zn einem Ganzen 
zusammengeschweisst, doch stellt dieses Ganze, nämlich der Kiesel- 
schieferblock oder -fels nur den festeren Kern dar, welcher zuletzt 
übrig bleibt und vorragt, nachdem die einschliessende, stärker zer- 
klüftete oder auch etwas leichter verwitternde Gesteinsmasse ab- 
gebröckelt und z. Th. verwittert ist. Dieses Verhalten ist an 
gewissen Stellen, z. B. an der rechten Seite des Thalgrundes SW. 
bei Breitenbach deutlich zu erkennen, wo die festen Kieselschiefer- 
felsen z. Th. noch zwischen dem stärker gelockerten und zu 
Trümmern und Schutt zerfallenen Materiale anstehend zu finden 
sind; so zwar, dass sich an manchen derselben mit Hülfe ihrer 
theilweise schieferigen Structur das Streichen nach NO. und steile 
Einfallen nach NW. — NNW. recht wohl zu erkennen giebt. Ein- 
mal freigelegt, sind solche Kieselschieferfelsen gleich Quarzfelsen 
unverwüstlich; sie besitzen, im Ganzen betrachtet, eine sehr dunkele, 
fast blauschwarze Färbung 1 ). 

Wie aus Obigem hervorgeht, sind die in der phyllitisclien 
Schiefergebirgszone Thüringens als Einlagerungen vorkommenden 
Kieselschiefermassen von ganz anderer Beschaffenheit als jene 
regelmässig in Form dünner Platten aufeinandergelagerten Kiesel- 
schieferschichten, die in der oberen Silurbildung Thüringens, des 
Vogtlandes und Fichtelgebirges eine bestimmte Zone einnehmen. 
Die erst eren besitzen in ihrer etwas wechselnden Structur und 

x ) Von Localitäten , wo der Kieselschiefer auf diese Weise vorkommt, sind 
neben der genannten Stelle bei Breitenbach besonders namhaft zu machen das 
Oelzethal, abwärts von Altenfeld, namentlich der Abhang der rechten Seite, gleich 
unterhalb Altenfeld; der Walddistrict zwischen dem Oelzethal und dem Bocks- 
bachthal bei Breitenbach, wo der Kieselschiefer, besonders in der westlichen 
Partie, gegen die Breitenbach- Altenfelder Landstrasse zu, abgesehen von den 
Felsblöcken auch in schieferig zerfallener Form stark verbreitet ist. 

Auch in der SWh-Fortsetzung der phyllitischen Zone unseres Schiefergebirges, 
jenseits der Rothliegenden Porphyrite von Neustadt und Masserberg, sind in der 
Gegend des Biberthals und von da hinüber nach Unterneubrunn die Kiesel- 
schiefervorkommnisse beobachtet worden, wenn auch lange nicht so reichlich, wie 
in den oben bezeichneten Strecken. 


der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


217 


Gesteinsbeschaffenheit und in ihrem Verhältniss zum phyllitischen 
Schiefercomplex , dem sie angehören, eine gewisse Analogie mit 
den porphyroidischen Einlagerungen. Wie bei den letzteren und 
nicht minder den Quarziten der cambrischen Reihe, so wiederholt 
sich auch bei einzelnen Partieen der Kieselschiefereinlagerungen 
nicht selten jene Bre ccienstru ctur, der wir ursprüngliche Ent- 
stehung zuzuschreiben geneigt sind. 

Diejenigen kohlereichen Schiefer, welche als Einlage- 
rungen der halb phyllitischen und der Thonschieferzone 
Vorkommen, sehliessen sich denen der Phyllitzone im Allgemeinen 
an; mehr als eigentlicher Kieselschiefer kommen hier weiche, leicht 
spaltende und zerfallende, schwarz abfärbende Schiefer vor, von 
mattem oder graphitisch bis anthracitisch glänzendem Ansehen, 
und entweder ebenschieferigem oder mehr krummschaligem, hie 
und da auch wohl etwas faserigem Gefüge. Kleine Discontinui- 

o o 

täten der Schiefermasse werden von Quarztrümern erfüllt. So am 
Zeupels- und Weissberg, sowie am Meistergrund in der Gegend 
des oberen Werragrundes, auch etwas südlich davon am Frohnberg 
(Blatt Eisfeld); ferner im Schwarzathal oberhalb Schwarzmühl; 
keine dieser Einlagerungen ist von erheblichem Umfang 1 ). 

Wir erwähnen hier noch eine andere Scliiefermodification, 
die ebenfalls als Zwischenlager von beschränkter Erstreckung im 
Bereich der tieferen, dunkeier gefärbten cambrischen Thonschiefer 
öfters erscheint; sie besteht eigentlich nur in einer Abänderung 
des gewöhnlichen weicheren Thonschiefers, dem in grosser Menge 
feine Schwefelkiespartikel eingesprengt sind; diese Schiefer ver- 
wittern sehr leicht und bewirken nasse Stellen, was übrigens auch 
von den vorher aufgeführten Schiefern gilt, sobald sich dem Kohlen- 
stoff ein gewisser Schwefelkiesgehalt zugesellt. 


Alte Halden am Zeupelsberg, im oberen Werragrund, deuten darauf hin, 
dass man diese Schiefer ehedem zu verwerthen gesucht hat. — In einigen Seiten- 
schluchten des obersten Schwarzathals, oberhalb Langenbach finden sich An- 
deutungen eben solcher leicht zersetzbarer Schwefelkies- (und -Kohle?) reicher 
Zwischenlager. 


218 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


Einlagerungen von Ämphibolgesteinen. 

Diese treten besonders, wenn auch nicht ausschliesslich, in 
den älteren Zonen unseres Schiefergebirges auf und umfassen eine 
ganze Reihe von Varietäten und Zwischenstufen, welche einerseits 
in körnig kristallinisches, dioritisches Gestein, andererseits in ent- 
schiedene Schiefer endigt. Jenes Endglied kommt geradezu auf 
einen Diorit, resp. Epidiorit (Gümbel’s) heraus, wobei immer 
noch Wechsel in der Korngrösse, Beschaffenheit und Vertheilung 
des amphibolischen und feldspathigen Gemengtheils zu bemerken 
sind; die Schiefer dagegen verhalten sich z. Th. als Hornblende- 
schiefer, werden aber z. Th. auch ganz aphanitisch, so dass man 
ihre Zusammensetzung — die möglicherweise sich der gewisser 
sog. Grünschiefer nähert, wie sie anderwärts als Einlagerungen 
der Phyllitformation Vorkommen — nicht ohne besondere Hülfs- 
mittel erkennen kann. Massig krystallinisehe und schieferige Ge- 
steine treten zusammen in Verwachsung auf; so zwar, dass die 
amphibolische Lagermasse eine massig krystallinisehe Partie be- 
sitzt, die in der Regel den festem, ohne Schichtung erscheinenden 
Kern bildet, und eine schieferige, welche schalenförmig den Kern um- 
giebt und ihrerseits in die gewöhnlichen Schiefer, welche das 
Ganze einschliessen, übergeht 1 ). In der Regel sind freilich die 
schieferigen Partieen oberflächlich verwittert, und nur die festeren 
dioritischen Partieen widerstehen in Form äusserst fester Blöcke 
oder Felsen auf die Dauer den Atmosphärilien und bekunden das 
Vorhandensein der amphibolischen Einlagerung. Erblickt man 
nur diese, so könnte an das Vorhandensein eines Lagerganges 
dioritischen Eruptivgesteins gedacht werden ; allein die noch vor- 
handenen Reste des amphibolischen Schiefers, die grössere Zahl 
unterscheidbarer Varietäten der hierherffehöriffen Gesteine, die 
öfters zusammen Vorkommen, und abgesehen hiervon auch die Ge- 
stalt und Umgrenzung des Ganzen, wie sie die Specialaufnahme 

*) Solcher an sich schon zusammengesetzter Körper mögen sich, bei grösseren 
derartigen Vorkommnissen, wieder mehrere zusammenschaaren und so, mit Zwischen- 
schaltung phyllitischen etc. Schiefers, erst die ganze amphibolische Einlagerung 
bilden. 


der cambrisch- phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


219 


namentlich für die grösseren Vorkommnisse (Waffenrod bei Eis- 
feld) ergiebt, sowie einige sehr günstige Aufschlüsse (Oelzethal) 
lassen die normale Einlagerung und Einordnung dieser Lager- 
massen in das betreffende Schiefersystem erkennen — nicht anders 
als wie dies neuerdings in analogen Fällen in archäischen Schiefer- 
districten anderer Gegenden gefunden worden ist 1 ). 

Hierhergehörige Vorkommnisse finden sich in unserem Gebiete: 
in der Gegend von Grossbreitenbach und des oberen Oelzethales, 
unterhalb Altenfeld, zahlreich im Bereich der phyllitischen und 
nächstfolgenden Schieferzone (Section Breitenbach und Masserberg); 
weiter südwestlich im Gebirge bei Eisfeld, im Lauterbachgrund 
und besonders bei Waffenrod, im Bereich derselben Schieferzone; 
Andeutungen solcher Vorkommnisse wiederholen sich auch im 
Quarzphyllit zwischen Biberschlag und Ernstthal u. s. w. 

Einen besonders guten Einblick in die Lagerungs- und Ver- 
bandverhältnisse einer solchen Einlagerung von Amphibolgestein 
zwischen Phyllit resp. Quarzphyllit, gewährt ein Vorkommen im 
Oelzethal , etwa ^4 Meile unterhalb Altenfeld (Blatt Masserberg), 
welches neuerdings durch eine Strassenanlage angeschnitten wurde; 
wir geben im Folgenden eine Beschreibung desselben. (Siehe um- 
stehend Fig. 1.) 

Die Kernpartie verhält sich als ziemlich gleichförmig be- 
schaffener, mittel- bis feinkörniger Diorit, bez. Epidiorit; sie hat 
ganz das Ansehen eines krystallinischen Massengesteins, ist unregel- 

B Wo eine amphibolische Einlagerung ohne festere, massig krystallinische 
Partieen entwickelt ist, oder solche erst in gewisser Tiefe oder im Fortstreichen 
sich einstellen, kann sie unter Umständen sich der Beobachtung entziehen. 

Manchmal finden sich an isolirten, festen, dioritischen Blöcken noch anhaf- 
tende schieferige Schalen. 

Trotz massiger Blockanhäufung kann eine solche amphibolische Einlagerung 
doch von beschränktem Umfang oder kurzer Erstreckung sein, wie dies die 
Specialaufnahme in verschiedenen Fällen übereinstimmend ergeben hat. 

Zum Unterschied von den nachher zu beschreibenden Einlagerungen granit- 
und gneissartiger, sowie besonders porphyroidischer Gesteine sei hier nur hervor- 
gehoben, dass eine derartige innige Verwachsung und Verflaserung grösserer und 
kleinerer Partien mit dem umgebenden Schiefer, wie sie bei diesen vorkommt, 
bei den amphibolischen Einlagerungen nicht beobachtet wurde; sie sondern sich 
im Allgemeinen schärfer vom umgebenden Schiefer ab, als jene. 


220 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 
Figur 1. 



Amphibolische Einlagerung im phyllitischen Schiefer an der 
Landstrasse im Oelzethal. A krystallinisch körniges Gestein, 
aai Uebergangsschiefer, ph phyllitische Schiefer. 

Höhe ca. 4 1 /« — 5 Meter. 

massig zerklüftet und könnte an einen steil stehenden Eruptivgesteins- 
gang erinnern; aus ihrem endlichen Zerfall würden eben solche 
grosse, feste Blöcke hervorgehen, wie sie thatsächlich in nächster 
Nähe im Walde liegen und bei anderen solchen Vorkommnissen 
aus dem Boden vorragend die Anwesenheit einer solchen Einlage- 
rung darthun. Auf abgewitterten Flächen der Kernpartie tritt der 
Feldspath weiss gegen die dunkele Hornblende hervor; andere 
wesentliche Gemengtheile machen sich dem blossen Auge nicht 
bemerklich. Dagegen ist Quarz in grösseren Adern, Trümern, 
Putzen und Knauern, wenn auch nicht sehr reichlich, ausgeschie- 
den vorhanden *). Eine nähere Prüfung geeigneter Flächen (ab- 
gewitterter Bruchflächen, welche quer zur allgemeinen Streich- 
richtung liegen), lässt selbst in dieser, auf den ersten Blick massig 
erscheinenden Kernpartie, eine lagenförmige Anordnung, wenigstens 


Q Diese, wohl primären, fest mit der körnigen Gesteinsmasse verwachsenen 
Quarzausscheidungen wiederholen sich auch bei benachbarten, entsprechenden 
Vorkommnissen. — Auf eigentlichen Klüften ferner kommt ebenfalls Quarz und 
auch Ivalkspath und Chlorit vor, letzterer auch so, dass er die Gesteinsmasse 
und manchmal sogar den Quarz imprägnirt. 


der cambrisch- phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


221 


stellenweise, erkennen, welche in der verschiedenen Färbung und 
Vertheilung des feldspatliigen und amphibolischeu Gemengtheils 
begründet ist und der Schichtrichtung des umgebenden Schiefers 
folgt, Nach aussen ist nun beiderseits dieser Kerntheil von einer 
sch ali g oder schiebt eu weise geordneten Uebergangszone 
umgeben, welche zum umgebenden phyllitischen Schiefer hinüber- 
führt. Der Uebergang ist allmählich. An den Kerntheil schliesseu 
sich, innig mit ihm und unter sich verwachsen, sozusagen allmäh- 
lich aus ihm hervorgehend, die ersten Schalen oder Lagen der 
Uebergangszone, indem für die körnige Structur successive die 
schieferige eintritt, auswärts zunimmt und dementsprechend nach 
Färbung und mineralischem Bestand etwas verschieden aussehende 
dünnere und dickere Lagen sich entwickeln: auf abgewitterten 

O 7 o 

Bruchflächen, die quer zum Streichen liegen, tritt dies deutlich 
hervor. Die Uebergangszone ist besonders reich an Quarzaus- 
scheidungen in Adern, Trümern und Knauern, von rauchgrauer 
Färbung in frischem Zustande; viele davon liegen als unregelmässig 
gestaltete Linsen in der Schichtrichtung. — Die Kernpartie erwies 
sich im Aufschluss an der Strasse 3,5, die östlich anliegende Ueber- 
gangszone 0,70, die andere 0,80 — 0,90 Meter stark 1 ). 


Einlagerungen gneiss- und granitartiger Gesteine. 

Sie machen sich wiederholt im Bereich der phyllitischen und 
der nächstfolgenden, halbphyllitischen resp. tieferen cambrischen 
Zone geltend, und erreichen mitunter eine etwas grössere Aus- 
delmung (Vorkommen N. von Böhlen am Milchberg; hierherge- 
höriger Gesteinszug aus der Gegend des Schwarzathals unterhalb 
Katzhütte über Meuselbach weiter nach NNO.; Vorkommen von 
Hinterod, unweit Eisfeld); bleiben in anderen Fällen aber auch 
klein (verschiedene Vorkommnisse im Schwarzathal, bei und ober- 

') Bei einem anderen, durch einen Steinbruck bewirkten Aufschluss, der sich 
im Wald, in der Nähe des beschriebenen, befand, maass die ziemlich gleichmässig 
beschaffene Kernpartie 4,6 Meter, die Uebergangszonen je ca. 0,4 Meter. Die 


222 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


halb Katzhütte). Stets sind sie auf das Innigste nach Lagerung 
und durch Gesteinsübergänge mit dem umgebenden Schiefer ver- 
blinden und verhalten sich hierin wie in der äusseren Gestalt, resp. 
dem Grenzverlauf des Lagerkörpers, welchen sie bilden, ähnlich 
wie eine quarzitische oder porphyroidisclie Einlagerung. Nur ihre 
reinsten Partieen erlangen nach mineralischer Mischung und Struc- 
tur das Ansehen eines Granits, oder bei der meist vorherrschenden 
schieferig-flaserigen Structur, eines Gneisses; doch diese Partieen 
sind mit anderen verwachsen, welche die Verbindung mit dem 
umgebenden und zwischendurchziehenden phyllitischen und halb- 
phyllitischen Schiefer vermitteln. 

Die Besonderheiten dieser Einlagerungen mögen an einigen 
bestimmten Beispielen etwas näher erläutert werden. 

Die hierher gehörigen Gesteine von Hinterod (Blatt Eisfeld) 
lassen Quarz, Feldspat!) und meist dunkelen Glimmer deutlich neben 


erstere ragte als fast mannshohe Felsbildung über den Waldboden hervor. (Siehe 
nachstehende Figur 2.) 

Figur 2. 



Amphibolische Einlagerung im phyllitischen Schiefer, im 
Oelzethal , Steinbruch im Wald. Krystallinisch körnige 
4,6 Meter starke Mittelpartie, durch 0,4 Meter starke Ueber- 
gangszonen mit dem phyllitischen Schiefer verbunden. 
Höhe ca. 6 Meter. 


der cambrisch - phyllitischen Scbieferreilie in Thüringen. 


223 


einander erkennen, meist in schieferiger, in kleinen Partieen auch 
gleiclnnässig körniger Structur, so dass sie geradezu als Gneiss 
und als Granit (grob- oder feinkörniger) zu bezeichnende Hand- 
stücke liefern können. Durch die Art der Anhäufung und Ver- 
theilung des Glimmerminerals zwischen den übrigen Gemengtheilen, 
mehr noch durch den Eintritt phyllitisch aussehender Schieferflasern 
in die Gesteinsmischung und das allmähliche Ueberwiegen der- 
selben bilden sich Verwachsungen mit, oder Uebergänge zu dem ein- 
schliessenden phyllitischen Schiefer, eine Art Mittelgestein zwischen 
Gneiss und fe ldspathführendem Quarzphyllit. Eben durch 
diese Veränderlichkeit der Mischung und Structur entfernen sich 
diese Gesteine von den eigentlichen, vollkrystallinischen Massen- 
gneissen und Graniten der archäischen Systeme und verbinden 
sich inniger mit dem umgebenden phyllitischen Schiefer; sie er- 
scheinen als Kerne, welche durch Uebergangszonen mit letzterem 
Zusammenhängen 1 ). Bei zurücktretendem Feldspatli- und Glimmer- 
gehalt, in Verbindung mit Feinkörnigkeit, ergeben sich auch 
Modificationen, die einem Quarzit, oder einem Quarzitschiefer 
ähnlich werden; statt des dunkelen Glimmerminerals kommt bei 
diesen ein sehr lichtes in äusserst dünnen, schuppigen Lamellen vor. 

Ganz ähnlich dem Vorkommen von Hinterod verhält sich 
jenes, welches N. von Böhlen am sog. Milchberg (Grenze von 
Blatt Breitenbach und Königsee) innerhalb der phyllitischen Zone, 
resp. des Quarzphyllits eine grössere Verbreitung gewinnt. Auch 
hier entsprechen die an Masse zurückstehenden reinsten Partieen 
einem Granit von mittlerem Korn, oder auch einem Gneiss, da 
die Structur Neigung zum Schieferigen und Elaserigen behält. Von 


B Sie erscheinen, wenn wir uns einmal auf den Standpunkt der diagenetischen 
oder auch der epigenetischen Metamorphose stellen wollen , als der am weitesten 
vorgeschrittene Umwandhmgszustand des ursprünglichen Sediments. 

Es würde in keiner Weise angehen, die gneissartigen Gesteine dieses Vor- 
kommens etwa als ein zwischen jüngeren Systemen inselartig vorragendes Stück 
eines archäischen Grundgebirges aufzufassen. Dagegen würde eine Reihe localer 
Gründe sprechen, deren Aufzählung hier zu weit führen würde. Es genügt, die 
enge Verbindung hervorgehoben zu haben, die mit dem einschliessenden Schiefer 
besteht. — Ebenso verhält es sich bei allen anderen Vorkommnissen, soweit die 
Specialaufnahmen bis jetzt reichen. 


224 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


den Bestandteilen prävalirt meist der Quarz, der überdies viel- 
fach in grösseren Knauern und Putzen ausgescliieden ist, ganz 
ähnlich wie bei vielen Porphyroiden und beim Quarzphyllit 1 ). 
Erreichen diese Quarzausscheidungen einen beträchtlichen Umfang 
gegenüber dem feldspathigen Bestandtheil, so unterscheiden sich 
solche Gesteinsmassen wenig mehr von den feldspathhaltigen Quarz- 
knauern des Quarzphyllits. Derartige Gesteinspartieen sind es, 
welche die reine granitische Ausbildungsform, mit welcher sie durch 
allerlei Uebergangsformen verbunden sind, fast nur als eine weitere 
Entwickelungsstufe der feldspathhaltigen Quarzausscheidungen 
und -Knauern des Phyllits erscheinen lassen; um so mehr, als es 
auch an phyllitischen Schalen und an Chlorit nicht fehlt, welche 
mit jenen quarzreichen und dazu meist glimmerarmen Partieen der 
granitartigen Gesteinsbildungen verwachsen sind; wie denn Phyllit 
und Quarzphyllit, in nichts von der gewöhnlichen und typischen 
Beschaffenheit abweichend, sich zwischen all diesen granitischen 
Modificationen hindurchziehen, sei es, dass sie an Masse über- 
wiegen, oder auch gegen jene zurücktreten. Eine andere Ver- 
knüpfung der Gneisspartieen mit dem Phyllit ergiebt sich in der 
Art, dass der weisse, mehr oder weniger individualisirte Glimmer 
der ersteren zurücktritt und verschwindet, während dafür phyllitische 
Häute und Flasern vorhanden sind, also ein Phyllitgneiss 
resultirt. 

Wie eng die Verbindung dieses granitiseh-gneissischen Ge- 
steins mit dem umgebenden Phyllit ist, geht z. B. auch aus der 
sicher beobachteten, in ziemlich dünnen Lagen wechselnden Ver- 
wachsung der granitischen Masse mit phyllitiscli - quarzitischem 
Schiefer hervor, welche sich als besondere Modification zwischen 
den übrigen an dieser Lokalität vorfand. Ferner sei erwähnt, 
dass im Bereich dieser granitischen Einlagerung der Quarzphyllit- 

Q Diese starke Verwachsung mit Quarz kommt auch bei den entsprechenden 
Gesteinen von Hinterod vor. — Stärkere, trumförmige Quarzausscheidungen 
zwischen dem Quarz-Feldspathgemeng bewirken in der That eine gewisse Analogie 
mit manchen Porphyroiden; von diesen unterscheiden sich jedoch jene granit- 
artigen Massen durch das reichliche Vorhandensein individualisirten Glimmers, 
das Fehlen der sericitischen Flaser und des felsitischen Antheils, sowie das Her- 
vortreten gleichmässig körniger Structur. 


der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


225 


Zone auch Kieselschiefer, wie er sonst in letzterem eingelagert ist, 
vorkommt, und nicht minder ampliibolische Zwischenschichten mit 
ihren erwähnten festeren Kernpartieen dioritischen Gesteins, die 
überdies Uebergänge zu Granit (durch Aufnahme weisser Glimmer- 
schüppchen) zeigen 1 ). 

Den beschriebenen Beispielen ähnlich verhalten sich denn 
auch die übrigen derartigen Vorkommnisse, welche bis jetzt im 
Speciellen untersucht wurden, insbesondere die der Gegend von 
Katzhütte im Schwarzathale, z. B. das im Amselgrund nahe bei 
diesem Ort. Aehnlich auch die hierher gehörige Einlagerung, 
welche in der Nähe des Ausganges des Laubthals im Schwarza- 
thal an der Landstrasse ansteht. Sie verhält sich in der Haupt- 
sache als Phyllitgneiss, indem die Feldspath- und Quarzkörner 
flaserig von Phyllit umgeben sind, und bald mehr zurücktretend 
diesem das Uebergewicht lassen, bald unter stärkerem Hervortreten 
rein körnigen Gefüges die Phyllitflaser verdrängen, die sich dann 
nur noch in einzelnen kleinen, ausser Zusammenhang befindlichen 
Partieen vorfindet und sozusagen die Rolle des Glimmers in ge- 
wöhnlichem Granit übernimmt. Grössere, mit zusammenhängender 
Phyllitsubstanz überkleidete Flächen durchziehen das Gestein, an 
ihnen findet leicht Ablösung der Gesteinsmasse statt. Körnige 
Partieen wechseln mit mehr schieferigen und flaserigen oder sind 
von solchen wie Kerne umschlossen, so dass auch hier der Gesteins- 
körper ein nichts weniger als gleichartiges Ganze darstellt, sondern 
sich aus den genannten, verschieden struirten Theilmassen in 
eigenthüinlicli angeordneter Weise zusammensetzt. Sehr feinkör- 
nige, phyllitarme oder -freie, quarzitisch beschaffene und von reich- 
lichen Quarzausscheidungen oder - Trümern durchzogene Lagen 
finden sich an der äusseren Grenze nach dein Laubthale zu, gegen 

ZOO 

*) Man ist bei der Untersuchung dieser Localität auf das Studium der aller- 
dings in Menge vorhandenen Lesesteinhaufen angewiesen. Nach diesen zu ur- 
theilen, nämlich nach dem Mengenverhältniss ihrer granitischen und quarzphyl- 
litischen Fragmente scheint die granitische Masse sich nach der ganz flach an- 
steigenden Höhe hin zu verdichten, nach aussen mehr und mehr in Quarzphyllit 
zu verlieren. Kieselschiefer kommt zwischendurch besonders auf der NW. -Seite 
vor, wo der Breitenbacher Kieselschieferzug nach Friedersdorf hin durchstreicht. 
Amphibolgestein findet sich an der NW 7 .- und noch mehr an der 0. -Seite. 


15 


226 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


das umgebende Schiefergestein. Tn ihrem weiteren Verlauf nach 
NO. ist dieser granitisch-gneissische Gesteinszug: noch nicht zur 
Specialaufnahme gelangt; wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht 
unerwähnt lassen, dass gerade dieses Vorkommen von anderer 
Seite in einem anderen Sinne gedeutet worden ist 1 ). 


Einlagerungen porphyroidischer Gesteine 2 ). 

Eine besondere Gruppe von Einlagerungen oder Zwischen- 
schichten unserer phyllitisch-cambrischen Schieferreihe bilden jene 
merkwürdigen, auch aus vielen anderen in ähnlicher Weise des 
Vorkommens bekannt gewordenen Gesteine, welche nach Lossen 
als Porphyroide, Schiefer porpliyr oi de bezeichnet werden. 
Sie sind im genannten Schichtencomplex Thüringens von grosser 
Verbreitung, namentlich in der phyllitischen und halbphyllitischen 
Zone, sowie auch noch der tieferen Partie der cambrischen Thon- 
schiefer und Quarzite, fehlen aber auch in der höheren Schichten- 
folge der letzteren nicht ganz. 

Es lässt sich eine grosse Reihe von Varietäten oder Modifi- 
c-ationen dieser bemerkenswerthen Schichtgesteine unterscheiden, 
welche in einzeln herausgegriffenen Proben betrachtet, nach Mischung 
und Mengenverhältniss der mineralischen Componenten, mehr noch 
nach der Structur verschieden genug aussehen können; doch sind 
alle diese Varietäten durch Abstufungen und Uebergänge eng ver- 
bunden und erscheinen, was wichtiger und besonders hervorzuheben, 
in der Art ihres Vorkommens so innig; zusammengehörig; oder 
gegenseitig sich bedingend, dass kaum einmal nur eine solche 
Varietät porphyroidischen Gesteins für sich auftritt, sondern fast 
immer eine Anzahl solcher Varietäten in engstem Lagerungsverband 
unter sich und mit zugehörigem und einschliessendem Schiefer- 

o o 

x ) Vergl. H. Credner sen. im Neu. Jahrb. f. Min. etc. 1849, p. 10 ff. und 
in »Versuch einer Bildungsgeschichte der geognost. Verhältnisse des Thüringer 
Waldes« Gotha 1855, p. 21. 

2 ) Vergl. Richter: Thüringische Porphyroide. Saalfeld. 4°. 1871. (Programm 
der Realschule.) 


der cambrisch- phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


227 


gestern gewöhnlicher Art — sei es Thonschiefer oder Phyllit oder 
Quarzit — den Gesammtkörper der porphyroidischen Einlagerung 
constituirt. 

Es besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen den 
Porphyroiden, die in der ältesten, phyllitischen Zone unseres 
Schiefergebirges als Einlagerungen erscheinen, und jenen, die in 
den jüngeren Schichtenfolgen Vorkommen; wenn auch gewisse 
Varietäten mehr dort, andere mehr hier vertreten zu sein scheinen. 

Wie sonst wo, ist auch bei unseren Porphyroiden in der 
Regel eine Art Grundmasse vorhanden, deren schieferige Structur 
bei vielen Modificationen sofort hervortritt , bei anderen aber erst 
bei der Betrachtung grösserer Geste inspartieen sich kundgiebt, 
während sie im Handstück völlig oder so gut wie ganz fehlen 
kann, woraus eine wahre Porphyrstructur, ähnlich der eines erup- 
tiven Porphyrs hervorgehen kann. Ihrer mineralischen Natur nach 
verhält sich diese Grundmasse sehr gewöhnlich wie ein Felsit 1 ), 
der mitunter etwas ins Quarzitische geht; die felsitische Grund- 
masse ist entweder massig oder schieferig, letzteres durch schich- 
tigen Wechsel in chemisch - physikalischen Eigenschaften allein, 
oder gewöhnlicher, durch mehr oder minder reichliche Interposition 
von sericitischen oder phyllitischen Lamellen, Häuten, Flasern; 
bei anderen porphyroidischen Modificationen erscheint aber statt 
dieser felsitischen und halbfelsitischen Grundmasse ein wahrer 
Schiefer von meist sericitischem oder phyllitischem Habitus 2 ). 


x ) Ob und wie weit bei diesen thüringischen Porphyroiden statt Felsit auch 
» Adinole« im Sinne Lossen’s betheiligt ist oder nicht, kann natürlich nur durch 
genaue Untersuchung gefunden werden; wir wollen hier bei der Bezeichnung Felsit 
und felsitisch für die betreffende Grundinasse stehen bleiben. 

2 ) »Sericit« und »Phyllit«, resp. »sericitisck« und »phyllitisch« sind in vor- 
liegender Mittheilung immer so gebraucht, dass unter ersterem die anscheinend 
reine und mineralogisch einheitliche Substanz verstanden wird, wie sie z. B. im 
Quarzit in unendlich dünnen, fast durchsichtigen Flauten und Flasern sich einlegt, 
oder stärker werdend jene weissen bis gelblichen oder grünlichen »talkähnlichen« 
Lagen bewirkt, in ihren bekannten Eigenschaften nach Härte , Glanz , feinschup- 
piger bis faseriger Beschaffenheit; unter »Phyllit« dagegen ein anscheinend com- 
plexes schieferiges Aggregat, zu dessen Aussehen noch andere Beimengungen, 
namentlich eine solche chloritischer Natur, beitragen und wie es in der » phylli- 
tischen« Schieferzone zu so ansehnlicher Verbreitung gelangt. 


15 


228 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


Als krystallinische Ausscheidungen sind in der schieferigen oder 
gleichmässig dichten Grundmasse entwickelt: Feldspath, zumeist 
wohl Orthoklas, doch nicht mit völligem Ausschluss eines plagio- 
klastischen Feldspaths und Quarz; ersterer meist in unvollkomme- 
nen Ivrystallen, letzterer in kristallinischen Körnern. Ein Glimmer- 
mineral, welches allem Anschein nach dem Sericit am nächsten 
steht, und in flaserigen Lamellen zugegen ist, gehört wie es scheint 
wesentlich mit zur Constitution der Porphyroide, ist aber in höchst 
wechselnder Menge zugegen; selbst in massig-compacten, gar nicht 
mehr an Schiefer erinnernden Porphyroiden, resp. Partieen einer 
porphyroidischen Einlagerung pflegen sericitische Flasern nicht 
ganz zu fehlen. 

Die krystalliuischen Feldspath- und Quarzausscheidungen in 
einer Art von Grundmasse bedingen die äussere Aehnlichkeit mit 
Porphyren, welche diesen Gesteinen in wenigstens sehr vielen ihrer 
Abarten eigen ist; die schieferige Structur, welche entweder schon 
im Aussehen der Grundmasse, mindestens doch in dem des ganzen 
Porphyroidlagers zum Ausdruck gelangt, und in mineralogischer 
Hinsicht schon die sericitische Flaser bedingen die innere Ver- 
wandtschaft mit Schiefer. 

In dem Mengenverhältniss der krystallinischen Ausscheidungen 
unter einander und zur Grundmasse, in der mineralischen Be- 
schaffenheit der letzteren, in der stärkeren oder geringeren Ent- 
wickelung des sericitischen Antheils, in der Structur finden nun 
aber wie. gesagt die grössten Mannichfaltigkeiten statt; daher die 
grosse Reihe der Varietäten. Immerhin bleiben in den meisten 
Fällen soviel gemeinsame Charaktere und verbindende Elemente 
in dem Habitus dieser Gesteine , dass ihre Zugehörigkeit zu den 
»Porphyroiden« sich schon im Ansehen des Handstücks, noch besser 
allerdings an der natürlichen Lagerstätte kundgiebt; in einzelnen 
Fällen allerdings bilden sich Uebergangsstufen zu anderen Schiefer- 
gesteinen heraus, so dass man in Zweifel kommen kann, ob man das 
fragliche Object noch als Porphyroid gelten lassen soll oder nicht. 

Wir wollen an einigen bestimmten Beispielen die gegebenen 
Andeutungen über unsere thüringischen Porphyroide etwas näher 
ausführen. 


der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


229 


Ein schon seit längerer Zeit bekanntes Porphyroidvorkommniss 
ist das von Langenbach im oberen Schwarzathal 1 ) (vgl. Fig. 3). 


Figur 3. 



Porphyroi d-Yorkommen bei Langenbach: 

a. Thonschiefer, 

b. Massiges Porphyroid, 

C. Thonschiefer und Q.uarzit, 

d. Flaseriges Sericitschiefer-Porphyroid mit Zwischenlagen von sericitischem 
Schiefer, 

e. Thonsc.hiefer, 

f. Gangförmiger Feldspath-Porphyrit, 

g. Dunkeler Thonschiefer mit dunkelem Quarzit und quarzitischem Schiefer 
z. Th. wulstig verwachsen. Dazwischen lose Porphyroid -Fragmente. 

Die an der rechten Thalseite hinführende Landstrasse und ein vom 
Ansgang des Pechseifengrnndes in NW.-Richtung bergan führen- 
der Waldweg geben gute Aufschlüsse. Nach diesen, in Verbin- 
dung mit der Specialaufnahme des umgebenden Terrains erscheint 
das Porphyroidvorkommen innerhalb, resp. am NW. -Rand einer 
grösseren Quarziteinlagerung im cambrischen Thonschiefer. Die 
porphyroidischen Schichten selbst werden nun aber wieder unter- 
brochen oder enthalten Zwischenmittel von Quarzit, quarzitischem 
Schiefer und Thonschiefer, und diese verschiedenen Elemente zu- 
sammengenommen bilden in enger Verbindung ein zusammenge- 
setztes Glanze, die porphyroidische Gesammtlagermasse. Der Quarzit 

Q An der Grenze von Blatt Steinheid und Breitenbach der Generalstabs- 
karte 1 : 25000. 

Die Vorkommnisse bei Langenbach, am Reichenbach und am Bärentiegel 
sind schon von H, Credner sen. im Neuen Jahrb. f. Min. etc. 1849, p. 13 ff. be- 
schrieben worden. 


230 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


ist derselbe wie im umgebenden Quarzitlager und wie er sonst als 
Zwischenschichten und Zwischenlager des cambrischen Thon- 
schiefers auftritt; sehr hervortretend ist an dieser Stelle Breccien- 
structur des Quarzits. Der dem porphyroidischen Lagerkörper 
eingeschaltete Thonschiefer ist ebenfalls ganz wie der der Umge- 
bung, dunkelblaugrau, streifig in der Schichtungsrichtung u. s. f.; 
neben diesem wie gewöhnlich ziemlich milden Thonschiefer sind 
aber auch härtere , ebenfalls streifige , kieselige oder quarzitische 
Lagen vorhanden, welche ganz auf einen gewöhnlichen cambrischen 
quarzitischen Schiefer herauskommen, wie er so vielfach dem 
weicheren Thonschiefer zwischengeschichtet ist. An der Zusammen- 
setzung der eigentlich porphyroidischen Lagertheile betheiligen sich 
wie gewöhnlich eine dichte, felsitähnliche Masse, Quarz, Feldspath 
und ein sericitisches Mineral; letzteres theils sehr zurücktretend, 
nur in Form dünner Lamellen und Flasern zwischen dichter, weisser 
Grundmasse (die hier mehr dichter Feldspathsubstanz als hartem, 
kieselreichem Felsit gleicht und krystallinische Quarzkörner ent- 
hält) — theils stärker zwischen eben solcher Masse entwickelt und 
schon ein flaseriges Gefüge bewirkend — theils ganz vorwaltend 
und mit den eingestreuten krystallinischen Feldspath- und Quarz- 
körnern ein schieferiges Flaserporphyroid constituirend. In dein 
Aufschluss an der Landstrasse kommt sogar diese weiche, talk- 
ähnliche, ölgrüne, wohl als sericitisch anzusprechende Mineral- 
substanz, welche bei diesem wie bei so vielen anderen unserer 
thüringischen Porphyroide eine so hervorragende Rolle spielt, rein 
für sich, ohne Quarz und Feldspath, in Form dünner Zwischen- 
lagen vor. An den nicht oder nur wenig mit den talkähnlichen 
Flasern verwachsenen, dementsprechend mehr massig erscheinenden 
Porpliyroidpartieen macht sich wie beim Quarzit , häufig die 
Breccienstructur geltend. — Was den Quarz betrifft, so ist er, 
abgesehen von seiner Betheiligung in Körnerform an der Zusammen- 
setzung der Porphyroidmasse gar vielfach in schichtigen Lagen 
und in dünneren und dickeren Adern ausgeschieden, derart, dass 
man solche Quarzadern nicht für secundären Gangquarz, sondern 
für primäre, bei dem Process der Gesteinsbildung im Ueberschuss 
vorhandene, und in während der allmählichen Verfestigung ent- 


der cambrisch - phylli tischen Schieferreihe in Thüringen. 


231 


stehende Risse abgelagerte Kieselmasse halten möchte 1 ). Seine 
Farbe ist nicht die des weissen Gangquarzes, sondern mehr bläu- 
lich, und ebenso die der porphyroidischen Quarzkörner. — Die 
regelmässige Folge und Lage dieser Schichtgesteine in der allge- 
meinen Schichtungsrichtung ist an der Landstrasse recht wohl zu 
erkennen, sowie auch gegenüber an der anderen Thalseite, hinter 
der Schneidemühle, wo dieselben porphyroidischen Schichten an- 
stehen. 

Dem Langenbacher Porphyroidvorkommen sehr ähnlich, dabei 
noch ausgedehnter und in den einzelnen Varietäten mannichfaltiger, 
doch weniger gut aufgeschlossen ist das in derselben Streichrich- 
tung weiter NO. gelegene Vorkommen am Jagd schirm, an der 
NO. -Seite des Wurzelberges. Auch hier sind die Porphyroid- 
schichten innerhalb eines Quarzitlagers im Bereich des cambrischen 
Thonschiefers entwickelt. Fortwährend wiederholt sich zwischen 
porphyroidischem Gestein Quarzit, dem sich auch hie und da 
dunkeier Thonschiefer zugesellt. Sehr stark ist auch hier jenes 
Flaserporphyroid entwickelt, dessen Hauptmasse der ölgrüne oder 
gelbliche, »talkähnliche« resp. sericitische Schiefer ausmacht, 
welchem Quarzkörner und Feldspathkörner , resp. -krystalle ein- 
gewachsen sind. Breccienstructur des Quarzits und Porphyroids 
stellt sich öfters ein. Massige Quarzblöcke sind im Bereich der 
Porphyroidbildung und des angrenzenden Quarzites sehr verbreitet; 
sie mögen Trümmer sehr beträchtlicher Quarzausscheidungen sein. 
Die Zahl der porphyroidischen Modificationen und Uebergangs- 
stufen zu anderem Schiefer ist im Gesammtbereich dieses Lagers 
schon recht gross : Die sehr schieferigen Varietäten, welche Ueber- 
gänge zu S er icitquar zitschief er und körnigflaserigen Sericit- 
quarzit bilden, wobei zuletzt deutliche Feldspathbeimengung fehlt, 
stellen sich besonders abwärts am Gehänge ein, nach dein Brech- 
borntiegel und Unteren Wurzeltiegel zu, sowie noch weiter west- 
lich, wo die porphyroidischen Einlagerungen in Quarzit überhaupt 
sparsamer und weniger geschlossen auftreten, und der Thonschiefer 

x ) Also nach Art der »Ausscheidungsgänge« oder der »Primär-« oder 
»Durchwachsungstrümer« im Sinne Lossf.n’s, welche den »Secundär-« oder 
» Gangtrümern « gegenüberstellen. 


232 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


gegen den Quarzit zunimmt; auch bei diesen Modificationen findet 
sich ab und zu noch Breccienstructur ; so umschloss ein Block 
Sericitquarzitschiefer fast eckig umrandete Brocken von gleich- 
massig körnigem Quarzit und von grosskörnigem Porphyroid. — 
Könnte man eine genaue Verzeichnung einer so ausgedehnten und 
mannichfaltigen porphyroidischen Lagermasse ausführen, so würde 
sich ein sehr buntes, wechselvolles Bild, nach Gestein und Structur- 
formen im Grossen und Kleinen ergeben. 

Besonders massige, z. Th. ganz an Eruptivgesteine erinnernde 
Gestaltung und dabei nur beschränkten Umfang besitzen die Por- 
phyroidvorkommnisse am Ausgang des Reichenbachs in das Katze- 
thal, und nahe dabei dasjenige am Bärentiegel mit seiner nur 
durch die Thalerosion abgeschnittenen Fortsetzung gegenüber, im 
Katzethal. Auch diese Porphyroid e liegen, das erstere am Rande, 
das zweite ganz in einem Quarzitlager, dessen Quarzit allerdings 
wie gewöhnlich mit etwas Thonschiefer wechsellagert. 

Dasjenige am Reichenbach hat einerseits eine fast durch- 
aus massig ausgebildete Partie mit felsitischer Grundmasse und 
sehr zurücktretender Sericitflaser, und andererseits eine ganz vor- 
wiegend schieferige Pai’tie, wo im Gegensatz zu obiger der Sericit 
vorwaltet und geradezu als Sericitschiefer auftritt, in welchem be- 
sonders Quarz, weniger Feldspath in krystallinischen Körnern aus- 
geschieden ist, wobei die Structur eine körnig flaserige ist und das 
Ganze einem Sericit gneiss nahe kommt. Die massige Partie 
besitzt Ansehen und Felsbildung eines krystallinischen Massen- 
gesteins, wobei sich immerhin eine mit der Schichtung der um- 
gebenden Schiefermassen, wie der schieferigen Porphyroidpartie un- 
gefähr gleichlaufende, steilstehende Absonderung oder Abklüftung 
bemerklich macht, und fast plattenförmige Quarzlagen in derselben 
Richtung, also schichtig durchsetzen, während andere Trümer 
des reichlich vorhandenen Quarzes auch anderen Richtungen folgen; 
sericitische Lagen fehlen nicht ganz und sind stellenweise in grös- 
serer Reinheit ausgeschieden. 

Noch massiger erscheint das schon genannte, als Steinbruch 
benutzte, Porphyroid am Bärentiegel; eine ca. 70 ' hohe, ander 
Strasse ca. 60 Schritt breite, unregelmässig zerklüftete Felsmasse, 


der cambriscli - pliyllitischen Scliieferreihe in Thüringen. 


233 


welche ganz den Eindruck eines krystallinischen Massengesteins 
hervorbringt; Gestein compact, äusserst hart, splitternd, mit dem 
H ammer funkend, Grundmasse felsitisch, von blaugrauer oder röth- 
licher Färbung mit zahlreich ausgeschiedenen Quarzkörnern, spar- 
samen Feldspäthen, Sericitlamellen und -flasern sehr zurücktretend; 
die Grundmasse zeigt öfters verschieden gefärbte, meist dunkeiere 
und lichtere, vielfach wellige und verschwommene Streifung, die 
an die Fluidalstructur mancher Quarzporphyre erinnert, und solchen 
kann das Gestein in einzelnen sericitfreien Theilen zum Verwech- 
seln ähnlich werden; während andere in der Art der Vertheilung 
ihrer sericitischen Zwischenhäute und eines diesen sich zugesellen- 
den Schwefelkiesgehaltes, bei zugleich etwas rauher Grundmasse 
sehr an den Quarzit des Werragrundes am Frohnberg erinnern. 
Breccienbildung ist auch diesem Porphyroidvorkommen nicht fremd, 
sie findet sich am oberen Ende desselben : Quarzbrocken verkittet 
durch felsitische Masse oder felsitische Brocken durch ebensolche 
Masse verbunden. Auf der entgegengesetzten Thalseite steht die 
Fortsetzung des Porphyroids in Felsen an, hier z. Th. mit etwas 
rauhkörniger, quarzitischer Grundmasse; ihr südwestliches Ende ist 
durch ein schmales Zwischenlager von sericitischem , mit felsitischer 
Masse lagenweise verwachsenem Schiefer angedeutet, der auch 
z. Th. eine gewissen Wetzschiefern sehr ähnliche Beschaffenheit 
annimmt, und von Thonschiefer mit Quarzit umgeben ist. 

Die etwas weiter aufwärts im Katzethal, an der N.- und 
NO. -Seite des Lindigkopfs und gegenüber vorkommenden Porphy- 
roide sind in der Hauptsache flaserige bis flaserigkörnige Serieit- 
schieferporphyroide. Die dunkele Färbung mancher derselben scheint 
von der Beimengung sehr zahlreicher kleiner, glänzender Magnet- 
eisenpartikel herzurühren. Sie treten weniger geschlossen, als in 
schichtigem Wechsel mit Quarzit und Thonschiefer, resp. einem 
Quarzitthonschieferwechsel als Zwischenschichten eingeschaltet auf. 
Die porphyroidischen Lagen können ganz dünn werden und es 
lassen sich an einigen Stellen — so einige hundert Schritt an der 
Landstrasse im Katzethal oberhalb Ausgang des Frauenbachs; 
auch am Beginn des Weges, der vom Ausgang des Höllethals an 
der Ostseite des Lindig hinaufführt — Handstücke schlagen, an 


234 


H. Loretz , Beitrag zur geologischen Kenntniss 


welchen flaserigkörnig sericitisches Scliieferporphyroid, Quarzit und 
dunkelblaugrauer Thonschiefer schichtig verwachsen und von Trans- 
versalschieferung durchsetzt sind, und ein Schiefergestein ergeben, 
zu welchem sich an anderen Stellen im cambrischen Schiefergebiet, 
fernab von so deutlichem Zusammenhang mit Porphyroidbildung 
in grösserem Maassstab, Analogieen finden, in Form von Zwischen- 
schichten des gewöhnlichen Thonschiefers 1 ). 

Die bisherigen Beispiele behandelten solche Porphyroidvor- 
kommnisse, welche im Bereich von Quarzitlagern, oder mit Quarzit 
wechselndem Thonschiefer liegen. Eben diese Vorkommnisse zeich- 
nen sich vor anderen durch ihren Umfang; aus, wogegen sie im 
Streichen nicht lange aushalten. Es wurde der innige Verband 
und häufige Wechsel hervorgehoben, der zwischen den porphyroidi- 
schen, quarzitischen und thonschieferigen Lagertheilen zu herrschen 
pflegt. Aber auch lithologisch finden, wie uns fortgesetzte Beob- 
achtungen über die mancherlei Abstufungen der hierhergehörigen 
Gesteine unzweideutig zu ergeben scheinen und oben bereits an- 
gedeutet, nahe verwandtschaftliche Beziehungen zwischen dem Ge- 
stein der Porphyroide und Quarzite statt. Schieferige Porphyroid- 
varietäten können in Sericitquarzitschiefer und in körnig-flaserigen 
Sericitquarzit verlaufen ; die sericitische Flaser erscheint nämlich 
häufig genau in derselben Weise in Quarziten und Quarzitschiefern 
wie in Porphyroiden, und durch phanerokrystallinische Quarzkörner, 
die manchmal in dichter Quarzitmasse ausgeschieden sind, kann 
die Aehnlichkeit auf Seite des Quarzits gesteigert werden, beson- 
ders mit solchen Porphyroiden, deren felsitische Grundmasse etwas 
rauh und dabei arm an Feldspatheinsprengungen ist 2 ). Auch 


B Es mag beiläufig bemerkt werden, dass die fast feinkörnig flaserigen — 
kleine Feldspatk- und Quarzkörner in der flaserig sich durchwindenden sericiti- 
schen Masse — Schieferporphyroide des Katzethals auf abgewittertem Querbruch, 
wo die Feldspäthe roth erscheinen und der sericitische Antheil wenig hervortritt, 
fast das Ansehen eines Arlcosesandsteins annehmen können. 

2 ) In der oberen Schwarzagegend finden sich einigemal als schmale Ein- 
lagerungen im herrschenden Schiefer eigenthümliche Sericitquarzschiefer , so am 
Hang östlich von Katzhütte; man beobachtet hier einen sehr feinkörnigen Quarz- 
schiefer, der von glänzenden sericitischen Häuten durchzogen ist, während der 
körnige Quarz von Stelle zu Stelle zu krystallinisch glasigem oder weissem Quarz 


der cambr-isch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


235 


derbere sericitische Schalen sind manchmal ganz so zwischen die 
massigen, compacten, felsitischen Bänke mancher Porphyroidvor- 
kommnisse eingeschaltet, wie zwischen massige Bänke mancher 
Quarzite, in welchem Falle dann die Gesteinsmasse selbst frei von 
sericitischen Flasern zu sein pflegt 1 ). 

Die Porphyroide der älteren Schieferzone unseres Gebirges 
unterscheiden sich petrographisch nicht wesentlich von den oben 
beschriebenen der Thonschiefer- und Quarzitzone, es sei denn, dass 
dort mehr solche Vorkommen mit schieferig-felsitischer Grundmasse 
und noch mehr solche mit phyllitischschieferiger Grundmasse, 
welch’ letztere in ihrem Ansehen einem Phyllitgneiss oder einem 
» Feldspathphyllit « nahe kommen können 2 ). Die krystallinischen 
Einsprenglinge und die sericitische Flaser sind dieselben wie bei 


in Knauern oder Linsen verschmilzt, was eine Aehnlichkeit mit porphyroidischem 
Gestein bewirkt. Am Vitzberg, SO. von Breitenbach , in der phyllitischen 
Schieferzone, kommt eine ganz ähnliche Einlagerung vor und diese erscheint 
wiederholt in derselben Streichrichtung weiter nach NO., wo sie in ein achtes 
Porphyroidlager übergeht, resp. mit ihm zusammenhängt. — Andererseits ist 
schieferigen Porphyroiden mitunter eine quarzitisch aussehende Grundmasse eigen; 
so am Oelzer Stieg, SSO. von Breitenbach, in der phyllitischen Schieferzon'e, wo 
ein Schwarm schieferiger Porphyroide mit felsitisch bis quarzitisch erscheinender 
Grundmassc auftritt, welche neben sericitischen Häuten und Flasern auch kleine, 
nicht zahlreiche Quarz- und Feldspathausscheidungen enthalten. Im Quarzitlager 
am Grossen Wulst (in der cambrischen Thonschieferzone) bildet sich porphyroi- 
disches Gestein dadurch heraus, dass neben sericitischen Flasern auch feldspathige 
Schmitzen sich in den Quarzit einlegen : derartige Stücke liegen hie und da ver- 
einzelt zwischen reinem Quarzit in dem Quarzittrümmerwerk. 

Auch Richter (»Thüring. Porphyroide« p. 8) vermuthet eine gewisse Be- 
ziehung der Porphyroide zum Quarzfels. 

Q Beispielsweise enthält das Quarzitlager an der Cursdorfer Koppe als 
Zwischenlager eine sehr sericitreiche Modification des Quarzits und es gleicht die 
Art und Weise, wie anscheinend reine, schieferige bis faserige Sericitsubstanz 
theils in Flasern mit dem Quarzit verwachsen, theiis in derben Schalen zwischen 
demselben abgelagert vorkommt, und sich weiterhin mit dem in Trümern im 
Quarzit ausgeschiedenen Quarz verbindet, völlig der Art und Weise, wie der- 
selbe Mineralkörper in den porphyroidischen Zwischenlagern der Quarzite und 
Thon schiefer zu erscheinen pflegt. 

2 ) Derartige Vorkommnisse z. B. am Schwemmbach und am Gräfenborn, 
NW. am Schwarzathal (Bl. Breitenbach). — Oefters finden sich in hierhergehörigen 
Porphyroiden die bekannten Feldspäthe mit abgerundeten Kanten, z. B. bei dem 
ausgezeichneten Porphyroidvorkommen von Waffenrod (Bl. Eisfeld). 


236 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


den sonstigen Porphyroiden. Auch liier ist es Regel, dass die 
porphyroidische Einlagerung nicht nur aus einer, sondern aus 
mehreren Varietäten sich zusammensetzt, welche gewöhnlich zum 
Theil der Gruppe mit massig krystallinisclier, zum Theil der mit 
schieferiger Structur angehören. Mehr als die porphyroidischen 
Einlagerungen der cambrischen Quarzitlager verhalten sich jene 
älteren Porphyroide als schmale Zwischenlager, die sich auf eine 
grössere Strecke im Fortstreichen verfolgen lassen; oder sie grup- 
piren sich zu ganzen Schwärmen kleinerer Vorkommnisse, die eben- 
falls eine gewisse Erstreckung in der Streichrichtung besitzen; wie 
dies namentlich in den betreffenden Schieferzonen der Schwarza- 
gegend (Section Breitenbach der Gen.-St. -Karte) die Specialauf- 
nalnne ergeben hat, während es weiter im SW., wo jenseits der 
Rothliegenden-Porphyritdecke von Neustadt a. R. und Masserberg 
dieselben Schieferzonen in der Gegend des Biberthals fortsetzen, 
minder deutlich hervortritt, z. Th. vielleicht nur wegen minder 
deutlicher Aufschlüsse. Doch lässt sich auch in der erstgenannten 
Gegend bei benachbarten, in derselben Streichlinie gelegenen Por- 
phyroiden, selbst bei genügenden Aufschlüssen, ein directer Zu- 
sammenhang nicht immer nachweisen ; so dass inan in solchen 
Fällen auf die Vorstellung kleinerer, geschlossener Lagerkörper 
geführt wird, welche vielleicht die Gestalt der Quarzlinsen in 
grösserem Maassstabe wiederholen; denn einen Zusammenhang in 
der Tiefe unter allen Umständen annehmen zu wollen, ist man 
bei dem wiederholten Auftreten solcher Fälle nicht berechtigt. 

Ein besonders bemerkenswerthes Porphyroidvorkommen dieser 
älteren Schieferreihe ist dasjenige, welches dem Quarzphyllit im 
Hirschgrund bei Böhlen eingelagert ist. Wie gewöhnlich setzt 
sich dasselbe aus mehreren Gesteinsarten, die in enger Ver- 
wachsung eine gewisse Schichtenfolge bilden, zusammen, wie man 
dies sowohl am Wege als noch besser im Bach etwas oberhalb 
der Horizontale von 1400 Decimalfuss anstehend findet. Zunächst 
ein dichtes, felsitisches, hartes, mit dem Hammer splitterndes und 
funkendes Gestein von brauner, bis fleischrother Färbung, fast ohne 
krystallinisehe Ausscheidungen. Mit diesem dichten Gestein sind 
schichtig oder flaserig verwachsen sericitische Lamellen und Schalen, 


der cambrisch-phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


237 


die z. Th. sericitgneissartig werden können. Aufwärts, nach N., 
folgen eigenthümlich breccien artige Lagen oder Bänke, welche 
in schichtigem Wechsel und Verband mit compacten Lagen der 
erstgenannten Art eine 2 ■ — 3 Meter starke Folge im Bereich der 
porphyroidischen Einlagerung bilden, und im Bach anstehend zu 
finden sind. Phyllitmasse und felsitische Porphyroidmasse er- 
scheinen in diesen Bänken in unregelmässiger Weise schichtig 
flaserig durcheinander abgelagert; und das breccienartige Aussehen 
wird namentlich dadurch bedingt, dass besonders die phyllitischen 
Theile nebst den ebenfalls eingestreuten Quarzkörnern und unregel- 
mässig umrandeten Quarzstücken trümer- und brockenartig aus- 
sehen, als wenn sie aus dem Verbände schon verfestigten Gesteins 
(wohl Quarzphyllits) wieder gewaltsam gelöst und in anderer Ord- 
nung zusammengeschoben in den Verband dieses halbphyllitischen, 
halbporphyroidischen Gesteins eingegangen wären, bei welchem 
der porphyroidische Antheil hie und da als der verbindende er- 
scheint Q, im Uebrigen aber auch an dem klastischen Aussehen 
Theil nehmen kann, so dass 1) pliyllitisches , 2) porphyroidisches 
und 3) auch wohl schon fertiges, halb pliyllitisches, halb por- 
phyroidisches Gestein zu solchen Lagen umgearbeitet worden wäre. 
Auf diese Bänke folgen dann noch einige ähnliche, bei welchen 
aber die Phyllitmasse ganz vorwaltet und die porphyroidisch fel- 
sitische Masse in Partikeln und Flasern zwischen durch erscheint; 
sie gehen über in den gewöhnlichen Quarzphyllit, der die por- 
phyroidische Lagermasse umschliesst, indem sich vorher schon die 
feldspathhaltigen Quarzknauer jenes Gesteins eingestellt haben. 

Wir haben dieses Vorkommen breccienartiger, porphyroidischer 
Schichten näher beschrieben, einmal weil dasselbe in seiner bank- 
weise wechsellagernden Anordnung doch wohl auf ursprünglich 
sedimentäre Bildung deutet, was in genetischer Beziehung wichtig, 
und dann auch weil dasselbe greeisinet ist hinüberzuführen zu g;e- 
wissen andern Vorkommnissen, die wir ebenfalls noch den Scliiefer- 

x ) Es finden sich in der That Stücke, wo deutlichste Trümmer von Phyllit 
oder phyllitisch- porphyroidischem Gestein durch dichte felsitische Masse wieder 
verbunden sind. (Auch beim Vorkommen am Gräfenborn, in der Streichlinie des 
Vorkommens am Hirschgrund, weiter SW.) 


238 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


porpliyroiden zurechnen möchten, die aber schon an der Grenze 
derselben stehen und schon ganz verwandt sind oder den Ueber- 
gang vermitteln zu jenen eigenthümlichen mit feldspathiger Sub- 
stanz verwachsenen Schiefern von öfters halbklastischem Ansehen, 
wie sie in der von uns besonders unterschiedenen , zunächst auf 
die Phyllite folgenden Zone so reichlich vertreten sind, und weiter 
oben aus dem Schwarzathal in der Gegend von Katzhütte und 
andern Orten beschrieben wurden. Die nächsten Verwandten, 
petrograpliisch und wohl auch genetisch, zu eben diesen eigen- 
thümlichen Schiefern sind, wie uns fortgesetzte Beobachtungen 
mit Deutlichkeit zu ergeben scheinen, in der That gewisse, an der 
Grenze der Scliieferporphyroide stehende Gesteine, wie sie z. B. 
im Thal der W eissen Schwarza unweit Katzhütte und nahe dabei 
am Viehberg, und ähnlich im Katzethal an der NO. Seite des 
Lindig ganz nach Art sonstiger Porphyroide, und z. Th. mit solchen 
verbunden im Bereich von Quarzitlagern, Vorkommen; sie zeigen 
sericitische , tlion schieferige und anscheinend felsitische Sub- 
stanz in halbschichtiger, halbflaseriger Verwachsung, und dabei 
einen schwer zu beschreibenden, ans Klastische streifenden Ha- 
bitus 1 ); Feldspathkörner und Quarzkörner kommen eingewachsen 
vor. Sie erinnern einerseits an breccienartige Schieferporphyroide, 
wie sie oben aus dem Hirschgrund bei Böhlen beschrieben wurden, 
andererseits besitzen sie die unverkennbarste Verwandtschaft mit 
den Schiefern unserer zweiten Zone. Die Aehnlichkeit tritt aller- 
dings für letztere zunächst nur soweit hervor, als deren Mischung 
eine grobe, mit dem blossen Auge leicht zu erkennende ist. Auf 
Grund fortgesetzter Beobachtungen dieser Analogieen und Ueber- 
o-äno'e wurde schon früher bemerkt, dass die nächsten Verwandten 


B Verwandt hiermit sind vielleicht die von de da V allee Poussin und 
Rexard (»Ueber die Feldspath- und Hornblendegesteine der französischen Ar- 
dennen«, Auszug in Zeitsehr. d. I). geol. Ges., Bd. XXVIII, 1876, p. 764, 2. Ab- 
satz) angeführten porphyroidisehen Gesteine. — Nach der Beschreibung genannter 
Autoren zu urtheilen stellen sich auch sonst in den Porpliyroiden jener Gegend 
sehr viele Analogieen mit den thüringischen Vorkommnissen heraus; und nicht 
minder dürften solche mit den von Lossen aus dem Harz (Zeitsehr. d. D. geol. 
Ges., Bd. XXI, p. 295 ff.) beschriebenen Porpliyroiden bestehen. 


der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


239 


dex’ genannten eigentliümlichen Schiefer bei den Porphyroiden zu 
suchen wären. — 

Im Bereich der oberen Partie der cambrischen Thonschiefer 
und Quarzite spielen Porphyroide nur mehr eine sehr unter- 
geordnete Rolle. Ganz fehlt es nicht an derartigen Gesteinen, 
doch erlangen sie nirgends eine grössere Ausdehnung 1 ). Etwas 
mehr als in unserem Gebiete scheinen sie sich weiter östlich 
auch in dieser Zone noch vorzufinden: nach Gümbel 2 ) gehen die 
Phy Codenschichten der Gegend von Schmiedefeld, Reichmanns- 
dorf, Gösselsdorf u. s. w. (unweit Gräfenthal) besonders durch Auf- 
nahme von Orthoklas wiederholt in Porphyroide und granitartige 
Gesteine über, und wiederholt sich Aelmliches auch noch im Be- 
reich des Fichtelgebirges. 


Die schichtigen Quarzzwischenmassen der Schiefer. 

Anschliessend an vorstehende Mittheilungen über die beson- 
deren Zwischenlager oder Einlagerungen der phyllitisch-cambrisehen 
Schieferzonen fügen wir noch einige Bemerkungen über den Quarz 
bei, der so oft als schichtige Zwischenmasse im gesammten Bereich 
dieser Schieferreihe angetroffen wird. Wir haben bereits gesehen, 
dass diese Mineralmasse in Form plattenförmiger, sphäroidischer, 
linsen- und scheibenförmiger Körper, als einzeln auftretende oder 
zu förmlichen Zwischenschichten aneinander gereihte Knauer, als 
Adern und Trümer, sowohl in den phyllitischen und cambrischen 
Schiefern, als in den besonderen Zwischenlagern enthalten ist; und 

x ) Ein derartiges Vorkommniss befindet sich z. B. am Erzberg im Sieg- 
mundsburger Forst, oberhalb des Truckenthal er Grundes (Bl. Steinheid), im Be- 
reich der typischen, graugrünen, streifigen, cambrischen Thonschiefer. Das be- 
treffende Gestein gleicht sehr gewissen Mittelgesteinen von schieferigem Porphyroid 
und Quarzit , wie sie bei dem ausgedehnten , weiter oben beschriebenen Porphy- 
roidvorkommen am Jagdschirm erwähnt wurden; es erinnert aber auch an ge- 
wisse Modificationen granitischer Einlagerungen. 

2 ) a. a. 0. p. 421 ff., 432, 106, 378. 


240 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


dass diese lagerhaft auftretenden Quarzmassen, selbst mit Ein- 
schluss mancher etwas schräg sich abzweigender Trümer (wie bei 
den Porphyroiden) gewiss als ursprüngliche Bildungen anzusehen 
sind, dass sie Abscheidungen darstellen von im Ueberschuss bei 
der Gesteinsbildung resp. -Verfestigung vorhandener, und bei diesem 
Prozesse vielleicht in Wirksamkeit gewesener Kieselsäure. Die Ge- 
sammtmenge dieses bis in die oberen cambrischen Schichten sich 
wiederholenden Quarzes ist äusserst bedeutend und bildet gewiss 
den grösseren Theil der massenhaften Quarzblöcke und sonstigen 
Quarztrümmer, die so vielfach, selbst im Bereich der weicheren 
Thonschiefer wiederkehren ; der Rest muss von secundären Quarz- 
kluftausfüllungen und -gängen herrühren. Wir bemerken hier, 
dass deutliche Gangbildungen sich im Bereich unseres Gebietes 
nur wenig geltend machen, am wenigsten solche von bedeutender 
Erstreckung und Mächtigkeit. 

Es sei gestattet, hier noch die Beschreibung eines sehr typi- 
schen Vorkommens anzuschliessen, bei welchem Quarz als schich- 
tige. Zwischenmasse des Schiefers, und zwar liier des höheren 
cambrischen, grünlichen Thonschiefers vorkommt 1 ). Er bildet hier 
mehrere Zwischenbänke von je einigen Decimeter Stärke. Diese 
Quarzbänke bestehen eigentlich aus aneinander gereihten, etwas 
unregelmässig geformten, grossen Knauern, die ineinander ver- 
fliessen, doch so, dass die Oberfläche der Lage oder Bank wulstig 
höckerig wird, und die Rinnen oder Vertiefungen zwischen den 
Höckern in gewissen Richtungen fast zusammenfallen; das Ganze 
gleicht so in grösserem Ma assstab den Markasitschwarten, wie sie 

O o ’ 

im Kulmdachschiefer Vorkommen und durch Zusammentreten dicht 
gedrängter Knollen zu verstehen sind; und die einzelnen Theile 
der Quarzschwarte lassen sich auch mit den Quarzknauern des 
Quarzphyllits vergleichen. Die dein Quarz zunächst anhaftende 


x ) Das Vorkommen war durch einen Steinbruch auf grünlichen Dachschiefer 
sehr günstig aufgeschlossen, an der Strassenbiegung ca. 200' über Unterweissbach 
(Section Königsee). Die Schichtung fällt hier SO. ein, die Schieferspaltung oder 
Transversalschieferung wie gewöhnlich NW. bis NNW. Eine der deutlichst in 
der Schichtung liegenden Quarzbänke war auf ein grosses Stück ihrer Oberfläche 
entblösst. 


der cambrisch-phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


241 


grüne Thonschiefersubstanz schmiegt sich allen Unebenheiten innig 

ö o o 

an und bildet so gekrümmte Schalen, welche jene Vertiefungen 
ausfüllen; sie ist weicher als der umgebende Schiefer und bröckelt 
leicht ab 1 ). Wie bei den Quarzknauern des Quarzphyllits wurde 
auch bei der iu Rede stehenden Quarzzwischenschicht viel Chlorit, 
besonders an den Berührungsstellen von Quarz und Schiefer, be- 
merkt, sowie weisse Glimmerschüppchen auf feinen Klüften des 
Quarzes, während Feldspatli nicht beobachtet wurde. Auch sonst 
wurden Feldspatheinschlüsse in den Quarzzwischenmassen des ge- 
sammten cambrischen Schiefers nur wenig beobachtet, im Gegen- 
satz zu den Quarzknauern des Quarzphyllits; Chloritbildung da- 
gegen ist durchweg verbreitet. 

Eine analoge und genetisch verwandte Bildung zu den schich- 
tigen Quarzzwischenmassen der phyllitisch - cambrischen Schiefer 
dürften auch die Quarzitsphäroide des untersilurischen und des 
Culm-, Griffel- und Dachschiefers darstellen. 


Lagerungsverhältmsse und Gebirgsbau. 

Entwerfen wir im richtigen Verhältnis von Grundlinie und 
Höhe, und den Meeresspiegel als Grundlinie genommen, ein Quer- 
profil in SÖ. — NW. -Richtung durch unsere Schieferreihe, etwa von 
Augustenthal bei Hämmern unweit Sonneberg, wo das Untersilur 
sich auf die Phycodenschiefer auflegt, nach Unterneubrunn im 
Schleusethal, so erhalten wir eine Figur, deren horizontale Dimen- 
sion, schon vor Unterneubrunn, etwa bei Schnett, mindestens 
20 mal so gross ist als die mittlere Höhe. Ganz ähnlich würde 
sich ein weiter nach NO. entworfenes Profil, etwa aus der Gegend 
von Ernstthal über Neuhaus am Rennsteig nach Katzhütte und 
Breitenbach verhalten. 

x ) Es ist wohl denkbar, dass diese, die Vertiefungen der Quarzschwarten 
zunächst erfüllende, weiche, bröckelige Masse von dem ursprünglichen Zustande 
noch jetzt mehr bewahrt hat, als die umgebende Schiefermasse, auf welche der 
Vorgang der Transversalschieferung eingewirkt hat, und die eben deshalb in 
ihren physikalischen Eigenschaften verändert worden ist. 


16 


242 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


Lassen wir in diesem Profil den nordwestlichsten Tlieil ausser 
Acht, welcher nach unserer früher dargelegten Auffassung eine 
Schichtenwiederholung jenseits der als Sattel erscheinenden Phyllit- 
zone enthält, und nehmen wir letztere zum Ausgang, so gelangen 
wir, von NW. nach SO. schreitend, im Allgemeinen stets aus älte- 
ren in jüngere Schichtenfolgen: eine Wiederholung grösserer 
Schichtencomplexe liegt, nach allen bisher durch die Specialauf- 
nahme gewonnenen Resultaten, nicht vor. 

Mehrfacher Wechsel im Einfallen der Schichten, sowohl nach 
Weltffeffend als nach Neis’uns:swinkel, lässt nun aber auf das Vor- 

Ö O ö O 

handensein wiederholter Faltungen schliessen — wie solche in 
den alten, über weite Strecken mit vorherrschend steiler Schichten- 
stellung ausgebreiteten Formationen allenthalben so gewöhnlich 
sind; solche müssen auch in den alten Schiefer Systemen Thürin- 
o-ens und der geologisch gdeichgearteten Nachbargebiete existiren, 

ö O Ö O o o 7 

und sind besonders da überzeugend nachzuweisen, wo die Falten- 
umbiegungen sichtbar werden 1 ). 

Wenn nun in unserem Profil einerseits von NW. nach SO. 
stets jüngere Schichtencomplexe sich folgen, andererseits Faltungen 
vorliegen, so erhellt, dass diese Faltungen einen Grössenmaassstab 
nicht überschreiten, bei welchem sie noch innerhalb der einzelnen 
Schichtencomplexe verlaufen, oder auch nur eines Theiles derselben; 
während weiter ausholende Falten, welche grössere Schichtenfolgen 
in derselben Horizontalen sich wiederholen lassen, in unserer idea- 
len Profilfigur nicht zur Anschauung kommen, und noch weniger 

x ) Im Bereiche der genannten Profilschnitte sind freilich Faltenumbiegungen 
selten zu sehen, da es an günstigen Aufschlüssen fehlt, wie sie im Waldgebirge 
sich meist nur in tief und steil einschneidenden Thälern oder bei grösseren künst- 
lichen Entblössungen darbieten. Auch fehlt es andererseits in unserer Schichten- 
reihe an lithologisch ausgezeichneten , nur je einmal vorhandenen Schichten, 
welche unzweifelhaft wiederzuerkennen und zur bequemen Orientirung aufwärts 
und abwärts, zur Erkennung von Schichten Wiederholungen dienen könnten (in 
der Art z. B. wie die Conglomeratbank, welche Hicks , Quart. Journ. Geol. Soc. 
1875, p. 167 ff., aus den cambrischen Schichten von St. Davids in S.-Wales an- 
giebt). — Dass bei den wiederholten Faltungen auch Verwerfungen resp. Ueber- 
schiebungen in der Richtung des Streichens Vorkommen können , und zwar von 
verschiedenem Grade der Intensität, ist nur zu erwarten; solche Verwerfungen 
sind aber im Schiefergebirge noch schwieriger nachzuweisen, als Falten. 


der cambrisch - phyllitisclien Schieferreilie in Thüringen. 243 

jene grossartigen Biegungen, an welchen ganze Formationen Theil 
nehmen 1 ). 

Während also in unserem idealen Profile die Grösse der Fal- 
tungen aufwärts beschränkt erscheint, ist sie dies abwärts viel 
weniger. Namentlich nimmt in der phyllitisclien und zum Theil 
auch schon in der halbphyllitischen Zone die Faltung im kleinen 
und kleinsten Maassstab so zu, dass uns nur mehr engste Zusam- 
menstauung und -Stauchung der Schichten , kaum mehr grössere 
Auf- und Abschwankungen entgegentreten. Es ist ferner hervor- 
zuheben, wie die Faltungen verschiedener Grade oder Abstufun- 
gen neben einander her gehen; so dass in einer grossartigen Bie- 
gung eines ganzen Complexes viele kleinere der einzelnen Schichten, 
und in diesen wieder viele kleinste der einzelnen Lagen enthalten 
sein können. 

Dass übrigens auch jene, in sehr grossem Maassstab ange- 
legten, und dabei nach verschiedenen geotektonischen Richtungen 
angeordneten Sattel- und Muldenbiegungen in unserem azoisch- 
paläozoischen Schichtengebäude thatsächlich vorhanden sind, sobald 
wir über die Grenzen unseres Profils hinausgehen und das Ge- 
birge in seiner ganzen Ausdehnung ins Auge fassen, — dies zeigt, 
abgesehen von jenem Wiedererscheinen cambrischer Schichten im 
äussersten NW., schon ein Blick auf den Verlauf und die wieder- 
holten Ausstriche der einzelnen Formationen, wie sie auf der Karte 
des Thüringischen Schiefergebirges von Richter dargestellt sind. 
So muss denn auch der Ausstrich der sibirischen und devonischen 
Schichten am SO. -Ende unseres Profils, der von Hämmern- 
Augustenthal nach Steinach etc. zieht, Theil einer solchen grossen 
Biegung sein und seine Fortsetzung nach NW. über unser cam- 
brisches Gebirge hin gehabt haben, nur dass dieselbe mit so vie- 
lem Andern durch Denudation verschwunden ist; so wie anderer- 


x ) Ausgenommen die Wiederholung der cambrischen Schichten ganz im NW., 
jenseits der Phyllitzone. 

Wir brauchen den Ausdruck »Falte«, »Faltung« hier in etwas allgemeinerem 
Sinne, wo er auch einfachere Biegungen, Wellen, Sattel- und Muldenbildung in 
sich fasst; eine Falte im engeren Sinne würde drei parallele Stücke, durch zwei 
Umbiegungen verbunden, verlangen. 


16 


244 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


seits die Fortsetzung nach SO. in der Tiefe unter den zusammen- 
gefalteten Culmschichten zu suchen ist 1 ). 

Wenn sich, wie erläutert, in unserem idealen Querprofil durch 
die cambrisch - phyllitische Schieferreihe grössere Schichtencom- 
plexe nicht wiederholen, so führt das nothw endig auf die Vor- 
stellung einer sehr bedeutenden Mächtigkeit des Ganzen, wie schon 
der petrographisch unterscheidbaren Abtheilungen; gegen welche 
Vorstellung keine principiellen Bedenken vorliegen werden. 

Verlängern wir unser ideales Querprofil nach SO., so erschei- 
nen die Schichten des Silur und Devon in rascher Folge; in 
horizontaler Richtung nehmen sie nur eine sehr kurze Strecke ein, 
wenn wir sie mit dem cambrischen Profil vergleichen; weiter noch 
treten wir in das Gebiet der C u 1 m bildung, welche nun ihrerseits 
wieder auf eine sehr grosse Länge anhält und in dieser Beziehung 
dem cambrischen Schichtengebiet gleicht, jedoch Sattel- und Mul- 
denbildung viel deutlicher hervortreten lässt 2 ). 

Unser Querprofil und seine angedeutete Verlängerung nach 
SO. greift nicht in Gebiete, wo sich in der Anordnung der Falten 
die hercynische SO. — N W.-Richtungslinie als vorherrschend oder 
auch nur als untergeordnet neben der erzgebirgischen geltend 
macht, ein Verhalten, wie es etwas weiter nach O. in der Gegend 
von Gräfenthal sich schon deutlich einstellt; die Faltungen ver- 
schiedenen Grades, welche von unserem idealen Querprofil ge- 
schnitten werden, stehen wesentlich unter der Herrschaft der erz- 
gebirgischen tektonischen Richtung SW. — NO. Und wenn 

dabei, wie früher bemerkt, auf grössere Erstreckung überfaltete 

b Die nordwestliche Fortsetzung ist umsomehr anzunehmen, da in unseren 
Gegenden irgend welche Anzeichen für besonders litorale, abweichende Facies in 
den restirenden sibirischen etc. Schichten nicht vorhanden sind. 

Nordöstlich von unserem idealen Profilschnitt (Siehe die RicHTER’sche Karte) 
sind in der Gegend von Schmiedefeld sibirische Schichten auf der cambrischen 
Unterlage erhalten , und ebenso als Theile einer grossen Einfaltung bei Wittgen- 
dorf und NO. von da. 

2 ) So bemerkt auch Gümbel bei der geognostischen Beschreibung des Fichtel- 
gebirges (1. c. p. 97), dass dort unter den Gebilden der palaeolithiscken Periode 
jene der cambrischen und der präcarbonischen (Culm-) Reihe verhältnissmässig 
grosse Gebietstheile in Beschlag nehmen , die Schichten des Silur und Devon 
dagegen eingeengt erscheinen. 


der cambrisch-phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


245 


und überkippte Lage der Schichtenfolgen vorkommt, so ist dies 
eben eine Erscheinung, welche auch sonst mehrfach im thüringisch- 
fichtelgebirgischen Schiefergebiet, besonders im Gefolge bedeutender 
Ueberscliiebungen, wiederkehrt. — Dagegen deutet der SO. — NW. 
gerichtete Verlauf des südwestlichen Schiefergebirgsrandes, welcher 
eine bedeutende Dislocationslinie darstellt, sowie verschiedene 
Störungslinien im Bereich des Schiefergebirges selbst — unter 
anderen jene schon einmal erwähnte, in deren Gefolge Zechstein 
und Buntsandstein bei Steinheid unvermittelt im Schiefergebiet 
erscheinen — auf die Wirksamkeit der hercynischen tektoni- 
schen Linie. 

Was bisher im Allgemeinen über die Lagerungsverhältnisse 
unseres Gebietes gesagt worden ist, muss mit verschiedenen Daten 
stimmen, die sich aus der Lagerung einzelner Schichtenfolgen er- 
geben. So z. B. lassen sich schon die obersten cambrischen 
Schichten, die Schiefer mit Phyeodes und die Quarzitbänke, welche 
einen zusammenhängenden Zug von Augustenthal bei Hämmern 
über Steinach und Lauscha hin, NO.wärts bilden, weiter nach NW. 
nicht mehr nachweisen, und ebensowenig die charakteristischen 
Schiefer der Thuringitzone und des untersten Silur; so dass also 
die etwaigen Faltenbiegungen, an denen ihre NW. -Fortsetzung 
Theil nahm, nicht so tief griffen, um im jetzigen cambrischen Ge- 
biet weiter NW. sich theilweise erhalten zu haben. 

Es ist bemerkenswert!!, dass in der ganzen älteren, westlichen 
Hälfte des Gebirges ein sehr steiles, nach NW. gerichtetes Ein- 
fallen der Strafen vorherrscht 1 ). Dieses Einfallen beginnt schon 
bei den unteren cambrischen Thonschiefern und Quarziten vor- 
herrschend zu werden. In dem südlichen Theil des Gebiets be- 
zeichnet etwa eine Linie von Blessberg über Siegmundsburg den 
Beginn dieses Vorherrschens, während SO. davon südöstliches 
Einfallen vorwiegt. Es könnte dies Veranlassung bieten, einer 
Sattelbildung nachzuspüren und correspondirende Tlieile beider- 


*) Dasselbe setzt sicli auch noch jenseits Breitenbach über die phyllitische 
Zone hinaus fort; es ist dieses Einfallen also auf längere Erstreckung ein -wider- 
sinniges. 


246 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


seits wiederfinden zu wollen, was aber zu keinem Resultate führt, 
so wenig wie der weiter oben schon angedeutete Versuch, aus 
etwas abweichendem lithologischen Verhalten mancher Quarzit- 
und Schieferschichten, im NW. von jener Linie, eine besondere 
Unterabtheilung im cambrischen System bilden zu wollen. Man 
bleibt darauf hingewiesen, Vorhandensein und Wechsel vor- 
herrschender Einfallrichtungen über grössere Strecken hin 
auch bei einem so im Einzelnen gefalteten Gebirge als Thatsache 
zu nehmen. Wie weit Verwerfungen , Ueberschiebungen in der 
Streichrichtung, Denudation von Luftsätteln hierbei im Spiele sind, 
bleibt immer hypothetisch ; solches wird man aber bei graphischen 
Erläuterungen oder Constructionen , die man zur Erklärung eines 
vorliegenden Falles versuchen kann — wir verzichten darauf, solche 
hier vorzuführen — immer zur Hülfe herbeiziehen müssen. 

U eber das Auftreten der Transversalschieferung in den 
einzelnen Schieferzonen haben wir uns im Früheren schon ausge- 
sprochen 1 ). 

Neben der Schieferung macht sich über den gesammten Be- 
reich dieses Gebirges hin die Erscheinung der P ar alle lklüftung 
geltend. In der Regel tritt eine Klüftungsrichtung als entschieden 
vorherrschend auf, und zwar ist dies diejenige, welche cpier zur 
Streichrichtung läuft, etwa in der Richtung NW. — SO.; dabei 
wechselt jedoch diese Richtung oft in nächster Nähe um mehr 
oder weniger Grade bald nach der einen, bald nach der andern 
Seite; das Einfallen dieser Klüftung ist dabei meistens steil, ent- 
weder nach NO. oder nach SW., und auch hierin zeigt sich so- 
wohl nach dem Steilheitsgrad als nach der Weltgegeud eine ge- 
wisse Veränderlichkeit, oft an nah zusammen gelegenen Stellen; 
so dass diese Klüftung immerhin eine viel geringere Constanz 
zeigt, als die Transversalschieferung. Weniger als die genannte 
Hauptklüftungsrichtung machen sich neben derselben noch 1 bis 2 
andere derartige Richtungen geltend. 

1 ) Von einer besonderen Darstellung des Streichens und Ballens der Trans- 
versalschieferung auf dem beigegebenen Kärtchen wurde abgesehen. 


der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


247 


Einiges bezüglich der Bildungsvorgänge. 

Wir wollen hier nicht tiefer in das schwierige und dunkele 
Gebiet der genetischen Vorgänge eindringen; nur der Vollständig- 
keit halber möge dasselbe kurz berührt werden; wobei wir zunächst 
Einiges über die allgemeinen Ablagerungsbedingungen zu sagen 

O O O Ö O Ö o 

haben, und sodann unseren Standpunkt bezüglich der Bildung der 
besonderen Einlagerungen kurz darlegen wollen. 

Sehen wir zunächst von den letzteren, den granitischen, por- 
phyroidischen und amphibolischen Gesteinen ab, so sind wir zu 
der Annahme berechtigt, dass der gesammten Schieferreihe, welche 
wir in unserem Gebirge von den ältesten phyllitischen Schichten 
an aufwärts bis zur Silurgruppe entwickelt sehen, eine Sediment- 
bildung zu Grunde gelegen haben müsse, die ohne irgend welche 
wesentliche Unterbrechung vor sich gehend Schicht auf Schicht 
häufte. Wir haben keine Anzeichen von irgend welcher nennens- 
werthen Discordanz oder Transgression ; keine eigentliche Conglo- 
meratbildung liegt vor, welche eine stärkere, mit Festlandbildung 
verbundene Hebung erkennen liesse. Soweit einzelne Schiefer- 
schichten grössere klastische Theile einschliessen oder Breccien- 
structur ihnen eigen ist, lassen sich solche Trümmer von denselben 
oder wenig älteren Schichten ableiten , und eine Zerstörung neu- 
gebildeter Sedimente scheint demnach nie in ausgedehntem JVIaasse 
und am wenigsten an bedeutenden, über die Oberfläche erhobenen 
Theilen stattgefunden zu haben. 

Damit steht denn auch in Uebereinstimmung, dass nirgends 
für eine bestimmte Zone oder Schichtenfolge des Ganzen eine 
wesentlich abweichende Facies hervortritt, welche sich etwa als 
Küstenbildung, oder als unter wesentlich verstärkten litoralen Be- 
dingungen entstanden, deuten liesse : überall, wo ein gewisses strati- 
graphisches Niveau als solches wiederzuerkennen ist, oder wo be- 
stimmte Schichten unter jüngeren auftauchen, so z. B. die Grenz- 
schichten von Cambrisch und Silur, sehen sie ähnlich aus; und 
es gilt dies noch weit über den Bereich unseres Gebietes hinaus, 
ostwärts; so dass wir für die phyll itisch- cambrische Schieferreihe 


248 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


in weiter Erstreckung sehr ähnliche bis gleiche Ablagerungsbe- 
dingungen in einem gemeinschaftlichen oder einheitlichen Bildungs- 
raum anzunehmen haben werden. 

Dabei scheinen, wenigstens für das cambrische System, ver- 
schiedene Anzeichen auf Ablagerung in wenig tiefem, massig be- 
wegtem Wasser zu deuten. Wir rechnen dahin die an ripple- 
marks erinnernde Oberflächenbeschaffenheit der Phycodenschiefer 
und ähnlicher älterer Schiefer; die discordante Parallelstructur, 
welche an cambrischen Thonschiefern, und auch Quarzit, sowie 
Wetzschiefer beobachtet wurde; auch darf wohl die klastische Be- 
schaffenheit hier angeführt werden, welche in früher angegebener 
Weise wenigstens für einzelne Tlieile gewisser Schichten anzu- 
nehmen ist. 

Soweit Quarzitlager, wie bei Steinheid u. s. w. , mit Sand- 
anhäufungen, Sandbänken in genetischen Zusammenhang gebracht 
werden dürfen, würden ihnen vielleicht besonders seichte Stellen 
— keine Küsten — zu Grunde liegen, an denen das gröbere, 
sandige Material unter der separirenden Wirkung von bestimmten 
Strömungsverhältnissen zusammengeführt wurde. — Es wurde be- 
reits angeführt, dass bei einigen Quarzitlagern das Material in der 
That sehr deutlich und ziemlich grob klastisch werden kann. 

Die sehr bedeutende Mächtigkeit, die für die ganze Schiefer- 
folge nach Abzug aller Faltungen doch noch übrig bleibt, in Ver- 
bindung mit einer in wenig tiefem Wasser gedachten Sedimenti- 
rung, erfordert dann natürlich eine fortgesetzte allmähliche Senkung 
des gesammten, zusammengehörigen Bildungsraumes. 

Die eigenthümliche Zwischenbildung der Thuringitschichten, 
welche wir an der Grenze von Cambrium und Silur sehen, dürfte 
ganz besonders eine Deutung auf Seichtwasserbedingungen ge- 
statten, wegen des vielen klastischen und breccienartigen hier 
lagernden Materiales, und auch mit Berücksichtigung der so ver- 
breiteten Oolithbildung des Thuringits, welcher vielleicht eine 
chemische Extraction abgelagerter Schichten voraufging. Es be- 
zeichnet dieser Horizont zugleich eine Art Abschluss der vorheri- 
gen und eine Wendung zu etwas andern Ablagerungsbedingungen, 
weil wir in den nun folgenden untersilurischen Griffelschiefern 


der cambrisch-phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


249 


jedenfalls ein sichtlich anderes und anders abgelagertes Material 
erblicken als in den graugrünen cambrischen Schiefern. 

Ueber dem gesammten, sich noch fortgesetzt senkenden Bil- 
dungsareal scheint vom Beginn der Ablagerung der Griffelschiefer- 
schichten an tieferes und ruhigeres, hie und da von Trilobiten 
belebtes Wasser gestanden zu haben, in welchem sehr homogene, 
schlammige, etwas mit organischer Substanz vermischte (wegen der 
sehr dunkelen Färbung) Absätze fast continuirlich und gleich- 
mässig erfolgten; es sind nämlich im Griffelschiefer die Schicht- 
flächen weniger zahlreich und schwieriger zu finden, und es be- 
steht viel weniger Wechsel in dem sehr gleichmässig gemischten 
und sehr feinen Materiale dieses Schiefers; dabei sind die zwischen- 
durch vorhandenen heterogenen Elemente, Quarzit und Schwefel- 
kies, weit weniger in Gestalt förmlicher Zwischenschichten als von 
Sphäroiden und Concretionen vorhanden. 

Was nun die besonderen Einlagerungen unserer Schiefer- 
systeme betrifft, und zwar in erster Linie die granit- oder gneiss- 
artigen, sowie die porphyroidischen, welch letzteren sich naturge- 
mäss jene eigenthümlichen Schiefer der untersten cambrischen, 
resp. halbphyllitischen Zone anschliessen, so muss Verfasser be- 
kennen, dass er von den beiden bisher zu ihrem Verständniss ge- 
wählten Anschauungen oder Hypothesen der diagenetischen 
den Vorzug geben zu müssen glaubt. 

Es ist Verfasser wohlbekannt, dass von competentester Seite 
für einen Theil der hier abgehandelten Gebirgsgegenden der meta- 
morphische Standpunkt geltend gemacht worden ist. Ohne nun 
die zu Gunsten dieser Auffassung geltend gemachten Gründe zu 
unterschätzen, und ohne etwaiger eigener besserer Erkenntniss 
späterer Zeit vorgreifen zu wollen, möchte Verfasser seine der- 
zeitige Ansicht doch dahin aussprechen: dass ihm auf Grund seiner 
bisherigen fortgesetzten Specialaufnahmen und Anschauungen 

x ) Yergl. Lossen, Zeitschr. d. D. geol. Ges., Bd. XXVI, 1874, p. 896 ff. 
902. — Auch H. Credner sen. im Neu. Jahrbuch f. Min. etc. 1849 p. 25 ff. und 
im »Versuch einer Bildungsgeschichte der geognost. Verh. des Thüringer Waldes«, 
1855, p. 21, steht auf dem metamorphischen Standpunkt. 


250 


H. Loeetz , Beitrag zur geologischen Kenntniss 


und mit Berücksichtigung der Lagerungs- und Massenverhältnisse 
der in Betracht kommenden Gesteine die diagenetische Auffassung 
immer noch als die einfachere, den natürlichen Verhältnissen 
sich leichter anpassende erscheint als die andere; jene Auf- 
fassung, welche auch Gümbel für analoge Gebilde des Fichtel- 
gebirges an verschiedenen Stellen seines bezüglichen Werkes 
geltend macht. 

Wir möchten dementsprechend die betreffenden Gesteine für 
solche halten, welche, abgesehen von den bekannnten secundären 
mineralischen Neubildungen auf Klüften u. s. w. , wesentlich zu 
jener Zeit ihre vorliegende petrographische Beschaffenheit erlangt 
haben, welche auch die Bildungszeit für die sie umgebenden 
Schichten war; mit andern Worten, für solche, die nicht etwa in 
einer späteren Epoche, auf irgend welchen äusseren Anlass hin, 
einen bedeutenden Schritt vorwärts in ihrer lithologischen Ent- 
Wickelung machten, während ihre Umgebung dies nicht that. 

Unsere granitiscli-gneissischen und porphyroidischen Gesteine 
noch insbesondere belangend, scheint es uns schwierig, einen ge- 
netischen Zusammenhang zwischen denselben und wahren Graniten 
oder sonstigen krystallinischen Massengesteinen anzunehmen, welche 
entweder eruptiv oder durch Druck bei der Schichtenaufstauung 
und -faltung (passiv) in den Körper des Schiefergebirges hineinge- 
trieben worden wären ; schwierig, weil es eben an solchen Massen- 
graniten und Porphyren u. s. w. fehlt; denn das Allerwenigste, 
nur immer einzelne Kerne von jenen granitartigen u. s. w. Ein- 
lagerungen, verhält sich, wie wir gesehen haben, als wirklicher 
Granit oder Porphyr, und somit steht die hierhergehörige Gesammt- 
masse nur in einem geringen Verhältniss zu dem Umfang der 
Misch- und Uebergangsgesteine zum umgebenden Schiefer 1 ); ein 

*) Der längste Zug granitisck-gneissischer Gesteine, der von Meuselbach- 
Glasbach ist allerdings noch nicht zur Specialaufnahme gelangt; wir glauben in- 
dess nicht, nach dem was wir bis jetzt von diesen Gesteinen gesehen haben, dass 
sich hier wesentlich andere Verhältnisse ergeben werden. 

Was die Porphyroide betrifft, so hat sich bei deren Aufnahme nirgends un- 
zweifelhafter Porphyr resp. Quarzporphyr als Theil oder in Verbindung mit dem 
betreffenden Vorkommen gezeigt. Bei Langenbach steht im Bereich des Porphy- 
roidvorkonunens, an Masse unbedeutend, an der Strasse etwas Porphyrit an; 


der cambrisch-phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


251 


Missverhältniss , wenn wir letztere ans ersteren ableiten wollen, 
ob nun einfache Wärmewirkung durch Contact, oder solche unter- 
stützt durch wässerige Lösungen, oder Wärmeentwickelung durch 
Druck bez. mechanische Arbeit zu Hülfe genommen werden. 
Andere wahre Granit- u. s. w. Massen aber ausser den sichtbaren 
und zugänglichen supponiren zu wollen, solche etwa, die in nicht 
grosser Tiefe lagerten, dürfte für dieses Gebirge doch zu proble- 
matisch sein. 

Noch weniger dürfte in unserem Falle daran zu denken sein, 
chemische Metamorphose im Gefolge der bei der Schichtenauf- 
stauung und -Zusammenfaltung entwickelten mechanischen Wir- 
kung anzunehmen ; ehe dieses unsichere Gebiet betreten würde, 
für welche unseres Wissens doch erst vereinzelte Thatsachen vor- 
liegen, wäre zu constatiren, dass sich in den betreffenden Gebirgs- 
strichen besonders starke mechanische Einwirkungen auf die 
Schichten zu erkennen geben; letzteres ist nun, nach unseren 
Beobachtungen zu urtheilen, keineswegs der Fall, es machen sich 
keine, das gewöhnliche und durchgängig zur Geltung kommende 
Maass überschreitende Wirkungen auf die Schichten bemerklich. 

Was die Einlagerungen der amphibolischen Gesteine betrifft, 
so wird für solche eine spätere, metamorphische Entstehung aus 
dem Sediment, welches auch die umgebenden Schiefer constituirt, 
überhaupt wohl nicht versucht werden, wegen des zu sehr ver- 
schiedenen beiderseitigen chemischen Bestandes. Diese Einlagerun- 
gen, wie auch die Kiesel- und Alaunschiefer erinnern sehr an die 
entsprechenden Einlagerungen der Phyllitformation in Sachsen. 

Dass übrigens die metamorphische Auffassung gewisser por- 
phyroidischer u. s. w. Vorkommnisse in anderen Gebirgen durch 
Obiges in keiner Weise berührt werden soll, braucht kaum er- 
wähnt zu werden. 

Wir kommen also darauf zurück, für unser Gebiet jene ver- 
schiedenartigen Einlagerungen als ursprünglich gebildete aufzufassen, 
und ebenso auch die eigentümlichen , mit gewissen schieferigen 


solcher kommt indess in der Umgegend vielfach, die Schieferschichten gangförmig 
durchsetzend, in kleinen Massen vor, ohne dass zumeist irgend welche Einwirkung 
auf das Nebengestein zu sehen wäre. 


252 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


Porphyroiden verwandten Schiefer unserer mittleren, halbphyllitischen 
Zone. Für letztere insbesondere scheint uns die Wechsellagerung; 
mit gewöhnlichem Thonschiefer und die Wiederholung der Zone 
zu beiden Seiten der phyllitischen nur zu Gunsten jener Auffassung 
zu sprechen. — Wie weit, ursprüngliche Bildung zugegeben, ein 
rein diagenetischer Vorgang; — also successive Umbildung in situ 
aus dem allgemeinen Sediment ohne Zutritt fremden Stoffes ■ — 
ausreiche, die verschiedenen gneissartigen oder porphyroidischen 
Modificationen zu verstehen, wie weit nicht, das bleibt dann immer 
noch eine besondere Frage. 


Aeussere Erscheinung des alten Schiefergebirges. 

Wir berühren zum Schluss in Kürze die äussere Physiogno- 
mie des alten phyllitisch-cambrischen Schiefergebirges. 

Zunächst die Vegetationsdecke betreffend, ist unser Gebirge 
vorwiegend Waldlandschaft; Forsten ziehen sich zumal an den 
steilen Gehängen wie auch über die Hochflächen hin, und zwar 
waltet in den Beständen das Nadelholz in seinen beiden Haupt- 
Repräsentanten, gemeine und Edeltanne, entschieden vor. Laub- 
holz, besonders durch die Buche vertreten, umsäumt öfters die 
tieferen, günstiger situirten Ränder der Forsten, und gelangt auch 
in einzelnen Thälern (z. B. Schleusethal) zu grösserer Ausbreitung. 
Die näheren Umg ebungen der Ortschaften sind der Feldcultur 
unterworfen, während das Wiesenland vorzugsweise die Sohlen 
der grösseren Thäler und der von ihnen sich abzweigenden Seiten- 
thäler einnimmt und sich bis in die obersten flachen Thalanfänge 
oder Depressionen hinaufzieht. 

Der Denudation gegenüber verhält sich dieses Gebirge nach 
dem Material, aber auch nach der überall vorherrschend steilen 
Stellung der Straten als ziemlich gleichartiges Ganze. Der Unter- 
schied in der Widerstandsfähigkeit der verschiedenen, die Haupt- 
masse dieses Gebirges bildenden Schiefergesteine gegen die chemi- 
schen und mechanischen Eintlüsse der Verwitterung und Erosion 


der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


253 


ist nicht so gross, dass er sich in dem Relief von Berg und Thal 
sehr deutlich ausspräche. So fehlt es denn an jenen auffallenden 
Längsthälern, welche durch besonders leicht zu zerstörende Schich- 
tencomplexe zu Stande kommen könnten, wie solche Thäler weiter- 
hin durch die Obersilur- und Mitteldevonschichten bewirkt werden. 
Selbst die an sich so wenig verwitterbaren Quarzitlager machen 
sich im Terrain durch besonderes Auf- und Hervorragen in der 
Regel nicht geltend; ihre vielseitige Zerklüftung trägt dazu bei, 
dass die Abtragung bei ihnen mit der des umgebenden, an sich 
viel leichter verwitternden Thonschiefers gleichen Schritt halten 
kann Q. 

Das Relief des Gebirgslandes wird in seinen höheren Theilen 
durch schwach gewölbte Gipfelformen, lang hinziehende Rücken 
und sanft wellenförmig gestaltetete Hochflächen gebildet; die Höhen- 
linien zeichnen sich o'eo-en den Horizont als sanft o-eschwunafene, 
schwach auf- und absteigende Linien ab, wie dies in den alten 
Schiefergebirgen so häufig wiederkehrt. Benachbarte Rücken 
difleriren meist wenig an absoluter Höhe 2 ); horizontal darüber 
hingesehen, scheinen sie öfters sich plateauartig auszubreiten, in 
Wirklichkeit erlangen diese Rücken und Hochflächen nirgends 
mehr eine starke Ausbreitung ins Geviert, da die Erosion ringsum 

Q Der höchste Punkt des Sehiefergebirges, das »Kieferle« bei Steinheid, liegt 
zwar im Quarzit; die Höhendifferenz gegen die in Thonschiefer gelegenen Gipfel 
des Wurzelberg und Blessberg beträgt aber nur einige Fuss. — Beim Wurzel- 
berg liegt der höchste Punkt ( » Farmdenkopf «) in mildem, blaugrauem Thon- 
schiefer; derselbe Schiefer bildet den oberen, langen Rücken des Wurzelberges, 
von der »Moosbergsebene« bis zum »Jagdschirm«, während die benachbarten 
Quarzitlager nicht bis zu der Rückenhöhe heraufragen, sondern längs dem NW.- 
Hang hinziehen. 

Auch der Cultur gegenüber, wenigstens der Forstcultur, ist, im Allge- 
meinen gesprochen, der Unterschied in dein durch die verschiedenen eambrischen 
und phyllitischen Schiefer gelieferten Boden nicht so bedeutend, dass er nicht 
durch die Unterschiede in der Exposition und den sonstigen physikalischen Be- 
dingungen, zumal bei den grossen hier vorkommenden Höhendifferenzen, mehr als 
aufgewogen würde. Nur den reinen Quarzit kann man ausnehmen, der sich 
allerdings durch seine Sterilität recht bemerklich macht. 

2 ) Immerhin ragen einzelne Gipfel und Rücken über ihre Umgebung merk- 
lich heraus, so der Blessberg (nahe dem Südwestrande des Gebirgs), der Wurzel- 
berg, die Cursdorfer Koppe und die Hettstädt. 


254 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


schon ziemlich stark eingegriffen hat; und der Grad des Fort- 
schritts, den dieselbe erlangt hat, ist das bestimmende Moment 
für die Modellirung im Einzelnen und die Höhenabstufung von 
den Gipfeln zu den Thalsohlen hinab. 

Die bedeutenderen Thäler schneiden tief in den Körper des 
Gebirgslandes ein; der stärkste Höhenunterschied zwischen Thal- 
boden und Gipfel der benachbarten Höhen erreicht etwa 1000 
Decimalfuss (1200 gewöhnliche Fuss), so von der Höhe des Wurzel- 
bergs zur Schwarza bei Goldisthal. Die Gehänge können einen 
beträchtlichen Grad von Steilheit erreichen, und neigen hie und 
da, wenn auch im Ganzen nicht viel zu Felsbildung. — Für das 
Gebiet der Schwarza und ihrer Zuflüsse stellt sich leicht die Be- 
ziehung heraus, dass nordwärts mit tieferer Lage der Thalsohle, 
der Basis für die Erosion, auch die absoluten Höhen durchschnitt- 
lich abnehmen, welche die benachbarten Berggruppen erreichen. 

Wie weit die Thäler unseres Gebietes, welche ihre jetzige 
Ausbildung fast nur der Erosion verdanken, in ihrer ersten An- 
lage durch geotektonische Richtungen, namentlich parallel zur 
allgemeinen Streichrichtung und quer dazu , vorgezeichnet worden 
sein mögen, ist, wie in den meisten Fällen derart, nicht mehr zu 
sagen, höchstens zu vermuthen. Allerdings ist der Verlauf von 
manchen derselben, oder gewöhnlicher von Theilen solcher, in der 
Richtung des Streichens der Schichtung und der Faltungen, und 
anderer in der Querrichtung — etwa in der Hauptklüftungs- 
richtung — nicht zu übersehen. Beispiele hierfür finden sich 
leicht bei Betrachtung einer Karte. Was speciell das bedeutendste 
Thal des Gebiets, das Schwarzathal betrifft, so liegt die mittlere 
Richtung des grössten Theiles seines Laufes bis zum Austritt aus 
dem Gebirge, abgesehen von den Krümmungen, beiläufig der all- 
gemeinen Streichrichtung parallel, und es ist denkbar, dass in weit 
zurück liegenden Denudationsepochen der Charakter als Längs- 
thal bei diesem Theile reiner hervorgetreten, und seine allererste 
Anlage durch den Verlauf von Sattel- und Muldenbiegungen längst 
verschwundener Schichten gegeben war. Dagegen fällt die oberste 
Strecke des Schwarzathals, von Scheibe nach Langenbach, unge- 
fähr in die Richtung jener Verwerfungen, mit welchen das Er- 


der cambrisch-phyllitisclien Schieferreihe in Thüringen. 


255 


scheinen der Zechstein- Und Buntsandsteinschollen zwischen den 
alten Schieferschichten bei Scheibe zusammenhängt. 

Auffällig ist eine Art von Terrassenbildung, wie sie sich an 
beiden Seiten des Schwarzathals, aber auch seitwärts, in Neben- 
thälern desselben wiederholt einstellt. Solche sehr merkliche Ver- 
flachungen der Gehänge, mit steilerer Steigung aufwärts wie ab- 
wärts, findet man hie und da mehrfach übereinander, wenn man 
quer zur Thalrichtung die Berghöhen ersteigt. Obgleich nirgends 
mehr alter Schotter auf diesen Verflachungen erhalten ist, und die- 
selben in der Thalrichtung meist nicht lang aushalten, überhaupt 
wohl stark durch Abwitterung und seitliche Erosion mitgenommen 
sein mögen, kann man sie doch kaum anders, denn als Beste ehe- 
maliger Thalstufen auffassen; um so mehr als durch Abwitterung 
allein, bei der so wenig verschiedenen Beschaffenheit und Stellung 
der Schichten, derartige Absätze nicht zu verstehen wären. Solche 
Verflachungen machen sich z. B. am Wurzelberg an der Schwarza- 
thalseite, aber auch au der Ostseite wiederholt bemerklich, und 
ähnliches wiederholt sich noch am Lindig, sowie andererseits an 
der Westseite des Schwarzathals, bis ins Oelzethal, und sodann 
weiter abwärts im Schwarzathal. — Es scheint sogar nicht un- 
möglich, dass in der jetzigen Configuration des Gebirgslandes über 
den engern Bereich der jetzigen Thaleinschnitte hinaus, in dem 
Verhältniss der oberen flach oder plateauartig sich ausbreitenden 
Höhenstrecken zu den wenigen über diese hinaus anschwellenden 
Erhebungen noch einzelne Züge aus weit zurückliegenden Denuda- 
tionsperioden stehen geblieben sind ; wenigstens kann dieser Ein- 
druck durch die Betrachtung des Gebirges von gewissen, hoch 
gelegenen Punkten hervorgerufen werden. 

O O O 


256 


H. Loretz, Beitrag zur geologischen Kenntniss 


Inhalt. 


Einleitendes. Einführung des cambrischen , silurischen etc. Systems in 
das thüringische Schiefergebirge. — Sibirische Horizonte. — Cambri- 
sches und phyllitisches System des Schiefergebirges ; Abgrenzung. — 
Vergleichung des cambrischen Systems mit den entsprechenden Systemen 

anderer Länder 

Uebersicht der Schieferreihe nebst Einlagerungen und ihrer Lage- 
rung. Phyllitisches und cambrisches System. — Das Gebiet. Unter- 
scheidung dreier Zonen : phyllitische Schiefer , halbphyllitisehe Schiefer 
und Thonschiefer mit Quarziten. • — Einlagerungen : Kieselschiefer, 

gneissartige, amphibolische, porphyroidische. — Phyllit und Cambrium. 

— »Untercamb risch«. — Lagerung der Zonen 

Schiefer der phyllitischen Zone. Phyllit, Quarzphyllit , Phyllitcjuarzit- 
schiefer. — Quarzknauer des Quarzphyllits. — Aufschlüsse. — Calcit- 
führender Phyllit. — Kupfererzvorkommen bei Böhlen. — Engfaltung 
und Fältelung der phyllitischen Schiefer. — Andeutungen von Trans- 
versalschieferung 

Schiefer der älteren cambrischen (halbphyllitischen) Zone. Petro- 
graphisches; Verwandtschaft mit gewissen porphyroidischen Schiefern; 
halbphyllitischer, resp. halbkrystallinischer Charakter. — Abgrenzung 
von den phyllitischen Schiefern, äussere Aehnlichkeiten mit solchen. — 
Quarzeinschlüsse. — Verwitterung. — Auftreten gleicher Schiefer im 

Bereich der älteren und jüngeren Zone 

Cambrischer Thonschiefer. Keine Unterabtheilungen. — Verschiedene 
Färbungen und Verbreitung derselben. —HärtereStreifen und Knoten; 
gerippte Schichtflächen und discordante Parallelstructur. — Phycoden 
und Phycodenschiefer. — Transversalschieferung und Klüftung. — 

Zerfallen; Verwitterung. — Wetzschiefer 

Cambrischer Quarzit. Auftreten zwischen dem Thonschiefer. — Petro- 
graphisches. — Schichtung des Quarzits. — Zerklüftung und Trümmer- 
halden. — Oberster cambrischer Quarzit. — Vielfacher Wechsel von 
Thonschiefer und Quarzit in gewissen Gebirgsstrichen. — Quarzit mit 
Sericitflasern. — Conglomeratischer und breccienartiger Quarzit. — 
Quarzausscheidungen und Goldführung. — » Quarzitische Schiefer« 

Das Vorkommen von Versteinerungen im Quarzit von Siegmunds- 
burg. Vorkommen, Localität und Gestein. — Deutung und palaeon- 

tologischer Werth der Versteinerungen 

Oberste cambrische Zone und Grenze zum Silur; Thuringithorizont. 
Oberste, eisenreiehe Schiefer. Oolithischer etc. Eisenstein; Thuringit. — 
Orthis in diesem Horizont 


Seite 

175 

180 

184 

190 

196 

203 

208 


211 


der cambrisch - phyllitischen Schieferreihe in Thüringen. 


257 


Seite 

Einlagerungen von Kieselschiefer und Alaunschiefer. Kieselschiefer 


und Alaunschiefer der phyllitischen Zone. Kieseischieferfelsen. — Ent- 
sprechende Schiefer der jüngeren Zonen 214 


Einlagerungen von Amphibolgesteinen. Massig krystallinischo und 
schieferige, Verbindung und Lagerung derselben zu einander und dem 
umgebenden Schiefer. — Localitäten. — Beschreibung einer derartigen 

Einlagerung im Oelzethal 218 

Einlagerungen gneiss- und granitartiger Gesteine. Allgemeine Be- 
schaffenheit. — Das Vorkommen bei Hinterod; TJebergänge zu anderen 
Schiefergesteinen. — Das Vorkommen am Milchberg bei Bohlen; 
Uebergänge zu Schiefergesteinen, Unterschiede von Porphyroiden. — 

Vorkommnisse bei Katzhütte 221 

Einlagerungen porphyroidischer Gesteine. Allgemeines. — Vorkommen 
bei Langenbach. — Desgleichen am Jagdschirm. — Desgleichen am 
Reichenbach. — Desgleichen am Bärentiegel und weiter aufwärts im 
Katzethal. — Verwandtschaft mancher Porphyroide und Quarzite. — 
Porphyroide der älteren Sehieferzonen. — Vorkommen im Hirschgrund 
bei Böhlen. — Eigenthümliche Schieferporphyroide von halbklastischem 
Habitus und Verwandtschaft derselben mit gewissen Schiefern der halb- 
phyllitischen Zone. — Porphyroidische Gesteine der obersten cambri- 


schen Zone 226 

Die schichtigen Quarzzwischenmassen der Schiefer. Grosse Menge 
derselben. — Vorkommen derartiger Quarzzwischenlagen bei Unter- 
weissbach in cambrischem Dachschiefer 239 


Lagerungsverhältnisse und Gebirgsbau. Ideales Querprofil durch die 
cambrisch -phyllitische Schieferreihe. — Faltungen innerhalb desselben 
und relative Grösse der Falten. — Grössere Sattel- und Mulden - 
biegungen, an denen ganze Systeme theilnehmen. — Erzgebirgisclie und 
hercynisehe Richtung. — Anhaltend nordwestliches Einfallen im west- 
lichen Theil des Gebiets. — Schieferung und Parallelklüftung . . . 241 

Einiges bezüglich der Bildungsvorgänge. Continuirlich und in weitem 
Bildungsraum unter ähnlichen Bedingungen erfolgte Sedimentbildung. 
Muthmaassliche Ablagerungsbedingungen der untersten sibirischen 
Schichten. — Diagenetische oder metamorphische Auffassung der 
granitartigen und porphyroidischen Einlagerungen. Gründe für erstere 247 
Aeussere Erscheinung des alten Schiefergebirges. Vegetationsdecke. — 
Gleichförmiges Verhalten gegenüber den denudirenden Agentien; Relief 
des Gebirgs. — Thäler; Ausbildung derselben durch Erosion, in erster 
Linie vielleicht nach geotektonischen Linien. — Terrassenartige Ver- 
flachungen an den Gehängen des Schwarzathals und benachbarter Thäler 252 


Bemerkung. Auf dem Kärtchen mussten bei der Kleinheit des Maassstabs einige 
porphyroidische etc. Einlagerungen weg-gelassen werden; vor dem nördl. Rand werden 
weitere Specialaufnahmen wohl noch einige neue ergeben. Manches konnte nur manierirt 
dargestellt werden, z. B. die Kieselschiefereinlagerungen, z. Th. auch die quarzitischen, 
und die geognostischen Grenzen. 


17 


Ueher Transversalschieferung' 

und verwandte Erscheinungen im thüringischen 
Schiefergebirge. 

Von Herrn H. Loretz in Frankfurt a. M. 

(Hierzu Tafel VII.) 


Yo r b e m e r k n n g e n. 

Das Auftreten der Transversalschieferung im thüringischen 
Sehiefergebirge ist schon seit längerer Zeit bekannt, und von den 
Geologen, welche über dieses Gebiet geschrieben haben, wiederholt 
erwähnt und im Allgemeinen besprochen. Im Folgenden soll nun, 
was bisher noch nicht geschehen ist, eine speciellere Darlegung 
der Verhältnisse der Schieferung und verwandter Erscheinungen 
mechanischer Natur in diesem Gebirge gegeben werden, soweit 
dasselbe, vom Verfasser bei Gelegenheit seiner Aufnahmen für die 
geologische Specialkarte von Preussen und den thüringischen 
Staaten untersucht ist. Unsere vorliegenden Mittheilungen be- 
ziehen sich dementsprechend auf den südwestlichen Theil des 
Schiefergebirges und zwar in etwas grösserer Ausdehnung als bei 
unserem, ebenfalls in diesem Bande enthaltenen Artikel über die 
cambrisch-phyllitische Schieferreihe 1 ); das Kärtchen, welches diesem 
Artikel beigegeben ist, kann zugleich auch für vorliegende Mit- 

') Die liier in Betracht kommenden erst später zu publicirenden Blätter der 
geolog. Specialkarte, im Maassstab 1 : 25000 sind: Neustadt a. d. Haide, Sonne- 
berg, Eisfeld, Steinheid, Spechtsbrunn, Masserberg, Breitenbach und Gräfenthal 
zum Theil. 


H. Loretz, über Transversalschieferung und verwandte etc. 


259 


theilungen dienen, im Uebrigen wird am besten die RiCHTER’sche 
Karte des Thüringischen Schiefergebirges 1 ) verglichen. 

Die Transversalschieferung wird bekanntlich angesehen als 
eine bestimmte und eigenthümliche Wirkung; des g;ebirg;sbildenden 
Seitendrucks in der Erdrinde, oder zunächst vielleicht eine Wir- 
kung von Druckkräften, welche von jenem allgemeinen Seitendruck 
abzuleiten sind; und zwar ist sie eine sehr energische und weit- 
gehende Druckwirkung, da sie sich, wenigstens wenn vollkommen 
ausgebildet, auf die kleinsten Theile des Gesteins erstreckt und 
physikalische Aenderungen bewirkt hat 2 ). Die Schieferung ist mit 
einer, wenn auch nur minimalen Compression oder doch Spannung 
in der Druckrichtung, sowie ausweichenden Verschiebungen in dazu 
normalen Richtungen verbunden gewesen, welche bald mehr, bald 
weniger deutliche Spuren in dem Gesteinskörper hinterlassen haben 
und je nach der Stärke und Vertheilung des Druckes und der 
physikalischen Beschaffenheit des Materials schon zwischen benach- 
barten dünnsten Lagen stattfanden, oder erst in grösseren Inter- 
vallen. 

Der Vorgang des seitlichen Ausweichens und Verschiebens 
hat unter gewissen Umständen einen besonderen Verlauf genommen, 
als deren Resultat jetzt eine Art von Linearstreckung des Ge- 
steins, ein fast faseriges, griffeliges Gefüge vorliegt, eine physika- 
lische Aenderung, die mit jener bei der gewöhnlichen Schieferung 
verwandt ist; diese lineare Streckung ist nicht so verbreitet wie 
die plane Schieferung, sie tritt mehr lokal, und dabei wohl mit 
jener zusammen auf, und scheint darin begründet, dass das seit- 
liche Ausweichen und Verschieben von Theilchen zu Theilchen 
stattfand und dabei in ein und derselben Richtung. 

Diese beiden auf mechanischem W ege in das Gestein einge- 
führten Structuren, die Schieferung; und die Streckung; sind 

7 0 O 

es nun, deren Vorkommen im thüringischen Schiefergebirge den 


x ) Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. XXI, 1869. 

2 ) Dass wirklich physikalische Aenderungen eingetreten sind, ersieht man 
sofort aus den J anx ettaz 1 sehen Versuchen über die Wärmeleitung in geschiefertem 
und nicht geschiefertem Gestein, und den entsprechenden Figuren auf Schnitt- 
flächen. 


17 


260 


H. Louktz, über Transversalschieferung 


Hauptgegenstand der folgenden Darstellung bilden soll. Anhangs- 
weise fügen wir noch einige Angaben über das Vorkommen der 
Parallelklüftung und gewisser, durch Bewegungen auf 
Schichtflächen zu Stande gekommener Mineralbildungen ein- 

o O 

fachster Natur bei. 

Ausser Schieferung und Streckung sehen wir nun aber noch 
eine lange Reihe von Aenderungen, welche an der Gesammtge- 
steinsmasse eines Gebirges, z. B. unseres Schiefergebirges in Folge 
der nachhaltigen Einwirkung grossartiger seitlicher Druckwirkun- 
gen zu Stande gekommen sind, und es ist keineswegs leicht, die 
richtige Stellung und Folge aller Glieder dieser Umgestaltungs- 
reihe zu erkennen; nur im Einzelnen liegen Andeutungen und 
Beweise vor, welche erkennen lassen, dass eine gewisse Aende- 
rung oder Umgestaltung vor oder nach einer gewissen zweiten 
entstanden sein muss. Die transversale Schieferung z. B. betreffend, 
die uns hier besonders interessirt, sehen wir, dass sie erst nach 
der Aufstauung und Zusammenfaltung der Schieferschichten ein- 
getreten sein kann, weil sie durch alle Falten der Schichtenlage 
durchschneidet und sich ihnen gegenüber sehr constant zeigt, und 
weil die Oberflächen und öfters auch das Innere der aufgerichte- 
ten und gefalteten Lagen sehr oft deutliche Merkmale des Schiefe- 
rungsprozesses an sich tragen. Ebenso sehen wir mitunter, dass 
gewisse das Gestein durchziehende Ablösungsflächen, welche ihrer- 
seits auch nur von Seitenpressungen abgeleitet werden können, 
schon vor der Schieferung da gewesen sein müssen, weil auch sie 
in ähnlicher Weise wie die Schichtflächen von der Schieferung 
afficirt sind. Wenn wir ferner berücksichtigen, dass über weite 
Strecken unseres Gebirges die Schieferung eine etwas andere Lage 
zu den Weltgegenden hat, als die Ausstriche und Falten der auf- 
gestauten Schichten, so weist auch dies mit Wahrscheinlichkeit 
auf zeitliche Unterschiede für die Ausbildung von beiderlei meclia- 
nischen Aenderungen, auf einen Wechsel in der Richtung des 
Seitendrucks hin. Dabei braucht nicht gerade ein längerer Inter- 
vall oder eine Ruhepause stattgefunden zu haben; die ersten An- 
fänge transversaler Schieferung könnten an die letzten Faltungs- 
vorgänge angeknüpft haben, und in jenen kleinen Zerreissungen 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 261 


nebst Verschiebungen zu sehen sein, welche so oft an den kleinen 
engen Falten und Fältchen der älteren Schiefer Vorkommen, wäh- 
rend die volle Ausbildung der transversalen Schieferung erst nach 
Aenderung der Druckrichtung erreicht worden sein mag ] ). 

Ist Schieferung und auch Streckung nicht die erste der auf 
mechanischem Wege bewirkten Aenderungen, so ist sie auch nicht 
die letzte. Das Auftreten der Parallelklüftung z. B. in geschiefer- 
tem oder gestrecktem Schiefergestein ist ein derartiges, dass wir 
ihr nur eine spätere Entstehung zuschreiben können; auch manche 
Verwerfungen und sonstige grössere Dislocationen rühren ohne 
Zweifel aus späterer und z. Th. viel späterer Zeit her. 

Ganz im Allgemeinen gesprochen, sind die durch den Seiten- 
druck in den äusseren Theilen der Erdrinde hervorgerufenen Wir- 
kungen oder Aenderungen zunächst solche, welche sich auf Gestalt 
und gegenseitige Lage grösserer und kleinerer Theile der Gebirgs- 
massen beziehen — wir könnten sie morphologische Aenderungen 
nennen — sodann aber auch solche, welche sich bis zu den klein- 
sten Gesteinstheilchen, selbst den Molekülen erstrecken und deren 
physikalische, ja chemische Beschaffenheit modificiren können; 
doch lassen sich diese verschiedenen Wirkungen nicht ganz scharf 
auseinanderhalten und sind vielfach untereinander verbunden. Be- 
züglich chemischer Aenderungen hat die Literatur neuerer und 
neuester Zeit manche interessante Daten gebracht; zu den schon 
die physikalische Beschaffenheit afficirenden Aenderungen gehören 
Schieferung und Streckung; zu den Aenderungen der erstgenann- 
ten Klasse aber können wir alle diejenigen ziehen, welche auf 
Beanspruchung des Gebirgskörpers, resp. Schichtenbaues auf irgend 
eine Art der Festigkeit (Biegungs-, Druck-, Abscheerungsfestig- 
keit) in erster Linie erfolgen; also Biegungen und Faltungen aller 
Arten und Grade, und als zweite, nebenhergehende Reihe, Zusam- 
menhangstrennungen nebst Verschiebungen aller Arten und Grade. 


') Wir setzen dabei voraus, dass die kleinen engen Falten erst später, nach 
Eintritt der grösseren, bei gesteigerter Druckwirkung zu Stande gekommen sind. 
Noch stärker als bei ihnen muss für dasselbe Material der transversal schiefernde 
Druck gewesen sein, insoweit er Verschiebungen der kleinsten Partikel gegen 
einander zu bewirken vermochte. 


262 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


Ein weiteres Eingehen auf diese allgemeineren Beziehungen 
würde uns indess zu weit von unserem eigentlichen Gegenstände 
ablenken, und wir wenden uns nunmehr zur näheren Betrachtung 
der Schieferungsverhältnisse in Thüringen. 


Auftreten der Transversalschieferung im thüringischen 
Schiefergebirge im Allgemeinen. 

Es bedarf kaum besonderer Erwähnung, dass die bekannten 
Erscheinungen, welche das Auftreten der Transversalschieferung 
bei den Schiefern und sonstigen Schichtgesteinen hervorzurufen 
pflegt, auch in den von der Schieferung ergriffenen Theilen unse- 
res Schiefergebirges sich geltend machen. Das Durchsetzen der 
über grosse Flächenräume eine bemerkenswerthe Constanz zeigen- 
den Schieferung unter den verschiedensten Winkeln von 0° — 90° 
durch die entweder eben liegende oder in Falten geschlagene 
Schichtung; das mehr oder minder deutliche Hervortreten, oder 
Verstärkung und Abschwächung der ersteren je nach der physi- 
kalischen Beschaffenheit des durchsetzten Schichtenmaterials; ihr 
Abstossen an härteren, z. B. quarzitischen Schichten, oder die 
gegenseitigen Einkeilungen und Eintreibungen, welche in Folge 
der Schieferung an der Grenze von härteren und weicheren Lagen 
oder Bänken Vorkommen — hier namentlich an der Grenze von 
Thonschiefer und Quarzit — ; unter Umständen auch das Um- 
springen der Schieferung in eine Art Klüftung innerhalb härterer 
Bänke, wie Grauwacken; die Riffelung, Abtreppung oder völlige 
Zerschneidung, welche sich mitunter auf den Schichtflächen der 
transversal geschieferten Massen einstellen kann, u. a. m. *) : alles 

x ) In einer früheren Arbeit »Ueber Schieferung« (Jahresbericht der 
Senckenberg. naturforsch. Gesellsch. Frankfurt a. M. 1880) hat Verfasser diese 
und sonstige allgemein gültige Schieferungsverhältnisse übersichtlich behandelt 
und zu erklären gesucht. 

In vorliegendem Artikel werden die Ausdrücke Transversalschieferung, 
secundäre, abweichende Schieferung oder auch Schieferung schlechthin 
als gleichbedeutend gebraucht. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 263 


sind Dinge, welche dem aufmerksamen Beobachter in den betreffen- 
den thüringischen Gebirgspartieen nicht entgehen werden, und für 
welche bestimmte Beispiele anzuführen, wir an dieser Stelle nicht 
für nöthig erachten; auf einzelne derartige Erscheinungen werden 
wir in der Folge noch zurückzukommen haben. 

Hier möchten wir noch darauf hinweisen, dass die bekannten 
Anzeichen für seitlich ausweichende Bewegungen beim Vorgang 
der Schieferung, jene Riffelungen u. s. w., nicht nur auf Schicht- 
flächen Vorkommen, sondern, wie oben schon einmal angedeutet, 
mitunter auch auf andere Discontinuitätsflächen, welche vor Ein- 
tritt der Schieferung da waren, insbesondere auf gewissen Ab- 
lösungsflächen, welche meist nur kurz verlaufend, allem Anschein 
nach durch Quetschungen oder Pressungen erzeugt sind. Und 
eben die Lage dieser Ablösungen und ihre Afficirung durch die 
Schieferung zeigt, dass das Gebirge schon vor letzterer anders 
gerichteten Druckkräften ausgesetzt gewesen sein muss. Solche 
Ablösungsflächen zeigen wohl ausserdem noch aus früherer Zeit 
herrührende Rutschstreifen, welche sich indess durch ihre Richtung 
und sonstige Beschaffenheit leicht von den durch die Schieferung 
bewirkten parallelen Unebenheiten unterscheiden lassen. 

Als ein weiteres Anzeichen für Verschiebungen in der Ebene 
der Transversalschieferung ist die lineare Parallelstructur (oder 
höchst feine Fältelung) anzuführen, welche manchmal auf der Ober- 
fläche der nach der Schieferung gespaltenen Platten wahrzunehmen 
ist. Sie ist natürlich wohl zu unterscheiden von der auf den Schicht- 
flächen vorkommenden entsprechenden Structur; letztere kann ur- 
sprünglich sein , erstere ist immer secundär und lässt sich am 
einfachsten wohl als ein sehr schwacher, nur begonnener Streckungs- 
vorgang in bestimmter Richtung auffassen, der die Deutlichkeit 
der Schieferung durchaus nicht beeinträchtigt hat 1 ). Manchmal 


b Es mag hier daran erinnert werden, dass auch in physikalischer Hinsicht 
die verschiedenen Richtungen auf einer Schieferungsfläche nicht gleichwerthig sein 
müssen, wie der Umstand beweist, dass nicht nur auf Schnitten normal zur 
Schieferung, sondern auf Schieferungsflächen selbst die Wärmeleitungsfiguren 
elliptisch ausfallen können. (Daubrke, Synthet. Studien zur Experim. Geologie, 
1880 , p. 324 .) 


264 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


ist auf den Schieferungsflächen sogar nach zwei Richtungen eine 
solche lineare Parallelstructur oder Fältelung wahrzunehmen, von 
denen eine etwas stärker sein kann als die andere. An solchen 
Beispielen fehlt es auch im thüringischen Schiefergebirge nicht. 

An einigen Stellen desselben wurden ferner noch viel weiter 
gehende, in der Richtung der Transversalschieferung liegende Ver- 
schiebungen beobachtet, welche geradezu als Verwerfungen be- 
zeichnet werden können, und in dem Grenzverlauf benachbarter 
Schichtenzüge auffallende Unregelmässigkeiten zuwege bringen. 
So in der Gegend von Hämmern und Steinach. Das Nähere ist 
aus dexr später zu publicirenden Specialkarten zu ersehen. 

Obschon Erscheinungen, welche auf Transversalschieferung 
hinauskommen, durch den ganzen Bereich des Schiefergebirges 
verbreitet sind, so ist doch die Entwickelung oder der Vollkom- 
menheitsgrad derselben bei den verschiedenen Formationen oder 
Systemen der Schieferfolge, ja bei den einzelnen Abtheilungen 
dieser Systeme, wie wir sehen werden, ein sehr ungleicher und 
auch regional verschiedener; es kann derselbe Schiehtencomplex 
an einer gewissen Lokalität sehr deutlich secundär geschiefert sein 
und nicht weit davon höchstens nur Spuren dieser mechanischen 
Aenderung aufweisen. Letzteres findet besonders in gewissen 
stratigraphischen Horizonten oder Complexen statt, z. B. bei den 
oberdevonischen Schiefern und Knotenkalken, während andere fast 
durchgängig und in viel gleichmässigerer Weise geschiefert sind, 
z. B. die cambrisclien Schiefer. 


Auftreten der Transversalschieferung bei den einzelnen 

Systemen. 

Transversalschieferung bei den pliyl litischen und den 
cambrisclien Schiefern. Wir können hier zunächst auf unsere 
andere, in vorliegendem Bande enthaltene Arbeit: »Beitrag zur geo- 
logischen Kenntniss der cambrisch-phylliti sehen Schieferreihe in Thü- 
ringen« verweisen, wo über das Auftreten der Transversalschieferung 
bei genannten Schiefersystemen einige Angaben gemacht werden. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 265 


Wie daselbst bemerkt, wird, kommt Transversalschieferung 
bei den eigentlichen phyl litischen Schiefern, Quarzphylliten, 
Phyllitqnarziten etc. nur in ganz untergeordneter Art, nur an- 
deutungsweise zum Ausdruck, und zwar so, dass die engen Falten 
und Fältchen, in welche jene Schiefer so gewöhnlich gelegt sind, 
in der Richtung ihrer Mittelebenen von kleinen Verschiebungen 
betroffen sind, welche sich bei dem beständigen Wechsel quarziger 
und phyllitischer Lagen und Blätter sehr deutlich zu erkennen 
geben, und längs welcher auch wohl leichtere Ablösung der Ge- 
steinsmasse stattfindet; der sprödere Theil, die Quarzlagen, sind 
an den dünnsten Stellen gerissen, der nachgiebigere Pliyllit 
zwischen eingeschoben. Aehnliches wiederholt sich auch noch bei 
den halbphyllitischen, lokal an Phyllitgneisse erinnernden Schiefern, 
welche in der untersten cambrischen Zone, zunächst der phylliti- 
schen Zone, Vorkommen. Diese kleinen Verschiebungen erscheinen 
zu Stande gekommen unter fortgesetzter Wirkung desjenigen 
Druckes, welcher zunächst das Zusammenstauchen der Gesteins- 
masse in die zahllosen Falten und Fältchen bewirkte, sie erschei- 
nen als letzte Folge desselben, zu einer Epoche, wo die Zusam- 
menstauchung an ihrer änssersten Grenze angekommen war, und 
ein ferneres Nachgeben der Masse in der Richtung quer zum 
Druck nur mehr unter Querrissen und Verschiebungen längs der- 
selben möglich war. Diese Verschiebungen bilden ein Analogon 
zur Transversalschieferung, oder eine Art von Vorstufe derselben, 
auf welcher das Gestein stehen geblieben ist 1 ). 

1 ) So viel man auch bei den gebogenen und knotig verdickten Quarzstreifen 
und -Bändern des Quarzphyllits auf Rechnung späterer, mit innerlicher Zertrüm- 
merung verbunden zu denkender Umformung setzen mag, ist doch nicht ausser 
Acht zu lassen, dass wohl schon die ursprünglich flach linsenförmige Gestalt vieler 
derselben gegeben war, wie aus verwandten Vorkommnissen zu schliessen ist; es 
wird kaum möglich sein, das Ursprüngliche und das Spätere streng auseinander 
zu halten oder abzugrenzen. Etwas anders verhält sich die Sache bei den rauhen 
cjuarzitischen Bändern des graugrünen cambrischen Thonschiefers; diese zeigen, 
wo das Gestein ebenschichtig und ungefaltet liegt, also in ihrer ursprünglichen 
Beschaffenheit, gewöhnlich durchweg gleiche Dicke. 

Ferner ist die Frage nicht ganz zurückzuweisen , ob die ohne Zweifel auf 
mechanischem Wege zu Stande gekommene Engfaltung des Quarzphyllits und 
verwandter Gesteine nicht doch schon zur Zeit vor völliger Erhärtung des Sedi- 


266 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


In dem camb rischen Schiefersystem ist, im Gegensatz zu 
den Phylliten, eigentliche Transversalschieferung überall verbreitet; 
und obgleich sie, im Ganzen und Allgemeinen, nicht sehr voll- 
kommen, oft genug nur unvollkommen ausgebildet ist, ausserdem 
auch in den reiner quarzitischen Partieen zurücktreten und ganz 
fehlen kann, so lässt sich doch behaupten, dass das cambrische 
System, insoweit es aus Thonschiefer oder nur aus gegen Quarzit 
vorherrschendem Thonschiefer besteht — und dies ist in dem 
weitaus grösseren Theil des Gesammtbereichs der Fall — von 
Transversalschieferung beherrscht wird, und dass solche meistens 
mindestens so deutlich hervortritt als die Schichtenlage; so also, 
dass dieses System mit zu denjenigen gehört, in welchen die 
secundäre Schieferung den deutlichsten, allgemeinsten Ausdruck 
gefunden hat. Dass aber diese so verbreitete Schieferung hier 
doch selten sehr vollkommene Spaltbarkeit im Gefolge hat, liegt 
wohl nur an der so häufig etwas rauhen, oder aber mit rauheren, 
etwas quarzitischen Lagen verwachsenen Beschaffenheit der cam- 
brischen Thonschiefer; wo sie homogener sind, entwickelt sich in 
der Tliat auch vollkommenere Spaltbarkeit, die hie und da dem 
Material die Qualität von Dachschiefern verleiht. 

Jene engen und kleinen Falten, wie sie uns in den phylliti- 
schen Schiefern , den Quarzphylliten etc. so deutlich entgegen- 
treten, fehlen bei den cambrischen Schiefern durchaus nicht ganz, 
wenn sie auch nicht so durchgängig und so ins Kleinste ausge- 
bildet sind. An dem für die cambrischen Schiefer so typischen 
und so häufig vorkommenden Wechsel von meist schmäleren, 
helleren, etwas rauhen oder quarzitischen Lagen mit breiteren, 
dunkleren Lagen von Thonschiefern sieht man nicht selten ähnliche 

ments wenigstens in ihren ersten Anfängen eingeleitet sein könnte, wenn sie auch 
ihre Hauptausbildung erst nachher erfuhr; es ist kein Grund, dass der jeden- 
falls durch lange Zeiträume wirksame Seitendruck nicht schon zu Zeiten der 
Sedimentbildung sich habe äussern können; vorausgesetzt müsste dabei werden, 
dass der Erstarrungsprozess längere Zeit in Anspruch nahm. War aber einmal, 
die völlige Erstarrung eingetreten, so dürfte die Ausbildung, resp. weitere Aus- 
bildung der Engfaltung (Zusammenstauchung), als eine höhere Arbeitsleistung 
erfordernd, nicht sofort, sondern erst nach Ausbildung leichterer, flacherer Faltung 
erfolgt sein. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 


267 

kleine Falten und auch dieselben seitlichen Verschiebungen in der 
Faltenrichtung wie bei den phyllitischen Schiefern, und mit diesen 
Verschiebungen sind auch noch die bekannten gegenseitigen Ein- 
treibungen der beiderseitigen heterogenen Massen und Form Ver- 
änderungen abgetrennter Theile verbunden; aber bei diesem mecha- 
nischen Effekt ist die Wirkung des Seitendruckes bei den cambrischen 
Schiefern nicht stehen geblieben, sondern sie hat, weitergehend, in 
späteren Phasen ihrer Wirksamkeit eine wirkliche transversale Schie- 
ferung, oder transversale Spaltbarkeit zuwege gebracht. 

Wir erkennen in diesen verschiedenen mechanischen Aende- 
rungen eine fortgesetzte Wirkungsreihe des Seitendrucks im 
Schichtenbau; aber diese Reihe stellt ohne Zweifel das Product 
eines durch lange Zeiträume fortgesetzten Druckes oder auch 
wiederholt angreifender und in verschiedenen Richtungen wir- 
kender Druckkräfte dar. Das letztere ist sehr einleuchtend, wenn 
wir berücksichtigen, dass die Lage der eigentlichen transversalen 
Schieferung oder Spaltbarkeit eine merklich andere ist, als die 
allgemeine Streichrichtung der Schichten in ihren grösseren Falten, 
Sätteln und Mulden; beide sind auf Seitendruck zurückzuführen, 
ihre verschiedene Lage documentirt aber einen Wechsel der Rich- 
tuug des letzteren. Wie weit die kleinen, engeren Fältchen mit 
ihren kleinen Faltenverwerfungen, wie wir sie von den phyllitischen 
und cambrischen Schiefern erwähnten , mehr mit der einen oder 
der anderen jener Streichrichtungen übereinstimmen, ist nicht durch- 
weg leicht zu entscheiden, ändert indess an dem ausgesprochenen 
Resultate nichts; genug, dass uns die Lage der ächten Transver- 
salschieferung im grössten Theil des cambrischen, wie auch des 
sonstigen Sckiefergebietes darauf hinweist, einen Wechsel in der 
Richtung des Seitendrucks anzunehmen x ). 

Die Wirkungen der Transversalschieferung erstrecken sich im 
cambrischen Gebiet bis in die quarzitreichen Partieen, selbst die 


x ) Die Beobachtung von Liebe, dass die quarzreicheren Bänder des cam- 
brischen Schiefers öfters auf mechanischem Wege durch Druck in linsenförmige 
Stücke getrennt worden sind, ist so recht geeignet den Wechsel der Seitendruck- 
richtung zu' illustriren ; siehe die Erläuterung zu Section Zeulenroda der geolog. 
Specialkarte von Preussen u. d. Thüring. Staaten, 1881, p. 4. 


268 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


eigentlichen Quarzitlager und auch die porphyroidischen Bildungen 
hinein, soweit eben in diesen noch Thonschiefer und solche Ge- 
steine vorhanden sind, deren Structur nicht allzusehr von einer 
schieferigen abweicht und sich einer massigen und krystallinischen 
nähert. Es liegt demnach auf der Hand, dass die Schieferung 
in solchen Gebirgspartieen im Allgemeinen um so mehr hervor- 
treten wird, je mehr Thonschiefer und auch noch quarzitische Schiefer 
neben reinem Quarzit vorhanden sind und umgekehrt. Dabei 
finden von Ort zu Ort immerhin noch Wechsel und Unbeständig- 
keiten in der Deutlichkeit und Entwickelung der secundären 
Schieferung statt, so dass gleichem Gesteinsmaterial an zwei ver- 
schiedenen Stellen doch nicht immer gleiche Entwickelung der 
Schieferung zu entsprechen braucht: so kann z. B. ein Wechsel 
von Thonschiefer und Quarzitplatten, ' den man längs einer Strasse 
beobachtet, vielleicht neben der Schichtung keine abweichende 
Spaltungsrichtung oder Schieferung zeigen, während solche etwas 
weiterhin sich deutlich einstellt, mindestens am zwischengelagerten 
Thonschiefer sichtbar wird, an manchen Stellen aber auch sogar 
noch den quarzitischen Theil afficirt 1 ). 

Transversalschieferung; bei den silurischen Schichten. 
Bei den untersten silurischen Schiefern, den Griffelschiefern, ist Trans- 
versalschieferung deutlich vorhanden; wir werden darauf zurück- 
kommen, wenn wir die Streckung dieser Schiefer behandeln werden 2 ). 

Q Um ein bestimmtes Beispiel anzuführen, findet man in dem Wechsel von 
quarzitischen, z. Th. grauwackeähnlichen Lagen und Thonschiefer, den man an 
der Landstrasse im Saargrund, unterhalb Siegmundsburg bis Schirnrod passirt, 
zunächst oben den Thonschiefer nicht oder doch sehr untergeordnet in von der 
Schichtlage abweichender Richtung geschiefert; da, wo die Strasse bei 2025' Dec. 
Höhe knieförmig in ein von N. herkommendes Seitenthälchen einbiegt und in 
reinere Thonschieferschichten eintritt, macht sich, wenn auch nicht in den ersten 
Schichten, doch sehr bald secundäre Schieferung im reineren Thonschiefer geltend 
und setzt in bekannter Weise an härteren Zwischenlagen ab; abwärts, an der 
nächsten Strassenbiegung, tritt man wieder in den an grauwackeähnlichem Quarzit 
reicheren, nicht geschieferten Bereich. Weiter abwärts im Saargrund an der 
Landstrasse und ähnlich an den Gehängen der Südseite, N. vom Blessberg, ist 
der Wechsel von Thonschiefer mit Quarzit z. Th. unvollkommen, z. Th. nur im 
Thonschiefer secundär geschiefert. 

2 ) Die Thuringitzone, welche eigentlich die Basis des Silur bildet, kommt 
wegen ihrer geringen Mächtigkeit hier nicht in Betracht. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 


269 


Der bedeutendere höhere Theil der thüringischen Untersilur- 
schiefer, welcher jedenfalls eine Mächtigkeit von einigen hundert 
Metern besitzt und trotz seines Mangels an Versteinerungen ein 
bemerkenswerthes Glied des Schiefergebirges darstellt, ist nicht 
als Griffelschiefer ausgebildet, sondern stellt einen in Platten und 
Blättern zerfallenden, frisch dunkelblaugrauen, von heterogenen 
Zwischenlager] so gut wie ganz freien Thonschiefer von grosser 
Einförmigkeit dar. Eben wegen dieses Mangels an anders gearte- 
ten Zwischenschichten und an irgendwie charakteristischen Schicht- 
flächen ist es bei dieser Schichtengruppe sehr schwierig, Schich- 
tung und Transversalschieferung auseinanderzuhalten. Mir ist die 
Unterscheidung nicht sicher gelungen, doch bin ich zu dem Urtheil 
gelangt, dass die schieferige Spaltbarkeit und Ablösung, welche 
man an diesem Untersilurschiefer allenthalben wahrnimmt, manch- 
mal Schichtung, an anderen Stellen wieder Transversalschiefe- 
rung ist. 

Dass letztere fehlen sollte, ist nämlich nicht anzunehmen; es 
ist in der That gar kein Grund, warum bei einem so homogenen, 
weichen Schiefer jene secundäre Structur nicht entwickelt sein 
sollte, während sie doch in der liegenden Gruppe, den Griffel- 
schiefern, und wieder in deren Liegendem, den cambrischen 
Schiefern, so unzweideutig sich kundgiebt, und ebenso auch wieder 
im Hangenden, im oberen Silur und im Devon, wenigstens in ge- 
wissen Schichtenfolgen deutlichst wiederkehrt. Andererseits aber 
giebt es Lokalitäten, wo die Orientirung der Schieferspaltung bei 
diesen Untersilurschiefern so sehr abweichend ist von der so con- 
stanten Lage der Transversalschieferung; in der betreffenden Gegend, 
dass man anzunehmen geneigt wird, man habe es hier mit wirk- 
lichen Schichten zu thun, die möglicherweise oder sogar wahr- 
scheinlich in Falten, manchmal recht flache Faltenumbiegungen, 
gelegt sind. 

Wo daher im Bereich dieses Complexes die Absonderung der 
Schieferblätter sich der allgemein herrschenden Lage der Trans- 
versalschieferung accomodirt, habe ich sie für letztere angesehen; 
wo grössere Abweichungen stattfinden, besonders in der Nähe der 
oberen Grenze des Complexes, habe ich Schichtung angenommen. 


270 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


Dass diese verschiedene Anschauung an und für sich statthaft ist, 
geht eben daraus hervor, dass auch in anderen Schichtengruppen, 
welche deutliche Transversalschieferung aufzuweisen haben, letztere 
dennoch nicht durchweg gleiehmässig entwickelt zu sein braucht, 
sondern manchmal die Schichtung verdecken, manchmal durch sie 
Verdeckt werden kann. 

Um dies an einem bestimmten Beispiel vorzuführen, so zeigen 
die Untersilurschiefer an der Landstrasse von Hasenthal nach 
Spechtsbrunn, oberhalb des ersteren Ortes (Blatt Spechtsbrunn der 
Specialkarte) Einfallen nach NW., und ebensolches Einfallen 
herrscht auch in der ganzen, von diesen Schiefern eingenommenen 
Partie nördlich von da. Im ersten Fall wurde dieses Einfallen 
für Schichtung genommen: es stehen hier nämlich die oberen 
Grenzschichten zu den nicht transversal schieferbaren, obersilurischen 
Kieselschiefern an, und diese Grenzschichten sind überdies durch 
flach ellipsoidische oder linsenförmige Scliwefelkiesconcretionen 
charakterisirt, welche durch ihre Lage die Schichtung erkennen 
helfen. Im zweiten Fall, nämlich weiter nördlich, wurde das 
nordwestliche Einfallen für secuudäre Schieferung genommen; die 
Untersilurschiefer breiten sich nämlich liier über einen sehr breiten 
Raum aus, während sie wenig weiter nach SW., jenseits einer 
bedeutenden Verwerfung sich auf einen schmalen Streifen zusam- 
menziehen; und es ist kaum anders anzunehmen, als dass sie jene 
grosse Breite nur durch Vermittelung von Falten erreichen, nicht 
etwa blos durch sehr flaches Einfallen, welches in dieser Ausdehnung 
im Schiefergebirge ganz ungewöhnlich wäre ; wenn nun trotz der 
Faltungen doch nordwestliches Einfällen anhaltend herrscht, so kann 
dies doch wohl nichts anderes sein als secundäre Schieferung ] ). 

x ) Ebenso ist das anhaltende WNW. -Einfallen, welches die Untersilurschiefer 
W. und SW. von Gräfenthal zeigen, wie es scheint, unbedenklich für Trans- 
versalschieferung zu nehmen; denn die Schichtung kann in dieser Gegend un- 
möglich eine solche Constanz zeigen, da nachweislich hier alle Complexe von 
vielfachen Unregelmässigkeiten der Lagerung betroffen sind, wie dies an manchen 
derselben, z. B. den Nereitenschichten oft sehr deutlich zu erkennen ist; über- 
dies herrscht in diesen Gebirgspartieen eine sehr entschieden ausgebildete steil 
WiSTW. einfallende Transversalschieferung, welche z. B. an den Culmdachschiefern 
und den oberdevonischen Knotenkalken sehr deutlich als solche zu erkennen ist. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 271 


An den schwarzen, kohlereichen, obersilurischen Kiese 1- 
und Ct raptolithen schiefem habe ich keine secundäre Schiefe- 
rung bemerkt. Die dickeren und dünneren Lagen und Platten 
dieser Schiefer sind, wie dies bei den Kieselschiefern überhaupt 
nicht selten ist, in Falten von verschiedenem Radius zusammen- 
geschoben, und diese noch im Einzelnen öfters gestaucht und ge- 
knickt, doch, wie die physikalische Beschaffenheit des Materials 
erwarten lässt, nicht weiter geschiefert. 

Auch die starren Bänke des Ocker kalks sind der Trans- 
versalschieferung nicht zugänglich gewesen. Wohl aber kommt 
es vor, dass die Verwerfungen und Verschiebungen, von welchen 
dieser Complex so oft betroffen wurde, indem er den aufstauenden 
und seitlich zusammenschiebenden Kräften nicht in derselben Weise 
folgen konnte, wie die leichter sich biegenden umgebenden Schiefer, 
in derjenigen Richtung liegen, welche auch die Richtung der 
Transversalschieferung in der Nachbarschaft ist. 

Auch bei den oberen Graptolithen sc hiefern wurde keine 
deutliche Transversalschieferung beobachtet; obwohl solche, dem 
Material dieser Schiefer gemäss, hier nicht befremden würde. 

Transversalschieferung bei den devonischen Schich- 
ten. Die unterste Schichtengruppe unseres Devon, der Tentacu- 
liten-Knollenkalk ist für transversale Schieferung zugänglich ge- 
wesen, was auch bei der über die Kalkknollen vorwaltenden, weichen 
Thonschiefermasse dieses Gesteins nicht zu verwundern ist; doch 
ist dasselbe keineswegs überall transversal geschiefert, sondern 
zeigt oft genug nur eine Ablösung, die nach der Schichtenlage. 

So z. B. findet man am Schmiedgrund bei Hämmern (Section 
Steinheid), an dem ostwärts bergan führenden Pfad den Tentacu- 
litenknollenkalk nicht, oder doch nur unmerklich von der Schich- 
tung abweichend geschiefert; gar nicht weit davon, in dem Hohl- 
weg ostwärts vor Hämmern bemerkt man in demselben Gestein 
eine Ablösungsrichtung, nach welcher dasselbe, auch zerfällt, welche 
ein ONO. gerichtetes Streichen und NNW. gerichtetes, ziemlich 
flaches Einfallen zeigt, während die Lage der Kalkknollenreihen 
und der Schiefermittel zwischen denselben nach NO. streicht und 
nach SO. einfällt. Ersteres ist transversale Schieferung;. 


272 


H. Lorutz, über Transversalschieferun: 


Auch in der Umgegend von Gräfenthal, z. B. im Teufelsgrand, 
dann bei Grossneundorf, und dicht bei Gräfenthal, am W eg nach der 
Abdeckerei, findet man transversale Schieferung in diesem Complex; 
die Erscheinung wird dann ähnlich wie beim oberdevonischen 
Knotenkalk, von dem weiter unten die Rede sein wird. Figur 6 
stellt geschieferten Tentaculiten-Knollenkalk von Gräfenthal dar. 

Der aufwärts folgende Complex der Ne reiten schiefer und 
Tentaculitenschiefer bietet für die Entwickelung der secun- 
dären Schieferung im Allgemeinen kein günstiges Feld. Die erst- 
genannten Schichten sind vielfach gestaucht und gekrümmt worden, 
aber nicht gescliiefert; und auch die zwischenliegenden weicheren 
Tentaculitenschiefer, welche jene Unregelmässigkeiten mitmachen 
müssen, lassen selten deutliche Transversalschieferung erkennen. 
In der unteren Partie dieser Schichtengruppe sondern sich manch- 
mal Tentaculiten oder Nereiten führende Thonschieferlagen aus, 
welche als schlechte Dachschiefer gebrochen werden, an diesen 
Schiefern wurde lokal transversale Schieferung beobachtet, anderswo 
aber auch wieder nicht. Die Tentaculitenschiefer zeigen auch 
öfters griffelförmiges Zerfallen. 

Ebensowenig ist in dem mitteldevonischen Wechsel von 
Tuffschiefern, Tuffgrauwacken und Thonschiefern die Transversal- 
schieferung zu bemerkenswerther Entwickelung gelangt. In der 
Regel bemerkt man nur Ablösung nach der eben verlaufenden, 
oder auch Windungen und Biegungen beschreibenden Schichtung; 
ausserdem kommt es wohl vor, dass eine Art von Klüftung vor- 
handen ist, welche, soweit sie in der Richtung der in der Nach- 
barschaft herrschenden Transversalschieferung liegt, letztere ver- 
treten könnte. Wirkliche transversale Schieferung neben der 
Schichtung wurde in Mitteldevonschichten beobachtet am Ausgang 
des Pfmersbachthales x ) in das Oelzetlial (Section Spechtsbrunn), 
in einer Gegend, wo sich erstere überhaupt stark geltend macht. 

Eine grössere Bedeutung als in den vorhergehenden Gruppen 
erlangt dagegen die Transversalschieferung im Oberdevon, 
speciell in den oberdevonischen Knotenkalken. Zwar ptlegt sie 
auch hier nur lokal aufzutreten, doch sind die von ihr bewirkten 

x ) Richtiger als dieser Name der G. -St. -Karte (1 : 25000) ist wohl Mörsbach. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 273 


Erscheinungen bemerkenswerte — Was zunächst die untere Partie 
des Oberdevon betrifft, welche als weiche Schiefer, die mehrfach 
als Wetzschiefer Verwendung gefunden haben, entwickelt ist, so 
zeigt sich hier abweichende Schieferung nicht, oder tritt doch nur 
wenig neben der Schichtung hervor ; deutlich sind beide neben 
einander zu sehen an der Landstrasse von Spechtsbrunn nach 
Gräfenthal, etwas abwärts von der Kniebiegung, welche die Strasse 
in 1 500 Decimalfuss Höhe macht. — Die, einem höheren Horizonte 
angehörigen quarzitischen Lagen des Oberdevon haben sich der 
Transversalschieferung nicht gefügt, und wird dies um so auf- 
fälliger, wenn neben ihnen geschieferte Thonschiefer oder Knollen- 
kalklagen anstehen; wie z. B. bei Gräfenthal, am Bergsteig nach 
Lichtenhain, 300 Decimalfuss Höhe über ersterem Ort, nicht weit 
vor dem alten Culm- Dachschieferbruch. 

Eigenthümlich ist nun das Verhalten der ob er devonischen 
Knolle n k a 1 k e oder K n o t e n k a 1 k e gegenüber den mechanischen 
Einwirkungen der transversalen Schieferung. In vielen, ja man 
kann wohl sagen, den meisten Aufschlüssen macht sich eine ab- 
weichende, secundäre Schieferung neben der durch die Lage der 
Kalkknollen immer deutlich bezeichneten Schichtung nicht geltend ; 
an anderen Stellen wieder ist das um so deutlicher der Fall und 
beiderlei Verhalten kann an ziemlich nahe ^eleo-enen Lokalitäten 
zum Ausdruck kommen. So z. B. zeigt bei Steinach im Steinach- 
thal der Knotenkalk, der an der Strasse im Ort selbst und an 
der Höhe über dem unteren Ende des Orts in Steinbrüchen oder 
Felsen ansteht, keine abweichende Schieferung, während solche 
wenig weiter westlich, an der ersten Biegung des Seitenthals, 
welches am unteren Ende von Steinach von rechts her mündet, sehr 
deutlich wird. (Vergl. Fig. 1.) Deutliche Transversalschieferung 
ist ferner z. B. vorhanden an den oberdevonischen Knotenkalken, 
welche an der Landstrasse von Gräfenthal nach Spechtsbrunn, 
gleich oberhalb der starken Einbiegung der Strasse bei 1 500 Dec.- 
Fuss Höhenlage, auf eine gewisse Strecke anhaltend anstehen; 
nur tritt sie hier — und so mag es auch an anderen Lokalitäten 
sich wiederholen — nicht in der ganzen Strecke mit gleicher 
Deutlichkeit hervor, weil die Schichtenlage wechselt und so mit 

18 


274 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


der constanteren Schieferungslage ganz oder nahezu Zusammen- 
fällen kann. 

Secundär geschiefert zeigen sich diese Knotenkalke ferner im 
Oelzethal unterhalb Friedrichsthal (nicht oberhalb), und nicht weit 
davon im Mörsbachthal (grossentheils) , ferner bei Buchbach bei 
Gräfenthal und an anderen Stellen ; während sich in den Stein- 
brüchen bei Haselbach u. s. w. keine solche Schieferune: neben 

<ü> 

der Schichtung zu erkennen giebt. Man bemerkt, dass die trans- 
versale Schieferung dann leichter zur Ausbildung kommt und 
deutlich wird, wenn die Kalkknollenlagen durch hinlänglich breite 
Zwischenmittel des grünlichen, mit ihnen verwachsenen Thon- 
scliiefers getrennt sind, während sie sich in den dicht mit Kalk- 
knoten erfüllten Bänken nicht oder kaum hat ausbilden können. 

Die einzelnen Kalkknoten oder -linsen sind bei den erwähnten 
geschieferten Vorkommnissen nicht aus ihrer ursprünglichen Lage 
gedreht, sie liegen nach wie vor mit ihrer langen Dimension in 
der Richtung der Schichtenlage, können aber mit Beibehaltung 
dieser Lage in der Richtung der schräg durchsetzenden Trans- 
versalschieferung ein wenig gegen einander verschoben sein 1 ); 
vergl. Figuren 2 und 3; die transversale Schieferung stösst an den 
Kalkknoten ab, und dringt kaum in sie ein; in dieser Richtung 
spaltet das Gestein besser als in der Schichtenlage, nach welcher 
meist nur unter Vermittelung der Hohlräume, welche der ausge- 
witterte Kalk hinterlässt, Spaltbarkeit stattfindet. 

Es kommt nun aber bei den Oberdevon-Knollenkalken noch 
ein weitergehender Grad von transversaler Schieferung vor, welcher 
sich darin offenbart, dass die einzelnen Kalkkörper aus ihrer ur- 
sprünglichen Lage, welche natürlich der Schichtungslage entspricht, 
herausgedreht wurden, so dass sie nunmehr mit ihrer langen Di- 
mension in der Richtung der Schieferung liegen. Es wurde dieses 
Verhalten namentlich an den obersten oberdevonischen Knollen- 
kalken mehrmals wahrgenommen, welche über den quarzitischen 

Auch Liebe erwähnt, Erläuterung zu Section Pörmitz der geol. Spiecial- 
karte von Preussen und den Thüring. Staaten, 1881, dass die Kalkknoten der 
oberdevonischen Knotenkalke bisweilen aus ihrer ursprünglichen Lage heraus gegen 
einander verschoben seien. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 275 


Schichten an der Grenze zu den Dachschiefern des unteren Culin 
liegen. Diese Knollenkalklagen, deren Zahl 50 übersteigen kann, 
sind durch breitere Zwischenmittel eines dunkleren, und dadurch 
dem Cuhnschiefer schon ähnlichen Thonschiefers getrennt, und 
verhalten sich eigentlich mehr als Kalkplatten, welche Platten aber 
aus einzelnen, mit einander verwachsenen, resp. durch Thonschiefer- 
masse flaserig getrennten Theilstftcken von beiläufig lang sphäroi- 
discher, oder spindelförmiger Gestalt bestehen ; eben diese Theil- 
stücke sind es nun, welche mitunter durch den mechanischen 
Effect der Transversalschieferung aus ihrer Lage gedreht sind und 
nun alle mit der längsten Dimension parallel in der Schieferungs- 
richtung liegen, so dass ihr ursprünglicher Zusammenhang durch 
von den Seiten her zwischeneingedrungene Schiefermasse aufge- 
hoben ist; die Kalkstücke selbst brauchen dabei in ihrer Form 
keineswegs geändert zu sein und zeigen auch sonst keine Brüche. 

Dieses Verhalten lässt sich z. B. auf der Höhe östlich von 
Steinach auf dem Bergsteig beobachten, da, wo dieser in 1600 Dec.- 
Fuss Höhe eine ONO. -Richtung angenommen hat: so lange die 
veränderliche und in Falten geschlagene Schichtung zufällig in die 
constante Lage der Transversalschieferung hineinfällt, sieht man 
zusammenhängende Kalkknollenlagen oder -platten; sobald sich 
jene gedreht hat und einen, wenn auch nicht grossen Winkel mit 
der Richtung der Schieferung macht, sieht man isolirte parallele 
Kalkknollen 1 ). Die Figuren 4 und 5 stellen dieses Verhalten dar. 

Ganz dasselbe, wie hier bei Steinach, sieht man, fast noch 
besser, bei Gräfenthal, in 1400 Dec. -Fuss Höhe, an dem Berg- 
weg, der von dort in SSW. -Richtung bergauf führt, eine Strecke, 
ehe man an den alten Culm-Dachschieferbruch kommt; auch schon 
an dem unteren Knotenkalkhorizont, der, durch eine quarzitische 
Zone von jenem oberen getrennt, Bänke mit kleineren und ge- 


0 Durch Verwitterung lösen sich die Kalkknollen endlich zu braunem Mulm 
auf. — An der genannten Lokalität lässt sich noch eine andere Beobachtung an- 
stellen: da, wo die kalkigen Platten, also die Schichtung mit der Transversal- 
schieferung zusammenfällt, zerfällt das Gestein in Blätter und Plättchen; in 
dem Maasse als die Schichtlage sich gegen die Schieferung dreht, zerfällt es 
griffelförmig. 


18 


276 


H. Lorktz, über Transversalschieferung 


drängt liegenden Kalkknoten enthält, scheinen an diesem Wege, 
ausnahmsweise, einzelne dieser Kalkkörper in der Schieferungs- 
richtung zu liegen. — Auch an der Ostseite des Thaies S. von 
Buchbach bei Gbräfenthal, an dem Steig, der etwa 500 Schritt vom 
Südende genannten Dorfes bergan führt, wiederholt sich die be- 
schriebene Erscheinung. 

Transversalschieferung in den Culmschichten. Die 
untere Partie des Culm wird in Thüringen und weiterhin in 
der Hauptsache durch einen dunkelen Thonschiefer gebildet, welcher 
für die Transversalschieferung sehr zugänglich gewesen ist; es 
lässt sich behaupten, dass dieser Schiefer durchweg secundär ge- 
schiefert ist, wobei natürlich, wie sonst, diese Schieferung auch 
stellenweise mit der Schichtenlage coincidiren kann. An einigen 
Stellen zerfällt dieser Thonschiefer griffelig und wird sogar hie 
und da zu Griffeln benutzt, worauf wir zurückkommen werden; 
im Uebrigen zerfällt er in Platten und findet an vielen Orten als 
Dachschiefer Verwendung, dessen Qualität allerdings erst weiter 
östlich, in den bekannten grossen Brüchen von Lehesten sich zu 
einer vorzüglichen erhebt ; es bedarf kaum der Bemerkung, dass 
diese Dachplatten ihr natürliches Lager in der transversalen 
Schieferung haben. Die Schichtung ist sehr gewöhnlich in Ge- 
wölbe und Falten, ja mitunter in zickzackförmige Knicke gelegt, 
lässt sich incless nicht allenthalben gut neben der sie verdeckenden 
secundären Schieferung wiedererkennen. 

Weit weniger, als im unteren Culm, macht sich die trans- 
versale Schieferung im oberen Culm geltend, welcher aus Grau- 
wackebänken und Thonschiefer zusammengesetzt ist. Selten wird 
es in dieser Abtheilung dazu kommen, dass die vielfachen Sattel- 
und Muldenbiegungen der Schichten durch Transversalschieferung 
verdeckt würden, höchstens könnte dies einmal bei stärker ent- 
wickelten Thonschiefern, nie bei Grauwacke sein. Sehr oft aber 
tritt abweichende Schieferung in den Thonschiefern, oder auch in 
einem Wechsel von Thonschiefer mit Grauwacke neben der 
Schichtung und ihren Faltenbiegungen hervor, manchmal ganz 
untergeordnet, manchmal stärker, manchmal so, dass beiderlei Ab- 
lösungen sozusagen im Gleichgewicht sind, doch von Stelle zu 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 277 


Stelle, oder von Strecke zu Strecke in ihrem Ausbildungsgrade 
wechselnd. Es bedarf keiner ausführlicheren Herzählung von Lokali- 
täten, um dies im Einzelnen nachzuweisen; ein aufmerksamer Gang 
durch das Steinachthal, von Steinach abwärts bis zum Austritt 
aus dem Gebirge, oder durch das Rögitzthal abwärts von Hasel- 
bach, das Oelsethal abwärts von Friedrichsthal, oder das Tettau- 
thal von Tettau nach Heinersdorf, wird das oben im Allgemeinen 
Angeführte im Einzelnen bestätigen können. In den reineren 
Grauwackedistrikten, wie in der Partie von Sonneberg über das 
untere Steinach- und Tettauthal nach Stockheim und Rothen- 
kirchen, fehlt Transversalschieferung fast ganz, äussert sich aber 
doch manchmal in den Grauwackebänken in Form einer Quer- 
klüftung. Dagegen kann sie in den allerdings beschränkten reineren 
Thonschieferdistrikten, wie gesagt, recht ausgebildet sein; ein Bei- 
spiel hierfür giebt. das Röthathal, in seinem Verlauf bis zur unteren 
Grenze des oberen Culm, übeihaupt die ganze benachbarte Culm- 
partie bis zum vorderen Gebirgsrand auf Section Neustadt. ■ — 
Manche Stellen geben Gelegenheit, auch an den Schiefern des 
oberen Culm die Beobachtung zu wiederholen, dass Interferenz 
von Schiehtungs- und Schieferungsablösung ein scheitförmiges oder 
grob griffelförmiges Abspringen und Zerfallen des Gesteins be- 
wirken kann, und es ist anzunehmen, dass dies besonders dann 
stattfinden wird, wenn die Ablösung in beiderlei Richtung gleich 
gut von statten geht. 

Nach diesem Ueberblick über das Vorkommen der transver- 
salen Schieferung bei den einzelnen Systemen können wir unsere 
eingangs ausgesprochene Behauptung wiederholen, dass diese 
mechanische Einwirkung auf die Schichten zwar über den ganzen 
Raum des Schiefergebirges hin verbreitet ist, dabei aber doch bei 
den einzelnen Systemen und deren Abtheilungen zu einer sehr 
ungleichen Ausbildung gelangt ist, welche von völliger Abwesen- 
heit bis zur grössten Vollkommenheit geht; und ferner, dass eine 
solche, wenn auch minder grosse, und örtlich oder regional sich 
äussernde Ungleichheit sogar bei den einzelnen Abtlieilungen oder 
doch einigen derselben besteht. 


278 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


Woher kommt nun diese Verschiedenheit in der Ausbildung 
der secundären Schieferung? Verhielten sich die einzelnen petro- 
graphisch verschiedenen Schichtensysteme in Bezug auf diese 
mechanische Umänderung in sich selbst überall gleich, so liesse 
sich behaupten, dass nur ihre physikalische Beschaffenheit prä- 
disponireud für den Grad oder Ausfall der secundären Schieferung 
gewesen sei. Wir haben nun aber gesehen, dass eine solche 
Gleichheit nur bei gewissen Systemen annähernd besteht, so bei 
den cambrisclien und unteren Culmdachschiefern, bei anderen 
Systemen aber nicht, so beim oberen Culm. Wir müssen also 
annehmen, dass auch ungleich starke, oder lokal und regional 
ungleich vertheilte seitliche Pressungen zu obigem Resultate bei- 
getragen haben. Ob sich solche Ungleichheiten in anderer Weise 
wieder ausgleichen müssen, etwa durch vermehrte Faltung und 
Stauchung oder sonstige mechanische Beanspruchungen, so dass 
doch durchweg annähernd dieselbe mechanische Leistung des 
Latraldrueks resultirt, ist sehr schwer zu sagen und kaum möglich 

O O 

zu beweisen ; man kann es nur vermuthen. 


Richtung und Lage der Transversalschieferung. 

Die Streichlinie der Transversalschieferung weicht im thürin- 
gischen Schiefergebirge — soweit dasselbe unsererseits untersucht 
wurde — von der Streichlinie der Schichtung, resp. dem mittleren 
Streichen der Schichtenzüge und ihrer Falten, gewöhnlich etwas 
ab, wenn auch nicht immer sehr beträchtlich, doch merklich genug. 

Lassen wir das Gebiet der ältesten Schieferzonen, der phylli- 
tischen und halbphyllitisclien (welches sich besonders auf den 
Sectionen Eisfeld , Masserberg und auch noch einem Theil 
von Section Breitenbach vorfindet) hier ausser Betracht, da dort 
die Transversalschieferung sich wenig geltend macht, so können 
wir auf Grund sehr zahlreicher Beobachtungen resp. Compass- 
ablesungen sagen, dass in dem ostwärts folgenden Gebiet, in der 
ganzen Schieferfolge von den cambrisclien Thonschiefern und Quar- 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 279 


ziten bis in die Thonschiefer und Grauwacken des oberen Cnlm 
das Streichen der Transversalschieferung fast stets sich der Rich- 
tung ONO. nähert, während das Streichen der Schichten mehr mit 
der Richtung NO. zusammenfällt. — Dieser Satz gilt indess nur 
für das Gebiet, wo sich in der Anordnung der Schichtenzüge die 
SW. — NO. tektonische Richtung als durchaus vorherrschend zeigt, 
während wir etwas weiterhin, wo neben dieser Richtung die 
kreuzende SO. — NW. tektonische Richtung als gleichberechtigt sich 
geltend macht, ein anderes Verhalten finden, wie noch näher an- 
gegeben werden wird. 

Die nordöstliche Anordnung der aufgestauten Schichtenfolgen in 
Verbindung mit ostnordöstlichem Verlauf der Transversalschieferung 
tritt besonders im Bereich der Sectionen Breitenbach, Steinheid, 
Spechtsbrunn, auch noch eines Theils von Section Gräfenthal 
hervor, und gilt, wie gesagt, vom Cambrium bis in den Culm, 
soweit eben deutliche Transversalschieferung vorhanden ist. Ab- 
weichungen von der im Allgemeinen SW. — NO. laufenden Richtungs- 
linie der Schichtenfalten etc., in Gestalt von Querverwerfungen u. s. f. 
fehlen in diesem Gebiet nicht ganz, aber jene tektonische Linie 
dominirt. Das Streichen der Transversalschieferung nähert sich 
meist der Richtung ONO., überschreitet dieselbe auch wohl noch 
und nähert sich fast der W. — O. -Linie; absolute Constanz ist darin 
natürlich nicht vorhanden, und da solche auch bei der Streichlinie 
der Schichten nicht sein kann, so weichen diese beiden Streichlinien 
bald um einen grösseren, bald um einen kleineren Winkel von ein- 
ander ab. Das Einfallen der Transversalschieferung ist in diesem 
Gebiet fast immer ein nordwestliches, oder vielmehr ein nach NNW. 
gerichtetes, mit den entsprechenden kleinen Abweichungen nach NW. 
bis fast N. ; nur ausnahmsweise wurde eine Abweichung des Ein- 
fallens von NW. nach W. zu beobachtet, ein Hinaustreten der Ein- 
fallrichtung aus dem Quadranten W. — N. jedoch nie. Der Grad 
des Einfallens bleibt sich nicht gleich; sehr oft ist das Einfallen 
steil, bis sehr steil, steiler als das der Schichtung, aber es kommen 
auch flachere Einfallwinkel, z. B. 40°, 30° vor. Die grössere Con- 
stanz der Transversalschieferung gegenüber der Schichtung tritt 
besonders in der genannten Richtung des Einfallens hervor; 


280 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


dem gegenüber bringen die vielfachen Umbiegungen und Falten 
der Schichten öfters ein südöstliches oder sonst abweichendes Ein- 
fallen für die Schichtung hervor. 

Anders ist dagegen die Transversalschieferung, wie gesagt, in 
der weiter nach O. gelegenen Gebirgspartie orientirt, wo in der 
Anordnung der Schichtenzüge neben der tektonischen Linie SW. 
— NO. die kreuzende Linie SO. — NW. gleichwerthig hervortritt, 
und infolge davon auch grosse Unregelmässigkeiten der Lagerung 
zu Stande gekommen sind. Soweit unsere Beobachtungen reichen, 
gilt dies namentlich für den südöstlichen Winkel von Section 
Gräfenthal und den anstossenden NO. -Winkel von Section Spechts- 
brunn. (Umgegend von Gräfenthal, Buchbach, Lichtenhain, Partie 
um die Landstrasse vom Rennsteig abwärts nach Gräfenthal.) Man 
findet hier allenthalben die Transversalschieferung so orientirt, dass 
ihr Streichen ein nordnordöstliches und ihr Einfallen ein westnord- 
westliches, mitunter fast westliches ist, mit meist steilem bis sehr 
steilem Einfallswinkel. 

Eine ganz befriedigende Erklärung für die abweichende Lage 
der Schieferung gegenüber der Schichtung, sowie für ihre Orien- 
tirung an den verschiedenen Stellen zu geben, ist schwierig. Die 
jetzt wohl allgemein getheilte Auffassung geht dahin, die Schieferung, 
wie schon die Schichtenaufstauung und -Faltung von dem in 
der äusseren Erdrinde wirksamen Lateraldruck abzuleiten. Wir 
wissen nun, dass die Wirkungen desselben sich in vielen Gebirgen 
nach mehreren Richtungen geäussert und in diesen Richtungen zu 
verschiedenen Zeiten wiederholt haben, einmal in dieser, ein ander- 
mal in jener Richtung. Gilt dies schon von qualitativ gleichen 
Aeusserungen des Seitenschubes, wie von Aufstauung und Faltung, 
so wird es nicht minder von qualitativ verschiedenen Aeusserungen 
gelten, von Faltung einerseits und Schieferung andererseits. Und 
insofern werden wir die mit dem Schichtenstreichen nicht zu- 
sammenfallenden Streichlinien der Schieferung unserer Gebirgs- 
gegenden von anders gerichteten Aeusserungen des allgemeinen 
Seitendrucks ableiten dürfen, welche wahrscheinlich zu einer Zeit 
eintraten, als der Schichtenbau schon aufgerichtet und gefaltet 
war, welche aber, wie wir weiter oben sahen, die einzelnen Tlieile 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 281 


des Ganzen nicht ganz gleichmässig betrafen. Ob sich in den oben 
bezeichneten Streichlinien der Schieferung vielleicht gewisse Mittel- 
kräfte von solchen Kräften kundgeben, welchen die beiden tekto- 
nischen Faltungsrichtungen entsprechen, wagen wir kaum zu be- 
haupten. 

Wenn wir das Einfallen der Schieferung, wie in so vielen 
anderen Gegenden, in der Regel nicht vertical, sondern mehr oder 
minder steil geneigt finden, so weist dies darauf hin, dass wir sie 
zunächst nicht von einem reinen Horizontaldruck abzuleiten haben, 
sondern eher von selbst schon abgeleiteten Seitenpressungen oder 
regionalen Modificationen des Horizontalschubes, auf deren Rich- 
tung wahrscheinlich die Gestalt und Lage der bereits aufgestauten 
Schichtenmassen oder Gebirgskörper bestimmend einwirkten. 

Ein anderer Erklärungsversuch wäre der, die nicht verticale 
Stellung der Schieferung als eine secundäre, erst durch spätere 
Bewegungen resp. Hebungen und Senkungen erreichte aufzufassen; 
diese Erklärung würde jedoch an den durchaus nicht immerklichen 
Wechseln in der Lage der Schieferung von Strecke zu Strecke 
Schwierigkeiten finden. 


Der untersilurische GriffeSscliiefer und seine lineare 

Streckung. 

Der untersilurische Griffelschiefer, wie er in der Gegend von 
Hämmern, Steinach, Ilaselbach, Hasenthal und Spechtsbrunn im 
südlichen Theil des thüringischen Schiefergebirges sich entwickelt 
findet, ist ein dunkelblau-schwarzer Thonschiefer von sehr gleich- 
mässiger und weicher Beschaffenheit, welche ihn, in Verbindung 
mit seiner fast faserigen Textur, zu einem so besonders geeigneten 
Material für Schreibgriffel macht, und die Veranlassung zu seiner 
ausgedehnten Gewinnung in einer grösseren Zahl bedeutender 
Steinbrüche gewesen ist. Transversale Schieferung und lineare 
Streckung lassen sich an diesem Schiefer neben einander und un- 


282 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


abhängig von der ursprünglichen Schichtung in den genannten 
günstigen Aufschlüssen erkennen; zu ihnen tritt noch eine mehr- 
fache Zerklüftung des Gesteins. Es ist nicht etwa nur die Inter- 
ferenz zweier Schieferungsrichtungen oder die Interferenz der 
Schichtung mit den Schieferungsrichtungen — wie solche mitunter 
ein Ablösen des Gesteins in parallelepipedischen oder Stengeligen 
Stücken bewirken — , was die hier vorliegende Griffelung zuwege 
bringt; sondern eine noch weiter gehende, auf mechanischem Wege 
in das Gestein eingeführte Structur, wie im Folgenden näher ge- 
zeigt werden soll; denn gerade für diesen Griffelschiefer, wenigstens 
grössere Partieen desselben, liegen recht augenscheinliche Anzeichen 
für einen wirklichen Streckungsvorgang im Gestein vor. 

Etwas schwieriger als Klüftung und Schieferung ist bei diesem 
Griffelschiefer in der Pegel die Lage der ursprünglichen Schichtung 
zu erkennen. Sie tritt hinter jenen zurück und hat von vorn herein 
in dem gleichmässig beschaffenen Sediment, in welchem sich nur 
selten heterogene Lagen und an Masse nur geringfügige heterogene 

ö o o o o o o 

Mineralbildungen vorfinden, öfters nur einen mangelhaften Aus- 
druck gefunden 1 ). Doch gelingt es im Ganzen ohne Schwierig- 
keit, an verschiedenen Merkmalen die Schichtflächen zu entdecken 2 ), 
und solche zeigen sich dann in bekannter Weise, durch Interferenz 
mit der leichter kenntlichen und in unzweideutigster Weise vor- 
liandenen Transversalschieferung, höckerig, gegriffelt oder abge- 
treppt und so zerschnitten, dass man keine grösseren, zusammen- 
hängenden Platten in ihrer Richtung erhalten kann. 

Wo sich solche Schichtflächen oder Schichtungslinien an 
grösseren Steinbruchswänden etwas weiter verfolgen lassen, sind 
mitunter Biegungen und Faltungen der Schichtung zu constatiren, 

O ö o O 

welche von der eonstant parallel bleibenden Schieferung durchsetzt 
werden. 


x ) Es fehlt, im Griffelschiefer doch nicht ganz an einem durch geringfügige 
Unterschiede in der Färbung bezeichneteu Wechsel in der Schichtungslage, 
wenigstens ist ein solcher hie und da zu bemerken. 

2 ) In einzelnen Fällen treten die Schichtflächen sogar mit derselben Deutlich- 
keit hervor, wie die Flächen der Transversalschieferung, so z. B. hie und da in 
dem obersten, alten Griffelbruch am Fellberg. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 283 


Zur sicheren Erkennung der Schichtungsflächen sind nun ganz 
besonders wichtig die Einlagerungen von Pyrit- oder Markasit- 
knollen, welche sich mitunter in grosser Anzahl auf solchen Flächen 
versammelt vorfinden. 

Auch abgesehen von den Schichtungsflächen sind Knollen und 
Concretionen von Schwefelkies durch die Masse dieses Schiefer- 
gesteins hindurch sehr verbreitet, in Form einzelner oder in Menge 
zusammengruppirter Krystalle oder zu Concretionen verwachsener 
krystallinischer Aggregate; theils auch in Form grösserer sphäroi- 
discher Linsen oder Concretionen von Pyrit mit quarzitischer Masse 
und Quarz (die sog. Kälber oder Kieskälber der Steinbrecher); 
und wenn schon im Allgemeinen solche Bildungen eine Anordnung 
oder Reihung in der Schichtungsrichtung erwarten lassen und 
wirklich zeigen, so wird insbesondere eine Ablösungsfläche, 
auf welcher sich solche Schwefeleisenknollen in Menge neben- 
einander finden, unzweifelhaft als ursprüngliche Schichtfläche be- 
zeichnet, wie auch sonst die deutlicheren Schieferungs- und 
Klüftungsflächen liegen mögen *). 

Sehr häufig nun ist mit diesen krystallinischen Schwefeleisen- 
concretionen Faser quarz verwachsen, neben und mit welchem 
öfters auch ein weisses (bis schwachgrünliches), sehr weiches, 
seiden- bis perlmutterglänzendes, ebenfalls faseriges Mineral vor- 
kommt, welches mit dem, dem Pyrophyllit nahe stehenden Clüm- 
belit identisch sein dürfte 2 ). Bei näherer Untersuchung stellt sich 

*) Mitunter treten die Markasit-Concretionen auf gewissen Schichtflächen so 
dicht zusammen, dass sie förmliche Schwarten bilden, deren fest mit anhaftender 
Thonschiefersubstanz verwachsene Oberflächen in eigenthümlicher Weise wulstig 
erscheinen, indem die Concretionen dicht aneinander fast im Quineunx gestellt 
sind; solche wurden z. B. in einem Griffelbruch am Steinheider Berg bei Steinach 
beobachtet; sie wiederholen sich ebenso im unteren Culmschiefer. 

Die Verwitterung des reichlich vorhandenen Schwefelkies resp. Markasit ist 
auch der Grund der so oft den Griffelschiefer auf Klüften überziehenden rothen 
Farbe; ein anderes Eisenmineral fehlt eben im Griffelschiefer. An frei der At- 
mosphäre ausgesetzten Schichtflächen sieht man die Markasitknollen meist in 
Rotheisen verwandelt. 

2 ) Bei vergleichenden Löthrohrversuchen ergaben sich bei diesem Mineral 
(Proben von Griffelbrüchen bei Steinach, sowie aus Griffelschiefer des unteren 
Culm bei Haselbach, wo ganz dasselbe Mineral an Markasitknollen faserig ansitzt) 


284 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


immer heraus, dass die Fasern des Faserquarzes (und jenes 
anderen Minerals) in derselben Richtung laufen, wie- die faserige 
oder griflelige Structur des umgebenden Schiefers. 

Mit besonderer Deutlichkeit wurde die Faserquarzbildung und 
ihre erwähnte Lage in dem grossen Gritfelbruch am Fellberg bei 
Steinach beobachtet, wo der Betrieb öfters solche Flächen mit 
Markasitknollen, denen Faserquarz ansitzt, blosslegt; die nähere 
Untersuchung eines solchen Vorkommens zeigt, dass die Faser- 
quarzbildung mit den Streckungsvorgängen, denen diese Schiefer- 
partie unzweifelhaft ausgesetzt gewesen ist, in engstem Zusammen- 
hang steht, dieselben gleichsam erläutert; und es möge daher dieses 
Vorkommen mit den sich daraus ergebenden Schlüssen näher er- 
örtert werden. 

Die Schwefeleisenknollen, die auf diesen Flächen in Menge 
liegen, sind bis faustgross und kleiner, haben eine rundliche, kugelige 
oder häufig flach sphäroidische und unregelmässig platt knollige 
Gestalt; das Schwefeleisen ist durch Oxydation fast durchweg in 
rothes Eisenoxyd übergeführt 1 ). 

Diese Schwefeleisenknollen sind es, welche auch hier die Basis 
für eine secundäre Quarzbildung abgegeben haben, und zwar stellt 
sich der Quarz entweder durchaus als Faserquarz mit z. Th. höchst 


und bei Gümbelit (Proben aus Graptolithenschiefer von Hämmern, wo der Güm- 
belit z. Th. mehr schuppig ist) dieselben Reaktionen. 

Der Gümbelit tritt u. a. als Yersteinerungsmittel von Graptolithen auf und 
ist auch sonst im Schiefergebirge sehr verbreitet. Siehe Gümbel , Geog. Beschr. 
d. Fichtelgebirges, Sachregister. 

*) Dies geht so weit, dass kleine Proben bei der Löthrohrprüfung keine 
Reaktion auf Schwefel mehr geben ; doch können dabei, nach erfolgter Weglösung 
des Oxyds durch längere Behandlung mit Salzsäure, am Rande, wo der um- 
gebende Quarz beginnt, noch kleine Schwefelkiesreste vorhanden sein, häufiger 
gewahrt man hier nur im Quarz die Eindrücke kleiner verschwundener Würfel 
mit gestreiften Fachen. Das strahlige Gefüge, welches in dem die Stelle des 
zerstörten Schwefeleisens einnehmenden Eisenoxyd öfters hervortritt, lässt für 
solche Partieen mehr die frühere Anwesenheit von Markasit als von Pyrit an- 
nehmen. Uebrigens schliesst die Gegenwart des einen der beiden Mineralien die 
des andern nicht aus, da beide in Verwachsung Vorkommen können. 

Nach Richter, »Das Thüring. Schiefergebirg « , Zeitschr. d. D. geol. Ges. 
XXI, 1869, p. 442, bestehen die Schwefeleisenellipsoide des Griffelschiefers nur 
ausnahmsweise aus Pyrit, in der Regel aus Markasit. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 285 


feinfaseriger Structur dar, oder zeigt sich doch wenigstens äusser- 
lich am Contakt mit dem umgebenden Schiefer faserig. Die Faser- 
quarzbildung ist von zwei gegenüberliegenden Seiten eines Knollens 
ausgehend nach entgegengesetzter Richtung in der Weise vorge- 
schritten, dass alle Fasern annähernd parallel laufen, nicht nur 
an ein und demselben Knollen, sondern überhaupt bei allen, soweit 
solche auf der entblössten Schichtfläche zu bemerken sind. In der 
Richtung quer zur Richtung der Fasern bleiben die Knollen von 
dem Quarzansatz mehr oder weniger weit frei, je nach der Ge- 
stalt des Knollens und der Möglichkeit des Eindringens der Kiesel- 
säure haltenden Lösung zwischen Kiesknollen und einschliessendem 
Thonschiefer in später näher anzugebender Weise. (Körperlich 
betrachtet umschliesst der Quarz den Schwefeleisenknollen unregel- 
mässig schalenförmig und breitet sich seitlich auf demselben zu 
einer sehr dünnen Schicht aus, während er sich nach dem andern 
Ende hin zu einem geschlossenen Faserbündel etwas verjüngt; der 
von Quarz freibleibende Theil des Knollens ist eine Art sehr un- 
regelmässig verlaufender Ringfläche.) Die Figuren 8 a und 8 b 
zeigen derartige, zu Oxyd verwitterte Schwefeleisenknollen mit 
Faserquarzansätzen in natürlicher Grösse. Figur 7 zeigt, ver- 
kleinert, ein Stück einer mit solchen Knollen bedeckten Schicht- 
fläche; alle Fasern des Quarzes laufen hier in derselben Richtung, 
welche zugleich die Griflellage ist. In Wirklichkeit ist wegen des 

o o o 

alle Theile der Schichtflächen überziehenden und färbenden Eisen- 
oxyds die Erscheinung etwas verundeutlicht. 

Wir können, wie schon bemerkt, für diese Faserquarzmasse 
nur eine secundäre Entstehungsweise annehmen; als ursprüngliche 
Bildung, die gleichzeitig mit der Bildung oder Concentration der 
Schwefeleisenknollen im Thonschiefer erfolgt wäre, sind sie unver- 
ständlich. In der That kommen, wie angeführt, auch anderweitige 
Concretionen im Schiefer vor, bei welchen man es mehr mit con- 
centrisch angeordneten Verwachsungen von Schwefelkies und 
quarziger oder besser quarzitischer Masse zu thun hat, und welche, 
wie nicht minder die krystallinischen Gruppen und Knollen von 
Schwefeleisen an und für sich (ohne Faserquarz betrachtet) alle 
Merkmale jener knolligen oder sphäroidischen Concretionen be- 


286 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


sitzen, wie sie in Thonschiefer und auch anderen Schichtgesteinen 
so häufig als ursprünglich eingebettete Mineralbildungen Vor- 
kommen ; solche Concretionen werden aber, neben ihrer im All- 
gemeinen concentrischen Anordnung, seihst wenn der Druck des 
successive aufgelagerten Sediments auf ihre Anordnung und Ge- 
stalt noch von Einfluss gewesen sein sollte, immer eine in der 
Fläche der Schichtung ziemlich gleichförmig ausgedehnte oder 
abgeplattete Gestalt besitzen, nicht aber nach ein und derselben 
bestimmten Richtung in der Schichtungsebene alle eine Ver- 
längerung oder Streckung oder lineare Parallelstructur annehmen 
können, wie dies gerade bei jenen Faserquarzansätzen der Schwefel- 
eisenknollen in so auffallender Weise hervortritt. 

Da ferner so wenig wie diese Faserquarzansätze selbst, auch 
der von ihnen eingenommene Raum ursprünglich vorhanden ge- 
wesen sein kann, — denn die Concretionen müssen der Natur 
der Sache nach und wie in allen solchen Fällen von dem um- 
gebenden Sediment dicht umschlossen gewesen sein, — so muss 
für diesen Raum und seine Ausfüllung eine spätere Entstehung 
angenommen werden. Es verhält sich somit diese Bildung eiuiger- 
maassen wie eine von Quarz erfüllte Kluft oder Gangspalte im 
Gestein. Indess liegt es auf der Hand, dass die mechanischen 
Bedingungen, welche zur Herstellung jener Discontinuitäten ge- 
führt haben, die zwischen dem Pyrit resp. Markasit und dem 
Thonschiefer bei jeder Concretion in ganz gleicher Weise sich 
wiederholen, andere gewesen sein müssen, als diejenigen, welche 
das Gestein durchsetzende Sprünge oder Klüfte zur Folge haben. 
Vielmehr ist die in Rede stehende Faserquarzbildung ein augen- 
scheinlicher Beweis von Streckungsvorgängen, die in diesen Schiefer- 
schichten nach einer ganz bestimmmten Richtung — eben der 
Richtung in welcher die Fasern verlaufen — stattgefunden haben. 

Es lässt sich dies etwa wie folgt näher begründen. Was 
zunächst den Streckungsvorgang als solchen betrifft, so ist der- 
selbe eine Wirkung starken Drucks, oder genauer wahrscheinlich 
eiue Art der Aeusserungen des Lateraldrucks in der äusseren 
Erdrinde, und besteht derselbe in einer grossen Summe kleiner 
und kleinster gleich gerichteter Verschiebungen, welche durch die 

O ö o 7 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 


287 


ganze Masse des Gesteins hindurch von Theilchen zu Theilclien 
stattfanden, resp. sich durch eine gewisse, vielleicht längere Zeit 
wiederholten. Beim Eintritt dieses Streckungsvorgangs nun musste 
sofort der grosse Unterschied in der physikalischen Beschaffenheit 
des Pyrits oder Markasits und des ihn einschliessenden Tlion- 
schiefers zur Geltung kommen: Die Massentheilchen des krystal- 
linisch starren Schwefeleisens konnten der streckenden Bewegung 
nicht in dem Maasse folgen, als die leichter an einander zu ver- 
schiebenden Theilchen des weichen, nicht krystallinischen Thon- 
schiefers, sie blieben wegen der überwiegenden krystallinischen 
Cohäsion im anfänglichen Zusammenhang, während die Schiefer- 
theilehen in der Bewegung oder Verschiebung voranschritten. So 
musste eine Discontinuität zwischen Schiefer und Pyrit in der 
Richtung der Bewegung, d. i. zugleich auf denjenigen Seiten der 
Pyritknollen, welche am wenigsten dem Druck ausgesetzt waren, 
entstehen, und in dieser Discontinuität konnte in dem Maass als 
sie entstand und sich vergrösserte, nach Art irgend welcher andern 
Secretionen in hohlen Räumen Kieselsäure aus Lösung auskrystal- 
lisiren. Die faserige Textur der auskrystallisirten Kieselsäure giebt 
zugleich einen Beweis für das nur allmähliche Voranschreiten des 
Vorgangs; hätte der Hohlraum zwischen Schwefelkies und Thon- 
schiefer sich wesentlich schneller gebildet als seine Ausfüllung, 
oder wäre die Kieselsäure in den schon fertig gebildeten Hohl- 
raum auskrystallisirt , so würden wir eine körnig krystallinisclie 
oder eine in concentrischen Lagen erfolgte Ausfüllung des Hohl- 
raums mit Kieselsäure — etwa nach Art der auskrystallisirten 
Drusenräume, oder Geoden — finden, jedoch keine längsfaserige. 
Die Faserstructur entspricht nun aber ganz einer successiven 
Vergrösserung der Discontinuität, welche in ihrem ersten Beginn 
den Anlass gab zum ersten Ansatz der auskrystallisirenden Kiesel- 
säure in einer unendlich dünnen Schicht ; an diese aus dicht ge- 
drängten krystallinischen Individuen zusammengesetzte Basis kry- 
stallisirte mit dem Voranschreiten der Discontinuität neuer Stoff 
aus Lösung an, was sich wiederholte so lange der Vorgang dauerte, 
und so kam nach und nach ein längsfaseriges oder stengeliges 
krystallinisches Aggregat, ein Faserbündel zu Stande. 


288 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


Eine weitere Voraussetzung zum Zustandekommen dieser 
Faserquarzmassen ist offenbar genügender Zutritt der die Kiesel- 
säure absetzenden Solution ; dazu war aber gerade auf den Ab- 
lösungsfläclien der Schichtung, auf welcher die in Rede stehenden 
Knollen liegen, mindestens so gute Gelegenheit als im Innern der 
Gesteinsmasse, und wir finden daher bei den oben erwähnten im 
Innern des Gesteins liegenden, meist grösseren Concretionen (sog. 
»Kälbern«) jene secundäre seitliche Quarzbildung weniger. Auch 
bei diesen musste sich natürlich die Cohäsionsdifferenz zwischen 
Concretion und Schiefer bei der Streckung geltend machen, ein 
leerer Zwischenraum wird aber auch hier nicht haben bestehen 
können, da er durch die unter starkem Druck stehende und dem- 
selben langsam nachgebende Schiefermasse wieder geschlossen 
werden konnte 1 ). 

Wie die beschriebene Faserquarzbildung vorliegt, zeigt sie 
deutlich das Vorhandensein und die Richtung der streckenden Be- 
wegung an; wir ersehen, dass diese Bewegung hier nicht etwa 
frei nach einer beliebigen Seite in der Normalebene des Drucks, 
sondern nur in einer bestimmten Richtung erfolgt ist. Geringe 
Knickungen, die im Verlauf der Fasern sich nicht selten zeigen 


1 ) Zum Unterschied von den Schwefeleisenknollen sind diese grösseren, aus 
quarzitischer Masse bestehenden Sphäroide bei der Streckung oft wiederholt ge- 
rissen und die so entstehenden Spalten allerdings auch mit secundärem Quarz, 
z. Th. Faserquarz, erfüllt. 

Wenn die Faserquarzansätze der auf den Schichtflächen liegenden Pyrit- 
oder Markasitknollen, wie es öfters vorkommt, im Tnnern mehr körnig als faserig 
erscheinen, so dürfte dies vielleicht weniger in späterer Umkrystallisirung als 
darin begründet sein, dass in solchen Fällen die gänzliche Erfüllung des Raumes 
mit Kieselsäure nach innen zu etwas später eintrat als aussen herum. 

Auch an Pyritwürfeln, die in der Griffelschiefermasse mehr vereinzelt liegen, 
wurden Ansätze von Faserquarz beobachtet; derselbe bildet dünne Platten auf 
gegenüberliegenden Seiten der Pyritwürfel, oder nur auf einer Seite, oder greift 
auch um Ecken herum, je nachdem der Krystall zur Streckrichtung lag. Der 
Quarz erscheint nicht gleichmässig an allen Pyritwürfeln und nicht gleichmässig 
click an jedem; die Fasern laufen auch hier parallel. — Mitunter erscheinen die 
Pyritwürfel verschoben und nicht mehr rechtwinkelig, wohl deshalb, weil sie bei 
fortgesetzter Druckwirkung von inneren, wenn auch noch so kleinen und nicht 
sichtbaren Brüchen betroffen sind und so an der Verschiebung etwas theilge- 
nommen haben. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 


289 


(vgl. Figur 8b), bedeuten ohne Zweifel, dass die streckende Be- 
wegung nicht ganz continuirlich war und sich nicht genau parallel 
blieb. — In den Faserquarz büschein, welche an den Schwefeleisen- 
knollen sitzen, haben wir überdies einen Maassstab für die Grösse 
der stattgehabten Verschiebung. 

Ein vollkommenes Analogon zu unserer Faserquarzbildung ist 
die Ausfüllung der Zwischenräume der schon lange bekannten, in 
letzter Zeit wieder viel besprochenen, durch Streckung gerissenen 
Belemniten mit Faserquarz oder mit Faserkalk. Auch Daubree 
kommt bei der Besprechung dieser Bildungen zu dem Schluss, 
dass sie einen Beweis für den langsamen und allmählichen Ver- 
lauf des Streckungsvorganges enthalten; er führt zum weiteren Ver- 
gleich die Bildung des Fasergypses an und die in vielen Fällen 
zu erkennende, langsame Ausfüllung von Erzgangspalten während 
successiver Erweiterung 1 ). 

Auch kann liier die von Sorby beschriebene Umformung von 
Crinoidenstielgliedern verglichen werden, welche in geschiefertem 
resp. gestrecktem Kalkstein vorkommt und bei welcher ebenfalls, 
der von Sorby gegebenen Figur nach zu urtheilen, der auf der 
Druckseite gelöste kohlensaure Kalk sich auf der vom Druck ab- 
gewendeten Seite fas er artig ansetzt 2 ). 

Was nun die Lage der Streckung oder Faserung im Griffel- 

ö Ö O 

schiefer belangt, oder m. a. W. die Richtung, nach welcher das 
Gestein schon in situ sich in Griffel auflöst oder künstlich in solche 
getrennt werden kann, so wurde als Regel beobachtet, dass jene 

*) Bull. soe. geol. France. 3 ser. tome IV, 1876, p. 551. 

2 ) Quart. Journal, 1879, Proceedings, p. 88 ff. — Auch abgesehen von den 
Griffelschiefern des unteren Silur und unteren Culm bemerkt man manchmal 
Faserquarz an noch vorhandenem oder verschwundenem Pyrit in Thonschiefer, 
und es mögen auch hier Streckungsvorgänge, wenn auch nicht so durchgreifender 
Art wie bei den Griffelschiefern , den Anlass zur Bildung dieses Minerals ge- 
geben haben; überhaupt könnte dieser Gesichtspunkt bei Vorkommnissen von 
Faserquarz und anderen faserigen Mineralien .in’ s Auge zu fassen sein. 

Gümbel erwähnt Faserquarz neben Schwefelkies in den koklereichen Silur- 
schiefern. (Geog. Beschreib, d. Fichtelgebirges, p. 275.) — Verschobene Pyritwürfel 
aus Dachschiefer erwähnt auch Daubree (Syntket. Studien z. Experimentalgeologie 
1880, p. 337). 


19 


290 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


Richtung in der Durchschnittslinie der Schichtenlage mit 
der Transversalschieferung gelegen ist, oder doch nahezu 
mit ihr zusammenfällt. Wohl in sämmtlichen Griffelbrüchen im 
untersilurischen Griffelschiefer der Gegend von Steinach, Hasel- 
bach und Spechtsbrunn trifft dies zu. Man findet hier durchweg 
ein mittelsteiles Einfallen der Transversalschieferung nach NW., 
während die Schichten etwa mit demselben Steilheitsgrad nach 
SO. fallen, so dass beide Lagen ziemlich rechtwinkelig aufeinander 
stehen; ihre Durchschnittslinie und somit die Lage der Streckung 
oder die Griffellage sieht man in der Regel mässig, bis zu ca. 20°, 
nach NO. oder SW. ansteigen, mitunter auch nur wenig von der 
Horizontalen abweichen 1 ). 

Es ist hervorzuheben, dass die Deutlichkeit der Transversal- 
schieferung, resp. die leichte Erkennung ihrer Lage im an- 
stehenden Gestein durch die Streckung nicht beeinträchtigt worden 
ist; wie früher bemerkt ist auch die Schichtenlage durch ver- 
schiedene Anzeichen herauszufinden ; die Streckungs richtung 
wird durch die griffelförmige Auflockerung des Gesteins in der 
oben bezeiclmeten Richtung, wenn dasselbe einige Zeit der Atmo- 
sphäre ausgesetzt gewesen ist, angegeben 2 ); hierzu kommt endlich 
die Parallelklüftung, von welcher namentlich dasjenige System 
besonders ausgebildet ist, welches quer, fast rechtwinkelig zur all- 
gemeinen Streichrichtung der Schichten läuft; aus diesen ver- 
schiedenen Factoren setzt sich das Bild zusammen, welches man 
in den Griffelbrüchen, zwar nicht immer mit gleicher Deutlichkeit, 
öfters aber mit einem Blick von den verschiedenen mechanischen 
Einwirkungen erhält, denen dieser Schiefer im Lauf der Zeit aus- 
gesetzt gewesen ist. 


*) Da die Schichten hie und da Falten erkennen lassen, könnte man einen 
grösseren Wechsel bezüglich ihrer Lage und der jener Durchschnittslinie erwarten; 
es scheint indess, dass die vorhandenen Falten die allgemeine Streichrichtung 
einhalten, dabei nur schwach auf und absteigen und im allgemeinen Schichten- 
einfallen nach SO. nur untergeordnete Abweichungen hervorbringen. 

2 ) Man kann mitunter aus dem gelockerten Lagerungsverband das Gestein 
in Griffeln, einen nach dem anderen herausnehmen ; anfänglich sind diese Griffel 
sehr lang, wohl bis zu 1 Meter, zerfallen aber von selbst nach und nach in 
immer kleinere Griffel; man sieht hieraus wie innerlich die Griffelstructur ist. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 291 


Dass die Streckungsrichtung mit der Lage der Durchsclmitts- 
linie von Schichtung und Transversalschieferung meisthin zusammen- 
fällt, ist a priori eben nicht vorauszusehen; es wäre an sich sehr 
wohl denkbar, dass das bereits transversal geschieferte Gestein zu 
einer späteren Zeit einem Streckungsvorgang nach irgend welcher 
anderen Richtung unterworfen worden wäre. Thatsäclilich kommen 
auch Beispiele derart an anderen Stellen oder in anderen Ge- 
birgen vor 1 ). 

Die in unserem Fall vorliegende Streckungsrichtung glauben 
wir am besten so zu erklären, dass wir sie als Folge zweier Druck- 
kräfte auffassen, die sich neben einander von zwei Seiten her 
äusserten : nämlich einerseits des noch fortgesetzt wirksamen Drucks, 
welcher zunächst die Transversalschieferung zuwege gebracht hatte, 
und andererseits eines in der Richtung vom Liegenden zum Han- 
üenden und mimekehrt, mit anderen Worten normal zur Schichten- 
läse wirksamen Drucks. Die erste Druckkraft würde ein Aus- 
weichen in der Ebene der Transversalschieferung, die zweite in 
der Ebene der Schichtung, beide zusammen also in der Richtung 
der Durchschnittslinie beider bewirkt haben. Derjenige Druck 
aber, welchen wir normal zur Schichtenlage annehmen, könnte 


1 ) So findet man aus den Schiefergebirgen wiederholt die Beobachtung an- 
geführt, dass die lineare Streckung in der Richtung des Einfallens der Trans- 
versalschieferung gelegen ist; in diesem Falle also war Ausweichen vor dem 
Druck am leichtesten in der Richtung von unten nach oben möglich. Uebrigens 
bemerkt auch Naumann (Lehrb. d. Geognosie, 2. Aufl., Bd. 1, p. 435), dass die 
Streckung in vielen, aber keineswegs in allen Fällen mit der Falllinie der Schichten 
coincidire. 

Die ausweichende oder streckende Bewegung nach oben begreift sich leichter, 
als die nach der Seite; man kann die Frage stellen, wie überhaupt in der ge- 
schlossenen Gebirgsmasse ein seitliches Ausweichen, Schieben und Strecken mög- 
lich war. Für den Fall unseres Griffelschiefers lässt sich hierauf antworten, zu- 
nächst, dass die Streckrichtung keine rein seitliche ist, sondern nach der einen 
oder anderen Seite etwas ansteigt ; sodann , dass von Stelle zu Stelle sich Aus- 
gleichungen hergestellt haben mögen, denen vielleicht eine sehr verworrene Struotur, 
vielleicht auch Brüche und grössere Verschiebungen entsprechen. Nachgewiesen 
sind solche allerdings nicht; die Griffelbrüche werden natürlich von solchen Stellen 
fern zu bleiben suchen; immerhin ist der Schiefer keineswegs in allen Brüchen 
von gleichbleibender und gleich brauchbarer Structur , es kommen im Gegentlieil 
grössere unbrauchbare Partieen vor. 


19 


292 


H. Lorktz, über Transversalschieferung 


darin begründet sein , dass sieh als nächstes Liegende der Griffel- 
schiefer eine besonders harte und erheblich mächtige Schichten- 
folge vorfindet, nämlich der oberste cambrische Quarzit; dieser 
bildet einen ununterbrochen durchgehenden Zug vom SW. -Rand 
des Schiefergebirges bis in die Gegend von Gräfenthal, und in 
derselben Erstreckung verhält sich auch der unterste sibirische 
Thonschiefer so gut wie ganz als Griffelschiefer. Dass sich aber 
aus dem Widerstande, welchen harte und mächtige Gebirgsglieder 
den zusammendrückenden Wirkungen des allgemeinen Lateral- 
drucks oder daraus abgeleiteter Pressungen leisten, wieder spe- 
cielle Rückwirkungen ergeben können, welche besonders an den 
jenen festen Massen angelagerten weicheren Schichten zum Aus- 
druck kommen müssen, steht mit vielfachen Beobachtungen in 
diesem Gebiet der Geologie im besten Einklang. 

Nächst den mechanischen Einwirkungen kommt für das vor- 
liegende Resultat natürlich der Stoff, die physikalischen Eigen- 
schaften des Gesteins sehr in Betracht : das Material des Schiefers 
muss für diese Art von innerlichen Verschiebungen, wie sie sich 
in der Griffelung aussprechen, besonders günstig gewesen sein, 
und es ist dies bei einem so gleichartig gemischten, so wenig 
durch abweichende Zwischenschichten unterbrochenen Material, 
wie es in unseren untersten Silurthonschiefern vorliegt , auch recht 
wohl verständlich. 

Zum Wesen der linearen Streckung, wie sie sich bei den 
Griffelschiefern zeigt, gehört, dass die Grösse der parallelen Be- 
wegung von Theilchen zu Theilclien etwas verschieden war, so 
dass alle in derselben Richtung etwas gegen einander verschoben 
wurden. Transversalschieferung für sich allein bewirkt 
bekanntlich noch keine griffelige, sondern nur eine platten förmige 
Absonderung, wie bei den Dachschiefern; soweit bei der Schiefe- 
ruög auch schon nicht blos Compression, sondern ausweichende 
Bewegungen und Verschiebungen zu Grunde liegen, wird man 
solche in auf einander folgenden dünnen Schichten nach verschie- 
denen Richtungen — höchstens in derselben Schicht parallel — 
vor sich gehend zu denken haben; im Wesen der linearen 
Streckung liegt eben, dass durch die ganze Masse hindurch eine 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 293 


Parallelbewegung mit Verschiebung von Theilchen zu Theilchen 
stattfinde ] ). 

Die absolute Grösse der stattgefundenen Verschiebungen scheint 
bei diesem Streckungsvorgang, wenn auch wohl grösser als bei 
der einfachen Transversalschieferung, doch im Ganzen gering ge- 
wesen zu sein. Wir könnten dies schon daraus schliessen, dass 
nach der Streckung Transversalschieferung wie Schichtung noch 
zu erkennen sind; diese würden durch stärkere Massenverschie- 
bungen wohl mehr verwischt worden sein * 2 ). Das beste Anhalten 
über die Grösse der Verschiebung benachbarter Theile geben uns 
indess jene merkwürdigen, gestreckten und sonst deformirten Tri- 
lobiten, welche im Griffelschiefer von Steinach wiederholt, wenn 
auch als Seltenheiten vorgekommen sind. Liegt ein solcher orga- 
nischer Rest mit seiner Längsrichtung ungefähr in der Streckuugs- 
richtung, so sieht man wie die Symmetrie beider Hälften, rechts 
und links von der Längsaxe verloren gegangen ist; zwei ent- 
sprechende Punkte dieser Hälften können nicht nur in der Rich- 
tung der Axe gegen einander verschoben sein, sondern ausserdem 
auch noch so, dass der eine viel tiefer liegt als der andere, die 
eine Seite schmal zusammengeschoben, die andere breit geblieben 
und der Schnitt des Trilobiten normal zur Längsaxe eine ganz 
unregelmässig gebogene Figur geworden ist 3 ). Immerhin bleiben 

J ) In ähnlicher Weise wie hier in der Natur, zeigten ja auch bei den be- 
kannten DAUBREifschen Versuchen die Thon- oder Bleimassen, mit welchen ex- 
perimentirt wurde, ausser der Schieferung unter gewissen Umständen noch eine 
faserige Structur resp. ein geriffeltes Aussehen ihrer Theilplatten, indem sich 
offenbar die Masse beim Auspressen in Stränge oder Fäden von differenter Be- 
wegungsgrösse theilte, die sich mithin an einander verschoben; ähnlich wie beim 
technischen Auspressen und Auswalzen durch verschiedene Kaliber ein faseriges 
Gefüge erzielt wird. 

2 ) Ist das Gesein nicht mehr frisch, sondern verwittert, so tritt allerdings 
die gestreckte Structur stärker hervor, es ist kein Spalten nach der Schieferung 
mehr möglich und solche wird mehr und mehr verwischt. 

3 ) Der durch ein gümbelitartiges Mineral ersetzte Körper dieser Trilobiten 
ist sehr dünn und die faserige Textur des Gesteins schimmert hindurch. — Es 
ist ersichtlich, dass manche dieser ohnehin nicht häufigen Fossilien in Folge ihrer 
Lage zur Streckrichtung noch stärker verzerrt sein können, und durch ungünstige 
Lage zur Spaltrichtung des Schiefers niemals im Zusammenhang zum Vorschein 
kommen. 


294 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


diese Verzerrungen weit unter dem Maass derjenigen, welche bei 
den künstlichen Experimenten über Schieferung und Streckung mit 
Leichtigkeit erreicht werden können; obschon auch hier sehr ge- 
ringe Verschiebungen als ausreichend befunden worden sind, 
um jene Structuren hervorzurufen, wie wenigstens für die Schiefe- 
rung von Daubree bemerkt wird. Für die letztere möchte man 
dasselbe auch aus der Bemerkung schliessen, die Gümbel 1 ) über 
das Aussehen geschieferter Schiefer im Dünnschliff macht, welche 
im Vergleich zu nicht geschieferten keinerlei Aenderung in der Lage 
x;nd Richtung der erkennbar kleinsten Mineraltheilchen zeigten. 
Es scheint demnach, dass der blose Spannungszustand in Folge 
einer nur minimalen Compression und seitlichen Verschiebung zur 
Schieferung genüge. Dass es indess bei derselben gewöhnlich 
auch zu sichtbaren ausweichenden Bewegungen gekommen ist, he- 
weisen die früher besprochenen Unebenheiten auf solchen Discon- 
tinuitätsflächen, welche vor Ausbildung der Transversalschieferung 
schon da waren. 

Ein etwas grösserer Unterschied scheint zwischen der mikro- 
skopischen Beschaffenheit griffeliger und nicht griffeliger Schiefer 
zu bestehen. Nach Gümbel 2 ) bieten nämlich griffelig zerfallende 
Schiefer in der Regel im Dünnschliff ein etwas anderes Bild als 
die sonst ähnlichen, aber nicht griffelig zerfallenden; die Gemeng- 
theile jener erscheinen weniger in Streifen und Flasern, sondern 
gleichmässiger vertheilt und gemengt, ohne dass sie dabei immer 
feiner sein müssten als bei den anderen Schiefern. Wir dürfen 
vielleicht annehmen, dass diese Anordnung der kleinen Theilchen 
erst als Folge eines Streckungsvorgangs eingetreten ist. Im Uebri- 
gen wird die griffelige oder faserige Structur in der einen Durch- 
schnittsebene des Dünnschliffs sich kaum offenbaren können ; denn 
erst bei mechanischen Vorgängen, wie Zerfallen oder 
Zerspalten können sich die als Resultat der Streckung vor- 
handenen Spann ungszus t ä n d e äussern und so j ene Structur 
vortreten lassen. 


J ) Geognost. Beschreib, d. Fichtelgebirges, p. 641 ff. 

2 ) 1. c. p. 289. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 295 


Wir beschlossen diesen Abschnitt mit einigen Worten über 
das Verfahren zur Herstellung der Schreibgriffel. Das 
durch Sprengarbeit losgemachte und auf entsprechende Dimen- 
sionen gebrachte Material wird zunächst durch Handsägen in 
passende Stücke geformt; durch die letzten Sägeschnitte, welche 
normal zur natürlichen Griffellage (Streckrichtung) stehen, erhält 
man Stücke von der Länge der anzufertigenden Griffel; diese 
Stücke werden dann durch Meissel quer zum Sägeschnitt in so 
viel Theile gespalten, als sie Griffel geben können, und diese Theile 
endlich durch den Kaliber einer maschinellen Vorrichtung gedrückt. 
Die gesammte Arbeit muss mit frischem resp. noch bergfeuchtem 
Materiale vorgenommen werden. 


Sonstige Griffelschiefer und griffelig zerfallende Schiefer 
des Schiefergebirges. 

Abgesehen von den untersilurischen Griffelschiefern, welche 
wir im Vorstehenden ausführlicher betrachtet haben, fehlt es auch 
sonst im thüringischen Schiefergebirge nicht an solchen Schiefern, 
welchen eine griffelige Ablösung eigen ist; in der Regel jedoch 
sind solche Vorkommnisse lokal, und betreffen solche Schiefer, 
welche nicht weit davon eine andere Ablösung, in Blättern oder 
Platten zeigen; nirgends mehr erscheint eine Zone, welche. in der 
Ausdehnung und Vollständigkeit sich als Griffelschiefer verhielte 
wie die untersten Silurschiefer. Beschränken wir die Bezeichnung 
» Griffelschiefer « überhaupt nur auf solche , welche bei hinläng- 
licher Weichheit und zugleich Festigkeit eine Benutzung zu Schreib- 
griffein gestatten, so giebt es ausser im Untersilur hauptsächlich 
nur noch im unteren Culm Griffelschiefer, indem die hierherge- 
hörigen, meisthin dachschief erartig ausgebildeten Thonschiefer aus- 
nahmsweise auch einmal Stellen mit grifteliger Ablösung in Ver- 
bindung mit den sonst nöthigen Qualitäten enthalten ; ausserdem 
werden gegenwärtig noch an einer Stelle im unterdevonischen 
Tentaculitenschiefer in unmittelbarer Nähe von Steinach Griffel 


296 


H. Loretz, über Transversalschieferun; 


gewonnen. Abgesehen hiervon giebt es aber wie gesagt noch gar 
manche Stellen in den verschiedensten Schieferzonen, wo eine grif- 
felige oder steng'elige Ablösung und entsprechendes Zerfallen zu 
beobachten ist. 

Nicht immer ist ein Streckungsvorgang in der Art, wie wir 
ihn bei den untersilurischen Schiefern kennen gelernt haben, nöthig 
gewesen, um diese griffelige Ablösung zu bewirken. Es ist sehr 
verständlich, dass einfache Interferenz von Schichtung und Trans- 
versalschieferung dann schon ausreichen mögen, um ein solches 
Zerfällen in stengelige und griffelige Körper im Gefolge zu haben, 
wenn die Ablösungen nach beiderlei Richtung ungefähr im Gleich- 
gewicht sind, oder mit anderen Worten das Gestein nach beiden 
mit derselben Leichtigkeit und in nicht zu verschieden breiten 
Intervallen spaltet. Dieses Verhalten kann natürlich auch an 
härteren Gesteinen, rauhen oder quarzitischen Schiefern, und bei 
verschiedenen Lagen von Schichtung und Schieferung zu einander 
Vorkommen. Mancherlei Vorkommnisse griffeliger Ablösung, welche 
man in den Schiefern des oberen Culm, sowie auch schon in den 
cambrischen und anderen Schiefern beobachtet, mögen in der ge- 
dachten Weise zu beurtheilen sein. Streckungsvorgänge sind aber 
auch hier keineswegs ausgeschlossen; nur durch solche möchten 
gewisse lokale und vereinzelte Vorkommnisse mit überaus faseriger, 
an Holz erinnernder Textur, welche als solche noch entschieden 
mehr hervortritt als bei den Untersilurgriffelschiefern, zu erklären 
sein, wie ich solche im cambrischen Schiefergebiet beobachtet 
habe 1 ). 


D Dass es überhaupt äussere, mechanische Ursachen sind, welche der 
Griffel structur zu Grunde hegen, lässt sich abstrahiren aus dem Vorkommen der- 
selben an physikalisch differentem Material, sowie aus dem oft nur lokale n 
Vorkommen derselben an ein und demselben Materiale (wie am unteren Culm- 
schiefer). Andererseits kann die physikalische Beschaffenheit cles Materials auf 
das Zustandekommen der Griffelstructur, besonders soweit solche durch wirkliche 
Streckung erreicht oder befördert worden ist, prädisponirend gewirkt haben, ent- 
sprechend dem in der mechanischen Geologie so allgemein gültigen Gesetz, dass 
die physikalische Beschaffenheit des Materials, oder genauer seine Cohäsions- 
verhältnisse für die Art und Weise seiner mechanischen Beanspruchung und 
Umgestaltung sehr in Betracht kommen. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 


297 


Auch die bereits erwähnten nicht nntersiluri sehen, zu Griffeln 
verwendbaren Schiefer scheinen ihre Structur durch wirkliche 
Streckung erhalten zu haben. Mindestens ist dies für derartige 
Schiefer des unteren Culm gewiss. Die bedeutendste Griffel- 
gewinnung aus diesen Culmschiefern findet gegenwärtig im Rögitz- 
thal etwas unterhalb Haselbach im Griffelbruch »Germania« statt. 
Das Material ist hier, wie auch sonst bei den Culmschiefern, nicht 
(ranz so weich als das der untersilurischen Griffelschiefer: im Uebri- 

o 

o-en stellen sich in dem Griffelbruch bei Haselbach die mechanischen 

o 

Einwirkungen, welchen das Gestein ausgesetzt gewesen ist, ebenso 
dar wie in den Griffelbrüchen des Untersilur, was die folgenden 
Bemerkungen noch etwas näher erläutern werden. 

Die Schichtflächen bilden hier gewölbeartige Bogen, deren 
Streichrichtung SW. — NO. mit einem Ansteigen NO.-wärts ist; die 
Transversalschieferung fällt mit 45° nach N. 40° W. ; die Haupt- 
klüftung mit 60° nach NO.; die Griffellage liegt etwa ebenso wie 
die angegebene NO.-wärts ansteigende Streichlinie, was zugleich 
wieder mit dem Durchschnitt von Schiefermur und Schichtung 
stimmt. Eine grössere Zahl der in Gewölbe gelegten Schicht- 
flächen ist auch hier durch zusammenhängende Krusten oder 
Schwarten gekennzeichnet, welche aus härterer, mehr verworren 
strnirter Thonschiefermasse mit sehr zahlreichen, concentrisch strah- 
ligen, leicht zersetzbaren Schwefeleisen- (Markasit) knollen bestehen, 
an welch' letzteren sich durchweg Ansätze von Faserquarz und 
Gümbelit zeigen, ganz in der früher beschriebenen Weise. 

Es ist wichtig zu bemerken, dass in nächster Nähe dieses 
Griffelbruches ein zweiter Steinbruch in demselben dunkelblau- 
schwarzen unteren Culm thonschiefer angelegt ist, wo die Schichten 
ebenfalls Gewölbebiegungen in derselben Streichrichtung, nur nach 
NO. etwas abfallend, bilden, nnd die Transversalschieferung eben- 
falls ganz dieselbe Lage hat, wie in dem Griffelbruch, ohne dass 
jedoch der Schiefer griflelig spaltet; er ist im Gegentheil früher 
als Dachschiefer gebrochen worden. Diese günstigen Aufschlüsse 
zeigen, wie lokal der Vorgang der Streckung aufgetreten sein kann, 
und dienen zugleich als ausgezeichnete Beispiele für das auch 
sonst oft zu beobachtende, bald plattige, bald griffelige Zerfallen 


298 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


ein und desselben Schiefers 1 ). — In dem zweiten der genannten 
Steinbrüche ist Faserquarzbildung nicht beobachtet worden. 

Ausser den Krusten und Schwarten mit Markasitknollen 
kommen in dem Griffelbruch, wie auch sonst so oft im unteren 
Culmthonschiefer und auch dem Untersilurgriffelschiefer, Quarzit- 
sphäroide (»Kälber«) vor, deren grösster, natürlich in der Schich- 
tung liegende Durchschnitt bis 1 Meter erreichen kann; sie ent- 
halten zahlreich eingesprengte Pyritwürfel. Sie werden von zahl- 
reichen Quarzadern, resp. -lamellen und -platten durchsetzt, welche 
grossentheils ein paralleles System, normal zur grössten Durch- 
schnittsfläche bilden, doch finden sich auch vielfach solche in ganz 
unregelmässiger Lage und Verwachsung; allem Anschein nach sind 
diese Quarzmassen als secundäre Ausfüllungen von Rissen zu be- 
trachten, welche bei der mechanischen Beanspruchung des Gesteins, 
bez. dem Streckungsvorgang entstanden 2 ). 

Die durch Streckungsvorgänge hervorgerufene Griffel- und 
Faserstructur, die wir in den letzten Abschnitten kennen gelernt 
haben, ist eine besondere Art der » linearen Parallelstructur « 3 ). 
Als sehr verwandt mit dieser Art, als eine nur leichte, unvoll- 
kommene Streckung; glaubten wir die feine Fältelung mancher 
Schieferungsflächen ansehen zu können. Keineswegs jedoch ist 
bekanntlich alle vorkommende lineare Parallelstructur auf diese 
Weise entstanden. Mitunter ist sie ursprünglich 4 ); und zu dieser 

Q Auch in der Nähe von Lichtenhain (NO.- Winkel von Section Spechtsbrunn) 
wird der untere Culmthonschiefer in einigen Brüchen als Griffelmaterial, nahe 
dabei aber als Dachschiefer gewonnen. 

2 ) Wenigstens die dünneren dieser Quarzadern zeigen Faserstructur, oder 
stengelige Structur, quer zu ihrer Längenausdehnung. Der Quarz ist auch viel- 
fach mit einem eisenhaltigen Carbonat verwachsen. Die Adern keilen sich oft 
innerhalb des Sphäroids aus; sehr viele setzen aber ganz durch, sind jedoch nach 
dem Innern des Sphäroids dicker als am Rand. Bei sehr vielen trifft es zu, 
dass sie quer zu der oben angegebenen Streckrichtung stehen. — Die Pyritwürfel, 
welche dem Quarzitsphäroid eingesprengt sind, zeigen sehr gewöhnlich eine zonale 
Anordnung, conform der äusseren Oberfläche und näher an dieser als an der 
Mitte des Sphäroids. 

3 ) Vergl. Naumann, Lehrb. d. Geognosie, II. Aull., Bd. I, p. 432 ff. 

4 ) Yergl. Naumann, 1. c. 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 


299 


letzteren dürfen wir auch sehr wahrscheinlich die feine parallele 
Runzeln ng oder Fältelung rechnen, die anf den Schichtoberflächen 
mancher Schiefergesteine, z. B. der mit feiner phyll bischer Sub- 
stanz überzogenen, unterdevonischen Nereitenquarzite vorkommt 1 ). 
Noch etwas anders ist vielleicht die lineare Parallelstructur der 
Phyllite und Qnarzphyllite zu beurtheilen; die genannte Structur 
offenbart sich bei diesen Gesteinen darin, dass die feinen Phyllit- 
lamellen, ganz abgesehen von ihrem innigen Anschmiegen an die 
Unebenheiten der körnigen Gemengtheile (Quarz und Feldspath 
z. Th.), durch die ganze Masse des Gesteins hindurch, soweit man 
auch durch Spalten eindringt, eine in derselben bestimmten Rich- 
tung verlaufende Fältelung zeigen. Es erscheint sehr fraglich, oh 
hier in dem Maasse Streckungsvorgänge anzunehmen sind, als 
jene Structur verbreitet ist; die Verbreitung derselben ist bei diesen 
Gesteinen sehr gross, ohne dass griffeliges oder stengeliges Zer- 
fallen, welches man von Streckungsvorgängen ableiten könnte, sich 
sehr auffällig zu erkennen gäbe. Streckung mag hie und da nicht 
ausgeschlossen sein, im Uebrigen aber diese lineare Parallelstruc- 
tur doch wohl nur auf einen äussersten Grad von Eng- und Ivlein- 
faltung durch Seitendruck hinauskommen, welche durch die be- 
sondere mineralisch -physikalische Beschaffenheit dieser Gesteine 
begünstigt wurde. 


Bewegungen und ieobifdungen längs Schichtflächen. 

Es ist bekannt, dass sich auf gewissen, durch Quetschungen 
oder Pressungen erzeugten Sprüngen oder Ablösungsflächen der 
Schiefergesteine öfters durch Verschiebung bewirkte Streifen und 
andererseits auch secundäre Bildungen von Quarz und einem 
Glimmermineral, letzteres als zusammenhängender Ueberzug vor- 
finden; Bildungen, die von den primären Quarzlagen oder auch 
-trümern zu unterscheiden sind und wahrscheinlich in dem Maasse 
sich ausbildeten, als die Ablösungsflächen oder Klüfte sich ver- 


) Vergl. Gümbel, Geog. Beschreib, d. Fiektelgeb. p. 645. 


300 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


grösserten. Derartigen Vorkommnissen begegnet man auch hie 

o o o o 

und da in den thüringischen Schiefergesteinen. Die gedachten 

O Ö Ö 

Flächen liegen meist in einer besonderen Richtung, abweichend 
von Schichtung und Schieferung, und zeigen eben hierdurch die 
Selbständigkeit besonderer Druckwirkungen, unabhängig von dem 
transversal schieferndem Drucke an , wie wir schon wiederholt 
Gelegenheit hatten zu bemerken. 

Weniger häufig vielleicht sind Verschiebungen und Neubil- 
dungen der genannten Art aufSchichtungsflächen beobachtet 
worden. Gerade hierfür fanden sich in unserem Schiefergebirge 
einige sehr deutliche Beispiele, bei welchen secundäre Quarz- 
krusten und Parallelstreifung in der Richtung der Bewegung zu- 
sammen auftretend zu sehen war. Ein besonders günstiger Auf- 
schluss derart ergab sich gelegentlich im Griffelbruch am Fellberg 
bei Steinach, demselben, aus welchem die Faserquarzbildung an 
den Markesitknollen beschrieben wurde. Eine durch den Betrieb 
freigelegte Schichtfläche war mit einer 1 — 2 Centimeter starken 
Quarzkruste von augenscheinlich secundärer Entstehung überzogen; 
die Kruste zeigte durch und durch eine parallelstengelige oder 
grobfaserige Textur, nebst Verwachsung mit einem in höchst ge- 
ringer Menge vorhandenen, fein faserigen Mineral (? Gümbelit). 
Die durch die Lage der Faserung angezeigte Bewegungsrichtung 
war eine andere als diejenige, nach welcher die Streckung und 
Griffeluug des Schiefers stattgefunden hatte, und es zeigt sich 
somit auch hier, dass nach verschiedenen Richtungen und wohl 
zu verschiedenen Zeiten, Schiebungen und Bewegungen in der 
Gesteinsmasse erfolgt sein müssen. \ In einem anderen hierherge- 
hörigen Fall, welcher auf der Oberfläche einer Thonschieferschicht 
im oberen Culm, unweit Steinach, beobachtet wurde, war der 
Quarz der betreffenden Kruste durchaus mit feiner Thonschiefer- 
masse verwachsen und das Ganze durch und durch parallel ge- 
streift, so dass es aussah, als wenn in dem Maasse, als die schie- 
bende und reibende Beweguung langsam voranschritt und Thon- 
schiefertheilchen abtrennte, Quarz sich ansiedelte, mit letzteren 
verwuchs, und zugleich, durch den Härteunterschied der beiderlei 
Substanzen bedingt, die Streifung und Riefung zu Stande kam. 


301 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 

Solche Neubildungen zwischen ursprünglich dicht zusaminenliegen- 
den Flächen beanspruchen offenbar zu ihrem Zustandekommen 
einen gewissen Raum, und es ist deshalb anzunehmen, dass 
während ihrer Entstehung ein so starker Druck, wie z. B. dei', 
welcher der Schieferung und Streckung zu Grunde liegt, nicht 
bestanden habe, nämlich nicht in der Richtung normal zu den 
betreffenden Flächen. 



Wir haben hier jene Systeme von Absonderungsflächen im 
Auge, welche meist nach 1 bis 3 unter sich annähernd parallelen 
Lagen geordnet in der Gebirgsmasse der Schieferschichten sich in 
ebenso durchgreifender Weise allenthalben geltend machen, wie 
jene anderen Absonderungen, die der ursprünglichen Schichtung, 
und jene, die der secundären Schieferung entsprechen. In der 
Thal ist diese, auch sonst so gewöhnliche und bekannte Klüftung, 
oder Parallelklüftung, in unserem Schiefergebirge ebenso verbreitet, 
wie die Transversalschieferung, wenn sie auch, wie letztere, nicht 
durchweg mit gleicher Deutlichkeit und Schärfe ausgeprägt ist; 
sei es , dass solche Unterschiede schon aus der Zeit ihrer Ent- 
stehung herrühren, oder, wie wahrscheinlich, durch spätere mecha- 
nische Einwirkungen, Zerrüttungen, Dislocationen und gegenseitige 
Verschiebungen einzelner Theile des Gebirgskörpers gegen einander 
noch vergrössert wurden. 

In ihrer typischen Ausbildung schneiden die Kluftflächen 
scharf und unbekümmert um Schichtung und Schieferung durch 
den Gebirgskörper hindurch 1 ); die Masse beiderseits ist dann 

In den Griffel- und Dachschieferbrüchen werden manchmal grössere Kluft- 
flächen freigelegt, die etwas abgetreppt aussehen; es scheint, dass dies durch ein 
sich Verlieren einer Kluft und Abspringen ihrer Fortsetzung mit Beibehaltung 
der Richtung zuwege gebracht wurde, in ähnlicher Weise wie manchmal eine 
Verwerfung sich verliert und rechts oder links in derselben Richtung laufend, 
wieder einsetzt. Mitunter verlaufen solche grössere Kluftflächen auch etwas wind- 
schief statt eben. 

ln den Lehestener Dachschieferbrüchen bezeichnet man die Absonderungs- 
flächen der Parallel klüftung treffend als »Schnitte«. 


302 


H. Loretz, über Transversalschieferung 


durch Verwitterung oder sonst chemisch so gut wie nicht verändert, 
und meist auch nicht verschoben, auf der Kluftfläche selbst finden 
sich höchstens nur dünne Lagen von Neubildungen, wie Oxyd- 
hydrate und Quarz. In den Dachschiefer- und Griffelbrüchen 
sind diese Klüfte dem Abbau ungemein nützlich, wenn sie nicht 
zu gedrängt auf einander folgen. In letzterer Hinsicht, mit anderen 
Worten, in der Zahl der Ablösungen auf eine gewisse Länge 
normal zur Kluftrichtung herrscht allerdings sehr grosse Mannicli- 

O Ö O 

faltigkeit. 

W as nun die Richtung oder Orientirung der Klüftung be- 
trifft, so ist zunächst zu bemerken, dass in der Regel mehr als 
ein System, meist 2 bis 3 Systeme, je unter sich paralleler oder 
beiläufig paralleler Klüfte vorhanden sind, welche jedoch an Deut- 
lichkeit und Schärfe der Ausbildung unter sich keineswegs gleich 
zu sein pflegen; gewöhnlich dominirt ein System und macht sich 
als Hauptkluftrichtung geltend, neben welcher strichweise auch 
wohl noch ein zweites System zu annähernd gleicher Ausbildung 
gelangt ist. Auf Grund sehr zahlreicher Beobachtungen kann nun 
behauptet werden, dass für unser Gebiet durch alle Schiefersysteme 
hindurch, von den ältesten bis zu den jüngsten, oder von der 
phyllitischen Gruppe bis in den Culm, das Hauptklufstystem das- 
jenige ist, welches quer zur allgemeinen, nordöstlichen Streich- 
richtung der Schichten und Falten läuft, dessen Streichen also im 
Allgemeinen SO. — NW. ist. Dabei zeigt jedoch die Lage dieser 
Hauptkluftrichtung durchaus nicht jenen Grad von Constanz, 
welcher der Transversalschieferung eigen ist, sondern ihre Streich- 
linie weicht bald nach der einen, bald nach der anderen Seite, 
bald mehr, bald weniger von der reinen SO. — NW. -Linie ab; 
ähnlich verhält es sich bezüglich des Grades des Einfallens, welches 
zwar in der Regel steil bis sehr steil, öfters saiger ist, dabei aber 
strichweise nach SW., dann wieder nach NO. geneigt ist, und 
mitunter auch wohl flacher werden kann; sogar in nächster Nähe 
können in den genannten Beziehungen Schwankungen stattfinden, 
so dass der Parallelismus der zu diesem System gehörigen Klüfte 
nicht allenthalben sehr ausgeprägt ist. Immerhin tritt dieses 
NW. — SO. orientirte Kluftsystem entschieden als das dominirende 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 303 


auf. Das zweite und noch mehr das dritte derartige System 
machen sich neben dem ersten meisthin nur untergeordnet geltend, 
und zeigen dabei auch in sich selbst noch etwas weniger Regel- 
mässigkeit; bezüglich ihrer Orientirung zum ersten lässt sich kein 
durchgreifendes Cfesetz aufstellen. Oefters liegt neben der Haupt- 
klüftung auch noch die Streichlinie einer zweiten Klüftung in dem 
Quadranten NW. oder SO. 

So wie die Klüftung uns entgegentritt, in der Schärfe und 
Deutlichkeit des Durchschneidens durch das Gestein, kann sie nur 
an einem völlig festen und versteiften Materiale entstanden sein, 
welches Faltungs- und Schieferungsvorgänge schon durchgemacht 
hatte, wenigstens darf dies von der vollkommeneren Parallelklüftung 
behauptet werden. Unter den verschiedenen Theorien oder An- 
schauungen über das Wesen der Parallelklüftung dürfte wohl die 
Daubree 'sehe am meisten für sich haben. — Zu unterscheiden 
sind von der Parallelklüftung bekanntlich jene weniger zahlreichen, 
meist unregelmässiger verlaufenden Klüfte, an denen, ganz im 
Gegensatz zu jener, Rutschungen und gegenseitige Verschiebungen 
grösserer Gesteinskörper, verbunden mit Zerrüttung und chemischer 
Zersetzung des anstossenden Gesteins, stattgefunden haben, so dass 
die benachbarten Partieen nicht mehr ganz zusammen passen, und 
sich nicht selten nach dem Gestein und dessen Zustand etwas 
unterscheiden; obschon sehr verbreitet, sind solche Klüfte gewöhn- 
lich nur an grösseren Aufschlüssen, z. B. in Steinbrüchen, deut- 
licher zu beobachten; sie bilden schon den U ebergang zu den 
grossen Dislocationsflächen und Verwerfungen, an denen sich ganze 
Gebirgstlieile verschoben haben. 


304 


H. Loketz, über Transversalschieferang 


Inhalt. 


Seite 

Vorbemerkungen. Gebiet. Transversalschieferung. Lineare Streckung. 

Der Eintritt der Schieferung in seinem Verhältniss zu anderen Wir- 
kungen desselben im Allgemeinen 258 

Auftreten der Transversalschieferung im thüringischen Schiefer- 
gebirge im Allgemeinen. Mit der Schieferung verbundene Erschei- 
nungen. Verschiebende Bewegungen in der Ebene der Transversal- 
schieferung, Fältelung auf Schieferungsflächen, Verwerfungen in der 
Richtung der Schieferung. Ungleichheiten im Auftreten derselben . . 262 

Auftreten der Transversalschieferung bei den einzelnen Systemen. 
Transversalschieferung bei den Phylliten und Quarzphylliten ; gefaltete 
Quarzbänder der letzteren. Transversalschieferung bei den cambrischen 
Thonschiefern und Quarziten. Dieselbe bei den sibirischen Schichten, 
besonders den Untersilurthonschiefern. Dieselbe bei den devonischen 
Schichten , besonders den Knotenkalken des Oberdevon. Dieselbe bei 
den unteren und oberen Culmschiehten. Rückblick 264 

Richtung und Lage der Transversalschieferung. Abweichung der 
Streichlinie der Transversalschieferung von der der Schichtung. Ein- 
fallsrichtung der . ersteren. Orientirung der Transversalschieferung in 
der Gegend von Gräfenthal etc. Bemerkungen dazu 278 

Der untersilurische Griffelschiefer und seine lineare Streckung. 

Allgemeines über den Griffelschiefer und seine Structur. Einlagerung von 
Schwefeleisenknollen und -concretionen und Quarzitspharoiden. Faser- 
quarz und Gümbelit an den Schwefeleisenknollen. Das Vorkommen 
dieser Bildungen im Griffelbruch am Fellberg' bei Steinach näher be- 
schrieben. Erklärung der secundären Entstehung des Faserquarzes 
unter dem Streckungs Vorgang. Verwandte Bildungen, Richtung der 
Streckung oder Griffellage zusammenfallend mit der Durchschnittslinie 
von Schichtung und Transversalschieferung. Erklärungsversuch. Wesen 
der linearen Streckung. Grösse der Verschiebung benachbarter Theilchen 
hierbei. Ansehen im mikroskopischen Bild, nach Gümbel. Technische 
Herstellung der Schreibgriffel 281 

Sonstige Griffelschiefer und griffelig zerfallende Schiefer des 
thürin g. Schiefergebirges. Griffelartiges Zerfallen überhaupt. Das- 
selbe auch ohne Streckungsvorgänge. Gestreckte Griffelschiefer im 
untern Culm, speciell im Griffelbruch bei Haselbach. Quarzitsphäroide 
dieses Griffelschiefers; lokales Auftreten desselben. Lineare Parallel- 
structur überhaupt 295 


und verwandte Erscheinungen im thüringischen Schiefergebirge. 305 


Seite 

Bewegungen und Neubildungen längs Schichtflächen. Beispiele . . 299 

Parallelkliiftung. Auftreten und Eigenschaften derselben. Lage der Klüf- 
tungsrichtungen im thüring. Schiefergebirge. Sonstiges auf Klüftung- 
bezügliches 301 


Erklärung der Figuren. 

Fig. 1. Felsen des oberdevonischen Knotenkalkes, transversal geschiefert. 

Thal SW. hei Steinach (Section Steinheid). Schichtung in der 
Richtung von unten nach oben, Schieferung in der Richtung von 
links unten nach rechts oben. — Natürliche Höhe ca. 5 — 6 Meter. 
— Zu Seite 273. 

Fig. 2. ca. V6 der natürlichen Grösse. — Ein Stück von Figur 1 in 
derselben Stellung, tr- Richtung der Transversalschieferung. Die 
Reihen der (jetzt ausgewitterten) Kalkknollen sind durch die 
Schieferung hie und da ein wenig verschoben, im Ganzen aber 
noch gut erhalten und auch die einzelnen Knollen mit ihrer 
Längsrichtung noch in der alten Lage. — Zu Seite 274. 

Fig. 3. Ys der natürlichen Grösse. — Theil eines Handstückes von der- 
selben Localität, in derselben Lage. — Zu Seite 274. 

Fig. 4. Y 21 der natürlichen Grösse. — Stück einer aus einzelnen Theil- 
stücken zusammengesetzten Kalkplatte (Kalkknollenlage), wie sie 
an der oberen Grenze des Oberdevon zwischen Thonschiefer 
liegen, von oben gesehen. — Bei Steinach. — Zu Seite 275. 

Fig. 5. Y 25 der natürlichen Grösse. — Dieselbe Kalklage, wie in Fig. 4, 
an einer anderen Stelle gesehen, wo sie durch die Transversal- 
schieferung in ihre einzelnen knollenförmigen Theilstücke auf- 
gelöst ist. — tr- Richtung der Transversalschieferung. — Zu 
Seite 275. 

Fig. 6 . ca. Y 40 der natürlichen Grösse. — Unterdevonischer Tentaculiten- 
Knollenkalk, transversal geschiefert ss- Schichtung, welche nach 
SSO. sehr steil einfällt, tr- Transversalschieferung, welche nach 
WNW. steil einfällt. Die breiteren Streifen sind Kalk, die 
schmäleren Thonschiefer. Bei Gräfenthal. — Zu Seite 272. 


20 


306 H. Loretz, über Transversalschieferung und verwandte etc. 

Fig. 7. ca. Vio der natürlichen Grösse. — Ansicht eines Stückes einer 
Schichtfläche im grossen Griffelbruch am Fellberg bei Steinach; 
auf derselben liegen zahlreiche zu Rotheisen verwitterte Markasit- 
knollen, an deren Enden sich Faserquarzbüschel in der Richtung 
der Streckung oder Griffellage — ab — angesetzt haben. (Die 
Faserquarzbüschel sind z. Th. etwas zu lang gezeichnet.) — Zu 
Seite 285. 

Fig. 8a und -b. Natürliche Grösse. — Ein kleiner und ein Fragment 
eines grösseren, zu Eisenoxyd verwitterten Schwefeleisenknollen 
von Fig. 7; der kleinere von aussen gesehen, der grössere durch- 
brochen. m- Markasit, /-Faserquarz (zum Theil mit Gümbelit), 
t h - Thonschiefer. — Zu Seite 285. 


in Osttliüringen. 

Von Herrn E. Dathe in Berlin. 


Die paläozoischen Formationen des Fichtelgebirges, des öst- 
lichen Thüringens und des Vogtlandes zeigen in ihrer Ausbildung, 
sowohl in petrographischer und paläontologischer , als auch in 
strati graphischer Hinsicht grosse Ueb er ein Stimmung. Diese Gleich- 
heit oder wenigstens Aehnlichkeit besteht nicht nur in den sedi- 
mentären Gesteinen und ihrer Petrefactentulirung, wenn auch der 
Charakter beider sich local zuweilen ändert, sondern bekundet sich 
auch in der petrographischen Beschaffenheit der mit ihnen verge- 
sellschafteten Eruptivgesteine. Dass die basischen Eruptivgesteine, 
namentlich die Diabase, sobald sie gleichalterig , also als Lager 
zwischen bestimmten Formationsstufen eingeschaltet sind, auch in 
den meisten Fällen in ihrer Zusammensetzung und Structur über- 
einstimmen, ist ein wichtiges Resultat, das die Untersuchungen 
von Gümbel und Liebe zu Tage gefördert haben und dessen 
Richtigkeit ich nach meinen bisherigen Erfahrungen voll bestätigen 
kann. Gümbel gründet bekanntlich auf diese von mancher Seite 
noch nicht recht gewürdigten Thatsaclien seine Eintheilung der 
Grünsteine, der Diabase und der Diorite. So sind beispielsweise 
gewisse porpliyrische Diabase (Proterobase) von cambrischem, die 
Paläopikrite von unterdevonischem und die Kalkmandeldiabase von 
oberdevonischem Alter. 


20 * 


308 


E. Dathe, Diabas im Culm bei Ebersdorf in Ostthüringen. 


Die Eruption der Diabase wird in den genannten Gebieten 
von beiden Forschern mit der Ablagerung des Oberdevon als ab- 
geschlossen betrachtet und das Auftreten von ächten körnigen 
Diabasen in der nächst jüngeren Formation, dem Culm verneint. 
Gümbel 1 ) schreibt darüber: »Eigentliche Diabasgesteine durch- 
brechen selbst die tiefsten Culmlagen nicht mehr und es sind nur 
schmale, stets in Gängen aufsetzende glimmerreiche Gesteine, die 
als Lamprophyr von dem Diabas abgeschieden wurden. Tuffe oder 
Schalsteine sind damit nirgends verbunden.« Aelmlich spricht 
sich Liebe 2 ) aus, wenn er sagt: »Am Ende der Devonzeit fanden 
die mit Eruptionen von Kalkdiabasen zusammenhängenden Bil- 
dungen der so mächtigen hangenden Diabasbreccien statt — die 
letzten Ergüsse von Grünstein im Gebiet.« 

Die Kartirung der Section Lobenstein im südöstlichen Thürin- 
gen, womit ich im Jahre 1881 beschäftigt war, hat indess ergeben, 
dass der obige Erfahrungssatz zwar im Allgemeinen seine Richtig- 
keit hat, dass jedoch auch ächter körniger Diabas noch in der 
Culmformation gangförmig aufsetzen kann, wie dies in der Gegend 
von Ebersdorf bei Lobenstein thatsächlich der Fall ist. Die Be- 
gründung dieser Behauptung soll in den folgenden Zeilen in der 
Weise geschehen, dass zunächst die geologischen Verhältnisse des 
Schiclitencomplexes, in welchem das Gestein zur Eruption gelangt 
ist, kurz beschrieben werden; sodann soll die petrographische Be- 
schaffenheit der Felsart noch in Betracht gezogen werden. 

Die Gesteine, welche die Culmformation in der Gegend von 
Ebersdorf aufbauen, sind Thonschiefer, sogenannte Grauwacken 
und Adinolschiefer. Ein einziges Mal, nordöstlich von Ebersdorf 
an der Chaussee nach Saalburg (Section Hirschberg), wurden im 
untersten Niveau auch dünne Lagen von Kieselschiefer im Culm- 
thonschiefer beobachtet. Die Thonschiefer sind von grauschwarzer 
Farbe, haben matten, wenig schimmernden Bruch und geringe 
Härte und sind für das unbewaffnete Aime höchst feinkörnig. 
Durch Beimengung von zahlreichen und bis hirsekorngrossen 

*) Geognost. Beschreibung des Fichtelgebirges, pag. 528. 

2 ) Die Seebedeckungen Ostthüringens, pag. 10. 


E. Dathe, Diabas im Culm bei Ebersdorf in Osttluiringen. 


309 


Quarzkörnern in bestimmten Lagen entstehen sandige gebänderte 
Schiefer, welche in reicher Abwechselung ausgebildet, den Ueber- 
gang in die unter dem Namen Grauwacke zusammengesetzten 
Gesteine vermitteln. Die Schichtung des Thonschiefers ist oft 
durch die transversale Schieferung, welche die erstere unter ver- 
schiedenen Winkeln schneidet, verdeckt. Die Grauwacken lassen 
sich in Sandsteine und Conglomerate trennen, und besteht das 
klastische Material der letzteren ausser einem bestimmten Antheil 
von Schiefermaterial ans Bruchstücken und Gerollen von Kiesel- 
schiefer, Quarzit, Feldspath, Quarz und mancherlei älteren Schiefer- 
gesteinen. Die Adinolschiefer, wie solche am Gallenberge bei 
Lobenstein, bei Schönborn und Unterlemnitz ausgebildet sind, ge- 
hören immer dem tiefsten Niveau der Culmformation in dieser 
Gegend an und sind wohl als aequi valente Bildungen der Culm- 
kieselschiefer zu betrachten. Thonschiefer und Grauwacken, ebenso 
Thonschiefer und Adinolschiefer sind durch vielfache Wechsellage- 
rung mit einander verbunden; dabei sind namentlich die grob- 
körnigen Grauwacken (Sandsteine) in höheren Stufen regelmässiger 
anzutreffen. 

Die Verbreitung und Lagerungsverhältnisse des als Culm be- 
zeichneten Schiefersystems in der Umgebung von Ebersdorf sind 
aber folgende. Im nordöstlichen Theile der Section Lobenstein 
— Ebersdorf liegt auf der Grenze zwischen den Sectionen 
Lobenstein und Hirschberg — herrschen die durch Wechsel- 
lagerung von Thonschiefern und Grauwacken charakterisirten 
Culmschichten, aus denen in schmalen Streifen an etlichen Punkten 
oberdevonische Schichten und zwar Knotenkalke, Kalkdiabase, 
Diabastuffe und gelblichgraue Schiefer (Cypridinenschiefer?) her- 
vortreten. Culm und an einigen Stellen Oberdevon greifen bei 
Lobenstein discordant auf eine grosse Strecke in der Richtung 
von SO. nach NW. über camb rische Schichten; zwischen Culm 
und den oberdevonischen Schichten ist in der betreffenden Gegend 
jedoch eine gleichförmige Ueberlagerung zu constatiren. Oestlich 
von Lobenstein und Ebersdorf gelangt man bald an die Grenze 
der Culmformation, welche auf das Oberdevon daselbst gleichfalls 
in concordanter Stellung folgt. Die Grenzlinien zwischen beiden 


310 


E. Dathe, Diabas im Culm bei Ebersdorf in Ostthüringen. 


Formationen hält beinahe eine rein südnördliche Richtung ein und 
fällt dieselbe bereits in dem grössten Theile ihres Verlaufes auf 
die östlich anstossende Section Hirschberg. Nördlich von Ebers- 
dorf und der Section Lobenstein nimmt die Verbreitung der Culm- 
formation zu und scheint dieselbe sich über den grössten Theil 
der Section Liebengrün auszubreiten. — 

Da nun einerseits wohl charakterisirte Schiefergesteine, die 
mit solchen aus bekannten versteinerungsführenden Culmschichten 
Ostthüringens übereinstimmen, vorhanden sind, andererseits auch 
direct gleichförmige Lagerung über oberdevonischen Schichten 
zu beobachten ist, so ist es wohl über allem Zweifel erhaben, dass 
die Schichten von Ebersdorf zur Culmformation und zwar zu 
deren unteren Abtheilung gehören. 

Die grosse horizontale Verbreitung der Formation in diesem 
Bezirk lässt aut den ersten Blick eine bedeutende Mächtigkeit der- 
selben vermuthen; indess ist dies nur scheinbar der Fall. Die 
öftere Wiederkehr von gewissen Culmgrauwacken und der Adinol- 
schiefer an verschiedenen nicht im Streichen liegenden und von 
einander ziemlich entfernt auftretenden Punkten, drängt zu der 
Annahme, dass die Culmschichten der Gegend von Lobenstein- 
Ebersdorf zu zahlreichen Sätteln und Mulden zusammengeschoben 
sind. Durch diesen Umstand und die starkwirkende Erosion ist 
zugleich die Blosslegung von den oben erwähnten oberdevonischen 
Schichten leicht erklärlich. Das durchschnittliche Streichen der 
Culmschichten verläuft von SW. nach NO. 

Westlich von Ebersdorf wurden in den beschriebenen Culm- 
schichten bei der Kartirung der Gegend zuerst grosse und zahl- 
reiche Diabasblöcke nördlich vom Dorfe Schönborn aufgefunden, 
die, wie die weiteren Untersuchungen an Ort und Stelle ergaben, 
einem dort aufsetzenden, meist aber oberflächlich zu einem gelb- 
lichen Lehm verwitterten Diabasgange angehören. Bei einer nach- 
gewiesenen Länge von circa 500 Schritt verbreitert sich der Gang 
nach Süden zu bis zu 250 Schritt. Blöcke desselben Gesteins 
wurden in nordwestlicher Richtung in der Flur von Friesau, ausser- 
dem an drei anderen Punkten ermittelt, deren Erstreckung gleich- 
falls mehrere hundert Schritt beträgt. Das nördlichste bis jetzt 


E. Dathe, Diabas im Culm bei Ebersdorf in Ostthüringen. 


311 


constatirte Vorkommen greift noch auf die nördlich anstossende 
Section Liebengrün in einer Länge von 500 Schritt über und ist 
die Fortsetzung des Ganges in nordwestlicher Richtung noch nicht 
gänzlich ausgeschlossen. Die Mächtigkeit des Ganges an den 
letzteren Punkten ist augenscheinlich nicht beträchtlich und beträgt 
wohl höchstens 1 Meter. Südwestlich von Ebersdorf wurde das- 
selbe Diabasgestein bei Polilig’s Haus in einem Hohlwege in einer 
Breite von 10 Metern recht gut aufgeschlossen gefunden. Die 
Entfernung des bis jetzt bekannten nördlichsten und des südlich- 
sten Punktes von einander beträgt über 7000 Schritt, also beinahe 
3 /4 Meilen. Da nun die fünf Ausstriche des Gesteins in einer 
Linie hintereinander liegen, welche die Richtung SO. — NW. besitzt, 
die Culmscliichten aber, wie oben bemerkt, NO. — SW. streichen, 
so gehören sie unzweifelhaft einer einzigen Gangspalte an, welche 
die Culmschichten ziemlich rechtwinkelig schneidet. Das Alter 
des betreffenden Diabases ist demnach jünger als oberdevonisch; 
doch lässt sich dasselbe, obwohl seine Eruption kurz nach Absatz 
der Culmschichten wahrscheinlich ist, nicht noch näher bestimmen; 
eine Abgrenzung betreffs des Alters nach oben muss geradezu als 
unthunlich bezeichnet werden. 

Der Diabas erweist sich bereits bei makroskopischer Betrach- 
tung als ein deutlich körniges Gestein, in welchem die 1,0 — 1,5 
Millimeter langen und schmalen 0,25 — 0,50 Millim. breiten Leisten 
des Plagioklases und die schwarzen Augitkörner gleichmässig ver- 
theilt sind. In manchen Handstücken ist der Augit auch noch in 
etwas grösseren, 1 — 2 Millimeter langen Säulchen spärlich ver- 
theilt , die im Verhältniss zu den übrigen Gesteinsgemengtheilen 
fast porphyrisch hervortreten. In wechselnder Menge ist Eisen- 
kies, theils in feinsten Pünktchen, theils in bis zu erbsengrossen 
und kugelrunden Körnern eingesprengt. Auffallend ist die leichte 
Verwitterbarkeit des schwärzlichgrünen Diabasgesteins. Das Aus- 
gehende des Ganges ist überall bis zu beträchtlicher Tiefe (bei 
Pohlig’s Haus, südlich von Ebersdorf 2 — 3 Meter) zu einem gelb- 
lichbraunen Lehm zersetzt, in dem faust- und kopfgrosse, aber 
auch noch grössere Blöcke zurückgeblieben sind. Sämmtliche 
Blöcke sind entweder kugel- oder länglichrund. An ihrer Ober- 


312 


E. Dathe, Diabas im Culm bei Ebersdorf in Ostthüringen. 


fläche sind sie mit einer 2 — 5 Centimeter starken Verwitterungs- 
kruste bedeckt, die in zahlreiche 2 — 3 Millimeter dicke, concen- 
trisch über einander liegende Schalen zerfällt. Manche der faust- 
grossen Blöcke bestehen lediglich aus der graubraunen V erwitterungs- 
masse, welche beim Schlagen mit dem Hammer in unzählige Schalen- 
fragmente zerschellt. Die Erscheinung der kugeligschaligen Ab- 
sonderung in Folge von Verwitterung und der Zersetzung in Lehm 
theilt unser Diabas mit den gleiclialterigen Lamprophyren. 

Von den Hauptgemengtheil eu der Felsart, Plagioklas und 
Augit, überwiegt der erstere den letzteren in der Weise, dass nach 
genauen Schätzungen an Dünnschliffen Plagioklas und Augit sich 
verhalten wie 3:2. Die schmalen Plagioklasleisten sind theils als 
einfache Zwillinge , theils als Viellinge vorhanden und letztere 
zeigen zum Theil eine Zwillingsverwachsung nach dem Albit- und 
Periklingesetz. Nach ihrer chemischen Zusammensetzung scheinen 
die Plagioklase mehreren Mischungen anzugehören. So wurden 
mehrfach einfache Zwillinge gemessen , welche beiderseits der 
Zwillingsgrenze bei 14, 15 und 16 Grad; andere die bei 4, 5 
und 2 Grad auslöschen; sie werden demnach wohl meistens 
der Oligoklasreihe zugehören. An anderen Durchschnitten ergab 
die Messung Werthe von 30 — 32 Grad; die somit Labrador an- 
zeigen. 

Vollständig frische Krystalle sind wenig zugegen; es macht sich 
fast an allen die Zersetzung und zuweilen iu recht hohem Maasse 
bemerklich. Die bekannten grauen weisslichen Körnchen und 
Fäserchen, die bei gekreuzten Nicols die eisblumenähnliche Structur 
zu erkennen geben, siedeln sich auf Spalten, Zwilliugsebenen bis tief 
ins Innere der Krystalle an. In diesem Gemisch, das vermuthlich in 
der Hauptsache aus muscovitälm liehen Gebilden besteht, lassen sich 
noch zahlreiche kleine Kalkspathflimmerchen erkennen, welche 
sich in Salzsäure leicht lösen, während die Hauptmasse selbst in 
heisser Salzsäure unverändert bleibt. Die Zuführung vou chlo- 
ritischen Gebilden geschieht namentlich in der Nachbarschaft von 
stark zersetztem Augit und häufen sich dieselben besonders in 
der äusseren Zone der Feldspatlie an. Eine Bildung von Pistazit- 
in den Plagioklasen konnte nicht nachgewiesen werden. 


E. Dathe , Diabas im Culm bei Ebersdorf in Ostthüringen. 


313 


Der Augit ist nie in wohl umgrenzten Durchschnitten zu 
beobachten; er bildet vielmehr mehr oder minder lange und 
schmale Leisten, seltener keilartige oder rundliche Krystalldurch- 
schnitte. Augitzwi Hinge nach dem bekannten Gesetz und knäuel- 
artige Verwachsungen von mehreren Individuen in verschiedenen 
Ebenen sind seltener angetroffen worden. Die Augitdurchschnitte 
sind fast farblos oder sie besitzen einen Stich ins Röthliche; sie 
zeigen neben der prismatischen Spaltbarkeit auch solche nach der 
Längsfläche. Die Auslöschungsschiefe beträgt 30 — 45 Grad. Eine 
Verwachsung mit primärer Hornblende wurde einige Male am 
Augit wahrgenommen. 

Die Alteration der Augitsubstanz hebt entweder an den Rän- 
dern der Durchschnitte an, oder beginnt in der Mitte des Krystalls, 
wobei im letzteren Falle die Bildung von Spalten indess voraus- 
gegangen sein muss. Die am Augite so interessanten Zersetzungs- 
erscheinunsren schlaffen bei den Culmdiabasen verschiedene Rieh- 

o o 

tungen ein. Bei vielen Augiten besteht das erste Stadium der 
Umwandlung in der Bildung von Hornblende. Im gewöhnlichen 
Lichte lichtgrün, zeigt sie einen Dichroismus zwischen licht- 
und dunkelgrün. Die Auslöschungsschiefe der etwas gefaserten 
Hornblendesubstanz beträgt 16 — 20 Grad. Ein Auflösen des 
Augits in schilfähnliche oder spiessige Hornblendenadeln, wie das 
sonst hei manchen Diabasen vorkommt, fehlt. Schreitet die Zer- 
setzung des Augits von den Rändern nach dem Innern fort, so 
ist in der Regel die neue Zersetzungspartie zwar auch wiederum 
Hornblende, doch deren äussere Randzone zerfällt bereits wieder 
in faserige und schuppige, zuweilen auch recht homogene Um- 
bildungsproducte, die indess die Auslöschung der Hornblende nicht 
mehr besitzen, sondern parallel der Nicolhauptschnitte auslöschen 
oder Aggregatpolarisation zeigen. 

Die begonnene Umbildung des Augits in Uralit wird somit 
auf halbem Wege unterbrochen; es ist in diesem Gestein nie ein 
vollständig zersetzter Augit nur aus Hornblende zusammengesetzt 
gefunden worden. Im Gegentheil, die vollkommenen Pseudomor- 
phosen nach Augit zeigen entweder radialstrahlige , faserige und 
schuppige grünliche Gebilde, die, da sie sich meist schon in kalter 


314 


E. Dathe, Diabas im Culm bei Ebersdorf in Ostthüringen. 


Salzsäure auf lösen, vorzugsweise aus Chlorit bestehen, oder sie 
sind ein grünliches, ziemlich homogenes und nur wenig gefasertes 
Mineral. Die Auslöschung des letzteren erfolgt parallel seiner 
Faserung, sein Dichroismus ist schwach. Es wird von Salzsäure 
auch nach längerer Behandlung, wobei sich aller Kalkspath 
und Chlorit gelöst hatte, nur etwas gebleicht, aber nicht zer- 
setzt. Rosenbüsch 1 ) erwähnt im Kapitel über Diabase diese 
Pseudomorphose nach Augit; er fügt hinzu, dass sie im sel- 
bigen Verhältniss zum Augit zu stehen scheine , wie der 
Bastit zum Enstatit, und er vermuthet sogar in derselben selbst 
Bastit. Nach meinen Beobachtungen möchte ich letztere An- 
nahme für das Wahrscheinlichste halten; der Bastit würde aber 
nur ein Zwischenstadium für die weitere Zersetzung in Ser- 
pentin bilden; eine Möglichkeit, die durch das Vorhanden- 
sein von Pikrolith auf Diabasklüften auch makroskopisch ge- 
stützt wird. 

Neben den im Vorhergehenden geschilderten Zersetzungsvor- 
gängen am Augit ist die directe Bildung von Chlorit aus dem- 
selben wohl am häufigsten ; sie erfolgt in der so oft beschriebenen 
Weise und liefert faserige und schuppige Chloritpartieen, die oft 
auch radialstrahlig gestellt sind. 

Als weitere Producte gehen aus der Zersetzung des Augits 
pulverförmige Eisenerze (Magneteisen) hervor, wie dies von mir 
zuerst beschrieben worden ist 2 ); ferner Kalkspath, der theils in 
feinen zierlichen Flimmern sich zwischen Chlorit, Hornblende, 
Bastit? vertheilt, oder in rundlichen Körnern mit Zwillingsver- 
wachsung nach — Y 2 R. ausgeschieden ist. Die Kieselsäure, welche 
bei der Augitzersetzung frei wird, erscheint entweder in der Ge- 
stalt von Quarz in rundlichen oder scharf begrenzten Krystall- 
durchsclmitten ausgebildet, oder in radialstrahligen , feinfaserigen 
Gebilden, welche bei gekreuzten Nicols ein schwarzes Interferenz- 
kreuz geben. Letztere Bildung scheint dem Chalcedon anzuge- 
hören. Quarz und Chalcedon sind stets vergesellschaftet mit 

1 ) Physiographie der massigen Gesteine, pag. 331. 

3 ) Zeitschrift der Deutschen geol. Gesellschaft 1874, pag. 14. 


E. Dathe, Diabas im Calm bei Ebersdorf in Osttliürmgen. 


315 


Kalkspath und Chlorit und ist ihre secundäre Entstehung dadurch 
bewiesen. 

Ein geringer Theil von Quarzkörnchen in diesen Diabasen 
ist aber auch primärer Entstehung; es sind diejenigen, welche 
zwischen noch verhältnissmässig frischen Augiten und Plagioklasen 
keilförmig eingeklemmt sind. 

Von den Erzgemengtheileu ist neben dem secundären Magnet- 
eisen Titaneisen und Eisenkies zugegen. Beide letzteren sind, 
da beide noch recht frisch, schwer zu unterscheiden; die feine 
Durchlöcherung des Eisenkieses giebt jedoch bei der mikroskopi- 
schen Untersuchung hierfür noch einigen Anhalt. Eisenglanz 
kommt zahlreich in wohlbegrenzten winzigen Blättchen an manchen 
Stellen recht häufig vor; es scheint fast, da ihre Zahl zwischen 
den anderen Zersetzungsproducten des Gesteins sich mehrt, ihre 
secundäre Entstehung gleichfalls wahrscheinlich zu sein. Apatit 
ist spärlich in den Diabasen des Culms von Ebersdorf vertreten. 

Die Structur der Diabase ist eine rein krystalline; denn irgend 
welche amorphe Zwischenklemmungsmasse wurde in denselben 
nicht beobachtet. Die richtungslos körnige Structur herrscht im 
Allgemeinen vor; doch macht sich an manchen Handstücken und 
Präparaten auch eine Andeutung zur kugeligen Gruppirung von 
Plagioklas und Augit geltend. Bereits makroskopisch spricht sich 
das Gefüge dadurch aus, dass namentlich die Plagioklase in stern- 
förmigen Gruppen an einigen Vorkommnissen zu erkennen sind. 
Besonders charakteristisch und zahlreich zeigt diese Aggregation 
ein Handstück von Friesau, an welchem 1 Millimeter lange Feld- 
spathleisten zu vier-, fünf- und sechsstrahligen Sternchen ver- 
einigt sind. U. d. M. macht sich das radialstralilige Gefüge gleich- 
falls geltend, indem man zugleich bemerkt, dass Augitsäulchen 
zwischen derartigen mehr oder weniger sternförmigen Plagio- 
klasleisten sich einldemmen und an der kugeligen Bildung theil- 

Ö O O 

nehmen. Manchmal giebt der Augit die Tendenz zu dieser Aggre- 
gation; so bildet er in einigen Präparaten (Friesau und Schönborn) 
einige Male recht regelmässige vierstrahlige Sterne, zwischen deren 
Strahlen sich Plagioklasnädelchen und Erzgemengtheile einfügen. 
Die Plagioklase und Augite zeigen nach den Enden, welche sich 


316 


E. Dathe, Diabas im Culm bei Ebersdorf in Ostthüringen. 


im Centrum treffen, eine keilförmige Zuspitzung. Vollendete 
Sphärolithe, wie sie so schön bei den Varioliten des Vogtlandes, 
namentlich in denen von Wurzbach, welche ich erst neuerdings 
aufgefunden und demnächst eingehender behandeln werde, Vor- 
kommen, sind es nicht; denn zur Bildung dieser ist augenschein- 
lich das Gestein noch zu körnig; doch die Tendenz zu solcher 
Bildung ist in den Diabasen des Culm von Ebersdorf entschieden 
vorhanden. 

Die Stellung im System verweist diese Diabase zu den Dia- 
basen schlechthin ; der wenige primäre Quarzgehalt, sowie die noch 
seltenere primäre Hornblendeführung berechtigen noch nicht, dies 
Gestein zu den Proterobasen zu ziehen. 


Gletscliererscheiiiuugeii 

im Frankenwalde und vogtländisclien Berglande. 

Von Herrn E. Dathe in Berlin. 


Die Bildung des norddeutschen Diluviums hat man bis in die 
jüngste Zeit heran durch die Drifttheorie zu erklären versucht. 
Eine Anzahl von wichtigen Beobachtungen, welche innerhalb der 
letzten fünf Jahre in diesem Gebiete gemacht wurden, hat indess 
einen Theil der norddeutschen Geologen bewogen , jene Theorie 
aufzugeben und einer neuen, der Glacialtheorie sich zuzuwenden, 
also derjenigen Theorie, welche die Entstehung des nordischen, 
speciell auch des norddeutschen Diluviums auf eine allgemeine 
Vergletscherung dieser Landstriche, welche von Skandinavien und 
Finnland ausging, zurückführt. Den Geschiebelehm mit seinen 
geschrammten und gekritzten Geschieben von nordischer und ein- 
heimischer Herkunft deutet man als Grundmoräne des gewaltigen 
und wohl mehrere hundert Meter mächtigen Inlandeises; während 
man in der gerundeten und geschrammten Oberfläche vieler Felsen, 
welche im Bereiche des Diluviums an vielen Orten (Rüdersdorf, 
Wurzen, Taucha, Kleinsteinberg, Halle, Lommatzsch, Velpke) auf- 
gefunden worden sind, gleichfalls die Wirkungen desselben Phä- 
nomens erblickt. Die südliche Grenze des Diluviums in Nord- 
deutschland, welche von Holland aus durch Deutschland am Fusse 
der mitteldeutschen Gebirge in ziemlich gebogener Linie von West 
nach Ost entlang verläuft und bis zu einer Meereshöhe von 440 
Meter (Erzgebirge) aufsteigt, ist nach der Glacialtheorie zugleich 


318 


E. Dathe, Gletscherersclieinungen 


die Grenze der grössten Ausdehnung des Inlandeises, welches 
jene Gebirge, also die Sudeten, das Riesengebirge, das Erzgebirge, 
den Frankenwald, den Thüringerwald und den mehr nördlich ge- 
legenen Harz demnach nicht erstiegen hat. 

Wenn aber nach der Glacialtheorie eine so grossartige Eis- 
bedeckung Norddeutschlands einst stattgefunden hat,_ so muss noth- 
wendigerweise in allen den oben genannten Gebirgen, welche eine 
beträchtliche Ausdehnung und Erhebung besitzen, das Klima auf 
lange Zeit ein so niedriges und feuchtes gewesen sein, wie solches 
in arktischen Regionen der Erde noch jetzt herrscht. 

Diese Beschaffenheit des Klimas zu jener Zeit bedingt aber, 
dass der als atmosphärischer Niederschlag in den Gebirgen ange- 
häufte Schnee die Form des Firns angenommen haben wird, wo- 
mit zugleich die Bedingungen zur Bildung localer Gletscherströme 
gegeben waren. 

Von der Richtigkeit dieser Schlussfolgerung seit Jahren über- 
zeugt , lenkte ich bei den geologischen Aufnahmen in Ost- 
thüriimen in den beiden letzten Jahren mein Augenmerk auf alle 
diejenigen Erscheinungen, welche als Spuren des Glacialphänomens 
gedeutet werden konnten. Schon in den ersten Monaten meiner 
dortigen Thätigkeit glückte es mir, Pfingsten 1880 bei Saalburg 
die ersten Glacialspuren aufzufinden, wozu im vergangenen Jahre 
sich noch weitere Beobachtungen bei Wurzbach gesellt haben. 
Es liegt nahe, die Gletschererscheinungen in Ostthüringen nach 
ihren einzelnen Localitäten zu betrachten und zuletzt die sich 
daraus ergebenden Schlüsse zu ziehen. — Wir beginnen die Be- 
Schreibung mit dem Wurzbacher Vorkommen. 

Wurzbach liegt im nördlichen Theile des waldreichen Mittel- 
gebirges, welches den Thüringerwald und das Fichtelgebirge in 
der Richtung von Südost nach Nordwest verbindet und das der 
Frankenwald genannt wird. Dieses Gebirge ist durch zahl- 
reiche und langausgedehnte Bergrücken, welche eine geringe 
Breite besitzen und durch tiefe, steilgeböschte Thäler von einander 
getrennt sind, charalrterisirt, Seine Stellung als Mittelgebirge 
bringt es mit sich, dass seine Erhebungen über dem Meeresspiegel 
diejenigen der beiden genannten Gebirge nicht ganz erreichen; 


im Frankemvalde und vogtländischen Berglande. 


319 


doch kommen sie der Durchschnittshöhe der meisten mitteldeutschen 
Gebirge immerhin ziemlich nahe, wie aus den folgenden Angaben 
ersichtlich wird. Die wichtigsten Höhenpunkte im Frankenwalde 
sind folgende: der Rennsteig bei Tettau (1819') 1 ), der Culrn bei 
Lehesten ( 1 900 ' ) , Osslahügel bei Ossla ( 1 800 ' ) , Rodacherbrunn 
(1810'), der graue Berg (1808'), der Vogelberg (1800'), der »Fels« 
(1875’) — die letzteren drei bei Wurzbach gelegen — , der Lerchen- 
hügel bei Heinersdorf (1817 '), der neue Berg bei Neundorf (1 770'), 
der Sieglitzberg bei Lobenstein (1878'), der Culmberg bei Schlegel 
(1900') und der Krähenhügel bei Schlegel (1742,5'). 

Die Menge der atmosphärischen Niederschläge ist in diesem 
Gebirge noch jetzt eine ansehnliche. Ein grosser Tlieil derselben 
und zwar aus dem mittleren Theile des Frankenwaldes werden 
durch die Loquitz und Sormitz der Saale zugeführt. Die Sormitz 
entsteht aus der Vereinigung von acht Bächen, die in verschie- 
denen Richtungen der Windrose aus den Wäldern des Franken- 
waldes bei Wurzbach Zusammentreffen. Zwischen Wurzbach und 
dem südöstlich von demselben liegenden Höhenrücken, dem »Fels« 
findet sich in der Umgebung; der sogenannten Ziegelhütte eine 
Ablagerung von Geschiebelehm , welcher , wie die folgenden 
Zeilen ergeben werden, eine glaciale Bildung zugeschrieben wer- 
den muss. 

Zur besseren Beurtheilung der Lage des Vorkommens ist um- 
stehendes Höhenprofil, Maassstab 1 : 25000 entworfen worden. 
Geht man von Wurzbach, also aus dem Sormitzthale, dessen Thal- 
sohle 1400' über dem Meeresspiegel liegt, nach O. den 1800 Schritt 
weiten Weg zur Ziegelhütte, so steigt man die ersten 1300 Schritte 
allmählich, aber stetig aufwärts bis zur Höhencurve 1625'; von da 
ab mindert sich die Steigung des Terrains bis zur Ziegelhütte, 
denn sie beträgt auf 500 Schritte nur 50’, so dass eine ganz flach 
geböschte Stufe im Terrain entsteht, die sich nördlich und südlich 
der Ziegelhütte auf viele hundert Schritte ausdehnt. Diese Terrain- 
stufe erscheint fast als eine ebene Hochfläche, die nach S. ganz 


1 ) Die Höhen in preussiscken Decimalfussen angegeben. 1 preuss. Decimal- 
fuss = 1,2 preuss. Fuss (0,31385 Meter) = 0,37662 Meter. 


320 


E. Datiie, Gletschererscheinungen 



allmählich sich nach dem Querenbachthale 
senkt und zwar auf 800 Schritt um 100'; 
nördlich von der Ziegelhütte verbreitet sich 
dieselbe nach O. und W. und erstreckt sich 
gleichfalls noch viele hundert Schritte weit. 
Auf dieser ziemlich ebenen Hochfläche ist 
nun die fragliche Glacialbildung in derselben 
Ausdehnung abgelagert worden. Ihre Länge 
beträgt circa 1500 Schritt bei einer Breite von 
circa 500 Schritt. Ehe wir nun diese inter- 
essante Localität näher betrachten, mag noch 
erwähnt werden, dass das von der Ziegel- 
hütte nach SO. gelegte Höhenprofil bis zum 
»Eels« eine starke Steigung des Terrains an- 
zeigt, die auf eine Länge von 1200 Schritt 
sich auf 200’ beläuft, da der »Fels« eine 
Höhe von 1875' erreicht. 

Die Gruben der Ziegelhütte bei Wurz- 
bach, welche nördlich und südlich derselben 
und am Wege nach dem Dorfe Helmsgrün 
liegen, erschliessen gerade den mittleren Theil 


der 


ganzen Ablagerung. 


Durch den lam 


jährigen Abbau sind die Aufschlüsse recht 
ansehnliche geworden ; denn die nördlichen 
Gruben haben eine Längte von 75 Schritt bei 
gleicher Breite, und das südliche Gruben- 
feld hat eine Länge von 100 Schritt bei einer 
Breite von 60 — 90 Schritt. Beim Eintritt in 
die Aufschlüsse fallen sofort zweierlei Schich- 
ten dem Beobachter in die Augen ; eine 
obere mit zahlreichen Blöcken erfüllte Lelnn- 
ablagerung (5) und eine untere, welche keine 
Spur von solchen aufweist. Die untere Partie besteht aus einem 
ockergelben Lehm (a), welcher aus der Verwitterung von daselbst 
anstehenden Diabasmassen der Devonformation hervorgegangen ist. 
Lediglich dieser Verwitterungslehm, der freilich wegen starken 


im Fraukenwalde und vogtländisclien Berglande. 


321 


Wasserzutritts nur bis 1 Meter tief abgebaut wird, wird zur Ziegel- 
fabrikation gewonnen, während die überlagernde 1,30 Meter, an 
manchen Stellen auch 1,50 Meter mächtige Schicht wegen ihrer 
grandigen Beschaffenheit entweder gar nicht oder nur theilweise 
dazu verwandt werden kann. Von den Lagerungsverhältnissen und 
sonstigen Eigenthümliclikeiten der ganzen Ablagerung giebt folgender 
Holzschnitt aus einer der südlichen Gruben ein getreues Bild. 



Jeder Geologe wird in der mehrfach schon erwähnten oberen 
Partie des Aufschlusses einen typischen Blocklehm erkennen. Der- 
selbe ist grau- bis ockergelb und in seinen lehmigen Bestandtheilen 
ungemein plastisch ; es ist kaum zweifelhaft, dass der grös- 
sere Theil seiner feinerdigen Lehmmassen der Verwitterungsschicht 
der Diabase entstammt. Als achter Blocklehm ist er erfüllt von 
zahlreichen Blöcken und noch zahlreicheren Schiefergeschieben, 
die in die lehmige Zwischenmasse gleichsam eingeknetet worden 
sind. Die Vertheilung der Geschiebe, sowohl der grösseren Blöcke 
als auch der kleinsten Geschiebe im Lehm ist eine ganz unregel- 
mässige ; viele derselben stehen entweder senkrecht oder mehr oder 
weniger schief geneigt auf einer ihrer schmalen Kanten. Eine An- 
deutung von irgend welcher Schichtung fehlt der ganzen Lehm- 
ablagerung durchaus; regellos, wie die kleine Skizze lehrt, sind 
grosse und kleine Geschiebe darin vertheilt. 

Nach ihrem Material sind die Geschiebe tlieils paläozoische 
Schiefergesteine, theils Diabase. Am vorherrschendsten von den 
Schiefergesteinen sind schwarze unterdevonische Schiefer und die 
Nereitenquarzite; denn diese Schichten stehen östlich bis zum 
»Fels«, überhaupt in der Umgebung der Ziegelhütte an. Auch 
die in der Nähe, nach Süden auftretenden Culmschiefer und Grau- 
wacken bilden noch einen ziemlich ansehnlichen Procentsatz der 


21 


322 


E. Dathe , Gletschererscheinungen 


Geschiebe. Seltener sind die schwarzen glimmerreichen untersilu- 
rischen Schiefer, die mittelsilurischen Schiefer (Lydit) und die 
cambrischen Schiefer und Quarzite darin enthalten. Ihr Vorhanden- 
sein ist deshalb so interessant und wichtig, weil ihr nächster be- 
kannter Fundort jenseits des »Fels«, also weiter nach O. in der 
Nähe des Dorfes Helmsgrün sich vorfindet. Auf die Bedeutung 
dieses Umstandes soll weiter unten zurückgekommen werden. Die 
Diabase entstammen, soweit sich das ermitteln liess, vorzugsweise 
aus dem nach Südost sich ausdehnenden Unterdevon ; es sind die 
grobkörnigen Varietäten (unterdevonischer Hauptdiabas), sowie der 
Epidiorit, welcher am »Fels« ansteht, unter denselben mit Leichtig- 
keit wieder zu erkennen ; auch fehlen Diabastuffe nicht gänzlich. 

Die Grösse der Geschiebe ist eine höchst verschiedene. Die 
Diabase kommen in Blöcken vor, die nach genauen Messungen 
bis zu 0,8 Kubikmeter halten; auch devonische Schiefergerölle er- 
langen eine Grösse, welche bis zu 0,4 Kubikmeter aufsteigt. 
Kleinere Dimensionen sind häufiger und zahllos sind die kleinen 
kaum Decimeter langen und Centimeter breiten Schieferstücke. 
Das Verhältniss zwischen Geschieben und den sie beherbergenden 
Lehmmassen ist 1 : 1,5; während das Verhältniss der Schiefer 
zum Diabas ungefähr 10 : 2,5 betragen mag. 

Wenden wir uns schliesslich zu dem wichtigsten Punkte der 
ganzen Frage, nämlich zu der Beschaffenheit der Oberfläche der 
Geschiebe. Bei Durchmusterung derjenigen Blöcke, welche infolge 
des Abbaues in grossen Haufen in den Gruben umherliegen, fällt 
dem Beobachter sofort auf, dass die Mehrzahl derselben an ihren 
Kanten mehr oder minder gerundet sind, vielfach sind gleichzeitig 
ihre Flächen ziemlich glatt geschliffen, so dass man auf denselben 
keine auffallende Rauhigkeit bemerkt. An anderen Blöcken hin- 
gegen sind mehrere Flächen noch vollständig uneben und höckerig, 
während nur an einer oder zwei eine Polirung sich kenntlich 
macht. Die weicheren Schiefer sind im Grade der Abschleifung 
durchgängig weiter vorgeschritten und meist recht glatt polirt. 
Bei einer grossen Anzahl von Schiefergeschieben, welche mit der 
grössten Vorsicht aus dem Blocklehm herausgenommen wurden, 
zeigten sich auf der glatten Oberfläche nicht nur deutliche Kritzer, 


im Franken w.ilde und vogtländisclien Berglande. 


323 


sondern auch Schrammen, welche unter sich vollkommene Paralle- 
lität bei geradlinigem Verlauf besitzen. Bei etlichen geschrammten 
Geschieben sind gleichzeitig zwei Systeme von Schrammen zu be- 
merken, welche sich unter spitzem Winkel schneiden. Ein grosser 
Tlieil der Geschiebe besitzt somit eine Beschaffenheit, wie man 
solche an den Scheuersteinen der Moränen zu sehen gewohnt ist 
und wie solche gleichfalls an den Geschieben von nordischer und 
einheimischer Herkunft in den norddeutschen Geschiebelehmen 
schon längst bekannt sind. Es sind nach dem Vorstehenden dem- 
nach zwei Punkte, welche bei Beurtheilung der Entstehung der 
Ablagerung ins Gewicht fallen; nämlich erstens die vollkommen 
regellose, ungeschichtete Structur des Blocldelnns und zweitens die 
abgeschliffene Oberfläche der Geschiebe mit ihren Kritzen und 
Schrammen. Daraus folgt aber, dass man den Blocklehm in der 
Umgebung der Ziegelhütte bei Wurzbach als Grundmoräne einer 
ehemaligen Vergletscherung des Frankenwaldes ansprechen muss. 

Die muthmaassliche Richtung, aus welcher der angenommene 
Gletscher gekommen sein mag, lässt sich mit vollständiger Sicher- 
heit nicht angeben. Das Vorhandensein von Lydit, untersilurischem 
Schiefer und cambrischem Quarzit als Moränenmaterial verweist 
uns nach O., resp. SO.; denn das nächste Vorkommen dieser Ge- 
steine in der betreffenden Gegend liegt von der Ziegelhütte, wie 
oben bereits bemerkt, 'Q Meile östlich davon entfernt. Da aber 
jenes Schiefersystem sowohl nach Nord und Süd von jenem Punkte 
fortstreicht, so kann auch jeder andere, namentlich südlich ge- 
legene Punkt dabei in Frage kommen. 

Nimmt man jedoch das erstere als das Wahrscheinlichste an, 
so würde eine rein östliche oder wenigstens südöstliche Bewegung 
der Gletschermassen sich ergeben; dieselben müssten alsdann ihre 
Grundmoränen entweder grösstentheils nördlich vom » Fels « , wo 
eine kleine Einsattelung des Höhenrückens noch jetzt vorhanden 
ist, oder südlich desselben bei der sogenannten Kreuztanne, bis in 
die Umgebung der heutigen Ziegelhütte vorgeschoben haben; hier 
ist sie von der später wirkenden Erosion zum Theil verschont 
geblieben und in ihrer jetzigen Ausdehnung und Mächtigkeit er- 
halten worden. 


21 


324 


E. Dathe , Gletscherersclieinunge] 


Das Saalburger Vorkommen liegt nicht mehr im Gebiete 
des Frankenwaldes, sondern im vogtländischen Berglande. 
Unter dieser Bezeichnung fassen wir dasjenige Gebirgsland zu- 
sammen, welches zwischen Thüringerwald, Frankenwald, Fichtel- 
gebirge und Erzgebirge sich einschiebt. Feste Grenzen lassen 

o o o o 

sich für dasselbe nicht ziehen, da es allmählich in jene Ge- 
birge übergeht und gewissermaassen als deren Vorberge zu be- 
trachten ist. Der westliche und südwestliche Strich des vogtlän- 
dischen Berglandes, welcher sich also an den Frankenwald und 
das Fichtelgebirge anlehnt, wird von der Saale in einem tiefen 
und engen, mit vielfachen Naturschönheiten geschmückten Thale 
durchströmt. In diesem Gebirgstheile herrschen noch langgezogene 
wellige Höhenrücken vor, welche nur strichweise von sporadisch 
auftretenden Diabaskuppen unterbrochen werden. Hier verleihen 
sie der Gegend eine angenehme Abwechselung; weiter nach Osten 
aber, wo sie sich mehren und nur kurze, felsige Bergrücken bilden, 
die sich immer und immer wiederholen, geben sie der Landschaft 
ein eigenthümlich unruhiges und zugleich einförmiges Gepräge. Die 
höchsten Erhebungen im südwestlichen Tlieile des Berglandes reichen 
fast an die Höhen des Frankenwaldes heran; die wichtigsten sind: 
der Culmberg bei Saalburg (1525'), der Horlaer Acker (1521') 
bei Hirschberg, der Lerchenhügel (1500') bei Frössen und die 
Cappel (1666') bei Schilbach. 

Am rechten Ufer der Saale, wenige hundert Schritte nördlich 
von dem romantisch gelegenen Städtchen Saalburg liegt an der 
Chaussee nach Schleiz eine Ziegelei, in deren Gruben gleichfalls 
Blocklehm als oberste Schicht aufgeschlossen ist. In dem unten- 
stehenden Höhenprofil ist die Lage und Verbreitung der Ablage- 



im Frankenwalde und vogtländischen Berglande. 


325 


rung (von Ost nach West) im Maassstab 1 : 25000 dargestellt 
worden. Man ersieht aus demselben, dass, wie das Wurzbacher 
Vorkommen nicht einem Thale angehört, so auch dieses nicht 
im Saalthale, sondern auf einer ziemlich ebenen Hochfläche, 
welche nur noch dem Saalthale im weiteren Sinne zuzählt, ge- 
legen ist. 

Das nur 400 Schritt breite Saalthal wird kurz unterhalb des 
Schiesshauses von Saalburg von hohen Gehängen begrenzt. Von 
diesen ist das linke 225' hoch, aber nicht so steil geböscht, wie 
das rechte; denn dieses bildet sehr steile und 125’ hohe nackte 
Felswände. Von der Thalkante aus breitet sich nach Ost und 
zwar bis zur Ziegelei Saalburg eine ganz flach geböschte Fläche 
aus. Ihre Steigung beträgt auf 950 Schritt nur 100', demnach 
liegt die Ziegelei Saalburg über dem dortigen Saalspiegel 225 ' hoch. 
Weiter östlich von derselben beginnt das Terrain eine stärkere 
Steigung anzunehmen, indem es einerseits, ungefähr in der Rich- 
tung nach dem Dorfe Culm zu, bis zu 1400' Meereshöhe aufsteigt, 
andererseits, kaum 1000 Schritte weiter nach Nordost jedoch bis 
zu 1 525 ’ im Culmberge bei Saalburg sich erhebt. Eine mittlere 
Flöhe von circa 1400' ist auch dem hügeligen Gelände weiter nach 
Ost eigenthümlich ; dasselbe erreicht eine Meile östlich von Saal- 
burg in der Kuppe der Cappel (1666') den höchsten Punkt im 
ganzen vogtländischen Berglande. 

Auf dem westlichen Theile dieser oben erwähnten und im 
Profil dargestellten Hochfläche bei der Ziegelei Saalburg, zwischen 
dieser und dem westlich gelegenen Fahrwege nach der Kloster- 
mühle breitet sich die mehrfach genannte Ablagerung auf eine 
Erstreckung von 400 Schritt in der Richtung von O. nach W. 
aus. Ihre südliche Grenze liegt kaum 100 Schritt weit von der 
Ziegelei entfernt, während ihre Verbreitung nach N. noch nicht 
ganz sicher bestimmt werden konnte; sie beträgt indess mindestens 
500 Schritt. 

Der Blocklehm ist nicht nur durch eine recht grosse Grube 
bei der Ziegelei aufgeschlossen, sondern an dem Querwege, welcher 
von dieser zu den westlich davon gelegenen Scheunen führt, ist 
er auch in einer Anzahl kleinerer Gruben, die jedoch oft auflässig 


326 


E. Dathe, GletscherersaheLnungen 


werden, gut entblösst. Seine Mächtigkeit beträgt 1,2— 1,5 Meter 
in der ersterwähnten Grube und verringert sich dieselbe nach W. 
zu etwas, so dass sie sich in den westlichsten, bei den Scheunen 
gelegenen Aufschlüssen nur noch auf 0,75 Meter beläuft. Die 
obere, 0,5 Meter starke Schicht des Lelnns ist ‘graugelblich gefärbt; 
nach unten nimmt er jedoch eine gelblichbraune Färbung an. Er 
besitzt alle charakteristischen Eigentümlichkeiten eines ächten 
Block-, resp. Geschiebelehmes und gleicht ebenso sehr dem oben 
beschriebenen Wurzbacher Vorkommen, als auch den Geschiebe- 
lehmen, wie man solche in der norddeutschen Ebene findet. Er 
ist erfüllt von zahlreichen bis über kopfgrossen Blöcken, und 
kleinere Geschiebe bis zu den winzigsten Grössen sind zahllos 
darin vertheilt. Schichtung mangelt ihm gänzlich; denn beide, 
grosse und kleine Geschiebe sind ganz wirr in demselben einge- 
mengt, so dass viele derselben gerade auf ihrer schmälsten Kante 
in demselben liegen; manche stehen sogar auf der Spitze. 

Die Geschiebe gehören folgenden Gesteinsarten an. Schiefer 
und zwar cambrische, untersilurische , mitte'lsilurische (Lydit), de- 
vonische und Culmsehiefer sind vorwiegend vertreten; ausserdem 
sind verschiedene Diabasvarietäten, sowie Gangquarz und sibirische 
und cambrische Quarzite aufzuführen. Nach ihrem Ursprung mag 
ein Theil derselben der nächsten Umgebung entstammen, da einer- 
seits Culm und Devon die Unterlage der Ablagerung zum Theil 
bilden und weiter nach Ost zu anstehen. Indess kann, wie weiter 
unten zu ersehen ist, die Heimath der Geschiebe auch eine andere 
sein. Das feinere, .sandige Material hat natürlicherweise, wenigstens 
zum Theil den gleichen Ursprungsort wie die Geschiebe, da es 
durch Zerreibung derselben entstanden ist, zum anderen Tlieile 
ist es aus dem Untergründe der Ablagerung aufgenommen und 
mit dem übrigen Material innig vermischt worden; denn die 
Unterlage des Blocklehmes besteht, wie die günstigen Aufschlüsse 
bei der Ziegelei lehren, aus einem thonigen, gelblichbraunen Ver- 
witterungslehm. Dei’selbe ist aus devonischen Schichten entstanden 
und besitzt eine Mächtigkeit von vielen Metern; denn er wird bis 
zu einer Tiefe von 4 Meter zur Ziegelfabrikation abgebaut, wobei 
man aber noch nicht auf festes Gestein gestossen ist. 


im Frankenwalde und vogtländischen Berglande. 


327 


Was nun die Beschaffenheit der Oberfläche der Geschiebe an- 
langt, so ist im Allgemeinen sowohl die Abschleifung als auch die 
Schrammung und Kritzung derselben eine ganz ausgezeichnete. 
Unter den zahlreichen geschrammten Scheuersteinen, welche ich 
hier in den Jahren 1880 und 1881 unter Beobachtung der nöthi- 
gen Vorsichtsmaassregeln gesammelt habe, sind nicht nur Schiefer, 
sondern auch Diabase höchst deutlich geschrammt. Es liegt bei- 
spielsweise ein handgrosses Diabasgeschiebe vor, welches an den 
Kanten gerundet und gekritzt, aber nur auf der einen Breitseite 
glatt geschliffen ist, während die andere Rauhigkeit zeigt. Auf 
der glatten Fläche bemerkt man eine Anzahl kurze Kritzer, sowie 
drei 5^2 Centimeter lange und 1 Millimeter tiefe Schrammen, die 
zusammen eine Breite von 5 Millimeter einnehmen und vollkommen 
parallel mit einander verlaufen. Die schwarzen untersilurischen 
Schiefer scheinen für die Schrammung besonders geeignet gewesen 
zu sein. Ihr Material gestattete die Ausbildung von höchst feinen, 
ziemlich lang aushaltenden Schrammungslinien, welche oft die ganze 
Schlifffläche gleiclnnässig überziehen und oft zwei oder drei Strei- 
fungssystemen angehören. Das Hauptsystem verläuft in der Regel 
parallel mit der grössten Längenausdehnung des Scheuersteins, 
während die beiden übrigen dasselbe unter Winkeln von 20° und 
30° schneiden. In allen Systemen kommen neben den zarteren, 
auch stärkere bis 1 Millimeter tiefe ausgehobelte Riefen vor. 

So besitzt denn auch der Blocklehm nördlich von Saalburg 
in seiner Structur und in der Führung von geschrammten und ge- 
kritzten Geschieben alle die Erfordernisse, welche man an Glacial- 
bildungen bisher zu stellen gewohnt ist; es ist deshalb gewiss 
nicht gewagt, wenn man dies Vorkommen unter gleichzeitiger Be- 
rücksichtigung seiner Lagerung als eine Grundmoräne auffasst, 
welche jedenfalls früher eine grössere Mächtigkeit besass, aber 
durch Erosion gewiss um vieles verringert worden ist. 

Welchen Weg hat der Gletscher genommen, oder wo haben 
wir das Ursprungsgebiet der Geschiebe zu suchen? Eine bestimmte 
Antwort ist auf diese Frage nicht zu ertheilen. Mehrere Beob- 
achtungen scheinen dafür zu sprechen, dass der eigentliche Gletscher- 
strom im Allgemeinen dem Saalthal gefolgt ist, dass also sein 


328 


E. Dathe , Gletsclierersclieinungen 


Ursprung südlich, dem Fichtelgebirge zu, liegt. Vorigen Herbst habe 
ich beobachtet, dass ein ähnlicher Geschiebelehm am rechten Ufer 
der Saale bei Gottliebsthal, an der Strasse nach Hirschberg von 
der Saale an auf eine weite Strecke und bis 100' hoch am Ge- 
hänge ganz allmählich aufsteigend, abgelagert ist. Der Mangel 
an Aufschlüssen und die Ungunst der Witterung verhinderte zwar 
eingehendere Beobachtungen zu machen , doch zweifele ich nicht, 
dass er mit dem Saalburger Geschiebelehm in Parallele zu stellen 
ist. Eine ähnliche Stelle liegt weiter abwärts von Saalburg am 
linken Gehänge der Saale bei der Klostermühle bei Saalburg, hier 
ist ebenso Geschiebelehm 60 ' hoch über dem Saalspiegel abgelagert. 
Beide Vorkommen, die wegen ungenügender Aufschlüsse jetzt nicht 
eingehender behandelt werden können, zeigen jedoch, dass die obige 
Behauptung, dass der Gletscher seinen Lauf im Saalthal genommen 
haben dürfte, an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Hoffentlich wird 
mir Gelegenheit, beide Localitäten, sowie den oberhalb Saalburgs 
gelegenen Tlieil des Saalthals an geeigneten Stellen in dieser Bich- 
tung näher untersuchen zu können. 

Eine andere Möglichkeit muss indess bei Beantwortung obiger 
Frage noch in Berücksichtigung gezogen werden. Der Gletscher, 
welcher bei Saalburg die Grundmoräne hinterlassen hat, könnte 
auch aus Ost, resp. Südost gekommen sein, nämlich aus jenem 
Striche des vogtländischen Berglandes, welcher sich in einer Meeres- 
höhe von 1400 — 1500' bis zu der »Cappel« ausbreitet. Die Ge- 
schiebe bezüglich ihrer Gesteinsnatur würden allerdings dieser 
Ansicht nicht widersprechen, sondern dieselbe eher befürworten; 
denn sämmtliche Gesteine, die darin gefunden worden sind, stehen 
in jenem genannten Landstriche an. 

Nach Beschreibung dieser Verhältnisse bei Saalburg und Wurz- 
bach mögen noch einige Punkte im Frankenwalde und vogtländi- 
schen Berglande Erwähnung finden, welche bei Betrachtung der 
Gletschererscheinungen in diesen Gegenden noch weitere Berück- 
sichtigung verdienen. 

o o 

Südlich von Schleiz und westlich von dem Schlosse Heinrichs- 
ruhe breitet sich nördlich der Chaussee Schleiz-Saalburg Blocklehm 
aus, welcher in einigen kleineren Gruben aufgeschlossen ist. Das 


im Frankenwalde und vogtländischen Berglande. 


329 


Material der Blöcke und kleineren Geschiebe scheint mir der 
nächsten Umgebung zn entstammen und besteht aus nntersil arischen 
Schiefern und Quarziten, ferner aus Kieselschiefer, Gangquarz und 
Diabasen. Sämmtliches Geschiebematerial ist von dem südlich 
vorliegenden Höhenrücken, der sogenannten Hirschraufe (1540' 
hoch), auf das gegenwärtige Ablagerungsgebiet transportirt worden. 
An der Oberfläche der Geschiebe ist zwar eine Abschleifung zu 
erkennen, doch habe ich gekritzte und geschrammte Geschiebe, 
als ich in Gemeinschaft mit Prof. Liebe jenen District 1880 kar- 
tirte, trotz sorgfältigen Suchens nicht finden können. Aehnliche, 
an Moränen erinnernde Ablagerungen sind nach Mittheilungen des 
Prof. Liebe auch südlich des Culm im Frankenwalde vorhanden. 

Bei Annahme der Vergletscherung des Frankenwaldes und 
vogtländischen Berglandes gewinnen auch die Störungen am Aus- 
gehenden der verschiedenen Schiefergesteine erhöhte Bedeutung; 
sie lassen sich möglichenfalls auf den grossen Druck, den die be- 
wegenden Eismassen ausübten, zurückführen. Mit dieser Frage in 
Beziehung zu setzende Verhältnisse habe ich vorigen Herbst bei 
Wurzbach im herrschaftlichen Schieferbruche beobachtet. Es wurde 
hier zum Zwecke der Aufsuchung abbauwürdiger Schiefer (Culm) 
ein über 50 Meter langer Stölln getrieben und dadurch ein inter- 
essantes Profil blossgelegt. In dem ziemlich horizontal gelagerten 
Culmschiefer setzen drei Lampropliyrgänge auf, die allerdings bis 
zu mehreren Metern Tiefe vollständig in einen ockergelben, thonigen 
Grus zersetzt sind. Das Ausgehende dieser Gänge ist nun schweif- 
artig in die Schottermassen, welche in einer Mächtigkeit bis zu 
1,5 Meter die festen Schieferschichten bedecken, bis auf eine Er- 
streckung von 8 Meter gezogen worden, wodurch eine starke Be- 
wegung des Schotters angezeigt wird. Da noch einige Punkte 
der weiteren Untersuchung bedürftig erscheinen, so sei hiermit auf 
diese Verhältnisse hingewiesen und hoffe ich demnächst auf diese 
Localität zurückzukommen. 

Ob nun die Vergletscherung des Frankenwaldes und des vogt- 
ländischen Berglandes eine allgemeine gewesen ist, oder ob nur 
besonders orographisch bevorzugte Striche derselben von dem 
Glacialphänomen betroffen worden sind, lässt sich jetzt noch nicht 


330 


E. Dathe, Gletschererscheinungen im Frankenwalde etc. 


bestimmt entscheiden. Soweit sich die Verhältnisse beurtheilen 
lassen, möchte ich letztere Annahme für wahrscheinlich halten. 

Schliesslich mag noch bemerkt werden, dass die beobachteten 
und als Grundmoränen angesprochenen Blocklehme von Wurzbach 
und Saalburg nicht etwa weit nach Süden vorgeschobene Posten 
des norddeutschen Diluviums sind, und dass sie nicht mit der tief 
nach Thüringen eingreifenden Bucht desselben Zusammenhängen. 
Ich berühre diese Frage deshalb, weil vielleicht bei Manchem 
dieser Gedanke aufsteigen könnte; denn bekanntlich liegt der süd- 
lichste Punkt des norddeutschen Diluviums in Thüringen bei Saal- 
feld, woher Richter 1 ) »Feuersteinfragmente mit den ihnen eigen- 
thümlichen Petrefacten « vom rothen Berge bei Saalfeld und einen 
kleinen Granitblock auf dem Gleitsch bei Obernitz aimiebt. Da 

O 

aber in unseren diluvialen Ablagerungen irgendwelches nordische 
Material nicht vorhanden ist, auch jeder dieser Orte von Saalfeld 
3 Meilen entfernt ist, so lassen sie sich mit dem nordischen 
Geschiebelehm nicht in directe Verbindung setzen, sondern man 
muss denselben eine locale Entstehung zuschreiben. 

So ist durch den Nachweis von Gletschererscheinungen im 
Frankenwalde und vogtländischen Berglande, und da auch 
E. Kayser 2 ) im vergangenen Jahre ähnliche Verhältnisse aus dem 
Harz bekannt gemacht hat, ein dunkler Punkt in der norddeutschen 
Glacialfrage erledigt worden. Hoffentlich wird die Zeit nicht ferne 
sein, wo ähnliche Ablagerungen auch in den übrigen mitteldeutschen 
Gebirgen nachgewiesen werden. 

t) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 18G9, p. 441. 

2 ) E. Kaysee, Gletschererscheinungen im Harz. Verhandlungen der Gesell- 
schaft für Erdkunde zu Berlin 1881. 


Ueber 

die geologischen Verhältnisse der Sec berge 

und des Galherges 1 ) bei Gotha, 

mit besonderer Berücksichtigung der Lagerungs- 
verhältnisse. 

Von Herrn IHax Bauer in Königsberg i. Pr. 

(Mit Tafel V11L und IX.) 


Einer der interessantesten Punkte des ebenen Thüringens 
nördlich vom Thüringer Wald ist unstreitig der Rücken der See- 
berge mit seiner nordwestlichen Fortsetzung, dem Gaiberg, einmal 
wegen der dort anstehenden Rhät- und Juraschichten, dann wegen 
der complicirten Lagerungsverhältnisse. Ich habe im Nachfolgen- 
den eine specielle Darstellung davon zu geben versucht, nachdem 
die geologische Specialuntersuchung des Gebietes beendigt ist, 
habe mich aber nicht auf das völlig Neue beschränkt, was dabei 
ermittelt worden ist, sondern auch mannichfach schon Bekanntes 
herbeigezogen, um Liebhabern der Geologie, wie sie in Thüringen 
und speciell in Gotha nicht selten sind, das Verständniss der Ver- 
hältnisse nach Möglichkeit zu erleichtern. 

Südöstlich von der Stadt Gotha zieht sich auf eine Erstreckung 
von etwa einer Stunde ein Bergrücken bis zum Dorfe Seebergen 


‘) So wird der Berg, diese nordwestliche Fortsetzung des Seebergzuges, in 
Gotha genannt; die Karte schreibt Galgenberg. 


332 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


hin, der den Namen des kleinen nnd des grossen Seebergs führt 
und der sieh auch nordwestlich von der Stadt noch in dem soge- 
nannten Gralberg fortsetzt. Dieser Bergrücken hat schon frühe, 
theils wegen der zum Theil interessanten Gesteine, die ihn zu- 
sammensetzen, theils wegen der stellenweise sehr complicirten 
Lagerungsverhältnisse, welche die Schichten darbieten, die Auf- 
merksamkeit der Geologen auf sich gezogen, und es ist nament- 
lich der um die Kenntniss der geologischen Verhältnisse seiner 
Thüringischen Heimatli so hoch verdiente Heinrich Credner, 
der sich mit der in Rede stehenden Gegend beschäftigt und ihren 
Bau im Detail studirt hat. Es sind namentlich zwei grössere Ar- 
beiten, die sich eingehend mit der vorliegenden Aufgabe befasst 
haben neben mannichfachen zerstreuten Bemerkungen über den- 
selben Gegenstand. Beide Arbeiten sind im Neuen Jahrbuch für 
Mineralogie etc. abgedruckt. Die eine führt den Titel: »Geo- 

gnostische Beschreibung des Höhenzuges zwischen Gotha und 
Arnstadt«, Jahrg. 1839, pag. 379 — 403, mit 2 Tafeln, eine Karte 
des Terrains und seiner Fortsetzung nach Osten und viele Profile 
enthaltend. Es ist darin eine Beschreibung der den Höhenzug 
bildenden Formationen nebst deren gestörten Lagerungsverhältnissen 
gegeben, die aber z. Th. dem jetzigen Standpunkt der Geologie 
nicht mehr entspricht, und es werden die beobachteten Dislocationen 
schliesslich zurückgeführt auf Hebungen, die in der Hauptkette des 
Thüringerwaldes und in den anliegenden jüngeren Formationen nach 
der Eruption der Melaphyre und der Porphyre stattgefunden haben 
sollen, ohne dass dabei neue Gesteinseruptionen sich ereigneten. Die 
zweite Arbeit (Jahrg. 1860, pag. 293 — 320 mit einer Tafel, eben- 
falls eine Karte und Profile enthaltend) beschäftigt sich hauptsächlich 
mit den obersten Keupergebilden, den rhätischen Schichten des 
grossen Seebergs und anderer benachbarter Gegenden; und sie corri- 
girt in dieser Beziehung eine irrthümliche Auffassung der früheren 
Arbeit, wo diese Gebilde als Liassandstein dargestellt waren. Die 
Lagerungsverhältnisse besonders der den rhätischen Sandstein 
stellenweis überdeckenden Liasschichten werden besprochen und 
die von ihnen erlangte Anschauung in den Profilen und der Karte 
zur Anschauung gebracht. 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


333 


Mehr im Zusammenhang mit anderen ähnlichen Erscheinungen 
am Nord- und Südrande des Thüringerwaldes wird die hier zu be- 
trachtende Gegend sodann geschildert in der Erläuterung zu der 1855 
in 2. Auflage erschienenen geognostisclien Karte des Thüringer- 
waldes: »Versuch einer Bildungsgeschichte der geognostischen 

Verhältnisse des Thüringerwaldes.« Es werden die vorhandenen 
Formationen kurz geschildert und dann namentlich die Dislocationen 
auf eine Reihe von in der Zeit verschiedenen Hebungen zurück- 
geführt, die verschieden gerichtete Hebungslinien zur Folge ge- 
habt haben. Eine erste Hebung hat darnach zur Zeit der Ab- 
lagerung des bunten Sandsteins stattgefunden, eine zweite gehört 
der Zeit der Ablagerung des oberen Muschelkalks und der Letten- 
kohlengruppe an, eine dritte Hebung muss nach Credner ’s An- 
sicht nach der Ablagerung der bunten Keupermergel stattgefunden 
haben, da an einigen Stellen auch diese steil aufgerichtet sind und 
die letzte Hebung endlich, welche die Lagerungsverhältnisse in unse- 
rem Gebiet definitiv so gestaltet hat, wie sie sich uns jetzt dar- 
stellen, muss nach der Ablagerung des Lias vor sich gegangen 
sein, da Schichten, die dieser Formation angehören, dabei dislocirt 
worden sind. 

In ähnlichen Anschauungen bewegt sich, offenbar durch Cred- 
ner beeinflusst, die Arbeit von Tegetmeyer x ). Derselbe giebt 
eine genaue und sorgfältige Darstellung der Schichtenfolgen im 

o o o o o 

Keuper des von ihm bezeichneten Gebietes und führt dabei Man- 
ches an, was von ihm und auch von K. v. Fritsch neu beob- 
achtet worden ist. Die Complication der Lagerungsverhältnisse 
ist auch ihm nicht entgangen, aber er spricht davon allerdings 
nur nebenbei, da es ihm eben weitaus in erster Linie auf die Er- 
forschung der Gliederung der Schichten ankam. Er hält den jetzigen 
Umfang der Keuperablagerungen (und damit natürlich implicite auch 
der Liasablagerungen) für im Wesentlichen ursprünglich und 
sieht so in der jetzigen Verbreitung einer Formationsabtheilung an- 
nähernd auch die Ausdehnung des Meerestheils , aus der die be- 


*) Beiträge zur Kenntniss des Keupers im nördlichen Thüringen. Zeitsehr. 
für die gesummte Naturwissenschaft 1876, Bd. 13, pag. 403 — 484 mit 2 Tafeln. 


334 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


treffende Ablagerung sich ausschied, indem er der Erosion nur unter- 
geordneten Einfluss zuschrieb und da, wo auf grosse Erstreckung 
Keuper an wesentlich ältere Schichten des Muschelkalks angrenzte, 
sah er eine Anlagerung von Keupermaterial an eine Muschelkalk- 
steilküste aus einem diese letztere bespülenden Keupermeeresarm. 


Die orographischen Verhältnisse. 

Die von uns zu betrachtende Gegend erhebt sich in ihrem süd- 
östlichen Theil zum Maximum ihrer Höhe in dem »grossen Seeberg«, 
der an seiner höchsten Stelle bis zu ganz annähernd 1100 Fuss 1 ) 
ansteigt. Der »grosse Seeberg« stellt ein kleines von Rhätsand- 
stein gebildetes Plateau mit wenig ebener Oberfläche dar, von 
welchem aus steile von Steinmergelkeuper gebildete Abhänge nach 
Norden, Osten und Süden in die umgebende Ebene abfallen, 
während nach Südwesten hin eine langsamere und allmählichere 
Verflachung in das Apfelstädtthal beim Dorfe Günthersleben statt- 
findet. Ein grosser Theil des Berges ist mit Wald und auf grosse 
Erstreckung von dichter, junger Schonung bestanden, die vielfach 
eine genauere Untersuchung des geologischen Baues fast ganz 
verhindert. Andererseits haben aber die zahlreichen Sandstein- 
brüche an vielen Stellen den Schichtenbau bis in beträchtliche Tiefe 
aufgeschlossen. 

An das Plateau des grossen Seeberges schliesst sich im Osten 
ein schmaler Bergrücken an, der sich nach Nordwest bis zum 
Leinathal weiterzieht, in welchem in derselben Richtung sich die 
Stadt Gotha angesiedelt hat. Dieser lange, auf eine Erstreckung 
von ungefähr 5000 Fuss sich hinziehende Bergrücken soll hier in 
seiner Gesammtheit als »kleiner Seeberg« bezeichnet werden. Er 
stellt einen schmalen, nur wenige Schritt breiten Grat dar, der 
sich nur an seinem nordwestlichen Ende, da wo die alte Stern- 
warte steht, etwas weiter ausbreitet. Seine Abhänge fallen nach 

*) Es sind darunter preussische Decimalfusse verstanden, welches Maass den 
preussisclien Generalstabsmesstischblättern zu Grunde liegt. 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


335 


Norden sowohl, als nach Süden zuoberst ziemlich steil ab, ver- 
flachen sich aber nach unten hin langsamer und allmählicher in die 
beiderseits anliegende weit ausgebreitete Ebene. Uebrigens ist die 
natürliche Form dieses Bergrückens zum Tlieil ganz verändert durch 
den ausgedehnten Steinbruchbetrieb, der sowohl auf seiner Höhe, als 
auch an seiner südlichen und stellenweise auch nördlichen Flanke 
stattfindet, und der so umfangreich ist, dass eine fast ununterbrochene 
Reihe von neuen und verlassenen Brüchen mit ihren bedeutenden 
Schutthalden sich von einem Ende bis zum anderen hinzieht. Der 
grosse und der kleine Seeberg stossen an der Butterleiste zusammen 
und die Grenze zwischen Beiden ist geologisch eine sehr scharfe, da 
der aus Sandstein gebildete grosse Seeberg in seiner Gesteins- 
beschaffenheit sich von dem wesentlich aus Kalk bestehenden kleinen 
Seeberg auf das Schärfste unterscheidet ; auch zieht zwischen beiden 
eine Hauptverwerfungsspalte hindurch, die den Rhätsandstein in das 
Niveau des mittleren Muschelkalks gebracht hat. Auch der Ober- 
flächengestaltung nach ist die Grenze ziemlich scharf, da sich an 
dieser Stelle der grosse Seeberg rasch ziemlich weit ausbreitet im 
Gegensätze zu dem ganz schmalen kleinen Seeberg, der sich zu 
jenem, der Gestalt nach, gewissermaassen verhält wie der Löffel- 
stiel zum Löffel selbst, die Beide in der Butterleiste mit einander 
vereinigt sind. 

im Nordwesten, dicht hinter der alten Sternwarte, fällt der 
kleine Seeberg ziemlich steil in das Leinathal ab und erreicht hier 
als solcher seine Endschaft. Ueberschreitet man aber das Leinathal 
und geht in nordwestlicher Richtung weiter, so findet man, dass der 
Rücken sich jenseits des Thaies noch weiter fortsetzt. Schon in der 
Stadt Gotha erhebt sich der Bergkegel, auf dem das Schloss 
»Friedenstein« liegt, genau im Streichen des kleinen Seebergs und 
von diesem eben nur durch das Leinathal getrennt, das wohl als 
ein Erosionsthal aufzufassen ist, welches den Rücken des kleinen 
Seebergs und seiner Fortsetzung nach Nordosten an jener Stelle' 
durchschnitten hat, an der, wie es scheint, besonders starke 
Schichtenstörungen den Durchbruch hervorgerufen oder doch er- 
leichtert haben. Leider verdeckt die Stadt Gotha diese Verhält- 
nisse vollständig, so dass die Beobachtung irgend welcher Einzel- 


336 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


heiten dort nicht möglich ist, man sieht aber, wie gerade an jener 
Stelle, welche die Leina zu ihrem Durchbruch gewählt hat, zwei 
Systeme verschieden streichender Verwerfungsspalten sich schneiden. 
Auch die Beschaffenheit des Untergrundes von Schloss Friedenstein 
lässt sich nicht direct beobachten, und auch Erkundmunffen haben 
nicht zu einem sicheren Resultat geführt. Geht man aber von dort 
aus in der Richtung des Streichens des kleinen Seebergs noch weiter, 
so sieht man, dass ausserhalb der Stadt derselbe schmale Rücken 
mit oben steileren, nach unten zu in die nördlich und südlich vor- 
liegenden Ebenen sich verflachenden Abhängen sich genau in der 
Streichrichtung des kleinen Seebergs noch weit hinzieht, eben- 
falls oben und an den beiden Flanken durch zahlreiche und aus- 
gedehnte Steinbrüche verunstaltet und hinter dem Arnoldithürm- 
eben sich allmählich in das Plateau des Krähnbergs ausbreitend. 
Dieser Rücken, der Gaiberg, oben etwas breiter als der kleine 
Seeberg, liegt ganz genau in der Fortsetzung desselben, beide 
in Beziehung auf die Streichrichtung mit dem Thüringer Wald 
übereinstimmend und er besteht auch aus ganz genau denselben Ge- 
steinen wie der kleine Seeberg, die in den gleichen Lagerungs- 
verhältnissen angeordnet sind, es ist also gerechtfertigt, den Gaiberg 
und kleinen Seeberg als ein zusammengehöriges Ganzes anzusehen, 
das die Leina in zwei Theile zerschnitten hat. 

Das dem geschilderten Bergrücken in seiner ganzen Erstreckung 
vom grossen Seeberg bis zum Krähnberg nach Nord und Süd vor- 
liegende Terrain ist eine schwach wellige ausgedehnte Ebene, aus 
der sich der Seeberg isolirt und auf weite Entfernung sichtbar 
erhebt, und die z. Th. von Keuperschichten, zum grösseren Tlieil 
aber von Alluvium und Diluvium gebildet wird. Diese Ebene 
wird an einigen Stellen aber unterbrochen durch einzelne scharf 
sich hervorhebende kleinere Buckel, die durch ihre Gesteinsbe- 
schaffenheit zeigen — sie bestehen, abweichend von ihrer Umgebung, 
aus Triasschichten — , dass hier besondere Verhältnisse vorliegen. 
Es ist der Grenzberg bei Remstedt und der Petersberg 1 ) bei Sieb- 

*) Den Namen Petersberg bat die Generalstabskarte nicht, er wird aber 
von Ceedner gebraucht; es ist die unmittelbar nordwestlich vor Siebleben dicht 
an der Erfurter Chaussee liegende Kuppe. 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


337 


leben, neben denen nur noch zwei hervorragendere kleine Kuppen 
beim Dorfe Siebleben zu erwähnen sind, die geologische Bedeutung 
haben. Schliesslich ist noch aufmerksam zu machen auf eine 
Reibe kleiner Hügelehen, die am Nordostabfall des grossen See- 
berges den Fuss desselben umsäumen und deren Existenz ebenfalls 
in gewissen später zu besprechenden geologischen Vorgängen be- 
gründet ist. 


Die geologischen Formationen. 

Die unser Gebiet zusammensetzenden Formationen gehören 
der Trias und dem Jura an. Von der Trias ist es der Muschel- 
kalk von der Anhydritgruppe an aufwärts und der ganze Keuper 
nebst dem Rhät und vom Jura der untere und mittlere Lias. Dazu 
kommt Diluvium und Alluvium auf ausgedehnten Flächen. 

Der Muschelkalk. Das älteste Glied dieser Gruppe, das 
hier beobachtet ist, zugleich die älteste Formationsabtheilung, die 
in unserem Gebiet überhaupt sich findet, ist der mittlere Muschel- 
kalk, oder die Anhydritgruppe, die längs des ganzen kleinen 
Seeberges und seiner jenseits der Stadt liegenden Fortsetzung, so- 
wie am Grenzberg und Petersberg aufgeschlossen ist in den viel- 
fachen und ausgedehnten Steinbrüchen, welche sich an all den 
genannten Orten befinden. Auch am Südwestabhang des grossen 
Seeberges steht der mittlere Muschelkalk auf einer allerdings nicht 
sehr grossen Fläche zu Tage an. 

Ö O 

Besonders vollständig aufgeschlossen ist die Anhydritgruppe 
am Südabhang des kleinen Seeberges, wo in den grossen Gyps- 
brüchen fast die ganze obere Hälfte der Abtheilung entblösst ist, 
die untere Hälfte ist überhaupt in unserem Gebiet nicht aufge- 
schlossen. Das liegendste ist am Südabhang des kleinen Seeberges 
ein mächtiger Gypsstock. Es ist ein weisser bis grauer, nicht rother, 
dichter bis feinkörniger Gyps, der an einzelnen Stellen späthige 
Gypspartieen, aber meist nur von geringem Umfang einschliesst und 
der stellenweise von Schnüren von Fasergyps durchzogen wird. 

22 


338 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


Nach Credner schliesst er auch Quarzkrystalle von grauer Farbe, 
aber allerdings in ziemlich spärlicher Anzahl ein. Er unterscheidet 
sich dadurch von dem später zu betrachtenden Keupergyps, der 
sich durch häufig rothe Farbe und zahlreiche Quarzkrystalle dem 
Muschelkalkgyps gegenüber leicht erkennen lässt. Dieser letztere 
ist, wie die Untersuchung eines der Sohle eines Steinbruchs ent- 
nommenen unzweifelhaft ganz frischen Handstücks gezeigt hat, reiner 
Gyps, d. h. der Wassergehalt entspricht genau der Formel CaSCQ 
-f- 2 H 2 O, von einer Anhydritbeimengung ist also keine Rede. Ist 
dieser Gyps je aus Anhydrit entstanden, so muss die Umwandlung 
wenigstens bis auf die von den Steinbrüchen erreichte Tiefe ganz voll- 
ständig schon vor sich gegangen sein. Ueber die Verhältnisse in 
grösserer Tiefe, die über diese Frage vielleicht Aufschluss geben 
könnten, ist, wenigstens am kleinen Seeberg, nichts durch Be- 
obachtung bekannt. Die in jenen Steinbrüchen beobachtete Mächtig- 
keit des Gypses beträgt ca. 40 — 50'; wie weit unter der Sohle der 
Steinbrüche noch Gyps folgt, ist, wie eben erwähnt, noch nicht er- 
mittelt worden. Unter allen Umständen steht aber fest, dass diese 
Gypsmasse eine der grössten, wenn nicht die grösste Muschelkalk- 
gypsmasse ist, die in Deutschland zu Tage ansteht. Die sonstigen 
massenhaften Gypsvorkommnisse gehören fast ausschliesslich dem 
Zechstein und nicht dem Muschelkalk an. An all den anderen 
oben genannten Orten unseres Gebiets, wo der mittlere Muschelkalk 
zu Tage ansteht, ist Gyps noch nicht beobachtet worden, dagegen 
hat man wenig jenseits der Nordostgrenze unserer Karte bei Buff- 
leben und Tröchtelborn, nördlich und nordöstlich von Gotha durch 
Bohrungen Gyps in der Tiefe nachgewiesen, der unzweifelhaft eben- 
falls der Anhydritgruppe angehört. Dieser Gyps ist von noch 
grösserer Bedeutung als der am Seeberg, da er Steinsalz einschliesst, 
zu dessen Gewinnung bei Buffleben die Saline Ernsthall angelegt 
worden ist und dessen Vorhandensein bei Tröchtelborn bei der 
Bohrung festgestellt wurde. An solchen Steinsalz führenden Stellen 
ist der Gyps nach Credner mächtiger als sonst und er soll so 
stellenweise bis zu einer Mächtigkeit von 300 Fuss entwickelt sein. 

Der Gyps ist überlagert von ca. 50 Fuss des charakteristischen 
weissen, dünngeschichteten, dolomitischen Mergelkalks, der durch 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


339 


ganz Thüringen den mittleren Muschelkalk auszeichnet. Er ist 
nicht nur in den Gypsbrüchen, sondern auch in den auf der Höhe 
des Seeherges gelegenen Trocliitenkalkbrüchen, ebenso am Peters- 
berg und Grenzberg gut aufgeschlossen, da man in den steil 
stehenden Schichten vielfach von unten her den Trochitenkalk ab- 
baut. Es ist weitaus das auffallendste Glied der Gruppe und 
vielfach von weiter Entfernung her an der weissen Farbe kenntlich. 
Die dünnen Schichten sind von ganz ebenen Schichtflächen be- 
grenzt, die weissen Platten zerfallen beim Verwittern vielfach in 
sranz dünngeschieferte Massen. Meist sind die Platten ganz gleich- 
artig und homogen und nur selten, wenn die Schichten etwas 
mächtiger werden, tritt eine poröse oder cavernöse Beschaffenheit 
ein, so dass eigentliche weisse Zellendolomite entstehen, die in 
unserem Gebiete aber keine grosse Holle spielen, sondern höchstens 
als untergeordnete Einlagerungen in den dünnplattigen, nicht 
porösen Dolomiten Vorkommen. Andere Einlagerungen untergeord- 
neter Natur sind braungraue Hornsteine in einzelnen Knauern 
oder auch in dünnen, zusammenhängenden, aber wenig ausgedehnten 
Bänkchen, die bei der Verwitterung ihre Farbe verlieren und 
schneeweiss werden und auf deren Oberfläche dann die gebogenen 
Durchschnitte von Molluskenschalen zuweilen, aber nicht immer 
deutlich hervortreten. Nach Credner sind es Beste der Terebrci- 
tula vulgaris. Den Schluss der Anhydritgruppe machen einige 
Fuss eines zwar noch hell, aber doch mehr gelblich gefärbten Do- 
lomites, der zwar noch dünn, aber nicht mehr ganz so eben ge- 
schichtet ist, wie der ächte Plattendolomit des mittleren Muschel- 
kalks. Ausgezeichnet ist dieser oberste Dolomit der Anhydrit- 
gruppe dadurch, dass in einigen Schichten stellenweise Massen 
von Exemplaren eines Mytilus zum Vorschein kommen, die kleiner 
sind, als die sonst gewöhnlich im Muschelkalk jener Gegend sich 
findenden Exemplare von Myt. vetustus Golde. ( Myt . eduliformis 
v. Schlotei.) und daher vielleicht einer anderen Species angehören. 
Die Stelle, wo diese Muschel sich in Menge findet, ist unmittelbar 
neben der auf der Höhe des kleinen Seeberges führenden Fahr- 
strasse im Chausseegraben dicht hinter dem Gebäude der alten 
Sternwarte, anderwärts habe ich sie nicht beobachtet. Sonst habe 


22 


340 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


ich von Versteinerungen im mittleren Muschelkalk nichts angetroffen, 
Credner dagegen giebt als Seltenheit Modiola Credneri und Tri- 
gonia curvirostris an. Ich habe diese Schichten mit Mytilus spec. 
noch dem mittleren Muschelkalk zugerechnet, da sie demselben 
in ihrer Gesteinsbeschaffenheit näher stehen, als dem folgenden 
Glied des Muschelkalks, dem Trocliitenkalk , als dessen Basis 
die unmittelbar folgenden oolithischen Schichten angesehen zu 
werden pflegen. 

Die den Gyps überlagernden Schichten des mittleren Muschel- 
kalks haben eine Gesammtmäclitigkeit von 40 — 50 Fuss. 

Der obere Muschelkalk wird eröffnet durch den Tro- 
c hi ten kalk, der ebenfalls wie der Gyps von hoher technischer Be- 
deutung ist. Derselbe schliesst sich in seiner Verbreitung durchaus 
an den mittleren Muschelkalk an, dessen auf etwas grösseren 
Flächen verbreitetes Vorkommen er als ein schmales Band um- 
säumt und von dem Verbreitungsbezirk der obersten Muschelkalk- 
schichten mit Am. nodosus abgrenzt. Auf grösseren Flächen ist 
er nirgends ausgebreitet. In dieser Weise umgiebt er den mittleren 
Muschelkalk am Südwestabhang des grossen Seebergs und zieht 
sich als schmales Band längs des ganzen kleinen Seebergs auf 
dessen oberster Höhe hin von der Butterleiste bis unterhalb der 
alten Sternwarte und ebenso auf dem Galberge jenseits der Stadt 
Gotha in mehreren durch \ erwerfungen unterbrochenen kleineren 
Stücken, tlieils ziemlich geradlinige, tlieils in seinem Verlauf com- 
plicirte Schlingen und Bogen bildend und dadurch Störungen des 
ursprünglichen Schichtenbaues anzeigend. Endlich kommt der 
Trocliitenkalk noch ganz ebenso am Petersberg bei Siebleben und 
am Grenzberg bei Remstedt vor. Die Basis bildet ein Schichten- 
system von ca. 5 Fuss eines an den meisten Stellen oolithischen 
Kalks. Es ist ein weisser oder gelblich weisser, dolomitischer 
Kalk, der nun aber seine Schieferigkeit und seine ebenen Schicht- 
flächen verloren hat und dadurch sich sehr wesentlich von den 
ähnlich gefärbten Kalken der Anhydritgruppe unterscheidet. Es 
sind ziemlich dicke wulstige Schichten, die beim Zerschlagen leicht 
in mehr oder weniger regelmässige gerundete Knauern zerfallen. 
Der oolithische Charakter entsteht dadurch, dass in der weissen 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


341 


IT auptmasse des Kalks concentrisch schalige runde Körnchen eines 
grauen Kalks eingewachsen sind, die ihrerseits wieder vielfach 
einen grünen Kern eines wahrscheinlich dem Glaukonit nahestehen- 
den Minerals enthalten. Diese grünen Kerne sind zuweilen ver- 
wittert und ausgelaugt und der Oolith nimmt dann an einzelnen 
Stellen eine grob schaumkalkartige Beschaffenheit an. Sehr deut- 
lich ausgeprägt ist der geschilderte oolithische Charakter, z. B. auf 
dem kleinen Seeberg, an manchen anderen Stellen ist aber diese 
Eigenschaft auch weniger deutlich erkennbar. Am kleinen See- 
berg, aber auch sonst, enthält dieser oolithische Kalk eine nicht 
unerhebliche Menge von Petrefakten, der Muschelkalkoolith ist 
die älteste einen grösseren Petrefaktenreichthum führende Schichten- 
gruppe unseres Gebietes. Es sind zwar meist wenig gut erhaltene 
Steinkerne, die man im Oolith findet, aber es haben sich doch 
die folgenden Arten mit Sicherheit bestimmen lassen: 

* Encrinus liliiformis Goldf. einzelne Glieder ziemlich 

reichlich, aber doch noch lange nicht so wie im 
eigentlichen oberen Trochitenkalk. 

O 

* Terebratula vulgaris v. Sciiloth. 

Pecten discites Bronn. 

Pecten laevigätus Bronn. 

Hinnites comtus Giebel. 

* Lima striata v. Alb. 

Gervillia socialis v. Schlotii. spec. 

Gervillia costata Quenst. 

* Trigonia vulgaris Bronn. 

Kleine undeutliche Schnecken, vielleicht 

Natica oolithica Zenker. 

Die mit einem * bezeichneten Formen sind weitaus die häufig- 
sten, wie das auch Credner schon angiebt, die anderen sind nur 
vereinzelt gefunden worden. Credner giebt ausserdem noch an, 
dass hier Ammonites nodosus und Nautilus bidorsatus zuerst Vor- 
kommen. Ich habe diese Arten so weit unten nicht beobachten 
können, trotzdem dass ich meine Aufmerksamkeit besonders dar- 
auf richtete, und auch die Gothaer Lokalsammlungen enthalten 
zur Zeit davon nichts aus dieser Schicht. Sie erscheinen erst in 


342 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


den die eigentlichen Trochitenkalke überlagernden Schichten, die 
vom Am. nodosus ihren Namen haben. 

Durch eine wenig mächtige Thonzwischenlagerung wird der 
Oolith vom eigentlichen Trochite nkalk getrennt. Dies ist ein 
dickbänkiger, splittriger, blauer, braungefleckter Kalk, der in grosser 
Menge Stielglieder von Encrinus liliiformis Goldf. eingeschlossen 
enthält, aber durchaus nicht überall gleich viel, stellenweise werden 
sie wohl auch spärlicher. Die Mächtigkeit beträgt im Ganzen 
10 — 15 Fuss. Stellenweise enthält dieser Kalk ausser den ge- 
nannten Trochiten noch zahlreiche andere Petrefakten, besonders 
häufig Lima striata v. Alb., daher wurde diese Schichtenreihe von 
Credner und Anderen Limakalk oder Limabank genannt. Ausser- 
dem sind noch zu erwähnen: 

Terebratula vulgaris v. Schloth. 

Gervillia socialis v. Schloth. spec. 

Gervillia costata Quenst. 

Trigonia vulgaris Bronn. 

Credner führt noch als besonders häufig in dieser Stufe Pecten 
inaequistriatus und discites an, bei Gotha scheinen diese beiden 
Arten aber zu fehlen, ich habe sie wenigstens nicht dort beobachtet. 

Diese Trochitenschichten sind nun technisch von grosser Be- 
deutung und werden als Werksteine, zur Beschotterung der 
Chausseen und zum Kalkbrennen im ausgedehntesten Maassstabe 
verwendet und zu diesem Zweck in höchst zahlreichen Steinbrüchen 
gewonnen. Die Keihe dieser Steinbrüche beginnt am kleinen 
Seeberg, an der Butterleiste, wo sie erst vereinzelt im Walde 
liegen ; sie häufen sich aber mehr und mehr und bald ist ein Bruch 
dicht am anderen auf der südlichen Seite der über die Seeberffe 
hinführenden Strasse ganz oben auf der Höhe, während wenige 
Schritte weiter südlich am Abhang die fast ebenso ausgedehnte 
Keihe der Gypsbrüche parallel damit verläuft. Nach einer kleinen 
Lücke umgeben die Steinbrüche die alte Sternwarte in einem 
weiten Bogen und hören dann diesseits des Leinathaies auf, um 
jenseits der Stadt Gotha am Gaiberg wieder anzufangen, liier aber 
auch am südlichen Abhang des Berges, nicht blos auf der obersten 
Höhe, wie am kleinen Seeberg. Auch hier am Gaiberg ist Stein- 


der Seeberge and des Galberges bei Gutlia. 


343 


brach an Steinbruch und die stellenweise sogar doppelte Reihe hört 
erst da auf, wo auf dem Plateau des Krahnberges jüngere Schichten 
den Trochitenkalk bedecken. Verhältnissmässig ebenso umfangreich 
ist die Ausbeutung dieser Schichten in den isolirten Muschelkalk- 
partieen des Grenzberges und des Petersberges, auch hier ist auf der 
ganzen Erstreckung des Ausstreichens des Trochitenkalkes Stein- 
brach an Steinbruch, oder besser es ist das ein einziger zusammen- 
hängender grosser und ausgedehnter Steinbruch. Dieser Steinbruchs- 
betrieb scheint schon seit sehr langer Zeit stattzufinden, denn an 
vielen Stellen ist der Trochitenkalk schon total ausgebrochen, so dass 
es oft schwer ist, an den Orten, wo er sich offenbar befunden haben 
muss, ein Stück davon aufzufinden. Vielfach, wie z. B. vorn am 
kleinen Seeberg, am Abhang gegen das Leinathal, sind die alten 
Gruben wieder zugeschüttet und überackert und an Stelle des 
Trochitenkalkes zieht sich dann ein flacher langgestreckter Graben 
hin statt des charakteristischen hervorragenden Rains, der sonst den 
Verlauf der Trochitenbänke an der Erdoberfläche zu markiren 
pflegt. So ist es auch an der kleinen, isolirten Muschelkalkpartie 
an der Kesselmühle bei Gotha, südöstlich von der Stadt, wo 
scheinbar mittlerer Muschelkalk und Nodosenkalk unmittelbar zu- 
sammenstossen , weil der dazwischen liegende Trochitenkalk fast 
spurlos verschwunden ist, so dass statt seiner nur noch der die 
Stelle der früheren jetzt zugeschütteten und beackerten Steinbrüche 
bezeichnende flache Graben vorhanden ist. Uebrigens sind auch 
noch Trocliitenkalkpartieen vorhanden, deren Ausbeutung noch gar 
nicht in Angriff genommen ist, so namentlich die, welche sich am 
südwestlichen Abhang des grossen Seeberges quer über die Felder 
hinzieht, so dass an ein vollständiges Verschwinden dieses werth- 
vollen Materials trotz der massenhaften Gewinnung vorläufig und 
noch lange nicht zu denken ist, ganz abgesehen davon, dass auch 
die schon in Angriff genommenen Partieen von der vollständigen 
Erschöpfung noch weit entfernt sind. Schon oben habe ich er- 
wähnt, wie bedeutend die äussere Gestalt des kleinen Seeberges 
und des Galberges und ebenso des Petersberges und Grenzberges 
durch diese umfangreichen Steinbruchsarbeiten verändert worden ist. 

Der N o dosenkalk, das oberste Glied des Muschelkalks, be- 


344 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


deckt verhältnissmässig grössere Gebiete, als die zwei schon ge- 
nannten Stufen desselben. Er zieht sich neben dem Trochitenkalk 
über den kleinen Seeberg und den Gaiberg bin, von dessen west- 
lichem Ende aus er sich nach Norden, Westen und Süden plateau- 
artig: weit ausbreitet und den Kralmberg bildet. Am Grenzberg und 
Petersbei’g überlagert er ebenfalls den Trochitenkalk und ebenso in 
der Muschelkalkpartie am Südwestabhang des grossen Seeberges. Er 
ist in Folge der Steinbruchsarbeiten auf den Trochitenkalk an vielen 
Stellen ziemlich gut aufgeschlossen, wenigstens in seinen unteren 
Theilen, die oberen Schichten sind es fast nirgends, da der No- 
dosenkalk selbst nirgends technisch verwendet und also auch 
nirgends gebrochen wird. Es sind wie überall in Thüringen 
blaue, wenig mächtige Kalkbänke mit Zwischenlagern von grauem, 
oft sehr plastischem Thon, der nicht selten an Gesammtmächtig- 
keit den Kalk fast erreicht, meist aber ziemlich dahinter zurück- 
steht. In diesem im Ganzen wohl mehr als 200 Fuss mächtigen 
Schichtensystem sind einige durch besondere Petrefakteneinschlüsse 
charakterisirte Bänke eingelagert. Credner erwähnt eine über 
weite Strecken nachweisbare nicht weit über dem Trochitenkalk 
abgelagerte Bank mit Nuculasteinkernen , Dentalium laeve und 
selten Spirifer fragüis. Ich habe diese Bank jedenfalls anstehend 
bei Gotha nicht beobachtet, dagegen finden sich nicht selten in 
dem Abraum der Trochitenkalkbrüche isolirte Platten mit Den- 
talien und unbestimmbaren Steinkernen von kleinen Muscheln 
(Sp. fragüis habe ich nie gesehen), die vielleicht dieser Bank an- 
gehören. Gegen das obere Ende des Nodosenkalkes hin ist die 
Schicht mit Ter. vulgaris var. cycloides zwar auch bei Gotha vor- 
handen, aber nicht in so ausgezeichneter Weise entwickelt, wie 
das sonst in Thüringen vielfach der Fall ist. Meine darauf be- 
sonders gerichtete Aufmerksamkeit hat nie zur Auffindung be- 
sonders charakteristischer und terebratelreicher Stücke geführt, 
doch ist im obersten Tlieil der Nodosenschichten eine solche 
Bank auch bei Gotha unzweifelhaft vorhanden , ebenso eine 
Bank mit vielen Exemplaren von Pecten discites , deren Lage- 
rung gegen die Cycloidesschichten aber nicht zu ermitteln war. 
Dagegen lässt sich an mehreren Stellen dicht unter der Letten- 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


345 


kohle der oberste Horizont des Nodosenkalks, die Schichten mit 
Ammonites semipartitus Monte. deutlich erkennen. Es sind theils 
blaugefärbte Kalke, in denen auch die eingeschlossenen Verstei- 
nerungen, besonders der genannte Ammonit aus blauem Kalk be- 
stehen: so findet er sich beispielsweise am kleinen Seeberg als 
Seltenheit ; oder es sind gelbe dolomitische dichte Kalke mit gelben 
Petrefakten, welch letztere, auch isolirt, durch ihre Farbe auf diesen 
Horizont hinweisen, wie das, allerdings nicht in sehr ausgezeich- 
neter Weise, an beiden Abhängen des Galberges zu beobachten 
ist. Diese gelbe oder braune obere Grenzschichte des Nodosen- 
kalks wird vielfach und, wie es scheint auch von Credner, wegen 
der Farbe schon zur Lettenkohle gerechnet. Fs ist dies aber 
nicht richtig, da man in diesen Schichten an vielen Stellen in Thü- 
ringen noch die Muschelkalkammoniten eingeschlossen findet, so 
dass doch nähere Beziehungen nach unten, als nach oben vor- 
handen sind. Allerdings ist, wenn die Ammoniten fehlen, die 
Sache zweifelhaft, da die Lettenkohle mit ganz ähnlich aus- 
sehenden Schichten oft beginnt. 

Die Versteinerungen der Nodosenschichten sind dieselben, die 
überall in Thüringen in diesem Niveau Vorkommen, etwas beson- 
ders Hervorzuhebendes habe ich in der Nähe von Gotha nicht 
beobachtet. Es wurden besonders folgende Formen gefunden: 

Terebratula vulgaris v. Sciiloth. 

Discina cliscoides v. Schloth. spec. 

Ostrava complicata GoLDF. 

» spondxjloicles v. Schloth. 

» ostracina v. Schloth. sp. 

Anomict bergx Giebel. 

Pecten reticulatus Brongn. 

» Albertii Giebel. 

» cliscites Bronn. 

» laevigatus Bronn. 

Hinnites comtus Giebel. 

Lima lineata Golde. 

Geroillia socialis v. Schloth. sp. 

» costata QüENST. 


346 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


Mytilus vetustus Goldf. 

Nucula elliptica Goldf. 

Trigonia vulgaris Bronn. 

Myacites musculoides Goldf. 

Dentalium laeve Goldf. 

Melania Schlotheimii Quenst. 

Fusus Hehlii Zieten. 

Kleinere unbestimmte Schnecken. 

Nautilus bidorsatus Bronn (die Schale und die Kiefer). 

Ammonites nodosus Bruguiere sp. 

» semipartitus v. Buch. 

Schuppen, Zähne und Knochen von Fischen und Sau- 
riern. 

L)er Keuper. Diese Formation beginnt mit der Letten- 
kohle oder dem Kohlenkeuper. Diese Abtheilung ist an ver- 
schiedenen Stellen etwas verschieden zusammengesetzt und ver- 
schieden mächtig:. Die Mächtigkeit beträgt im Minimum ungefähr 
100 Fuss, geht aber wohl meist darüber hinaus. Zu unterst 
liegen fast überall gelbe oder braune eisenschüssige dolomitische 
Kalke, die aber mit Bestimmtheit nur dann zur Lettenkohle ge- 
rechnet werden können, wenn sie cavernös mit vielen grossen 
polyedrischen Flohlräumen versehen sind, deren, Volumen das der 
Gesteinsmasse überwiegt, welch letztere nur in Gestalt von mehr 
oder weniger ebenflächigen Platten oder Leisten als Begrenzungen 
jener Hohlräume vorhanden ist. Sind diese Schichten nicht 
cavernös — wie schon bei Betrachtung der obersten Muschelkalk- 
schichten bemerkt wurde — , dann ist die Zugehörigkeit zweifel- 
haft, da letztere Formationsabtheilung von ganz ähnlichen Gesteinen 
nach oben als dem letzten Glied begrenzt rvird und Sicherheit 
tritt erst wieder ein, wenn das Auffinden A 7 on Ammoniten die 
Zutheilung zum Muschelkalk erforderlich macht. Im Ganzen liegen 
die Verhältnisse so, dass man im Zweifelsfall solche Schichten 
eher zum Muschelkalk als zur Lettenkohle ziehen wird. Von hier 
aus wird die Gliederung im Gebiet unserer Karte zweifelhaft, da 
nirgends ein Aufschluss durch die ganze Lettenkohle oder durch 
die einzelnen sich zu einem Gesammtprofil ergänzenden Niveaus 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


347 


vorhanden ist. Nur die oberen Schichten sind ungefähr halbwegs 
zwischen Gotha und dem südöstlich davon gelegenen Dorfe Sund- 
hausen au der durch die Sundhauser Vorstadt in Gotha führenden 
Chaussee aufgeschlossen (an dem sogenannten »Tollen Hund«, 
welchen Namen aber die Generalstabskarte nicht hat, derselbe hegt 
nur wenige hundert Schritt ausserhalb des Gebietes unserer Karte), 
wo die Lettenkohlensandsteine in grossen Steinbrüchen gewonnen 
werden. Auf diesen Mangel an Aufschlüssen ist vielleicht auch ein 
Theil der Verschiedenheiten und Abweichungen in der Ausbildung 
des Kohlenkeupers zurückzuführen, die man mehrfach auf geringe 
Entfernung wahrzunehmen meint. Ein ausgezeichnetes Profil durch 
die ganze Lettenkohle und einen Theil der darüber liegenden 
Keuperschichten beschreibt aber Credner aus einem Wasserriss 
zwischen Holzhausen und Bittstedt ca. 2 Meilen in südöstlicher 
Richtung von unserer Kartengrenze entfernt. Es ist allerdings 
zweifelhaft, ob man auf so weite Entfernung Gleichheit der Ver- 
hältnisse in den Hauptsachen voraussehen darf, aber das Profil 
vom »Tollen Hund« bei Gotha stimmt so sehr mit dem ent- 
sprechenden Theil des Profils bei Holzhausen überein, dass man 
vielleicht annehmen darf, dass durch dieses Profil auch die Ver- 
hältnisse bei Gotha in den Grundzügen richtig dargestellt werden. 

An jener Stelle liegen zuunterst wie überall sonst jene schon 
besprochenen eisenschüssigen dolomitischen Kalke (hellbrauner 
Bittermergelkalk) in geringer Mächtigkeit, nicht cavernös, also 
vielleicht ganz oder zum Theil noch zum Muschelkalk zu ziehen. 
Hierauf folgen aschgraue, schwarze, oft auch grünlichgraue Mergel- 
schiefer und Thonletten, dazwischen finden sich dünne eisen- 
schüssige ockergelbe oder braune Dolomitbänkchen von festerer 
oder lockerer Beschaffenheit eingelagert, die Lingula tenuissima 
zuweilen in Menge enthalten. Credner führt von dieser Stelle 
nicht Estheria minuta an , an anderen Orten , auch im Gebiet 
unserer Karte bei Gotha findet man oft die Schichtflächen der 
Thonletten mit vielen Exemplaren dieses Muschelkrebses bedeckt, 
wie das auch schon Beyrich früher bemerkt hat 1 ), der sie von 


b Zeitschr. d. Deutsch, geolog. Ges. II, 168, 1850. In späteren Arbeiten er- 
wähnt auch Ckednek das Vorkommen dieser Versteinerung in der Lettenkolile. 


348 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


Sonneborn nordwestlich von Gotha aus kohligen Schiefern, aus 
der Schlotheim sehen Sammlung, erwähnt. 

Die Gesammtmächtigkeit dieser Lettenkohlenthone und -Mergel 
beträgt nach Credner 38 1 /2 Fuss. Hierauf folgt das Niveau der 
Lettenkohlensandsteine in einer Mächtigkeit von ungefähr 60 Fuss, 
der » Trauen Sandsteine« von E. E. Sciimid. Es sind grünlich- 
graue Mergelsandsteine mit Pflanzenresten, von denen besonders 
Calamites arenciceus erwähnt wird. Dazwischen ist ein schwarzer 
Mergelschiefer stellenweise mit Schnüren von Kohlenmulm ne- 
lagert, und bedeckt wird der Sandstein von bunten (grünen und 
rothen) Thonen, deren Gesammtmächtigkeit Credner zu ca. 10 Fuss 
angiebt und welche dann von der Abtheilung des Grenzdolomiten 
15 Fuss mächtig überlagert werden, von dem nachher noch weiter 
die Rede sein wird. Es hat somit die Lettenkohle dort eine 
Mächtigkeit von ungefähr 120 Fuss. 

Am »Tollen Hund« !) ist die untere Lettenkohle, die Letten- 
kohlenthone, nicht aufgeschlossen. Man beobachtet in den dorti- 
gen Steinbrüchen zum Tlieil gelbgraue und zum Theil auch rothe 
Sandsteine mit undeutlichen Pflanzenresten in erheblicher Mächtig- 
keit (30 — 40 Fuss) anstehend. Es sind weiche, ziemlich lockere, 
aber doch zu Bausteinen immer noch gut brauchbare Sandsteine 
mit thonigem Bindemittel und mit vielen weissen Glimmerschüpp- 
chen, besonders auf den Schicht flä chen. Neben den sehr reichlich 
vorhandenen, unbestimmbaren kohligen Pflanzenresten finden sich 
auch mannichfach deutlich erhaltene und bestimmbare Pflanzenver- 
steinerungen. Es ist Calamites arenaceus , Equisetum columnare , 
Taeniopteris vittata und mehrfache andere, noch nicht bestimmte 
oder beschriebene Arten; Credner führt z. B. noch eine Neu- 
ropteris- Species auf, sowie zahlreiche Exemplare einer Mya- Art und 
Wirbelthierreste, Zähne und Schuppen etc., von denen ich an der 
genannten Stelle nichts beobachtet habe. 

Diese Sandsteine sind überlagert von den ca. 10 Fuss mäch- 
tigen, bunten, grünen und rothbraunen Thonmergeln, die überall in 
Thüringen im oberen Niveau der Lettenkohle sich finden und die 


D Die Lokalität liegt nickt mekr im Bereich unserer Karte, 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


349 


nur durch ihre Lagerung unter dem Grenzdolomit sich von den 
darüber liegenden bunten Mergeln des mittleren Keupers unter- 
scheiden, nicht aber im Aussehen. Genau dasselbe Profil kann 
man auch an der Kesselmühle beobachten, wo in einem Hohlweg 
der Sandstein ansteht und darüber dann die bunten Mergel mit 
dem Grenzdolomit lagern, aber der Aufschluss ist hier nicht durch 
Steinbrüche erweitert. 

Den Schluss der Lettenkohle nach oben macht endlich der 
Grenzdolomit, ein meist intensiv gelbei’, mehr oder weniger dick 
geschichteter Dolomit mit zwischengelagerten weicheren Schichten, 
der durch sein constantes Auftreten einen der schärfsten Trias- 
horizonte in Thüringen bezeichnet. Er umsäumt als schmales Band 
im Südwesten und auch zu einem kleinen Theil im Nordwesten, 
wo er unter dem Diluvium verschwindet, die Stadt Gotha, und 
findet sich ebenso bei der schon erwähnten Kesselmühle und am 
Südwestabhange des grossen Seeberges. 

Wo der Grenzdolomit gut aufgeschlossen ist, zeigt er sich 
überall sehr reich an Petrefakten aller Art, von denen besonders 
Trigonia Goldfussn von Alb. häufig und charakteristisch, ausserdem 
habe ich bei Gotha an verschiedenen Stellen noch folgende Petre- 
fakten beobachtet : 

Lingula tenuissima Bronn (ein Bruchstück), 

Trigonia vulgaris Bronn, 

Gervillia socialis v. Schloth. sp., 
daneben unbestimmte Steinkerne verschiedener anderer Muscheln 
und zahlreiche Ueberreste von Fischen und Sauriern. 

Die oben als häufig und typisch angeführte Beschaffenheit 
dieses Grenzdolomits ist aber durchaus nicht die ganz allgemeine, 
sondern es ist im Gegentheil ein starker Wechsel an verschiedenen 
Stellen des Vorkommens zu beobachten. Bald ist der Dolomit 
gelb und fest und wird dann wohl als Baustein verwendet — 
Stücke davon finden sich schon in den Mauern des alten Schlosses 
Gleichen bei Wandersleben östlich vom grossen Seeberge eilige- 
mauert — oder er ist gelb, aber locker und mürbe, sogar fast 
zerreiblich; bald sind es aber auch feste, rauchgraue, dichte bis 
sehr feinkörnige Dolomite, in denen dann die Petrefakten nicht so 


350 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


deutlich zum Vorschein kommen, wie bei den gelben. Zuweilen 
zeigt auch ein und dasselbe Stück an verschiedenen Stellen die 
beiden Beschaffenheiten nebeneinander, so dass es aussieht, als 
wäre die gelbe, festere oder lockere Ausbildungsweise nur eine 
durch Verwitterungsprozesse aus dem festen rauchgrauen Vor- 
kommen entstandene sekundäre Bildung, bei welchen Prozessen 
dann auch die Petrefakten erst aus dem Gestein herauswitterten, 
wenigstens treten diese bei den gelben Dolomiten viel mehr her- 
vor, als bei den graubraunen, bei denen sie sich oft sehr verstecken, 
so dass sie schwer wahrzunehmen sind. So stark bituminöse Ab- 
arten, dass sie dem Stinkschiefer im Zechstein gleichen, und wie 
sie Credner von anderen Orten in Thüringen beschreibt, habe 
ich bei Gotha nicht wahrgenommen. 

Die nun folgende Abtheilung des Gypskeupers besteht 
ebenfalls, wie die obere Lettenkohle, aus rothen und grünen 
Thonen, die sich von den entsprechenden Letteukohlenthonen 
kaum durch etwas grösseren Wechsel der Farben im Aussehen, 
sondern wesentlich nur durch die Lagerung über dem Grenz- 
dolomit unterscheiden lassen. Ist die Lagerung solcher bunter 
Thone zum Grenzdolomit nicht mit Sicherheit nachgewiesen, dann 
ist auch die Zugehörigkeit derselben zur Lettenkohle oder zu der 
höheren Abtheilung des Keupers, dem Gypskeuper, zweifelhaft, vor- 
ausgesetzt, dass nicht die dem Gypskeuper eigenthümlichen Ein- 
lascerunffen vorhanden sind, die aus mit den Thonen wechselnden 
Gypsbänken und deren Residuen bestehen. Diese Gypsbänke sind 
tlieils sehr dünn, theils dicker, vielfach auch stellenweise rasch an- 
scliwellend und sich wieder verdrückend. Der Gyps selbst ist roth 
oder doch weiss mit rothen Flecken, und unterscheidet sich da- 
durch leicht von dem nie rothen Muschelkalkgyps. Er ist meist 
dicht, enthält aber stellenweise derbe, krystallinische Partieen ein- 
gesprengt. Auch enthält er in grösserer Menge undeutlich aus- 
gebildete Quarzkrystalle eingesprengt. Dieser Gyps ist aber nicht 
überall vorhanden, wo die Abtheilung des Gypskeupers entwickelt 
ist, vielmehr fehlt er wohl an deu meisten Stellen, was aber nur 
darauf zurückzuführen ist, dass der ursprünglich vorhandene Gyps 
von den im Innern der Schichten circulirenden Wässern aufgelöst 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


351 


und fortgeführt wurde, womit viele kleine lokale Schichtenstörungen 
verbunden sind. Wenn dieser Prozess noch nicht ganz beendigt 
ist, so sind nur einzelne Knollen von Gyps statt der zusammen- 
hängenden Schichten vorhanden, in denen die unlöslichen Bei- 
mischungen des Gypses dann stärker angehäuft sind, besonders 
die Quarzkrystalle. Solche Gypsresidua liegen z. B. in grosser 
Menge in der Gypskeuperpartie nördlich vom Dorfe Günthers- 
leben, an deren südlichem Rande aber auch Gyps in der ursprüng- 
lichen Form von dicken Bänken ansteht, die dort in Brüchen ge- 
wonnen werden. Ebenso findet man den Gyps längs des südlichen 
Abhanges des kleinen Seeberges sich hinziehen. Er steht dort nicht 
eigentlich zu Tage an, ist aber vielfach in Löchern aufgeschlossen, 
die zu seiner Gewinnung gegraben werden, welche aber ihre Stelle 
rasch wechseln und sich nie zu eigentlichen Brüchen ausdehnen, 
da die Quantität des vorhandenen Materials dazu, wie es scheint, 
doch zu gering ist. Es ziehen sich also zwei Gypsgewinnungs- 
zonen vom Südabhange des kleinen Seeberges auf wenige Schritt 
Entfernung ziemlich lange nebeneinander hin; oben am Abhange 
der ungleich wichtigere und massenhaftere Muschelkalkgyps, unten 
auf den Feldern der Keupergyps. Natürlich mischen sich viel- 
fach in dem dort lose herumliegenden Gesteinsmaterial beide Gypse 
mit einander, man kann aber beide in jedem Handstück sicher 
auseinander halten, da der Keupergyps stets einen, wenn auch nur 
schwachen Stich ins Roth hat, was beim Muschelkalkgyps nie der 
Fall ist. An manchen Stellen wird der Thon von Schnüren von 
Fasergyps durchzogen, doch sind das wenig wichtige secundäre 
Bildungen. Mit dem Fasergyps kommt nach Credner am kleinen 
Seeberge auch fleischrother Cölestin vor, ich habe davon nichts 
wahrgenommen. 

Im Allgemeinen ist diese Abtheilung des Gypskeupers charak- 
terisirt durch das Fehlen von Steinmergelbänken, die sich erst 
weiter nach oben einstellen. Einzelne solche Bänke sind aber doch 
auch hier schon an manchen Stellen ausgebildet. So durchzieht 
im Liegenden der dortigen Gypsbänke nördlich dem Dorfe Günthers- 
leben eine ungefähr einen Fuss mächtige, sehr feste und harte 
Steinmergelbank von hell violetter Farbe die Gypskeuperschichten, 


352 


Max Bauer , über die geologischen Verhältnisse 


die vielleicht mit der sogenannten Bleiglanzbank in Schwaben und 
Franken und an anderen Orten in Thüringen äquivalent ist, doch 
ist Bleiglanz darin noch nicht aufgefunden worden, ebenso wenig 
Petrefakten irgend welcher Art. 

Ausser diesen lokalen Steinmergeleinlagerungen sind aber noch 
andere Zwischenschichten vorhanden, die einiges Interesse ge- 
währen, nämlich solche von Sandsteinen, die ihr Lager im oberen 
Gypskeuper haben und somit wohl dem süddeutschen Schilfsandstein 
äquivalent sind. Das Vorkommen ist aber nur sehr lokal und es 
sind im Gebiet unserer Karte nur zwei Punkte, wo dieser Sandstein 
deutlich aufgeschlossen ist. Der eine Punkt ist nordwestlich vom 
Dorf Siebleben auf der Höhe; dort ist in einer ziemlich grossen 
Grube ein sehr weicher und lockerer, ja zwischen den Fingern 
zerreiblicher, rother oder gelber Sandstein mit vielen undeutlichen 
kohligen Pflanzenresten und vielen Glimmerblättchen aufgeschlossen, 
der dort gewonnen wird, aber nicht als Baumaterial, wozu er wegen 
seiner lockeren Beschaffenheit durchaus ungeeignet ist, sondern 
zur Verbesserung der Felder in jenen Gegenden. Fs ist dieser, 
an der bezeiclmeten Stelle circa 20 Fuss mächtig; aufgeschlossene 
Sandstein unzweifelhaft eine Einlagerung der Gypskeuper, was 
man noch deutlicher sieht an der zweiten Stelle, wo er zu Tage 
ansteht, nämlich in dem am weitesten bis zur Eisenbahn vorge- 
schobenen der Hügelchen nördlich vom Dorfe Seebergen, die in einer 
ziemlich langen Reihe den Fuss des grossen Seebergs umsäumen. 
Dort findet sich ein dem obigen petrographisch in jeder Beziehung 
gleicher Sandstein, der sich auf den ersten Blick in jeder Beziehung 
von den anderen Sandsteinen der Gegend, dem Lettenkohlensandstein 
und dem später zu betrachtenden rhätischen Sandstein des grossen 
Seeberges, unterscheidet, so dass eine Verwechslung auch in Hand- 
stücken kaum möglich erscheint. 

Zwischen diesen beiden Punkten ist bisher von diesem Sandstein 
keine Spur beobachtet worden, und es hat daher den Anschein, 
als wären an beiden Stellen plötzlich die Sandsteine zu erheb- 
licher Mächtigkeit angeschwollen, die sich aber nach allen Seiten 
rasch wieder verliert. Dies scheint auch aus der Terraingestaltung her- 
vorzugehen, indem an beiden genannten Punkten, wo der Schilfsand- 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


353 


stein vorkommt, der Bergabhang eine markirt vorspringende, von 
weitem schon auffallende Nase bildet, die sonst fehlt. Ist dieser 
Zusammenhang zwischen dem Vorkommen des Sandsteins und der 
Oberflächengestaltung richtig, so kann man die Vermuthung aus- 
sprechen, dass auch in dem unmittelbar nördlich von Siebleben vor- 
handenen kleinen Bergvorsprung dieser Sandstein in der Tiefe ansteht, 
den man aber nicht sieht, weil die Kuppe von einer sehr mäch- 
tigen diluvialen Schottermasse bedeckt ist. Diese Kuppe liegt auch 
ganz in der Linie, in welcher der Sandstein an der Erdoberfläche 
ungefähr verlaufen müsste, wenn es eine continuirlich und in 
stets gleicher Mächtigkeit verlaufende Schicht wäre. Da andere 
in ähnlicher Weise vorspringende Kuppen nicht weiter vorhanden 
sind, so wäre weiter zu vermuthen, dass an anderen Stellen der 
Sandstein nicht oder doch nur sehr untergeordnet vorkommt, um 
so mehr, als auch auf den Feldern Spuren seiner Existenz nicht 
zu finden sind. Sandsteine in diesem Niveau und von ähnlicher 
Beschaffenheit, aber immer nur als wenig umfangreiche, aber zum 
Theil mächtige, stockförmige Einlagerungen finden sich übrigens 
auch noch vielfach anderwärts in Thüringen, so z. B. nördlich von 
Gotha bei Langensalza und Bollstedt, östlich in dem oben an- 
geführten Lettenkohlenprofil, in dem Credner noch einen Sand- 
stein über dem Grenzdolomit und im oberen bunten Mergel 
anführt, und an manchen anderen Orten, doch sind es nie 
solche feste, zusammenhängende Schichten, wie der Schilfsandstein 
in Schwaben und Franken. 

Gegen oben verschwindet der Gyps überall, die oberen Thon- 
mergel werden allmählich härter und luftbeständiger, als die unter- 
sten, den Gyps einschliessenden, was wohl mit einem grössex'en 
Kalkgehalt zusammenhängt, und damit geht Hand in Hand ein 
Bunterwerden derselben, ein Hervortreten von grelleren rothen 
und blauen oder grünen Farben. Zugleich stellen sich allmählich 
zwischen den immer noch leicht in kleine, scharfeckige und -kantige 
Stücke zerfallenden Thonmergeln festere Bänke von Steinmergel 
(Credner’ s Thonquarze) ein, welche, anfangs nur wenig mächtig 
und vereinzelt, nach oben mächtiger (bis zu 1 Fuss) und häufiger 
werden, wie das besonders an dem vom Dorfe Seebergen auf die 


354 


Max Bader, über die geologischen Verhältnisse 


Höhe des grossen Seeberges führenden sogenannten Triftwege zu 
beobachten ist. 

Wegen der Steinmergeleinlagerungen heisst diese Abtheilung 
der Steinm ergelkeuper. Er zieht sich ungefähr 200 Fuss 
mächtig: um den ganzen grossen Seeberg herum und bildet einen 
scharfen Vorsprung gegen Siebleben hin, endlich tindet sich eine 
kleine Stelle auf der Höhe des grossen Seeberges; an anderen 
Orten des Kartengebietes kommt er nicht vor. Er bildet überall 
um den grossen Seeberg herum sehr schroffe Abhänge, die sich 
durch grosse Unfruchtbarkeit von den meist ergiebige Aecker und 
Wiesen tragenden Gypskeupermergeln sehr unterscheiden, was mit 
der schwereren Verwitterbarkeit der Thonmergel der oberen Ab- 
theilung zusammenhängt. Der von ihnen gebildete Boden trägt 

o ö o ö 

meist nur eine höchst sparsame Vegetation, wenigstens an den 
steilen Bergabhängen und stellenweise fehlt eine solche auch so 
vollständig, dass die von Steinmergelkeuper gebildeten Flächen 
ganz nackt sind. 

Diese Abtheilung des Steinmergelkeupers hat keine scharfe 
Grenze gegen den Gypskeuper. Es sind zwar zwei in ihrer Ge- 
sammtbeschaffenheit entschieden sich bedeutend unterscheidende 
und daher auseinanderzuhaltende Stufen, aber es ist nicht möglich, 
eine durchgehende und überall leicht wieder aufzufindende Schicht 
anzugeben, die in ähnlicher Weise scharf scheidet, wie z. B. der 
Grenzdolomit zwischen Lettenkohle und Gypskeuper. Es folgt 
daraus, dass man leicht die Grenze zwischen beiden Stufen an 
verschiedenen nicht zusammenhängenden Stellen etwas verschieden 
legt, da es sich dabei um Abwägung einer grösseren Anzahl von 
Erscheinungen und Eigenschaften der constituirenden Gesteine 
handelt, die ja auch an verschiedenen Stellen in Folge von sekun- 
dären Einflüssen, die auf sie gewirkt haben, sich etwas verschieden 
verhalten können. 

Sandsteineinlagerungen, wie an der Wachsenburg und sonst 
im Osten unseres Gebietes sind am Seeberg von mir nicht beob- 
achtet, dagegen ist zn erwähnen, dass in manchen Steinmergel- 
bänken sich zuweilen Versteinerungen finden. Es sind sparsame 
Fisch- und Saurierreste und Conchylien, Corbula Keuper in a , oft 


der Seeberge und des Galberges bei Gotlia. 


355 


in grösserer Anzahl und unbestimmbare Steinkerne von Bivalven 
beobachtet worden. In den Thonmergeln, in denen die Stein- 
mergel eingelagert sind, sind dagegen Versteinerungen von mir 
nie beobachtet worden. 

Die letzte Abtheilung der Trias endlich ist die Rhätische 
Gruppe, der Sandstein des grossen Seeberges, ausschliesslich nur 
auf diesen Berg beschränkt und dort in zahlreichen und ausge- 
dehnten, theils noch im Betrieb stehenden, theils verlassenen 
Sandsteinbrüchen aufgeschlossen. Credner hat in seiner Arbeit 
aus dem Jahr 1839 diesen Sandstein mit dem darüberliegenden 
Angulatensandstein zusammengefasst unter dem Namen Liassand- 
stein, welche Ansicht er aber später (1860) gegen die jetzige allgemein 
übliche vertauscht hat. Diese Steinbrüche bauen aber nur auf den 
mittleren Schichten, entblössen daher auch beim Abräumen Schichten 
der höheren Niveaus, lassen dagegen die untersten Schichten ganz 
intakt, so dass diese jetzt nur unvollkommue zufällige und ge- 
legentliche, auch stets wenig ausgedehnte Aufschlüsse zeigen. 

Dagegen hatte Credner die Gelegenheit, einen Stölln zu 
beobachten, der aus dem herrschaftlichen Bruch des Grossen See- 
herges ungefähr nach Norden getrieben wurde, um das Wasser aus 
dem Bruche abzuleiten und hier gelang es dem genannten Forscher, 
die Schichtenfolge auch im untersten Niveau des Rhät aufs Ge- 
naueste im Detail festzustellen. Dieser Stölln ist heute unzu- 
gänglich und ich folge daher in der Darstellung dieser Schichten 
in der Hauptsache Credner unter Berücksichtigung meiner eigenen 
zum Tlieil, aber nur in unwesentlichen Punkten abweichenden 
Beobachtungen. 

Zuunterst liegt ein weisser bis lichtgelber Sandstein, unten 
etwas dicker (ungefähr lFuss), oben dünner geschichtet und so- 
gar schieferig werdend, mit vielen kleinen weissen Glimmerblätt- 
chen, im Ganzen ca. 30 Fuss mächtig. In ihm eingelagert ist 
die einzige am Seeberg vorkommende versteinerungsreiche Schicht, 
die sogenannte Gurkenkernschicht. Es sind dünne feste Bänkchen 
desselben hellgelblichweissen , aber etwas festeren Sandsteins, 
wenige Fuss über der Grenze zu den unterlagernden Ylergeln, 
die ganz vollgefüllt sind von der von Deffner und Fraas soge- 


23 * 


356 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


nannten Anodonta postera, genauer nicht bestimmbarer Bivalven- 
steinkernen. In dieser Schicht hat R. v. Fritsch im Jahr 1875 
auch Wirbelthierreste gefunden 1 ) und zwar: Hybodus minus Ag., 
Acrodus minimus Ag. , Saurichthys acuminutus Ag. und S. lon- 
giconus Plien., sowie Fischschuppen ( Gyrolepis tenuistriatus Ag.). 
Die Ueberlagerung der Sandsteine über den Mergeln ist besonders 
gut zu beobachten auf dem schon genannten Triftweg, der vom 
Dorf Seebergen aus dessen südlichem Ausgang in südwestlicher 
Richtung; auf die Flöhe des grossen Seeberges führt und hier steht 
auch die Gurkenkernschicht besonders deutlich an. Weniger deut- 
lich zeigen sich die Verhältnisse überall sonst an der Kante des 
grossen Seeberges. Die Gurkenkernschicht findet sich fast rings 
um den Berg herum, wird aber stellenweise nicht anstehend, 
sondern nur in einzelnen losen Plättchen gefunden. 

Diese Abtheilung in ihrer Gesammtheit würde nach Pflücker 
y Rico 2 ) das Pflanzenrhät repräsentiren. Pflanzen sind allerdings, 
auch in unbestimmbaren kohligen Resten nicht oder nur sehr spärlich 
vorhanden. Alles was von Rhätischen Schichten noch darüber folgt, 
entspricht darnach dem Protocardienrhät, dessen einzelne Abthei- 
lungen sich nach Pflücker deutlich erkennen und unterscheiden 
lassen. 

Auf jenes unterste Glied folgen ungefähr 20 Fuss weisse oder 
gelblich weisse Sandsteine und Sandsteinschiefer ohne organische 
Reste (unterer Protocardienrhät) und darüber dann der eigentliche 
Werksandstein, der in den Brüchen vorzugsweise gewonnen wird. 
Es ist ein gelblich weisser feinkörniger Sandstein, bis zu 40 Fuss 
mächtig, feinkörnig, fest, in dicken Bänken geschichtet, vielfach von 
dunklen, braunen Schnüren und oft sogar von förmlichen Adern von 
Brauneisenstein durchzogen , der auch auf Kluftflächen zuweilen 
mit traubiger Oberfläche vorkommt. Zuweilen enthält der Sand- 
stein faustgrosse, oft ziemlich regelmässig polyedrisch umgrenzte 
Löcher mit stark eisenschüssigen Wänden, welche ganz mit feinem, 
losen Sand erfüllt sind, der beim Zerschlagen herausfällt. 


B Teyetmeyer, 1. c. Zeitselir. ges. Nat. 1876. 13, p. 473. 

2 ) Zeitselir. d. Deutsch, geol. Ges. 1868. Uebersichtstabelle. 


der Seeberge und dos Galberges bei Gotha. 


357 


Auf den Schichtflächen ist dieser Sandstein, wie übrigens auch 
die Sandsteine der anderen Stufen, vielfach mit den schönsten 
Wellenfurchen bedeckt, oft auf weite Erstreckungen hin. Ebenso 
findet man auf diesen Flächen leistenförmige, sich nach verschie- 
denen Richtungen durchschneidende, niedrige Erhabenheiten, offen- 
bar Ausfüllungen von schmalen Spalten und Kluften der Oberseite 
der unmittelbar darunterliegenden Schicht. Am Ausgehenden der 
Schichten wird der Sandstein am grossen Seeberge vielfach durch 
Verwitterung lose und locker und zerfällt zu Sand, der in vielen 
Gruben gegraben und als Stuben- und Scheuersand verwendet 
wird. An organischen Resten ist dieser Sandstein arm. Verkohlte, 
aber selten deutlichere Pflanzenreste kommen auf den Schicht- 
flächen nicht selten vor, dagegen sind animalische Reste um so 
seltener. Ich habe nie welche gefunden, Credner führt aber Ab- 
drücke von Cardium cloacinum Quenst. und Taeniodon ( Protocar - 
dia) Ewaldi Bornem. als Seltenheiten an. Ausserdem sollen auch 
in diesem Sandstein einige Fischzähne gefunden worden sein, wie 
aber Credner nur gerüchtweise mittheilt. Ueberlagert wird dieser 
Sandstein von 2 — 4 Fuss grauen, mageren Thons, der feuerbeständig 
ist und daher zu Kapseln in der Porzellanmanufaktur in Gotha 
verwendet wird. Er enthält als einzige organische Reste schlecht 
erhaltene, verkohlte Pflanzenstengel, dagegen etwas häufiger runde 
Geoden von im Inneren vollkommen dichter, nicht zerborstener 
septarienähnlicher Beschaffenheit und von einer auf dem Quer- 
bruch zum Vorschein kommenden eigenthümlichen saftgrünen Farbe, 
die allerdings beim Liegen an der Luft und Austrocknen in eine 
mehr ins Graue gehende Nüance übergeht. Der Sandstein oder 
Thon, der eine unten, der andere oben vollkommen herrschend, 
gehen auf der Grenze dadurch allmählich in einander über, dass 
zwischen den Sandsteinbänken sich erst schwächere, dann stärkere 
Schichten grauen und stellenweise auch rothen Thons einstellen, 
bis der graue Thon endlich den Sandstein ganz verdrängt. Beide 
zusammen, Sandstein und Thon, repräsentiren nach Pflücker y 
Rico das mittlere Protocardienrhät. 

Noch weiter nach oben tritt nun der Sandstein zurück, er ist 
nicht mehr so dickbänkig und fest, wie oben, sondern oft schieferig 


358 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


und locker und zwischen den Sandsteinschichten stellen sich immer 
massenhafter Thon und Mergel ein. Credxer unterscheidet über 
dem letztgenannten Tlione noch eine 10 — 15 Fuss mächtige Masse 
eines gelblichgrauen bis grünlichgrauen Sandsteins und Sand- 
schiefers mit mergeligem Bindemittel, von unten nach oben immer 
schwächere und schwächere Schichten bildend, bis endlich ein voll- 
kommener Sandsteinschiefer nach oben abschliesst. Die unterste 
Schicht ist noch D /2 bis 2 Fuss mächtig und in ihr fand man 
früher ein Equisetum in meist aufrecht stehenden Exemplaren und 
mannichfache andere Pflanzenreste, aber keine Thiere. Dann folgt 
ein gelblichgrauer, unten ebenfalls Geoden führender Mergelschiefer, 
der nach oben mehr thonig wird und dünne Platten von Sandschiefer 
einscldiesst, im Ganzen in einer Mächtigkeit von 6 — 10 Fuss. Der 
Mergelschiefer enthält als Seltenheiten Petrefakten mit zerstörten 
Schalen und zwar: 

Modiola minuta Quenst. (wahrscheinlich = Mocliola minima 
Sow.) 

Cardium rhäticum E. v. d. Lintii. = Protocardia rhätica. 

Cardium Philippianum Dxkr. = Protocardia carinata 
Pflücker. 

Diese drei Arten sind häufiger. Seltener sind: 

Posidonomya Hausmanni Borxem. 

Taeniodon ( Protocardia ) Ewaldi Borxem. 

Taeniodon ellipticus — Protocardia praecursor Schlöxb. sp. 

Inoceramus ? 

Cassianella contorta ist bis jetzt noch nicht gefunden worden. 

Verkohlte Pflanzenreste mit Schwefelkies finden sich nicht 
selten. Endlich wird das Rhät von einer ca. 4 Friss mächtigen 
röthlichgrauen oder grünlichgrauen Thonmergelschicht geschlossen. 

O OO OO 

Dieser ganze obere Rest repräsentirt dann das obere Protocardien- 
rhät Pflückers, das weiterhin vom Lias überlagert wird. 

Der Lias. Der Lias ist auf einem kleinen Gebiet am süd- 
östlichen und südlichen Abhang des grossen Seeberges entwickelt 
und es ist von ihm die untere und mittlere Abtheilung bis zu den 
Schichten des Ammonites amaltheus inclusive vertreten. Die untere 
Abtheilung ist schon längst von dieser Stelle bekannt. Credxer 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


359 


spricht, wie schon oben erwähnt, 1839 von Liassandstein auf dem 
grossen Seeberg, aber er führt keine einzige Versteinerung an, die 
dafür beweisend wäre und fasst namentlich noch den ganzen rhä- 
tischen Sandstein mit dem Liassandstein zusammen. Noch in der 
zweiten Auflage der geologischen Karte von Thüringen, 1854, wird 
der ganze Gipfel des grossen Seeberges als aus Liassandstein be- 
stehend dargestellt, von Rliät ist damals noch keine Rede, aber es 
werden in der Erläuterung zur Karte nun schon ächte Versteine- 
rungen des unteren Lias als am Seeberg vorkommend angeführt, 
nämlich Stein kerne kleiner Cardinien, und in der That kommen 
diese dort auch in grosser Menge vor. Anderes war aber damals 
wie es scheint von dort noch nicht bekannt und erst 1860 führt 
Credner dann weitere Belege für das Vorkommen des unteren 
Lias an : Am. angulatus , Lima Hausmanni, Corbula cardioides und 
noch manches Andere, was unzweifelhaft auf unteren Lias hinweist. 
Auf jener genannten Karte war auch die Verbreitung des Lias 
am kleinen Seeberg nicht richtig dargestellt. Einmal war die 
Ausdehnung eine zu weite, weil der ganze grosse Seeberg als 
davon gebildet dargestellt war, was eine Folge der Verwechselung 
des Rhätsandsteins mit dem Liassandstein war; zum anderen war 
aber das Verbreitungsgebiet auch zu enge dargestellt, weil die Ver- 
breitung der Liassandsteine und der anderen Liasschichten auf 
den Feldern am südwestlichen Abhang; des grossen Seeberges bis 
zum Dorfe Günthersleben hin Credner unbekannt geltlieben war. 
Ganz unbekannt war aber vor allem der mittlere Lias geblieben, 
der nur einen sehr kleinen Raum an der Oberfläche einnimmt, 
dessen Gesteine denen des Keuper zum Theil sehr ähnlich sind 
und der nur wenige Versteinerungen führt. 

Der mittlere Lias wurde zufällig aufgefunden, als im Jahre 1879 
zur Entwässerung eines Steinbruchs ein Stölln getrieben wurde, der 
ungefähr den in der Karte verzeiclmeten Verlauf nimmt. Der ent- 
wässerte Steinbruch liegt da, wo der zwischen den Seeberger Sand- 
steinbrüchen hindurchführende von Gotha aus über den ganzen Berg- 
rücken herkommende Fahrweg das Thalgründchen überschreitet, das 
von Osten her nach Westen herabkommend, sich weiter abwärts mit 
einem nordsüdlich vom Seeberg herabkommenden Thälchen vereinigt. 


,360 Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 

Das Stollnmmidloch befindet sich ziemlich genau südlich davon, 
nicht weit von der von Günthersleben nach Seebergen führenden 
Chaussee auf den Feldern, nahe bei dem Punkt, wo die Chaussee die 
kurze steile Biegung nach Norden macht, ungefähr halbwegs zwischen 
den Stellen, wo das oben genannte südwärts verlaufende Thälchen 
die Chaussee schneidet und wo der oben genannte vom Seeberg 
herabkommende Fahrweg in die Chaussee einmündet. Dieses 
Stollnmundloch ist im mittleren Lias angesetzt und der Stölln 
durchführt von dort aus immer liegendere Schichten, da letztere 
nach Süden unter einem ziemlich steilen Winkel einfallen. Eine 
erste Notiz über diesen Stölln und einige darin vorkommende 
charakteristische Petrefakten des mittleren Lias habe ich bald nach 
Eröffnung der Arbeiten gegeben x ) , heute kann dem damals Be- 
kannten noch einiges Weitere zugefügt werden. 

Credner schilderte seiner Zeit den Lias des grossen See- 
berges, der sich ganz gleichmässig und auch petrographisch sehr 
ähnlich dem Kliät, diesem auflagert, nach den Aufschlüssen in den 
Steinbrüchen und dem Vorkommen zerstreuter Stücke mit Petre- 
fakten auf den Feldern am Südabhang des grossen Seeberges. Was 
er beobachtete war nach seiner Beschreibung folgendes: 

Zu unterst liegt ein in dünne ca. 4 Zoll mächtige Platten 
zerfallender Sandstein , graulichweiss , feinkörnig , mit grauem 
Thon wechsellagernd, der nach oben vorherrscht. Unten liegen 
häufig Versteinerungen, Steinkerne von Conchylien, deren Schalen 
z. Th. durch Schwerspath ersetzt sind. Credner führt folgende 
Namen an: 

Thalassites depressus , 

Cardinia Listen, besonders häufig, 

Pecten sepultus, 

Pecten disparilis, 

Lima Hausmanni, 

Corbula cardioides , 

Ostrea irregularis , 

Ostrea rugata , 


x ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 31, 482, 1879. 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


361 


Mactromya spec., 

Pinna spec., 

Ammonites angulatus , selten. 

Kleine Gasteropodensteinkerne, 

Kleiner Zahn eines Ichthyosaurus. 

Dieses ganze Schichtensystem parallelisirt dann Crerner mit 
der Psilonotenschicht, dem untersten Liasniveau in Schwaben und 
anderen Gegenden. Es geht dies aber wohl zu weit, da auch 
Am. angulatus darin vorkommt, so dass höchstens wohl blos der 
untere Theil des Schichtensystems die Zone des Am. psilonotus 
darstellt, der selbst allerdings noch nicht gefunden worden ist, 
während der obere Theil schon in das A ngulatenniveau hineingehört. 
Die Mächtigkeit soll 40 Fuss betragen, wahrscheinlich ist sie nicht 
unerheblich zu viel. Es folgen dann weitere Sandsteine, feinkörnig, 
gelblichgrau oder gelblichweiss , oft ockergelb gefleckt, 2- — 3 Zoll 
starke Schichten bildend mit Thonzwischenlagen ; das Ganze 6 — 8 
Fuss mächtig. Hier ist Am. angulatus weniger selten, ausserdem 
finden sich Cardinien, glatte Pectenarten und besonders Lima Haus- 
manni; den Beschluss bildet dann 2 Fuss grauer Thon und 6 Fuss 
hellgelber oder ockergelber Sandstein mit mergeligem Bindemittel, 
beide ohne Versteinerungen und mit dem darunterliegenden Sand- 
stein das Angulatenniveau nach Crerner’s Ansicht darstellend, 
dasselbe muss aber wohl, wie erwähnt, noch etwas nach unten hin 
ausgedehnt werden. Damit war die Reihe der Liasablagerungen, 
so weit sie Credner kannte, geschlossen. 

Was die Aufschlüsse in dem Stölln anbelangt, so wurden 
davon leider keine richtig geordneten Belegstücke gesammelt, und 
auch keine genügenden Notizen über das durchfahrene Schichten- 
material aufgezeichnet, wenigstens habe ich trotz eifrigsten Be- 
mühens nichts darüber erfahren können. Da ausserdem der Stölln 
schon zum grossen Theil fertig war, als ich die erste Kunde 
von seiner Anlage bekam, so konnte ich auch nicht selber das 
geförderte Material der Reihe nach verfolgen, sondern war auf die 
Beobachtung der unregelmässig gelagerten Massen der Halde be- 
schränkt, deren theilweise Zugehörigkeit zum mittleren Lias — und 
das war das wesentlich Neue, bisher Unbekannte vom grossen 


362 


Max Bauek, über die geologischen Verhältnisse 


Seeberg — durch in grösserer Zahl herum liegende Bruchstücke 
von Belemnites paxillosus und clavatus und seltenere andere Petre- 
fakten bewiesen wurde. Diese Sachen wurden von einigen Gothaer 
Herren zwar eifrig gesammelt 1 ), so dass genügender Vorrath zu 
einer genauen Feststellung der vorkommenden Niveaus vorhanden 
ist, dieselben haben mir aber ihr Material nicht zur genaueren 
Untersuchung zur Verfügung gestellt, so dass ich auch hier nur 
auf gelegentliche Beobachtungen angewiesen bin, aber die Haupt- 
sache, der Nachweis des mittleren Lias mit den Amaltheenschichten 
steht unzweifelhaft fest, ebenso steht fest, dass von jüngeren Jura- 
schichten dort zur Zeit keine Spuren bekannt sind. 

Das erste Gestein, das der Stölln aufdeckte, scheint ein grau- 
lichgelber, glimmeriger und sandiger Schieferletten gewesen zu sein, 
der auf der Halde am weitesten nach vorn lagerte und der Ver- 
steinerungen des mittleren Lias, Am. Amaltheus , Bel. paxilosus, 
Bel. clavatus, Ter. numismalis, Rhynch. rimosa etc. enthielt. Darauf 
folgte ein im frischen Zustand dunkelgrau gefärbter Thon, ziem- 
lich plastisch und leicht verwitterbar, der an der Luft rasch zuerst 
gelblich und bräunlichgrau und dann intensiv roth wurde, wie er sich 
jetzt noch anstehend in dem vom Stollnmundloch ausgehenden 
ofienen Graben zeigt. Dieser Thon erlangt durch seine rothe Farbe 
eine solche Aehnlichkeit mit den rothen Keupermergeln, dass eine 
Unterscheidung beider vor der Bildung des Aufschlusses im Stölln 
unmöglich war. Später allerdings wurden wohl Unterschiede ge- 
funden. Der Liasthon ist mehr gleichmässig roth gefärbt, nicht 
so bunt, wie der Keupermergel und viel plastischer als dieser; 
aber bis in die letzte Zeit hat man den ganzen von rothen 
thonigen Schichten bedeckten Südwestabhang des grossen See- 
berges stets für Keuper gehalten, während jetzt feststeht, dass 
ein grosser Theil davon Lias ist. Diese Verwechselung war um so 
eher möglich, als in diesen rothen Thonen Versteinerungen sehr 
selten zu sein pflegen. Dann scheint weiter nach unten ein dünnes 
Bänkchen eines braunen, dichten, eisenschüssigen Dolomits zu 
folgen, dass auch bei Günthersleben ansteht und das gewissen 


) Zeitschr. d. Deutschen geol. Ges. 1879. Bd. 31, pag. 783. 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


363 


Lettenkohlengesteinen sehr ähnlich sieht, und darunter folgt ein 
System von gelblichgrauen, etwas sandigen, sehr dünnschieferigen 
Mergelschiefern, voll von kohligen, aber unbestimmbaren Pflanzen- 
resten (vielleicht zu C'lathropteris gehörig) und ebenfalls gewissen 
Lettenkohlenschichten äusserst ähnlich. Diese Schichten sind be- 
sonders auch in dem von Günthersleben nach Norden führenden 
Weg, in dem Einschnitt unmittelbar hinter der Alluvialebene ent- 
blösst. Diese beiden Gesteine, der eisenschüssige Dolomit und der 
Mergelschiefer mit Pflanzen sind in genau gleicher Weise wie sie bei 
Günthersleben anstehen, auch im Stölln gefunden worden, oder 
vielmehr gewisse Schichten des Stöllns sind, nachdem sie einige 
Zeit, namentlich einen Winter hindurch der Luft und der Ver- 
witterung ausgesetzt waren, diesen anstehenden an der Oberfläche 
daher ebenfalls nicht mehr frischen Schichten so ähnlich geworden, 
dass ihre Zugehörigkeit im Lias keinem Zweifel unterliegen kann. 
Diese Schieferletten werden unterlagert von einem grauen ausser- 
ordentlich festen, feinkörnigen Sandstein, der in dicken Bänken 
ansteht, und dicht gespickt ist mit den dicken Schalen von Cardinien , 
die darin noch mit ihrer weissen Kalksubstanz in ursprünglicher 
Besch aftenli eit vorhanden sind. Auf diesen frischen Sandstein mit 
Cardinionschalen müssen die Lesesteine auf den Feldern, mit 
massenhaften Cardiniensteinkernen unzweifelhaft zurückgeführt 
werden, die sich nicht nur in der Nähe des Stöllns, sondern weit 
nach Westen auf den Aeckern nördlich von Günthersleben und 
nach Norden bis auf die Höhe des grossen Seebei'ges in reichlicher 
Menge finden. Der frische Sandstein verwittert, wenn er lange 
Zeit an der Erdoberfläche den Atmosphärilien ausgesetzt liegt; 
die Cardiniensehalen werden aufgelöst lind die Muscheln bleiben 
als Steinkern zurück, dabei zerspaltet gleichzeitig der Sandstein 
seine dicken Bänke in eine grosse Zahl dünner, noch nicht zoll- 
mächtiger Platten, die hart und fest sind und sich schwer weiter 
zerschlagen und zerspalten lassen und die auch in ihrer Feinkör- 
nigkeit, dem ursprünglich frischen Sandstein des Stöllns ähnlich 
sind, wie in ihrer Festigkeit und Härte. Diese Platten haben 
dann eine bräunliche oder gelbe Farbe mit einem eigenthümlichen 
Stich ins Grüne, an dem man sie leicht erkennt und unterscheidet, 


364 


Max Bauer , über die geologischen Verhältnisse 


selbst wenn sie vielleicht stellenweise ärmer an Cardinien, oder 
wenn sie wohl auch ganz frei davon sind. Dann folgt im Stölln 
ein System von Sandsteinen, das von den rhätischen Seeberger 
Sandsteinen sich nicht unterscheidet; es sind dies wohl die Angu- 
latensandsteine und die darunter folgenden Schichten, weiteren Auf- 
schluss giebt, leider der Stölln und sein Material nicht, dagegen findet 
man gelblichweisse, feinkörnige, lockere Sandsteinplatten mit Am. 
angulatus , vielen kleinen Schneckensteinkernen etc-., allerdings nicht 
häufig auf der Höhe des Seeberges westlich hinter den grossen 
Sandsteinbrüchen. 

Das ist ungefähr, was der Stölln und seine Umgebung 
hat beobachten lassen. Nimmt man zu diesen Angaben noch 
die in dem Stollnmaterial und in den auf den Feldern herum- 
liegenden liassischen Lesesteinen gesammelten Petrefakten, so 
erhält man doch, wenn auch manches im Stölln unklar bleibt und 
namentlich eine genaue Bestimmung der Aufeinanderfolge und der 
Mächtigkeit der einzelnen Schichten nicht möglich ist, ein im- 
merhin einigermaassen befriedigendes Bild dieser kleinen Lias- 
ablagerung. 

An Versteinerungen habe ich mit Sicherheit beobachtet: 

A. In den Lesesteinen auf den Feldern: 

Am. angulatus v. SCHLOTH. 

in mehreren, allerdings meist stark verdrückten, aber unzweideu- 
tigen Exemplaren. In mehreren Sammlungen finden sich übrigens 
auch sehr wohl erhaltene Exemplare von hier. 

Cardinia Listen Ag., 

kurze Form, die langgestreckte C. concinna scheint nicht vorzn- 
kommen; es sind meist kleine Individuen; das häufigste Petrefakt 
der Sandsteine. 

Pinna Hartmanni Ziet. 
ein unvollständiges Exemplar. 

Steinkerne kleiner unbestimmbarer Gasteropoden. 

Pentacrinus spec. 

ein Abdruck der Gelenkfläche eines fünfeckigen Stielgliedes mit 
wenig vorspringenden Kanten und deutlich erhaltener fünffach 
blattförmiger Zeichnung. 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


365 


13. Aus dem Stölln: 

Ammonites amaltheus v. Schloth. 2 Exemplare. 

Am. capricornus v. Schloth. 

Am. ibex Quenst. 

Am. raricostatus Ziet. 

Von den drei letzteren Ammoniten nur einzelne Exemplare oder 
Bruchstücke, ausserdem noch Bruchstücke, die nicht zu den genannten 
Arten gehören, aber auch nicht näher bestimmt werden konnten. 
Belemnites paxillosus v. Schloth. 

Bel. clavatus Blainv. 

Diese zwei Belemnitenarten bilden die häufigsten Versteine- 
rungen, die der Stölln gefördert hat, sie liegen in grösserer Zahl 
auf den Abhängen der Halde herum, als alle übrigen Versteine- 
runo-en zusammen. Ausserdem finden sich aber auch noch andere 

O 

Belemniten mehr als Seltenheiten, z. B. 

Bel. brems f Quenst. 

in mehreren Exemplaren und eine Anzahl vielleicht zu anderen 
Arten gehöriger Bruchstücke. 

Gryphaea arcuata Lamark 
Gr. cymbium Lamark 
je in einigen wenigen Exemplaren. 

Plicatula spinosa Sow. 
einige grössere Exemplare. 

Pecten priscus Goldf. 

ein vollständiges dopp elklappiges Exemplar und einige Bruchstücke. 
Lima gigantea Sow. 

ein kleines Exemplar mit der charakteristischen Skulptur der Schale. 
Lima punctataf Sow. 

ein ganz glattes Exemplar, nicht ganz handgross, mit Schwefelkies 
überzogen, aus der Nähe der Cardiniensandsteine. 

Spirifer Walcotti Sow. 

Spir. verrucosus v. Buch 

und vielleicht noch eine oder die andere sonstige Spiriferart. Ein 
Exemplar mit prachtvoll erhaltenem Spiralgerüst. 

Terebratula numismalis Lamark. 

Ter. Heyseana Dunker. 


366 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


Rhynchonella furcillata v. Buch. 

Rh. rimosa v. Buch. 

Rh. triplicata Phil. 

Von allen diesen Bracliiopodenarten ist keine häufig, es haben 
sich von allen nur einzelne Exemplare gefunden. 

Pentacrinus subangularis Miller 
einige runde Stielglieder. 

Pent. basaltiformis Miller 
einige fünfeckige Stielglieder. 

Cotylederma spec. 

mehrere wohl erhaltene Exemplare. 

Damit ist aber die Liste der wirklich Vorgefundenen Arten 
noch keineswegs erschöpft. Wäre es möglich, das gesammelte 
Material genau durchzuarbeiten, so würde die Liste wohl noch 
bedeutend anwaclisen. Aber auch so ist die Reihe der vorkommen- 
den Liasniveaus genügend charakterisirt zu einem ungefähren Ein- 
blick in den Bau unserer Ablagerung. 

Nach dem bisher Angeführten sind folgende Liasabtheilungen 
vertreten : 

Die Psilonotenschicht ist vielleicht repräsentirt durch einen 
Tlieil der obengenannten Quarzsandsteine mit Cardinien , da aber 
Am. psilonotus selbst noch nicht beobachtet ist, so ist die Sache 
noch zweifelhaft. 

Die Schichten des Am. angulatus sind durch dieses Petrefakt 
selbst genügend gekennzeichnet. Hierher gehören auch wohl zum 
grössten Theil die Sandsteine mit Cardinia Listen , welche Muschel 
allerdings auch in Schwaben schon mit Am. psilonotus vorkommt, 
aber doch häufiger erst im Angulatenniveau gefunden wird. 

Die Schichten mit Am. Buklandi sind durch die Gryphaea 
arcuata bestimmt. Ammoniten aus der Gruppe der Arieten sind 
noch nicht beobachtet worden. Hierher gehören dann noch die 
Limaarten, Pinna Ilartmanni etc. 

Die Schichten mit Pentacrinus tuberculatus sind allein vielleicht 
angedeutet durch den fünfseitigen Abdruck der Gelenkfläche eines 
Pentakrititenstielgliedes auf einem Sandsteinplättchen, das vielleicht 
zu Pent. tuberculatus gehört, so dass also Quenstedt s Abtheilung ct 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


367 


ziemlich vollständig vorhanden wäre. Bis hierher scheint auch 
die vorzugsweise sandige Entwickelung des Lias zu gehen, während 
die folgenden Schichtenreihen ß bis o vorzugsweise thonig sind. 

Die folgenden Abtheilungen des Lias lassen sich nun nicht 
mehr so genau in ihren einzelnen Niveaus darstellen, wie oc, aber 
bis o inclusive sind die genügenden Nachweise für alle grösseren 
Abtheilungen vorhanden. Zu ß gehört Am. capricornus und rari- 
costatus und vielleicht Bel. brecis. y ist gekennzeichnet durch Am. 
ibex , Terebratula numismalis , Rhynchonella rimosa und Gryphaea 
cymbium und endlich o durch Am. amaltheus. Bel. gaxillosus und 
Plicatula spinosa sind überhaupt für mittleren Lias bezeichnend. 
Für noch höhere Schichten sind, wie schon oben erwähnt, keine 
Andeutungen gefunden worden, wenn man nicht Pent. subangularis 
dahin rechnen will, dessen Bestimmung sich aber auf einige wenige 
runde Stielglieder, also auf ganz ungenügendes Material beschränkt. 
Ich gehe auf diese Verhältnisse hier nicht weiter ein, weil sich 
vielleicht doch noch eine Gelegenheit bietet, das Gesammtmaterial 
der gefundenen Petrefakten eingehend zu behandeln, worauf erst 
eine genauere Vergleichung mit anderen Liasgebieten im Norden 
und Süden möglich und durchführbar ist. 

Mit den Schichten der oberen Lias schliesst die Reihe der 
älteren Bildungen und es linden sich im Gebiet unserer Karte nur 
noch das Diluvium und Alluvium vertreten, die nördlich und südlich 
vom Bergzug des Seeberges und Galberges grosse Distrikte bedecken. 

Das Diluvium beginnt zu unterst mit mächtigen Schotter- 
massen, die besonders in der Stadt Gotha selbst in umfangreichen 
und tiefen Kiesgruben bis zu 30 — 40 Fuss Mächtigkeit aufge- 
schlossen sind; von dort zieht sich diese Bildung, offenbar einen 
alten Wasserlauf anzeigend, in einem breiten Strom längs der 
Leina nach Norden und ebenso auch unabhängig v/n der Leina 
nach Süden und endlich geht von Gotha ein Seitenzweig' nach 
Osten, in die Gegend von Siebleben ab, wo eine der höchsten 
Kuppen der Gegend von einem mächtigen Schotterlager bedeckt 
ist. Diese Schottermassen liegen, wo sie nahe den jetzigen AVasser- 
läufen Vorkommen, weit über dem höchsten heutigen Wasser- 
spiegel. Ebenso ist es mit dem Schotter, der in einem schmalen 


368 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


Band das Nordufer der Apfelstädt bei Günthersleben begleitet und 
mit der Partie östlich von Seebergen. Wo eine Schotterwand in 
einer Kiesgrube entblösst ist, sieht man, dass das Material vielfach 
nach der Grösse seines Korns sortirt ist. Zwischen Bänken, die nur 
nussgrosse, bis kopfgrosse, aber doch meist nur faustgrosse Geschiebe, 
die alle stark abgerundet sind, enthalten, liegen mehr oder weniger 
mächtige Streifen von ganz feinkörnigem, sandigem Material, das 
Spuren von Schichtung zeigt und beides wechselt ganz unregelmässig, 
da die an Mächtigkeit hinter den Geröllmassen stets weit zurück- 
stehenden Sandstreifen nie lang anlialten. Im Grossen und Ganzen 
ist keine durchgehende Schichtung vorhanden, so dass diese Ab- 
lagerung ganz den Eindruck einer mächtigen Flussbildung macht. 
Das Material besteht in der Hauptsache aus Porphyren von vio- 
letter Grundmasse mit mehr oder weniger reichlich eingesprengten 
Krystallen von Quarz und Feldspath, die nach Credner aus der 
Gegend von Friedrichroda stammen sollen, doch sind dort voll- 
kommen übereinstimmende Porphyre anstehend auch nicht mit 
völliger Sicherheit bekannt. 

Dieser Schotter ist bedeckt von Löss, der in seiner gewöhn- 
lichen Beschaffenheit weite Gebiete einnimmt und auch stellen- 
weise Lössschnecken und vielfach Lösspuppen enthält. An der 
Grenze zwischen Schotter und Löss haben sich mehrfach schon 
Beste von Mammuth und Bhinoceros gefunden, aber meines Wissens 
weder mitten im Löss, noch mitten im Schotter. 

Alluvialbildungen sind ebenfalls verbreitet. Sie erfüllen 
die alten Wasserläufe, das Leinathal und besonders das Thal der 
Apfelstädt bei Günthersleben und es sind hier im Grossen und 
Ganzen ähnliche Schottermassen, wie die des Diluviums, aus denen 
wohl das Material zu diesem alluvialen Flussschotter herstammt. 
Kleinere Thälclien wie z. B. die vom grossen Seeberg herab nach 
Süden fliessenden sind mit Auelehm ausgefüllt. Ein altes See- 
becken scheint die weite Alluvialebene zwischen Siebleben und 
Seebergen zu sein, das mit schwarzem fruchtbaren Biedboden aus- 
gefüllt ist und wo Schotter nur an den Bändern geringe Bedeutung 
hat. Vielleicht ist der Siebleber Teich ein letzter Ueberrest des 
alten Sees. 


der Seeberge und des Galberges bei Gotba. 


369 


Die Lagerungsverhältnisse. 

Die Lagerungsverhältnisse sind insofern einfach, als jede han- 
gende Schicht ausnahmslos concordant auf der unmittelbar darunter 
liegenden liegt. Complicationen treten nur dadurch ein, dass das 
ganze Schichtensystem, so weit es überhaupt beobachtbar ist, durch 
eine äusserst zahlreiche Reihe von Verwerfungsspalten durchzogen 
ist, längs welchen Dislocationen von zum Theil sehr erheblicher 
Sprunghöhe stattgefunden haben. Diese letzteren, im Verein 
mit den Wirkungen der Erosion haben zum Theil Verhältnisse 
erzeugt, welche scheinbare Discordanz von unmittelbar übereinander- 
liegenden Schichten beobachten lassen, und die früheren Beschreiber 
der vorliegenden Gegend sprechen auch in der That von solchen 
Discordanzen, aber es sind dies wie gesagt nicht wirkliche, sondern 
scheinbare Verhältnisse, hervorgebracht durch die gegenseitige 
Verrückung der Gebirgsschicliten. 

Eine erste grosse Verwerfungsspalte trennt das Rhät des 
grossen Seeberges von den älteren Schichten (Muschelkalk haupt- 
sächlich) des kleinen. Diese Spalte streicht ungefähr h. 9 und 
lässt sich über den ganzen Bergrücken weg in fast geradliniger 
Richtung verfolgen und daneben , wenige hundert Schritt weiter 
im Südosten ist eine der ersten parallele zweite Spalte, die aber 
nur den südlichen Theil des Rückens durchschneidet, aber nicht 
über den Kamm hinüber in den nördlichen Abhang hinein sich 
erstreckt, sondern sie ist auf der Höhe des Rückens durch eine 
Querspalte abgeschnitten und aus ihrer ursprünglichen Richtung 
abgelenkt. Nordöstlich von der ersten und südwestlich von der 
zweiten Spalte sind die Schichten um beträchtliche Beträge in die 
Tiefe gesunken, während zwischen den zwei Spalten ein Muschelkalk- 
rücken ziemlich unbeweglich stehen geblieben ist, dessen mittlere 
Partie der Anhydritgruppe angehört, die nach Nord, Süd und Ost 
von einem schmalen Band von Trocliitenkalk umgeben ist, auf 
welchem dann weiter nach Nord und Süd Nodosenkalk lagert, der im 
Norden etwas nach Nordwesten, im Süden nach Südwesten ein- 
fällt. Die Karte selbst und das Profil No. IV machen dies deut- 


24 


370 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


lieber. Im Profil 1 ) hebt sich die Muschelkalkpartie mit grosser 
Schärfe gegen die rechts und liuks anstossenden Keuperschichten 
ab, so dass die beiden Spalten fast auf ihrem ganzen Verlauf mit 
der grössten Deutlichkeit an dem abnormen Gesteinswechsel an 
der Oberfläche verfolgt werden können. Dass die gegenseitige 
Verschiebung der Schichten längs der zwei Spalten eine sehr 
grosse, die grösste in unserem ganzen Gebiet, gewesen ist, erkennt 
man aus der geologischen Stellung der jetzt auf beiden Seiten der 
Spalten an einander grenzenden Schichten. Nach Nordosten hin 
stösst unter Anderem unterer Lias an den Trochiten- und Nodosen- 
kalk der stehen gebliebenen Muschelkalkpartie, weniger gross ist 
die Verrückung an anderen Stellen der Spalte gewesen, wo Rhät 
an Nodosenkalk und Trochitenkalk oder Steinmergelkeuper an 
Nodosenkalk grenzt. Es muss also wenigstens an der einen Stelle 
eine gegenseitige Verschiebung um den Betrag der Gesammtmächtig- 
keit des ganzen Keupers incl. Rhät und Lettenkohle und des No- 
dosenkalks stattgefunden haben. Der absolute Betrag der Ver- 
werfung ist schwierig anzugeben, da die Mächtigkeit der einzelnen 
Formationsabtheilungen zum Theil nur annähernd bekannt ist. 
Nimmt man einige Zahlen für diese Mächtigkeiten an, wie sie für 
unser Gebiet theils gemessen sind, theils geschätzt werden können, 


nämlich : 



Rhät 

130 

küss 

Steinmergelkeuper . 

150 

» 

Gypskeuper .... 

100 

» 

Lettenkohle .... 

100 


Nodosenkalk .... 

100 

» 

so ist die gegenseitige Verschiebung 

an der betreffenden Stelle 

ungefähr und annähernd gleich 600 I 

Ass, an anderen Stellen der- 

selben Spalte allerdings erheblich weniger und 

ebenso erheblich 


weniger längs der zweiten Spalte. 


J ) Im Profil sind die Verwerfungsspalten alle als senkrecht verlaufende 
Ebenen gedacht. Ein Versuch, die Gestalt der Spalten aus ihrer horizontalen 
Erstreckung und den Niveaukurven annähernd abzuleiten, hat ergeben, dass dies für 
die vorliegende Gegend sich ungefähr so verhält. In anderen Fällen sind diese 
Spalten ja bekanntlich weder eben noch senkrecht. 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


371 


Durch diese Spalten wird nun also der grosse Seeberg als 
ein geologisches Ganzes vom kleinen Seeberg abgetrennt. Die 
Lagerung in diesem östlichsten Ende des «ranzen Zuges ist nun 
höchst einfach, es ist eine flache Mulde, durch deren Centrum die 
ebengenannte Hauptspalte mitten hindurchgeht und an deren am 
Südabhange des Berges gelegenen Mitte hin die Schichten des 
Keupers und des Rliät einfallen. Aber diese Mulde ist ausserdem 
noch theilweise durchschnitten durch drei parallele ungefähr h. 11 
streichende kleinere Verwerfungen, die von Süden ausgehend sich in 
Rliätsandstein verlieren, ehe sie die Höhe des grossen Seeberges er- 
reicht haben und längs welchen die Liasschichten in das Niveau des 

* 

Rliät und Steinmergelkeupers heruntergesunken sind. Diese Spal- 
ten sind tlieils an dem Gesteinswechsel auf beiden Seiten, theils 
an dem mit den gewöhnlichen Lagerungsverhältnissen nicht zu 
vereinigenden Fallrichtungen der Schichten ebenfalls deutlich zu 
erkennen. 

Die erste, östlichste Verwerfung in der Mulde des grossen 
Seeberges ist deutlich aufgeschlossen worden durch einen tiefen 
Wassergraben, der unmittelbar nördlich von der Chaussee, die von 
Günthersleben nach Seebergen führt, hingezogen wurde, um die 
Röhren aufzunehmen, welche das W asser aus dem obengenannten 
Stölln abführen. Dieser Graben durchschnitt die Grenze zwischen 
mittlerem Lias und Steinmergelkeuper, die darin sehr scharf zu er- 
kennen war. Die Richtung der Spalte ergab die Gesteinsbeobachtung 
an der Oberfläche, so wie die Richtung des Stöllns, die insofern von 
Bedeutung ist, als derselbe offenbar die Verwerfungsspalte nicht 
antraf. Ebenso ist auch die Fallrichtung der Sandsteine bei dieser 
Bestimmung von Werth gewesen: rechts von der Spalte fallen die 
Schichten nach Norden, links davon nach Süden z. Th. ziemlich 
steil ein. 

Die zweite, westlichere Spalte ist dadurch gegeben, dass auf 
der einen östlichen Seite des Baches, der vom grossen Seeberg 
herabkommt, Muschelkalk und Gypskeuper, an der westlichen 
Seite dagegen Lias anstelit, wodurch ein Verlaufen der Spalte in dem 
Thal des Baches angedeutet wird, welches vielleicht durch diese 
Verwerfung den ersten Anstoss zur Entstehung erhalten hat. 

24 * 


372 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


Diese Richtung ist um so wahrscheinlicher, als sie der ziemlich 
genau feststellbaren Richtung der ersten Spalte fast genau parallel 
ist. Endlich ist die dritte westlichste Spalte durch verschiedenes 
Fallen der Schichten, links davon nach Nord, rechts davon nach 
Ost, gegeben. Die Richtung ist genauer nicht bestimmbar, erfolgt 
aber mit Wahrscheinlichkeit in der Richtung der zwei anderen 
Spalten, mit denen sie parallel angenommen wurde. 

Fasst man die Verhältnisse im Südwesten der oben betrach- 
teten Hauptverwerfungsspalten ins Auge, also an dem Abhang des 
grossen Seeberges nach Günthersleben hin, so stellt sich dort ein 
grösseres Liasversenkungsgebiet dar, auf dem eine grosse, zusam- 
menhängende Liaspartie längs einiger Spalten um einen so erheb- 
lichen Betrag in die Tiefe gesunken ist, dass an einer Stelle Lias 
an Muschelkalk unmittelbar angrenzt. Von den Spalten, welche 
diese Versenkung veranlasst haben, verläuft die nördlichste unge- 
fähr in h. 8. Diese Spalte schneidet nicht an der zweiten, kürze- 
ren Hauptverwerfungsspalte, die den grossen Seeberg vom kleinen 
trennt, ab, sondern sie geht durch bis zur längeren ersten, so dass 
aus dem, den grossen Seeberg nach Südwest geologisch begren- 
zenden h. 10 verlaufenden Muschelkalkrücken ein Stück herausge- 
schnitten und durch ein Stück Lias ersetzt wird; ferner geht eine 
Spalte über die Felder nördlich von Günthersleben in der Rich- 
tung von ungefähr h. 11 hin, und endlich geht die Versenkung z. Th. 
vor sich längs der mittleren jener die Mulde des grossen Seeberges 
durchziehenden Spalten, welche in dem Bachbette verläuft. Wie 
die Verhältnisse im Süden sind, ist nicht zu entscheiden, da dort 
Alles durch die breite und mächtige alluviale Schottermasse des 
Apfelstadtthaies überdeckt ist. 

Die Richtung und Lage aller dieser Spalten ist ziemlich genau 
zu beobachten. Die östliche Spalte im Bachbette haben wir schon 
besprochen, die nördliche ist gegeben durch die Verbreitung der 
Cardiniensandsteinplättchen , die auf jenen Aeckern stellenweise 
massenhaft herumliegen und deren nördliche Verbreitung eben die 
Linie angiebt, welche die Richtung der Verwerfung auf der Karte 
darstellt. Besonders scharf ist diese nördliche Spalte aber im öst- 
lichsten Theil ihres Verlaufs gegeben, wo Muschelkalk an den Lias 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


373 


des im Süden von der Spalte gelegenen Begrenzungsgebietes an- 
stösst, während weiter nach Westen nördlich von der Spalte der 
Reihe nach Gypskeuper, Grenzdolomit und Lettenkohle unmittel- 
bar mit dem Lias in Berührung stehen. Die Spalte im Westen 
ist ebenfalls durch die Verbreitung der Sandsteinplättchen mit Car- 
dinien ziemlich scharf gegeben, doch war die Feststellung dieser 
Verhältnisse mit den erheblichsten Schwierigkeiten verknüpft, da 
manche Liasgesteine mit manchen Lettenkohle- und Keuperschich- 
ten grosse äussere Aehnliclikeit haben, wie das schon angfetreben 
wurde. Das Profil No. III giebt diese Verhältnisse zum Theil 
wieder. 

Gehen wir nun über zur Betrachtung der Verhältnisse am 
kleinen Seeberge, der durch die erste Hauptverwerfungsspalte vom 
grossen Seeberge abgeschnitten ist, so sieht man, wie an diesem 
Berge ein schmaler Rücken von Muschelkalk im Norden und 
Süden längs zweier Spalten unmittelbar an Gypskeuper angrenzt 
(vergl. Profil No. II). Der Muschelkalkrücken des kleinen Seeberges 
ist somit die unmittelbare Fortsetzung des oben genannten Mu- 
schelkalkrückens zwischen den oben genannten zwei Hauptspalten 
des gi’ossen Seeberges. Dieser Rücken steigt zuerst in der Richtung 
von Südost nach Nordwest auf die Höhe, biegt sich dort scharf 
knieförmig, um aus h. 9 ungefähr in h. 7 in fast ostwestlicher Rich- 
tung weiterzulaufen. Da, wo das Knie sich befindet, ist eine kleine 
Querspalte, längs welcher der östliche Theil des Rückens so weit 
in die Tiefe gesunken ist, dass sein Nodosenkalk an den mittleren 
Muschelkalk der westlicnen Partie angrenzt. 

In dem Rücken des kleinen Seeberges selbst haben ebenfalls 
heftige Schichtenstörungen sich ereignet, doch scheint es nirgends 
zum vollständigen Bruche gekommen zu sein, sondern es haben 
sich nur einige Specialsättel und -Mulden im Muschelkalk selbst 
gebildet, welche besonders durch den schleifenartigen Verlauf 
des Trochitenkalks in der Nähe der alten Sternwarte deutlich 
dargestellt werden und die ebenfalls theilweise im Profil No. II 
abgebildet sind. 

Die Spalten, die den kleinen Seeberg von seinem nördlichen 
und südlichen Keupervorland scheiden , verlaufen erst etwas mehr 


374 


Max Bauer, aber die geologischen Verhältnisse 


rein westlich, biegen sich aber hierauf etwas nach Norden um, und 
die nördlichere zeigt dann am Schlüsse noch eine zweite, wieder 
nach Süden gerichtete, schwache Umbiegung, so dass etwas süd- 
östlich von der alten Sternwarte eine nicht unerhebliche Ausbrei- 
tung des Muschelkalkes, dahinter dann ein geringes Schmäler- 
werden desselben erfolgt. Auf der ganzen Erstreckung des kleinen 
Seeberges grenzt Muschelkalk unmittelbar an Gypskeuper. 

Unmittelbar ehe der kleine Seeberg mit seiner schmalen, 
nordwestlichen Kante in das Leinathal abfällt, tritt in der Nähe 
der Kesselmühle eine Complication der sonst so einfachen Ver- 
hältnisse ein, indem von der nördlichen Hauptspalte des kleinen 
Seeberges zwei neue Spalten mit etwas mehr nach Norden (h. 9, 
ziemlich genau in der Richtung der Hauptspalte des grossen See- 
berges) gewendetem Verlauf ausgehen, die durch eine kleine, h. 3 
verlaufende Querspalte gekreuzt werden. Zwischen diesen beiden 
Spalten ist südöstlich von der Querspalte Gypskeuper, nordwest- 
lich von derselben ein Meiner Muschelkalkrücken, bestehend aus 
mittlerem Muschelkalk, Trochitenkalk und Nodosenkalk. Zwischen 
der südlichen Seitenspalte und der nördlichen Hauptspalte am 
kleinen Seeberg ist ebenfalls östlich von der kleinen Querver- 
werfung, die in dieses Gebiet noch mit hineingeht, Muschel- 
kalk östlich davor, Lettenkohle und weiterhin Grenzdolomit und 
Gypskeuper. 

Geht man nun über das Leinathal hinüber, so hat man, ziem- 
lich genau in der Richtung des kleinen Seeberges sich erstreckend, 
den schmalen Muschelkalkrücken des Galberges, ebenfalls im Norden 
und Süden durch eine Verwerfungsspalte von dem tieferliegenden 
Vorland abgeschnitten. Es ist aber unmöglich zu entscheiden, ob der 
Gaiberg eine Fortsetzung des Hauptrückens des kleinen Seeberges, 
oder der kleinen Muschelkalkpartie zwischen den beiden seitlich aus- 
laufenden Verwerfungsspalten bei der Kesselmühle ist, da diese ganze 
Gegend einmal bedeckt ist zum Tlieil vou mächtigen Schottermassen 
und Lehmen des Diluviums und sodann zum Theil von der Stadt 
Gotha selbst, innerhalb welcher Beobachtungen der geologischen 
Verhältnisse in genügender, zusammenhängender Weise unmöglich 
sind. Hier kann man nur constatiren, dass der ganze obere Theil 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


375 


der Stadt, das Schloss Friedenstein und seine Umgebung noch 
auf dem Muschelkalkrücken des Galberges liegt, und dass in der 
Stadt nach Süden und Norden hin Gypskeuper ansteht, was auf 
gelegentlichen Beobachtungen bei Grabungen in der Stadt beruht, 
die nicht selten behufs Revision der Gasleitungsröhren etc. statt- 
finden. Südwestlich vom Schloss Friedenstein verflacht sich aber 
allmählich die ganze Gegend und die genannten Umstände ver- 
hindern jede weitere Beobachtung über den Zusammenhang der 
zwei Muschelkalkrücken auf beiden Seiten der Leina. Es scheint 
aber die Wahrscheinlichkeit mehr dafür zu sprechen, dass die 
kleine Muschelkalkpartie die directe Fortsetzung des Galberges 
ist und nicht der kleine Seeberg selbst. Es stimmen damit die 
Richtungen der seitlich auslaufenden Verwerfungsspalten, welche 
allerdings nicht völlig genau festgestellt werden können und die 
noch besser zu dieser Annahme stimmen würden, wenn sie die 
Leina an zwei etwas südlicher gelegenen Punkten schneiden 
würden, welche Möglichkeit, wie gesagt, nicht ausgeschlossen ist. 

Was die speciellen Verhältnisse des Galberges betrifft, so 
sind diese durch das Vorkommen von Querklüften und wei- 
teren Längsspalten nicht unerheblich complicirter, als am kleinen 
Seeberge. 

Am Anfang des Rückens unmittelbar hinter der Stadt gehen, 
wie am kleinen Seeberge, zwei Spalten, in der Richtung h. 8 — 9 
nebeneinander her, die den centralen Tlieil, der aus Muschelkalk 
besteht, abschneiden von den nördlich und südlich vorliegenden 
Flügeln, die nahe der Stadt aus Gypskeuper, weiterhin aus dessen 
liegenden Schichten Grenzdolomit, Lettenkohle und Nodosenkalk 
bestehen. Zwischen dem zweiten Pulverhaus am Nordabhanare des 

O 

Galberges und dem Arnoldithürmchen auf dessen Rücken geht 
aber nun eine ungefähr h. 1 1 streichende Querspalte durch in der 
Art, dass das ganze vorhin betrachtete Spaltensystem abgeschnitten 
wird. Nur die nördliche Spalte desselben geht weiter, die süd- 
liche hört auf und es tritt statt ihrer in der ursprünglichen 
Richtung eine neue Spalte ein, zwischen welcher und der nörd- 
lichen Spalte ein ganz schmales, aber laug hingezogenes Stück 
Keuper, bestehend der Reihe nach von Osten nach Westen aus 


376 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


Gypskeuper, Grenzdolomit und Lettenkohle (und weiter nach 
Westen hin folgt auch noch Nodosenkalk), in regelmässiger 
Ueherlagerung eingeklemmt ist, welches nördlich von Nodosenkalk, 
südlich von mittlerem Muschelkalk begrenzt wird, wie das aus 
Profil No. I deutlicher hervorgeht. 

Die südliche der beiden Spalten, welche dieses zwischen- 
geklemmte Keuperstück begrenzen, erreicht aber an der vorhin er- 
wähnten Querspalte nach Osten zu nicht ihr Ende, sondern setzt 
sich in den Muschelkalkrücken des Galberges nach Osten hin fort, 
indem sie ihre ursprüngliche Richtung etwas nach Norden umbiegt 
und das Streichen von ungefähr h. 7 — 8 annimmt. Dadurch wird 
aus jenem Rücken ein dreieckiges Stück herausgeschnitten, das, 
wie es scheint, eine kleine Drehung in der Weise erlitten hat, 
dass sich der Nodosenkalk im Nordosten des Stückes in das 
Niveau des mittleren Muschelkalkes des Galberges gesenkt, und 
umgekehrt der mittlere Muschelkalk des abgeschnittenen Stückes 
bis ins Niveau des Nodosenkalkes des Galberges gehoben hat, wobei 
aber das schmale Band des Trochitenkalkes in beiden Theilen des 
Stückes sich gleichmässig und fast ohne Unterbrechung fortsetzt. 
Nach Westen hin verliert sich diese Spalte allmählich im Nodosen- 
kalk des Krahnberges und der Trochitenkalk hört hinter der 
Schwedenschanze an derselben auf und damit auch die äusserst 
schmale Zone von mittlerem Muschelkalk, die sich auf der Höhe 
des Galberges hinzieht. 

Ueberhaupt sind Schichtenstörungen auf dem Galbergsrücken 
selbst gerade, wie im kleinen Seeberge deutlich zu beobachten, 
und ebenso in den nördlich und südlich anliegenden Schichten, 
besonders dem Nodosenkalk, aber auch hier gehen dieselben nur 
bis zur Bildung von zuweilen sehr steilen Sätteln und Mulden 
und zur Erzeugung von stellenweise recht erheblichen Schichten- 
neigungen, wie sie am ganzen Gaiberg zu beobachten sind. Be- 
sonders energische Schichtenfaltungen sind im Süden des Berg- 
rückens am Arnoldithürmchen zu beobachten, wo der Trochitenkalk 
eine langgezogene Falte macht, welche steilen Sätteln und Mulden 
entspricht, wie das im Profil No. I abgebildet ist. Genau in 
der westlichen Fortsetzung der Axe des in dieser Falte vorhan- 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


377 


denen steilen Sattels ist aber noch ein langgezogener Bruch, so 
dass man hier die minder starke Schichtenstörung der Sattelung 1 all- 
mählich nach Nordwesten zu in die stärkere der Spaltenbildung und 
Verwerfung übergehen sieht. Es sind an jenem äussersten west- 
lichen Ende des Galberges, wo derselbe in den Krähnberg ver- 
läuft, diese Lagerungsverhältnisse durch den Steinbruchsbetrieb 
sehr deutlich aufgeschlossen, indem zwei ungefähr 1 50 Schritt von 
einander entfernte Gräben parallel auf lange Erstreckung neben 
einander herlaufen, welche dadurch entstanden sind, dass in beiden 
der früher vorhanden gewesene Trochitenkalk fast gänzlich ausge- 
brochen ist. In beiden Gräben sieht man die Schichten des 
mittleren Muschelkalkes steil sach Südwest einfallen. Der eine 
dieser Trochitenkalkzüge ist der unmittelbar vorher besprochene. 
Einige kleinere, ähnlich gebaute Brüche liegen diesen zwei lang- 
gedehnten nach Norden zu vor. Im Norden bieten die Steinbrüche 
am Abhang des Galberges und des Krahnberges mehrfach Gelegen- 
heit zur Beobachtung solcher Sättel und Mulden von ausgezeichnet 
schönem und charakteristischem Bau. 

Um die Betrachtung der Dislocationen in dem Gebiete der 
Karte zu Ende zu führen, bleibt schliesslich nur noch die Betrach- 
tung der Erscheinungen am Grenzberge bei Uemste dt und am 
Petersberge bei Siebleben übrig. Diese sind verhältnissmässig ein- 
fach. Längs Spalten, welche ungefähr in der Richtung der Haupt- 
spalten an den Seebergen streichen, ist der Keuper bis in das 
Niveau des mittleren Muschelkalkes in die Tiefe gesunken und die 
Muschelkalkpartieen an beiden Orten heben sich als ziemlich steile, 
aber wenig umfangreiche Rücken aus der umgebenden Ebene 
heraus. 

Am Petersberge ist der Muschelkalk nach Nordost und der 
gesunkene Keuper nach Südwest gerichtet und die zwischen diesem 
Berg und dem kleinen Seeberge gelegene Keuperpartie, auf welcher 
das Dorf Siebleben liegt, stellt sich somit als ein Senkungsfeld 
von nicht unerheblichen Dimensionen dar, wie das im Profil No. III 
zu sehen ist. Umgekehrt ist es am Grenzberge, wo der Muschel- 
kalk südlich von der hier ziemlich stark nach Süden umgebogenen 
Spalte liegt und der Keuper (Lettenkohle) nach Norden. 


378 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


Welche näheren Beziehungen zwischen diesen zwei kleinen 
Dislocationsgebieten und dem System des Seeberges und des Gal- 
herges vorhanden sind, ist unmöglich zu ermitteln, da der ganze 
zwischenliegende Raum von mächtigen Diluviahnassen ausgefüllt 

o O D 

ist, die jede Beobachtung verhindern. Jedenfalls trifft man ähn- 
liche Erscheinungen, wie die der genannten zwei kleinen Berge, 
noch mehrfach, wenn man in nordwestlicher Richtung über das 
Kartengebiet fortgeht, so bei Goldbach, Tüngeda etc., und immer 
gehen die Spalten annähernd in derselben Richtung h. 8. 

Schliesslich sei noch der Lagerungsverhältnisse der kleinen 
H ügelehen erwähnt, die in grösserer Anzahl und in auffallender 
W eise besonders den nordöstlichen Abhang und Fuss des grossen 
Seeberges umgeben. Es sind das einfach Abrutschmassen , die 
theils langsam und regelmässig in die Tiefe sinkend, dabei ihren 
Zusammenhalt bewahrend, über den steilen Abhang hin in die 
Tiefe geglitten sind, nachdem eine Spalte den Zusammenhang mit 
der Hauptmasse des Berges gelöst hatte, theils sind es aber auch 
unregelmässig durcheinander geworfene Massen, denen der ur- 
sprüngliche Zusammenhang der Schichten verloren gegangen ist. 
Die Massen, aus denen diese Hiigelchen bestehen, sind theils 
Keupermergel, theils Rhätsandsteine. 


Fragt man nach der Ursache der Entstehung aller 
dieser Verwerfungen, so scheint sich einem die Erklärung 
am Südabhang des grossen Seeberges von selbst aufzudrängen. 
Es ist der Gyps, welcher, da wo er stehen geblieben ist, die 
hangenden Schichten in ihrer ursprünglichen Stellung mehr 
oder weniger vollständig erhalten hat, dessen Entfernung durch 
Auslaugung aber im Innern Hohlräume geschaffen hat, in welche 
die darüber liegenden Schichten je nach den Verhältnissen all- 
mählich und verhältnissmässig regelmässig; oder auch wohl rasch 

O O O 

unter starker Zertrümmerung der Schichten eingesunken sind. 

o o 

Ein Analogon zu dieser Anschauung hat schon von Seebach 1 ) 


) Das mitteldeutsche Erdbeben vom 6. März 1872, p. 185. 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


379 


publicirt. Es ist ein Profil durch Muschelkalk und Keuper, 
welches durch die hohe Steilwand des rechten W erra-Ufers unter- 
halb Creuzburg auf das klarste und unzweideutigste entblösst 
ist oder es wenigstens Anfangs der siebenziger Jahre war. 
Dort ist in den mittleren Muschelkalk ein kleiner Gypsstock 
eingelagert, den das Profil in seiner Längserstreckung auf- 
deckt. Da wo der Gypsstock noch in die Schichten der An- 
hydritgruppe eingelagert ist, liegen die Schichten des Nodosen- 
kalks und Keupers vollständig ungestört übereinander, wo der 
Gyps im Muschelkalk fehlt, ist alles was jünger ist, als mitt- 
lerer Muschelkalk verworfen und zwar ist die Lagerung der 
verworfenen Massen so, wie wenn sie in eine Höhlung ein- 
gesunken wären. Das Bild, welches von Seebach a. a. O. 
giebt, zeigt das deutlicher und ich habe mich selbst an Ort 
und Stelle von der genauen Richtigkeit desselben überzeugt. 
Hier kann kein Zweifel obwalten; die Verwerfungen sind da- 
durch entstanden, dass der früher überall vorhanden gewesene 
Gyps des mittleren Muschelkalks durch Auswaschung stellen- 
weise entfernt wurde und dass in die so entstandenen Hohl- 
räume das Darüberliegende einsank; diesen Vorgang sieht man 
hier noch gewissermaassen vor seinem geistigen Auge vorgehen, 
einen so genauen Einblick giebt die senkrechte Steilwand in die 
ganzen Verhältnisse. 

Ganz ähnlich denke ich mir die Verhältnisse am kleinen See- 
berg, wo ebenfalls in der stehengebliebenen Partie der Gypsstock 
noch vorhanden ist; hier ist nur die Verwerfung, überhaupt die 
ganze Erscheinung grossartiger, aber dabei allerdings nicht ganz 
so gut aufgeschlossen, indessen doch auch hier gut und deutlich 
genug. Es grenzt hier Gypskeuper an mittleren Muschelkalk, 
die Verwerfung muss also um mindestens den ganzen Betrag des 
oberen Muschelkalks und der Lettenkohle vor sich gegangen sein, 
also müsste, wenn unsere Annahme richtig ist, die verworfene 
Partie um ungefähr 250 Fuss in die Tiefe gesunken sein. Diese 
Zahl ist auch bei den obwaltenden Verhältnissen sehr leicht zu 
begreifen. Einige Meilen weiter östlich, wo im Salzschacht auf 
dem Johannisfeld bei Erfurt der mittlere Muschelkalk gut auf- 


380 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


geschlossen ist, giebt E. E. Schmid’s *) Abtheilung c\, Steinsalz mit 
Anhydrit über 100 Fuss mächtig an, das heisst bei dieser Mächtig- 
keit war Gyps und Steinsalz noch nicht durchteuft und es kann 
niemand wissen, wie mächtig diese leichtlöslichen Gesteine noch 
unter der tiefsten Sohle des Schachtes anstehen. In der Ah- 
theilung b. sind ausserdem noch 50 bis 60 Fuss Gyps und An- 
hydrit, also sind im Ganzen 150 bis 160 Fuss Gyps, Anhydrit 
und Steinsalz dort im mittleren Muschelkalk aufgeschlossen und 
dieses Bekannte ist nur das Minimum des wirklich Vorhandenen. 
Nimmt man nun an, dass auch bei Gotha der mittlere Muschel- 
kalk so mächtig mit Steinsalz und Gyps entwickelt sei — und 
directe Beobachtungen durch Bohrung etwas nördlicher bei Buff- 
leben (Ernsthall) und Trochtelborn bestätigen dies direct — so wird 
man die Möglichkeit einer auf die angeführte Weise dort ent- 
standenen Verwerfung von der erwähnten Sprunghöhe als nach den 
Verhältnissen durchaus möglich wohl anerkennen müssen. Eine 
Bohrung, die unter dem Gyps des kleinen Seeberges Steinsalz in 
der angegebenen Mächtigkeit oder auch nur Gyps in dieser Dicke 
ergeben und eine zweite, welche die Abwesenheit dieser For- 
mationsglieder unter dem Gypskeuper nachweisen würde, könnte 
für die aufgestellte Anschauung den vollständigen Nachweis führen 
und es könnte dadurch vielleicht ein technisch wichtiger Fund 
gemacht werden. Es wäre dann damit eine der zahlreichen Ver- 
werfungsspalten, die in der Richtung des Thüringer Waldes an 
dessen Nordfuss hinziehen, auf solche Einsenkungen zurück- 
geführt. 

Dabei braucht man sich nicht vorzustellen, als sei eine solche 
Einsenkung mit einem Ruck vor sich gegangen, und es sei in 
Folge dessen eine Wand von der Höhe des Betrages der Senkung 
auf der nicht gesunkenen Seite der Spalte stehen geblieben, hier 
also in der Höhe von ca. 250 Fuss, oder es habe diese Wand ein 
ungeheures Meer von Trümmern aller Art beim plötzlichen Ein- 
sturz über die ganze Umgebung ausgebreitet. Im Gegentheil ist 
dies entschieden zu bezweifeln. Die Senkung ging wohl langsam 


! ) Zeitschr. d. Deutschen geolog. Gesellsch. Bd. 16, p. 149. 1864. 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


381 


und allmählich vor sich, schon ein kleiner ausgewaschener Hohl- 
raum erzeugte ein Nachsinken des hohlliegenden Aufgelagerten, 
das so allmählich vor sich ging, dass die Erosion an der Oberfläche 
die Spuren der Senkung durch Einnivelliren der höheren, stehen 
gebliebenen und der tieferen eingesunkenen Theile des umliegenden 
Bodens stets bequem immer wieder verwischen konnte, so dass von 
der Oberfläche Niveauunterschiede wohl nie zu sehen waren, die 
in einer hervorragenden Kante längs der Verwerfungsspalte hätten 
bestehen müssen. Dabei waren natürlich Unregelmässigkeiten in 
der Senkung, etwas weniger stetiges Nachsinken und Einholen 
des Versäumten durch einen einmaligen tieferen Sturz unter Erd- 
beben-artigen Erscheinungen und anderes Aehnliches nicht ausge- 
schlossen. Aber nicht nur die sinkende Hälfte auf der einen Seite 
der Spalte wurde dadurch afficirt, auch die stehenbleibende Hälfte 
auf der anderen Seite blieb nicht ganz unangegriffen ; auch hier 
spielten die Lösungsprozesse, aber im Verhältniss zu jenseits der 
Kluft sehr schwach, so dass nur Schichtenfaltungen und Biegun- 
gen, wie z. B. an der alten Sternwarte, oder auch kleine Quer- 
brüche entstehen konnten, wie z. B. an der Butterleiste, wo beide 
Seeberge zusammenstossen ; letztere an Stellen, wo in Folge ört- 
licher Verhältnisse die Auswaschung im stehen gebliebenen Theil 
etwas beträchtlicher waren als an anderen Stellen desselben. 

Diese Anschauungen, wie sie für die Südseite des kleinen 
Seeberges eben auseinandergesetzt worden sind, lassen sich viel- 
leicht für alle Verhältnisse des kleinen Seeberges und des Gal- 
berges verallgemeinern, obgleich an keiner anderen Stelle Gyps 
im mittleren Muschelkalk daselbst nachgewiesen ist. Man müsste 
annehmen, dass auch im Rücken des Galberges Gyps vielleicht 
mit Steinsalz in erheblicher Mächtigkeit sitzt und dass durch Weg- 
führen des Gypses nördlich und südlich davon auch hier die Ein- 
senkung erfolgt ist. Hier müssen aber innerhalb der stehenge- 
bliebenen Partie ebenfalls nicht unerhebliche Auswaschungen vor 
sich gegangen sein, wie man aus der Querspalte und dem zwischen 
Muschelkalk eingekeilten Keuperstück, überhaupt aus dem ganzen 
Bau des westlichen Endes jenes Zuges, schliessen muss. Auch 
die Unregelmässigkeit am Ende des kleinen Seeberges nach der 


382 


Max Bauer , über die geologischen Verhältnisse 


Stadt Gotha hin, die Bildung der Seitenspalten etc. wäre auf die 
Rechnung solcher localer grösserer Auswaschungen im stehenge- 
bliebenen Stück zu setzen. Eine stehengebliebene Gypsmasse war 
dann wieder zu vermuthen in der von der Butterleiste aus nach 
Südost gehenden Muschelkalkpartie, die sich längs des grossen 
Seeberges hinzieht und in der der Gyps allerdings in einer Stelle, 
wo der Lias in dieser Zone auftritt, vollständig weggeführt zu 
denken wäre. Die Liasversenkung am Südwestabhang des grossen 
Seeberges ist vielleicht später erfolgt und es haben dabei die 
Keupergypse dieselbe Rolle gespielt, wie am kleinen Seeberg und 
an anderen Orten die Muschelkalkgypse und das Steinsalz. Der 
Keupergyps müsste allerdings, wenn er allein diese Versenkung 
bewirkt hätte, eine sehr beträchtliche Mächtigkeit gehabt haben, 
ungefähr gleich der Summe der Mächtigkeiten des Steinmergel- 

O O o o 

keupers und des Rhät, was wenig Wahrscheinliches hat, aber er 
konnte wohl mit dem Muschelkalkgyps zusammengewirkt haben, 
umsomehr als er in der stehengebliebenen, die Versenkung ein- 
schliessenden Keuperpartie am Apfelstadtufer bei Günthersleben 
tliatsächlich ansteht. 

Es bleibt schliesslich noch die grosse Hauptsenkung des 
grossen Seeberges, die schon oben auf ungefähr 600 Fuss berechnet 
worden ist. Diese allein auf den Muschelkalkgyps zu schieben, 
erscheint unzulässig, denn wenn er auch bei Erfurt mit 100 Fuss 
(beziehungsweise 160 Fuss) noch nicht durchsunken worden ist, 
wenn also die wirkliche Mächtigkeit jedenfalls grösser, vielleicht 
sogar viel grösser ist, so ist doch meines Wissens noch nie eine 
Mächtigkeit von auch nur annähernd so hohem Betrag für Gyps 
und Steinsalz des mittleren Muschelkalks beobachtet worden, dass 
deren Entfernung Verwerfungen von 600 Fuss hervorbringen 
könnte, selbst, wenn man noch dazu den Keupergyps nimmt, 
der ja in der Nähe des grossen Seeberges selbst, aber nur in 
der stehengebliebenen Partie bei Günthersleben, nicht in der 
gesunkenen bei Seebergen mächtig entwickelt ist. Hier ist viel- 
leicht der Zechsteingyps noch in Mitleidenschaft gezogen worden. 
Dieser steht in geringer Entfernung von Gotha, z. B. bei Georgen- 
thal, am Rande des Thüringer Waldes, an und wurde früher 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


383 


in Steinbrüchen gewonnen. Es ist also keine zu gewagte Vor- 
aussetzung, ihn auch noch in der Gegend von Gotha als in 
der Tiefe vorhanden anzunehmen und ferner anzunehmen, dass 
da, wo in der Tiefe der Gyps des Muschelkalks und des 
Keupers aufgelöst und fortgeführt worden sind, dies auch mit 
dem Gyps des Zechsteines geschehen sei und wenn man dies 
als zulässig annimmt , hat auch eine Einsenkung von 600 Euss 
auf die hier durchgeführte Weise zu erklären keine Schwierigkeit. 
Wenn dann diese Betrachtung noch weiter ausgedehnt werden 
soll, so müssten stehengebliebene Gypsmassen auch unter dem 
Grenzberg und Petersberg angenommen werden, wie das nach 
dem Angeführten von selbst klar ist. 

Mag diese Erklärung der vorliegend complicirten Lagerungs- 
verhältnisse auch noch in manchen Einzelheiten der weiteren 
Klärung bedürfen und vielleicht vielfach noch der näheren Präci- 
sirung harren, so führt sie doch alles auf einen und denselben 
Grundgedanken zurück, der auf einer häufig thatsächlicli beobach- 
teten Erscheinung, dem Auswaschen des Gypses und des Stein- 
salzes, beruht, und auf der Thatsaclie, dass dadurch wirklich 
wahre Verwerfungen entstehen können. Er beruht weiter auf der 
Beobachtung einer Reihe von Punkten (Südseite des kleinen See- 
berges), wo sich der Einfluss des Gypses ganz von selbst aufdrängt. 
Es liegen also jedenfalls allgemeine und specielle Thatsachen zu 
Grunde und lassen diese Erklärung als die dadurch besser ge- 
stützte und auch ausserdem als die einfachere erscheinen gegen- 
über den Hebungslinien Credner’s und Anderer, die kaum that- 
sächlichen Hintergrund haben dürften, und die eine dunkele Er- 
scheinung eigentlich durch einen noch dunkeieren Grund zu er- 
klären suchen. Am ausführlichsten lässt sich, ganz in Credner’s 
Sinn, Tegetmeyer 1 ) über diese Ansichten vernehmen. 

Darnach trat nach der Ablagerung des rein marinen Muschel- 
kalks eine allgemeine Hebung und die Bildung seichter Becken 
ein, durch welche Hebung auch schon der »Anstoss zur Ent- 
stehung der eigenthümlichen Muschelkalkhebungslinien in Thüringen 


0 1. c. p. 410 ff. und p. 475 ff. 


384 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


gegeben sein mag, die wohl schon aus dem Keupermeer als 
Klippen hervorragten«. Dieses seichte Becken wurde während 
der Ablagerung der verschiedenen Keuperabtlieilungen dnrcli wei- 
tere Hebungen immer kleiner und schliesslich bildete das ursprüng- 
liche ausgedehnte Meer einzelne isolirte Becken, aus welchen sich 
die Keuperschichten an die Steilküste der Muschelkalkhebungs- 
linien anlagerten. Die weiche Beschaffenheit der Keuperthone und 
Mergel verursachten Verschiebungen und Verrutschungen und der 
noch immer nicht zur Ruhe gekommene Muschelkalk bei weiterer 
Hebung Stauchungen und Verwerfungen aller Art. Dazwischen- 
durcli kamen durch periodische Senkungen auch Ueberfluthungen 
durch die dem früheren grösseren europäischen Ocean angehörigen 
marinen Gewässer vor, wie das die reiche Meeresfauna des Grenz- 
dolomits unzweifelhaft beweisen soll. Die hier wesentlich zu Grunde 
liegende Anschauung ist also die, dass die Grenzen der Formation, 
z. B. des Keupers, wie sie sich uns jetzt darstellen, im Wesent- 
lichen auch die Grenzen der früheren Meeresbecken darstellen, 
aus dem sie sich abgelagert haben. 

Diese Anschauung lässt zunächst, wie das überhaupt bei den 
älteren Geologen vielfach der Fall ist, einen äussei’st wichtigen 
Factor fast ganz ausser Acht und räumt ihm nur einen ganz 
untergeordneten secundären Einfluss ein, nämlich der Erosion und 
Denudation. Durch Berücksichtigung dieser factisch in mächtiger 
Weise wirkenden Kräfte entgeht man aber Annahmen, die nach 
unseren Beobachtungen an der heutigen Erdoberfläche unmöglich, 
zum mindesten höchst unwahrscheinlich sind. Ist die heutige Be- 
grenzung einer Formation im Wesentlichen die Grenze des Meeres, 
aus dem sie abgelagert wurde, wie dies vielfach auf Karten dar- 
gestellt, wie es der oben skizzirten Anschauung entspricht, und 
wie es speciell beim Keuper und noch mehr beim Lias unseres 
Gebiets gewesen sein soll, so kommt man auf Meeresformen von 
einer ganz erstaunlichen Complicatiou und schliesslich auf »abge- 
schlossene Meeresbecken«, die nur durch »Ueberfluthungen« in- 
folge »periodischer Senkungen« noch mit dem »grösseren europäi- 
schen Ocean« in intermittirender Verbindung standen. Das sind 
Vorstellungen, die in thatsächlichen Verhältnissen keinen Boden 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


385 


mehr haben, denen unsere Erfahrungen sogar direct wider- 
sprechen. 

Ganz anders, wenn man die Erosion in Betracht zieht. Dass 
dies ein wirksames, auf der Erdoberfläche unaufhörlich thätiges 
Agens ist, kann von Niemand ernstlich geleugnet werden. Still und 
für den Augenblick unbemerkt vollbringt sie ihr Werk und wird 
eben wegen dieser wenig in die Augen fallenden Wirkung viel- 
fach verkannt, obgleich es sonst allgemein zugestanden ist, dass 
sich auch solche kleine Wirkungen im Laufe der geologischen 
Zeiten durch Summirung ins Unglaubliche steigern können. Jeder 
Regentropfen, der auf die Erde fällt, reisst, wenn auch noch so 
kleine Tlieilchen des Gesteins der Erdoberfläche mit sich in die 
Tiefe, die, einmal in den Kreislauf der Gewässer gelangt, erst an 
entfernten Stellen wieder abgelagert werden, und aus diesen kleinen 
Partikelchen werden im Laufe der Zeiten allmählich Tausende und 
Millionen von Kubikfussen. Dies geschieht bei harten und festen 
Gesteinen, deren keines der Erosion absoluten Widerstand zu leisten 
im Stande ist, die aber eine sehr viel längere Zeit zu ihrer Zer- 
störung in Anspruch nehmen, als die in der Hauptsache lockeren 
und weichen, thonigen oder sandigen und daher äusserst leicht 
zerstörbaren Keuper- und Liasgesteine, um die es sich hier handelt. 
Man steht demnach vielmehr auf einem durch die thatsäcliliche Er- 
fahrung gestützten Standpunkt, und man erklärt die Erscheinungen 
ausserdem mit einer viel grösseren Einfachheit, wenn man annimmt, 
dass sich die hier in Betracht kommenden Formationsglieder, also 
die gesammte Trias und der Lias bis zu den Amaltheenschichten 
incl. der Reihe nach aus einem und demselben, durch die ganze 
Zeit dieses Ablagerungsprocesses hindurch im wesentlichen sich, 
wenigstens in unserer Gegend, gleichbleibenden Ocean abgesetzt 
haben, der den Thüringer Wald als Insel oder Halbinsel umspülte, 
sich mit dem Frankenwald, Fichtelgebirge und bayerischen Wald 
als Ostküste weiter nach Süden erstreckte, im Norden bis zum 
Harz und im Westen bis zum rheinischen Schiefergebirge reichte, 
und dass sich das ganze Schichtensystem erst darnach über den 
Meeresspiegel erhob, zu welcher Zeit, bleibe unerörtert, und Fest- 
land bildete, auf dem dann die Erosion ihr Spiel beginnen und 


25 


386 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


fortsetzen konnte, das noch jetzt unter unseren Augen vor sich 
und darauf ausgeht, auch die letzten Liasreste vollends zu zer- 
stören und ebenso das andere, was jetzt unmittelbar die Erdober- 
fläche bildet. 

Eine solche Annahme hat durchaus nichs Widersinniges, wird 
im Gegentheil durch die Thatsaehe wesentlich gestützt, dass die 
Liasablagerungen in Hannover, bei Gotha und Eisenach und im 
Süden des Thüringer Waldes, in Franken und Schwaben die grösste 
allgemeine Uebereinstimmung zeigen und dass erst in höheren 
Niveaus des Jura wesentliche Verschiedenheiten zwischen diesen 
einzelnen Gegenden sich heraussteilen, welche zeigen, dass nach der 
Liaszeit wesentliche Umgestaltungen der Erdoberfläche im mittleren 
Deutschland stattgefunden haben. Dagegen spricht auch nicht die 
Verschiedenheit in der Ausbildung des Keupers südlich und nörd- 
lich vom Thüringer Walde. Dieser Unterschied besteht nur in der 
regelmässigen Einlagerung von Sandsteinschichten zwischen dem 
Keupertlione im Süden. Bedenkt man aber, dass solche Sandstein- 
einlagerungen auf ganz lokalen Ursachen beruhen können, dass 
auch in Thüringen Sandsteine im Keuper keineswegs fehlen, dass 
sowohl Schilfsandstein an vielen Stellen, als auch Semionatussand- 
stein auch hier lokal Vorkommen, bedenkt man andererseits, dass 
auch in Süddeutschland die Sandsteine dem Keuper nicht durchweg 
eingelagert sind, wie z. B. der Schilfsandstein am oberen Neckar 
fehlt oder doch kaum wahrzunehmen ist, und bedenkt man 
schliesslich, dass in allem Uebrigen, besonders in der paläon- 
tologiselien Entwickelung der Trias und des Lias durchweg eine 
grosse Uebereinstimmung: zwischen Thüring'en und dem Süden 
herrscht, so wird man die Existenz eines einzigen grossen 
zusammenhängenden Meeres nicht leugnen wollen, aus dem sich 
Trias und Lias aller dieser Gegenden abgesetzt haben. Nur 
die Annahme eines zusammenhängenden Meeresbeckens erklärt die 
grosse Aehnlichkeit der Ablagerungen, deren verhältnissmässig 
unbedeutende Unterschiede sich auf lokale Ursachen zurückführen 
lassen. Wären es wirklich zum Theil abgeschlossene Meeresbecken 
gewesen, die jene Schichten erzeugt haben, so müssten sich viel 
grössere Unterschiede in der Fauna und in der ganzen Beschaffen- 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


387 


heit derselben zeigen, wie etwa heutzutage zwischen dem Rothen 
Meer und Mittelmeer. Wäre ferner der Vorgang so, wie nach der 
Hebungshypothese angenommen werden muss, dass also erst der 
Muschelkalk, dann die Keuperschichten allmählich aus dem Meer 
herausgehoben wurden und letzteres dadurch auf eine immer 
kleinere und kleinere Fläche begrenzt blieb, so mussten nothwen- 
dig die jüngeren Schichten vielfach, besonders nach dem Rande 
hin, die schon gehobenen älteren discordant überlagern und in- 
folge der durch periodische Senkungen erzeugten Ueberflutlmngen 
müssten jüngere Schichten übergreifend auf älteren liegen und 
stellenweise ein Fehlen sonst regelmässig vorkommender Glieder 
in der Schichtenreihe zu beobachten sein. Das ist aber thatsäch- 
lieh nirgends der Fall, wo vollkommen klare Verhältnisse eine 
jeden Zweifel beseitigende Beobachtung zulassen. Ueberall liegen 
alle Trias- und Liasschichten absolut concordant und regelmässig 
und ohne Unterbrechung übereinander, und es ist mir trotz 
eifrigsten Bemühens nach dieser Richtung nicht gelungen, auch 
nur den Schatten einer unzweifelhaften Discordanz oder über- 
greifendeu Lagerung; oder ein Fehlen eines Gliedes in der regel- 

o o o o 

massigen Schichtenreihe zu beobachten. Ueberall, wo solche Dis- 
cordanzen oder sonstige Unregelmässigkeiten sein sollen — und 
es werden ja solche mehrfach angeführt — sind die Schichten 
nicht ungestört, die Beobachtung ist nicht zweifellos und die 
scheinbare Discordanz kann ganz ebenso gut, ja noch besser 
und ungezwungener auf spätere störende und dislocirende Einflüsse 
zurückgeführt werden. 

Alle diese Betrachtungen führen, um das Gesagte kurz zu- 
sammenzufassen, dazu, anzunehmen, dass in früheren Zeiten eine 
zusammenhängende Ablagerung von Schichten der gesammten 
Trias und des Jura bis zum mittleren (vielleicht oberen) Lias auf 
weite Erstreckung nach Norden, Westen und Süden hinaus den 
Thüringer W ald ganz gleiclnnässig und in concordanter Lagerung 
über der Trias umgeben habe, dass dann später die Erosion ihr 
Zerstörungswerk begonnen und für die verschiedenen Formations- 
abtheilungen mit verschiedener Vollständigkeit von oben nach unten 

O o 

abnehmend durchgeführt hat. Der obere Lias ist in der Umgebung 

O O O 

25 * 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


388 

des Thüringer Waldes ganz verschwunden, wenn er je dort vorhan- 
den war, der mittlere und untere Lias ist bei Gotha und Eisenach, 
dann aber auch an verschiedenen Stellen in Hessen z. B. bei 
Wabern noch vorhanden, von andern bekannten Orten, Göttin- 
gen u. s. w. gar nicht zu reden, als Beweis, dass er früher bis 
in jene Gegenden gereicht und somit in der Tliat grosse Flächen 
eingenommen hat. Die Keuperschichten sind dann um so be- 
schränkter in der Flächenausdehnung, je jünger und um so aus- 
gedehnter, je älter sie sind, so dass also das Rhät noch ganz 
geringe Flächen bei Gotha und Eisenach einnimmt, während die 
Lettenkohle den Muschelkalk auf viele Quadratmeilen hin bedeckt, 
theils unmittelbar an der Erdoberfläche liegend, tlieils von Gyps- 
keuper und anderen jüngeren Keuperschichten überlagert. 

Erst nachdem die ganze Schichtenreihe concordant und gleich- 
mässig abgelagert war, traten auch die auf das Auslaugen der 
leicht löslichen Gyps- und Steinsalzschichten zurückgeführten Ver- 
werfungen ein; zu welcher Zeit das geschah, lässt sich wohl schwer 
angeben, ebenso ob alle Verwerfungen rasch hintereinander oder 
ziemlich gleichzeitig oder durch grössere Zwischenzeiten getrennt 
entstanden sind; sicher sind sie aber wohl vor der Diluvialzeit 
vollständig fertig gewesen , denn in den discordant über die 
älteren Formationen hin abgelagerten Diluvialschichten bemerkt 
man nie Schichtenstörungen , die allerdings auch bei der lockeren 
Beschaffenheit des diluvialen Materials schwer wahrzunehmen sein 
würden. 

Ebenso wie die Annahme der allmählichen Hebungen und der 
dadurch hervorgebrachten Einengung der Meeresbecken auf un- 
lösbare Widersprüche stösst, so auch die zweite Annahme, dass 
unmittelbar nach Ablagerung einer Formation sich Hebungslinien 
bildeten, an welchen die jüngeren Schichten sich dann anlagerten, 
hier speciell der Keuper und Lias an die Muschelkalkhebungs- 
linien. Man muss sich darnach vorstellen, dass längs einer Spalte 
die eine Schichtenhälfte herausgehoben wurde und eine mehr oder 
weniger lang ausgedehnte und hohe steile Wand bildete. Schon 
diese Vorstellung führt Schwierigkeiten im Gefolge. Man sieht 
kaum ein, wie längs einer Spalte, deren Existenz gar nicht er- 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


389 


klärt wird, die eine Schichtenhälfte soll heraufgeschoben werden 
können und die andere ruhig liegen bleiben. Man müsste voraus- 
setzen, dass nur unter der gehobenen Schichtenhälfte die hebenden 
Kräfte wirken, unter der andern nicht, und wo viele Verwerfungen 
dicht bei einander liegen, müsste man eine grössere Anzahl von 
mehr oder weniger nahe bei einander liegenden Angriffspunkten 
der hebenden Kräfte annehmen, welche auf die zwischen den 
Spalten liegenden gehobenen Schollen einwirkten und die dazwischen 
liegenden, nicht gehobenen Partieen wären solchen Kräften nicht 
ausgesetzt gewesen. So müssten also zum Beispiel die hebenden 
Kräfte in unserem Gebiet auf der ganzen ungefähr zwei Meilen 
langen und wenige hundert Schritt breiten Zone vom Krähn- 
berg über den Gaiberg bis zum Stollnmundloch bei Günthers- 
leben am Südabhang des grossen Seeberges thätig gewesen sein 
und rechts und links davon nicht. Was sollten das für Kräfte 
gewesen sein? Solche hebenden Kräfte sind zweifellos in den 
Alpen und ähnlich gebauten Gegenden thätig gewesen und noch 
wirksam. Diese waren aber im ganzen Gebirge auf ausgedehnten 
Flächen thätig. Dort ist das ganze Gebirge geknickt, gebogen, 
gefaltet, verworfen, kurzum die ganze das Gebirge zusammen- 
setzende Schichtenmasse oft in der verworrensten Weise dislocirt. 
In unserem Gebiet ist dies ganz anders, hier sind die Schichten 
im Allgemeinen überall vollkommen regelmässig horizontal gelagert 
oder weichen doch von dieser Lagerung nur sehr wenig ab und 
nur an einer beschränkten Anzahl von Stellen sind Dislocationen, 
die stets auf ein nicht sehr ausgedehntes Gebiet beschränkt sind, 
die also lokale Erscheinungen sind und die somit auch auf lokale 
Ursachen zurückgeführt werden müssen. 

Solche Schwierigkeiten bietet die Erklärung mittelst Einsen- 
kung in vorhandene, d. h. also nach unserer Annahme durch Aus- 
laugung entstandene unterirdische Hohlräume nicht. Die Ursache 
der Verwerfungen ist hier eine lokale wie die Erscheinung. Die 
thätige Kraft ist die Schwere, die überall wirksam ist, aber nur 
da etwas leistet, wo der Untergrund hohl und die darüber befind- 
liche Gesteinsmasse nicht mehr in der Lage ist, ihr eigenes Ge- 
wicht zu tragen. Dann bricht die Decke ein, und die Art und 


390 


Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse 


Weise, wie dies geschieht, wird eine verschiedene sein. Ist die 
Höhlung klein, so entstehen einfache kleine Trichter, Erdfälle, 
ohne dass sich eigentliche Verwerfungen bildeten. Diese kommen 
zum Vorschein, wenn die Unterhöhlung über grosse, weite Flächen 
hinging. Dann trennten sich Schichtentheile nach mehr oder weniger 
ebenen, oft allerdings, wenn auch nicht in unserem Gebiet, erheb- 
lich gekrümmten Flächen der Verwerfungsspalten, und an all' den 
Stellen, wo eine unterirdische Stütze geblieben war, ging auch 
keine Senkung vor sich, und wenn in der in der Hauptsache 
stehengebliebenen Masse kleine Auswaschungen auch vorgekom- 
men sind — und ganz intact wird sie ja wohl nie geblieben sein — , 
so sind auch, wie schon hervorgehoben, darin kleinere Dislokatio- 
nen, Schichtenneigungen und -Faltungen, kleine Quersprünge etc. 
zu beobachten. Es kann ja nun auffällig erscheinen, dass gerade 
ein so langgezogenes Gypsriff stehengeblieben ist, wie das, dessen 
Existenz in dem vorhin wiederholten Muschelkalkrücken als vor- 
handen angenommen werden muss, wenn unsere Annahme richtig 
sein soll. Aber die Existenz des Gypses ist ja auf eine grössere 
Erstreckung am kleinen Seeberge thatsächlich nachgewiesen, und 
wenn ausserhalb desselben nördlich und südlich davon die Nicht- 
existenz desselben in der Anhydritgruppe nachgewiesen wäre, so 
wäre unsere Annahme damit einfach und klar bewiesen. Dieser 
Beweis der Nichtexistenz lässt sich aber vorläufig nicht führen, es 
wird aber behauptet, dass bei früheren Bohrungen auf Steinsalz 
im Norden der Seeberge erst bei Buff leben wieder Gyps mit 
Steinsalz gefunden sei, zwischen diesem Ort und dem Seeberge 
dagegen nicht. Genaueres habe ich aber hierüber nicht ermitteln 
können. 

Wenn also die Annahme von Hebungen beträchtliche Schwierig- 
keiten mit sich bringt, so stehen der Annahme von einer Anla- 
gerung des Keupers an eine solche Muschelkalkhebungslinie that- 
sächliche Beobachtungen entgegen, die sie unannehmbar machen. 
AVie kann eine solche Anlagerung vor sich gehen in der Art, 
■dass wir am grossen Seeberg Rhät an den Muschelkalk angelagert 
finden und gleich um die Ecke herum an dem Knie des Muschel- 
kalkrückens auf der Butterleiste längs des ganzen kleinen Seeberges 

O o o 


der Seeberge und des Galberges bei Gotha. 


391 

Gypskeuper? Hier müsste also angenommen werden, dass nach 
der Ablagerung der Rhät schichten eine abermalige Hebung längs 
der zwei Grenzspalten am kleinen Seeberg stattgefunden hätte 
und zwar an beiden ganz gleielnnässig, bis der Gypskeuper 
an diesen Abhängen mit dem Rhät des grossen Seeberges in einem 
Niveau lagen oder der grosse Seeberg müsste als gesunken an- 
genommen werden, damit wäre aber dann das Princip der He- 
bungen durchbrochen. 

Ferner: War der Muschelkalkrücken des kleinen Seeberges 
und seiner Fortsetzung eine Insel im Keupermeer, an der sich die 
Keuperschichten anlagerten, so dürfen sich auf der Höhe des Gal- 
berges keine Keuperschichten finden ; deren Existenz wäre mit jener 
Annahme absolut unvereinbar. Nun findet sich aber auf der Höhe 
des Galberges, fast ganz oben auf dem Grat ein langgezogenes 
schmales Keuperfeld zwischen den Muschelkalkschichten, längs 
einiger Spalten eingeklemmt, das völlig unerklärlich wäre, wenn 
nicht eben auch dieser Muschelkalkrücken in früheren Zeiten mit 
Keuper bedeckt gewesen wäre, der dann durch Erosion soweit 
entfernt wurde, dass nur noch einige kleinere Partieen an beson- 
ders günstigen Stellen erhalten geblieben sind. 

Endlich ist hervorzuheben das vollkommene Fehlen von Ge- 
steinsmaterial längs der Muschelkalkrücken, welches als eine Strand- 
bildung an dieser hypothetischen Keupermeeresküste gedeutet werden 
könnte. 

Wenn nun also in der That die Annahme von Einsenkungen 
von höherliegenden Schichten in durch Auswaschung von Gyps- 
uncl Steinsalzmassen entstandene Höhlungen die complicirten Schich- 
tenlagerungsverhältnisse hei Gotha ungezwungen erklärt, so soll 
damit durchaus nicht behauptet werden, dass diese Stelle bei Gotha 
allein zur Entscheidung der vorliegenden Frage vollkommen ge- 
nügend sei. Offenbar sind die meisten oder alle Verwerfungen 
nördlich vom Thüringer Wald auf dieselbe Ursache zurückzuführen 
und die oben für Gotha, wo mir die Verhältnisse durch das 
Anstehen des Gypses besonders klar zu liegen schienen, gegebene 
Erklärung müsste für alle anderen Fälle in gleicher Weise gelten. 
In der That habe ich auch in den mir genauer bekannten Ver- 


392 Max Bauer, über die geologischen erhältnisse der Seeberge etc. 


werfungsgebieten , bei Schlotheim und Ebeleben, am H ainich, bei 
Treffurt, Creuzburg etc. nichts gefunden, was unserer Annahme 
entgegenstände, ebenso wenig sind mir entgegenstehende That- 
sachen durch Dritte aus andern Gebieten bekannt geworden, so 
dass die obige Annahme vielleicht wenigstens einstweilen den Rang 
einer wohlbegründeten Hypothese beanspruchen kann. 


Bemerkungen zu den Tafeln. 

Tafel VIII. ist ein Ausschnitt aus den Generalstabsmesstischblättern 
Gotha und Fröttstedt im Maassstab 1 : 25000. 

Die Profile auf Tafel IX. sind im l 1 /^ fachen Maassstab der Karte 
gezeichnet und zwar ohne Ueberhöhung, so dass also für die Ordinaten 
und Abscissen derselbe Maassstab gilt. 


Ueber 

die Bimssteine des Westerwaldes 1 ). 

Von Herrn Gustav Angelbis in Bonn. 


Die Bimssteinsande, welche sich anf der rechten Rheinseite 
vom Coblenz-Neu wieder Becken ans über den Hohen Westerwald 
bis in das Thal der Heller verfolgen lassen, haben schon mehrfach 
die Aufmerksamkeit der Geologen auf sich gezogen. Der Erste, 
welcher das Vorkommen derselben auf dem Westerwalde erwähnt, 
ist J. P. Becher 2 ), doch beschränkt sich derselbe auf eine blose 
Aufzählung der ihm bekannten 5 Fundpunkte, ohne hieran weitere 
Erörterungen über die Herkunft, oder das Alter der Sande anzu- 
knüpfen. 

40 Jahre später berichtet Stifft in seiner noch immer sehr 
schätzbaren »Geognostisclien Beschreibung des Herzogthums Nassau« 
bereits über eine grössere Anzahl von Bimssteinablagerungen. Der 
treffliche Beobachter wirft sogar schon die Frage auf, ob die Ent- 
stehung des Basaltes nicht vielleicht erst nach der Ablagerung der 
Bimssteinmassen stattgefunden habe, da letztere so häufig nur 
an den Abhängen zu beobachten wären , auf den Höhen aber 
fehlten. 


*) Herr von Dechen hat die Güte gehabt, bereits im vorigen Herbste auf 
der Versammlung der Deutschen geologischen Gesellschaft in Saarbrücken über 
die Ergebnisse meiner Beobachtungen zu berichten (vergl. Zeitschr. d. Deutschen 
geol. Ges. 1881, p. 442), doch gestatte ich mir hier etwas ausführlicher darauf 
zurückzukommen. 

2 ) J. P. Becher, Beschreibung der Oranisch-Nassauischen Lande. Marburg 
1789, S. 171 und 172. 


394 


Gustav Angelbis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


F. Sandberger 1 ) äusserte sich dann im Jahre 1847 dahin, 
dass der Bimsstein seinen Ursprung wohl auf dem Westerwalde 
habe; doch scheint dieser Forscher für denselben ein jüngeres 
Alter anzunehmen, wonach dann die Westerwalder und Laacher 
Bimssteine ein und derselben nachtertiären Epoche angehören 
sollten. Schon im folgenden Jahre glaubte der genannte Geologe 2 3 * ) 
seine Ansicht daliiu ändern zu müssen, dass auf dem Westerwalde 
wohl niemals Bimssteinausbrüche stattgefunden hätten, und der 
Ursprung der so mächtig entwickelten Bimssteinmassen ganz auf 
das Gebiet des Laacher See’s zurückzuführen sei. Von dort sollen 
die Auswurfsmassen durch den Wind weiter nach Osten translocirt 
worden sein. Als Hauptgründe für diese Ansicht führt Sandberger 
an: Das vollständige Fehlen von Kraterbildungen auf dem Wester- 
walde, sowie die Un Wahrscheinlichkeit, dass die Bimssteine das 
Produkt einer plötzlichen aus der Ebene erfolgten Eruption seien. 
Auch soll von den dort so zahlreich vorhandenen Trachytvorkommen 
nur ein einziges in Bezug auf Porosität und sonstige Eigenschaften 
dem Bimsstein nahestehen , aber gerade in der Umgebung dieses 
Gesteins, welches dicht bei Helferskirchen auftritt, der Bimsstein 
fehlen. 

Den Mangel jeder kraterartigen Bildung müssen wir nun frei- 
lich für den Westerwald zugeben, doch wird ja auch für das Ge- 
biet des Laacher See’s der Ausbruch der Bimssteinmassen von den 
competentesten Forschern 8 ) gar nicht auf einen der hier zahlreich 
vorhandenen Krater zurückgeführt , vielmehr die Annahme einer 
in der Ebene erfolgten Eruption vorgezogen. Für den Westerwald 
gewinnt diese Ansicht um so grössere Wahrscheinlichkeit, als für 
die an vielen Stellen abgelagerten Trachyt- und Basalttuffe keine 
andere Erklärung; möglich ist. Dasselbe gilt von den früher viel- 
fach, aber mit Unrecht als Conglomerate angesprochenen Trachyt- 
tuffen des Siebengebirges. Auch dort muss der Ausbruch dieser 


1 ) Fe. Sandberger, Uebersicht der geologischen Verhältnisse des Herzogthums 
Nassau. Wiesbaden 1847, S. 73. 

‘ J ) In einem Briefe an Leonhard: N. Jahrb. 1848, S. 549. 

3 ) von Dechen, Geognost. Beschreibung des Laacher See’s und seiner vulkan. 

Umgebung. Bonn 1S63, S. 588. 


Gustav Angkluis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


395 

Tuffe in der Ebene erfolgt sein , da von Kratern keine Spur vor- 
handen ist. 

Aus dem Umstande, dass die anstehenden Traeliyte nicht die 
Porosität des Bimssteins zeigen, kann wohl kaum eine Folgerung 
gezogen werden. Die poröse Ausbildung ist eben für den Bims- 
stein charakteristisch, nicht aber für die Traeliyte. Wenn auch 
beide vulkanische Gesteine sich in Bezug auf die chemische Zu- 
sammensetzung sehr ähnlich verhalten und sogar im engsten geo- 
logischen Zusammenhänge stehen, so sind es doch immer noch 
verschiedene Bildungen. Das Trachytvorkommen bei Helferskirchen, 
welches sich nach Sandberger durch seine Porosität auszeichnen 
soll, steht deshalb dem Bimsstein nicht näher als die übrigen Tra- 
chyte. Auch das Fehlen des Bimssteins in der Nähe einer ein- 
zelnen Trachytpartie berechtigt zu keinen Schlüssen, indem der 
Bimsstein nur im Allgemeinen an das Trachytterrain des Wester- 
waldes, nicht aber an die einzelnen Trachytkuppen gebunden ist. 
Zudem ergeben die Beobachtungen, dass fast alle Sande auf secun- 
därer Lagerstätte liegen, weshalb dem Vorkommen oder Fehlen 
derselben an bestimmten Punkten keine Bedeutung zugeschrieben 
werden darf. 

Als Herr von Dechen im Jahre 1864 seine langjährigen 
Forschungen im Gebiete des Laacher See s zusammenfasste, musste 
es ihm leicht werden, sich der Meinung eines so vorzüglichen und 
um die Kenntniss der geologischen Verhältnisse Nassau’s hochver- 
dienten Geologen anzuschliessen; doch weniger wegen der von 
Sandberger vorgebrachten Gründe, als vielmehr wegen der, ich 
möchte sagen, natürlichen Einfachheit der SANDBERGER schen Hy- 
pothese. Für die in der nächsten Umgebung des Laacher See's 
auftretenden Bimssteinmassen hatte Herr von Dechen in über- 
zeugendster AVeise nachgewiesen, dass dieselben nicht dem Tertiär 
angehören können, vielfach sogar jünger als der Löss sind. Die 
Bimssteine des Laacher See’s stehen aber lokal im engsten Zu- 
sammenhänge mit denen des Neuwieder Beckens und lassen sich 
von hier aus weiter nach Osten bis über den Hohen Westerwald 
verfolgen. Die Entfernung selbst der am weitesten nach Osten 
gelegenen Bimssteinablagerungen (bei Wetzlar, Giessen, Marburg) 


396 


Gustav Angelbis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


vom Laacher See ist eine verhältnissmässig nur geringe. Der Ge- 
danke, dass der grösste Tlieil dieser Bimssteine an einem gemein- 
samen Eruptionspunkte ausgeworfen und dann durch den Wind 
nach Osten transportirt worden sei, lag also sehr nahe. — Wo 
aber dieser so gewaltige Massen liefernde Ausbruch stattgefunden, 
ob aus einem der vorhandenen Krater oder aus der Ebene, darüber 
gingen die Meinungen sehr auseinander. Ein Ausbruch aus der 
Ebene, wie ihn Herr von Dechen anzunehmen geneigt ist, er- 
scheint mir um so eher anzunehmen zu sein, da wir jetzt für der- 
artige Eruptionen Beispiele im Siebengebirge und Westerwalde 
haben, indem, wie schon bemerkt, die Tuffe beider Gebiete nur 
in dieser Weise entstanden sein können. 

Versucht man das rechtsrheinische Verbreitungsgebiet der 
Bimssteinsande durch eine Linie zu umschreiben, wie dies auf der 
von DECHEN’schen Uebersichtskarte geschehen ist, so wendet sich 
diese Grenzlinie von Nieder- Hammerstein am Rhein in nordöst- 
licher Richtung bis nach Nieder-Diesselndorf an der Deutz-Giessener 
Eisenbahn, zieht dann nach Süden und von Mänberg wieder süd- 
westlich dem Rheine zu. Hierbei bleiben die weiter nach Norden 
ganz vereinzelt im Rheinthal auftretenden Ablagerungen (bei Bonn, 
Cöln u. s. w.), die offenbar erst in allerjüngster Zeit durch die 
Anschwemmungen des Stromes gebildet worden sind, unberück- 
sichtigt. Auch die östlichsten Bimssteinvorkommen bei Wetzlar, 
Giessen und Marburg fallen ausserhalb des von jener Linie um- 
grenzten Gebietes. Ob diese letzteren aber wirklich so isolirt 
liegen, wie man bis jetzt geglaubt hat, möchte doch zweifelhaft 
sein, da ich bereits jetzt am nördlichen Fusse des Westerwaldes 
mehrere, unter sich nur durch kleinere Zwischenräume getrennte, 
Ablagerungen aufgefunden habe, welche den Zusammenhang der 
Hauptbimssteinablagerungen mit den Vorkommen bei Giessen und 
Marburg mehr und mehr hersteilen. 

Wichtig erscheint mir der Umstand, dass die allgemeine Ver- 
breitung des Bimssteins durchaus nicht unabhängig von den 
Terrainverhältnissen ist. Sieht man von den im Rheinthal selbst 
abgelagerten Massen ab, so nehmen die Sande nach Osten hin 
entschieden zu, wenigstens was die horizontale Verbreitung anbe- 


Gustav Angeebis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


397 


langt. Am stärksten ist diese im Tracliytgebiete des Wester- 
waldes. Oestlich von den Trachytvorkommen treten die Ablage- 
rungen immer spärlicher auf, die Zwischenräume werden grösser. 
Viel schärfer begrenzt ist das Verbreitungsgebiet des Bimssteins 
im Norden und Süden. Das Dorf Nieder -Hammerstein, wo die 
Bimssteinsande des Rheinthaies nach Norden hin auf hören, bildet 
hier den Grenzpunkt eines Gebietes, welches nur Bäche aufnimmt, 
die entweder im Trachytterrain des Westerwaldes entspringen oder 
doch Zuflüsse aus demselben erhalten. Besonders deutlich zeigt 
sich die Abhängigkeit der Verbreitung des Bimssteins nach Norden 
hin auf der Sectiou Selters 1 ). Hier nehmen die Sandlager nicht 
etwa allmählich an Zahl und Mächtigkeit ab, sondern sie hören 
vielmehr ganz plötzlich am Fusse der sich auf dem nördlichen 
Rande des Blattes erhebenden, aus Schichten des Unterdevons 
gebildeten Höhe, des Hirschbacher Waldes, auf. Oben auf dem 
ausgedehnten Plateau, sowie jenseits desselben, im Thale der Sieg 
fehlt der Bimsstein gänzlich. 

Auch im Süden ist die Ausdehnung des Bimssteins ganz an 
die orographischen Verhältnisse gebunden. Wenn die Sande das 
Lahnthal noch überschreiten, so ist dabei zu berücksichtigen, dass 
dieselben im Westerwalde bereits zur Tertiärzeit von ihrer ur- 
sprünglichen Lagerstätte weggeschwemmt und wieder abgelagert 
worden sind, wie sich aus dem Folgenden ergeben wird. Das 
Lahnthal existirte damals noch nicht. Südlich vom Limburger 
Becken finden sich keine Bimssteine. 

In mineralogischer Hinsicht sei hier nur weniges angeführt. 
Die eigentliche Bimssteinmasse besteht aus vielfach gewundenen 
Glasfäden, welche mit ihren Windungen nicht immer in einander 
greifend, die Poren zwischen sich offen lassen. In der unter dem 
Mikroskop meist vollständig farblosen, nur selten durch geringe 
Infiltrationen von Eisenoxyd schwach gelblich gefärbten Glasmasse 
liegen stets zahlreiche Sanidinkörnchen. Plagioklas konnte ich in 
den meisten Fällen beobachten, doch tritt derselbe dem Sanidin 
gegenüber fast ganz zurück. Hornblende ist häufig vorhanden, 


x ) Es sind stets die Messtischblätter (1 : 25000) gemeint. 


398 


Gustav Angelbis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


oft in prächtig ausgebildeten Kryställchen. Die grünen Durch- 
schnitte derselben erweisen sich als stark dichroitisch. Magneteisen 
fehlt kaum jemals vollständig; nicht selten ist dasselbe in einzelnen 
Schichten der Sandlager besonders reichlich angehäuft. Fetzen 
von Magnesiaglimmer scheinen in den Bimssteinstückchen selbst 
weniger häufig vorzukommen, dagegen sieht man sie vielfach als 
lose Beimengung in den Ablagerungen auftreten. Grössere bis 
3 Centimeter Durchmesser erreichende Lappen bleiben vorzugs- 
weise auf die thonigen, am Rheine als Britz bezeichneten Zwischen- 
schichten beschränkt. 

In jüngster Zeit hat Wenkenkacii j ) auch das Vorkommen 
des Granats in den Sauden von Grenzhausen erwähnt. Ich habe 
niemals Gelegenheit gehabt dieses Mineral im Bimssteinsand zu 
beobachten. Sein Auftreten im Basalte bei Neunkirchen glaube 
ich entschieden bestreiten zu müssen. 

W as die, chemische Zusammensetzung der Westerwalder Bims- 


■ine anbei 

langt, so erg, 

alten mir die 

Analysen folg 

ende Resultate 


Bimssteinsand 

Bimssteinsand 


von Waldernbach 

von 

Ber/haln 


I. 

II. 

T. 

11. 

Si 0 2 

54,92 

54,92 

54,47 

54,47 

Ale 0 8 

21,75 

21,67 

20,83 

20,92 

Fe 2 0;! 

2,82 

2,68 

3,33 

3,4 1 

Ca 0 

1,34 

1,42 

1,62 

L71 

Mg 0 

0,20 

0,31 

0,42 

0,38 

K 2 0 

5,25 

5,25 

4,84 

4,84 

Na 2 0 

4,57 

4,57 

4,68 

4,68 

h 2 0 

9,47 

9,47 

10,02 

10,02 


100,38 

100,29 

100,21 

100,43 


Zum Vergleich seien liier auch einige zuverlässige ältere 
Analysen beigefügt: 


B F. Wenkenbach, Uebersicht über die in Nassau aufgefundenen einfachen 
Mineralien. Jahrb. des Nass. Vereins f. Naturkunde, Jahrg. 31 und 3'2, p 1 ( i 7 . 
Auch Stippt giebt irrthümlicher Weise das Vorkommen von Granat in mehreren 
Westerwalder Basalten an. 


Gustav Angelbis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


399 


Fundort: 

Si0 2 

AloOs 

Fo O 3 

Ca 0 

Mg 0 

NaoO 

k 2 o 

H 2 0 

Summa 

Gisselberg bei Mar- 










bürg 1 ) .... 

58,02 

12,95 

9,51 

1,92 

1,18 

1,87 

0,13 

15,02 

100,60 

Krufter Ofen 2 ) . 

57,89 

19,12 

2,45 

1,21 

1,10 

6,65 

9,23 

2,40 

100,05 

Neuwied 3 ) . . . 

56,47 

19,40 

3.54 

0,67 

0,72 

11,17 

3,12 

5,24 

100,33 

Launsbach bei 










Wetzlar 4 ) . . . 

54,41 

22,50 

3,20 

1,50 

0,40 

4,10 

4,90 

9,40 

100,50 

Engers 5 ) .... 

50,06 

18,34 

2,89 

1,29 

1,17 

4,49 

5,81 

15,06 

99,11 


Herr Gümbel 6 ) hat uns vor einigen Tagen durch eine Ab- 
handlung über die geologischen Verhältnisse der Umgebung von 
Ems erfreut, in der auch den Bimssteinen eine ausführlichere Be- 
sprechung gewidmet wird. Der Grundgedanke der GÜMBEltschen 
Darstellung p-eht dahin, die vollkommene Identität der Wester- 
walder Bimssteine mit denen des Laacher See s in chemischer und 
mineralogischer Hinsicht nachzuweisen. Aus dieser Ueberein- 
stiinmung wird dann gefolgert, dass alle rheinischen Bimsstein- 
sande, wenn auch nicht einem einzigen Ursprungsorte, so doch 
ein und demselben vulkanischen Herde entstammen. Hier handelt 
es sich zunächst um die Uebereinstimmung der rheinischen Bims- 
steine in Bezug auf die chemische Zusammensetzung. Herr Gümbel 
giebt uns nun eine Zusammenstellung von 15 Analysen, wovon sich 
5 auf rheinische, die übrigen auf fremde Bimssteine beziehen. Die 
Analysen, welche nach dem abnehmenden Gehalt an Kieselsäure 
geordnet sind, machen thatsäclilich die Armutli der rheinischen 
Bimssteine an Si (B gegenüber den fremdländischen recht augen- 
fällig, so dass nicht bezweifelt werden kann, dass sich die Laacher 


*) F. Schaffer, die Bimssteinkörner bei Marburg. 1851 (Inauguraldisser- 
tation) S. 53. 

2 ) Ibid. S. 50. 

3 ) Ibid. S. 51. 

4 ) Wachendorff, Gesellsch. zur Beförd. d. Nat. Marburg 1879, S. 21. 

ä ) Schaffer 1. c. S. 52. 

6 ) Sitzungsbericht d. math.-phys. Klasse d. K. Bayer. Akademie d. Wissen- 
schaften. 1882, Heft 2 , S. 197 ff. 


400 


Gustav Angelbis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


und Westerwalder Vorkommen im Allgemeinen hierin von anderen 
unterscheiden. Weniger überzeugend sind aber diese Zahlen werthe, 
wenn es gilt, die chemische Identität der Laacher und Westerwalder 
Bimssteine zu beweisen. Zunächst ist bei den Analysen nur ein 
einziger Fundort berücksichtigt, der unbedingt dem Gebiete des 
Laacher See s angehört, nämlich der Krufter Ofen. Alle übrigen 
Vorkommen, welche analysirt sind, entstammen, wie ich später 
ausführen werde, wahrscheinlich dem Westerwalde. 

Wie verhält sich aber nun der Bimsstein des Krufter Ofens 
zu den übrigen? In der Tabelle des Herrn Gümbel, die mit der 
oben von mir gegebenen übereinstimmt, steht er bei einem Kiesel- 
säuregehalt von 57,89 °/o an der zweiten Stelle. Sein Wassergehalt 
beträgt nur 2,4 °/o- Heu geringsten Kieselsäuregehalt hat der Bims- 
stein von Engers mit 50,06 %, dafür beläuft sich jedoch die Wasser- 
menge auf 15,06 o/ 0 . Offenbar ist der Bimsstein des Krufter Ofens 
nur wenig angegriffen, während bei dem Material von Engers die 
Zersetzung schon ziemlich weit vorgeschritten ist. Herr Gümbel 
betont selbst diese Zersetzung, um den hohen Wassergehalt zu 
erklären, denn sonst müsste er ja hierin schon einen Unterschied 
zwischen den Bimssteinen des Westerwaldes und dem des Krufter 
Ofens sehen. Wenn wir nun auch keine klare Vorstellung von 
dem Verlaufe dieser Zersetzung haben, so dürfen wir dieselbe doch 
wohl als eine Art von Kaolinisirung auffassen. Bei einer Auf- 
nahme von 15 % Wasser muss dann aber doch noth wendiger Weise 
ein ganz bedeutender Verlust von Kieselsäure stattfinden. Ohne 
diesem Umstande Rechnung zu tragen, dürfen wir die Analyse 
nicht ohne Weiteres vergleichen. Wären wir im Stande, uns von 
dem Verlauf des Zersetzungsprocesses genaue Rechenschaft zu 
geben, so könnten wir die Analyse nach dem ursprünglichen 
Kieselsäuregehalt zusammenstellen. Vielleicht würde dann aber 
der noch so frische Bimsstein vom Krufter Ofen an letzter Stelle 
figuriren, die Westerwalder Vorkommen sich mehr den kiesel- 
säurereicheren Bimssteinen nähern. Möglicherweise könnte auch 
eine auf genaue Analysen des am Abhange des grossen Arzbacher 
Kopfes (auf Trachyt) liegenden Bimssteins sich stützende Ver- 
gleichung zu einem sicheren Resultate führen. Der Bimsstein liegt 


Gustav Angei, bis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


401 


dort noch auf seiner ursprünglichen Lagerstätte und scheint noch 
ziemlich unzersetzt zu sein. 

Bei der Seltenheit, mit der der Leucit in den Bimssteinen 
überhaupt auftritt, muss es dahin gestellt bleiben, ob auf das Vor- 
handensein oder Fehlen dieses Minerals eine Unterscheidung der 
Laacher Vorkommen von denen des Westerwaldes zu begründen 
ist. Von 17 dem Laacher Gebiete entnommenen Proben erwiesen 
sich 5 als leucithaltig, während 52 Präparate , deren Material aus 
dem Neuwieder Becken und vom Westerwalde stammte, keine 
Spur von Leucit beobachten liessen. Auch die Tuffe des Wester- 
waldes sind im Gegensätze zu denen der Laacher Gegend absolut 
leucitfrei. Von Basalten findet man auf dem Westerwalde nur 
Feldspath und Nephelin führende, dagegen ist das Gestein des 
Bertenauer Kopfes am Wildbache, des einzigen bislang bekannten 
echten rechtsrheinischen Vulkans, ein Leucitbasalt. 

Es möge hier auf die eigenthümliche , wie mir scheint, noch 
nicht genug beachtete Thatsache hingewiesen werden, dass im 
Gebiete des Laacher See’s und der Eifel noch kein Leucitgestein 
bekannt ist, für welches ein tertiäres Alter nachweisbar wäre, wohl 
aber lässt sich für viele eine jüngere Entstehung feststellen. Wenn 
wir bei den Feldspathbasalten, von denen doch nur sehr wenige 
ihre Zugehörigkeit zum Tertiär unzweifelhaft erkennen lassen, 
nach Analogien schliessen und z. B. eine im Unterdevon auf- 
setzende Feldspathbasaltmasse ohne Weiteres als tertiäre Bildung 
ansprechen, so hat das gewiss seine Berechtigung, aber bei den 
leucithaltigen Gesteinen würde ein auf das gleiche Princip 
gegründeter Schluss stets zur Annahme eines jüngeren Alters 
führen. — 

LTm ein Bild von der Ablagerungsweise der Bimssteinsande 
zu geben, wird ein Profil genügen, da sich kaum wichtigere lokale 
Abweichungen bemerkbar machen. 

In der dicht beim Bahnhofe von Neuwied (rechtsrheinisch) 
betriebenen Bimssteingrube, wo die Sande mit 3,7 Meter voll- 
ständig aufgeschlossen sind , erscheint als Liegendes derselben ein 
brauner, ziemlich plastischer Thon, welcher etwa 1,2 Meter stark 
auf Quarzgeröll (Rheingeschiebe?) auf liegt. Es lassen sich sehr 

2G 


402 


Gustav Angelbis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


deutlich folgende ganz horizontal gelagerte Schichten unter- 
scheiden : 


1) Hirsekorngrosse Bimssteinstücke; daneben nur 
wenige bis 3 Centimeter Durchmesser er- 
reichende Brocken. Spärliche kleine, schnee- 
weisse Quarzgeschiebe. Viele Schülferchen 

von Thonschiefer 1,10 Meter 

2) Grössere Bimssteinkörner von durchschnittlich 

1,5 Centimeter. Ziemlich zahlreiche, erbsen- 
grosse Quarzgeschiebe 0,25 » 

3) Sehr feiner Bimssteinsand 0,10 » 

4) Britzschicht, d. h. eine thonige Schicht, die 
viel Bimssteinmaterial enthält. Dieser sog. 

Britz ist ausgezeichnet durch seinen Reich- 
thum an Maonesiaadiminer, welcher häufm in 
bis 2,6 Centimeter grossen Fetzen auftritt. 

Wenige kleine Quarze. Viele Thonsehiefer- 
bröckchen . 0,14 » 

5) Bimssteinbrocken von durchschnittlich 1,5 Cen- 

timeter Gi’össe. Diese Lage lässt in der Ver- 
theiluna: des Masrneteisens und der Thon- 
schieferbröckchen sowohl , wie auch in der 
regelmässig wechselnden Grösse des Bims- 
steins eine weitere Schichtung deutlich er- 
kennen 1,93 » 

In der Bimssteingrube an der Chaussee von Urmitz nach dem 
Bahnhofe Neuwied (linksrheinisch) fallen die Schichten nach dem 
Rheine zu ein, machen aber verschiedene Biegungen, indem sie 


in der Sohle des Bruches fast, horizontal liegen, weiter aufwärts 
dagegen erst mit 18°, dann mit 40° nach Westen fallen. Von 
Interesse sind die Verhältnisse an der Strasse von Coblenz nach 
Andernach, etwa 7,5 Kilometer von Coblenz. In einem im Unter- 
devon betriebenen Steinbruche liegen auf den mit 20° einfallenden 
Grauwackenschichten in concordanter Lagerung zunächst Rhein- 
gerölle (0,5 Meter), Bimsstein (0,3 Meter) und schwarzer, vulka- 
nischer Sand (2,6 Meter), dann folgt wieder eine Bimssteinlage, 


Gustav Angei.bis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


403 


deren Mächtigkeit aber nicht vollständig aufgeschlossen ist. Alle 
diese Bildungen werden von einer ziemlich horizontalen, also dis- 
cordant aufgelagerten Schicht von Quarzgeröll und Sand über- 
lagert. — 

Auffallend ist das ungemein häufige und gleiclimässige Auf- 
treten von kleinen Schülferchen von Thonschiefer, welches schon 
Herr von Dechen 1 ) nachdrücklich betont. Herr Gümbel 2 ) weist 
mit Recht darauf hin, dass diese Thonschiefer von den bei Ems 
anstehend beobachteten verschieden sind. Es sind mir auch sonst 
im Verbreitungsgebiete des Bimssteins keine Schiefer bekannt, die 
sich mit dem in dan Sanden vorkommenden identificiren Hessen. 
Da ss die Thonschieferbröckchen aus der Tiefe stammen und mit 
den Bimssteinsanden empor gebracht worden sind, kann demnach 
keinem Zweifel unterliegen. Herr Gümbel ist nun geneigt, in der 
allgemeinen Verbreitung derselben einen weiteren Beweis dafür 
zu erblicken, dass alle rheinischen Bimssteinsande einem einzigen 
vulkanischen Herde entstammen, ihr Ursprung also entweder auf 
den Laacher See oder auf den Westerwald zurückzuführen ist. — 

Ich muss gestehen, dass ich die Beweiskraft dieses von dem 
hochverehrten Forscher vorgebrachten Argumentes nicht sehr hoch 
anschlagen kann. Die Entfernung vom Laacher See bis nach 
Selters — diesen Ort will ich hier als Centrum des Westerwalder 
Trachytterrains annehmen — beträgt in der Luftlinie etwa 
36,4 Kilometer. Bei einem so geringen Abstande der beiden vul- 
kanischen Centren ist es aber doch sehr wahrscheinlich, dass 
Schichten, welche in der Gegend des Laacher Sees in der Tiefe 
anstehen, auch Ins zum Westerwalde fortreichen. Damit ist das 
eonstaute Vorkommen der phyllitartigen Schieferstückchen voll- 
ständig erklärt. — 

Bevor ich mit der Schilderung der Westerwalder Bimsstein- 
ablagerungen weiter fortfahre, dürfte es zweckmässig sein, hier 


’) von Dechen: Geognost. Beschreibung des Laacher Sees und seiner vul- 
kanischen Umgebung. Bonn 1863. 

Hier werden die im Sande vorkomnienden Schulter von Thonschiefer an sehr 
zahlreichen Stellen erwähut. 

2 ) 1. c. S. 228. 


26 


404 


Gustav Angelbis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


meinen Bedenken gegen die von Herrn Gümbel ausgesprochenen 
Ansichten im Zusammenhänge Ausdruck zu geben. Wie schon 
bemerkt, will derselbe die gemeinschaftliche Herkunft aller rheini- 
schen Bimssteine dadurch beweisen, dass er ihre Identität in che- 
mischer und mineralogischer Beziehung darzulegen sucht. Beson- 
ders da, wo es sich um den Nachweis der gleichen chemischen 
Zusammensetzung handelt, hebt Herr Gümbel selbst die grosse 
Schwierigkeit hervor, die vorhandenen Analysen ohne Weiteres 
mit einander zu vergleichen, so dass meine obigen weitläufigeren 
Ausführungen fast überflüssig erscheinen; dennoch hielt ich die- 
selben für nothwendig, weil der treffliche Forscher zuletzt, wo es 
sich um die von ihm zu ziehenden Schlüsse handelt, doch wieder 
seine vorgebrachten Argumente als schlagende ansieht. — 

»Alles in Allem zusammengefasst«, sagt er am Schlüsse seiner 
Arbeit, »neige auch ich mich zu der Ansicht, dass die sämmt- 
lichen Bimssteine der rheinischen Gegenden, wenn auch nicht einem 
einzigen Ursprungspunkte, so doch einem gemeinsamen vulka- 
nischen Herde entstammen, welchen wir in der vulkanischen Gegend 
des Mittelrheins zu suchen haben.« 

Herr Gümbel hat aber für seine Ansichten nur die, wie er 
im Verlaufe seiner Arbeit selbst zugiebt, noch sehr problematische, 
gleiche chemische Zusammensetzung, sowie das constante Auf- 
treten der Thonschieferbröekchen anführen können. Er lässt es 
dahin gestellt sein, ob die Bimssteinsande auf dem Westerwalde 
oder im Gebiete des Laacher Sees ausgeworfen worden sind. Da 
die Zugehörigkeit der Westerwalder Bimssteine zum Tertiär, wie 
sich aus der nachfolgenden Beschreibung ergeben wird, nicht an- 
gezweifelt werden kann, andererseits aber auch Bimssteineruptionen 
für das Gebiet des Laacher Sees mit grösster Sicherheit nachge- 
wiesen sind, so lässt uns die GÜMBEL’sche Arbeit doch nur die 
eine Annahme übrig, nach der alle Bimssteine, auch die W ester- 
walder, aus dem Laacher Gebiet herstammen, hier aber sowohl 
zur Tertiärzeit wie auch später ausgeworfen worden sind. 

Dem gegenüber glaube ich aber meine Ansicht, dass auch auf 
dem Westerwalde Bimssteinausbrüche stattgefunden haben, durch 
den Nachweis der Abhängigkeit des Verbreitungsgebietes derselben 


Gustav Angelbis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


40.5 


von den Terrainverhältnissen, und der innigen räumlichen Ver- 
knüpfung mit den Trachyten, stützen zu können. Wichtig ist in 
dieser Beziehung auch eine Betrachtung der Bimssteinsande in 
Rücksicht auf ihre Korngrösse. Wie sich schon aus dem mitge- 
theilten Profil ergiebt, drückt sich die Schichtung vielfach durch 
die sehr verschiedene Grösse der Bimssteinbrocken aus. Lagen 
von 5 Millimeter grossen Stückchen wechseln mit solchen, die über 
3 Centimeter im Durchmesser erreichen. Was aber die Häufig- 
keit der grossen Bimssteinbrocken angeht, so nimmt diese im All- 
gemeinen vom Trachytgebiete aus nach dem Rheine hin um ein 
Weniges zu. Oestlich vom Trachytterrain dagegen hört das Vor- 
kommen der grösseren Bimssteine ganz plötzlich auf, während sich 
die feinen Sande noch so häufig auf dem Hohen Westerwalde, 
wo keine Trachyte bekannt sind, finden. Der Hohe Westerwald 
hat, als die Bimssteine im Trachytgebiete entstanden (also, wie 
noch nachgewiesen wird, zur Tertiärzeit), mit diesem in keiner 
Verbindung gestanden. Es ist das aufs Bestimmteste aus dem 
Fehlen mehrerer Glieder der Braunkohlenformation (Braunkohlen- 
quarzit, Quarzsand, Quarzgerölle) zu scliliessen. Die feinen Bims- 
steinsande gelangten nur durch den Wind auf den Hohen Wester- 
wald. So findet denn das scharf begrenzte Vorkommen der grossen 
Bimssteinbrocken eine, wie mir scheint, durchaus befriedigende 
Erklärung. Stammten aber die Westerwalder Bimssteine aus dem 
Laacher Gebiet, so wäre nicht einzusehen, weshalb nicht auch die 
grösseren Stücke nach Osten hin nur allmählich verschwinden sollten. 

Die grössten mir überhaupt bekannten Bimssteinstücke liegen 
nicht im Rheinthal selbst, sondern auf der Höhe bei Nauort in 
der Nähe des Isenburger Trachytes und bei der Ahler Hütte 
zwischen Lahnstein und Fachbach. 

Dass die Westerwalder Bimssteine im Gegensätze zu denen 
des Laacher Sees dem Tertiär angehören, ergiebt sich einerseits 
aus den Verhältnissen, die man in den Thaleinschnitten beobachtet, 
andererseits, und mit noch grösserer Sicherheit, aus der Ueber- 
lagerung durch den auf der Braunkohle liegenden Basalt. 

o O o 

Die Beziehungen der Bimssteinablagerungen zu den Thalein- 

O O O 

schnitten lassen sich in vorzüglicher Weise im Thale des Elb- 


406 


Gustav Angelbis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


baches beobachten. Verfolgt man dieses breite Thal etwa von 
Dorchheim an aufwärts, so sieht man, wie auf beiden Seiten eine 
Anzahl von Sandlagern, die durch grössere Zwischenräume von 
einander getrennt sind, den Elbbach begleiten. Die Sande nehmen 
überall am Gehänge dasselbe Niveau ein, und reichen nicht bis 
in die Thalsohle hinab 1 ). Weiter aufwärts stossen die Ablage- 
rungen an den Basalt, während dessen Oberfläche frei von Bims- 
stein ist. Hier kann man sich nicht des Gedankens erwehren, 
dass die Bimssteinmassen bereits vor der Thalbildung vorhanden 
gewesen sein müssen. Durch die allmähliche Erosion des Thaies 
wurde die grösste Menge des Bimssteins fortgeführt, nur die 
hochgelegenen Partieen, die jetzt, obgleich von einander getrennt, 
ein und dasselbe Niveau einnehmen, blieben erhalten. Die weg- 
geschwemmten Massen nahmen ihren Weg ins Lahnthal, oder 
l’ichtiger ausgedrückt ins Limburger Becken. 

Schon bei flüchtiger Beobachtung einer grösseren Anzahl von 
Bimssteinablagerungen ergiebt sich die sehr auffallende Thatsache, 
dass dieselben fast durchweg nur an den Abhängen der Basalt- 
rücken auftreten, während sich auf den oft sehr ausgedehnten und 
mehr oder weniger flachen Höhen keine Spur von Bimsstein auf- 
finden lässt. Diese so oft wiederkehrenden Verhältnisse waren 
durch die Annahme einer späteren Abschwemmung des allerdings 
sehr leicht beweglichen Materials kaum zu erklären; sie mussten 
vielmehr auf eine Ueberlagerung des Bimssteins durch den Basalt 
hindeuten. Eine sichere Entscheidung war aber nur durch Vor- 
nahme von kleinen Schürfarbeiten zu erzielen, da die Abhänge 
der Basaltkuppen wegen der starken Bedeckung mit Basaltgeröll 
der Beobachtung wenig zugänglich sind. Im Aufträge der Direk- 
tion der geologischen Landesanstalt wurde deshalb eine Reihe von 
Schurflöchern angelegt, wobei natürlich die Punkte in der Weise 
gewählt wurden, dass ich zunächst die Grenze der Bimssteinablage- 
rung nach der Höhe hin durch Beobachtungen an der Oberfläche 
möglichst scharf bestimmte und dann das Schürf loch unter Be- 


1 ) Hier sehe ich selbstverständlich von den unbedeutenden Bimssteinmassen 
ab, die jeder starke Kegen ins Thal führt. 


Gustav Angelbis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


407 


rücksichtigung der Terrainverhältnisse noch etwas höher ausheben 
Hess. An mehreren Stellen gelang es denn auch, die Grenze 
zwischen Basalt, und Bimsstein glücklich zu treffen, zuweilen aber 
ergab es sich, dass der Basalt am Fusse der Kuppen noch auf 
grössere Erstreckung hin in flacher Lagerung fortreichte, so dass 
nur ein sehr langer und tiefer Scliurfgraben die Grenze gegen den 
Bimsstein hätte erreichen lassen. 

Oestlich von Langendernbach, am Fusse des Lattendel, eines 
breiten und langgestreckten Basaltrückens ergaben die Schürf- 
arbeiten, dass hier der Bimssteinsand dem Basalte horizontal aufge- 
lagert ist. Etwa 450 Meter nördlich von dieser Stelle, am Kohl- 
hack, bis zu welchem der Bimsstein ohne Unterbrechung fort- 
reicht, konnte dagegen deutlich nachgewiesen werden, dass der 
sich liier über Tage sehr steil erhebende Basalt die horizontalen 
Sandschichten überlagert. Der Basalt bildet eine unregelmässige 
bald vor, bald zurückspringende Wand, deren stärkstes westliches 
Einfallen 35 — 38° beträgt. Es folgt hieraus, dass der Basalt des 
Kohlhack und der des Lattendel von verschiedenem Alter sein 
müssen. Da nun an zahlreichen Stellen des Westerwaldes ein 
älterer die Braunkohle unterlagernder und ein jüngerer sie über- 
lagernder Basalt nachgewiesen ist, so muss die Ablagerung des 
Bimssteinsandes in die Zeit der Braunkohlenbildung fallen. 

Der Weg, welcher von Wilsenroth nach dem Plateau der 
Dornburg führt, bleibt nur wenige Schritte von einem alten jetzt 
verlassenen Basaltbruche entfernt. Da in diesem Bruche kein 
Bimsstein auf den Köpfen der Basaltpfeiler liegt, obschon er sich 
im Wege bis auf wenige Fuss von der Höhe des Arbeitsstosses 
verfolgen lässt, so musste die Grenze zwischen Basalt und Bims- 
stein innerhalb einer Strecke von kaum 4 Meter zu finden sein. 
Ein mitten im Wege angelegtes Schürf loch zeigte, dass dieselbe 
fast in der Richtung des W eges verläuft und saiger steht. Auch 
hier kann also kein Zweifel darüber bestehen, dass der Basalt 
jünger ist, als der Bimssteinsand. 

An der Kirche von Wilmenroth tritt der ältere Basalt zu 
Tage. Nach der Höhe des Lindenberges hin verschwindet er 
unter einer Bedeckung von Bimssteinsand, der durch zahlreiche 


408 


Gustav Angelbis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


kleinere Gruben aufgeschlossen ist. Ein am Abhange des Linden- 
berges entlang nach Berzhahn führender Weg giebt so ziemlich die 
obere Grenze des Bimssteinvorkonunens an und geht dicht an 
einem kleinen Steinbruche vorbei, in dessen Sohle der Sand noch 
gegraben wird. Auf dem Basalte liegt kein Bimsstein, weshalb 
ich mit einiger Sicherheit annehmen kann, dass der Basalt des 
Steinbruches der jüngere auf dem Bimsstein lagernde, der unten 
an der Chaussee anstehende der ältere ist. Es wird dies um so 
wahrscheinlicher, wenn man die Oberflächengestaltung beachtet. 
Der Bimssteinsand liegt auf einer Terrasse, unter welcher mehrere 
kleine Quellen entspringen; solche Quellen sind aber auf dem 
Westerwalde fast stets an das Ausgehende der zwischen dem 
älteren und jüngeren Basalte liegenden Tertiärschichten gebunden. 
Die am Abhange des Lindenberges in geringer Entfernung von 

O O O o o 

dem erwähnten Basaltbruche nachgewiesene Braunkohle dürfte sich 
auch noch unter dem Bruche herziehen, wodurch wir folgendes 
kleine Profil erhalten: 

Aelterer Basalt (sog. Sohlenbasalt), 

Thon, 

Braunkohle, 

Bimssteinsand, 

Jüngerer Basalt (sog. Dachbasalt). 

Von Inte resse sind auch die Verhältnisse an den Katzensteinen 
bei Westerburg. Die am Fusse der prächtigen 10 — 12 Meter 
hohen, senkrechtstehenden Basaltsäulen abgelagerten Bimsstein- 
massen verdienen schon deshalb eine besondere Beachtung, weil 
sie das östlichste Vorkommen von grösseren Bimssteinbrocken 
darstellen. Bereits oben habe ich hervorgehoben, dass die Menge 
dieser grösseren Stücke nach dem Rheine zu um ein Geringes zu- 
nimmt; um so bemerkenswerther ist es aber deshalb, wenn man 
dieselben bei Westerburg so plötzlich aufhören sieht. Bei Wester- 
burg beginnt das Traehytterrain; hier treten zuerst die Trachyt- 
tuff'e auf, welche am Wege bei Gersliasen entblösst sind und auf 
denen die weithin sichtbare Kirche von Schönberg steht. Ferner 
beobachtet man hier auch echte Basalttuffe, die östlich von Wester- 
burg, auf dem Hohen Westerwalde zu fehlen scheinen. 


Gustav Angeebis, über die Bimssteine cles Westerwaldes. 


409 


Das Auftreten cles Basaltes der Katzensteine erinnert in 
höchstem Grade an die Laven. Bei Betrachtung derselben glaubt 
man unbedingt eine horizontale Unterlage annehmen zu müssen. 
Diese Unterlage dürften eben die am Fusse der Basaltmasse her- 
vortretenden Bimssteine bilden. Auch die gewaltigen auf dem 
Abh ange liegenden Blöcke scheinen meine Annahme nur zu stützen. 
Durch Auswaschung des das Liegende der Katzensteine bildenden 
Bimssteins stürzte die Felswand theil weise ein. Leider verhin- 
derten die zahlreichen abgebröckelten Basaltmassen, welche ohne 
ausgedehnte Sprengungen nicht wegzuräumen sind, in der Nähe 
des anstehenden Gesteins die Anlegung eines Schurfloches. Die 
Steinrossein mit einer in den Sand getriebenen Strecke zir unter- 
fahren, war mit Rücksicht auf die Kostspieligkeit einer unbedingt 
nothwendigen sehr soliden Auszimmerung unthunlich. Immerhin 
ergaben die kleineren zur Orientirung vorgenommenen Arbeiten, 
dass auch hier im Sande keine Basaltblöcke liegen, woraus mit 
Sicherheit hervorgeht, dass die Ablagerung des Bimssteins min- 
destens zu einer Zeit geschehen ist, wo die Verschotterung der 
Abhänge durch die abbröckelnden Massen noch nicht begonnen 
hatte. 

Der Fuss des Sengelberges zwischen Salz und Wahnscheid, 
cler durch das von den Herren Sandberger und Bertels be- 
schriebene Vorkommen eines eigenthümlichen von ihnen als Isenit 
bezeichneten Hornblendeandesits bekannt geworden ist, wird von 
Bimssteinsand umgeben. Die grösste Masse des Berges besteht aus 
Basalt, in dem der Andesit als mächtiger auf der Höhe und am 
südwestlichen Abhange hervortretender Gang erscheint. An der 
Ostseite beobachtet man die Auflagerung des Randes auf dem hier 
ziemlich flachliegenden Basalt, der deshalb dem älteren sog. Sohlen- 
besait zuzurechnen ist. Wenn man den die Kuppe bedeckenden 
Wald erreicht hat, wird der Abhang bedeutend steiler und hier 
scheint die Grenze zwischen Sohlenbasalt und dem ihn bedeckenden 
vom Andesit durchsetzten Dachbasalt zu sein. Die auf dem süd- 
westlichen Airhange liegenden Bimssteinschichten fallen nach dem 
Berge zu ein; ferner ziehen auch die zahlreich vorhandenen Dachs- 
baue alle bergan, so dass die Ueberlägerung der auch hier trotz 


410 


Gustav Angelbis, über die Bimssteine des Westerwaldes. 


der starken Schotterbedeckung ganz vom Basalt freien Bimsstein- 
sande durch den jüngeren Basalt, resp. Hornblendeandesit sehr 
wahrscheinlich wird. 

Die Bimssteinsande des Westerwaldes gehören der Braun- 
kohlenformation an, da sie wie die übrigen Glieder derselben 
zwischen dem älteren und jüngeren Basalte abgelagert sind. 

Der Ausbruch der Bimssteinsande erfolgte auf dem Wester- 
walde und zwar in dein Trachytgebiete , da wo jetzt noch ihre 
horizontale Verbreitung am grössten ist. Wahrscheinlich 
erfolgten nur wenige Eruptionen, vielleicht nur eine grosse, da 
sonst die geringe Verbreitung des Bimssteins von Norden nach 
Süden nur schwer zu erklären sein dürfte. 

Das Hauptverbreitungsgebiet der Bimssteine stellt sich als ein 
langgestrecktes, aber schmales Band dar, dessen von SW. nach 
NO. gehende Richtung mit dem Streichen der überall zu Tage 
tretenden Devonschichten übereinstimmt. Diese Thatsache lässt 
sich vielleicht durch die Annahme deuten, dass die Eruptionen 
aus einer im Devon aufsitzenden Spalte erfolgten. Für eine Reihe 
von Trachytausbrüchen ist eine solche Verknüpfung mit präexi- 
stirenden Spalten als ziemlich sicher nachzuweisen. Das Thal des 
Saynbaches folgt in seinem oberen Verlaufe ganz genau der Streich- 
linie der unterdevonischen Schichten. In demselben setzt eine 
Reihe von Trachyt- und Basaltkuppen auf, die durch den Bach 
in zwei Hälften getheilt werden. Wenn das Wasser aber, statt 
seinen Weg durch die wenig widerstandsfähigen Devonschichten 
zu nehmen und die festeren Eruptivgesteine zu umgehen, diese 
letzteren durchbricht, so ist wohl nur anzunehmen, dass die Thal- 
bildung durch eine präexistirende Spalte, die mit dem Streichen 
der Devonschichten correspondirte und aus der dann auch die 
Trachyte und Basalte empor kamen, bedingt war. 

Ein geringer Theil der Bimssteinmassen, naturgemäss nur die 
feineren Sande, gelangte durch den Wind weiter nach Osten auf 
den hohen Westerwald und darüber hinaus. 

Die Bimssteine des Westerwaldes liegen jetzt fast alle wenig- 
stens auf secundärer Lagerstätte, wie dies bei der überaus grossen 
Beweglichkeit derselben leicht erklärlich ist. Die secundäre Lager- 


Gustav ängelhis, über die Bimssteine des Wostorwaldes. 


411 


stätte nahmen die Sande bereits zur Tertiärzeit ein, da auch die 
unter dein jüngeren Basalt liegenden Massen die vollkommenste 
Schichtung zeigen, diese wird aber bedingt durch die Mitwirkung 
von fliessendem Wasser. Die Ausbreitung des Bimssteins durch das 
Wasser war ganz von den Terrainverhältnissen abhängig, weshalb 
die grossen Stücke nach Osten hin ganz plötzlich verschwinden. 

Einige wenige Ablagerungen liegen noch an ihrer ursprüng- 
lichen Stelle, d. h. da, wo die Sande niedergefallen sind. Als 
sicher möchte ich dies für die an dem Abhange des grossen Arz- 
bacher Kopfes beobachteten Bimssteine« annehmen. Hier erreicht 
der Bimsstein sein höchstes Niveau; er liegt auf Sanidin-Oligoklas- 
T rachyt. 

Der grösste Theil der auf dem Westerwalde ausgeworfenen 
Bimssteinmassen fand später durch Wegschwemmung seinen na- 
türlichen Weg nach dem Lahn- und ganz besonders nach dem 
Rheinthal. In letzterem, so wie in den in dasselbe einmündenden 
Schluchten hat der Bimsstein jetzt seine grösste verticale Ver- 
breitung. Wenn die Zahl der grösseren Bimssteinstücke nach dem 
Rhein hin um ein Weniges zunimmt, so ist der Grund davon 
darin zu suchen, dass gerade die grossen Brocken sich länger 
schwimmend auf dem Wasser zu halten vermögen, mithin transport- 
fähiger sind als die feineren Sande. Die besonders grossen Bims- 
steine bei Nauort, die an und für sich also besonders leicht weg- 
zuführen sind, blieben auf dem Wege nach dem Rheinthal liegen, 
weil das in der Umgebung des genannten Dorfes sehr flache 
Terrain den weiteren Transport erschwerte. 

Seit der Tertiärzeit hat eine fortwährende Verschiebung der 
Bimssteinablagerungen stattgefunden. Eine Ueberlagerung dilu- 
vialer Bildungen, besonders des Löss durch Bimssteinsand kann 
deshalb auch nichts Auffallendes haben, vielmehr stehen solche 
Verhältnisse in vollstem Einklänge mit meinen Beobachtungen. 
Dagegen wird durch die auch bei den vom Westerwalde stam- 
menden Bimssteinen vorkommende Auflagerung auf jüngeren 
Bildungen eine Trennung derselben von denen des Laacher Ge- 
bietes sehr erschwert. 

Bonn, im April 1882. 


Ueber 

das Spalteiisjstem am SW. -Abfall des 
Brockenmassivs, 

insbesondere in der Gegend von St. Andreasberg. 

Von Herrn E. Kayser in Berlin. 

(Hierzu Tafel X und XL) 


E i n 1 e i t e n de Be m e r k u n g e n . 

Eins der interessantesten Erzreviere des Harzes ist dasjenige 
von St. Andreasberg. Nicht nur die reiche Ausbeute an Silber 
und anderen Metallen, die dasselbe seit Jahrhunderten geliefert, 
und die Mannichfaltigkeit und Schönheit der die Erze begleitenden 
Mineralien, sondern auch die ganze Art des Auftretens, sowie seine 
scheinbar insulare Abgeschlossenheit machen gerade das Anclreas- 
berger Erzfeld besonders merkwürdig. Die formalen Verhältnisse 
der Andreasberger Gänge sowie die Art ihrer Mineral- und Erz- 
ausfüllunff hat uns eine im Jahre 1865 erschienene Arbeit Her- 

O 

MANN Credner’s 1 ) kennen gelehrt, in der Alles, was damals über 
diese Verhältnisse zu ermitteln war — und viel mehr würde auch 
beute kaum ermittelt werden können — , in ebenso sorgfältiger als 
klarer Weise zusammengestellt worden ist. Was aber den Tlieil 
der Credner’ sehen Arbeit betrifft, der die allgemeinen geologischen 
Verhältnisse „der Andreasberger Gegend behandelt, so kann der- 


) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. XVII, p. 163. 


E. Kaysee , über das Spaltensystem am SW.- Abfall etc. 


413 


selbe, da zu jener Zeit die Zusammensetzung der dort verbreiteten 
Ablagerungen des älteren Harzer Schiefergebirges noch ganz un- 
bekannt war und daher auch der geologische Bau eines beliebig 
herausgegriffenen Gebietes, wie des Andreasberger, unmöglich 
richtig verstanden werden konnte, heutzutage nicht mehr genügen. 

Die Credner s ch e Arbeit nach dieser Seite zu ergänzen und 
zugleich den Zusammenhang des Andreasberger Spaltensystems 
mit dem geologischen Bau dieses Theils des Harzes darzulegen, 
ist der Hauptzweck des vorliegenden Aufsatzes. Directe Veran- 
lassung zu demselben gab der mir Seitens des Vorstandes der 
geologischen Landesanstalt ausgesprochene Wunsch, dass ich den 
Inhalt eines Vortrages, den ich im Winter 1880/81 vor der Deutschen 
geologischen Gesellschaft J ) hielt, und der über grosse Verwerfungs- 
spalten in der Gegend von Andreasberg handelte, zu einer ausführ- 
licheren Abhandlung für dieses Jahrbuch ausarbeiten möge. Ich bin 
dieser Aufforderung um so bereitwilliger nachgekommen, als es mir 
im Laufe des vergangenen Sommers (1881) bei einer erneuten Be- 
gehung der Gegend von Andreasberg und Braunlage gelungen ist, 
eine grosse Anzahl weiterer Bruchlinien aufzufinden, die diesem 
Theile des Harzes eine ganz neue Physiognomie geben und zu- 
gleich für das Verständniss des Andreasberger Gangnetzes von 
grösster Wichtigkeit sind. 

Von ausserordentlichem Nutzen waren mir bei der vor- 
jährigen Kartirung des Gebietes von Andreasberg die neuen, aus 
dem Jahre 1878 stammenden metrischen Aufnahmen des General- 
stabes, die ein ebenso correctes Bild der Gegend geben, als das 
der älteren Karte mangelhaft war. Ich erkenne es gern an, dass 
ich es wesentlich dieser trefflichen neuen Grundlage zu danken 
habe, wenn es diesmal gelungen ist, eine so grosse Zahl von 
Dislocationsspalten aufzufinden, die mir bei der ersten Ueber- 
sichtsaufnalnne des fraglichen Gebietes im Jahre 1873 unbekannt 
geblieben waren. 

Leider war der Druck der LossEN’schen geologischen Ueber- 
sichtskarte des Harzes (im Maassstab 1 : 100000) schon zu weit vor- 


x ) Zeitsclir. d. Deutsch, geol. C4es. Bd. XXXIII, p. 348. 


414 


E. TCayseh, über das Spaltensystem 


geschritten, als dass es noch möglich gewesen wäre, die in den 
letzten anderthalb Jahren aufgefundenen Spalten am SW. -Abfall 
des Brockenmassivs in dieselbe aufzunehmen. Es war daher zum 
Verständniss der nachfolgenden Mittheilungen nöthig, denselben 
einen Ausschnitt aus der LöSSEN’schen Karte beizugeben, auf dem 
jene Bruch- und Gangspalten eingetragen wurden und auch einige 
sonstige, sich auf meine neueren Beobachtungen in der Gegend 
von Sieber, Andreasberg und Braunlage stützende Correcturen zur 
Ausführung gekommen sind. Die Grenzen dieser Karte ( Taf. X) 
wurden so gewählt, dass dieselbe im O. bis in die Gegend von 
Braunlage, im SW. bis an den Gebirgsrand zwischen Herzberg 
und Osterode, im NW. bis Zellerfeld und Wildemann reicht. 
Auf diese Weise tritt der Zusammenhang der Andreasberger 
Spaltengruppe sowohl mit dem sich ihr im S. anschliessenden 
Lauterberger Spaltensystem, als auch mit dem Gangnetze des 
Oberharzer Plateaus deutlich hervor. 

Ausserdem wird die Arbeit noch von einer zweiten Karte im 
Ma assstab 1 : 25 000 (Taf. XI) begleitet, die einen Ausschnitt aus 
den Messtischblättern Andreasberg und Riefensbeek, ebenfalls nach 
den neuesten Aufnahmen des Generalstabes darstellt und die 
specielleren geologischen Verhältnisse der Umgebung von Andreas- 
berg, wie sie sich nach meinen eingehenden letztjährigen Unter- 
suchungen darstellen, veranschaulichen soll. 


Geologische Verhältnisse des zu betrachtenden Gebietes. 

Der im Folgenden zu behandelnde Theil des Harzes gehört 
dem SW. -Abfall des granitischen Brockenmassivs und den an- 
grenzenden Theilen des Schiefergebirges an und reicht im N. bis 
auf die Höhe des Brockens und des Bruchberges, im O. bis über 
die Heinrichshöhe und die beiden Winterberge (nördlich Braunlage) 
hinaus, im Süden bis in die Gegend der Brunnenbachmühle (süd- 
lich Braunlage) , des Oderhauses und der Andreasberger Silber- 
hütte, im W. endlich über das Obere Sieberthal hinaus bis auf 


am SW.- Abfall des Brockenmassivs. 


415 


den Rücken des Acker. Die allgemeine Bodenabdachung inner- 
halb dieser Grenzen geht von N. nach S. Die höchste Erhebung 
(mit 1142 Meter) liegt in der Brockenkuppe, von der aus das 
Granitmassiv sich nach W. langsam, nach S. schneller abdacht. 
Nächst dem Brocken tritt als bedeutende Erhebung der gerade, 
langgedehnte, nach SW. bis an den Gebirgsrand bei Osterode zu 
verfolgende Quarzitrücken des Bruchberges und Acker (über 900 
und 850 — 700 Meter) hervor. Von tieferen Thaleinschnitten sind 
zu nennen: das zwischen Brocken und Bruchberg in östlicher 
Richtung einschneidende Thal der kalten Bode, sowie das Oder- 
und Sieberthal, welche beide in dieser Gegend eine wesentlich 
südliche Richtung haben. Das zwischen den Thälern liegende 
Plateau hat selbst im S. von Andreasberg und Braunlage noch 
eine sehr beträchtliche, hinter der des Oberharzer Plateaus kaum 
zurückbleibende (550 bis über G00 Meter betragende) Höhe; und 
da sowohl das Oder- wie auch das Sieberthal sich sehr rasch ver- 
tiefen, so gehören dieselben schon an der Südgrenze unseres Ge- 
bietes zu den tiefst eingeschuittenen Thälern des ganzen Gebirges. 

Die innerhalb unseres Gebietes auftretenden Ablagerungen 
des Schiefergebirges gehören gänzlich dem Unter dev on und 
zwar den beiden ältesten im Harz erscheinenden Stufen desselben, 
der Tauner Grauwacke und den Wieder Schiefern an. 

Die Tauner Grauwacke setzt sich bald aus einer mehr 
massigen, in dicke Bänke gegliederten Grauwacke, bald aus einem 
dünnschichtigeren, mürberen Grauwackenschiefer, aber nie aus 
reineren, dünnblätterigen Thonschiefern zusammen. Gewöhnlich 
wechseln massige Bänke mit mächtigeren, schieferigen Zwischen- 
lagen. Im frischen Zustande ist die compacte Grauwacke von 
blaugrauer, die schieferige von blau- bis grünlichgrauer Fär- 
bung. Wie allenthalben im Harz, besteht das meist ziemlich fein- 
bis kleinkörnige, indess hie und da auch grobkörnig werdende 
Gestein aus wenig gerundeten Körnern von Quarz und Feldspath, 
sowie aus Fragmenten von Thon- und mitunter Kieselschiefer. An 
der obersten Grenze ist die in Rede stehende Stufe gewöhnlich 
aus dünnplattigen Bänken eines feinkörnigen, festen Grauwacken- 
schiefers zusammengesetzt, der nach oben rasch in die wetzschiefer- 


E. Kayser, über das Spaltensystem 


416 

artigen Gesteine übergeht, mit denen die Stufe der Wieder Schiefer 
im W. von Andreasberg zu beginnen pflegt. Diese obersten 
plattigen Grauwackenschiefer sind ein Aequivalent der namentlich 
im Ostharze sehr entwickelten, die obere Zone der Tauner Grau- 
wacke bildenden Plattenschiefer. 

Von Versteinerungen hat sich in der Tauner Grauwacke 
unseres Gebietes nichts Anderes gefunden, als hie und da Spuren 
von Pflanzenresten. 

Die S t u f e derWiederSchiefer stellt ein mächtiges System 
von Thonschiefern mit mannichfachen Einlagerungen von Kiesel- 
und Wetzschiefern, kalkigen Gesteinen, Quarziten und Grauwacken 
dar, zu denen in bestimmten Niveaus noch mehr oder weniger 
zahlreiche und bedeutende Diabaslager hinzuzutreten pflegen. 

Die Stufe zerfällt in eine untere und eine obere Abtheilung. 

Die untere Abtheilung der Wieder Schiefer beginnt 
im W. von Andreasberg allenthalben mit einer Zone, die durch 
mehr oder minder mächtige Einlagerungen von Wetz- und 
Kiesel schiefem ausgezeichnet ist. Local, wie am Ostabhang 
des Acker, können diese Gesteine so stark entwickelt sein, dass 
sie nicht mehr als Einlagerungen im Schiefer erscheinen, sondern 
ein fast reines Wetz- und Kieselschiefersystem bilden. Hie und da 
treten ganz untergeordnet schwach kalkige Gesteine, selten 
(wie im Thal der Gr. Kulmke westlich vom Forsthause Schilift) 
kleine Lager von reinerem Kalk auf. Im Ö. des oberen Sieber- 
thaies verschwinden die Wetz- und Kieselschiefer sehr rasch, 
während sich die kalkigen Einlagerungen zu grösserer Häufigkeit, 
wenn auch nirgends zu grösserer Mächtigkeit und Reinheit ent- 
wickeln. Grauwacken, die im mittleren und östlichen Harz in Beglei- 
tung der Kieselschiefer und Kalksteine im unteren Theile der 
unteren Wiederschiefer eine nicht unwichtige Rolle spielen, fehlen 
in dieser Gegend des Harzes so gut wie gänzlich. 

Ueber der beschriebenen Zone folgt eine andere, die aus ver- 
hältnissmässig reinen, von fremden sedimentären Einlagerungen 
fast freien Thonschiefern besteht, die aber um so reicher an Ein- 
schaltungen von körnigem Diabas zu sein pflegt und daher als 
Zone der körnigen Diabase bezeichnet werden kann. 

O 


am SW.- Abfall des Brockenmassivs. 


417 


Die untere Abtheilung der Wieder Schiefer ist es, welche die 
bekannte hercynische Fauna beherbergt, eine Fauna, die sich 
trotz ihres entschieden devonischen Gesammtcharakters (der nament- 
lich in den Cephalopoden [Goniatiten] , Trilobiten und Korallen 
hervortritt), dennoch eine Anzahl älterer, früher allgemein als sibirisch 
betrachteter Formen — darunter besonders Graptolithen — ein- 
schliesst. Innerhalb des in Rede stehenden Gebietes sind Ver- 
steinerungen dieser Fauna lei